Skip to main content

Autor: Jannen Stauch

ist Projektmanagerin mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Projekt- und Eventmanagement, Marketing sowie internationale Zusammenarbeit. Derzeit koordiniert sie ein EU-gefördertes Forschungsprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt. Ihre Mehrsprachigkeit und ausgeprägte interkulturelle Kompetenz ermöglichen ihr eine erfolgreiche Zusammenarbeit in internationalen Teams und Projekten.

UGR County Councils: Ein regionales Dialogformat für nachhaltige Entwicklung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Zehn regionale UGR-Kreisräte, jeweils einer pro Kreis der Provinz Granada
  • „Living Lab“- und „Quadruple-Helix“-Ansatz zur Vernetzung von Hochschulen, Behörden, Unternehmen und Bürgern
  • Partizipative Ermittlung lokaler Herausforderungen in den Bereichen Wasserwirtschaft, Bodensanierung, nachhaltige Mobilität und Kulturerbe
  • Wissenschafts-Politik-Partnerschaften zwischen Forschenden und Beamten zur Erarbeitung lokal relevanter Lösungen
  • Institutioneller Rahmen zur Gewährleistung einer langfristigen Koordination und eines Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und Gebietskörperschaften

 

Beschreibung

Die UGR-Bezirksräte sind ein regionales Modell für den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung, das von der Universität Granada (Spanien) im Rahmen des Erasmus+-Projekts „ENGAGEgreen“ entwickelt wurde.

Die Initiative ist eine Reaktion auf die dringenden ökologischen und sozialen Herausforderungen der Provinz, wie Dürre, Bodendegradation und Landflucht, und sieht die Einrichtung von zehn Bezirksräten vor. Einen Bezirksrat pro Bezirk, der Wissenschaft, politisch Verantwortliche, den privaten Sektor und die Zivilgesellschaft miteinander verbindet.

Unter Anwendung der Living-Lab-Methodik und des Quadruple-Helix-Modells fördern die Räte gemeinsames Experimentieren und eine evidenzinformierte Politikgestaltung. Sie dienen als lokal-verankerte Plattformen für gemeinsame Gestaltung, Kapazitätsaufbau und partizipative Regierungsführung und treiben so die nachhaltige Entwicklung auf regionaler Ebene voran.

 

Wie funktioniert das Format?

  1. Einleitung

Die aktuellen Umweltprobleme in Granada machten deutlich, dass es an strukturierten Mechanismen mangelt, um wissenschaftliche Erkenntnisse in die Politikgestaltung einzubeziehen. Um dem entgegenzuwirken, richtete die UGR zehn Bezirksräte ein, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik auf regionaler Ebene zu institutionalisieren.

  1. Ziele

  • Förderung eines inklusiven und strukturierten Dialogs zwischen Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft.
  • Identifizierung und Priorisierung lokaler Herausforderungen durch partizipative Plattformen.
  • Erprobung eines skalierbaren Modells der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik, das sich auf andere europäische Regionen übertragen lässt.
  • Stärkung der institutionellen Kapazitäten für den Wissenstransfer und Festigung des gesellschaftlichen Engagements der Universität.
  1. Methodik

Die Räte verfolgen einen „Living Lab“-Ansatz, der Experimente unter realen Bedingungen und die gemeinsame Entwicklung lokal relevanter Lösungen durch die Beteiligten fördert.

Sie integrieren die Logik der „Quadruple Helix“ und der „Quintuple Helix“ und gewährleisten dabei die Beteiligung von:

  • akademischen Einrichtungen
  • öffentlichen Verwaltungen
  • Akteuren des privaten Sektors
  • zivilgesellschaftlichen Organisationen

 

Bei der Rekrutierung und Einbindung wurden institutionelle Kommunikationskanäle (E-Mails, Websites) mit informellen Kanälen kombiniert, um lokale Akteure und Bürger und Bürgerinnen zu erreichen.

Die Aktivitäten fanden in hybriden Formaten (online und vor Ort) statt, darunter Webinare, gemeinschaftliche Workshops und Fortbildungen, die darauf abzielten, den Dialog, das gegenseitige Lernen und die gemeinsame Entscheidungsfindung zu fördern.

 

 

  1. Höhepunkte der Pilotphase

Die UGR-Kreisräte wurden im Januar 2025 im Rahmen des ersten „Impronta Granada“-Treffens offiziell ins Leben gerufen, an dem 143 Personen an diesem ersten landesweiten Treffen teilnahmen. Seitdem hat sich die Initiative zu einem strukturierten Netzwerk mit rund 230 aktiven Teilnehmenden in zehn Landkreisen Granadas entwickelt.

Die Räte haben den wissenschaftspolitischen Dialog zu zentralen Umweltthemen gefördert, unter anderem durch Webinare und Seminare zu Bodensanierung, Dürremanagement und biotechnologischen Alternativen zur Schädlingsbekämpfung, die gemeinsam mit lokalen Behörden und wissenschaftlichen Experten organisiert wurden.

