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Format: Kapsel

Wichtige Merkmale auf einen Blick

  • Ein „Capsule“-Format ist eine Diskussion in geschlossenen Kleingruppensitzungen zwischen Forschenden und politischen Entscheidungsträgern (unter Ausschluss der Öffentlichkeit). In der Regel nehmen zwei Forschende und zwei Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung daran teil, bei Bedarf können es jedoch auch weniger oder mehr sein. Bei dieser Diskussion kann auch ein kleines Publikum anwesend sein.
  • Es handelt sich um ein freies Format, das es den Teilnehmenden ermöglicht, sich ungezwungen auszutauschen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, dass ein großes Publikum zuhört; anschließend werden die wichtigsten Punkte, die sich aus der Diskussion ergeben haben, dem Publikum vorgestellt
  • Die Themen müssen zur Diskussion offen sein und im Voraus festgelegt werden, da später eine öffentliche Präsentation der Diskussion stattfindet, bei der Fragen aus dem Publikum gestellt werden können.

 

 

Wie funktioniert das Format?

Teil 1: Das private Treffen

Das „Capsule“-Format basiert auf einem vertraulichen und informellen Rahmen, der offene und konstruktive Diskussionen fördern soll.

In der Regel treffen sich zwei oder drei politische Entscheidungsträger mit zwei oder drei Forschenden, idealerweise aus unterschiedlichen Disziplinen. Der Workshop wird von Wissensvermittelnden der Universität organisiert, wenn wir, wie in unserem Fall, ein gemeinsames Thema identifiziert haben.

Die „Capsule“ wurde im Rahmen einer zweitägigen Konferenz organisiert, was uns die Möglichkeit bot, am Thema interessierte Forschende und politische Entscheidungsträger zusammenzubringen und ihnen eine wichtige Gelegenheit für eine vertrauliche Diskussion zu diesem Thema zu bieten. Das Treffen ist für die Öffentlichkeit und die Medien nicht zugänglich. Die Teilnehmenden sind eingeladen, ihr Wissen, ihre Herausforderungen und Fragen frei auszutauschen, ohne sich Gedanken über öffentliche Kommunikation oder politische Positionen machen zu müssen.

Dieses Format zielt darauf ab, ein Klima des Vertrauens zu schaffen, und kann für beide Seiten zu vorteilhaften Beziehungen in der Zukunft führen.

Politiker können Fragen stellen, ohne Angst vor einer Bewertung zu haben, und Forschende, die es nicht gewohnt sind, in der Öffentlichkeit zu sprechen, können komplexe oder sogar sensible Erkenntnisse präsentieren.

Dieses „Capsule“-Format ermöglicht es zudem, auch längerfristig zu denken, indem neue Handlungsfelder erschlossen werden. Diese Dialoge können einmalige Veranstaltungen oder Teil eines zyklischen Prozesses sein.

 

Teil 2: Die öffentliche Präsentation

Am Ende der nicht-öffentlichen Sitzung kann eine öffentliche Nachbesprechung organisiert werden, um die wichtigsten diskutierten Ideen zu teilen und dabei die Vertraulichkeit einzelner Kommentare zu wahren. Diese Zeit ermöglicht eine breitere Reflexion und unterstreicht den Wert der Diskussion. In unserem Fall fand die nicht-öffentliche Sitzung statt, während das Publikum in die Mittagspause ging. Bei der Rückkehr war die öffentliche Sitzung in das Konferenzprogramm des Tages integriert, was uns ein zahlreiches, interessiertes und dynamisches Publikum bescherte.

 

Herausforderungen und deren Bewältigung

Die größte Herausforderung dieses Formats für das unterstützende Personal (Wissensaustausch- und Forschungsmanagerinnen und -manager) besteht darin, während der gesamten Diskussion einen roten Faden zu wahren, um die Kohärenz und den Fortschritt des Austauschs sicherzustellen. Zu diesem Zweck ist die Wahl des Moderators oder der Moderatorin entscheidend: Er oder sie muss die Themen im Voraus gründlich vorbereitet haben, Kommentare umformulieren können und Verbindungen zwischen den Anliegen der Teilnehmenden herstellen, insbesondere während der zweiten Phase der öffentlichen Präsentation.

 

Aufgaben und Ressourcen

Der Inhalt ist sehr offen, doch muss der Moderator oder die Moderatorin das Diskussionsthema sowie die Grenzen des Fachgebiets der Forschenden und die Grenzen des Tätigkeitsbereichs der politischen Entscheidungsträger gründlich vorbereitet haben, damit die Diskussion produktiv verläuft.

Obwohl das Format recht offen ist, erfordert es für alle Teilnehmenden einen gewissen Vorbereitungsaufwand. Tatsächlich ist ein Treffen vor der Diskussion für alle sehr nützlich, um ihre Fachgebiete zu klären und auch die Themen und Grenzen der Diskussion festzulegen.

 

Beispiele

https://www.univ-lyon2.fr/sciences-et-societe/nos-projets/review-of-the-capsule-meeting-between-policy-makers-and-reseachers-on-the-key-topic-the-management-of-urban-wastelands

 

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UGR County Councils: Ein regionales Dialogformat für nachhaltige Entwicklung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Zehn regionale UGR-Kreisräte, jeweils einer pro Kreis der Provinz Granada
  • „Living Lab“- und „Quadruple-Helix“-Ansatz zur Vernetzung von Hochschulen, Behörden, Unternehmen und Bürgern
  • Partizipative Ermittlung lokaler Herausforderungen in den Bereichen Wasserwirtschaft, Bodensanierung, nachhaltige Mobilität und Kulturerbe
  • Wissenschafts-Politik-Partnerschaften zwischen Forschenden und Beamten zur Erarbeitung lokal relevanter Lösungen
  • Institutioneller Rahmen zur Gewährleistung einer langfristigen Koordination und eines Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und Gebietskörperschaften

Beschreibung

Die UGR-Bezirksräte sind ein regionales Modell für den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung, das von der Universität Granada (Spanien) im Rahmen des Erasmus+-Projekts „ENGAGEgreen“ entwickelt wurde.

Die Initiative ist eine Reaktion auf die dringenden ökologischen und sozialen Herausforderungen der Provinz, wie Dürre, Bodendegradation und Landflucht, und sieht die Einrichtung von zehn Bezirksräten vor. Einen Bezirksrat pro Bezirk, der Wissenschaft, politisch Verantwortliche, den privaten Sektor und die Zivilgesellschaft miteinander verbindet.

Unter Anwendung der Living-Lab-Methodik und des Quadruple-Helix-Modells fördern die Räte gemeinsames Experimentieren und eine evidenzinformierte Politikgestaltung. Sie dienen als lokal-verankerte Plattformen für gemeinsame Gestaltung, Kapazitätsaufbau und partizipative Regierungsführung und treiben so die nachhaltige Entwicklung auf regionaler Ebene voran.

 

Wie funktioniert das Format?

  1. Einleitung

Die aktuellen Umweltprobleme in Granada machten deutlich, dass es an strukturierten Mechanismen mangelt, um wissenschaftliche Erkenntnisse in die Politikgestaltung einzubeziehen. Um dem entgegenzuwirken, richtete die UGR zehn Bezirksräte ein, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik auf regionaler Ebene zu institutionalisieren.

  1. Ziele

  • Förderung eines inklusiven und strukturierten Dialogs zwischen Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft.
  • Identifizierung und Priorisierung lokaler Herausforderungen durch partizipative Plattformen.
  • Erprobung eines skalierbaren Modells der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik, das sich auf andere europäische Regionen übertragen lässt.
  • Stärkung der institutionellen Kapazitäten für den Wissenstransfer und Festigung des gesellschaftlichen Engagements der Universität.
  1. Methodik

Die Räte verfolgen einen „Living Lab“-Ansatz, der Experimente unter realen Bedingungen und die gemeinsame Entwicklung lokal relevanter Lösungen durch die Beteiligten fördert.

Sie integrieren die Logik der „Quadruple Helix“ und der „Quintuple Helix“ und gewährleisten dabei die Beteiligung von:

  • akademischen Einrichtungen
  • öffentlichen Verwaltungen
  • Akteuren des privaten Sektors
  • zivilgesellschaftlichen Organisationen

 

Bei der Rekrutierung und Einbindung wurden institutionelle Kommunikationskanäle (E-Mails, Websites) mit informellen Kanälen kombiniert, um lokale Akteure und Bürger und Bürgerinnen zu erreichen.

Die Aktivitäten fanden in hybriden Formaten (online und vor Ort) statt, darunter Webinare, gemeinschaftliche Workshops und Fortbildungen, die darauf abzielten, den Dialog, das gegenseitige Lernen und die gemeinsame Entscheidungsfindung zu fördern.

 

 

  1. Höhepunkte der Pilotphase

Die UGR-Kreisräte wurden im Januar 2025 im Rahmen des ersten „Impronta Granada“-Treffens offiziell ins Leben gerufen, an dem 143 Personen an diesem ersten landesweiten Treffen teilnahmen. Seitdem hat sich die Initiative zu einem strukturierten Netzwerk mit rund 230 aktiven Teilnehmenden in zehn Landkreisen Granadas entwickelt.

Die Räte haben den wissenschaftspolitischen Dialog zu zentralen Umweltthemen gefördert, unter anderem durch Webinare und Seminare zu Bodensanierung, Dürremanagement und biotechnologischen Alternativen zur Schädlingsbekämpfung, die gemeinsam mit lokalen Behörden und wissenschaftlichen Experten organisiert wurden.

Die Einbindung der Interessengruppen spiegelt das „Quadruple-Helix“-Konzept des Projekts wider, das Akteure aus öffentlicher Verwaltung, akademischen Einrichtungen, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft zusammenbringt.

Insgesamt wurden über 15 Aktivitäten in verschiedenen Formaten organisiert, darunter:

  • Webinare zu Bodensanierung und Dürre in Zusammenarbeit mit regionalen Behörden
  • Ein Seminar zur nachhaltigen Schädlingsbekämpfung, das gemeinsam von Biotechnologie-Experten der UGR und lokalen Bürgermeistern geleitet wurde
  • Workshops zum Kapazitätsaufbau und gemeinsame Tagungen, aus denen mehr als acht lokalisierte Handlungsvorschläge hervorgingen, von denen mehrere derzeit in kommunale und regionale politische Agenden integriert werden
  • Gemeinsam entwickelte, ortsspezifische Lösungen zu den Themen Wasserbewirtschaftung, ökologischer Wandel und ländliche Innovation, die in den lokalen Gegebenheiten verwurzelt sind
  • Mechanismen zur Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik, die es Forschenden ermöglichen, als regionale Vermittelnde zu fungieren und eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung auf kommunaler Ebene voranzutreiben.

