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Autor: Tome Sandevski

Tome Sandevski ist Programmmanager Science-Policy Dialog an der Goethe-Universität Frankfurt und koordiniert die gemeinsamen Policy-Dialogformate der Rhein-Main-Universitäten (Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Er konzipiert und leitet regelmäßig Fortbildungen zur wissenschaftlichen Politikberatung für Forschende und WissenschaftsmanagerInnen.

Nicht nur Wissen präsentieren – vernetzen!

Ein Leitfaden für Forschende zu erfolgreicher Mitwirkung an Policy Veranstaltungen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

Policy Veranstaltungen bieten drei unterschiedliche Dimensionen für wissenschaftliche Wirkung, die von formellen Vorträgen bis hin zum Aufbau persönlicher Beziehungen reichen:

  1. Formale Dimension: Vermittlung von Fachwissen in Podiumsdiskussionen, Vorträgen, Präsentationen oder Workshops.
  2. Informelle Vernetzung: Aufbau direkter Kontakte während Kaffeepausen, Mittagessen und Empfängen.
  3. Strategisches Follow-up: Umwandlung kurzer Begegnungen in nachhaltigen Austauschnach der Veranstaltung.

 

  • Forschenden sollten nicht nur an Policy Veranstaltungen teilnehmen, um eine Rede zu halten oder an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen; sie sollten daran teilnehmen, um informelle Gespräche zu führen und zwei bis drei Folgetreffen zu vereinbaren.
  • Pausen, Mittagessen und Empfänge sind ebenso wichtig wie inhaltliche Sessions wie Podiumsdiskussionen oder Vorträge selbst: Organisatoren von Policy-Veranstaltungen sollten während der Pausen Gelegenheiten zum Networking und zu informellen Gesprächen einplanen.

 

Wie funktioniert das Format?

Um Zeit und Wirkung zu maximieren, müssen Forschende jede politische Veranstaltung unter drei strukturellen Dimensionen betrachten.

  1. Die formale Dimension (die Plattform)

Dazu gehören Podiumsdiskussionen, Keynote-Vorträge und interaktive Workshops. Die Übernahme einer aktiven Rolle als Redner/Rednerin oder Podiumsteilnehmende stärkt die institutionelle Glaubwürdigkeit und rückt relevante Forschungsergebnisse in den Vordergrund. Doch dies ist lediglich der Aufhänger – nicht das angestrebte Ergebnis.

  1. Die informelle Dimension (die Verbindung)

In Kaffeepausen, während des Mittagessens und bei Abendempfängen findet der informelle Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung statt. Informelle Rahmenbedingungen ermutigen die Teilnehmenden dazu, offener über ihre Herausforderungen und Wissensbedarfe zu sprechen, als es eine öffentliche Podiumsdiskussion zulässt. Forschende sollten die Zeit auf Veranstaltungen für den informellen Austausch nutzen anstatt , E-Mails zu checken, nur mit Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaft auszutuaschen oder frühzeitig die Veranstaltung zu verlassen.

  1. Die Nachverfolgungsdimension (die Wirkung)

Wertvolle Gespräche sollten damit enden, dass Forschende sich mit den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern aus der Praxis darauf verständigen, in Kontakt zu bleiben und den Dialog Wochen oder Monate nach der Veranstaltung weiterführen.

 

Warum Mikro-Networking Makro-Präsentationen übertreffen kann

Forschende unterschätzen oft den mündlichen Austausch im Vergleich zu Veröffentlichungen. In einem natürlichen Sprechtempo sprechen Rednerinnen und Redner etwa 130–160 Wörter pro Minute (ca. eine halbe Textseite). Betrachten Sie den Vergleich zweier verschiedener Strategien:

Forscher A (der Vortragende): Hält einen 15-minütigen Vortrag plus 5 Minuten für Fragen und Antworten (insgesamt 20 Minuten Redezeit = ~10 Seiten übermittelter Text). In den Pausen checkt dieser Forschende seine E-Mails, unterhält sich nur mit Kollegen und Kolleginnen aus der Wissenschaft und geht frühzeitig.

Forscher B (der Netzwerker): Hat keine formelle Rednerrolle, tauscht sich jedoch in den Pausen und bei Empfängen insgesamt 50 Minuten lang aktiv mit Akteuren aus Politik und Verwaltung aus (ca. 25 Seiten übermittelter zielgerichteter Text). Dieser Forschende vereinbart drei konkrete Termine für zukünftige Treffen. Ergebnis: Drei geplante Folgetreffen, um die eigene Expertise direkt zu präsentieren.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – Wie können sich Forschende auf die Netzwerkbildung vorbereiten?

Schritt 1: Den Raum analysieren und sich einen Überblick verschaffen (vor der Veranstaltung)

  • Forschende sollten das Programm und die Teilnehmendenliste im Voraus durchsehen. Sie sollten die konkreten Akteure aus Politik und Verwaltung oder anderen Gäste aus der Praxis identifizieren, mit denen sie in Kontakt treten möchten
  • Falls die Liste nicht öffentlich ist, sollten Forschende die Organisatoren nach dem erwarteten Profil des Publikums fragen.

Schritt 2: Inhaltliche Vorbereitung

  • Forschende sollten einen 60-Sekunden-Elevator-Pitch vorbereiten, der sich auf die politische Relevanz ihres Fachwissens konzentriert und rein akademische Debatten oder Methodik vermeidet
  • Forschende sollten gedruckte Exemplare von Kurzpublikationen wie Policy Briefs, Factsheets oder Infografiken mitbringen. Diese Kurzpublikationen sollten immer die Kontaktmöglichkeiten enthalten.

Schritt 3: Strategische Ansprache und Eisbrecher

  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten ihre Zielpersonen in den Pausen ansprechen; sie sollten Grenzen respektieren (Personen, die gerade telefonieren oder E-Mails auf ihrem Laptop schreiben, sollten sie meiden), sich aber selbstbewusst mit einem höflichen „Darf ich mich zu Ihnen setzen/stellen?“ zu den Gruppen an den Tischen gesellen.
  • Offene Eisbrecher können sein:

o Auf welchen Teil der Veranstaltung freuen Sie sich am meisten?

o Welche Sessions fanden Sie bisher am interessantesten?

o Was halten Sie von Argument zu X?

  • Folgefragen können sein:

o Welche Themenaspekte sind für Sie besonders relevant?

o Was ist die größte Herausforderung, vor der Sie bei diesem Thema stehen?

 

Schritt 4: Den Anschluss für die Nachbereitung sichern

  • Wenn der Kontakt positiv verläuft, sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch vor Ende des Gesprächs den Anschluss sichern: „Ich würde Ihnen gerne ein kurzes Update schicken, sobald unsere nächsten Forschungsergebnisse vorliegen. Darf ich Ihre Visitenkarte haben oder Ihren LinkedIn-QR-Code scannen?“
  • Das Überreichen eines gedruckten Policy Briefs mit den eigenen Kontaktdaten ist eine effektive Methode, um einen unmittelbaren, professionellen Übergang zu schaffen

 

Schritt 5: Termin vereinbaren (nach der Veranstaltung)

  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten innerhalb von 48–72 Stunden eine maßgeschneiderte Folge-E-Mail senden
  • Sie sollten Links zu den besprochenen Daten oder Publikationen bereitstellen und ein Folgetreffen in den nächsten Wochen oder Monaten vorschlagen

 

Mitarbeitende in den Bereichen Management und Transfer (Unterstützungsstrukturen)

Policy-Veranstaltungen müssen den informellen Dialog in Pausen ermöglichen.

Teams, die Veranstaltungen organisieren, sollten die folgenden Vorschläge berücksichtigen:

  • Netzwerkpausen einplanen: Bei jeder Veranstaltung, die länger als zwei Stunden dauert, sollten die Organisatoren Kaffeepausen von mindestens 20 bis 30 Minuten einplanen; die Organisatoren sollten die Pausen nicht verkürzen, auch nicht, wenn Vorträge überzogen werden. Sieie sollten die Referentinnen und Referenten im Voraus darüber informieren, dass Zeitlimits strikt eingehalten werden.
  • Vorbereiten sichtbarer Materialien: Organisatoren sollten große, gut lesbare Namensschilder bereitstellen; wenn möglich, können sie QR-Codes auf den Namensschildern integrieren, die weitere Informationen wie Links zu Webseiten oder LinkedIn-Profilen bereitstellen.
  • Moderieren flexibler Frage-und-Antwort-Runden: Moderatorinnen und Moderatoren sollten die „Frage-und-Antwort-Runden“ so strukturieren, dass das Fachwissen der Teilnehmenden im Raum zum Tragen kommt. Sie sollten zu Beginn klar ankündigen: „Fragen müssen auf 1–2 Minuten begrenzt sein, damit alle zu Wort kommen können.“ Dies verhindert lange Ausführungen aus dem Publikum und hilft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, interessante Gesprächspartner für die nächste Pause zu identifizieren
  • Mitarbeitende im Bereich Wissensaustausch können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darin unterstützen, klare Elevator Pitches zu entwickeln und leicht verständliche Informationsblätter zu erstellen
  • Mitarbeitende im Bereich Wissensaustausch können Forschende während Empfängen aktiv den anwesenden Akteuren aus Politik und Verwaltung vorstellen

 

Quellen

Willis, Christina C. (2020), Sustainable Networking for Researchers and Engineers, https://doi.org/10.1117/3.2535500.

Zack, Devora (2019), Networking for People Who Hate Networking: A Field Guide for Introverts, the Overwhelmes, and the Underconnected, Berrett-Koehler Publishers.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit wissen oder Ihre Erfahrung teilen?

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Wann, wie, für wen? Science-Policy-Veranstaltungen richtig planen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Keine Universallösung: Es gibt weder die eine richtige Dauer noch das perfekte Format. Für welche Veranstaltungsvariante Sie sich entscheiden, hängt von Ihren Zielen, Ressourcen, Zielgruppen und Ihrem bisherigen Bekanntheitsgrad ab.
  • Zielgruppen kennen: Hochrangige Entscheidungsträger:innen haben andere Bedürfnisse und Erwartungen als Referent:innen. Berücksichtigen Sie diese bei der Planung von Veranstaltungen.
  • Die Tageszeit ist ebenso wichtig wie die Dauer: Frühstücks-, Mittags- und Abendveranstaltungen bringen jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile für die Terminkalender der Akteure in Politik und Verwaltung mit sich.
  • Parlamentskalender beachten: Über die Uhrzeit hinaus sollten Sie auch den Parlamentskalender prüfen; Sitzungswochen und -pausen (inkl. Sommerpausen) können über die Teilnahme entscheiden.
  • Präsenz vs. Digital: Das Format bestimmt die Interaktionsdynamik – Online-Events erfordern völlig andere Konzepte als Präsenzveranstaltungen.

Wie funktioniert das Formatauswahl?

Ob einstündige Fachgespräche im kleinen Kreis oder mehrtägige Konferenzen mit Hunderten von Teilnehmenden: Policy-Formate können sehr unterschiedlich aussehen. Bei der Planung stellen sich meist vier zentrale Fragen:

  • Zielgruppe: Wen wollen Sie erreichen? Die Arbeits- oder Entscheidungsebene? Oder beide Ebenen?
  • Dauer und Ausgewogenheit: Wie viel akademische Tiefe ist nötig und wie viel Vernetzung ist möglich, ohne den vollen Terminkalender der Gäste zu überlasten?
  • Wahl des Formats: Welches Veranstaltungsformat eignet sich am besten für welche Zielgruppe?
  • Durchführung: Präsenz, rein virtuell oder hybrid?

