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Autor: Tome Sandevski

Tome Sandevski  is Programme Manager for Science-Policy Dialogue at Goethe University Frankfurt and coordinates joint policy engagement activities of the Rhine-Main Universities (Frankfurt, TU Darmstadt and Johannes Gutenberg-University Mainz). He designs and delivers training on policy engagement for researchers and research managers.

World Café Format

Worum geht es bei diesem Format?

  • Die Rhein-Main-Universitäten organisierten eine World Café-Reihe zu den Themen Künstliche Intelligenz, Innovation und Klimawandel in Brüssel, in verschiedenen Städten in Deutschland sowie virtuell.
  • Die Organisatoren ordneten jedem teilnehmenden Forschenden einen Tisch zu. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung diskutierten in Kleingruppen jeweils mit einer oder einem Forschenden an jedem Tisch. Nach 45–60 Minuten angeregter Diskussion wechselten die Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung den Tisch, während die Forschenden sitzen blieben.
  • Das Format ermöglichte effektive Diskussionen in kleinen Gruppen zwischen Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung sowie Forschenden aus unterschiedlichen Fachdisziplinen.
  • Herausforderungen lagen u. a. in einer hohen Nichterscheinungsrate und in einem sehr unterschiedlichen Ausmaß der Vorbereitung der Teilnehmenden. Die Organisatorinnen und Organisatoren lernten, diese Herausforderungen einzuplanen.

Die erforderlichen Ressourcen auf einen Blick

Wie funktioniert das Format?

Das Format ermöglichte es Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung, in kleinen Gruppen 2–3 Gespräche mit Forschenden zu führen. Das Team Transfer in Politik und Verwaltung der Goethe-Universität Frankfurt, welche die gemeinsamen Policy-Dialogformate der drei Rhein-Main-Universitäten Frankfurt, Mainz und Darmstadt koordiniert, organisierte eine Reihe von Präsenzveranstaltungen zu unterschiedlichen Aspekten von Künstlicher Intelligenz, u. a. zu Sicherheitsfragen, zu Wandel in Organisationen und Auswirkungen auf Unternehmen in Darmstadt, Brüssel, Berlin und Frankfurt.

Die Organisatoren informierten rund 90 Expertinnen und Experten für KI an den Rhein-Main-Universitäten über die Termine – 40 Forschende meldeten sich für die Veranstaltungen an. Die Forschenden wurden gebeten, drei zentrale Botschaften vorzubereiten, die den Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung im Vorfeld zur Verfügung gestellt wurden.

Geeignete Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung wurden über Organigramme von Ministerien, Landesparlamenten, Behörden und politischen Parteien identifiziert. Etwa 300 Personen wurden eingeladen. Die Teilnehmenden aus Politik und Verwaltung wurden gebeten, im Vorfeld die zentralen Botschaften der Forschenden zu lesen.

Wir haben erwartet, dass 3–5 Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung pro Tisch an den Diskussionen teilnehmen. Es wurden keine Moderatorinnen oder Moderatoren eingesetzt – was sich bewährte.

Das Format ermöglichte den Austausch zwischen Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung aus ganz unterschiedlichen Institutionen (z. B. Generaldirektionen der Europäischen Kommission, NATO, Landesvertretungen bei der EU, NGOs) und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Disziplinen wie Informatik, Rechtswissenschaft, Sozialpsychologie und Politikwissenschaft.

Herausforderungen (und wie man ihnen begegnet)

Etwa 30–40 % der angemeldeten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung erschienen nicht, rund 20 % kamen verspätet oder verließen die Gespräche vorzeitig. Obwohl die Teilnehmenden im Vorfeld ihre Präferenzen angeben konnten, führte dies aufgrund des Nichterscheinens, der Verspätungen und der verfrühten Abreise mancher nicht zu einer gleichmäßigen Verteilung an den Tischen. Tische mussten spontan zusammengelegt werden. Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren zudem enttäuscht, dass nur die Hälfte der angemeldeten Personen tatsächlich an den Gesprächen teilnahm.

Zudem variierte die Vorbereitung stark: Einige Vertreterinnen und Vertrer aus Politik und Verwaltung hatten die Kernbotschaften im Vorfeld gelesen, viele jedoch nicht – manche hatten nicht einmal die Veranstaltungsbeschreibung gelesen. Vielen waren daher nicht bewusst, dass sie in kleinen Gruppen für 45-60 Minuten mit Forschenden sprechen würden.

Was haben wir daraus gelernt? Bei einer ähnlichen virtuellen Veranstaltung zu Biodiversität, Klimawandel und Innovation informierten wir die Forschenden im Vorfeld über unsere bisherigen Erfahrungen. Wir kündigten an, virtuelle Kleingruppen bei Nichterscheinen und Verspätungen zusammenlegen zu müssen – was akzeptiert wurde.

Außerdem sagten wir den Forschenden, dass sie damit rechnen sollten, in kleinen Gruppen mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung zu diskutieren, die die Kernbotschaften im Vorfeld nicht gelesen hatten. Daher baten wir die Forschenden, ihre Kernbotschaften zu Beginn der Kleingruppendiskussionen zu formulieren, um die Gespräche in Gang zu bringen.

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Die Forschenden mussten im Vorfeld 2–4 Kernbotschaften formulieren (Beispiele sind hier verfügbar). Außerdem nahmen sie an den Kleingruppengesprächen teil.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Das Referat für den Austausch mit Politik und Verwaltung an der Universität Frankfurt informierte Institutionen der Politik und Verwaltung sowie Forschende über das Format. Es wurden Webseiten und Booklets mit Kurzprofilen und zentralen Botschaften der Forschenden für vier Events erstellt. Zudem mussten Besprechungsräume in Frankfurt, Darmstadt, Brüssel und Berlin organisiert werden.

Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung

Die Vorbereitung beschränkte sich auf das Lesen der zentralen Botschaften und Kurzprofile der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf deren Webseiten bzw. in den Booklets. Die Kleingruppengespräche fanden am Nachmittag statt und dauerten drei bis vier Stunden.

Finanzierung der Maßnahme

An jeder Veranstaltung nahmen etwa 35 Personen aus Wissenschaft und Politik/Verwaltung teil. Es wurden Kosten für Catering übernommen (u. a. ordentliches Mittag- oder Abendessen). Trotz der höheren Kosten erwiesen sich Kaffeepausen und gemeinsame Mahlzeiten als sehr gute Gelegen-heiten für informelle Gespräche und Vernetzung. Die Reisekosten für 16 Forschende nach Berlin und Brüssel wurden durch eine Förderung des Bundesministeriums für Wissenschaft getragen.

 

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Gespräche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Ministerien

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Rhein-Main Wissenschaftsdialog ermöglichte 81 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 166 persönliche Gespräche mit 177 Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung in 17 Landeseinrichtungen in Mainz und Wiesbaden
  • Das Format hat sich hervorragend geeignet, um viele Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, die zuvor keinen Kontakt zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hatten, mit Forschenden zu vernetzen – und umgekehrt
  • Das Format hat sich zudem als sehr effektiv erwiesen, Forschende aus vielen Forschungsfeldern – darunter MINT-Fächer, Sozial- und Geisteswissenschaften, und Wirtschaftswissenschaften – sowie Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung aus unterschiedlichen regionalen Ministerien und anderen Institutionen der Politik und Verwaltung einzubeziehen

Wie funktioniert das Format?

Forschende führen persönliche Gespräche mit Mitarbeitenden in Landeseinrichtungen in Mainz und Wiesbaden. Mainz ist die Hauptstadt des Bundeslandes Rheinland-Pfalz mit etwa vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Etwa 2.500 Personen arbeiten in den Ministerien des Landes Rheinland-Pfalz in Mainz. Wiesbaden ist die Hauptstadt des Landes Hessen mit rund 6,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Mehr als 3.000 Personen arbeiten in Landeseinrichtungen in Wiesbaden.

Das Team Transfer in Politik und Gesellschaft der Goethe-Universität Frankfurt, welches die gemeinsamen Policy-Dialogaktivitäten der drei Rhein-Main-Universitäten – Frankfurt, Mainz und Darmstadt – koordiniert, stellt Landeseinrichtungen in Mainz und Wiesbaden das Format vor. Sobald die Landeseinrichtungen dem Format zugestimmt haben, erhalten die Landeseinrichtungen Listen mit Forschenden, die an Gesprächen in den Landeseinrichtungen interessiert sind. Die Listen enthalten Informationen zu den Fachgebieten der Forschenden, mögliche Termine sowie Links zu den Webseiten der Forschenden. Die Personalabteilungen in Landeseinrichtungen leiten die Listen an ihre Mitarbeitenden weiter, die dann auswählen können, mit wem sie Gespräche führen möchten. Die Rückmeldung erfolgt per E-Mail oder über eine Online-Plattform an das Team für Transfer in Politik und Verwaltung der Goethe-Universität Frankfurt.

Zusätzlich können die Mitarbeitenden in den Landeseinrichtungen angeben, an welchen Themen sie aktuell arbeiten. Das Team Transfer in Politik und Gesellschaft an der Goethe-Universität Frankfurt leitet die Auswahl der Mitarbeitenden in den Landeseinrichtungen an die Forschenden weiter, welche die Gesprächsanfragen annehmen oder ablehnen können.

Die persönlichen Gespräche finden in den Räumlichkeiten der Ministerien und weiterer Landeseinrichtungen statt. Für die gastgebenden Einrichtungen entstehen keine Kosten außer der Bereitstellung der Besprechungsräume.

Bilanz

  • 81 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
  • 166 Gespräche mit
  • 177 Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung aus
  • 17 Institutionen der Politik und Verwaltung

Das Team Transfer in Politik und Gesellschaft der Universität Frankfurt führt kurze Umfragen unter den teilnehmenden Forschenden sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung durch. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind sehr zufrieden mit den Gesprächen und schätzen den informellen Charakter der Gespräche. Etwa 60 Prozent der Teilnehmenden aus Landeseinrichtungen geben an, zuvor wenig Kontakt mit Forschenden gehabt zu haben. Etwa 50 Prozent der Forschenden hatten vor dem Format kaum oder keinen Kontakt zu Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung. Rund 20 Prozent der Teilnehmenden möchten den Kontakt fortsetzen. Über 95 Prozent aller Beteiligten möchten künftig erneut persönliche Gespräche führen und empfehlen das Format ihren Kolleginnen und Kollegen weiter.