 

 

  1. Ergebnisse und Auswirkungen

  • Nationale und internationale Sichtbarkeit durch die Teilnahme an Konferenzen, die Verbreitung über institutionelle Netzwerke und kontinuierliche Medienarbeit
  • Entwicklung eines flexiblen Steuerungsmodells, das zentrale Koordination mit lokaler Autonomie und Selbstorganisation in Einklang bringt
  • Institutionelle Anerkennung und symbolische Anreize, wie Teilnahmebescheinigungen und der bevorstehende „Best UGR County Council Award“, stärken das langfristige Engagement der Interessengruppen
  • Hybride Beteiligungsformate (online und vor Ort) haben die Zugänglichkeit insbesondere in ländlichen Gebieten erweitert und damit die Inklusivität und pluralistische Vertretung gestärkt

Insgesamt haben die UGR-Kreisräte das Potenzial der Universitäten als regionale Vermittler unter Beweis gestellt und durch einen nachhaltigen Dialog zwischen Wissenschaft und Politik kooperative Lösungen zur Bewältigung ökologischer und sozialer Herausforderungen gefördert.

 

Herausforderungen

  • Die historisch schwachen Verbindungen zwischen Wissenschaft und Kommunalverwaltungen erforderten den Aufbau von Vertrauen
  • Abwägung zwischen akademischer Koordination und kommunaler Autonomie
  • Gewährleistung einer gerechten Vertretung aller Sektoren der Vierfach-Helix
  • Bewältigung logistischer Herausforderungen und Gewährleistung der Erreichbarkeit in ländlichen Gebieten
  • Umsetzung der Ergebnisse des Dialogs in konkrete, umsetzbare politische Maßnahmen
  • Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung einer konsistenten Beteiligung in allen Landkreisen

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

  • Beiträge in Form von Forschungserkenntnissen zu den Themen Nachhaltigkeit, Boden, Wasser und Kulturerbe
  • Funktion als regionale Vermittler zur Förderung evidenzbasierter Diskussionen
  • Unterstützung bei Überwachung und Bewertung durch Datenanalyse und Umsetzung in politische Maßnahmen

Manager und Managerinnen für Wissensaustausch und Forschung

  • Koordinieren die Einrichtung von zehn landkreisbasierten Räten und kümmern sich um die Logistik
  • Konzipieren und moderieren Workshops zur gemeinsamen Gestaltung sowie Schulungsveranstaltungen
  • Stellen die Abstimmung zwischen lokalen Prioritäten und den Zielen von ENGAGEgreen sicher
  • Erstellen Berichte und Kommunikationsmaterialien zur Verbreitung (Websites, Medien)

Akteure in Politik und Verwaltung

  • Teilnahme an Workshops und Webinaren, um Herausforderungen und Prioritäten auszutauschen
  • Bereitstellung lokaler Daten, des administrativen Kontexts und von Feedback zu Lösungsvorschlägen
  • Integration gemeinsam erarbeiteter Vorschläge in die politischen Agenden der Gemeinden oder Landkreise

 

Beispiele

  • Auftaktveranstaltung (Januar 2025): Am ersten „Impronta Granada“-Treffen nahmen 143 Teilnehmer teil; damit wurden alle zehn UGR-Kreisräte gegründet
  • Bestehendes Netzwerk:B Rund 230 aktive Teilnehmer in der gesamten Provinz
  • Thematische Webinare: Zu den Themen Bodensanierung, Dürremanagement und biotechnologische Schädlingsbekämpfung, gemeinsam organisiert mit lokalen Behörden und Forschern
  • Workshops: Es wurden über 10 lokalisierte Handlungsvorschläge erarbeitet, von denen mehrere derzeit in die kommunale Politik umgesetzt werden
  • Hybride Formate: Die Teilnahme sowohl online als auch vor Ort stärkte die Inklusivität und Zugänglichkeit für ländliche Gemeinden

 

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Integration und Interaktion mit verschiedenen Interessengruppen

Integration und Interaktion mit verschiedenen Interessengruppen: politische Entscheidungsträger, Wissenschaftler, lokale Unternehmen und Bürgervertretende

Beschreibung

Die erfolgreiche Integration und Interaktion mit einem breiten Spektrum von Interessengruppen sind entscheidend, um sicherzustellen, dass lokale Entwicklungsprojekte umfassend, inklusiv und nachhaltig sind.

Die Einbindung von Interessengruppen ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der klare Kommunikation, transparente Entscheidungsfindung und eine fortlaufende Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erfordert. Das Verständnis der Rollen und Erwartungen jeder Interessengruppe ist von grundlegender Bedeutung für die Schaffung eines kooperativen Umfelds, in dem alle Stimmen gehört und wertgeschätzt werden.

Dieser Beitrag untersucht Methoden und bewährte Verfahren zur Einbindung von Interessengruppen und zur Förderung ihrer aktiven Teilnahme an territorialen Entwicklungsinitiativen. Darüber hinaus befasst er sich mit Strategien zum Umgang mit Interessenkonflikten, die zwischen den Interessengruppen in kooperativen territorialen Projekten auftreten können.

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Ziel: Schaffung eines Rahmens für die Einbindung von Interessengruppen in territoriale Entwicklungsprojekte durch die Förderung von Zusammenarbeit und gegenseitigem Verständnis zwischen verschiedenen Sektoren.
  • Ansatz: Eine mehrphasige Strategie, die die Identifizierung von Interessengruppen, Konsultation, Zusammenarbeit und kontinuierliche Feedbackschleifen umfasst, um sicherzustellen, dass jede Interessengruppe während des gesamten Prozesses aktiv eingebunden bleibt.
  • Ergebnis: Die Schaffung inklusiver und nachhaltiger Lösungen, die die Interessen und Bedürfnisse aller relevanten Interessengruppen widerspiegeln.

Wie funktioniert das Format?

Erfassung und Identifizierung von Interessengruppen

Der erste Schritt zur Integration und Interaktion mit Interessengruppen besteht darin, die wichtigsten Interessengruppen zu identifizieren und ihre Rolle im Projekt zu verstehen. Dazu gehören Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung, Wissenschaftler, lokale Unternehmen, Bürger und Bürgerinnen und andere relevante Akteure, die mit dem jeweiligen Thema in Verbindung stehen. Die Identifizierung der Interessengruppen kann mithilfe verschiedener, sich ergänzender Methoden erfolgen: durch Rückgriff auf das Wissen und die Netzwerke der bereits am Projekt beteiligten Personen, durch Recherchen im Internet und auf Websites, durch die Auswertung institutioneller Dokumente und früherer Initiativen, durch die Konsultation von Verzeichnissen und öffentlichen Datenbanken, durch direkte Befragung betroffener Gruppen und lokaler Organisationen sowie durch den Einsatz von Schneeballtechniken, bei denen erste Kontakte weitere relevante Akteure vorschlagen. Workshops, Interviews, Umfragen und partizipative Kartierungsübungen können ebenfalls dazu beitragen, die Interessengruppenkarte zu erweitern und zu validieren. Dieser Prozess ermöglicht es den Projektleitenden zu ermitteln, wer von dem Projekt betroffen ist, wer über relevantes Fachwissen verfügt, wer Entscheidungsbefugnisse hat und wer Ressourcen, Legitimität oder Umsetzungskapazitäten einbringen kann, um den Erfolg des Projekts zu unterstützen.

Konsultationen und Bedarfsanalyse

Sobald die Stakeholder identifiziert sind, besteht der nächste Schritt darin, sie durch Konsultationen in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Dies kann durch Umfragen, Fokusgruppen, Gemeinschaftstreffen oder Online-Konsultationen erfolgen. Ziel ist es, Einblicke in ihre Bedürfnisse, Erwartungen und Bedenken zu gewinnen. Bei einem Raumordnungsprojekt könnten Mitarbeitende aus der Politik beispielsweise an Wirtschaftswachstum interessiert sein, während lokale Gemeinden möglicherweise Nachhaltigkeit und den Erhalt des kulturellen Erbes in den Vordergrund stellen.

  • Gemeinsame Gestaltung und kooperative Workshops

Nach den Rückmeldungen der Interessengruppen besteht der nächste Schritt darin, von der Beratung zur gemeinsamen Gestaltung überzugehen. Hier kommen die Interessengruppen in kooperativen Workshops zusammen, um Lösungen zu entwerfen. Diese Workshops sollten so strukturiert sein, dass sie eine inklusive Beteiligung ermöglichen und sicherstellen, dass jede Interessengruppe ihre Perspektiven einbringen kann. Beispielsweise könnten Forscher der UGR wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Analysen beisteuern, während lokale Unternehmen ihr Wissen über die regionale Wirtschaft und Markttrends einbringen könnten.

  • Umgang mit Interessenkonflikten

Bei jedem regionalen Kooperationsprojekt können Interessenkonflikte zwischen den Beteiligten auftreten, insbesondere wenn die Ziele von Kommunalverwaltungen, Wissenschaftlern und Unternehmen voneinander abweichen. Der Umgang mit diesen Konflikten ist entscheidend für die Aufrechterhaltung produktiver Beziehungen.

Strategien zum Umgang mit Interessenkonflikten umfassen:

○             Offene Kommunikation und Transparenz hinsichtlich der Ziele und Rahmenbedingungen der einzelnen Interessengruppen.

○             Kompromisse und Verhandlungen, bei denen die Interessengruppen eine gemeinsame Basis finden oder sich auf Kompromisse einigen, die ihre Interessen in Einklang bringen.

○             Moderation durch Dritte zur Schlichtung von Meinungsverschiedenheiten und zur Einbringung neutraler Perspektiven, die die Zusammenarbeit fördern.

○             Vertrauensaufbau durch Einbindung aller Interessengruppen in den Entscheidungsprozess, um sicherzustellen, dass jeder das Gefühl hat, seine Meinung werde wertgeschätzt und zur gemeinsamen Vision beitrage.

 

Kontinuierliches Feedback und Anpassung

Die Einbindung der Interessengruppen endet nicht nach der ersten Konsultation oder dem ersten Workshop. Es ist wichtig, Feedbackschleifen und kontinuierliche Kommunikationskanäle zu schaffen, um sicherzustellen, dass die Interessengruppen während des gesamten Projekts eingebunden bleiben. Dazu können regelmäßige Updates, Umfragen zur Ermittlung der Zufriedenheit und öffentliche Treffen zur Überprüfung des Fortschritts gehören. Feedback hilft dabei, potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und ermöglicht Anpassungen, damit das Projekt weiterhin den Erwartungen der Interessengruppen entspricht.