 

Um die richtige Veranstaltungsstruktur zu ermitteln, sollten Sie zunächst vier Leitfragen beantworten:

  1. Ziele: Was möchten Sie erreichen? (z. B. direkte politische Veränderungen bewirken, Sichtbarkeit erhöhen, Vertrauen aufbauen, Netzwerke erweitern, gegenseitiges Lernen fördern, Forschungserkenntnisse gewinnen oder Akteure in Politik und Verwaltung informieren)?
  2. Ressourcen: Wie viel Budget, Vorlaufzeit und Personal stehen für die Organisation und Durchführung zur Verfügung?
  3. Bekanntheitsgrad: Kennen die Akteure in Politik und Verwaltung Sie, Ihre Einrichtung oder Ihr Forschungsprojekt bereits? Oder stellen Sie sich erstmalig vor?
  4. Methodenkompetenz: Beherrschen Sie interaktive Methoden (World-Café, Fishbowl, Breakouts) oder benötigen Sie eine externe Moderation?

 

Wen laden Sie ein? Zielgruppen in Politik und Verwaltung verstehen

Verschiedene Funktionsebenen haben unterschiedliche Motivationen, Vorkenntnisse und Zeitbudgets.

  1. Entscheidungsebene: Abgeordnete und Leitungsebene in politischen Parteien und Behörden, EU-Institutionen und internationalen Organisationen
  • Arbeitsrealität: Sehr eng getaktete Terminkalender, hohe öffentliche Sichtbarkeit. Häufig müssen sie direkt nach ihrem Grußwort zum nächsten Termin.
  • Motivation für die Teilnahme an Veranstaltungen: Kennenlernen wichtiger Erkenntnisse, Sichtbarkeit in den Medien/Sozialen Medien, Netzwerken auf Top-Ebene.
  • Typische Rollen: Eröffnungsrede, Keynote, Panel-Teilnahme.
  • Kenntnisstand: Breiter thematischer Überblick; richtige Zielgruppe für die Diskussion von Grundsatzfragen wie z.B.
    • Wie können wir die Markteinführung energieeffizienter Technologien beschleunigen?
    • Sollten Smartphones in Grundschulen verboten werden?
    • Sollten harte Drogen legalisiert werden?

 

  1. Fachebene: Mitarbeitende von Abgeordneten, Fraktionen, politischen Parteien. Referatsebene in Behörden, EU-Institutionen und internationalen Organisationen
  • Arbeitsrealität: Anspruchsvolle Terminkalender, nehmen jedoch weitaus häufiger an mehrstündigen Workshops oder Konferenzen teil als die Entscheidungsebene.
  • Motivation für die Teilnahme: Zugang zu Hintergrundwissen und spezifischen Erkenntnissen (inkl. technischen Details), fachlicher Austausch auf Ebene, benötigen Expertise für die Erstellung von Briefings für ihre Vorgesetzten.
  • Typische Rollen: Podiumsteilnehmende, Referent:innen, aktive Teilnehmehnde in Arbeitsgruppen, World Cafés oder Fachworkshops
  • Kenntnisstand und Umfang: Fachwissen (inkl. Wissen zu Detailaspekten) (Mitarbeitende in Behörden) oder fundiertes Allgemeinwissen (Mitarbeitende in Parlamenten oder politischen Parteien); sie sind die richtigen Ansprechpartner:innen für die Erörterung technischer und regulatorischer Fachfragen:
    • Welche technischen Reinheitsstandards müssen bestehende Pipelines erfüllen, um Wasserstoff sicher zu transportieren?
    • Wie lassen sich die Grenzwerte für die Wassertoxizität in den kommunalen Überwachungssystemen vereinheitlichen?

 

 

Durchführungsform: Virtuell, persönlich oder hybrid?

Die Wahl der richtigen Veranstaltungsform wirkt sich direkt auf die Teilnahmequote und Art des Austauschs aus:

  • Virtuelle Veranstaltungen (45–120 Minuten): Ideal für kurze Briefings oder für vielbeschäftigte Zielgruppen in Politik und Verwaltung, die in verschiedenen Regionen tätig sind. Sie senken die Hemmschwelle für die Teilnahme erheblich und verursachen keine Kosten für die Anmietung von Räumlichkeiten oder Catering, bieten jedoch nur begrenzte Möglichkeiten für informelles Networking. Virtuelle Veranstaltungen, die länger als zwei Stunden dauern, sollten generell vermieden werden, da schnell Bildschirmmüdigkeit eintritt.
  • Präsenzveranstaltungen: Unverzichtbar für den Aufbau persönlichen Vertrauens, den Austausch impliziten Policy-Wissens und langfristiges Networking; sie verursachen jedoch höhere Organisationskosten und einen größeren Zeitaufwand für die Teilnehmenden.
  • Hybride Veranstaltungen: Bieten eine große Reichweite, erfordern jedoch umfangreichen technischen Support und aktive Moderation, um virtuelle Teilnehmende einzubinden.

 

Passt die Dauer zum Ziel?

 

Kurze Veranstaltungen (60–90 Minuten)

  • Schwerpunkt: Präsentation neuer Erkenntnisse oder Austausch von Grundsatzpositionen
  • Typische Formate: Kurze Präsentationen, Round Table oder Podiumsdiskussionen mit anschließender Fragerunde
  • Networking: Sehr begrenztes informelles Networking während der Sitzung selbst
  • Aktive Rollen: 1–5 Redner:innen/Referent:innen
  • Verpflegungskosten: Niedrig (Kaffee, Wasser, Snacks)
  • Organisatorischer Aufwand (Vollzeitäquivalent): Stunden bis Tage

Veranstaltungen mittlerer Dauer (2–5 Stunden)

  • Schwerpunkt: Vertiefung des thematischen Austauschs und Vernetzung von Forschenden und Akteuren in Politik und Verwaltung
  • Typische Formate: Mehrere (Kurz-)Vorträge, Präsentationen, Roundtables, Workshops oder Podiumsdiskussionen
  • Netzwerken: Gute Gelegenheiten während der Kaffeepausen, bei gemeinsamen Mittagessen oder Abendempfängen sowie in Kleingruppenformaten.
  • Aktive Rollen: 4–10 Redner:innen/Referent:innen
  • Verpflegungskosten: Mäßig bis hoch (Kaffeepausen, Fingerfood oder Mittag-/Abendessen).
  • Organisatorischer Aufwand (Vollzeitäquivalent): Tage bis Wochen

Ganztägige Veranstaltungen (5+ Stunden)

  • Schwerpunkt: Umfassende thematische Auseinandersetzung und Aufbau langfristiger Netzwerke
  • Typische Formate: Mehrere Reden und Präsentationen, parallele Breakout-Sessions, interaktive World Cafés oder Podiumsdiskussionen
  • Networking: Hervorragende Networking-Möglichkeiten während strukturierter Pausen, gemeinsamer Mahlzeiten oder Abendempfänge
  • Aktive Rollen: 10+ Redner:innen/Referent:innen
  • Verpflegungskosten: Hoch (vollständige Verpflegung einschließlich Kaffee am Vormittag und Nachmittag, Mittagessen und möglicherweise einem Empfang)
  • Organisatorischer Aufwand (Vollzeitäquivalent): Wochen bis Monate

 

Zu welcher Tageszeit sollten Sie die Veranstaltung organisieren?

 

  • Zeitpunkt & Dauer: Beginn zwischen 7:00 und 8:00 Uhr. Dauer: 60–90 Minuten
  • Format & Verpflegung: leichtes Frühstück bei prägnanten Vorträgen; hochwertige Moderation und strikte Zeiteinhaltung sind essenziell
  • Vor- und Nachteile:
  • Vorteil: Besonders beliebt bei Abgeordneten, deren ersten Termine später am Vormittag anstehen; hohe Teilnahmequoten, da dringende Terminänderungen sich häufig erst im Laufe des Tages ergeben; die Teilnehmenden beginnen ihren Arbeitstag mit neuen Erkenntnissen
  • Nachteil: Enge Taktung, kaum Zeit für informelles Networking

 

Mittagsveranstaltungen

  • Zeitpunkt & Dauer: Beginn zwischen 11:00 und 13:00 Uhr. Dauer: 90–120 Minuten
  • Format & Verpflegung: Vorträge/Präsentationen und/oder Podiumsdiskussionen/Round Tables, häufig Mittagessen (Stehbuffet)
  • Vor- und Nachteile:
    • Vorteil: Bietet eine produktive Unterbrechung des Arbeitstages mit ausreichend Zeit für Fragen und Antworten sowie Networking;
    • Nachteil: Unterbricht den täglichen Arbeitsablauf; unvorhergesehene Terminänderungen am Vormittag können zu kurzfristigen Absagen führen

 

Abendveranstaltungen

  • Zeitpunkt und Dauer: Beginn zwischen 17:30 und 20:00 Uhr, Dauer: 2–4 Stunden
  • Format & Verpflegung: Keynotes, Präsentationen oder Podiumsdiskussionen, gefolgt von einem ausgedehnten Networking, Empfang mit Speisen und Getränken (Abendessen an Stehtischen oder Sitztischen)
  • Vor- und Nachteile:
    • Vorteil: Bietet das beste Umfeld, um persönliches Vertrauen und langfristige Beziehungen aufzubauen
    • Nachteil: Sich im Laufe des Tages angehäufte konkurrierende Verpflichtungen, Müdigkeit oder familiäre Verpflichtungen können die Akteure in Politik und Verwaltung davon abhalten, teilzunehmen

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

  • Klären Sie, was Sie mit der Veranstaltung erreichen möchten, und teilen Sie dies dem Organisationsteam frühzeitig mit
  • Bereiten Sie Inhalte vor, die dem gewählten Format, der Dauer und der Zielgruppe angemessen sind (z. B. einen kurzen Vortrag im „Elevator-Pitch“-Stil für eine Frühstücksveranstaltung mit hochrangigen Akteuren in Politik und Verwaltung im Gegensatz zu einer ausführlicheren Fachpräsentation für einen ganztägigen Workshop mit Mitarbeitenden auf Arbeitsebene)
  • Stehen Sie während der Pausen für informelles Networking zur Verfügung, sofern das Format dies zulässt

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

  • Helfen Sie dabei, das Ziel der Veranstaltung, die Zielgruppe und die verfügbaren Ressourcen unter Verwendung des oben genannten Rahmens auf das richtige Format und die richtige Dauer abzustimmen
  • Kümmern Sie sich um die Organisation: Veranstaltungsort, Verpflegung, Einladungen und Umsetzung vor Ort (inkl. Einhalten der Redezeiten und Pausen).
  • Überprüfen Sie den parlamentarischen Kalender (Sitzungswochen, Sitzungsunterbrechungen, Wahlperioden), bevor Sie einen Termin festlegen

Akteure in Politik und Verwaltung

  • Entscheiden Sie, ob Sie teilnehmen möchten und in welcher Funktion
  • Falls der eigene Terminkalender eine Teilnahme nicht zulässt, schlagen Sie Mitarbeitende oder Kolleg:innen als Vertretung vor
  • Kommunizieren Sie nach Möglichkeit Ihre Prioritäten und Wissensbedarfe im Voraus, damit diese bei der Planung der Veranstaltung berücksichtigt werden können
  • Weisen Sie frühzeitig auf bekannte Terminkonflikte hin (z. B. Sitzungswochen, Wahlperioden, andere konkurrierende Verpflichtungen), um den Organisatoren bei der Auswahl eines geeigneten Termins zu helfen
  • Geben Sie im Anschluss ein kurzes Feedback dazu, ob Format, Dauer und Zeitpunkt für Sie gepasst haben

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren oder Ihre Erfahrung teilen?