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Das Team Transfer in Politik und Gesellschaft bittet alle teilnehmenden Forschenden, die FAQ-Liste zu lesen und sich auf den Webseiten der besuchten Institutionen der Politik und Verwaltung zu informieren. Jedes Gespräch dauert in der Regel etwa eine Stunde. Da Mainz und Wiesbaden in unmittelbarer Nähe der Rhein-Main-Universitäten liegen, ist die Anreise kurz. Die Forschenden haben Fahrscheine für den öffentlichen Nahverkehr, was das Format sowohl zeitlich als auch finanziell effizient macht.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Das Team Transfer in Politik und Gesellschaft an der Universität Frankfurt informiert per E-Mail und über die FAQ-Listen sowohl Institutionen der Politik und Verwaltung als auch Forschende über das Format und mögliche Termine. Außerdem erstellt das Team Online-Formulare und Excel-Tabellen, in die Forschende sowie Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung ihre Fachgebiete oder ihr Interesse und verfügbare Zeiten eintragen können. Die Zeitfenster werden dann aufeinander abgestimmt. Darüber hinaus führt das Referat eine kurze Feedback-Umfrage bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch.

Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung

Die Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung müssen die Listen mit Expertinnen und Experten prüfen und diejenigen auswählen, die sie treffen möchten. Die Gespräche finden in den Büros der Mitarbeitenden der Landeseinrichtungen oder in Besprechungsräumen statt.

Zur Vorbereitung auf die Gespräche sollten sich die Teilnehmenden auf den Webseiten der Forschenden informieren, mit denen sie sich treffen. Außerdem sollten sie Fragen vorbereiten, die sie mit den Forschenden besprechen möchten.

 

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Akteure in Politik und Verwaltung ins Labor holen

Erkenntnisse aus dem Praxistag „Zukunftstechnologien für Energie und Sicherheit“ an der TU

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Ein ganztägiger „Praxistag“, der Laborbesichtigungen, Live-Demonstrationen und strukturiertes Networking über verschiedene Hochschulstandorte hinweg kombinierte.
  • Der „Praxistag“ an der TU Darmstadt brachte etwa 30 Vertreter:innen aus Politik/Verwaltung, NGOs, Verbänden und Unternehmen mit 10 Forschenden aus verschiedenen akademischen Disziplinen der TU Darmstadt zusammen.
  • Die Gäste aus Praxisorganisationen besichtigten die Labore des Metal Energy Hubs, des Smart Homes EHubs und des Digital Resilience Xchange (DiReX)-Zentrums an der TU Darmstadt. Die Gäste aus der Praxis erhielten Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen, während die Forschenden Praxisperspektiven kennenlernten.
  • Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer übernahmen die Organisation der Veranstaltung und die Rekrutierung der Gäste aus der Praxis, so dass sich die Forschenden auf die inhaltlichen Aspekte und die Vorstellung ihrer Forschungsergebnisse konzentrieren konnten

 

Wie funktionierte das Format?

Schritt 1: Konzeption

Das Team Transfer in Politik und Gesellschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, das das Erasmus+-Projekt ENGAGEgreen und das Mercator Science-Policy Fellowship-Programm der Rhein-Main-Universitäten (TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz) koordiniert, kontaktierte Professorin Michèle Knodt und weitere Forschende des Metal Energy Hub und des Digital Resilience Xchange (DiReX)-Zentrums der TU Darmstadt, um das Interesse an einer politikorientierten Veranstaltung auszuloten.

Ein gemeinsames Team aus fünf Forschenden und Mitarbeitenden im Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer konzipierte die Veranstaltung gemeinsam und legte den Termin auf den 29. Januar 2026 fest.

Kernziele der Veranstaltung:

  • Einen anwendungsorientierten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu nachhaltigen Energiespeichern und digitaler Resilienz in Not- und Krisensituationen in Deutschland zu geben.
  • Forschende der TU Darmstadt direkt mit regionalen, nationalen und lokalen Akteuren aus Politik/Verwaltung sowie mit Akteuren aus Industrie und Zivilgesellschaft vernetzen.

Schritt 2: Planung und gezielte Ansprache

Forscher und Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer der TU Darmstadt erstellten eine erste Liste mit 150 Praktiker:innen. Um die Reichweite zu vergrößern, recherchierte das Team Transfer in Politik und Gesellschaft an der Goethe-Universität Frankfurt die Organigramme von über 60 relevanten Praxiseinrichtungen und identifizierte mehr als 200 Praktiker:innen, die eingeladen werden sollten.

  • Einladungen: Anfang Dezember 2025 wurden offizielle Einladungen an rund 350 Praktiker:innen per E-Mail verschickt
  • Anmeldequoten: Bis Mitte Januar 2026 hatten sich rund 35 Praktiker:innen (was einer effektiven Konversionsrate von ca. 10 % entspricht).
  • Logistik: Reservierung der Veranstaltungsräumlichkeiten und des Caterings. Versand von Erinnerungsmails zwei Wochen vor Veranstaltungstermin.

Schritt 3: Umsetzung

Die Veranstaltung fand am 29. Januar 2026 statt. Programm:

  • 09:00–09:30 Uhr | Anmeldung & Begrüßung: Treffpunkt in den Räumlichkeiten des Metal Energy Hub (Campus Lichtwiese, TU Darmstadt).
  • 09:30–11:30 Uhr | Laborführung 1 – Metal Energy Hub: Vorstellung von Forschungsarbeiten zu innovativen grünen Technologien (z. B. CO₂-neutrale Energiespeicherung durch Oxidation und Reduktion von Eisenpulver), gefolgt von einer geführten Laborführung unter der Leitung von Dr. Marius Schmidt.
  • 11:40–12:10 Uhr | Laborführung 3 – Energieautonomes Smart Home (eHub): Geführte Besichtigung unter der Leitung von Dr. Joachim Schulze mit Schwerpunkt auf schnelle, autarke Notstromversorgungslösungen für Besitzer:innen von Photovoltaikanlagen.
  • 12:10–12:40 | Ortswechsel: Gemeinsamer Transfer vom Campus Lichtwiese zum City-Campus der TU Darmstadt mit dem ÖPNV.
  • 12:40–13:30 Uhr | Networking-Mittagessen: Gemeinsames Mittagessen im Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX), um die Vernetzung während des Campuswechsels zu stärken.
  • 13:30–15:15 Uhr | Laborführung 3 – Digital Resilience Xchange (DiReX): Vortrag über eine widerstandsfähige digitale kommunale Infrastruktur für das Katastrophenmanagement, einschließlich interaktiver Demonstrationsführungen unter der Leitung von Prof. Dr. Michèle Knodt und Prof. Dr. Bernd Freisleben.

Schritt 4: Nachbereitung der Veranstaltung

Innerhalb einer Woche nach der Veranstaltung wurden die Präsentationsfolien und die Kontaktmöglichkeiten der Beteiligten geteilt.

 

Herausforderungen und Lösungen

Insgesamt verlief die Veranstaltung sehr reibungslos, doch es lohnt sich, die Gründe dafür ausdrücklich zu nennen, damit andere Universitäten ihre eigenen Erwartungen entsprechend anpassen können. Die mitwirkenden Forschenden und Mitarbeitenden im Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer arbeiteten seit einiger Zeit im Rahmen des ENGAGEgreen-Projekts und des Mercator Science-Policy Fellowship-Programms zusammen. Die Forschenden konnten sich voll und ganz auf die Präsentation ihrer Ergebnisse konzentrieren, während sich die Mitarbeitenden in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer die organisatorischen Aspekte kümmerten.

Universitäten ohne eine solche bestehende Infrastruktur sollten damit rechnen, dass die erste Ausgabe einer vergleichbaren Veranstaltung deutlich mehr Koordinationszeit in Anspruch nimmt – allein schon, um die Arbeitsbeziehungen aufzubauen, auf die dieses Team bereits zurückgreifen konnte.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

  • Erstellten leicht verständliche Präsentationen für ein Publikum aus der Praxis.
  • Bereiteten interaktive Laborführungen und Demonstratoren vor.
  • Benennung möglicher Personen aus der Praxis, die eingeladen werden sollten.

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

  • Recherche von knapp 60 Organigrammen zwecks Identifikation möglicher Gäste aus der Praxis.
  • Organisation von Mailinglisten, Einladungen, Catering und Social-Media-Berichterstattung.
  • Koordination des Transfers zwischen den Campusstandorten sowie Unterstützung der Forschenden bei der Vorbereitung und Durchführung von Präsentationen und Führungen.

Akteure in Politik und Verwaltung

  • Vertretung lokaler, regionaler und nationaler Ministerien und nachgeordneter Behörden, politischer Parteien, NGOs und Unternehmen.
  • Beteiligung an aktiven Frage-und-Antwort-Runden während der Laborvorführungen.
  • Vernetzung mit Forschenden.

 

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Nicht nur Wissen präsentieren – vernetzen!

Ein Leitfaden für Forschende zu erfolgreicher Mitwirkung an Policy Veranstaltungen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

Policy Veranstaltungen bieten drei unterschiedliche Dimensionen für wissenschaftliche Wirkung, die von formellen Vorträgen bis hin zum Aufbau persönlicher Beziehungen reichen:

  1. Formale Dimension: Vermittlung von Fachwissen in Podiumsdiskussionen, Vorträgen, Präsentationen oder Workshops.
  2. Informelle Vernetzung: Aufbau direkter Kontakte während Kaffeepausen, Mittagessen und Empfängen.
  3. Strategisches Follow-up: Umwandlung kurzer Begegnungen in nachhaltigen Austauschnach der Veranstaltung.

 

  • Forschenden sollten nicht nur an Policy Veranstaltungen teilnehmen, um eine Rede zu halten oder an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen; sie sollten daran teilnehmen, um informelle Gespräche zu führen und zwei bis drei Folgetreffen zu vereinbaren.
  • Pausen, Mittagessen und Empfänge sind ebenso wichtig wie inhaltliche Sessions wie Podiumsdiskussionen oder Vorträge selbst: Organisatoren von Policy-Veranstaltungen sollten während der Pausen Gelegenheiten zum Networking und zu informellen Gesprächen einplanen.