 

Digitale Plattformen für die kontinuierliche Interaktion

Eine der effektivsten Möglichkeiten, Interessengruppen einzubeziehen und mit ihnen zu interagieren, sind digitale Plattformen. Tools wie die Impronta Granada-Website ermöglichen es den Interessengruppen, auf Informationen zu laufenden Projekten zuzugreifen, Feedback zu geben und sich mit anderen Teilnehmenden zu vernetzen. Plattformen wie diese sind entscheidend für die Aufrechterhaltung des Engagements, insbesondere in geografisch weit verstreuten Gebieten, in denen persönliche Treffen unter Umständen nicht praktikabel sind.

 

Herausforderungen (und mögliche Lösungsansätze)

  • Vielfältige Interessen: Die Einbindung verschiedener Interessengruppen bedeutet, sich mit unterschiedlichen Anliegen und Prioritäten auseinanderzusetzen. Diese unter einen Hut zu bringen, kann schwierig sein, insbesondere wenn die Interessengruppen widersprüchliche Ziele verfolgen oder nur über begrenzte Ressourcen verfügen. Der Umgang mit diesen Unterschieden erfordert eine gute Kommunikation und die Fähigkeit, Gemeinsamkeiten zu finden.
  • Nachhaltiges Engagement: Während das anfängliche Engagement oft groß ist, kann es eine Herausforderung sein, das langfristige Engagement der Interessengruppen aufrechtzuerhalten, insbesondere bei denen, die konkurrierende Prioritäten haben (z. B. Forschende mit hoher akademischer Arbeitsbelastung oder Vertretende der Politik und Verwaltung, die mit Haushaltszwängen konfrontiert sind).
  • Kommunikationsbarrieren: Um Missverständnisse zu vermeiden, ist es entscheidend, dass die Kommunikation zwischen allen Interessengruppen klar und effektiv bleibt. Sprachunterschiede, Fachjargon oder unterschiedliche Grade des Engagements können Hindernisse für eine effektive Zusammenarbeit darstellen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

  • Aufgaben

○ Bereitstellung von Forschungsdaten und wissenschaftlichen Analysen zur Untermauerung des Entscheidungsprozesses.

○ Teilnahme an gemeinsamen Workshops und Konsultationen zum Wissensaustausch und zur Entwicklung von Lösungen.

  • Erforderliche Ressourcen

○ Zeit für Feldforschung und Datenverbreitung.

○ Kommunikationsmittel zum Austausch von Forschungsergebnissen und zur Vernetzung mit anderen Interessengruppen.

 

Manager und Managerinnen für Wissensaustausch

  • Aufgaben:

○ Förderung der Einbindung von Interessengruppen durch die Organisation von Workshops und Konsultationen.

○ Sicherstellung, dass der Wissensaustausch effektiv ist und die Standpunkte aller Interessengruppen in der Projektgestaltung berücksichtigt werden.

  • Erforderliche Ressourcen:

○ Digitale Plattformen für den kontinuierlichen Austausch und die Datenerhebung (z. B. Websites, Umfrage-Tools, Kommunikationskanäle).

 

Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung

  • Aufgaben:

○ Bereitstellung politischer Rahmenbedingungen und Ressourcen zur Unterstützung von Kooperationsprojekten.

○ Sicherstellung, dass die durch die Einbindung der Interessengruppen entwickelten Lösungen mit den Prioritäten der lokalen Verwaltung im Einklang stehen.

  • Erforderliche Ressourcen:

○ Politische Fachkompetenz zur Moderation von Diskussionen und zur Schaffung von Übereinstimmung zwischen den Interessengruppen.

○ Budget und Finanzmittel für die Projektumsetzung und Folgeaktivitäten.

 

Beispiele:

UGR County Councils ist eine von der Universität Granada (UGR) im Rahmen des Erasmus+-Projekts ENGAGEgreen geleitete Initiative, deren Ziel es ist, die Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen Forschenden, Kommunalverwaltungen und Akteuren aus den Gemeinden zu fördern. Im Mittelpunkt dieser Initiative steht die Bewältigung regionaler Herausforderungen durch gemeinsam erarbeitete, forschungsbasierte Lösungen.

Das zweite Impronta-Granada-Treffen ist die dritte Pilotveranstaltung, die von der UGR im Rahmen dieses Projekts organisiert wurde und bei der Forschende, Akteure aus Politik und Verwaltung und lokale Gemeinden zusammenkommen, um Strategien für eine nachhaltige Entwicklung in ländlichen und städtischen Gebieten zu erörtern und zu entwickeln.

  1. Zweites „Impronta Granada“-Treffen und die UGR-Bezirksräte: Die UGR-Bezirksräte bauten erfolgreich zahlreiche Interessengruppen auf, indem sie Multi-Stakeholder-Plattformen schufen, auf denen Forschende, Kommunalverwaltungen und die Zivilgesellschaft zusammenarbeiten konnten. Die vorbereiteten Online-Treffen und die anschließenden interaktiven Workshops im Rahmen des zweiten „Impronta Granada“-Treffens stellten sicher, dass Forscher ihre Arbeit präsentieren und direkt auf lokale Bedürfnisse eingehen konnten, während Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung den wissenschaftlichen Forschungen einen praxisnahen Kontext lieferten.
  2. Impronta Granada-Website: Die Impronta Granada-Website bot eine leicht zugängliche Plattform für den Austausch zwischen den Akteuren. Dort wurden Profile der Akteure und Einträge zu UGR-Projekten vorgestellt, wodurch Forschende mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung, Unternehmen und lokalen Gemeinschaften in Kontakt treten konnten. Die Website diente zudem als Instrument für Feedback und weiteren Austausch und stellte sicher, dass lokale Akteure stets informiert und in die Projekte eingebunden blieben.

 

Quellen und weiterführende Literatur

 

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Policy Sessions auf wissenschaftlichen Konferenzen

Worum geht es bei diesem Format?

  • Policy Sessions auf wissenschaftlichen Konferenzen sind eine hervorragende Möglichkeit, Policy-Perspektiven zu aktuellen Forschungsthemen zu gewinnen.
  • Sie eignen sich gut, um Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung mit Forschenden aus verschiedenen Forschungsbereichen, Institutionen und Ländern zu vernetzen.
  • Die Organisatorinnen und Organisatoren können die Sessions als Roundtables, Präsentationen von Forschenden sowie Gästen aus Politik und Verwaltung mit anschließender Fragerunde, Podiumsdiskussionen, World Café, Fishbowls oder anderen Formaten gestalten, die einen Dialog zwischen Wissenschaft und Politik ermöglichen.
  • Die Organisatorinnen und Organisatoren müssen bei der Planung von Policy Sessions Ziele, Inhalte, Struktur und Zielgruppen festlegen.

Wie funktioniert das Format?

Wissenschaftliche Konferenzen sind essenziell, um die neuesten Forschungsergebnisse mit Fachkolleginnen und Fachkollegen zu teilen. Sie bieten zudem ausgezeichnete Gelegenheiten, einen Dialog zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung zu etablieren. Während der Inhalt rein akademischer Sessions für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung relevant sein kann, sind Diskussionen in wissenschaftlichen Formaten oft schwer verständlich für Personen, die mit wissenschaftlichen Debatten, Methoden, Fachbegriffen oder akademischer Sprache nicht vertraut sind.

Policy Sessions, die auch als Stakeholder Sessions bezeichnet werden, öffnen die Konferenz für nicht-akademische Zielgruppen. Policy Sessions können als Roundtables, Podiumsdiskussionen und Präsentationen von Forschenden sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung mit anschließender Fragerunde, World Cafés, Fishbowls oder anderen Formaten stattfinden und ermöglichen so einen Dialog zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung.

Die Organisatorinnen und Organisatoren kleinerer wissenschaftlicher Konferenzen können Policy Sessions in die Planung integrieren. Bei großen Konferenzen gibt es oft eine Ausschreibung zur Einreichung von Vorschlägen für Policy Sessions. Organisatorinnen und Organisatoren müssen den Inhalt, die Struktur und die Zielgruppen der Sessions berücksichtigen. Wollen sie spezifische Themen mit technischem Wissen behandeln oder „große Fragen“ diskutieren? Ersteres eignet sich besser für Gäste aus Ministerien oder nachgeordneten Behörden mit Spezialwissen, Letzteres eher für Mitglieder des Parlaments oder Ministerinnen und Minister. In jedem Fall sollten aktuelle Themen ausgewählt werden, die für Gäste aus Politik und Verwaltung relevant sind.

Wissenschaftliche Konferenzen sind wichtig, um sich über den neuesten Stand der Forschung durch Vorträge zu informieren. Doch stundenlanges Zuhören bei Vorträgen kann ermüdend sein. Daher können Policy Sessions am Nachmittag oder am Abend eine willkommene Abwechslung bieten.

Die fruchtbarsten Diskussionen mit Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung finden oft eher in den Kaffeepausen statt als auf der Bühne. Deshalb sollten die Organisatorinnen und Organisatoren eine Atmosphäre schaffen, die informelle Gespräche ermöglicht, zum Beispiel durch Buffets und Stehtische, an denen Teilnehmende die Tische wechseln und mit unterschiedlichen Forschenden ins Gespräch kommen können.

 

Herausforderungen (und wie man ihnen begegnet)

Mitglieder des Parlaments sowie Ministerinnen und Minister sind bekanntermaßen stark ausgelastet und erhalten wöchentlich zahlreiche Anfragen zu Veranstaltungen. Daher sollten Organisatorinnen und Organisatoren überlegen, welche Art von Gästen aus Politik und Verwaltung sie einladen möchten. Möchten sie Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis für Podiumsdiskussionen mit viel Publikum gewinnen, bieten sich Ministerinnen und Minister oder vergleichbare Positionen an. Für kleinere Roundtables eignen sich Gäste aus der Praxis auf der Ebene von Referaten. Die Sessions sollten für die Gäste aus Politik und Verwaltung attraktiv gestaltet werden. Beispielsweise sprechen Podiumsdiskussionen mit Forschenden sowie Stakeholdern aus dem dritten Sektor oder der Wirtschaft Politikerinnen und Politiker an, die an Stakeholder Dialogen interessiert sind.