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Vorstellung des ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkits

Das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit bietet einen Überblick über die vielfältigen Formate, die Forschende, Forschungsmanagerinnen und -manager sowie Mitarbeitende im Wissenstransfer nutzen können, um Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung akademische Expertise zur Verfügung zu stellen.

Man könnte sich fragen, ob ein Policy Engagement Toolkit überhaupt notwendig ist, da bereits zahlreiche Handreichungen existieren, wie man Policy Briefs verfasst oder wie man Parlamente mit Informationen versorgt. Wir haben das Policy Engagement Toolkit aus den folgenden Gründen geschrieben:

Erstens verstehen wir unter Policy Engagement einen Oberbegriff, der die vielen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung sich auf verschiedenen Etappen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse austauschen und gemeinsame Interessen identifizieren können. Policy Engagement bedeutet nicht nur, Policy Briefs zu schreiben. Es gibt viele Formate wie Pairing Schemes (Dialogformate), Policy Fellowships, Hackathons oder Besichtigungen von Forschungsstandorten. Dennoch ist es für Forschende sowie weitere universitäre Mitarbeitende und Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung sehr herausfordernd, strukturierte Übersichten zu möglichen Austauschformaten zu finden. In verschiedenen Ländern gibt es auf regionaler oder nationaler Ebene zahlreiche Austauschformate, die außerhalb der eigenen Landesgrenzen nicht bekannt sind. Mit dem Policy Engagement Toolkit möchten wir Praxisbeispiele grenzüberschreitend zu teilen.

Zweitens adressiert das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit die Herausforderungen von Zeitmangel, begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten und die Würdigung von Praxisengagement im wissenschaftlichen Kontext, die oft den Austausch mit Politik und Verwaltung erschweren. Zwar löst es diese Probleme nicht, bietet aber praktische Lösungen und Orientierungshilfen, die es unseren Leserinnen und Lesern ermöglichen, die Eignung verschiedener Austauschformate für ihre spezifischen Bedürfnisse und zeitlichen und finanziellen Ressourcen einzuschätzen.

Drittens ist das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit inklusiv gestaltet und richtet sich nicht nur an Forschende sowie Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, sondern auch an Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement an Universitäten. Indem es die Bedürfnisse und Rollen aller Beteiligter berücksichtigt, zielt das Toolkit darauf ab, die institutionelle Unterstützung für den Austausch mit Politik und Verwaltung zu verbessern und die Entwicklung institutioneller Kapazitäten zu fördern.

Viertens kann die Einbindung akademischer Forschung in die Politikgestaltung deren Qualität verbessern. Ebenso kann der Austausch mit Politik und Verwaltung neue Impulse für die akademische Forschung erzeugen. Da diese Perspektive oft in vielen Handreichungen zum Austausch mit Politik und Verwaltung fehlt, wollen wir diesen Austausch als bidirektionalen Wissensaustausch verstehen.

 

Wie ist das Policy Engagement Toolkit aufgebaut?

Das Toolkit bietet Anleitungen zu verschiedenen Austauschmöglichkeiten zwischen Politik und Verwaltung. Es ist jedoch keine wissenschaftliche Studie zum Thema Politikberatung. Um eine Analogie zu verwenden: Das Toolkit soll eher als Kochbuch verstanden werden und nicht als eine wissenschaftliche Studie zum Thema Ernährungswissenschaft.

Das Toolkit umfasst thematische Kapitel. Jedes Kapitel enthält eine einführende Beschreibung einer Institution, eines Querschnittsthemas oder eines Austauschformats zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Hinzu kommen konkrete Beispiele von Forschenden, Wissenschaftsmanagerinnen und Wissenschaftsmanagern, Mitarbeitenden im Wissenstransfer oder Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung. Damit wollen wir zeigen, dass es keine Universallösungen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung gibt.

 

Ist der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu zeitaufwendig?

Das muss nicht zwangsläufig so sein. Natürlich sind die Erstellung einer 500-seitigen Studie oder die mehrjährige Mitarbeit in einem Expertengremium sehr zeitintensiv. Glücklicherweise sind dies nur einige der Formate oder Strukturen des Austauschs mit Politik und Verwaltung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über den Zeitaufwand der verschiedenen Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung:

 

Die Tabelle zeigt, dass unterschiedliche Formate unterschiedliche Zeitaufwände erfordern. Die Unterstützungsstrukturen sind oft essenziell: Schreiben Forschende einen 100-seitigen Evaluationsbericht allein oder im Team? Organisieren Forschende einen Policy-Workshop allein, oder können sie sich auf die Inhalte konzentrieren, während Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement die Organisation der Veranstaltung übernehmen?

 

Das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit bietet einen Überblick über mögliche Formate des Wissensaustauschs für verschiedene Zielgruppen:

Ob Forschende, Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, im Wissenstransfer oder in der Wissenschaftskommunikation oder Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung. Nicht alle müssen jeden Tag alles machen! Außerdem gibt es keine Zauberformel für einen erfolgreichen Austausch mit Politik und Verwaltung. Einige Formate zielen eher darauf ab, Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung zu informieren, als auf eine politische Wirkung. Jedes Format hat seine Chancen und Grenzen, die wir erläutern werden.

Unser Toolkit beschreibt Wissensaustauschformate und enthält einen Abschnitt zu Querschnitts-themen. Zu wissen, wie man einen Policy Brief schreibt, ist sehr wichtig. Ebenso wichtig ist das Wissen darüber, wie man Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung mit einem Policy Brief erreicht, den politischen Kontext besser versteht, den richtigen Zeitpunkt für den Austausch mit Politik und Verwaltung wählt und diesen Austausch bewertet.

Wir haben verschiedene Formate des Wissensaustauschs recherchiert. Bitte beachten Sie: Das Toolkit ist kein Ergebnis eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts. Wir erklären die wichtigsten Merkmale verschiedener Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Es standen uns keine Ressourcen zur Verfügung, um eine fundierte wissenschaftliche Analyse der dargestellten Formate durchzuführen. Daher sollten die Beschreibungen der Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung nicht als in Stein gemeißelt betrachtet werden. Weitere Forschende, Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung könnten die Formate anders beschrieben haben.

Wir sind uns außerdem bewusst, dass es aufgrund geografischer und sprachlicher Aspekte zu einer Verzerrung kommen kann. Wir haben zahlreiche Webseiten in Englisch, Tschechisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch recherchiert. Wir möchten Beispiele aus mehreren Ländern, nicht nur aus den englischsprachigen oder den Ländern der Projektpartner, einbeziehen. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung!

Lassen Sie uns wissen, ob die von uns beschriebenen Formate des Wissensaustauschs in Ihrem Land anders funktionieren! Oder noch besser: Reichen Sie ein Beispiel ein!

Wir werden unsere Beschreibungen möglicherweise auch in Zukunft anpassen, da viele der beschriebenen Formate selten sind. Wir haben kein dogmatisches Verständnis der verschiedenen Austauschformate zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Beispielsweise schreiben wir, dass Policy Briefs maximal einige Seiten lang sind. Dennoch findet man Policy Briefs mit 15 Seiten oder mehr. Wir haben keine Erhebung durchgeführt, um festzustellen, ob die durchschnittliche Länge eines Policy Briefs 4 oder 6,5 Seiten beträgt.

Das Toolkit besteht aus einer Einleitung, gefolgt von verschiedenen Beispielen. Die Beispiele zeigen, wie die jeweiligen Formate des Wissensaustauschs umgesetzt werden können. Sie ermöglichen Forschenden, Mitarbeitenden im Wissenstransfer sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung, ihre Erfahrungen zu reflektieren: Wie haben sie die jeweiligen Formate geplant und umgesetzt? Was hat sehr gut funktioniert? Was würden sie im Nachhinein anders machen? Wenn Sie mit dem Format vertraut sind, können Sie direkt zu den Beispielen springen.

Das Policy Engagement Toolkit liegt auf Englisch, Tschechisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch vor. Bitte beachten Sie: Die Inhalte der verschiedenen Versionen können variieren, da wir bei der Erstellung der Kapitel lokale oder nationale Kontexte berücksichtigen. Beispielsweise sind Policy Empfehlungen ein wesentliches Merkmal von Policy-Briefs in angelsächsischen Ländern, sie finden sich allerdings nur gelegentlich im deutschsprachigen Raum. Wenn Sie in einem der genannten EU-Länder leben, empfehlen wir Ihnen daher, die Kapitel in der jeweiligen Sprache zu lesen. Andernfalls empfehlen wir die englische Version. Bitte beachten Sie, dass wir die englische Version zuerst veröffentlichen; die Versionen in den anderen Sprachen folgen einige Wochen später.

Unterstützungsstrukturen definieren wir als Mitarbeitende an Universitäten, die Forschende bei der Planung, Durchführung oder Bewertung von Aktivitäten rund um den Austausch mit Politik und Verwaltung finanziell, durch Schulungen, Beratung oder organisatorische Unterstützung begleiten können. Zu den Unterstützungsstrukturen zählen Mitarbeitende von Policy-Einheiten. Während hauptamtliche Mitarbeitende in diesem Bereich an vielen Universitäten schwer zu finden sind, können auch Mitarbeitende im Wissenstransfer, in der Wissenschaftskommunikation, im Wissenschaftsmanagement oder Veranstaltungsmanagement Forschende unterstützen. Auch Führungspersonen von Universitäten, Fachbereichen, Instituten und Forschungsgruppen können wichtige Unterstützung bieten.

Unsere Einschätzung zu den benötigten Ressourcen in Bezug auf Zeit und Finanzierung basiert auf unseren Erfahrungen mit den Formaten, Rückmeldungen von Forschenden, Mitarbeitenden in Unterstützungsstrukturen sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung.

Beim Einschätzen der Zeitressourcen beziehen wir uns auf den Nettobetrag der Zeit, die benötigt wird, um das jeweilige Format einmal durchzuführen. Beispielsweise geben wir an, dass das Schreiben eines Policy Blog Beitrags einige Stunden dauert. Zudem sprechen wir von der Nettozeit. Angenommen, Wissenschaftlerin A schreibt in zwei Stunden einen Policy Brief und sendet ihn an ihren Co-Autor (Wissenschaftler B). Wissenschaftler B benötigt ebenfalls zwei Stunden für einige Änderungen, arbeitet jedoch erst nach drei Wochen und zahlreichen Erinnerungen daran. In einem solchen Fall betrug die benötigte Zeit zum Verfassen des Policy Briefs vier Stunden und nicht drei Wochen.

Bezüglich der finanziellen Ressourcen verzichten wir bewusst darauf, konkrete Beträge anzugeben, da sich unser Toolkit an eine transnationale Leserschaft in vielen Ländern richtet. Gehalts- und Kostenstrukturen variieren stark. 5.000 Euro Kosten für die Organisation einer Policy Veranstaltung können in Land A als extrem hohe Kosten gelten, in Land B dagegen nicht. Daher enthalten die Beispiele im Toolkit Informationen über Ressourcen in Bezug auf Zeitaufwand oder Teilnehmerzahl.