 

Wie funktioniert das Format?

Um Zeit und Wirkung zu maximieren, müssen Forschende jede politische Veranstaltung unter drei strukturellen Dimensionen betrachten.

  1. Die formale Dimension (die Plattform)

Dazu gehören Podiumsdiskussionen, Keynote-Vorträge und interaktive Workshops. Die Übernahme einer aktiven Rolle als Redner/Rednerin oder Podiumsteilnehmende stärkt die institutionelle Glaubwürdigkeit und rückt relevante Forschungsergebnisse in den Vordergrund. Doch dies ist lediglich der Aufhänger – nicht das angestrebte Ergebnis.

  1. Die informelle Dimension (die Verbindung)

In Kaffeepausen, während des Mittagessens und bei Abendempfängen findet der informelle Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung statt. Informelle Rahmenbedingungen ermutigen die Teilnehmenden dazu, offener über ihre Herausforderungen und Wissensbedarfe zu sprechen, als es eine öffentliche Podiumsdiskussion zulässt. Forschende sollten die Zeit auf Veranstaltungen für den informellen Austausch nutzen anstatt , E-Mails zu checken, nur mit Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaft auszutuaschen oder frühzeitig die Veranstaltung zu verlassen.

  1. Die Nachverfolgungsdimension (die Wirkung)

Wertvolle Gespräche sollten damit enden, dass Forschende sich mit den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern aus der Praxis darauf verständigen, in Kontakt zu bleiben und den Dialog Wochen oder Monate nach der Veranstaltung weiterführen.

 

Warum Mikro-Networking Makro-Präsentationen übertreffen kann

Forschende unterschätzen oft den mündlichen Austausch im Vergleich zu Veröffentlichungen. In einem natürlichen Sprechtempo sprechen Rednerinnen und Redner etwa 130–160 Wörter pro Minute (ca. eine halbe Textseite). Betrachten Sie den Vergleich zweier verschiedener Strategien:

Forscher A (der Vortragende): Hält einen 15-minütigen Vortrag plus 5 Minuten für Fragen und Antworten (insgesamt 20 Minuten Redezeit = ~10 Seiten übermittelter Text). In den Pausen checkt dieser Forschende seine E-Mails, unterhält sich nur mit Kollegen und Kolleginnen aus der Wissenschaft und geht frühzeitig.

Forscher B (der Netzwerker): Hat keine formelle Rednerrolle, tauscht sich jedoch in den Pausen und bei Empfängen insgesamt 50 Minuten lang aktiv mit Akteuren aus Politik und Verwaltung aus (ca. 25 Seiten übermittelter zielgerichteter Text). Dieser Forschende vereinbart drei konkrete Termine für zukünftige Treffen. Ergebnis: Drei geplante Folgetreffen, um die eigene Expertise direkt zu präsentieren.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – Wie können sich Forschende auf die Netzwerkbildung vorbereiten?

Schritt 1: Den Raum analysieren und sich einen Überblick verschaffen (vor der Veranstaltung)

  • Forschende sollten das Programm und die Teilnehmendenliste im Voraus durchsehen. Sie sollten die konkreten Akteure aus Politik und Verwaltung oder anderen Gäste aus der Praxis identifizieren, mit denen sie in Kontakt treten möchten
  • Falls die Liste nicht öffentlich ist, sollten Forschende die Organisatoren nach dem erwarteten Profil des Publikums fragen.

Schritt 2: Inhaltliche Vorbereitung

  • Forschende sollten einen 60-Sekunden-Elevator-Pitch vorbereiten, der sich auf die politische Relevanz ihres Fachwissens konzentriert und rein akademische Debatten oder Methodik vermeidet
  • Forschende sollten gedruckte Exemplare von Kurzpublikationen wie Policy Briefs, Factsheets oder Infografiken mitbringen. Diese Kurzpublikationen sollten immer die Kontaktmöglichkeiten enthalten.

Schritt 3: Strategische Ansprache und Eisbrecher

  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten ihre Zielpersonen in den Pausen ansprechen; sie sollten Grenzen respektieren (Personen, die gerade telefonieren oder E-Mails auf ihrem Laptop schreiben, sollten sie meiden), sich aber selbstbewusst mit einem höflichen „Darf ich mich zu Ihnen setzen/stellen?“ zu den Gruppen an den Tischen gesellen.
  • Offene Eisbrecher können sein:

o Auf welchen Teil der Veranstaltung freuen Sie sich am meisten?

o Welche Sessions fanden Sie bisher am interessantesten?

o Was halten Sie von Argument zu X?

  • Folgefragen können sein:

o Welche Themenaspekte sind für Sie besonders relevant?

o Was ist die größte Herausforderung, vor der Sie bei diesem Thema stehen?

 

Schritt 4: Den Anschluss für die Nachbereitung sichern

  • Wenn der Kontakt positiv verläuft, sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch vor Ende des Gesprächs den Anschluss sichern: „Ich würde Ihnen gerne ein kurzes Update schicken, sobald unsere nächsten Forschungsergebnisse vorliegen. Darf ich Ihre Visitenkarte haben oder Ihren LinkedIn-QR-Code scannen?“
  • Das Überreichen eines gedruckten Policy Briefs mit den eigenen Kontaktdaten ist eine effektive Methode, um einen unmittelbaren, professionellen Übergang zu schaffen

 

Schritt 5: Termin vereinbaren (nach der Veranstaltung)

  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten innerhalb von 48–72 Stunden eine maßgeschneiderte Folge-E-Mail senden
  • Sie sollten Links zu den besprochenen Daten oder Publikationen bereitstellen und ein Folgetreffen in den nächsten Wochen oder Monaten vorschlagen

 

Mitarbeitende in den Bereichen Management und Transfer (Unterstützungsstrukturen)

Policy-Veranstaltungen müssen den informellen Dialog in Pausen ermöglichen.

Teams, die Veranstaltungen organisieren, sollten die folgenden Vorschläge berücksichtigen:

  • Netzwerkpausen einplanen: Bei jeder Veranstaltung, die länger als zwei Stunden dauert, sollten die Organisatoren Kaffeepausen von mindestens 20 bis 30 Minuten einplanen; die Organisatoren sollten die Pausen nicht verkürzen, auch nicht, wenn Vorträge überzogen werden. Sieie sollten die Referentinnen und Referenten im Voraus darüber informieren, dass Zeitlimits strikt eingehalten werden.
  • Vorbereiten sichtbarer Materialien: Organisatoren sollten große, gut lesbare Namensschilder bereitstellen; wenn möglich, können sie QR-Codes auf den Namensschildern integrieren, die weitere Informationen wie Links zu Webseiten oder LinkedIn-Profilen bereitstellen.
  • Moderieren flexibler Frage-und-Antwort-Runden: Moderatorinnen und Moderatoren sollten die „Frage-und-Antwort-Runden“ so strukturieren, dass das Fachwissen der Teilnehmenden im Raum zum Tragen kommt. Sie sollten zu Beginn klar ankündigen: „Fragen müssen auf 1–2 Minuten begrenzt sein, damit alle zu Wort kommen können.“ Dies verhindert lange Ausführungen aus dem Publikum und hilft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, interessante Gesprächspartner für die nächste Pause zu identifizieren
  • Mitarbeitende im Bereich Wissensaustausch können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darin unterstützen, klare Elevator Pitches zu entwickeln und leicht verständliche Informationsblätter zu erstellen
  • Mitarbeitende im Bereich Wissensaustausch können Forschende während Empfängen aktiv den anwesenden Akteuren aus Politik und Verwaltung vorstellen

 

Quellen

Willis, Christina C. (2020), Sustainable Networking for Researchers and Engineers, https://doi.org/10.1117/3.2535500.

Zack, Devora (2019), Networking for People Who Hate Networking: A Field Guide for Introverts, the Overwhelmes, and the Underconnected, Berrett-Koehler Publishers.

 

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Wann, wie, für wen? Science-Policy-Veranstaltungen richtig planen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Keine Universallösung: Es gibt weder die eine richtige Dauer noch das perfekte Format. Für welche Veranstaltungsvariante Sie sich entscheiden, hängt von Ihren Zielen, Ressourcen, Zielgruppen und Ihrem bisherigen Bekanntheitsgrad ab.
  • Zielgruppen kennen: Hochrangige Entscheidungsträger:innen haben andere Bedürfnisse und Erwartungen als Referent:innen. Berücksichtigen Sie diese bei der Planung von Veranstaltungen.
  • Die Tageszeit ist ebenso wichtig wie die Dauer: Frühstücks-, Mittags- und Abendveranstaltungen bringen jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile für die Terminkalender der Akteure in Politik und Verwaltung mit sich.
  • Parlamentskalender beachten: Über die Uhrzeit hinaus sollten Sie auch den Parlamentskalender prüfen; Sitzungswochen und -pausen (inkl. Sommerpausen) können über die Teilnahme entscheiden.
  • Präsenz vs. Digital: Das Format bestimmt die Interaktionsdynamik – Online-Events erfordern völlig andere Konzepte als Präsenzveranstaltungen.

Wie funktioniert das Formatauswahl?

Ob einstündige Fachgespräche im kleinen Kreis oder mehrtägige Konferenzen mit Hunderten von Teilnehmenden: Policy-Formate können sehr unterschiedlich aussehen. Bei der Planung stellen sich meist vier zentrale Fragen:

  • Zielgruppe: Wen wollen Sie erreichen? Die Arbeits- oder Entscheidungsebene? Oder beide Ebenen?
  • Dauer und Ausgewogenheit: Wie viel akademische Tiefe ist nötig und wie viel Vernetzung ist möglich, ohne den vollen Terminkalender der Gäste zu überlasten?
  • Wahl des Formats: Welches Veranstaltungsformat eignet sich am besten für welche Zielgruppe?
  • Durchführung: Präsenz, rein virtuell oder hybrid?

