Skip to main content

Vom Gesetzestext zu Policy-Fragen: Ein Leitfaden für ein interaktives Lehrformat für Jurastudierende und Forschende in den Rechtswissenschaften

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Praxisnahes Format: Dieses Format führt Jurastudierende und Nachwuchsforschende in den Rechtswissenschaften durch zwei kurze, szenariobasierte Übungen, die in eine Spring School eingebettet sind, an das Thema wissenschaftliche Politikberatung heran.
  • Übung 1 (Zeitdruck): Die erste Übung schult die Teilnehmenden darin, unter Zeitdruck schnell Kernaussagen aus wissenschaftlichen und Policy-Publikationen zu extrahieren. Dabei schlüpfen sie in die Rolle von Mitarbeitenden von Abgeordneten, die ein Briefing für denselben Tag vorbereiten.
  • Übung 2 (Rollenreflexion): Die zweite Übung nutzt Roger Pielke Jr.s „Honest Broker“-Modell, um den Teilnehmern zu helfen, kritisch über die verschiedenen Rollen nachzudenken, die Forschende bei der Beratung von Akteuren in Politik und Verwaltung einnehmen können.
  • Überschaubarer Aufwand: Beide Übungen erfordern nur minimale Vorbereitungen sowohl für Lehrende als auch für Teilnehmende, sodass sie sich leicht in bestehende Lehrpläne – juristischer oder anderer Art – integrieren lassen.

Wie hat das Format funktioniert?

Schritt 1: Konzeption und Gestaltung des Lehrplans

Gemeinsam mit Kollegen der Sant’Anna School of Advanced Studies in Pisa und der Universität Basel organisierten die Autoren im Mai 2026 in Pisa die Spring School „Strafrecht und das Anthropozän: Interdisziplinäre Perspektiven und kritische Ansätze“ für Masterstudierende und Promovierende.

Die Spring School umfasste juristische und interdisziplinäre Vorträge, Podiumsdiskussionen sowie Schreibworkshops. Die Organisatoren haben bewusst eine eigene Sitzung zum Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung integriert, und zwar aus zwei wesentlichen Gründen:

  1. Fehlende formale Ausbildung: Obwohl Rechtswissenschaftler:innen häufig Akteure in Politik/Verwaltung beraten, erhalten sie selten eine formale Ausbildung darin, wie sie ihr Fachwissen effektiv vermitteln oder ihre Rolle als wissenschaftliche Berater:innen reflektieren können.
  2. Karrieren in staatlichen Einrichtungen: Viele Jurist:innen streben eine Karriere in staatlichen Einrichtungen an. Bei der Ausarbeitung von Gesetzen zu komplexen Themen wie dem Klimawandel müssen sie auf das Fachwissen von Forschenden aus den Naturwissenschaften zurückgreifen, deren Fachterminologie und Publikationsformate sich erheblich von denen der Rechtswissenschaft unterscheiden. Diese Unterschiede erschweren es beiden Seiten, einander zu verstehen.

Da wir bereits mit dem ENGAGEgreen-Projekt an der Goethe-Universität zusammengearbeitet hatten, wussten wir, dass das Team ein „Policy Engagement Toolkit“ entwickelt hatte, das auch Lehr- und Lernmaterialien umfasste. Wir wandten uns an das ENGAGEgreen-Team und stellten unsere Idee für eine Sitzung zum Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung vor; das Team stellte uns Beschreibungen zweier Übungen zur Verfügung, die wir nutzen konnten.

 

Schritt 2: Durchführung der Veranstaltung zum Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung

Die einstündige Veranstaltung war um zwei praktische Übungen herum aufgebaut, an die sich Plenardiskussionen anschlossen:

  • Übung 1: Bewertung der Verständlichkeit von Publikationen (Die Acht-Minuten-Herausforderung)

Den Teilnehmern wurden die Rollen vielbeschäftigter Mitarbeitender von Abgeordneten zugewiesen, deren Aufgabe es war, einen Abgeordneten über wichtige Policy-Themen (Naturkatastrophen und die Besteuerung von Pestiziden) zu informieren. Unter Zeitdruck hatten die Teilnehmer nur acht Minuten, um vier wissenschaftliche und politikorientierte Publikationen zu überfliegen, Kernaussagen zu extrahieren und deren Lesbarkeit zu beurteilen.