Die Einbindung der Interessengruppen spiegelt das „Quadruple-Helix“-Konzept des Projekts wider, das Akteure aus öffentlicher Verwaltung, akademischen Einrichtungen, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft zusammenbringt.

Insgesamt wurden über 15 Aktivitäten in verschiedenen Formaten organisiert, darunter:

  • Webinare zu Bodensanierung und Dürre in Zusammenarbeit mit regionalen Behörden
  • Ein Seminar zur nachhaltigen Schädlingsbekämpfung, das gemeinsam von Biotechnologie-Experten der UGR und lokalen Bürgermeistern geleitet wurde
  • Workshops zum Kapazitätsaufbau und gemeinsame Tagungen, aus denen mehr als acht lokalisierte Handlungsvorschläge hervorgingen, von denen mehrere derzeit in kommunale und regionale politische Agenden integriert werden
  • Gemeinsam entwickelte, ortsspezifische Lösungen zu den Themen Wasserbewirtschaftung, ökologischer Wandel und ländliche Innovation, die in den lokalen Gegebenheiten verwurzelt sind
  • Mechanismen zur Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik, die es Forschenden ermöglichen, als regionale Vermittelnde zu fungieren und eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung auf kommunaler Ebene voranzutreiben.

 

 

  1. Ergebnisse und Auswirkungen

  • Nationale und internationale Sichtbarkeit durch die Teilnahme an Konferenzen, die Verbreitung über institutionelle Netzwerke und kontinuierliche Medienarbeit
  • Entwicklung eines flexiblen Steuerungsmodells, das zentrale Koordination mit lokaler Autonomie und Selbstorganisation in Einklang bringt
  • Institutionelle Anerkennung und symbolische Anreize, wie Teilnahmebescheinigungen und der bevorstehende „Best UGR County Council Award“, stärken das langfristige Engagement der Interessengruppen
  • Hybride Beteiligungsformate (online und vor Ort) haben die Zugänglichkeit insbesondere in ländlichen Gebieten erweitert und damit die Inklusivität und pluralistische Vertretung gestärkt

Insgesamt haben die UGR-Kreisräte das Potenzial der Universitäten als regionale Vermittler unter Beweis gestellt und durch einen nachhaltigen Dialog zwischen Wissenschaft und Politik kooperative Lösungen zur Bewältigung ökologischer und sozialer Herausforderungen gefördert.

 

Herausforderungen

  • Die historisch schwachen Verbindungen zwischen Wissenschaft und Kommunalverwaltungen erforderten den Aufbau von Vertrauen
  • Abwägung zwischen akademischer Koordination und kommunaler Autonomie
  • Gewährleistung einer gerechten Vertretung aller Sektoren der Vierfach-Helix
  • Bewältigung logistischer Herausforderungen und Gewährleistung der Erreichbarkeit in ländlichen Gebieten
  • Umsetzung der Ergebnisse des Dialogs in konkrete, umsetzbare politische Maßnahmen
  • Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung einer konsistenten Beteiligung in allen Landkreisen

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

  • Beiträge in Form von Forschungserkenntnissen zu den Themen Nachhaltigkeit, Boden, Wasser und Kulturerbe
  • Funktion als regionale Vermittler zur Förderung evidenzbasierter Diskussionen
  • Unterstützung bei Überwachung und Bewertung durch Datenanalyse und Umsetzung in politische Maßnahmen

Manager und Managerinnen für Wissensaustausch und Forschung

  • Koordinieren die Einrichtung von zehn landkreisbasierten Räten und kümmern sich um die Logistik
  • Konzipieren und moderieren Workshops zur gemeinsamen Gestaltung sowie Schulungsveranstaltungen
  • Stellen die Abstimmung zwischen lokalen Prioritäten und den Zielen von ENGAGEgreen sicher
  • Erstellen Berichte und Kommunikationsmaterialien zur Verbreitung (Websites, Medien)

Akteure in Politik und Verwaltung

  • Teilnahme an Workshops und Webinaren, um Herausforderungen und Prioritäten auszutauschen
  • Bereitstellung lokaler Daten, des administrativen Kontexts und von Feedback zu Lösungsvorschlägen
  • Integration gemeinsam erarbeiteter Vorschläge in die politischen Agenden der Gemeinden oder Landkreise

 

Beispiele

  • Auftaktveranstaltung (Januar 2025): Am ersten „Impronta Granada“-Treffen nahmen 143 Teilnehmer teil; damit wurden alle zehn UGR-Kreisräte gegründet
  • Bestehendes Netzwerk:B Rund 230 aktive Teilnehmer in der gesamten Provinz
  • Thematische Webinare: Zu den Themen Bodensanierung, Dürremanagement und biotechnologische Schädlingsbekämpfung, gemeinsam organisiert mit lokalen Behörden und Forschern
  • Workshops: Es wurden über 10 lokalisierte Handlungsvorschläge erarbeitet, von denen mehrere derzeit in die kommunale Politik umgesetzt werden
  • Hybride Formate: Die Teilnahme sowohl online als auch vor Ort stärkte die Inklusivität und Zugänglichkeit für ländliche Gemeinden

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns das gerne mit!                      Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

 

Weitere