 

Um die richtige Veranstaltungsstruktur zu ermitteln, sollten Sie zunächst vier Leitfragen beantworten:

  1. Ziele: Was möchten Sie erreichen? (z. B. direkte politische Veränderungen bewirken, Sichtbarkeit erhöhen, Vertrauen aufbauen, Netzwerke erweitern, gegenseitiges Lernen fördern, Forschungserkenntnisse gewinnen oder Akteure in Politik und Verwaltung informieren)?
  2. Ressourcen: Wie viel Budget, Vorlaufzeit und Personal stehen für die Organisation und Durchführung zur Verfügung?
  3. Bekanntheitsgrad: Kennen die Akteure in Politik und Verwaltung Sie, Ihre Einrichtung oder Ihr Forschungsprojekt bereits? Oder stellen Sie sich erstmalig vor?
  4. Methodenkompetenz: Beherrschen Sie interaktive Methoden (World-Café, Fishbowl, Breakouts) oder benötigen Sie eine externe Moderation?

 

Wen laden Sie ein? Zielgruppen in Politik und Verwaltung verstehen

Verschiedene Funktionsebenen haben unterschiedliche Motivationen, Vorkenntnisse und Zeitbudgets.

  1. Entscheidungsebene: Abgeordnete und Leitungsebene in politischen Parteien und Behörden, EU-Institutionen und internationalen Organisationen
  • Arbeitsrealität: Sehr eng getaktete Terminkalender, hohe öffentliche Sichtbarkeit. Häufig müssen sie direkt nach ihrem Grußwort zum nächsten Termin.
  • Motivation für die Teilnahme an Veranstaltungen: Kennenlernen wichtiger Erkenntnisse, Sichtbarkeit in den Medien/Sozialen Medien, Netzwerken auf Top-Ebene.
  • Typische Rollen: Eröffnungsrede, Keynote, Panel-Teilnahme.
  • Kenntnisstand: Breiter thematischer Überblick; richtige Zielgruppe für die Diskussion von Grundsatzfragen wie z.B.
    • Wie können wir die Markteinführung energieeffizienter Technologien beschleunigen?
    • Sollten Smartphones in Grundschulen verboten werden?
    • Sollten harte Drogen legalisiert werden?

 

  1. Fachebene: Mitarbeitende von Abgeordneten, Fraktionen, politischen Parteien. Referatsebene in Behörden, EU-Institutionen und internationalen Organisationen
  • Arbeitsrealität: Anspruchsvolle Terminkalender, nehmen jedoch weitaus häufiger an mehrstündigen Workshops oder Konferenzen teil als die Entscheidungsebene.
  • Motivation für die Teilnahme: Zugang zu Hintergrundwissen und spezifischen Erkenntnissen (inkl. technischen Details), fachlicher Austausch auf Ebene, benötigen Expertise für die Erstellung von Briefings für ihre Vorgesetzten.
  • Typische Rollen: Podiumsteilnehmende, Referent:innen, aktive Teilnehmehnde in Arbeitsgruppen, World Cafés oder Fachworkshops
  • Kenntnisstand und Umfang: Fachwissen (inkl. Wissen zu Detailaspekten) (Mitarbeitende in Behörden) oder fundiertes Allgemeinwissen (Mitarbeitende in Parlamenten oder politischen Parteien); sie sind die richtigen Ansprechpartner:innen für die Erörterung technischer und regulatorischer Fachfragen:
    • Welche technischen Reinheitsstandards müssen bestehende Pipelines erfüllen, um Wasserstoff sicher zu transportieren?
    • Wie lassen sich die Grenzwerte für die Wassertoxizität in den kommunalen Überwachungssystemen vereinheitlichen?

 

 

Durchführungsform: Virtuell, persönlich oder hybrid?

Die Wahl der richtigen Veranstaltungsform wirkt sich direkt auf die Teilnahmequote und Art des Austauschs aus:

  • Virtuelle Veranstaltungen (45–120 Minuten): Ideal für kurze Briefings oder für vielbeschäftigte Zielgruppen in Politik und Verwaltung, die in verschiedenen Regionen tätig sind. Sie senken die Hemmschwelle für die Teilnahme erheblich und verursachen keine Kosten für die Anmietung von Räumlichkeiten oder Catering, bieten jedoch nur begrenzte Möglichkeiten für informelles Networking. Virtuelle Veranstaltungen, die länger als zwei Stunden dauern, sollten generell vermieden werden, da schnell Bildschirmmüdigkeit eintritt.
  • Präsenzveranstaltungen: Unverzichtbar für den Aufbau persönlichen Vertrauens, den Austausch impliziten Policy-Wissens und langfristiges Networking; sie verursachen jedoch höhere Organisationskosten und einen größeren Zeitaufwand für die Teilnehmenden.
  • Hybride Veranstaltungen: Bieten eine große Reichweite, erfordern jedoch umfangreichen technischen Support und aktive Moderation, um virtuelle Teilnehmende einzubinden.

 

Passt die Dauer zum Ziel?

 

Kurze Veranstaltungen (60–90 Minuten)

  • Schwerpunkt: Präsentation neuer Erkenntnisse oder Austausch von Grundsatzpositionen
  • Typische Formate: Kurze Präsentationen, Round Table oder Podiumsdiskussionen mit anschließender Fragerunde
  • Networking: Sehr begrenztes informelles Networking während der Sitzung selbst
  • Aktive Rollen: 1–5 Redner:innen/Referent:innen
  • Verpflegungskosten: Niedrig (Kaffee, Wasser, Snacks)
  • Organisatorischer Aufwand (Vollzeitäquivalent): Stunden bis Tage

Veranstaltungen mittlerer Dauer (2–5 Stunden)

  • Schwerpunkt: Vertiefung des thematischen Austauschs und Vernetzung von Forschenden und Akteuren in Politik und Verwaltung
  • Typische Formate: Mehrere (Kurz-)Vorträge, Präsentationen, Roundtables, Workshops oder Podiumsdiskussionen
  • Netzwerken: Gute Gelegenheiten während der Kaffeepausen, bei gemeinsamen Mittagessen oder Abendempfängen sowie in Kleingruppenformaten.
  • Aktive Rollen: 4–10 Redner:innen/Referent:innen
  • Verpflegungskosten: Mäßig bis hoch (Kaffeepausen, Fingerfood oder Mittag-/Abendessen).
  • Organisatorischer Aufwand (Vollzeitäquivalent): Tage bis Wochen

Ganztägige Veranstaltungen (5+ Stunden)

  • Schwerpunkt: Umfassende thematische Auseinandersetzung und Aufbau langfristiger Netzwerke
  • Typische Formate: Mehrere Reden und Präsentationen, parallele Breakout-Sessions, interaktive World Cafés oder Podiumsdiskussionen
  • Networking: Hervorragende Networking-Möglichkeiten während strukturierter Pausen, gemeinsamer Mahlzeiten oder Abendempfänge
  • Aktive Rollen: 10+ Redner:innen/Referent:innen
  • Verpflegungskosten: Hoch (vollständige Verpflegung einschließlich Kaffee am Vormittag und Nachmittag, Mittagessen und möglicherweise einem Empfang)
  • Organisatorischer Aufwand (Vollzeitäquivalent): Wochen bis Monate

 

Zu welcher Tageszeit sollten Sie die Veranstaltung organisieren?

 

  • Zeitpunkt & Dauer: Beginn zwischen 7:00 und 8:00 Uhr. Dauer: 60–90 Minuten
  • Format & Verpflegung: leichtes Frühstück bei prägnanten Vorträgen; hochwertige Moderation und strikte Zeiteinhaltung sind essenziell
  • Vor- und Nachteile:
  • Vorteil: Besonders beliebt bei Abgeordneten, deren ersten Termine später am Vormittag anstehen; hohe Teilnahmequoten, da dringende Terminänderungen sich häufig erst im Laufe des Tages ergeben; die Teilnehmenden beginnen ihren Arbeitstag mit neuen Erkenntnissen
  • Nachteil: Enge Taktung, kaum Zeit für informelles Networking

 

Mittagsveranstaltungen

  • Zeitpunkt & Dauer: Beginn zwischen 11:00 und 13:00 Uhr. Dauer: 90–120 Minuten
  • Format & Verpflegung: Vorträge/Präsentationen und/oder Podiumsdiskussionen/Round Tables, häufig Mittagessen (Stehbuffet)
  • Vor- und Nachteile:
    • Vorteil: Bietet eine produktive Unterbrechung des Arbeitstages mit ausreichend Zeit für Fragen und Antworten sowie Networking;
    • Nachteil: Unterbricht den täglichen Arbeitsablauf; unvorhergesehene Terminänderungen am Vormittag können zu kurzfristigen Absagen führen

 

Abendveranstaltungen

  • Zeitpunkt und Dauer: Beginn zwischen 17:30 und 20:00 Uhr, Dauer: 2–4 Stunden
  • Format & Verpflegung: Keynotes, Präsentationen oder Podiumsdiskussionen, gefolgt von einem ausgedehnten Networking, Empfang mit Speisen und Getränken (Abendessen an Stehtischen oder Sitztischen)
  • Vor- und Nachteile:
    • Vorteil: Bietet das beste Umfeld, um persönliches Vertrauen und langfristige Beziehungen aufzubauen
    • Nachteil: Sich im Laufe des Tages angehäufte konkurrierende Verpflichtungen, Müdigkeit oder familiäre Verpflichtungen können die Akteure in Politik und Verwaltung davon abhalten, teilzunehmen

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

  • Klären Sie, was Sie mit der Veranstaltung erreichen möchten, und teilen Sie dies dem Organisationsteam frühzeitig mit
  • Bereiten Sie Inhalte vor, die dem gewählten Format, der Dauer und der Zielgruppe angemessen sind (z. B. einen kurzen Vortrag im „Elevator-Pitch“-Stil für eine Frühstücksveranstaltung mit hochrangigen Akteuren in Politik und Verwaltung im Gegensatz zu einer ausführlicheren Fachpräsentation für einen ganztägigen Workshop mit Mitarbeitenden auf Arbeitsebene)
  • Stehen Sie während der Pausen für informelles Networking zur Verfügung, sofern das Format dies zulässt

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

  • Helfen Sie dabei, das Ziel der Veranstaltung, die Zielgruppe und die verfügbaren Ressourcen unter Verwendung des oben genannten Rahmens auf das richtige Format und die richtige Dauer abzustimmen
  • Kümmern Sie sich um die Organisation: Veranstaltungsort, Verpflegung, Einladungen und Umsetzung vor Ort (inkl. Einhalten der Redezeiten und Pausen).
  • Überprüfen Sie den parlamentarischen Kalender (Sitzungswochen, Sitzungsunterbrechungen, Wahlperioden), bevor Sie einen Termin festlegen

Akteure in Politik und Verwaltung

  • Entscheiden Sie, ob Sie teilnehmen möchten und in welcher Funktion
  • Falls der eigene Terminkalender eine Teilnahme nicht zulässt, schlagen Sie Mitarbeitende oder Kolleg:innen als Vertretung vor
  • Kommunizieren Sie nach Möglichkeit Ihre Prioritäten und Wissensbedarfe im Voraus, damit diese bei der Planung der Veranstaltung berücksichtigt werden können
  • Weisen Sie frühzeitig auf bekannte Terminkonflikte hin (z. B. Sitzungswochen, Wahlperioden, andere konkurrierende Verpflichtungen), um den Organisatoren bei der Auswahl eines geeigneten Termins zu helfen
  • Geben Sie im Anschluss ein kurzes Feedback dazu, ob Format, Dauer und Zeitpunkt für Sie gepasst haben

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns das gerne mit! Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

 

Vorstellung des ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkits

Das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit bietet einen Überblick über die vielfältigen Formate, die Forschende, Forschungsmanagerinnen und -manager sowie Mitarbeitende im Wissenstransfer nutzen können, um Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung akademische Expertise zur Verfügung zu stellen.