  • Übung 2: Reflexion über das eigene Rollenverständnis (The Honest Broker)

Die Teilnehmenden analysierten ein Szenario, in dem ein interdisziplinäres Forschungsteam zum Thema Ernährung vom Büro eines Bürgermeisters um Policy-Beratung gebeten wurde. In kleinen Gruppen ordneten die Teilnehmenden fiktive Aussagen von Teammitgliedern den idealtypischen Beratungsrollen zu, wie sie in Roger Pielke Jr.s „The Honest Broker“ konzeptualisiert wurden (pure scientist, arbiter, issue advocate und honest broker).

Beide Übungen endeten mit einer interaktiven Plenardiskussion. 20 Studierende und Nachwuchsforschende nahmen an der Veranstaltung teil.

 

Schritt 3: Auswertung und Feedback der Teilnehmenden

Das Feedback der Teilnehmenden fiel sehr positiv aus. Für viele Studierende und Nachwuchsforschende war die Arbeit mit konkreten Szenarien eine neue Erfahrung. Die Veranstaltung erwies sich als äußerst effektive und locker gestaltete Möglichkeit, einen Einstieg in das Thema wissenschaftliche Politikberatung zu ermöglichen. Zwar haben wir keine formale Evaluation durchgeführt, doch die abschließende Diskussion brachte eine produktive Kontroverse zwischen der Wissenschaftlichung der Politik und der Politisierung der Wissenschaft zum Vorschein, einen Gegensatz, den wir bewusst thematisiert hatten. Die Studierenden beteiligten sich aktiv an dieser Diskussion und reflektierten über die Notwendigkeit, als Forschende ein Selbstverständnis für ihre mögliche Rolle als Beratende zu entwickeln und gleichzeitig die Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Politikberatung anzuerkennen. Die Tatsache, dass dieser Raum für Selbstreflexion spontan als Reaktion auf die Beiträge der Teilnehmenden entstand, wurde im Nachhinein positiv aufgenommen.

Die Veranstaltung lässt sich problemlos in juristische Lehrveranstaltungen oder die die Ausbildung von Promovierenden integrieren.

 

Aufgaben und Ressourcen: Kurze Beschreibung der Aufgaben und Ressourcen, die Wissenschaftler, Wissensvermittler/Forschungsmanager und Akteure in Politik und Verwaltung benötigen

Workshop-Moderatoren

Wir benötigten etwa 3–4 Stunden für die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Veranstaltung. Die vom ENGAGEgreen-Projektteam bereitgestellten Unterrichtsmaterialien waren sehr hilfreich und intuitiv anzuwenden.

Teilnehmende Forschende und Studierende

Die Teilnehmenden mussten sich nicht vorbereiten. Sie mussten lediglich einen Laptop mitbringen, um an den beiden Übungen teilzunehmen.

Akteure in Politik und Verwaltung

Da wir diese Veranstaltung zum ersten Mal durchführten, haben wir sie bewusst einfach gehalten: Wir haben keine externen Akteure in Politik/Verwaltung eingeladen, da die Frühjahrsschule in Pisa stattfand, fernab von unseren  Netzwerken in Frankfurt. Im Nachhinein sehen wir jedoch einen klaren Mehrwert darin, zukünftig Akteure aus Politik und Verwaltung einzubeziehen, insbesondere junge Mitarbeitende, die möglicherweise ebenso daran interessiert sind, ihre Bedarfe an wissenschaftlicher Expertise mit Promovierenden und Masterstudierenden zu teilen. Für Einrichtungen, die dieses Format außerhalb ihrer Heimatstadt nachahmen möchten, lautet unser Rat, frühzeitig Kontakt zu Akteuren in Politik/Verwaltung mit Verbindung zu den jeweiligen Einrichtungen aufzunehmen.