Organisatorinnen und Organisatoren sollten es nicht persönlich nehmen, wenn die ursprünglich eingeladenen Gäste aus Politik und Verwaltung – einschließlich Ministerinnen und Minister oder Abgeordnete – auf ihre Mitarbeitenden verweisen, es sei denn, es sind besonders renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Nobelpreisträgerinnen und -träger als Gesprächspartner geplant.

Während die Schaffung neuen Wissens ein eigenständiges Ziel der Wissenschaft ist, suchen Gäste aus Politik und Verwaltung nach der politischen Relevanz von Forschungsergebnissen. Theoretische Debatten oder methodische Ansätze sind zwar wichtig, können jedoch für Gäste aus der Praxis schwer verständlich sein. Forschende sollten sich daher darauf konzentrieren, ihr politikrelevantes Wissen zu teilen. Außerdem sollten Forschende Gäste aus Politik und Verwaltung darüber informieren, dass viele Forschende nur begrenztes Wissen über die Herausforderungen der Politikgestaltung und die Funktionsweise von Politik und Verwaltung, etwa Parlamente oder Ministerien, besitzen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Session organisieren, müssen die Struktur planen, Leitfragen für Moderatorinnen und Moderatoren sowie Teilnehmende vorbereiten und eine Zusammenfassung der Session verfassen.
Sollten sie sich mit politischen Themen noch nicht gut auskennen, sollten sich Forschende anhand offizieller Publikationen wie Strategiepapieren, Gesetzen oder Gesetzesentwürfen informieren. Sie sollten zudem die Profile der teilnehmenden Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung (Politikerinnen und Politiker) oder deren Stellenbeschreibungen (Referentinnen und Referenten; Organigramme sind hilfreich) lesen. Forschende sollten sie die zentralen Botschaften, die sie vermitteln wollen, gut überlegen.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Unterstützungsstrukturen können bei der Themenfindung für die Policy Sessions helfen, deren Integration in die akademische Veranstaltung vorschlagen, die Forschenden über aktuelle politische Themen informieren und organisatorische Unterstützung leisten, etwa bei der Raumbuchung oder Hotelreservierung. Sie können zudem bei der Vorbereitung von Pressemitteilungen und Beiträgen in sozialen Medien vor und nach der Policy Session unterstützen.

Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung

Während Forschende ihr Wissen verständlich für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung aufbereiten müssen, sollten diese auch Herausforderungen der Politikgestaltung für ein fachfremdes Publikum erläutern können.

Gewählte Politikerinnen und Politiker sind es gewohnt, mit ihren Wählerinnen und Wählern zu sprechen und an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Das kann sich für Mitarbeitende in Ministerien oder Behörden unterscheiden. Sollten Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung bisher wenig Kontakt zu Forschenden gehabt haben, sollten sie leicht verständliche Kernbotschaften vorbereiten. Zudem sollten sie grundlegendes Wissen über die Arbeit ihrer Institutionen und Herausforderungen in der Politikgestaltung vermitteln.

Wissenschaftliche Konferenzen bieten eine gute Gelegenheit, mit verschiedenen Forschenden in Kontakt zu treten. Gäste aus Politik und Verwaltung sollten daher die Teilnehmendenlisten und Panels prüfen, um interessante Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Gespräche zu identifizieren.

Je nach Ort und Dauer der Konferenz können Ausgaben für Catering, Konferenztechnik, Raummiete, Reisen und Unterkunft anfallen. Reise- und weitere Kosten können in Förderanträgen für die Konferenz berücksichtigt werden. Falls Teilnehmende eine Gebühr entrichten müssen, sollten Organisatorinnen und Organisatoren sicherstellen, dass Gäste aus Politik und Verwaltung von der Gebühr befreit sind.

 

Beispiel

Dr. Fabienne Pradella zur Organisation von Policy Sessions zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen und gesunder Ernährung auf den Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi).

 

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Dialog-orientiertes Format: Besichtigungen von Forschungsstätten

Wichtige Merkmale auf einen Blick

  • Im Rahmen von Besichtigungen können Forschende ihre Expertise präsentieren und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung in einen Dialog treten.
  • Besichtigungen sind ein einfach zu organisierendes Format. Es ermöglicht die Einbindung von Forschenden, die keinen Kontakt zu Vertreterinnen und Vertretern in Politik und Verwaltung haben – und umgekehrt.
  • Die Forschungsstätten/Labore müssen eine Veranschaulichung der Themen ermöglichen.
  • Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen klar und präzise kommunizieren und darüber hinaus Zeit für Fragen der Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung einplanen.

Wie funktioniert das Format?

Besichtigungen von Forschungsstätten bieten hervorragende Möglichkeiten für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, ein besseres Verständnis für Forschungsaktivitäten und deren mögliche Anwendungen zu gewinnen.

Forschende können Maschinen oder Anwendungen vorführen. Dabei erklären sie nicht nur die zugrunde liegenden Mechanismen, sondern gehen auch auf mögliche Anwendungen ein, die für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung relevant sind. Eine einzelne Forscherin oder ein Forscher kann Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung durch ein Labor oder eine andere Forschungsstätte führen. Alternativ können Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung von Station zu Station wechseln, wobei verschiedene Forschende jeweils an der entsprechenden Station erklären.

Besichtigungen können einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, da sie verschiedene Sinne ansprechen: Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung hören den Informationen der Forschenden zu, während sie gleichzeitig Objekte oder Anwendungen sehen, berühren oder sogar riechen. Die Besuche ermöglichen es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, ihre aktuelle Forschung zu präsentieren. Da die Gäste aus der Praxis Fragen an die Forschenden stellen können – und umgekehrt –, sind Besichtigungen ein großartiges dialogorientiertes Erlebnis für beide Seiten.

Gäste aus Politik und Verwaltung können Forschungsstätten einzeln, in kleinen oder größeren Gruppen besuchen. Gruppen können Teilnehmende aus einer oder mehreren Praxiseinrichtungen umfassen. Die Dauer von Besichtigungen variiert von einer bis mehreren Stunden, abhängig von der Größe der Forschungsstätte, der Anzahl der Stationen und der Zeit, die die Forschenden in Vorbereitung und Durchführung investieren möchten. Besichtigungen können als eigenständige Veranstaltungen organisiert werden oder als Teil von Konferenzen, Workshops oder anderen Events, bei denen sich die Teilnehmenden bewegen und interagieren können.

Die Forschenden müssen klar und präzise kommunizieren und ausreichend Zeit für Fragen der Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung einplanen. Sowohl Nachwuchsforschende als auch erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können Besichtigungen durchführen.

Die zu besichtigenden Forschungsstätten sollten ein hohes Maß an Anschaulichkeit bieten. Während Wissenschaftler beispielsweise in einem Labor bahnbrechende Forschungen zu Gesundheitsfragen betreiben, bietet die Betrachtung von Reagenzgläsern und Petrischalen keinen Mehrwert zur Präsentationen oder Vorträgen. Führungen durch Labore, bei denen Gäste aus der Praxis sehen können, wie sich Roboter bewegen, oder bei denen sie Virtual-Reality-Brillen nutzen können, können ihnen jedoch helfen, die Potenziale und Herausforderungen technologischer Innovationen besser zu verstehen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Zum Inhalt: Forschende müssen kurze Präsentationen zu den Objekten und Anwendungen vorbereiten. Sind mehrere Forschende an der Besichtigung beteiligt, ist eine Koordination untereinander erforderlich. Je nach Struktur der Besichtigung, Anzahl und Hintergrund der Teilnehmenden können die Guides vorab die Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung zu ihren wichtigsten Interessen befragen und die Besichtigung entsprechend gestalten.

Zur Organisation: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen gegebenenfalls die Objekte, die sie zeigen möchten, umräumen oder säubern. Außerdem müssen sie prüfen, ob die Forschenden in den Forschungsstätten ihre Arbeit wie gewohnt fortführen können oder ob sie während der Besichtigung pausieren müssen.

Zeitliche Ressourcen: Die Durchführung von Besichtigungen sollte nicht länger als zwei bis drei Stunden dauern, da sonst die Aufnahmefähigkeit der Gäste aus der Praxis überstrapaziert werden kann. Wenn Forschende zuvor keine Präsentationen für Außenstehende vorbereitet haben, kann die Vorbereitung von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen dauern. Sobald die Präsentationen und der Ablauf stehen, nimmt die Wiederholung der Besichtigung in der Zukunft weniger Zeit in Anspruch. Falls eine Evaluation des Formats erfolgt, muss ein Evaluationsbogen vorbereitet und den Gästen aus Politik und Verwaltung nach der Besichtigung zugesandt werden.

Finanzielle Ressourcen: Mögliche Kostenpunkte sind Catering, Reisekostenerstattungen für die Gäste aus Politik und Verwaltung, Werbung für die Veranstaltung oder Vergütungen für die teilnehmenden Forschenden.

 

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder im Wissenschaftsmanagement können Forschende entscheidend unterstützen, indem sie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung identifizieren und einladen. Sie verfolgen aktuelle Entwicklungen in der Politikgestaltung, um die Forschenden über Themen zu informieren, die für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung von großem Interesse sind.

Zudem können sie durch die Gestaltung von Flyern und Sharepics, die Vorbereitung von Beiträgen in sozialen Medien und Pressemitteilungen unterstützen, außerdem die Organisation von Catering (falls nötig), die Begleitung der Gäste aus Politik und Verwaltung vor Ort sowie die Verwaltung von Zugangsrechten zu den Forschungsstätten und die Einhaltung von Sicherheitsvorgaben.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement sollten den Forschenden eine Liste der anwesenden Gäste aus in Politik und Verwaltung bereitstellen. Außerdem können sie Follow-up-Mails an beide Seiten verfassen, um nach der Teilnahme an den Besichtigungen den Kontakt zu halten. Sie können auch Evaluationsbögen an die Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung und Forschenden versenden oder Feedbackgespräche mit ihnen führen.

 

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Der direkte Draht

Persönliche Begegnungsformate als Instrument des bidirektionalen Wissenstransfers zwischen Forschung, Politik und Verwaltung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Dieses Format ermöglicht es Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, an einem Tag oder über mehrere Tage hinweg, persönliche Gespräche und Treffen mit Akteuren aus Politik und Verwaltung durchzuführen.
  • Durch den Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung lernen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Praxisperspektiven auf ihre Forschung kennen, während Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung einen Überblick über den Stand der Forschung zu Fragen erhalten, mit denen sie sich gerade beschäftigen.
  • Persönlicher Austausch ist ein sehr effektives Mittel zum Wissensaustausch und kann den Aufbau langfristiger Netzwerke zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen und Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung ermöglichen.