Man könnte sich fragen, ob ein Policy Engagement Toolkit überhaupt notwendig ist, da bereits zahlreiche Handreichungen existieren, wie man Policy Briefs verfasst oder wie man Parlamente mit Informationen versorgt. Wir haben das Policy Engagement Toolkit aus den folgenden Gründen geschrieben:

Erstens verstehen wir unter Policy Engagement einen Oberbegriff, der die vielen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung sich auf verschiedenen Etappen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse austauschen und gemeinsame Interessen identifizieren können. Policy Engagement bedeutet nicht nur, Policy Briefs zu schreiben. Es gibt viele Formate wie Pairing Schemes (Dialogformate), Policy Fellowships, Hackathons oder Besichtigungen von Forschungsstandorten. Dennoch ist es für Forschende sowie weitere universitäre Mitarbeitende und Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung sehr herausfordernd, strukturierte Übersichten zu möglichen Austauschformaten zu finden. In verschiedenen Ländern gibt es auf regionaler oder nationaler Ebene zahlreiche Austauschformate, die außerhalb der eigenen Landesgrenzen nicht bekannt sind. Mit dem Policy Engagement Toolkit möchten wir Praxisbeispiele grenzüberschreitend zu teilen.

Zweitens adressiert das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit die Herausforderungen von Zeitmangel, begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten und die Würdigung von Praxisengagement im wissenschaftlichen Kontext, die oft den Austausch mit Politik und Verwaltung erschweren. Zwar löst es diese Probleme nicht, bietet aber praktische Lösungen und Orientierungshilfen, die es unseren Leserinnen und Lesern ermöglichen, die Eignung verschiedener Austauschformate für ihre spezifischen Bedürfnisse und zeitlichen und finanziellen Ressourcen einzuschätzen.

Drittens ist das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit inklusiv gestaltet und richtet sich nicht nur an Forschende sowie Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, sondern auch an Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement an Universitäten. Indem es die Bedürfnisse und Rollen aller Beteiligter berücksichtigt, zielt das Toolkit darauf ab, die institutionelle Unterstützung für den Austausch mit Politik und Verwaltung zu verbessern und die Entwicklung institutioneller Kapazitäten zu fördern.

Viertens kann die Einbindung akademischer Forschung in die Politikgestaltung deren Qualität verbessern. Ebenso kann der Austausch mit Politik und Verwaltung neue Impulse für die akademische Forschung erzeugen. Da diese Perspektive oft in vielen Handreichungen zum Austausch mit Politik und Verwaltung fehlt, wollen wir diesen Austausch als bidirektionalen Wissensaustausch verstehen.

 

Wie ist das Policy Engagement Toolkit aufgebaut?

Das Toolkit bietet Anleitungen zu verschiedenen Austauschmöglichkeiten zwischen Politik und Verwaltung. Es ist jedoch keine wissenschaftliche Studie zum Thema Politikberatung. Um eine Analogie zu verwenden: Das Toolkit soll eher als Kochbuch verstanden werden und nicht als eine wissenschaftliche Studie zum Thema Ernährungswissenschaft.

Das Toolkit umfasst thematische Kapitel. Jedes Kapitel enthält eine einführende Beschreibung einer Institution, eines Querschnittsthemas oder eines Austauschformats zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Hinzu kommen konkrete Beispiele von Forschenden, Wissenschaftsmanagerinnen und Wissenschaftsmanagern, Mitarbeitenden im Wissenstransfer oder Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung. Damit wollen wir zeigen, dass es keine Universallösungen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung gibt.

 

Ist der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu zeitaufwendig?

Das muss nicht zwangsläufig so sein. Natürlich sind die Erstellung einer 500-seitigen Studie oder die mehrjährige Mitarbeit in einem Expertengremium sehr zeitintensiv. Glücklicherweise sind dies nur einige der Formate oder Strukturen des Austauschs mit Politik und Verwaltung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über den Zeitaufwand der verschiedenen Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung:

 

Die Tabelle zeigt, dass unterschiedliche Formate unterschiedliche Zeitaufwände erfordern. Die Unterstützungsstrukturen sind oft essenziell: Schreiben Forschende einen 100-seitigen Evaluationsbericht allein oder im Team? Organisieren Forschende einen Policy-Workshop allein, oder können sie sich auf die Inhalte konzentrieren, während Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement die Organisation der Veranstaltung übernehmen?

 

Das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit bietet einen Überblick über mögliche Formate des Wissensaustauschs für verschiedene Zielgruppen:

Ob Forschende, Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, im Wissenstransfer oder in der Wissenschaftskommunikation oder Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung. Nicht alle müssen jeden Tag alles machen! Außerdem gibt es keine Zauberformel für einen erfolgreichen Austausch mit Politik und Verwaltung. Einige Formate zielen eher darauf ab, Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung zu informieren, als auf eine politische Wirkung. Jedes Format hat seine Chancen und Grenzen, die wir erläutern werden.

Unser Toolkit beschreibt Wissensaustauschformate und enthält einen Abschnitt zu Querschnitts-themen. Zu wissen, wie man einen Policy Brief schreibt, ist sehr wichtig. Ebenso wichtig ist das Wissen darüber, wie man Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung mit einem Policy Brief erreicht, den politischen Kontext besser versteht, den richtigen Zeitpunkt für den Austausch mit Politik und Verwaltung wählt und diesen Austausch bewertet.

Wir haben verschiedene Formate des Wissensaustauschs recherchiert. Bitte beachten Sie: Das Toolkit ist kein Ergebnis eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts. Wir erklären die wichtigsten Merkmale verschiedener Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Es standen uns keine Ressourcen zur Verfügung, um eine fundierte wissenschaftliche Analyse der dargestellten Formate durchzuführen. Daher sollten die Beschreibungen der Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung nicht als in Stein gemeißelt betrachtet werden. Weitere Forschende, Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung könnten die Formate anders beschrieben haben.

Wir sind uns außerdem bewusst, dass es aufgrund geografischer und sprachlicher Aspekte zu einer Verzerrung kommen kann. Wir haben zahlreiche Webseiten in Englisch, Tschechisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch recherchiert. Wir möchten Beispiele aus mehreren Ländern, nicht nur aus den englischsprachigen oder den Ländern der Projektpartner, einbeziehen. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung!

Lassen Sie uns wissen, ob die von uns beschriebenen Formate des Wissensaustauschs in Ihrem Land anders funktionieren! Oder noch besser: Reichen Sie ein Beispiel ein!

Wir werden unsere Beschreibungen möglicherweise auch in Zukunft anpassen, da viele der beschriebenen Formate selten sind. Wir haben kein dogmatisches Verständnis der verschiedenen Austauschformate zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Beispielsweise schreiben wir, dass Policy Briefs maximal einige Seiten lang sind. Dennoch findet man Policy Briefs mit 15 Seiten oder mehr. Wir haben keine Erhebung durchgeführt, um festzustellen, ob die durchschnittliche Länge eines Policy Briefs 4 oder 6,5 Seiten beträgt.

Das Toolkit besteht aus einer Einleitung, gefolgt von verschiedenen Beispielen. Die Beispiele zeigen, wie die jeweiligen Formate des Wissensaustauschs umgesetzt werden können. Sie ermöglichen Forschenden, Mitarbeitenden im Wissenstransfer sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung, ihre Erfahrungen zu reflektieren: Wie haben sie die jeweiligen Formate geplant und umgesetzt? Was hat sehr gut funktioniert? Was würden sie im Nachhinein anders machen? Wenn Sie mit dem Format vertraut sind, können Sie direkt zu den Beispielen springen.

Das Policy Engagement Toolkit liegt auf Englisch, Tschechisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch vor. Bitte beachten Sie: Die Inhalte der verschiedenen Versionen können variieren, da wir bei der Erstellung der Kapitel lokale oder nationale Kontexte berücksichtigen. Beispielsweise sind Policy Empfehlungen ein wesentliches Merkmal von Policy-Briefs in angelsächsischen Ländern, sie finden sich allerdings nur gelegentlich im deutschsprachigen Raum. Wenn Sie in einem der genannten EU-Länder leben, empfehlen wir Ihnen daher, die Kapitel in der jeweiligen Sprache zu lesen. Andernfalls empfehlen wir die englische Version. Bitte beachten Sie, dass wir die englische Version zuerst veröffentlichen; die Versionen in den anderen Sprachen folgen einige Wochen später.