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum Policy Engagement Toolkit leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

„Loslegen und weiterlernen!“ Ein Trainingsansatz für die Vermittlung politikberatender Kompetenzen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Praxisorientierte Übungen schlagen Präsentationen: Die Teilnehmer erlangen ein weitaus besseres Verständnis für Politikgestaltung und Transferformate, indem sie aktiv Schlüsseldokumente, Organigramme und Transferkonzepte analysieren, anstatt Vorträge passiv zu verfolgen
  • Kompetenzen vermitteln und dabei Kapazitäten berücksichtigen: Schulungen vermitteln zwar die für einen effektiven Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung erforderlichen Kompetenzen, doch die Kapazitäten – Zeit, Finanzierung, institutioneller Zugang zu Akteuren in Politik/Verwaltung, Unterstützungsstrukturen – bestimmen, ob diese Kompetenzen tatsächlich angewendet werden können. Es existiert keine Einheitslösung: Effektiver Austausch zwischen Wissenschaft/Politik und Verwaltung bedeutet, Transferformate und Kommunikationskanäle auf die Ressourcen und die Motivation der Teilnehmenden abzustimmen.
  • „Loslegen und weiterlernen!“ lautet die Kernbotschaft der Schulungen: Die Teilnehmenden sollten nicht damit warten, mit Akteuren in Politik/Verwaltung in Kontakt zu treten, bis sie selbst zu Policy-Expert:innen geworden sind oder jedes mögliche Transferformat beherrschen; am Ende von Schulungen müssen sie das Selbstvertrauen und die Fähigkeiten haben, um loszulegen, in dem Wissen, dass sie dabei weiterlernen werden.
  • Praxiseinblicke aus Politik/Verwaltung sind unverzichtbar: Es ist von unschätzbarem Wert, wenn Abgeordnete oder deren Mitarbeitende, Vertreter:innen aus Ministerien, nachgeordneten Behörden, EU-Institutionen oder internationalen Organisationen über ihre Aufgaben, Arbeitsabläufe und Wissensbedarfe berichten. Laden Sie daher Akteure aus Politik/Verwaltung nach Möglichkeit zu Schulungen als Gäste aus der Praxis ein.

 

Wie funktioniert das Format?

In den letzten Jahren habe ich 33 Workshops zum Thema wissenschaftliche Politikberatung/Policy Engagement durchgeführt. Die Workshops reichten von 60-minüten Impulsworkshops bis hin zu zweitägigen Intensiv-Retreats. Dank des Feedbacks der Teilnehmenden konnte ich meine Trainingsformate kontinuierlich weiterentwickeln. Vier Erkenntnisse sind mir besonders wichtig:

1.Von folienlastig zu praxisorientiert (das praktizieren, was wir predigen)

In den ersten Workshops war eine immer wiederkehrende Rückmeldung, dass ich zu viele Folien zu schnell durchging. Das war ein Aha-Erlebnis: Während ich Forschenden riet, prägnante Kernbotschaften zu vermitteln, statt Akteure in Politik und Verwaltung mit Wissen zu überhäufen, taten meine eigenen Präsentationen genau das Gegenteil.

Drastische Reduktion der Präsentationsfolien zugunsten aktiver Lehrmethoden. Heute bearbeiten die Teilnehmenden konkrete Übungen (z. B. Lesbarkeitsprüfungen von Policy Briefs, Zielgruppenanalysen, Erstellung von Elevator Pitches oder die Analyse von Organigrammen).

Vorbereitung vor dem Workshop: Optionale Aufgaben vor dem Workshop (Bearbeitungszeit: 15–45 Minuten) helfen den Teilnehmenden, den maximalen Nutzen aus den Workshops zu ziehen.

Ergebnis: Die praktischen Übungen werden durchweg positiv bewertet, da sie den Teilnehmenden helfen, die Bedeutung gezielter Kommunikation und die Rahmenbedingungen, unter denen Akteure in Politik und Verwaltung agieren, zu verstehen. Der Lerneffekt durch praktische Übungen bleibt in der Regel besser im Gedächtnis haften als das Lernen durch Zuhören.