Wie funktioniert dieses Format?

Der Ablauf ist einfach: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung führen informelle Gespräche über Themen mit Policy-Relevanz. Die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung können konkrete Fragen stellen (z. B.: „Wie wirken sich Smartphones auf die Lesefähigkeiten von Grundschulkindern aus?“) oder allgemeine Fragen (z. B.: „Wie verändert die Digitalisierung die Finanzbranche? Wie funktionieren Algorithmen?“). Die Treffen dauern in der Regel eine Stunde und können als Einzelgespräche oder als Kleingruppengespräche stattfinden.

 

Was zeichnet solche Formate aus?

 

Bidirektionaler Wissenstransfer. Während Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung Zugang zu wissenschaftlicher Fachexpertise erhalten, lernen die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Policy-Perspektiven auf ihre Forschung kennen.

Großer Wissenszuwachs: Persönliche Treffen sind ein sehr effektives Kommunikationsmittel, da beide Seiten Fragen stellen können. Beide können selbst entscheiden, welche Themen sie behandeln möchten und so ihr Erkenntnisinteresse steuern.

Freiwilligkeit: Das Format basiert auf Freiwilligkeit. Nur intrinsisch motivierte Personen nehmen an den Treffen teil.

Zeiteffizienz: Die Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung können aus umfassenden Listen die Forschenden auswählen, die sie treffen möchten, ohne selbst zeitaufwendig recherchieren zu müssen. Ebenso erhalten die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom von der Geschäftsstelle des Programms Einladungen zu den Gesprächen, einschließlich möglicher Terminfenster sowie der Themeninteressen der Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung.

Offener Dialog im informellen Rahmen: Das Format bietet den idealen Rahmen für offene Gespräche. Im Gegensatz zu Anhörungen im Parlament oder zu formellen Sitzungen in Ministerien finden sie in einem informellen Rahmen statt. Es werden keine Protokolle der Treffen angefertigt.

Vielfalt in Bezug auf wissenschaftliche Disziplinen: Wenn beispielsweise ein Mitarbeitender aus Politik und Verwaltung fragt, wie der Energieverbrauch gesenkt werden kann, können Gespräche mit Forschenden aus der Architektur zum Thema energiesparendes Bauen, mit Ingenieuren zu energiesparenden technischen Lösungen und mit Ökonomen zu Fragen der Energiesteuern stattfinden. Ebenso können Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung treffen, die aus verschiedenen Abteilungen derselben Institution oder aus mehreren unterschiedlichen Institutionen kommen.

Zusammenbringen von Menschen, die sich sonst nie begegnet wären. Viele Akteure in Politik und Verwaltung haben noch keinen Kontakt zu Forschenden. Dabei sind persönliche Gespräche eine einfache Möglichkeit, die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammenzubringen.

Reichweite. Das Format ermöglicht es, viele Forschende mit vielen Akteuren aus Politik und Verwaltung zusammenzubringen. So organisierten beispielsweise die Rhein-Main-Universitäten 3.500 Treffen zwischen 350 Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung und 850 Wissenschaftlern in einem Zeitraum von 10 Jahren.

 

Wie stellen Universitäten den Kontakt zu Akteuren in Politik und Verwaltung her?

Universitäten können Mitarbeitende in Politik und Verwaltung bitten, für sie interessante Themen (z. B. Biodiversität, Klimawandel) einzureichen. Die Universitäten prüfen anschließend, ob sie persönliche Treffen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern organisieren können. Fällt die Prüfung positiv aus, können die Universitäten mögliche Termine für Treffen mit Wissenschaftlern vorschlagen oder die Vertretenden in Politik und Verwaltung bitten, mögliche Termine einzureichen.

Alternativ können Universitäten Vertretende aus Politik und Verwaltung fragen, ob sie daran interessiert sind, von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ihren Einrichtungen besucht zu werden. Die Universitäten können dann die Listen mit Forschenden an die Praxiseinrichtungen leiten, die mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung Gespräche führen möchten.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten die Websites der Beteiligten aus Politik und Verwaltung prüfen, um sich einen Überblick über deren Arbeitsgebiete und mögliche Wissensbedarfe zu verschaffen. Falls die Beteiligten aus Politik und Verwaltung Listen mit Fragen eingereicht haben, sollten sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen anhand dieser Fragen auf die Treffen vorbereiten. Zudem müssen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Gesprächsführung bei den Treffen übernehmen.

 

Mitarbeitende im Transfer oder Wissenschaftsmanagement

Während die Treffen zwischen den Beteiligten aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung in der Regel etwa eine Stunde dauern, ist die Organisation dieser Treffen sehr zeitaufwendig.

Wenn solche Formate zum ersten Mal durchgeführt werden, müssen Mitarbeitende im Transfer oder Management alle Beteiligten über das Format informieren. Sie müssen die Fachkenntnisse der Wissenschaftler mit den Interessengebieten der Vertretenden in Politik und Verwaltung abgleichen, was je nach Format und Teilnehmerzahl mehrere Wochen dauern kann.

Die Mitarbeitenden im Transfer oder Management müssen die Termine koordinieren, Informationsmaterialien wie Handreichungen und Webseiten erstellen und kurze Auswertungen durchführen.

 

Beteiligt aus Politik und Verwaltung

Um einen großen Nutzen aus den Treffen zu ziehen, sollten sich die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung darauf vorbereiten, indem sie die Websites der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besuchen, um mehr über deren Fachgebiete zu erfahren.

Wenn Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus akademischen Disziplinen treffen, mit denen sie sich erst noch vertraut machen müssen, sollten sie vorab einen kurzen Artikel über die jeweilige Disziplin lesen. Ein Wikipedia-Artikel reicht in den meisten Fällen aus.

Es ist völlig in Ordnung, wenn Gäste aus Politik und Verwaltung mit dem Fachgebiet der Wissenschaftler, die sie treffen, nicht vertraut sind. Allerdings sollten die Gäste aus Politik und Verwaltung nachvollziehen können, warum diese Treffen stattfinden. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung sollten Fragen oder Themen vorbereiten, auf die sie sich konzentrieren möchten, um die Gespräche möglichst effektiv zu nutzen.

 

Literatur und Ressourcen

Mercator Science-Policy Fellowship-Programm der Rhein-Main-Universitäten

ETH Policy Fellowship

The CsaP Policy Fellowship der University of Cambridge

Policy Fellowship der University of Copenhagen

Policy Fellowship an der University of Guelph

 

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Anhörungen und Expertengespräche in Parlamenten

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Über Anhörungen erhalten Abgeordnete in Parlamenten Einschätzungen von Forschenden und weiteren Sachverständigen.
  • Die eingeladenen Expertinnen und Experten haben meist nur wenige Minuten Zeit, um ihre Stellungnahmen vorzutragen und die Fragen der Abgeordneten zu beantworten.
  • Die Abgeordneten bitten in der Regel um Bewertungen vergangener, gegenwärtiger oder geplanter Maßnahmen (z. B. Gesetzesentwürfe).
  • Parlamente veröffentlichen oft Aufzeichnungen oder Protokolle der Anhörungen auf ihren Webseiten, die Forschende nutzen können, um sich vorzubereiten.

Wie funktioniert das Format?

Parlamentarische Ausschüsse organisieren Anhörungen, wenn sie bestehende Maßnahmen bewerten oder neue Entscheidungen (z.B. im Zusammenhang mit Gesetzgebungsverfahren) vorbereiten und dafür Expertise von Forschenden und weiteren Sachverständigen einholen möchten. Die Forschenden können meist vor der Anhörung eine kurze schriftliche Stellungnahme einreichen.

Abgeordnete bzw. ihre persönlichen Mitarbeitenden oder die Mitarbeitenden der Fraktionen recherchieren mögliche Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft oder Zivilgesellschaft, die über die jeweiligen Themen Expertise besitzen. Dabei können Sie auch Mitarbeitende in Ministerien um Empfehlungen bitten. Die Anzahl der Sachverständigen, die Fraktionen vorschlagen können, hängt von der Anzahl der Fraktionsmitglieder zusammen, die im jeweiligen Ausschuss vertreten sind. Die Einladung der Sachverständigen erfolgt formal über die Ausschüsse.

Wenn Forschende identifiziert wurden, werden sie von Mitarbeitenden des Ausschusses informiert und erhalten Informationen zum genauen Inhalt, zum Zeitpunkt, zum Modus (Präsenz oder virtuell) und zum Ablauf der jeweiligen Anhörung. Meistens reichen die Forschenden und weiteren Sachverständigen kurze Stellungnahmen von wenigen Seiten ein, die von den jeweiligen Abgeordneten und deren Mitarbeitenden gelesen werden.

Nach den Berichten der eingeladenen Expertinnen und Experten stellen die Ausschussmitglieder Fragen. Die Ausschüsse gewähren den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nur wenig Zeit, um ihre Stellungnahmen zu einem Thema darzulegen und Fragen der Abgeordneten zu beantworten.

Parlamente auf regionaler und nationaler Ebene sowie das Europäische Parlament fordern in der Regel externe Expertinnen und Experten zur Bewertung von Politik auf. Die Bereitstellung wissenschaftlicher Expertise durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Verbesserung der Politik ist eine wichtige Aufgabe. Anhörungen bieten einen offiziellen Kanal, um evidenzbasierte Informationen an Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung zu übermitteln und in den Dialog mit Gesetzgebenden zu treten. Dabei sollten Forschende verstehen, dass die Bereitstellung von Informationen und Empfehlungen nicht automatisch zur Übernahme der Bewertung oder Vorschläge bei der Gesetzgebung führt.

Oft können Bürgerinnen und Bürger Anhörungen beiwohnen. Anhörungen erregen auch mediale Aufmerksamkeit, wenn kontroverse Themen behandelt werden, die zuvor öffentlich diskutiert wurden. Viele Parlamente veröffentlichen Protokolle und Aufzeichnungen auf ihren Webseiten und bieten Live-Streams an. Auf Plattformen wie YouTube finden sich zahlreiche Aufzeichnungen parlamentarischer Anhörungen verschiedener Länder.

 

Herausforderungen

Die Ausschüsse gewähren den Expertinnen und Experten meist nur wenige Minuten für ihre Stellungnahmen und die Beantwortung der Fragen der Abgeordneten. Im Unterschied zu den Zeitlimits wissenschaftlicher Konferenzen dürfen die Redezeiten bei Anhörungen nicht überschritten werden. Die Ausschussvorsitzenden achten streng auf die Einhaltung der Redezeiten, was für Forschende, die im Rahmen von wissenschaftlichen Konferenzen sozialisiert wurden, ein Kulturschock bedeuten kann.