 

Das Policy Engagement Toolkit befindet sich noch in der Entwicklung                                                                            

Bitte senden Sie Kommentare zu unseren Kapiteln oder Vorschläge für Format- oder Praxisbeispiele an science-policy@uni-frankfurt.de

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!

Vorbereitung: Schlüsselkonzepte und Akteure im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung

Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung

In Anlehnung an die weit verbreitete Definition der Universität Oxford verstehen wir unter dem Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung einen Oberbegriff, der „die vielfältigen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteure in Politik und Verwaltung in verschiedenen Phasen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse miteinander in Kontakt treten und gemeinsame Interessen erkunden“.

Wir betrachten den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung als einen umfassenderen und wechselseitigen (bidirektionalen) Ansatz gegenüber der traditionellen wissenschaftlichen Beratung. Es umfasst vielfältige Ergebnisse – wie die Mitgestaltung politischer Prozesse, den Aufbau von Netzwerken, gegenseitiges Lernen sowie Praxisimpulse für die akademische Forschung. Der Austausch und kann sowohl über formelle als auch über informelle Kanäle erfolgen.

 

Akteure in Politik und Verwaltung (Policymakers)

Wir definieren Akteure in Politik und Verwaltung im weiteren Sinne als Personen, die an der Analyse, Bewertung, Planung, Ausarbeitung und Umsetzung von Politiken beteiligt sind. Nicht alle Akteure in Politik und Verwaltung sind direkte Entscheidungsträger:innen (wie Politiker oder Leiter von Institutionen).

Unsere weit gefasste Definition umfasst:

  • Gewählte Politiker:innen (z. B. Abgeordnete, Minister:innen, Bürgermeister:innen)
  • Mitarbeitende von Politiker:innen
  • Mitarbeitende in politischen Parteien
  • Beamte und Bedienstete in lokalen, regionalen, nationalen oder EU-Institutionen sowie in internationalen Organisationen

Forschende: Wir definieren Forschende als Personen, die an akademischen Einrichtungen wie Universitäten oder an außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen tätig sind und Grundlagen- oder angewandte Forschung betreiben.

Im Gegensatz zu Expert:innen in Thinktanks oder Beratungsunternehmen gehören die Durchführung praxisnaher Policy-Analysen und der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung in der Regel nicht zu den primären „Kernaufgaben“ Forschender an Universitäten. Ausnahmen können Policy-Analysen von Forschenden aus den Politik-, Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften bilden. Für die meisten Forschenden an akademischen Einrichtungen ist der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung eine zusätzliche Tätigkeit, die sie neben ihren Kernaufgaben wie Forschung, Lehre, akademischer Selbstverwaltung, Begutachtungen und Mitarbeit in wissenschaftlichen Gesellschaften ausüben.

Um den unterschiedlichen Karrierestufen und Kapazitäten Rechnung zu tragen, wenden wir den Europäischen Rahmen für Forschungskarrieren (R1–R4) an:

  • R1 – First-Stage-Researchers: Promovierende oder andere Forschende, die unter Betreuung forschen.
  • R2 – Anerkannte Forschende: Postdoktoranden (oder gleichwertiger Qualifikation), die
  • R3 – Etablierte Forschende: Unabhängige Forschende, die ihre eigenen Forschungsagenden formulieren, Drittmittel einwerben und Forschungsgruppen leiten.
  • R4 – Führende Forschende: Erfahrene Wissenschaftler:innen, die von ihren Peers als Pioniere und Vorreiter:innen in ihrem Forschungsgebiet anerkannt sind

 

Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement (inkl. Wissenstransfer)

Wissenschaftsmanager:innen unterstützen Forschende über den gesamten Forschungszyklus hinweg. Ihr Fachwissen umfasst die Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln, Projektkonzeption und -durchführung, Kommunikation,  Wirkungsanalyse oder der Entwicklung institutioneller Strategien.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Breckon, Jonathan, Sarah Chaytor, Stephen Clarke, Helen Durrant, and Olivia Stevenson (2025), Hidden Talents: Core Competencies of Knowledge Mobilisers Working in Public Policy. London: Capabilities in Academic Policy Engagement (CAPE).

Council of the European Union (2023), Council Recommendation on a European Framework to Attract and Retain Research, Innovation and Entrepreneurial Talents in Europe. Brüssel: Council of the European Union. Zugriff am 10. April 2025.

Hepworth, B. (2025), P is for Policymakers. Transforming Evidence Blog. Zugriff am 10. April 2025.

Reed, Mark S. (2024), The Researcher’s Guide to Influencing Policy. London and New York: Routledge.

Stevenson, Olivia (2019), Translating Research into Policy – Who Are ‚The Policymakers‘? UCL Policy Lab Blog. Zugriff am 05. Mai 2024.

University of Oxford (2024), Policy Engagement: What is Policy Engagement? University of Oxford Policy Engagement Network. Zugriff am 10 April 2024.

 

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Einfluss, Vertrauen, Vernetzung, Lernen: Die verschiedenen Ziele des Policy Engagements

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Vermeiden Sie die „Impact-Falle“: Direkte Policy-Veränderungen sind selten, haben vielfältige Ursachen und vollziehen sich langsam. Betrachten Sie sie als potenzielles langfristiges Ergebnis und nicht als einzigen Maßstab für Erfolg.
  • Schätzen Sie die Zwischenschritte: Der Aufbau von Sichtbarkeit, Vertrauen und persönlichen Netzwerken sind wichtige Ziele an sich, die die Grundlage für zukünftige Policy-Interaktionen bilden.
  • Policy Engagement ist keine Einbahnstraße: Ein (besseres) Verständnis für Politikgestaltung in Parlamenten und der Exekutive ist ein wichtiges, aber oft übersehenes Ziel des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/ Verwaltung. Policy Engagement kann die akademische Forschung bereichern, indem es Zugang zu Daten oder Interviewpartnern verschafft oder Impulse für mögliche Forschungsfragen oder Hypothesen liefert.
  • Ergebnisoffene Dialoge begrüßen: Die frühzeitige Information von Akteuren in Politik und Verwaltung – selbst mit vorläufigen oder noch nicht endgültigen Ergebnissen – hilft dabei, aufkommende Themen lange vor dem Eintreten von Krisen oder der Verabschiedung von Gesetzen zu thematisieren

 

Warum sind diese Ziele wichtig?

Bevor man sich mit Formaten, Akteuren, Institutionen, bereichsübergreifenden Einrichtungen sowie Lehr- und Lernmethoden befasst, muss jeder Weg des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung mit einer grundlegenden Frage beginnen:

 

Was wollen wir eigentlich erreichen?

In Anlehnung an die weit verbreitete Definition der Universität Oxford verstehen wir Policy Engagement als einen Oberbegriff, der „die vielfältigen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteure in Politik und Verwaltung in verschiedenen Phasen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse miteinander in Verbindung treten und gemeinsame Interessen ausloten“.

Um diesen Austausch angemessen zu planen, mit Ressourcen auszustatten und zu bewerten, müssen sowohl Forschende als auch Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, Transfer oder Kommunikation ihre spezifischen Ziele im Vorfeld klar definieren. In der Praxis führen nicht aufeinander abgestimmte oder unrealistische Erwartungen zu Frustration.

 

Das Spektrum der Ziele des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung

Anstatt das Engagement durch eine „Alles-oder-nichts“-Brille zu betrachten, ist es hilfreich, die Ziele als ein Spektrum zu verstehen, das vom grundlegenden Aufbau von Netzwerken bis hin zur direkten Beeinflussung der Policy reicht:

 

Direkte Policy-Veränderungen: Sehr ehrgeizig und selten sofort erreichbar

Zu sehen, wie Akteure in Politik und Verwaltung die eigenen Empfehlungen aufgreifen, ist das Ziel, an das die meisten Forscher als Erstes denken – und das aus zwei Gründen auch am schwersten zu erreichen ist. Erstens ist politischer Wandel selten auf einen einzelnen wissenschaftlichen Input zurückzuführen: Forschende und wissenschaftliche Einrichtungen, Interessensvertretungen oder Medien beeinflussen politische Entscheidungen. Meist lassen sich politische Entscheidungen nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Zweitens finden politische Veränderungen nicht im luftleeren Raum statt, sondern hängen von mehreren Voraussetzungen ab, die es wert sind, als eigenständige Ziele betrachtet zu werden (siehe unten). Forschende und Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, im Transfer oder in der Kommunikation sollten es vermeiden, politische Veränderungen als einzig legitimes Ziel ihres Engagements zu betrachten; dies führt unweigerlich zu Frustration.

Sichtbarkeit erhöhen, Vertrauen aufbauen und Netzwerke erweitern

Wenn man die Forschenden betrachtet, die in Sachverständigengremien aktiv sind, Auftragsforschung betreiben, zu Fachveranstaltungen eingeladen werden oder an parlamentarischen Anhörungen teilnehmen, fallen immer wieder dieselben Namen auf. Warum? Über ihre akademischen Leistungen hinaus beruht ihr Engagement stark auf (institutioneller) Sichtbarkeit, langjährigem Vertrauen und etablierten persönlichen Netzwerken. Die Steigerung der eigenen Sichtbarkeit und der Aufbau gegenseitigen Vertrauens sind entscheidende Ziele an sich, die Zeit und Kontinuität erfordern. Dies zu erkennen, beugt Frustration vor, wenn man neue Reihen von Policy Briefs startet oder erste Veranstaltungen ausrichtet.

Gegenseitiges Lernen, Verbesserung des Verständnisses für Politikgestaltung und Zugang zu Ideen für die eigene Forschung

Das Verständnis für Politikgestaltung hilft Forschenden dabei, die Relevanz ihrer Ergebnisse zu erklären, Handlungsempfehlungen oder Handlungsoptionen zu formulieren und die richtige Zielgruppe (z.B. Abgeordnete und deren Mitarbeitende, Referentinnen und Referenten in Ministerien) sowie die richtigen Kommunikationskanäle zu identifizieren. Keine Wissenschaftlerin wird über Nacht zur Expertin für Politikgestaltung, und das ist völlig in Ordnung. Zwar sind formelle Dokumente wie Koalitionsverträge, Regierungsstrategien, Parteiprogramme und Policy-Analysen von Thinktanks, NGOs und Verbänden öffentlich zugänglich, doch das implizite, ungeschriebene Wissen darüber, wie Politikgestaltung in der Praxis funktioniert, lässt sich nur durch direkte Gespräche mit Akteuren in Politik und Verwaltung erwerben. Die Förderung eines offenen Dialogs mit Akteuren in Politik und Verwaltung – allein um zu erfahren, wie Politikgestaltung funktioniert – ist daher ein wichtiges Ziel an sich.

Der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung kann auch für die wissenschaftliche Forschung von Nutzen sein. Gespräche mit Akteuren in Politik /Verwaltung können neue Perspektiven aufzeigen, die zu neuen Forschungsfragen oder Hypothesen führen, und den Zugang zu Daten, Interviewpartnern oder Institutionen öffnen, die bereit sind, an Umfragen mitzuwirken.

Ergebnisoffener Austausch mit Politik und Verwaltung

Forschungsergebnisse führen nicht immer zu Policy-Veränderungen. Sie könnten den aktuellen Prioritäten der Regierung widersprechen, oder eine sich rasch verändernde politische Lage könnte Ergebnisse überholen, die noch nicht vollständig fundiert sind (z.B. COVID-19-Pandemie). Forschende können auch zu wichtigen Erkenntnissen gelangen, ohne wirklich sicher zu sein, welche Handlungsempfehlungen sich daraus ergeben. Sollten Forschende in solchen Fällen davon absehen, mit Akteuren in Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten? Ganz sicher nicht. Akteuren in Politik und Verwaltung benötigen Zeit, um ein Verständnis für wichtige Themen zu entwickeln. Je früher sie Zugang zu wissenschaftlicher Expertise haben, desto besser.