2.Berücksichtigung realer Kapazitäten:

Theoretisch stehen Forschenden viele Möglichkeiten offen, mit Akteuren aus Politik/Verwaltung in Kontakt zu treten. In der Praxis bestimmen jedoch die Kapazitäten – Zeit, Finanzierung, institutioneller Zugang, Unterstützungsstrukturen –, welche davon realistisch sind. Eine Professorin, die sich in einem Sachverständigengremium engagiert, das über Mitarbeitende und ein Budget für Reise- und Veranstaltungsausgaben verfügt und direkten Zugang zu Akteuren in Politik/Verwaltung hat, hat weitaus mehr Optionen als ein Doktorand, der noch keine persönlichen Kontakte zu Akteuren in Politik/Verwaltung hat und Schwierigkeiten hat, die Reisekosten für Veranstaltungen in Berlin oder Brüssel zu decken.

Anstatt nur ein „Einheitsmenü“ für die Formate der Politikberatung vorzustellen, diskutieren wir in meinen Schulungen die strukturellen Hindernisse. Dabei helfe ich den Teilnehmenden, effiziente Formate zu identifizieren, die mit ihren persönlichen Interessen und Ressourcen vereinbar sind.

3.Frühzeitiges Handeln fördern

Ich stelle klar, dass meine Workshops keine wissenschaftlichen Einführungen in die Themen politische Systeme oder Politikberatung sind. Die Teilnehmenden müssen weder zu Expert:innen für Policy-Analysen werden noch jedes Detail der Konzeption von Transferformaten beherrschen.

Die Forschenden benötigen ein ausreichendes Verständnis, um lieber früher als später loszulegen. Sie verlassen meine Workshops mit Checklisten, die aufzeigen, welche Schritte sie als Nächstes angehen können, um bald in einen Austausch mit Akteuren aus Politik/Verwaltung zu treten – im Wissen, dass weiteres Lernen mit der Praxis einhergeht.

4.Einbeziehung von Akteuren aus Politik/Verwaltung

Die Teilnahme von Gästen aus Ministerien, der Europäischen Kommission, internationalen Organisationen oder Parlamenten (in der Regel Mitarbeitende von Abgeordneten) an Abschlusssessions, in denen die Gäste aus der Praxis über ihre Aufgaben, Tagesabläufe und Wissensbedarfe berichten, hat sich als außerordentlich gewinnbringend erwiesen.

Die Teilnehmenden empfinden es durchweg als wertvoll, direkt mit Gästen aus der Praxis die Chancen und Herausforderungen der Politikberatung zu diskutieren. Die beteiligten Akteure in Politik/Verwaltung sind in der Regel sehr nahbar und ermutigen die Teilnehmenden zur proaktiven Kontaktaufnahme. Bei Präsenzveranstaltungen bietet ein gemeinsames Mittagessen zudem Raum für informellen Austausch und Netzwerken.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshopleitung

Während einzelne Workshops zwischen 60 Minuten und zwei Tagen dauern, hat die Entwicklung ihrer Struktur und Inhalte im Laufe der Jahre insgesamt mehrere Monate in Anspruch genommen. Nach jeder Sitzung wertet das Feedback der Teilnehmenden aus und aktualisiert das entsprechende Lehrmaterial, einschließlich Überarbeitungen der Präsentationsfolien. Die Kürzung der Anzahl der Folien fiel mir anfangs schwer, erwies sich jedoch als unerlässlich. Dafür setze ich jetzt vermehrt praktische Übungen ein.

Forscher und Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer als Teilnehmende des Workshops

Die Teilnehmenden werden im Voraus darüber informiert, dass die Workshops praktische Übungen umfassen, darunter auch optionale Vorbereitungsaufgaben. Die meisten schätzen die Übungen und Gruppendiskussionen, die für eine lebhafte Atmosphäre sorgen. Der Zeitaufwand im Workshop liegt je nach Format zwischen zwei Stunden und zwei Tagen.

Akteure in Politik und Verwaltung

Eingeladene Gäste nehmen an einer 1- bis 2-stündigen Fragerunde teil. Bei Präsenz-Workshops schließt sich optional ein gemeinsames Mittagessen oder gemeinsames Abendessen an, um den Austausch mit den Teilnehmenden zu vertiefen.