Da Fraktionen Vorschläge für die einzuladenden Sachverständigen machen, kann dies dazu führen, dass Forschende mit politischen Parteien assoziiert werden und nicht als unabhängige Sachverständige, sondern als Vertreterinnen oder Vertreter der jeweiligen Parteiposition wahrgenommen werden.

Je nach politischer Kultur eines Landes können kontroverse Diskussionen zwischen Forschenden und Abgeordneten entstehen. Das Gegenteil ist ebenfalls möglich: Abgeordnete können sich bereits festgelegt haben und betrachten die Anhörung als gesetzlich vorgeschriebene Pflichtveranstaltung, von der sie sich keine neuen Erkenntnisse erhoffen. Es kann daher für Forschende frustrierend sein, wenn sie davon ausgegangen sind, dass ihre Stellungnahmen für die Abgeordneten von großer Bedeutung sind. Die Mitwirkung an Anhörungen erhöht die Sichtbarkeit von Forschenden in Parlamenten und Ministerien. Forschende, die zeigten, dass sie komplexe Sachverhalte verständlich erläutern und dabei die zeitlichen Vorgaben einhalten konnten, werden häufig zu Fach- oder Hintergrundgesprächen in Fraktionen oder Ministerien eingeladen.

Anhörungen bieten beteiligten Forschenden die ideale Möglichkeit, im Nachgang den Kontakt zu den Abgeordneten aufzunehmen, diese für Einzelgespräche anzufragen oder zu Veranstaltungen einzuladen. Anhörungen stellen daher gute Vernetzungsmöglichkeiten dar. Ein Professor für Politikwissenschaften sagte einmal: „Ich nehme nicht an Anhörungen teil, um eine Stellungnahme im Ausschuss abzugeben, sondern für informelle Gespräche auf den Fluren.“

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Falls erforderlich, müssen Forschende vor der Anhörung eine schriftliche Stellungnahme einreichen. Sie sollten kurze und prägnante Aussagen vorbereiten und das Beantworten kurzer Fragen üben. Forschende sollten verstehen, dass Abgeordnete oft nur wenig Zeit haben, vorab umfangreiche schriftliche Stellungnahmen zu lesen. Deshalb sind neben dem Inhalt auch Länge, Struktur, Visualisierungen und Sprache der Stellungnahme entscheidend: Je leichter verständlich, desto wahrscheinlicher ist, dass die wichtigsten Botschaften im Gedächtnis bleiben.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten auch ihre Rolle reflektieren: Möchten sie nur Expertise zu einem Thema liefern oder für ein bestimmtes politisches Ergebnis werben? Im letzteren Fall sollten sie sich auf die Anhörung vorbereiten, indem sie Gesetzesentwürfe, Positionen der Abgeordneten sowie Stellungnahmen anderer eingeladener Expertinnen und Experten studieren.

Falls die Vertreterinnen und Vertreter des einladenden Ausschusses Leitfäden oder FAQ-Listen bereit stellen, sollten diese unbedingt gelesen werden. Sie enthalten hilfreiche Informationen zum Zugang zum Gebäude, zu Zeitlimits oder zur Erstattung der Reisekosten. Weitere Fragen, etwa zum Dresscode oder Anrede, können bei den Organisatorinnen und Organisatoren der Anhörung geklärt werden. Virtuelle Teilnahme wird zunehmend ermöglicht. Falls sich Gelegenheiten während Kaffeepausen oder Gesprächen auf dem Flur ergeben, können Forschende mit Vertreterinnen und Vertretern des Parlaments in einen informellen Austausch treten.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Damit Forschende von den Fraktionen als Sachverständige vorgeschlagen werden, müssen diese bei den Fraktionen bekannt sein. Häufig besteht schon persönlicher Kontakt. Aussagekräftige Webseiten, die die aktuelle Policy-Expertise aufzeigen, erleichtern die Recherche nach Expertinnen und Experten.

Mitarbeitende im Wissenstransfer können die Sichtbarkeit der Expertise ihrer Forschenden erhöhen, indem sie Veranstaltungen mit Teilnehmenden aus Parlamenten und Ministerien organisieren oder Newsletter oder soziale Medien nutzen. Sie können auch Forschende, die bereits an Anhörungen teilgenommen haben, zu ihren Erfahrungen befragen und auf dieser Basis kurze Leitfäden oder FAQ für ihre Forschenden erstellen. Sie können Forschende dabei unterstützen, ihre Expertise auf ihren eigenen Webseiten verständlich darzustellen.

Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung

Abgeordnete und deren Mitarbeitende müssen die Stellungnahmen vorab lesen und Fragen vorbereiten, die sie den Forschenden bei der Anhörung stellen wollen.

Benötigte finanzielle Mittel

Parlamente übernehmen in der Regel Reisekosten und zahlen eine Tagespauschale.

 

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Hackathon: Wenn Daten sprechen…

Zentrale Merkmale auf einen Blick

Der Hackathon „Wenn Daten sprechen…“ ist eine gemeinschaftliche Innovationsveranstaltung, die darauf abzielt, die akademische Welt mit der öffentlichen Verwaltung und der technischen Community zu vernetzen. Die mehrtägige Veranstaltung konzentriert sich auf die Nutzung von Daten zur Verbesserung der Lebensqualität in der Region. Sie dient als Plattform, auf der Studierende, IT-Fachleute und Interessierte gemeinsam daran arbeiten, konkrete regionale Herausforderungen zu lösen, die von lokalen Akteuren definiert wurden.

Ziele

Die Hauptziele dieser Initiative sind die:

  • Vernetzung verschiedener Sektoren: Aufbau aktiver Partnerschaften zwischen Forschenden, Vertretern der Stadtverwaltung sowie Studierenden oder Experteninnen und Experten aus dem Technologiebereich.
  • Nutzung öffentlicher Daten: Nutzung öffentlicher Datensätze zur Lösung konkreter in der Region festgestellter Probleme.
  • Entwicklung praktischer Lösungen: Entwicklung funktionsfähiger Prototypen, Analysewerkzeuge oder Konzepte, die die regionale Verwaltung und die ökologische Nachhaltigkeit unterstützen.
  • Verbesserung der Entscheidungsfindung: Aufzeigen, wie datengestützte Erkenntnisse in die öffentliche Politik und das gesellschaftliche Engagement integriert werden können.

 

Wie funktioniert das Format?

Dieses Format wirkt als Innovationsbeschleuniger, indem es unterschiedliche Gruppen in einem gemeinsamen Raum zusammenbringt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Treffen verbindet es die technischen Fähigkeiten von Entwicklern mit den strategischen Anforderungen von Mitarbeitenden in Politik und Gesellschaft, um unmittelbare, greifbare Ergebnisse zu erzielen.

Das Kernelement ist die Nutzung von „Open Data“, die Transparenz gewährleistet und es den Teilnehmern ermöglicht, Lösungen auf der Grundlage von Ressourcen zu entwickeln, die der Öffentlichkeit frei zur Verfügung stehen. Es handelt sich zudem um eine Lernerfahrung, die den Teilnehmern die Möglichkeit bietet, die Schnittstelle zwischen Technologie und öffentlicher Verwaltung zu verstehen.

Die Veranstaltung dauert in der Regel 48 Stunden und ist geprägt von intensiver Zusammenarbeit.

  • Kick-off und Context: Die Veranstaltung beginnt mit einer Eröffnungssitzung, in der die Organisatoren die konkreten Herausforderungen (z. B. Verkehrsüberwachung, Klimaresilienz) vorstellen und die verfügbaren Datensätze präsentieren.
  • Weiterbildung und Schulung: Die Teilnehmenden besuchen Workshops und Vorträge, um sich über die Datenquellen und relevante Tools zu informieren.
  • Teamarbeit und Entwicklung: Die Teilnehmenden bilden interdisziplinäre Teams und wählen ein Problem aus, das sie lösen möchten. Sie verbringen den Großteil der Zeit damit, Daten zu analysieren, zu programmieren und einen „Proof of Concept“ zu erstellen.
  • Mentoring: Experten aus der Stadtverwaltung, der Universität und der Privatwirtschaft fungieren als Mentoren und begleiten die Teams, um sicherzustellen, dass ihre Lösungen technisch fundiert und praktisch anwendbar sind.
  • Bewertung: Am Ende präsentieren die Teams ihre Prototypen vor einer Jury aus Interessenvertretern. Die Projekte werden nach ihrer Innovation, ihrer Machbarkeit und ihrer potenziellen Wirkung auf die Region bewertet.

 

Herausforderungen (und Lösungsansätze)

  • Ressourcenengpässe für die Organisatoren: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben oft Schwierigkeiten, ihre Forschungsaufgaben mit der logistischen Planung von Veranstaltungen in Einklang zu bringen. Lösung: Delegieren Sie logistische Aufgaben wie die Verwaltung der Veranstaltungsorte und die Anmeldung an Mitarbeitende oder an studentische Hilfskräfte.
  • Anwendbarkeit der Ergebnisse: Vertreterinnen und Vertreter aus der Verwaltung befürchten möglicherweise, dass technische Ergebnisse nicht in bestehende rechtliche oder administrative Rahmenbedingungen passen. Lösung: Beziehen Sie die Vertreterinnen und Vertreter aus der Verwaltung direkt in die Definition der Herausforderungen ein, um von Anfang an die Übereinstimmung mit den politischen Erfordernissen sicherzustellen.
  • Finanzierung und Engagement: Die Sicherung des Budgets und die Aufrechterhaltung der Motivation der Teilnehmenden können schwierig sein. Lösung: Bilden Sie eine Koalition aus verschiedenen Partnern, um Kosten zu teilen und vielfältiges Fachwissen bereitzustellen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

  • Verantwortlich für die Strategie der Inhalte: Definition der Herausforderungen, Zusammenstellung von Datensätzen und Festlegung der Agenda.
  • Leiten die Auswahl von Mentoren, die bei technischen Aspekten beratend zur Seite stehen.