 

Quellen und weiterführende Literatur

  • Universität Oxford (2024), Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung. Abgerufen am 10. April 2024.

 

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Gespräche, die Türen öffnen

Ein „World Café“ über Karrieren in der Politik und die Funktionsweise von Politik und Verwaltung. Eine Fallstudie der Goethe-Universität Frankfurt

 

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Dieses Veranstaltungsformat bringt Early Career Researchers in einem informellen Rahmen in kleinen Gruppen in den direkten Austausch mit Fachleuten aus Landes- und Bundeseinrichtungen, der Europäischen Kommission, Nichtregierungsorganisationen und Medien.
  • Im Rahmen des „World Café“-Formats wechseln die Teilnehmenden in drei Diskussionsrunden die jeweiligen Tische, sodass sie verschiedene Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis und unterschiedliche Perspektiven kennenlernen können.
  • Early Career Researchers erhalten Einblicke aus erster Hand in die Arbeitsweise von Ministerien, nachgeordneten Behörden und der Europäischen Kommission: Wissen, das sich nicht allein durch das Lesen offizieller Dokumente erwerben lässt.
  • Das Format schließt eine strukturelle Lücke in vielen akademischen Laufbahnen: Forschende haben selten die Gelegenheit, Personen aus der Praxis direkt zu Karrierewegen, Zugangsvoraussetzungen und den Realitäten des Arbeitsalltags an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik zu befragen

Wie funktioniert das Format?

Dieses Veranstaltungsformat wurde vom Policy Engagement Team der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen des Mercator Science-Policy Fellowship-Programms und des Erasmus+-Projekts ENGAGEgreen gemeinsam mit der Goethe Research Academy for Early Career Researchers (GRADE) entwickelt und wird von beiden Einrichtungen gemeinsam organisiert.

Das Format adressiert zwei Wissensbedarfe: Erstens wissen Nachwuchswissenschaftler*innen oft nicht, wie sie ihre wissenschaftliche Expertise Zielgruppen in Ministerien, der Europäischen Kommission, Nichtregierungsorganisationen oder den Medien zur Verfügung stellen können, und sie kennen häufig nicht die Wissensbedarfe in Praxiseinrichtungen.

Zweitens stehen Nachwuchswissenschaftler*innen vor einer grundlegenden Karriereentscheidung: ob sie einen Weg in der Wissenschaft oder außerhalb davon einschlagen sollen. Direkte Gespräche mit Personen aus der Praxis vermitteln ihnen ein realistisches Bild davon, wie nicht-akademische Karrieren an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung aussehen.

Seit seiner Einführung im Jahr 2019 wurde das Format kontinuierlich weiterentwickelt. Bis heute haben mehr als 60 Gäste aus der Praxis sowie 250 Nachwuchswissenschaftler*innen der Goethe-Universität Frankfurt, der TU Darmstadt und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz daran teilgenommen.

Die Veranstaltung lässt sich in fünf Schritten organisieren.

 

Schritt 1: Verfassen Sie die Veranstaltungsbeschreibung

Eine klare Veranstaltungsbeschreibung hilft dabei, die richtigen Teilnehmenden anzusprechen, sowohl Nachwuchswissenschaftler*innen als auch Gäste aus der Praxis. Die Beschreibung sollte den Zweck der Veranstaltung, die zentralen Diskussionsfragen sowie die verwendeten Methoden erläutern. Sie dient als Grundlage für Ankündigungen in Kurskatalogen, Newslettern und auf Websites.

Beispiel für eine Veranstaltungsbeschreibung:

Ein konstruktiver Dialog zwischen Wissenschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft erfordert mehr als nur gute Kommunikation seitens der Forschenden. Auch politische Institutionen, NGOs und die Medien benötigen Mitarbeitende, die wissenschaftliche Erkenntnisse verstehen und in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einbringen können. Diese Veranstaltung untersucht, wie Forschende den Übergang von der Wissenschaft zu Ministerien und anderen politischen Organisationen, zur Europäischen Kommission, zu internationalen Organisationen, NGOs und Medien erfolgreich gestalten können und welche Herausforderungen sie dabei erwarten.

Wir diskutieren die folgenden Fragen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bundes- und Landeseinrichtungen, der Europäischen Kommission, Medien und NGOs:

  • In welchen Kontexten greifen Sie auf wissenschaftliche Expertise zurück, und wie erschließen und nutzen Sie Forschungsergebnisse?
  • Welche Karrierewege gibt es in Ihrer Organisation, und wie sehen die Einstiegsmöglichkeiten für promovierte Personen aus?
  • Welche Kompetenzen und Erfahrungen sind für den Übergang aus der Wissenschaft am wichtigsten?
  • Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit in einem Ministerium, der Europäischen Kommission, einer NGO oder einer Medienorganisation von der in der Wissenschaft – hinsichtlich Arbeitsgeschwindigkeit, Entscheidungsfindung und Arbeitsweisen – und warum?

Methoden: kurze Beiträge von Personen aus der Praxis verschiedener Organisationen; Frage-und-Antwort-Runde mit dem Publikum; Diskussionen in Kleingruppen; informelles Mittagessen mit den Gästen aus der Praxis.

 

Schritt 2: Planung und Organisation der Veranstaltung

Legen Sie den Termin fest und reservieren Sie den Raum fünf bis sieben Monate im Voraus. Der Raum sollte bequem Platz für 30 bis 60 Personen bieten. Verwenden Sie eine Bankettbestuhlung: runde oder rechteckige Tische mit jeweils fünf bis acht Stühlen. Je nach Anzahl der eingeladenen Gäste aus der Praxis benötigen Sie zwischen fünf und zwölf Tische.

Sobald die Veranstaltungsbeschreibung fertiggestellt ist, nehmen Sie sie in den Kurskatalog Ihrer Graduiertenschule oder Ihrer Förderinstitution für Nachwuchswissenschaftler*innen auf, damit sich die Teilnehmenden im Voraus anmelden können. Bei besonders nachgefragten Veranstaltungen ist eine Warteliste sinnvoll.

 

Schritt 3: Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis und Tischmoderatorinnen und -moderatoren gewinnen

Nehmen Sie Kontakt zu Praxiseinrichtungen auf. Diese kann über persönliche Netzwerke oder über die Personalabteilungen in Praxiseinrichtungen erfolgen. Stellen Sie Ihre Veranstaltungsbeschreibung zur Verfügung und fragen Sie Vertreterinnen und Vertreter aus Praxiseinrichtungen als Gäste an. Pro  Veranstaltung sollten sechs bis zehn Gäste aus der Praxis teilnehmen, damit die Teilnehmenden zwischen verschiedenen Gästen aus unterschiedlichen Bereichen wählen können.

Rekrutieren Sie gleichzeitig Kolleginnen und Kollegen aus Ihren Einrichtungen, die die Tischmoderationen übernehmen können. Die Moderatorinnen und Moderatoren an den Tischen stellen sicher, dass alle Teilnehmenden zu Wort kommen, sich kurz fassen und die gestellten Fragen notieren, damit diese nach der Veranstaltung systematisch ausgewertet werden können.

 

Schritt 4: Durchführung der Veranstaltung

Die Teilnehmenden aus der Praxis treffen in der Regel 15 bis 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn ein. Jedem Gast aus der Praxis wird für die Dauer der Veranstaltung ein Tisch zugewiesen. Ein typischer Veranstaltungsablauf sieht wie folgt aus:

09:30–10:00 Uhr: Ankunft, Anmeldung und informelles Kennenlernen

10:00–10:10 Uhr: Einführung: Vorstellung der gastgebenden Organisationen und des Veranstaltungsformats. In unserem Fall: Vorstellung des ENGAGEgreen-Projekts, des Mercator Science-Policy Fellowship-Programms und der Goethe-Forschungsakademie für Nachwuchswissenschaftler*innen.

10:10–10:40 Uhr: Jeder Teilnehmende aus der Praxis stellt sich vor. Leitfragen für die Vorstellung: Was sind die Aufgaben Ihrer Organisation? Was sind Ihre individuellen Aufgaben? Wann benötigen Sie wissenschaftliche Erkenntnisse? Über welche Kanäle erhalten Sie Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen (z. B. Policy Briefs, in Auftrag gegebene Forschungsberichte, Expertengespräche, politische Veranstaltungen)? Wie sehen typische Karrierewege in Ihrer Organisation aus?

10:40–11:20 Uhr: Die Nachwuchswissenschaftler*innen begeben sich zu den Tischen. Erste Diskussionsrunde (Frage-und-Antwort-Runde an den Tischen). Nachwuchswissenschaftler*innen und Tischmoderatoren wechseln nach jeder Runde an einen neuen Tisch. Die Gäste aus der Praxis bleiben während der gesamten Veranstaltung an ihren Tischen. So kann jede Person aus der Praxis im Laufe der Veranstaltung mit drei verschiedenen Gruppen sprechen, und jeder Teilnehmende kann mindestens drei verschiedene Gäste aus der Praxis kennenlernen.

11:20–11:30 Uhr: Kaffeepause

11:30–12:20 Uhr: Die Nachwuchswissenschaftler*innen wechseln an den nächsten Tisch ihrer Wahl. Die Personen aus der Praxis bleiben an ihren Tischen. Zweite Diskussionsrunde in kleinen Gruppen.

12:20–12:30 Uhr: Kaffeepause

12:30–13:10 Uhr: Die Nachwuchswissenschaftler*innen wechseln an den nächsten Tisch ihrer Wahl. Die Gäste aus der Praxis bleiben wieder an ihren Tischen. Dritte Diskussionsrunde in kleinen Gruppen.

13:10–13:20 Uhr: Laden Sie zwei oder drei Gäste aus der Praxis und zwei oder drei Nachwuchswissenschaftler*innen ein, ihre Eindrücke im Plenum zu teilen: Was war das Interessanteste, das Sie heute gelernt haben? Was hat Sie am meisten überrascht?

Schließen Sie die Veranstaltung ab, indem Sie einen QR-Code verteilen, der zum elektronischen Feedback-Formular führt. Die Verteilung des QR-Codes zu diesem Zeitpunkt, wenn die Teilnehmenden noch im Raum sind, führt durchweg zu Rücklaufquoten von 70 Prozent oder mehr.

13:20–14:20 Uhr: Mittagsimbiss und Networking

 

Schritt 5: Auswertung und Nachbereitung

Werten Sie das Feedback der Teilnehmenden umgehend aus und nutzen Sie es, um das Format für zukünftige Veranstaltungen anzupassen. Senden Sie allen Gästen aus der Praxis innerhalb weniger Tage nach der Veranstaltung Dankesnachrichten. Wenn Teilnehmende wiederholt auf bestimmte Fragen oder Wissenslücken hingewiesen haben, sollten Sie erwägen, diese in einem praktischen Q&A-Handout für zukünftige Teilnehmende zusammenzufassen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Organisationsteam (Wissenschaftsmanager*innen )

Das Organisationsteam ist für den gesamten Veranstaltungszyklus verantwortlich: Verfassen der Veranstaltungsbeschreibung und der Ankündigung im entsprechenden Kurskatalog oder Newsletter; Buchung des Raums, Organisation der Bestuhlung, der Mikrofone und des Caterings; Einladen von Fachleuten und Tischmoderatoren; sowie Auswertung des Feedbacks nach der Veranstaltung. Die Vorbereitungsphase erstreckt sich in der Regel über mehrere Wochen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Nachwuchswissenschaftler*innen sollten etwa 3,5 bis 4,5 Stunden für die Veranstaltung einplanen, einschließlich des informellen Mittagessens. Die Organisatoren können die wichtigsten Diskussionsfragen vorab bekannt geben, damit die Teilnehmenden ihre eigenen Fragen an die Gäste aus der Praxis vorbereiten können.