Unterstützungsstrukturen definieren wir als Mitarbeitende an Universitäten, die Forschende bei der Planung, Durchführung oder Bewertung von Aktivitäten rund um den Austausch mit Politik und Verwaltung finanziell, durch Schulungen, Beratung oder organisatorische Unterstützung begleiten können. Zu den Unterstützungsstrukturen zählen Mitarbeitende von Policy-Einheiten. Während hauptamtliche Mitarbeitende in diesem Bereich an vielen Universitäten schwer zu finden sind, können auch Mitarbeitende im Wissenstransfer, in der Wissenschaftskommunikation, im Wissenschaftsmanagement oder Veranstaltungsmanagement Forschende unterstützen. Auch Führungspersonen von Universitäten, Fachbereichen, Instituten und Forschungsgruppen können wichtige Unterstützung bieten.

Unsere Einschätzung zu den benötigten Ressourcen in Bezug auf Zeit und Finanzierung basiert auf unseren Erfahrungen mit den Formaten, Rückmeldungen von Forschenden, Mitarbeitenden in Unterstützungsstrukturen sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung.

Beim Einschätzen der Zeitressourcen beziehen wir uns auf den Nettobetrag der Zeit, die benötigt wird, um das jeweilige Format einmal durchzuführen. Beispielsweise geben wir an, dass das Schreiben eines Policy Blog Beitrags einige Stunden dauert. Zudem sprechen wir von der Nettozeit. Angenommen, Wissenschaftlerin A schreibt in zwei Stunden einen Policy Brief und sendet ihn an ihren Co-Autor (Wissenschaftler B). Wissenschaftler B benötigt ebenfalls zwei Stunden für einige Änderungen, arbeitet jedoch erst nach drei Wochen und zahlreichen Erinnerungen daran. In einem solchen Fall betrug die benötigte Zeit zum Verfassen des Policy Briefs vier Stunden und nicht drei Wochen.

Bezüglich der finanziellen Ressourcen verzichten wir bewusst darauf, konkrete Beträge anzugeben, da sich unser Toolkit an eine transnationale Leserschaft in vielen Ländern richtet. Gehalts- und Kostenstrukturen variieren stark. 5.000 Euro Kosten für die Organisation einer Policy Veranstaltung können in Land A als extrem hohe Kosten gelten, in Land B dagegen nicht. Daher enthalten die Beispiele im Toolkit Informationen über Ressourcen in Bezug auf Zeitaufwand oder Teilnehmerzahl.

 

Das Policy Engagement Toolkit befindet sich noch in der Entwicklung                                                                            

Bitte senden Sie Kommentare zu unseren Kapiteln oder Vorschläge für Format- oder Praxisbeispiele an science-policy@uni-frankfurt.de

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!

Vorbereitung: Schlüsselkonzepte und Akteure im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung

Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung

In Anlehnung an die weit verbreitete Definition der Universität Oxford verstehen wir unter dem Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung einen Oberbegriff, der „die vielfältigen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteure in Politik und Verwaltung in verschiedenen Phasen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse miteinander in Kontakt treten und gemeinsame Interessen erkunden“.

Wir betrachten den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung als einen umfassenderen und wechselseitigen (bidirektionalen) Ansatz gegenüber der traditionellen wissenschaftlichen Beratung. Es umfasst vielfältige Ergebnisse – wie die Mitgestaltung politischer Prozesse, den Aufbau von Netzwerken, gegenseitiges Lernen sowie Praxisimpulse für die akademische Forschung. Der Austausch und kann sowohl über formelle als auch über informelle Kanäle erfolgen.

 

Akteure in Politik und Verwaltung (Policymakers)

Wir definieren Akteure in Politik und Verwaltung im weiteren Sinne als Personen, die an der Analyse, Bewertung, Planung, Ausarbeitung und Umsetzung von Politiken beteiligt sind. Nicht alle Akteure in Politik und Verwaltung sind direkte Entscheidungsträger:innen (wie Politiker oder Leiter von Institutionen).

Unsere weit gefasste Definition umfasst:

  • Gewählte Politiker:innen (z. B. Abgeordnete, Minister:innen, Bürgermeister:innen)
  • Mitarbeitende von Politiker:innen
  • Mitarbeitende in politischen Parteien
  • Beamte und Bedienstete in lokalen, regionalen, nationalen oder EU-Institutionen sowie in internationalen Organisationen

Forschende: Wir definieren Forschende als Personen, die an akademischen Einrichtungen wie Universitäten oder an außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen tätig sind und Grundlagen- oder angewandte Forschung betreiben.

Im Gegensatz zu Expert:innen in Thinktanks oder Beratungsunternehmen gehören die Durchführung praxisnaher Policy-Analysen und der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung in der Regel nicht zu den primären „Kernaufgaben“ Forschender an Universitäten. Ausnahmen können Policy-Analysen von Forschenden aus den Politik-, Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften bilden. Für die meisten Forschenden an akademischen Einrichtungen ist der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung eine zusätzliche Tätigkeit, die sie neben ihren Kernaufgaben wie Forschung, Lehre, akademischer Selbstverwaltung, Begutachtungen und Mitarbeit in wissenschaftlichen Gesellschaften ausüben.

Um den unterschiedlichen Karrierestufen und Kapazitäten Rechnung zu tragen, wenden wir den Europäischen Rahmen für Forschungskarrieren (R1–R4) an:

  • R1 – First-Stage-Researchers: Promovierende oder andere Forschende, die unter Betreuung forschen.
  • R2 – Anerkannte Forschende: Postdoktoranden (oder gleichwertiger Qualifikation), die
  • R3 – Etablierte Forschende: Unabhängige Forschende, die ihre eigenen Forschungsagenden formulieren, Drittmittel einwerben und Forschungsgruppen leiten.
  • R4 – Führende Forschende: Erfahrene Wissenschaftler:innen, die von ihren Peers als Pioniere und Vorreiter:innen in ihrem Forschungsgebiet anerkannt sind

 

Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement (inkl. Wissenstransfer)

Wissenschaftsmanager:innen unterstützen Forschende über den gesamten Forschungszyklus hinweg. Ihr Fachwissen umfasst die Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln, Projektkonzeption und -durchführung, Kommunikation,  Wirkungsanalyse oder der Entwicklung institutioneller Strategien.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Breckon, Jonathan, Sarah Chaytor, Stephen Clarke, Helen Durrant, and Olivia Stevenson (2025), Hidden Talents: Core Competencies of Knowledge Mobilisers Working in Public Policy. London: Capabilities in Academic Policy Engagement (CAPE).

Council of the European Union (2023), Council Recommendation on a European Framework to Attract and Retain Research, Innovation and Entrepreneurial Talents in Europe. Brüssel: Council of the European Union. Zugriff am 10. April 2025.

Hepworth, B. (2025), P is for Policymakers. Transforming Evidence Blog. Zugriff am 10. April 2025.

Reed, Mark S. (2024), The Researcher’s Guide to Influencing Policy. London and New York: Routledge.

Stevenson, Olivia (2019), Translating Research into Policy – Who Are ‚The Policymakers‘? UCL Policy Lab Blog. Zugriff am 05. Mai 2024.

University of Oxford (2024), Policy Engagement: What is Policy Engagement? University of Oxford Policy Engagement Network. Zugriff am 10 April 2024.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum Policy Engagement Toolkit leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

Einfluss, Vertrauen, Vernetzung, Lernen: Die verschiedenen Ziele des Policy Engagements

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Vermeiden Sie die „Impact-Falle“: Direkte Policy-Veränderungen sind selten, haben vielfältige Ursachen und vollziehen sich langsam. Betrachten Sie sie als potenzielles langfristiges Ergebnis und nicht als einzigen Maßstab für Erfolg.
  • Schätzen Sie die Zwischenschritte: Der Aufbau von Sichtbarkeit, Vertrauen und persönlichen Netzwerken sind wichtige Ziele an sich, die die Grundlage für zukünftige Policy-Interaktionen bilden.
  • Policy Engagement ist keine Einbahnstraße: Ein (besseres) Verständnis für Politikgestaltung in Parlamenten und der Exekutive ist ein wichtiges, aber oft übersehenes Ziel des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/ Verwaltung. Policy Engagement kann die akademische Forschung bereichern, indem es Zugang zu Daten oder Interviewpartnern verschafft oder Impulse für mögliche Forschungsfragen oder Hypothesen liefert.
  • Ergebnisoffene Dialoge begrüßen: Die frühzeitige Information von Akteuren in Politik und Verwaltung – selbst mit vorläufigen oder noch nicht endgültigen Ergebnissen – hilft dabei, aufkommende Themen lange vor dem Eintreten von Krisen oder der Verabschiedung von Gesetzen zu thematisieren

 

Warum sind diese Ziele wichtig?

Bevor man sich mit Formaten, Akteuren, Institutionen, bereichsübergreifenden Einrichtungen sowie Lehr- und Lernmethoden befasst, muss jeder Weg des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung mit einer grundlegenden Frage beginnen:

 

Was wollen wir eigentlich erreichen?

In Anlehnung an die weit verbreitete Definition der Universität Oxford verstehen wir Policy Engagement als einen Oberbegriff, der „die vielfältigen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteure in Politik und Verwaltung in verschiedenen Phasen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse miteinander in Verbindung treten und gemeinsame Interessen ausloten“.

Um diesen Austausch angemessen zu planen, mit Ressourcen auszustatten und zu bewerten, müssen sowohl Forschende als auch Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, Transfer oder Kommunikation ihre spezifischen Ziele im Vorfeld klar definieren. In der Praxis führen nicht aufeinander abgestimmte oder unrealistische Erwartungen zu Frustration.

 

Das Spektrum der Ziele des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung

Anstatt das Engagement durch eine „Alles-oder-nichts“-Brille zu betrachten, ist es hilfreich, die Ziele als ein Spektrum zu verstehen, das vom grundlegenden Aufbau von Netzwerken bis hin zur direkten Beeinflussung der Policy reicht:

 

Direkte Policy-Veränderungen: Sehr ehrgeizig und selten sofort erreichbar

Zu sehen, wie Akteure in Politik und Verwaltung die eigenen Empfehlungen aufgreifen, ist das Ziel, an das die meisten Forscher als Erstes denken – und das aus zwei Gründen auch am schwersten zu erreichen ist. Erstens ist politischer Wandel selten auf einen einzelnen wissenschaftlichen Input zurückzuführen: Forschende und wissenschaftliche Einrichtungen, Interessensvertretungen oder Medien beeinflussen politische Entscheidungen. Meist lassen sich politische Entscheidungen nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Zweitens finden politische Veränderungen nicht im luftleeren Raum statt, sondern hängen von mehreren Voraussetzungen ab, die es wert sind, als eigenständige Ziele betrachtet zu werden (siehe unten). Forschende und Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, im Transfer oder in der Kommunikation sollten es vermeiden, politische Veränderungen als einzig legitimes Ziel ihres Engagements zu betrachten; dies führt unweigerlich zu Frustration.