Mitarbeitende in Politik und Verwaltung

  • Identifizieren dringende regionale Probleme, die mit Hilfe von Daten gelöst werden können.
  • Sichern die erforderlichen Finanzmittel durch Fördermittel oder Partnerschaften und sorgen dafür, dass die Veranstaltung mit den strategischen politischen Zielen im Einklang steht.
  • Planen die künftige Umsetzung erfolgreicher Prototypen.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement

  • Organisieren die operative Logistik, einschließlich der Buchung von Veranstaltungsorten, des Caterings und der Teilnehmeranmeldung.
  • Übernehmen die Kommunikation, beispielsweise Werbung in sozialen Medien und Pressemitteilungen.

 

Erforderliche Mittel für Aktivitäten

Für eine erfolgreiche Veranstaltung sind folgende Budgetposten erforderlich:

  • Operative Kosten: Anmietung der Veranstaltungsräume, Verpflegung der Teilnehmenden und technische Infrastruktur.
  • Personalkosten: Reise- und Unterbringungskosten für externe Experten, Mentoren und Referenten.
  • Motivation: Preise für die Gewinnerteams und Marketingmaterialien, um eine hohe Sichtbarkeit und Teilnehmendenzahl zu gewährleisten.

Beispiele

Veranstaltung: Hackathon der Region Olomouc 2025: „Wenn Daten sprechen…“. Veranstalter: Palacký-Universität Olomouc, Regionalverwaltung der Region Olomouc und die Stadt Olomouc.

Durchführung: Die Veranstaltung fand im November 2025 statt und konzentrierte sich auf zwei Hauptthemen – Verkehr und Klimawandel. Die Teilnehmenden nutzten öffentliche Daten aus dem EnClod-Sensornetzwerk in Olomouc, das die Verkehrsintensität und meteorologische Merkmale in Echtzeit misst, sowie kommunale und regionale Portale.

Zu den konkreten Herausforderungen gehörten die Vorhersage der Parkplatzverfügbarkeit und die Analyse städtischer Wärmeinseln. Die Teilnehmenden konnten für die Entwicklung ihrer Lösung alle verfügbaren öffentlichen Daten nutzen.

 

Ergebnisse

  • Gewinnerlösung: „Asphalt Sense“ – Ein Projekt, das anhand von Sensordaten die Belastung von Straßen analysiert, um die Instandhaltungsplanung zu verbessern.
  • Weitere bemerkenswerte Projekte: „AMOV“ (Road Surface Amortisation) und „TVARGL“ (KI-basierte Wetterzusammenfassung).
  • Auswirkungen: An der Veranstaltung nahmen 30 aktive Teilnehmende teil, und es entstanden funktionsfähige Prototypen. Die Gewinner erhielten Entwicklungsgutscheine, um ihre Ideen für die praktische Anwendung weiterzuentwickeln.

Veranstaltungswebsite: https://hackathon.upol.cz/

 

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Vor-Ort-Besuche (Studierende in Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung)

Beschreibung

Organisierte Besuche von Studierenden bei Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung (sog.  Exkursionen) stellen eine wirksame Form des erfahrungsorientierten Lernens dar, die die akademische Ausbildung mit der praktischen Arbeit im öffentlichen Sektor verbindet. Diese Besuche bieten den Studierenden wertvolle Einblicke in die Funktionsweise staatlicher und kommunaler Einrichtungen, die Herausforderungen, denen diese gegenüberstehen, sowie die Instrumente und Methoden, die in realen Verwaltungsprozessen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig stärken sie das gegenseitige Verständnis zwischen dem akademischen und dem öffentlichen Sektor und legen oft den Grundstein für eine zukünftige Zusammenarbeit in Form von Praktika, gemeinsamer Forschung oder einer beruflichen Anstellung.

Eine vielfältige Auswahl an besuchten Einrichtungen, die von großen zentralen Stellen bis hin zu kleineren lokalen Zweigstellen und Fachbehörden reicht, gewährleistet ein breites Spektrum an Perspektiven, wie die öffentliche Verwaltung in verschiedenen thematischen und territorialen Kontexten funktioniert.

Ziele

Vor-Ort-Besichtigungen von Studierenden in Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung haben folgende Ziele:

  • Den Studierenden praktische Einblicke in die Funktionsweise öffentlicher Einrichtungen und deren interne Abläufe zu vermitteln.
  • Kritisches Denken und aktives Lernen durch den Austausch mit Fachleuten und anhand von Beispielen aus der Praxis zu fördern.
  • Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit zu schaffen – Praktika für Studierende, Abschlussarbeiten oder fachliche Beratung.
  • Brücken zwischen Wissenschaft und Praxis zu schlagen und so die Relevanz der Studiengänge zu erhöhen.
  • Langfristige Partnerschaften anzuregen, die auf einem gegenseitigen Verständnis der Bedürfnisse und Fähigkeiten beider Bereiche basieren.

 

Wie funktioniert das Format?

Im Mittelpunkt der Aktivität steht eine organisierte Exkursion, bei der die Studierenden täglich 4–6 Einrichtungen besuchen (je nach Standort und Fahrzeit). Idealerweise erstreckt sich das Programm über zwei Tage, sodass ausreichend Zeit für Transfers, Pausen und vertiefende Diskussionen bleibt.

Die Besuche sind für kleinere Gruppen von Studierenden konzipiert – idealerweise etwa 10, maximal 15 Teilnehmer. Jeder Besuch dauert mindestens 45 Minuten, optimalerweise 60–90 Minuten. Der Ablauf umfasst in der Regel:

  • Eine Präsentation durch einen qualifizierten Mitarbeitenden
  • Wenn möglich, eine praktische Demonstration – Softwareanwendung, Arbeitsplätze, geführte Rundgänge durch die Büroräume und Beispiele für interne Arbeitsergebnisse.
  • Eine Diskussionsrunde, die ein wesentlicher Bestandteil des Besuchs ist. Von den Studierenden wird erwartet, dass sie im Vorfeld Fragen vorbereiten.

 

Wichtige Phasen bei der Organisation des Besuchs

  • Frühzeitige Planung – mindestens drei Monate im Voraus, um die Verfügbarkeit der Einrichtungen und die logistische Abwicklung sicherzustellen.
  • Sorgfältige Auswahl der Einrichtungen – unter Berücksichtigung von thematischer Vielfalt und geografischer Verteilung. Zum Beispiel:

o    Kommunale u. regionale Behörden (Verkehr, Bildung, Kultur, Planung, Investitionen usw.)

o    Katasteramt

o    Statistikämter

o    Straßen- und Autobahnbehörde

o    Umwelt- und Planungsbehörden

o    Finanzverwaltung

  • Vorbereitung der Studierenden – vorheriges Studium der grundlegenden Fakten zu jeder Einrichtung. Die Studierenden bereiten sich selbstständig anhand kurzer, vom Professor oder der Professorin bereitgestellter Leitlinien vor, in denen die wichtigsten Aspekte und Themen festgelegt sind, auf die sie sich bei ihrer individuellen Vorbereitung auf den Besuch konzentrieren sollen.
  • Abstimmung mit den Einrichtungen – Sicherstellung, dass die Inhalte einen Mehrwert bieten (z. B. über öffentlich zugängliche Fakten hinaus), Anpassung an den Wissensstand der Studierenden und Förderung informeller Erkenntnisse.
  • Feedback nach dem Besuch – Die Studierenden füllen einen kurzen Fragebogen aus, in dem sie darüber nachdenken, was sie am nützlichsten oder interessantesten fanden, was verbessert werden könnte und welche Vorschläge sie für zukünftige Besuche haben. Dieses Feedback kann dazu beitragen, das Format zu optimieren und die Qualität langfristig aufrechtzuerhalten.

Rolle der Teilnehmenden

  • Wissenschaftliches Personal

o             Organisation des Programms, Koordination der Logistik und Kommunikation mit den Partnerinstitutionen.

o             Auswahl der Institutionen und Planung des thematischen Schwerpunkts.

o             Überwachung der Ergebnisse der Aktivität.

  • Studierende

o              Vorbereitung im Vorfeld; Formulierung und Stellen relevanter Fragen.

o             Beobachtung zentraler Themen in allen Einrichtungen (z. B. Personalwesen, Datennutzung, IT-Systeme, Organisationskultur).

o             Erstellung von Ergebnissen nach dem Besuch – schriftliche Berichte, idealerweise in Zweiergruppen, wobei sich jeder Bericht auf ein übergreifendes Thema konzentriert, das bei allen Besuchen bewertet wurde.

  • Öffentliche Einrichtungen

o             Durchführung von Fachvorträgen und praktischen Darstellungen.

o             Einbeziehung von Fachleuten, die in der Lage sind, technische Fragen zu erörtern (vorzugsweise über PR- oder Marketingmitarbeitende hinaus).

 

Vorteile für die Teilnehmer

Studierende

  • Einblicke in reale Arbeitsumgebungen in der öffentlichen Verwaltung
  • Lernen, Vorgehensweisen verschiedener Institutionen zu vergleichen und deren Wirksamkeit zu bewerten
  • Persönliche Kontakte für eine zukünftige Zusammenarbeit oder Beschäftigung knüpfen

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

  • Vertiefen der Verbindungen zur Praxis und steigern der Relevanz von Lehrveranstaltungen
  • Stärken der Partnerschaften mit Akteuren des öffentlichen Sektors
  • Gewinnen neuer Ideen für Forschungs- oder Abschlussarbeitsthemen

Öffentliche Verwaltung

  • Bei angehenden Fachkräften das Bewusstsein für ihre Arbeit schärfen
  • Potenzielle Praktikanten, Kooperationspartner oder Mitarbeiter ausfindig machen
  • Feedback und neue Perspektiven aus der Wissenschaft erhalten

 

Herausforderungen (und Lösungsansätze)

Obwohl Vor-Ort-Besuche klare Vorteile für die Lehre und die Zusammenarbeit bieten, bringt ihre Umsetzung mehrere praktische und organisatorische Herausforderungen mit sich, die vorhergesehen und effektiv bewältigt werden müssen.

Der größte Aufwand liegt in der logistischen Organisation des gesamten Programms. Die Forschenden müssen geeignete Einrichtungen ausfindig machen, Termine koordinieren, Transfers und Zeitpläne planen und eine reibungslose Kommunikation mit allen beteiligten Akteuren sicherstellen. Die Komplexität steigt proportional zur Anzahl der einbezogenen Einrichtungen und Standorte. Idealerweise sollten diese Aktivitäten von einem Akademiker geleitet werden, der über umfassende Fachkenntnisse verfügt und enge berufliche Kontakte zu den relevanten Organisationen des öffentlichen Sektors unterhält.