Gäste/Teilnehmende aus der Praxis

Gäste aus der Praxis sollten etwa 3,5 bis 4,5 Stunden einplanen, einschließlich des informellen Mittagessens. Manche Teilnehmenden aus der Praxis bringen Informationsmaterialien zur beruflichen Laufbahn mit, um sie mit den anderen Teilnehmenden zu teilen; dies wird empfohlen und verleiht den Gesprächen einen praktischen Mehrwert.

 

Quellen und weiterführende Literatur

 

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Politikberatung – ja oder nein? Eine Icebreaker-Übung zu den Vor- und Nachteilen des Austauschs mit Politik und Verwaltung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Diese Übung lädt die Teilnehmenden dazu ein, die Gründe für und gegen einen Austausch mit Akteuren aus Politik und Verwaltung zu diskutieren. Während Gründe wie Wirkung, die Politisierung von Fachwissen sowie mangelnde Ressourcen und Anerkennung meist sofort genannt werden, werden weniger offensichtliche Motive wie mögliche Impulse für die eigene Forschung durch das Praxisengagement oder die Wahrnehmung des Austauschs mit Politik und Verwaltung als gewinnbringende Erfahrung selten erwähnt.
  • Die Übung aktiviert die Teilnehmende bereits in den ersten Minuten des Workshops, was sich positiv auf ihre Beteiligung während des gesamten Workshops auswirkt
  • Die Übung funktioniert sowohl in Präsenz als auch in virtuellen Veranstaltungen gleichermaßen gut.

Wie funktioniert das Format?

Aktive Teilnehmende sind für erfolgreiche Workshops zum Thema Policy Engagement unerlässlich. Ebenso wichtig ist es, die Vorstellungen der Teilnehmenden darüber zu thematisieren, was der Austausch mit Politik und Verwaltung bedeutet, warum er wichtig ist und was die Herausforderungen dabei sind. Diese einfache Eisbrecher-Übung erreicht beide Ziele innerhalb von 10 bis 20 Minuten.

 

Schritt 1: Gründe für und gegen eine Zusammenarbeit sammeln

Teilen Sie die Teilnehmenden in Gruppen von zwei bis vier Personen ein. Bitten Sie jede Gruppe, die folgenden Fragen zu diskutieren:

Nennen Sie vier Gründe, warum sich Forschende mit Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung austauschen sollten.

Nennen Sie vier Gründe, die gegen einen Austausch zwischen Forschenden und Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung sprechen.

Bei Präsenz-Workshops: Stellen Sie Karten und Filzstifte bereit, damit die Gruppen ihre Antworten aufschreiben können – ein Grund pro Karte. Bei virtuellen Workshops: Verwenden Sie ein Tool wie Mentimeter oder ein gemeinsames digitales Whiteboard.

Dauer: 10 Minuten

 

Schritt 2: Sammeln der Antworten

Bitten Sie eine Gruppe, ihre Gründe vorzustellen; laden Sie die anderen Gruppen ein, noch nicht genannte Gründe hinzuzufügen.

Bei Präsenz-Workshops bitten Sie die Gruppen, ihre Karten an eine Pinnwand zu heften. Machen Sie zur Dokumentation ein Foto der Ergebnisse. Bei virtuellen Workshops machen Sie einen Screenshot der zusammengetragenen Antworten.

Dauer: 10 Minuten

 

Schritt 3: Auswertung/Zusammenfassung

Die Antworten lassen sich in der Regel in die folgenden Kategorien einteilen. (Die Moderatoren sollten diese eher als Leitfaden für die anschließende Diskussion nutzen und nicht als festes Skript.)

 

Gründe für Policy Engagement

Wirkung. Wissenschaftliche Erkenntnisse können die Qualität politischer Gestaltungsprozesse verbessern. Viele Forschende beschäftigen sich mit wichtigen Themen, z.B. Gesundheit, Energie, Umwelt, Klima, Konflikte, Bildung etc. und möchten, dass ihre Ergebnisse in der Praxis etwas bewirken.

Der Gesellschaft etwas zurückgeben. Der Großteil der Forschung wird von den Steuerzahlenden finanziert. Forschende möchten den gesellschaftlichen Wert ihrer Arbeit unter Beweis stellen.

Zugang zu Fördermitteln. Auftragsforschung kann eine wichtige Finanzierungsquelle darstellen. Forschende können auch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung zusammenarbeiten, um das Bewusstsein für ihr Fachgebiet zu schärfen und sich für Forschungsbudgets einzusetzen. Diese Antwort ist im Rückblick besonders erwähnenswert: Sie zeigt, dass viele Teilnehmende noch nicht zwischen Policy Engagement bzw. Wissenschaftliche Politikberatung einerseits und Lobbyarbeit/Interessensvertretung und Fundraising andererseits unterscheiden. Es ist wichtig, diese Unterscheidung deutlich zu machen. Diese Übung lässt sich daher gut mit einer anschließenden Diskussion über die Unterschiede zwischen Policy Engagement und Aktivitäten wie Lobbying oder Fundraising kombinieren.

Impulse für die Wissenschaft. Die Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung kann Forschenden helfen, neue Perspektiven zu gewinnen, sich abzeichnende politische Herausforderungen zu erkennen und neue Forschungsfragen oder Hypothesen zu entwickeln. In Befragungen unter Forschenden, die an den gemeinsamen Science-Policy-Dialogaktivitäten der Rhein-Main-Universitäten teilnehmen, geben rund 60 Prozent an, dass ihnen der Austausch mit Akteuren aus Politik und Verwaltung Impulse für neue Ideen geliefert hat, die ihrer eigenen Forschung zugutekommen. Policy Engagement kann zudem Türen zu Interviews mit Vertretenden aus Politik und Verwaltung öffnen, Zugang zu Daten oder internen Dokumenten ermöglichen sowie in Partnerschaften mit öffentlichen Einrichtungen für Forschungsprojekte münden. Dieser Grund wird selten spontan genannt, und es lohnt sich, die Teilnehmenden ausdrücklich darauf hinzuweisen.

Eine gewinnbringende Erfahrung. Policy Engagement kann intrinsisch motivierend sein und echte Freude bereiten. Dieser Grund wird fast nie unaufgefordert genannt und sollte direkt angesprochen werden: Forschende sollten nur Aktivitäten im Bereich des Policy Engagement verfolgen, die sie als gewinnbringend erachten. Intrinsische Motivation ist der zuverlässigste Indikator für ein nachhaltiges Engagement. Als Faustregel für die Teilnehmenden gilt: Seien Sie neugierig! Probieren Sie verschiedene Formate aus, machen Sie aber nichts, was Ihnen keinen Spaß macht!

 

Gründe gegen den Austausch mit Politik und Verwaltung

Mangelndes Verständnis für politische Gestaltungsprozesse und Austauschformate. Viele Forschende kennen sich nicht mit politischen Gestaltungsprozessen aus. Sie wissen auch nicht, welche Formate  es neben Policy Briefs, umfangreichen Studien oder formellen Sachverständigen noch gibt. Workshops zum Thema Policy Engagement müssen daher beides thematisieren: wie politische Prozesse funktionieren und welche Bandbreite an Formaten Forschenden zur Verfügung stehen.

Wahrgenommene Wirkungslosigkeit. Workshop-Teilnehmende berichten häufig von frustrierenden Erfahrungen: eine 100-seitige Auftragsstudie, deren Empfehlungen ignoriert wurden; ein Jahr Arbeit in einem wissenschaftlichen Beratungsgremium, das keine sichtbaren Veränderungen bewirkte. Solche Erfahrungen spiegeln eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Forschenden und den Realitäten der Politikgestaltung wider. Dies ist oft auf begrenzte Kenntnisse darüber zurückzuführen, wie politische Gestaltungsprozesse ablaufen. Dieser Aspekt kann produktiv aufgegriffen werden, wenn der Workshop darauf eingeht, politische Gestaltungsprozesse eingehender zu erläutern.

Mangel an Zeit und Ressourcen. Forschende sehen sich konkurrierenden Anforderungen gegenüber, Forschung, Lehre, Verwaltungsaufgaben, und empfinden Policy Engagement oft als zeitaufwändig oder kostspielig. Dies ist ein berechtigtes Anliegen, aber auch ein Missverständnis, das es anzusprechen gilt: Politisches Engagement kann viele Formen annehmen; manche erfordern monatelangen, kontinuierlichen Einsatz, während andere innerhalb weniger Stunden oder Tage abgeschlossen werden können.

Mangelnde Anerkennung. Während Wissenschaftskommunikation und Wissensaustausch in akademischen Einrichtungen zunehmend an Wert gewinnen, befürchten viele Forschende, insbesondere diejenigen, die Grundlagenforschung betreiben, nach wie vor, dass der Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung als nicht ausreichend wissenschaftlich angesehen werden könnte. Anerkennungs- und Belohnungssysteme für Policy Engagement sind in Deutschland noch unterentwickelt.

Politisierung von Fachwissen. Viele Forschende befürchten, mit bestimmten politischen Parteien oder Ideologien in Verbindung gebracht zu werden, wenn sie öffentlich zu politischen Themen Stellung beziehen. Sie befürchten, in politische Debatten hineingezogen zu werden oder persönlich für politische Entscheidungen verantwortlich gemacht zu werden, die auf ihren Forschungsergebnissen basieren. Diese Bedenken werden durch einzelne bekanntgemachte Fälle verstärkt, in denen Forschende von Politikern, Medien oder Nutzern sozialer Medien öffentlich angegriffen wurden, weil sie wissenschaftliche Belege zu umstrittenen Themen vorgelegt hatten.

Anforderungen von Vorgesetzten oder Förderorganisationen. Förderorganisationen verlangen zunehmend, dass Projekte ihre Wirkung nachweisen. Leitungen von Wissenschaftseinrichtungen  fordern bisweilen Forschende auf, Policy-Publikationen zu verfassen oder an Policy-Veranstaltungen teilzunehmen. Auch wenn es gute Gründe für solche Anforderungen geben mag, führen sie häufig zu Frustration, wenn sich Forschende verpflichtet fühlen, Aufgaben zu übernehmen, die sie als sinnlos oder für ihre Fachkompetenz ungeeignet empfinden. Forschende in dieser Situation sollten die Aktivitäten im Bereich des Policy Engagements identifizieren, die sie am ehesten als sinnvoll empfinden, und ihren Vorgesetzten klar kommunizieren, welchen Beitrag sie realistisch leisten können. Wenn ein Nachweis der Wirkung erforderlich ist, sollte das Ziel darin bestehen, Aktivitäten zu finden, die sowohl dokumentierbar sind als auch vom Forschenden wirklich geschätzt werden.