Sichtbarkeit erhöhen, Vertrauen aufbauen und Netzwerke erweitern

Wenn man die Forschenden betrachtet, die in Sachverständigengremien aktiv sind, Auftragsforschung betreiben, zu Fachveranstaltungen eingeladen werden oder an parlamentarischen Anhörungen teilnehmen, fallen immer wieder dieselben Namen auf. Warum? Über ihre akademischen Leistungen hinaus beruht ihr Engagement stark auf (institutioneller) Sichtbarkeit, langjährigem Vertrauen und etablierten persönlichen Netzwerken. Die Steigerung der eigenen Sichtbarkeit und der Aufbau gegenseitigen Vertrauens sind entscheidende Ziele an sich, die Zeit und Kontinuität erfordern. Dies zu erkennen, beugt Frustration vor, wenn man neue Reihen von Policy Briefs startet oder erste Veranstaltungen ausrichtet.

Gegenseitiges Lernen, Verbesserung des Verständnisses für Politikgestaltung und Zugang zu Ideen für die eigene Forschung

Das Verständnis für Politikgestaltung hilft Forschenden dabei, die Relevanz ihrer Ergebnisse zu erklären, Handlungsempfehlungen oder Handlungsoptionen zu formulieren und die richtige Zielgruppe (z.B. Abgeordnete und deren Mitarbeitende, Referentinnen und Referenten in Ministerien) sowie die richtigen Kommunikationskanäle zu identifizieren. Keine Wissenschaftlerin wird über Nacht zur Expertin für Politikgestaltung, und das ist völlig in Ordnung. Zwar sind formelle Dokumente wie Koalitionsverträge, Regierungsstrategien, Parteiprogramme und Policy-Analysen von Thinktanks, NGOs und Verbänden öffentlich zugänglich, doch das implizite, ungeschriebene Wissen darüber, wie Politikgestaltung in der Praxis funktioniert, lässt sich nur durch direkte Gespräche mit Akteuren in Politik und Verwaltung erwerben. Die Förderung eines offenen Dialogs mit Akteuren in Politik und Verwaltung – allein um zu erfahren, wie Politikgestaltung funktioniert – ist daher ein wichtiges Ziel an sich.

Der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung kann auch für die wissenschaftliche Forschung von Nutzen sein. Gespräche mit Akteuren in Politik /Verwaltung können neue Perspektiven aufzeigen, die zu neuen Forschungsfragen oder Hypothesen führen, und den Zugang zu Daten, Interviewpartnern oder Institutionen öffnen, die bereit sind, an Umfragen mitzuwirken.

Ergebnisoffener Austausch mit Politik und Verwaltung

Forschungsergebnisse führen nicht immer zu Policy-Veränderungen. Sie könnten den aktuellen Prioritäten der Regierung widersprechen, oder eine sich rasch verändernde politische Lage könnte Ergebnisse überholen, die noch nicht vollständig fundiert sind (z.B. COVID-19-Pandemie). Forschende können auch zu wichtigen Erkenntnissen gelangen, ohne wirklich sicher zu sein, welche Handlungsempfehlungen sich daraus ergeben. Sollten Forschende in solchen Fällen davon absehen, mit Akteuren in Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten? Ganz sicher nicht. Akteuren in Politik und Verwaltung benötigen Zeit, um ein Verständnis für wichtige Themen zu entwickeln. Je früher sie Zugang zu wissenschaftlicher Expertise haben, desto besser.

 

Quellen und weiterführende Literatur

  • Universität Oxford (2024), Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung. Abgerufen am 10. April 2024.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

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Vier Minuten, die zählen: Der Policy Pitch als Trainingsformat

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Im Rahmen dieser Übung bereiten die Workshop-Teilnehmenden einen vierminütigen „Policy Pitch“ zu ihren eigenen Forschungsthemen vor und erhalten strukturiertes Feedback durch die übrigen Teilnehmenden (Peer-to-Peer-Feeback).
  • Die Übung basiert auf einer zentralen Erkenntnis: Im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung ist nicht entscheidend, wie viel Forschende wissen, sondern wie viel Akteure in Politik/Verwaltung verstehen und im Gedächtnis behalten. Methoden und Forschungsdesign einzelner Forschungsprojekte sind zweitrangig; die Policy-Relevanz der Forschungsergebnisse ist entscheidend.
  • Die Teilnehmenden beenden die Übung mit einem konkreten, erprobten Kommunikationsprodukt, das sie bei zukünftigen Aktivitäten im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung nutzen können.

 

Wie funktioniert das Format?

Forschende sind meist gut darauf vorbereitet, ihre Arbeit vor einem akademischen Publikum zu präsentieren. Die Präsentation vor Akteuren in Politik und Verwaltung erfordert jedoch einen grundlegend anderen Ansatz. Präsentationskompetenzen, die im akademischen Alltag selten explizit vermittelt werden. Diese Übung bietet einen geschützten Raum, um genau diesen Transfer am eigenen Thema zu trainieren.

 

Die Aufgabenestellung

Bereiten Sie eine prägnante, vierminütige Präsentation zu Ihrem Forschungsthema vor. Ziel ist es, Relevanz und Kernaspekte des Themas klar, überzeugend und verständlich zu vermitteln – gegebenenfalls einschließlich konkreter politischer Handlungsoptionen. Stellen Sie komplexe Inhalte anschaulich und praxisnah dar, damit auch Laien die Bedeutung Ihres Themas erfassen können. Die Verwendung von Folien ist erlaubt. Zielgruppe sind Akteure in Politik/Verwaltung.

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Forschende

Schritt 1: Kennen Sie Ihr Publikum
Was weiß Ihr Zielpublikum bereits? Warum ist Ihr Thema für diese Personen relevant? Und welcher konkrete Aspekt wird bei ihnen am ehesten Anklang finden? Ein Thema wie „Fischbestände in der Nordsee“ könnte für ein Umweltministerium aus umweltpolitischen Gründen von Interesse sein, für ein Wirtschaftsministerium aufgrund der ökonomischen Auswirkungen auf Küstengemeinden oder für einen parlamentarischen Ausschuss hinsichtlich der Umsetzung von EU-Vorschriften. Passen Sie Ihre Präsentation entsprechend an und fragen Sie sich: Warum sind die Inhalte der Präsentation für Akteure aus Politik/Verwaltung von Bedeutung?

Schritt 2: Kontext und Relevanz herstellen

Formulieren Sie zwei oder drei Kernbotschaften und betten Sie Ihr Thema in einen breiteren Kontext ein, indem Sie es mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen oder praktischen Anwendungsmöglichkeiten verknüpfen.

Berücksichtigen Sie folgende Leitfragen:

  • Warum ist dieses Thema wichtig?
  • Was sollten Akteure in Politik und Verwaltung in sechs Monaten oder einem Jahr noch im Gedächtnis behalten?
  • Gibt es aktuelle Ereignisse, die mit Ihrem Thema in Verbindung stehen (z. B. Vulkanausbrüche, Havarien)?

Es lohnt sich, sich im Vorfeld über aktuelle Entwicklungen in der Politik zu informieren oder mit Akteuren aus Politik und Verwaltung zu sprechen, um deren Prioritäten und Wissensbedarfe zu verstehen.

Stellen Sie einen Bezug zwischen Ihren Erkenntnissen und konkreten politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen her. Beispiel: „Eine zunehmende Versauerung der Ozeane könnte 100.000 Arbeitsplätze in der Fischerei gefährden.“ Konkrete Zahlen und Beispiele aus der Praxis schaffen eine emotionale Verbindung zum Thema und machen die praktische Relevanz wissenschaftlicher Erkenntnisse greifbar.

Schritt 3: Formulieren Sie Handlungsempfehlungen oder erörtern Sie Handlungsoptionen

Stellen Sie mögliche Vorgehensweisen vor. Zeigen Sie konkrete, umsetzbare Schritte auf und betten Sie diese, soweit möglich, in den aktuellen politischen Kontext ein. Erläutern Sie, warum bestimmte Maßnahmen politisch machbar oder ratsam sein könnten. Führen Sie die Vor- und Nachteile verschiedener Policy-Maßnahmen auf.

Schritt 4: Überprüfen Sie Ihre Präsentation auf klare Struktur, wissenschaftliche Fachsprache, den effektiven Einsatz von Visualisierungen und Dynamik

  • Struktur: Wählen Sie einen aussagekräftigen Titel, der die Relevanz des Themas signalisiert (z. B. „Die Auswirkungen des Klimawandels auf Infrastruktur in Küstengebieten: Warum Handlungsbedarf besteht“); ein starker Einstieg wie eine eindrucksvolle Statistik, die Richtigstellung eines weit verbreiteten Irrtums oder das Potenzial einer neuen Technologie weckt sofort Interesse. Leitfragen strukturieren den Vortrag wirkungsvoll (z. B. „Was passiert, wenn Küstengebiete schrumpfen?“ → „Wie können wir das verhindern?“)
  • Sprache: Vermeiden Sie Fachbegriffe (z. B. „hydronumerische Methoden“) oder erklären Sie diese in einer leicht verständlichen Sprache; achten Sie auf Begriffe, deren Bedeutung im akademischen und im Policy-Kontext unterschiedlich ist (z. B. Signifikanz, Risiko, langfristig/kurzfristig); dies gilt auch für Begriffe, die im Forschungssystem geläufig, Außenstehenden jedoch unbekannt sind (z. B. „Horizon“-Förderung, Sonderforschungsbereiche, PI, Peer-Review); testen Sie Ihre Präsentation vor dem Workshop vor einem Laienpublikum: Sind alle Begriffe wirklich verständlich?
  • Visuelle Elemente: Vermeiden Sie überladene Folien; versehen Sie Abbildungen direkt mit Kernaussagen, anstatt vom Publikum zu erwarten, dass es diese selbst interpretiert; verwenden Sie einheitliche Gestaltungselemente; veranschaulichen Sie Veränderungen im Zeitverlauf oder nutzen Sie Vergleiche, um das Ausmaß greifbar zu machen (z. B. Seegraswiesen im Vergleich zu den CO₂-Emissionen eines Steaks)
  • Vortrag: Vermeiden Sie vage oder ausweichende Formulierungen; sprechen Sie das Publikum gegebenenfalls direkt an (z. B. „Ich möchte Sie daher bitten, Folgendes zu berücksichtigen…“); sprechen Sie mit Energie und Engagement; variieren Sie Ihre Betonung, um Kernpunkte hervorzuheben, halten Sie Augenkontakt, auch wenn Sie von Notizen ablesen, und halten Sie sich strikt an die (vierminütige) Zeitvorgabe
  • Abgrenzung von Fundraising: Das Ziel eines Policy-Pitchs ist es, eine evidenzinformierte Entscheidungsfindung durch wissenschaftliche Expertise zu unterstützen, nicht um Forschungsmittel zu bitten. Wenn Sie Mittel einwerben wollen, machen Sie das von Anfang an transparent. Die Vermischung von Politikberatung und Fundraising schadet der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshopleitungen

Leiten Sie die Übung ein, indem Sie kurz den Unterschied zwischen der Kommunikation mit einem akademischen Publikum und einem Policy-Publikum erläutern. Kommunizieren Sie die Aufgabenstellung, sodass die Teilnehmenden ihre Pitches vor dem Workshop vorbereiten können. Moderieren Sie nach jeder Präsentation ein strukturiertes Peer-Feedback, wobei Sie die oben genannten Leitlinien als Rahmen nutzen. Die Übung eignet sich gut für Gruppen mit sechs bis zwölf Teilnehmenden, mit Feedbackrunden von fünf bis zehn Minuten pro Präsentation. Bei größeren Gruppen ist es sinnvoll, kleinere Untergruppen zu bilden, um Zeit zu sparen und ein persönlicheres Feedback zu ermöglichen, sofern genügend Moderatorinnen oder Moderatoren zur Verfügung stehen.

Forschende

Bereiten Sie auf Grundlage Ihrer eigenen Forschung einen vierminütigen Policy-Pitch vor und wenden Sie dabei die oben genannten Richtlinien an. Geben und erhalten Sie während der Feedbackrunde konstruktives Feedback: Ist die Zielgruppe klar definiert? Sind die Kernbotschaften klar? Gibt es konkrete politische Handlungsoptionen? Ist die Sprache für Laien verständlich?

Akteure in Politik und Verwaltung

Sollten Akteure aus Politik/Verwaltung am Workshop teilnehmen, können diese nach den Präsentationen Feedback aus ihren jeweiligen Praxisperspektiven geben. Ihre Einschätzung dazu, was sie tatsächlich nützlich finden und was sie verwirrend oder nicht überzeugend empfinden, ist in der Regel das einprägsamste und lehrreichste Feedback, das die Teilnehmer erhalten.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Conrad, Paulina; Sielemann, Katharina; Sandevski, Tome (2025), Tipps zur Vorbereitung von Vorträgen und Policy Briefs für den Wissenschafts-Politik-Dialog, https://www.allianz-meeresforschung.de/app/uploads/2025/07/science-policy-dialog-tipps.pdf

Cairney, Paul; Kwiatkowski, Richard (2017), How To Communicate Effectively with Policymakers: Combine Insights from Psychology and Policy Studies, Palgrave Communications 3, 1–8.

 

Das Policy Engagement Toolkit befindet sich noch in der Entwicklung                                                                            

Bitte senden Sie Kommentare zu unseren Kapiteln oder Vorschläge für Format- oder Praxisbeispiele an science-policy@uni-frankfurt.de

 

 

Vier Rollen, fünf Positionen: Wie Forschende auf Anfragen aus der Politik reagieren. Eine Übung für Fortbildungen

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Reflexion der eigenen Rolle: Ob und wie Forschende Handlungsempfehlungen formulieren sollten, ist umstritten. Diese Übung versetzt die Teilnehmenden in die Lage von Forschenden, die über eine konkrete Anfrage entscheiden müssen. Sie basiert auf den vier idealtypischen Rollen von Roger Pielke aus seinem Buch „The Honest Broker“.
  • Trügerische Einfachheit: Das Szenario wirkt auf den ersten Blick simpel, entwickelt in den Kleingruppen jedoch eine hohe Dynamik. Positionen, die zunächst eindeutig erscheinen, erweisen sich in der Diskussion oft als überraschend schwer zu verteidigen.
  • Flexibel einsetzbar: Die Übung dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Sie lässt sich ideal in Schulungen zum Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung integrieren und eignet sich besonders für interdisziplinäre Gruppen.

Wie funktioniert das Format?

Schritt 1 (5–10 Minuten): Einführung

Die Workshop-Leitung stellt das folgende Szenario vor: Die Teilnehmenden des Workshops sind Forschende und Mitglieder einer interdisziplinären Forschungsgruppe zum Thema gesunde Ernährung. Die Forschungsgruppe erhält eine Anfrage vom Büro des Bürgermeisters und muss entscheiden, ob sie diese annehmen soll. Die Workshopleitung stellt die Szenariobeschreibung in gedruckter oder elektronischer Form bereit, und teilt die Teilnehmenden in Gruppen von 3–5 Personen ein.

Schritt 2 (10–25 Minuten): Gruppendiskussion und Rollenzuordnung

Jede Gruppe diskutiert die folgenden Fragen:

  • Welche Position der Forschenden finden Sie am überzeugendsten und warum?
  • Würdet Sie die Anfrage des Büros des Bürgermeisters annehmen? Welche Bedingungen würden Sie gegebenenfalls stellen?

Das Szenario scheint zwar recht einfach zu sein, erweist sich jedoch als komplex, sobald die Teilnehmenden in kleinen Gruppen die verschiedenen Optionen diskutieren. Bitten Sie mindestens eine Person pro Gruppe, Notizen zur Diskussion zu machen und die Antworten der Gruppen in der anschließenden Runde im Plenum vorzustellen.

Schritt 3 (10-20 Minuten): Welche Positionen entsprechen Roger Pielkes Typologie?

Mithilfe eines zweiten Arbeitsblatts ordnen die Gruppen anschließend Pielkes vier Rollen den fünf Forschenden im Szenario zu, indem sie Verbindungslinien ziehen. Die Definitionen aller vier Rollen sind direkt auf dem begleitenden Arbeitsblatt angegeben, sodass keine Vorkenntnisse über Pielkes Buch erforderlich sind. Wichtig ist, dass die Zuordnung nicht eins zu eins erfolgt: Eine einzelne Rolle kann auf mehr als eine Person aus der Forschung zutreffen, und die Position eines Wissenschaftlers oder einer Wissenschaftlerin kann mehr als eine Rolle widerspiegeln. Die Gruppen notieren für jede Zuordnung eine kurze Begründung. Diese Aufgabe führt in der Regel zu den lebhaftesten Diskussionen, da sich einige Forscherpositionen nur schwer eindeutig zuordnen lassen.

Bitten Sie mindestens eine Person pro Gruppe, Notizen zu machen, damit die Diskussion der Gruppe in der anschließenden Plenarsitzung vorgestellt werden kann.

Schritt 4 (10–25 Minuten):

  • Holen Sie alle Teilnehmenden zurück ins Plenum und fragen Sie, ob sie die Anfrage des Büro des Bürgermeisters annehmen würden, per Handzeichen oder mithilfe eines anonymen digitalen Feedbacktools, das bei einer umstrittenen Frage wie dieser in der Regel offenere Antworten ermöglicht.
  • Bitten Sie eine Gruppe zu beginnen und ihre Antworten den anderen mitzuteilen; bitten Sie die übrigen Gruppen, noch nicht angesprochene Aspekte hinzuzufügen.
  • Fragen Sie die Gruppen, bei welcher Zuordnung im Zuordnungsspiel es am schwierigsten war, sich zu einigen, und warum; diese Frage verrät oft mehr über die vier Rollen als das Zuordnungsspiel selbst, da sie die Teilnehmenden dazu zwingt, genau zu formulieren, wo die Position eines Forschers mehrdeutig wird.

Aufgaben und Ressourcen

Workshopleitung

Die Leitung bereitet eine Folie vor, auf der die Übung erläutert wird. Die Leitung stellt gedruckte oder elektronische Kopien beider Arbeitsblätter – des Szenarios und der Zuordnungsübung – zur Verfügung, teilt die Teilnehmenden in Gruppen ein, hat die Zeit während der Gruppendiskussion im Blick und moderiert die abschließende Plenarsitzung.

Forschende und Mitarbeitende aus Wissenschaftsmanagement oder Wissenstransfer

Die Workshop-Teilnehmenden diskutieren in Kleingruppen und ordnen die Positionen der Forschenden im Szenario den vier Rollen nach Pielke zu und begründen jede Zuordnung. Ein Mitglied pro Gruppe präsentiert die Ergebnisse der Gruppe; andere Mitglieder können während der Plenardiskussion gerne ihre eigenen Perspektiven einbringen.

Akteure aus Politik/Verwaltung

Nehmen Akteure in Politik/Verwaltung am Workshop teil, sind sie eingeladen, ihre Sichtweise auf die Anfrage und auf die von den Gruppen vorgeschlagenen Bedingungen darzulegen, einschließlich der Frage, ob solche Bedingungen aus ihrer Sicht realistisch oder akzeptabel wären. Sie können auch allgemein auf ihre Erwartungen hinsichtlich wissenschaftlicher Expertise eingehen.

 

Die Arbeitsblätter sind hier verfügbar  →  V_ov_fourrolefiveresearchers_worksheet_rmu_de

 

Quellen und weiterführende Literatur

Pielke, Roger (2007), The Honest Broker. Making Sense of Science and Politics. Cambridge: Cambridge University Press.

 

Das Policy Engagement Toolkit befindet sich noch in der Entwicklung                                                                            

Bitte senden Sie Kommentare zu unseren Kapiteln oder Vorschläge für Format- oder Praxisbeispiele an science-policy@uni-frankfurt.de

 

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