Eine weitere Herausforderung ist die Verfügbarkeit und Bereitschaft der Einrichtungen zur Teilnahme. Um Terminkonflikte oder mangelndes Engagement zu vermeiden, ist es unerlässlich, mindestens drei Monate im Voraus mit der Planung zu beginnen. Eine klare Kommunikation der Ziele und des gegenseitigen Nutzens des Besuchs erhöht die Chancen auf eine positive Resonanz seitens der institutionellen Partner.

Es kann auch schwierig sein, das aktive Engagement der Studierenden aufrechtzuerhalten, insbesondere wenn die Besuche nicht formell in den Lehrplan eingebettet sind. Dies lässt sich beheben, indem die Aktivität in die Kursanforderungen integriert wird – beispielsweise durch ein System der Anrechnung von Leistungspunkten auf der Grundlage aktiver Teilnahme, der Vorbereitung von Fragen und der Einreichung von Reflexionsberichten.

Ein oft unterschätztes Risiko ist die Schwankung in der Qualität der Vorträge, die von Vertretern der Institutionen gehalten werden. Sind die Referenten nicht gut über den Hintergrund und die Erwartungen der Studierenden informiert, können die Veranstaltungen entweder zu grundlegend oder zu technisch spezifisch ausfallen. Akademische Organisatoren sollten den gastgebenden Institutionen daher im Voraus einen klaren Überblick über die Profile und Studienschwerpunkte der Studierenden geben. Zudem ist es hilfreich, die Institutionen zu ermutigen, Fachexperten, statt PR- oder Verwaltungspersonal einzubeziehen, um Relevanz und Tiefe zu gewährleisten.

Um die Erfahrung und die langfristige Qualität der Vor-Ort-Besuche weiter zu verbessern, ist es sinnvoll, nach der Veranstaltung mittels eines kurzen Bewertungsfragebogens Feedback von den Studierenden einzuholen. Dies ermöglicht es den Organisatoren, die wertvollsten Aspekte der Besuche sowie Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren, was zur kontinuierlichen Weiterentwicklung künftiger Exkursionen beiträgt.

 

Aufgaben und Ressourcen

Vor-Ort-Besuche stellen für die gastgebenden Einrichtungen keine große finanzielle Belastung dar, da lediglich Zeit für die Vorbereitung und Durchführung erforderlich ist. Die Hauptkosten tragen die Studierenden (Fahrtkosten, ggf. Unterkunft) sowie das organisierende akademische Personal, das das gesamte Programm koordinieren muss.

Der größte Aufwand liegt in der organisatorischen Zeit und Arbeit, insbesondere wenn mehrere Einrichtungen oder Standorte beteiligt sind. Um die Teilnahme zu fördern, könnten Universitäten Reisekostenzuschüsse anbieten oder die Besuche in geförderte Exkursionsprogramme integrieren.

Trotz dieser Kosten machen die Vorteile in Bezug auf Bildung und Networking die Aktivität langfristig sehr wertvoll.

 

Beispiele

Vor-Ort-Besuche stellen eine strukturierte Form des erfahrungsorientierten Lernens dar, die die Hochschulausbildung mit der realen Praxis der öffentlichen Verwaltung verbindet. Die Studierenden besuchen ausgewählte Einrichtungen, um Datenabläufe, Entscheidungsprozesse und alltägliche Verwaltungsprozesse zu beobachten. Die Aktivität ist in der Regel in Fachkurse oder Praxismodule integriert und verbindet Fachvorträge, Führungen und Diskussionen mit Praktikern. Dieses Format schlägt eine effektive Brücke zwischen Theorie und Praxis, stärkt die berufliche Orientierung der Studierenden und führt häufig zu einer weiteren Zusammenarbeit, beispielsweise in Form von Praktika oder Abschlussarbeiten.

Der Fachbereich Geoinformatik der Palacký-Universität Olomouc organisiert seit über 20 Jahren Exkursionen für Studierende als obligatorischen Bestandteil des Studiengangs Geoinformatik und Kartografie. Während einer dreitägigen Tour besuchen die Studierenden rund 12 öffentliche und private Einrichtungen in der gesamten Tschechischen Republik. Zu den Einrichtungen gehören das Tschechische Statistikamt, das Tschechische Amt für Vermessung, Kartografie und Kataster, das Institut für Planung und Entwicklung in Prag, MAPPA Ostrava, die Regionalbehörde Olomouc, die Stadt Olomouc, die Direktion für Straßen und Autobahnen, das Tschechische Hydrometeorologische Institut und die Notrufzentrale 112.

Diese Besuche werden sowohl von den Studierenden als auch von den gastgebenden Einrichtungen sehr geschätzt und führen häufig zu einer weiteren Zusammenarbeit bei Projekten, Beratungen oder Beschäftigungsmöglichkeiten.

 

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Einführung in Science Shops

Was ist ein Science Shop?

„Science Shops sind Einrichtungen, die zivilgesellschaftlichen Institutionen, die nicht über die Mittel verfügen, um Forschung selbst zu finanzieren oder durchzuführen, Wissen zur Verfügung stellen. Science Shops können in andere Institutionen (Universitäten, Forschungseinrichtungen, Unternehmen) eingebettet sein oder als eigenständige Organisationen in Form von NGOs oder anderen gemeinnützigen Organisationen gegründet werden.“ (Leitfaden zur Gründung eines Science Shops)

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Ein Science Shop schafft einen Dialog zwischen zivilgesellschaftlichen Institutionen und der Forschungsgemeinschaft, um deren Initiativen zu unterstützen
  • Ein Science Shop befasst sich mit dem Austausch von Ideen und der Entwicklung geeigneter Lösungen
  • Für jedes Projekt werden öffentliches Feedback und/oder ein zugängliches Ergebnispapier genutzt, um alle daraus resultierenden Wissensempfehlungen verfügbar zu machen

 

Worum geht es bei diesem Format?

Vereine, Kommunalverwaltungen und Bürgerinitiativen benötigen manchmal spezifische Einblicke und Kenntnisse, um ihre Maßnahmen zu festigen, deren Wirkung zu bewerten oder neue Ansätze zu entdecken.

Die Science Shops bilden eine Brücke zwischen der Forschungsgemeinschaft und der Zivilgesellschaft und fördern den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen beiden. Dank des Raums für Austausch und Beobachtung bieten sie Möglichkeiten zum Experimentieren, insbesondere durch Seminare und Workshops.

Vereine, Bürgerinitiativen und Kommunalverwaltungen werden bei ihren Fragestellungen von Forschenden unterstützt, die Studierende in Form von Praktika, Challenges oder Gruppenarbeiten einbinden.

 

Wie funktioniert das Format?

  1. Aufruf zur Interessenbekundung  => Formulierung der Anfragen.

Dieser Aufruf zur Interessenbekundung läuft über einen relativ langen Zeitraum von etwa vier Monaten (in der Regel von Februar bis Mai), damit alle Anträge eingehen und gemeinsam ordnungsgemäß bearbeitet werden können.

Eine Frage von allgemeinem Interesse wird dem Science Shop vorgelegt, geprüft und in Abstimmung mit einem wissenschaftlichen Ausschuss neu formuliert, um eine fachliche Begleitung zu entwickeln.

  1. Der wissenschaftliche Ausschuss => Auswahl der Projekte.

Jedes Jahr beruft der Science Shop einen wissenschaftlichen Ausschuss ein, der sich aus Expertinnen und Experten zusammensetzt, die die im Rahmen des Aufrufs zur Interessenbekundung eingereichten Anträge prüfen und etwa fünfzehn Projekte auswählen, die im jeweiligen Jahr durchgeführt werden sollen. In einigen Fällen leitet der wissenschaftliche Ausschuss Anträge an andere Formate weiter.

  1. Konzeption und Verbreitung der Angebote => Bewerbungen und Vorstellungsgespräche
  2. Durchführung von Gruppen-Tutorial-Projekten und individueller Praktika

Anschließend wird vom Science Shop ein Team aus Forschenden oder Studierenden kontaktiert und zusammengestellt, um eine Feldstudie durchzuführen und gemeinsam mit diesen Akteuren der Zivilgesellschaft eine praktische Lösung für ihr Problem zu entwickeln.

  1. Die Abschlussarbeiten / Präsentationen / Vorstellung der Ergebnisse => Anwesenheit potenzieller politischer Entscheidungsträger

Eine öffentliche Präsentation und/oder eine allgemein zugängliche Abschlusspublikation machen das gesamte gewonnene Wissen zugänglich.

 

Aufgaben und Ressourcen

Es handelt sich um ein Programm zur Unterstützung der Projektbeteiligten, das den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen und der wissenschaftlichen Forschung fördert.

Es unterstützt Forschende, die den Kontakt zu verschiedenen Akteuren vor Ort suchen und an partizipativen Forschungsprojekten interessiert sind. Sie werden durch die Teilnahme an Seminaren und Workshops eingebunden und profitieren von zentralisierten Ressourcen zum Thema partizipative Forschung.

Der Science Shop bietet Forschenden die Möglichkeit, ein studentisches Einzel- oder Gruppenprojekt zu betreuen und die Umsetzung der Forschung gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren zu unterstützen.

Außerdem ermöglicht er ihnen, sich an der Erforschung und Förderung gesellschaftlicher Bedürfnisse zu beteiligen, sodass sie Partnerstrukturen für gemeinsame studentische Projekte oder persönliche Projekte finden und beraten können.

Bei groß angelegten Forschungsprojekten können sie auf das Fachwissen der externen Betreuer des Science Shops (Betreuer für partizipative Forschung) zurückgreifen.

 

Beispiele

Boutique des sciences der Universität Lumière Lyon 2 https://www.univ-lyon2.fr/sciences-et-societe/boutique-des-sciences

 

Quellen und weiterführende Literatur

Broschüre Boutique des Sciences ULL2: https://www.calameo.com/read/0074134546a08abe69437

Guide pratique de la recherche participative (Praktischer Leitfaden zur partizipativen Forschung, französische Version): https://lemouvementassociatif-aura.org/wp-content/uploads/bsk-pdf-manager/2024/11/GUIDE-RECHERCHE-PARTICIPATIVE.pdf

Website: das Vereinswesen: https://lemouvementassociatif-aura.org/nos-4-champs-actions/actions-innovation-sociale-associations-mouvement-associatif-auvergne-rhone-alpes/

Living Knowledge Network – das offizielle internationale Netzwerk von Science Shops und Community Based Research: https://livingknowledge.org/

Und der Leitfaden zur Gründung eines Science Shops (PDF-Version): https://www.scishops.eu/wp-content/uploads/2019/07/SciShops_D4.4_Guide.pdf.pdf

 

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Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

 

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