 

Schlussfolgerungen

Die im Rahmen dieser Übung erarbeiteten Antworten werden im Laufe des Workshops immer wieder zur Sprache kommen. Die Workshopleitungen sollten darauf achten, welche Gründe und welche Fehlvorstellungen in ihrer Gruppe am häufigsten auftauchen. Sie sollten diese als Anknüpfungspunkte nutzen, wenn sie nachfolgende Themen wie politische Entscheidungsprozesse, Formen der politischen Beteiligung oder die Unterscheidung zwischen wissenschaftlicher Beratung und Lobbyarbeit einführen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Leitungen

Stellen Sie für Präsenz-Workshops Karten und Filzstifte bereit oder richten Sie für virtuelle Sitzungen ein digitales Tool wie Mentimeter ein. Machen Sie zu Beginn deutlich, dass es keine richtigen oder falschen Antworten gibt. Das Ziel ist es, ehrliche Reflexionen zu ermöglichen. Halten Sie das Zeitlimit ein: Dies ist eine Eisbrecher-Übung, keine umfassende Diskussion, und sollte insgesamt 20 Minuten nicht überschreiten. Dokumentieren Sie die Antworten, indem Sie die Pinnwand fotografieren oder einen Screenshot machen.

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und andere Teilnehmende

Die Teilnehmenden werden ermutigt, ihre ehrlichen Gründe für und gegen politisches Engagement zu nennen, ohne sich auf der Suche nach der „richtigen“ Antwort selbst zu zensieren. Die Übung ist am wertvollsten, wenn die Teilnehmenden echte Bedenken und Motivationen äußern.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung

Sind Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung anwesend, werden sie gebeten, ihre eigene Sichtweise darzulegen, warum Forschende mit ihnen zusammenarbeiten sollten oder nicht. Moderatoren können dies als Gelegenheit nutzen, die Antworten der Forschenden denen der Akteure aus Politik und Verwaltung gegenüberzustellen, was oft zu einer produktiven Diskussion führt.

 

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Weniger Folien, mehr Wirkung: Forschungsergebnisse zielgruppengerecht präsentieren

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Diese Übung hilft den Teilnehmenden dabei, die Schlüsselelemente einer effektiven Präsentation ihrer Forschungskompetenz gegenüber Akteuren in Politik und Verwaltung zu ermitteln, indem sie eine fiktive Präsentation aus der Perspektive eines Mitarbeitenden eines Abgeordneten analysieren.
  • Durch diesen bewussten Perspektivwechsel erleben die Teilnehmenden hautnah, warum die Anzahl der Folien, die Wahl der Sprache und die Selektion der Inhalte entscheidend sind – und welchen Unterschied die richtige Darstellung für den Erfolg ausmacht.
  • Am Ende der Übung verfügen die Teilnehmenden über eine Reihe praktischer Tipps und No-Gos für die Strukturierung, Gestaltung und Durchführung von Präsentationen vor Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung.

Wie funktioniert das Format?

Schritt 1: Durchsicht der Folien

Verteilen Sie eine elektronische oder gedruckte Version der fiktiven Präsentation (die Folie finden Sie am Ende dieses Artikels) und bitten Sie die Teilnehmenden, die Präsentation anhand des folgenden Szenarios durchzuarbeiten:

Sie arbeiten für einen Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Ein Freund von Ihnen ist Wissenschaftler und koordiniert ein EU-Projekt zum Thema „Nachhaltiger öffentlicher Nahverkehr in Europa“.

Der Europäische Verband für öffentlichen Verkehr hat Ihren Freund eingeladen, auf seiner Politikkonferenz in Brüssel die Forschungsergebnisse des EU-Projekts sowie politische Empfehlungen für die Zukunft des nachhaltigen öffentlichen Nahverkehrs in Europa vorzustellen. Das Organisationsteam hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Präsentation 10 Minuten nicht überschreiten darf.

An der Konferenz nehmen 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung aus den Bereichen Kommunal-, Regional- und Landespolitik sowie auf EU-Ebene teil, ebenso wie Vertretende von öffentlichen Verkehrsunternehmen, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft. Da Ihr Freund noch nie vor Praxispublikum einen Vortrag gehalten hat, bittet er Sie um Feedback zu seinem Präsentationsentwurf. Haben Sie Vorschläge, wie die Präsentation verbessert werden könnte?“

Die Teilnehmenden sollen sich jetzt die Präsentation anschauen.

Schritt 2: Testen Sie, was im Gedächtnis geblieben ist

Nachdem die Teilnehmenden die Folien durchgesehen haben, bitten Sie sie, die Präsentation zu schließen und die folgenden Fragen aus dem Gedächtnis zu beantworten:

  • In der Präsentation werden 17 Forschende erwähnt. An wie viele ihrer Namen können Sie sich erinnern?
  • Was wissen Sie noch über die vier beteiligten Universitäten?
  • Erinnern Sie sich an die genannten Zahlen zu Studierenden, Mitarbeitenden und Forschungsinstituten?
  • Erinnern Sie sich an die Namen der Vorgängerprojekte des SUSTRA(I)N-Projekts?

 

Die meisten Teilnehmenden werden hier ins Stocken geraten – und genau darum geht es. Nutzen Sie ihre Antworten, um eine Diskussion darüber anzustoßen, warum sich kaum jemand an diese Informationen erinnert und was das über den typischen Aufbau von Präsentationen verrät.

Die fiktive Präsentation umfasst 24 Folien. Die ersten 16 beschreiben das Projekt und das Konsortium, anstatt praxisrelevante Ergebnisse zu präsentieren. Das sind viel zu viele. Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung tauschen sich mit Forschenden aus, weil diese über Fachwissen verfügen – nicht, weil ihre Universität fünf Fachbereiche und 32 Forschungsinstitute hat.

Tipp: Beginnen Sie mit 3 Kernbotschaften, die sich die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung merken sollen. Bauen Sie Ihre Präsentation um diese Kernbotschaften herum auf

Tipp: Verwenden Sie nur 1 bis 2 Folien, um Ihr Konsortium, Ihre Einrichtung oder Ihr Projekt kurz vorzustellen. Überfrachten Sie dabei nicht die Folien!

Die Präsentation stützt sich zudem stark auf Abkürzungen, die für ein Publikum außerhalb der Forschungsgemeinschaft wahrscheinlich nicht verständlich sind. Bei der Analyse der einzelnen Folien treten in der Regel die folgenden Probleme zutage, die Moderatoren zur Strukturierung der anschließenden Diskussion nutzen können:

 

Folie 5: Die vier akademischen Partner werden ausführlich beschrieben, während die 14 Partner aus der Praxis nicht namentlich genannt werden; bei einer Präsentation auf einer Konferenz, die von Praktikern organisiert wird und an der diese teilnehmen, sollten auch die Partner aus der Praxis erwähnt werden

Folie 16: Die acht Arbeitspakete werden vorgestellt, darunter auch diejenigen zur Theorie- und Methodenentwicklung; interessanterweise werden die Arbeitspakete zur langfristigen Bewertung öffentlicher Infrastruktur (WP6), zur Wahrnehmung von Mobilität in ländlichen Gebieten (WP7) sowie zu politischen Empfehlungen und zur Schulung von Akteuren in der Praxis (WP8) im weiteren Verlauf der Präsentation nicht erwähnt

Folie 19: Verzichten Sie auf Folien zu Theorie oder Methoden, die für Mitarbeitende aus Politik und Verwaltung höchstwahrscheinlich unverständlich sind

Folie 18: Im Austausch mit Akteuren aus Politik und Verwaltung beklagen sich Forschende oft über fehlende Forschungsmittel; manchmal tun sie dies, noch bevor sie ihre Forschungsergebnisse überhaupt erwähnen, wie in diesem Fall. Zwar ist die Forschungsfinanzierung sehr wichtig, doch das vorgestellte Forschungsprojekt befasste sich nicht mit der Forschungsfinanzierung an sich, und daher hinterlässt das Klagen über fehlende Forschungsmittel einen unhöflichen und unprofessionellen Eindruck:

Es ist völlig in Ordnung, wenn Forschende mit Akteuren in Politik und Verwaltung über Fragen der Forschungsfinanzierung diskutieren, aber sie sollten dafür nicht die Themen auf Fachveranstaltungen wechseln. Forschende sollten separate Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung vereinbaren, um die Forschungsfinanzierung zu erörtern. Sie sollten formelle Kanäle nutzen, wie beispielsweise Konsultationen oder Positionspapiere oder über wissenschaftliche Verbände. Außerdem sollten sie von Anfang an transparent bezüglich der Finanzierung sein, anstatt die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung zu überraschen, was den gegenteiligen Effekt haben könnte als beabsichtigt.

Folie 20: Forschende sollten zwar ihre Ergebnisse klar darlegen und politische Ergebnisse kritisieren, dabei jedoch keine Sprache verwenden, die von Akteuren aus Politik und Verwaltung als unangemessen oder respektlos empfunden werden könnte. Außerdem sind 32 Abkürzungen auf einer Folie zu viel, selbst wenn die meisten davon bekannt sind.

Tipp: Verwenden Sie eine respektvolle Sprache, wenn Sie Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung kritische Forschungsergebnisse präsentieren.

Folie 21: Das Forschungsprojekt ergab, dass die Regierung insbesondere in Krisenzeiten Schwierigkeiten mit der langfristigen Umsetzung von Strategien und Gesetzen im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs hat. Um eine langfristige Umsetzung zu gewährleisten, empfehlen die Forschenden eine enge Zusammenarbeit zwischen Regierungs- und Oppositionsparteien sowie die Bildung einer zweckgebundenen Rücklage für Krisenzeiten. Diese Empfehlungen sind nicht realistisch.

Schritt 3 (optional)

Bitten Sie die Teilnehmenden, die Präsentation praktisch zu überarbeiten: Reduzieren Sie die Anzahl der Folien drastisch und passen Sie die verbleibenden Inhalte so an, dass die Präsentation für ein Publikum aus Politik und Verwaltung maximale Aussagekraft entfaltet.

Schritt 4 (optional)

Bitten Sie die Teilnehmenden, eine griffige Liste mit zehn Verhaltensregeln (Dos und Don’ts) für die Präsentation von Forschungsergebnissen vor Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung zu erstellen. Die gesamte Übung dauert zwischen 20 und 40 Minuten, je nachdem, wie viel Gesprächsstoff und Dynamik sich aus der anschließenden Diskussion ergibt.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Leitungen

Sie stellen den Teilnehmenden die fiktive Präsentation vor oder direkt zu Beginn der Veranstaltung bereit. Sie führen die Gruppe durch das Szenario, moderieren den Gedächtnistest in Schritt 2 und leiten die anschließende Diskussion. Vorkenntnisse über häufige Fallstricke in der Wissenschafts- und Politikkommunikation sind zwar hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Die fiktive Präsentation ist so konzipiert, dass die Schwachstellen auch ohne Expertenwissen sofort ins Auge springen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere Teilnehmende

Sie analysieren die fiktive Präsentation einzeln oder in Tandems. Bringen Sie Ihre Beobachtungen aktiv in die anschließende Diskussion ein und nehmen Sie dabei bewusst die Perspektive der Akteure aus Politik und Verwaltung ein. In den optionalen Schritten 3 und 4 überarbeiten Sie die Präsentation praktisch und/oder erstellen Ihre eigene Liste mit wertvollen Richtlinien.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung

Falls Gäste aus Politik und Verwaltung anwesend sind, laden Sie diese ein, direkt aus der Praxis zu berichten: Worauf achten sie bei einer Forschungspräsentation besonders – und was schreckt sie eher ab? Diese authentische Perspektive ist oft der einprägsamste Teil der gesamten Übung und verleiht dem Workshop eine unschätzbare Praxisnähe.

 

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Politische Prioritäten verstehen: Eine Übung zu Schlüsseldokumenten

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Durch die Analyse von Schlüsseldokumenten wie Koalitionsverträgen oder Strategiedokumenten lernen Forschende, Anschlussmöglichkeiten für ihre eigene Forschung zu identifizieren.
  • Die Lektüre von Schlüsseldokumenten ermöglicht Forschenden einen schnellen Überblick zu Prioritäten in Politik und Verwaltung.
  • Die Übung ermöglicht es Forschenden, Praxissprech aus Politik und Verwaltung kennenzulernen und mit der Verwendung von wissenschaftlichen Fachbegriffen abzugleichen.

Wie funktioniert das Format?

Die meisten lokalen, regionalen oder nationalen Regierungen in OECD-Ländern sowie die Europäische Kommission, internationale Organisationen und politische Parteien veröffentlichen Dokumente, in denen sie ihre Prioritäten darlegen: Koalitionsverträge, Regierungsprogramme, Strategiepläne, Arbeitsprogramme oder Parteiprogramme.

Diese Dokumente sind unverzichtbare Lektüre für Forschende, die effektiv mit Akteuren in Politik und Verwaltung zusammenarbeiten möchten. Sie zeigen, welche Themen auf der politischen Agenda stehen, welche Sprache in Politik und Verwaltung zur Beschreibung dieser Themen verwendet wird und wo potenzielle Ansatzpunkte für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung bestehen. Diese Übung führt die Teilnehmenden in diese Art von Dokumenten ein und fordert sie auf, ihre eigene Forschungskompetenz mit den aktuellen politischen Prioritäten abzugleichen.

 

Schritt 1: Wählen Sie Ihr Dokument aus

Bitten Sie die Teilnehmenden, ein Dokument zu politischen Prioritäten auszuwählen, das für ihren institutionellen oder nationalen Kontext relevant ist. Je nach Zielgruppe des Workshops können die Workshopleitungen zwei bis vier Dokumente vorab auswählen oder die Teilnehmenden auffordern, selbst eine Auswahl zu treffen. Mögliche Dokumente umfassen Koalitionsverträge auf Bundes- und Landesebene, Strategiepapiere auf Landes-, Bundes-, EU- oder internationaler Ebene (z.B. Nationale Wirtschaftsschutzstrategie; Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und Pflege; Zukunftsagenda Rechenzentren Hessen; EU-Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2026-2030) sowie Wahlprogramme.

 

Schritt 2: Effizientes Navigieren

Die Teilnehmenden können die Dokumente vollständig lesen, wenn sie möchten. Alternativ können Sie sie bitten, sich anhand der Inhaltsverzeichnisse und der Suchfunktion einen Überblick über die Dokumente zu verschaffen.

Bitten Sie die Teilnehmenden, einen Blick in die Dokumente zu werfen und über folgende Fragen nachzudenken:

  • Finden Sie in diesem Dokument Themen, zu denen Sie über Forschungserfahrung verfügen?
  • Welche Themen sind für Sie von besonderem Interesse?
  • Welche Begrifflichkeiten verwenden die Dokumente für die Themen, mit denen Sie sich beschäftigen? Stimmen sie mit der Terminologie überein, die Sie in Ihrer Forschung verwenden? Verstehen Sie die Begrifflichkeiten? Wie unterscheiden die sich von wissenschaftlicher Terminologie?
  • Gibt es Themenaspekte, die Sie erwartet hätten, die aber in den Dokumenten fehlen, oder Themenaspekte, mit denen Sie nicht gerechnet haben?

 

Schritt 3: Anschließende Diskussion

Moderieren Sie eine kurze Plenardiskussion. Sie können sich an den folgenden Fragen orientieren:

  • Wo haben Sie die stärksten Verbindungen zu Ihrer eigenen Forschung gefunden?
  • Gab es Überraschungen, Themen, die stärker oder schwächer vertreten waren, als Sie erwartet hatten?
  • Unterschied sich die im Dokument verwendete Sprache davon, wie Sie dieselben Themen in einem akademischen Kontext beschreiben würden? Was sagt Ihnen das darüber, wie Sie Ihre Expertise gegenüber Akteuren in Politik und Verwaltung kommunizieren können?

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Leitungen

Wählen Sie im Vorfeld zwei bis vier Dokumente aus, die für die Workshop-Teilnehmenden am relevantesten sind, und stellen Sie sie ihnen nach Möglichkeit vor der Sitzung zur Verfügung.

Moderieren Sie die anschließende Diskussion und achten Sie dabei besonders auf sprachliche Unterschiede zwischen wissenschaftlichen und Policy-Dokumenten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere Teilnehmende

Sehen Sie sich die ausgewählten Dokument mithilfe des Inhaltsverzeichnisses und der Suchfunktion an, reflektieren Sie die Fragen aus Schritt 2 und bringen Sie sich in die anschließende Diskussion ein. Teilnehmende, die bereits mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung zusammenarbeiten, werden dazu ermutigt, darüber nachzudenken, ob sie solche Dokumente bereits zuvor zur Vorbereitung von Treffen oder zur Identifizierung relevanter Kontakte genutzt haben.

Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung

Falls Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung anwesend sind, laden Sie sie ein, darüber zu berichten, wie sie selbst Dokumente wie Koalitionsvereinbarungen oder Arbeitsprogramme in ihrer täglichen Arbeit nutzen und wie sie sich die Zusammenarbeit mit Forschenden vorstellen. Ihre Sichtweise auf den Unterschied zwischen Praxissprech und akademischer Fachsprache ist oft aufschlussreich.

 

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Politische Wer macht was? Organigramme als Einstieg in die Politikberatung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Diese Übung zeigt Teilnehmenden anhand realer Organigramme von Ministerien, der Europäischen Kommission, internationalen Organisationen und anderen öffentlichen Einrichtungen den Aufbau und die Aufgabengebiete verschiedener Praxiseinrichtungen.
  • Statt theoretischer Vorträge zum Thema Governance setzt die Methode auf einen praxisnahen, entdeckungsorientierten Ansatz: Die Teilnehmenden analysieren selbst reale Organisationsstrukturen und identifizieren anhand der Organigramme mögliche Zielgruppen für ihre Expertise.

Wie funktioniert das Format?

Organigramme zeigen nicht nur, womit sich ein Ministerium oder eine Generaldirektion befasst, sondern auch, wie diese aufgebaut sind: welche Abteilungen es gibt, welche Zuständigkeiten sie haben und wo die Schnittstellen zwischen den Politikbereichen liegen. Für Forschende, die versuchen, den richtigen Ansprechpartner*in innerhalb einer großen Institution zu finden, ist ein Organigramm ein unverzichtbarer Ausgangspunkt. Bei dieser Übung analysieren die Teilnehmenden die Organigramme der für ihre eigene Forschung relevanten Einrichtungen und gleichen die Ergebnisse mit ihren Erwartungen ab.

 

Schritt 1: Die passende Institution wählen

Bitten Sie die Teilnehmenden, eine für ihr Forschungsgebiet relevante Einrichtung zu identifizieren und deren Website zu besuchen. Zur Auswahl stehen Bundes- und Landeseinrichtungen, Generaldirektionen der Europäischen Kommission sowie internationale Organisationen. Treffen Sie ggf. eine thematische Vorabwahl und stellen Sie Linklisten zusammen (z.B. Einrichtungen mit Bezug zu den Themen Umwelt, Energie oder Digitalisierung).

 

Schritt 2: Vor der Analyse Erwartungen festhalten

Bevor die Organigramme betrachtet werden, notieren die Teilnehmenden fünf politische Themen, mit denen sich die Institution ihrer Meinung nach befasst. Wer beispielsweise im Bereich Energie forscht, würde vermutlich Abteilungen für erneuerbare Energien, Kernenergie, Stromnetze oder Energiebesteuerung erwarten. Dieser Prognoseschritt ist entscheidend: Er macht implizite Annahmen sichtbar und schärft den Vergleich in Schritt 3.

 

Schritt 3: Das Organigramm untersuchen

Bitten Sie die Teilnehmenden, das Organigramm der von ihnen gewählten Institution zu öffnen und es mit ihren Erwartungen zu vergleichen:

  • Welche der erwarteten politischen Themen finden sich im Organigramm wieder?
  • Welche Themen kommen überraschend hinzu?
  • Gibt es Abteilungen, deren Zuständigkeit sich allein aus dem Namen nicht erschließt?
  • Vergleichen Sie die Struktur eines regionalen oder nationalen Ministeriums mit der einer Generaldirektion der Europäischen Kommission oder einer internationalen Organisation: Welche strukturellen Unterschiede fallen auf?

 

Schritt 4: Anschließende Diskussion

Moderieren Sie eine Diskussion im Plenum. Besprechen Sie die in Schritt 3 gestellten Fragen.

Weitere hilfreiche Fragen sind:

  • Was hat Sie am Organigramm am meisten überrascht?
  • An wen würden Sie auf der Grundlage Ihrer Erkenntnisse einen Policy-Brief oder eine Einladung zu einer Veranstaltung richten?
  • Hat Ihnen die Struktur dabei geholfen, eine bestimmte Abteilung oder Kontaktperson zu identifizieren, die Sie zuvor nicht in Betracht gezogen hatten?

Die Diskussion dauert in der Regel 15–30 Minuten und führt oft zu lebhaftem Austausch. Die gesamte Übung, einschließlich der Prognose und der Diskussion, dauert je nach Gruppengröße und Diskussionstiefe zwischen 30 und 60 Minuten.

Die Schritte 1–3 können den Teilnehmenden im Voraus zugesandt werden, Schritt 4 wird als gemeinsame Diskussion während des Workshops durchgeführt.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Leitungen

Erstellen Sie einen kurzen Überblick über die Struktur der relevanten Institutionen (z. B. die Standardstruktur eines deutschen Bundesministeriums oder das System der Europäischen Kommission), um diesen den Teilnehmenden vor oder während Schritt 3 zur Verfügung zu stellen. Moderieren Sie die anschließende Diskussion. Es sind keine Fachkenntnisse über die Institutionen erforderlich; die Übung ist darauf ausgelegt, die eigenen Erkenntnisse der Teilnehmenden zutage zu fördern.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere Teilnehmende

Identifizieren Sie eine relevante Einrichtung. Geben Sie in Schritt 2 Ihre Prognosen ab, analysieren Sie in Schritt 3 das Organigramm und bringen Sie anschließend Ihre Beobachtungen in die Diskussion ein. Teilnehmende, die bereits über Kontakte innerhalb eines Ministeriums oder einer Generaldirektion der Europäischen Kommission verfügen, werden dazu angeregt, darüber nachzudenken, wo genau diese Kontakte innerhalb der institutionellen Struktur angesiedelt sind und was dies über den Umfang ihres bestehenden Netzwerks aussagt.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung

Sollten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung anwesend sein, laden Sie sie ein, zu kommentieren, inwiefern das Organigramm ihrer jeweiligen Institution die alltäglichen Realitäten widerspiegelt – oder nicht. In der Praxis weichen formale Strukturen oft von informellen Arbeitsbeziehungen ab, und Mitarbeitende in Politik und Verwaltung können wertvolle Einblicke geben, wie Entscheidungsprozesse innerhalb einer Institution tatsächlich ablaufen.

 

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