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum Policy Engagement Toolkit leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

Studentische Praktika

Worum geht es bei diesem Format

Studierendenpraktika sind eine etablierte Form der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und politischen Entscheidungsgremien. Sie eignen sich besonders für Studierende in den höheren Semestern eines Bachelor- oder Masterstudiengangs.

Während eines Praktikums sammeln die Studierenden wertvolle Berufserfahrung und gewinnen Einblicke in die Arbeitsweise der Institutionen von Innen. Sie lernen Organisationsstrukturen, Entscheidungsprozesse, strategische Prioritäten und den Arbeitsalltag kennen.

Praktika bieten zudem die Möglichkeit, berufliche Netzwerke aufzubauen, die ihre zukünftige berufliche Entwicklung fördern können. Für die Gastinstitutionen bieten Praktika die Gelegenheit, vom Fachwissen der Studierenden, ihrem aktuellen akademischen Wissen und neuen Perspektiven auf die von ihnen behandelten politischen Themen zu profitieren.

Die erfolgreiche Durchführung von Praktika erfordert ein aktives Engagement und nachhaltige organisatorische Unterstützung sowohl seitens der Universität als auch seitens der Gastinstitution.

Somit trägt diese Form der Zusammenarbeit zur Institutionalisierung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Politik, zum Ausbau beruflicher Netzwerke über die Forschungsgemeinschaft hinaus sowie zur Etablierung langfristiger Unterstützungsmechanismen bei, die fest in die Arbeitsabläufe sowohl der Universitäten als auch der politischen Entscheidungsgremien eingebettet werden.

So funktioniert es

Die Dauer des Praktikums, dessen Inhalte und die formalen Anforderungen werden in einer Vereinbarung zwischen der Universität und der aufnehmenden Einrichtung festgelegt. In einigen Studiengängen sind Praktika ein obligatorischer Bestandteil des Lehrplans, während sie in anderen als Wahlkomponente angeboten werden, die einen Teil der Lehrveranstaltungen ersetzen oder den Studierenden zusätzliche praktische Erfahrungen vermitteln kann. In beiden Fällen sollten die Universitäten die Studierenden aktiv dazu ermutigen, Praktika in Einrichtungen des öffentlichen Sektors zu absolvieren.

Eine wichtige Aufgabe der für die Organisation und Koordination von Praktika zuständigen Mitarbeitenden besteht darin, geeignete Studierende zu identifizieren und sie der passenden Abteilung oder Einheit innerhalb der aufnehmenden Einrichtung zuzuordnen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Kenntnisse und Fähigkeiten der Studierenden den Anforderungen des Arbeitsumfelds entsprechen und ihnen gleichzeitig relevante praktische Erfahrungen vermittelt werden. Ein möglicher Ansatz zur Auswahl geeigneter Kandidaten besteht darin, dass die aufnehmende Einrichtung das gewünschte Bewerberprofil definiert; anschließend können die Studierenden auf der Grundlage ihres Motivationsschreibens und der im Studium erworbenen Qualifikationen zugeordnet werden.

Vor Beginn des Praktikums müssen mehrere praktische Vorkehrungen getroffen werden. Dazu gehören die Einholung der Genehmigung durch den zuständigen Fachbereich der Universität, die Regelung der Anrechnung des Praktikums auf ECTS-Punkte, sofern zutreffend, der Abschluss einer Vereinbarung zwischen dem Studierenden und der Gastinstitution sowie die Benennung eines oder mehrerer Betreuer, die für die Begleitung des Studierenden während des gesamten Praktikums verantwortlich sind. Neben der Beschreibung der Praktikumsaufgaben kann die Vereinbarung auch die Arbeitszeiten und den Arbeitsort, den Grad der Einbindung des Studierenden in die Aktivitäten der Gastinstitution, Zugangsrechte zu Informationen, internen Systemen und Tools sowie die Bereitstellung der zur Erfüllung der zugewiesenen Aufgaben erforderlichen Ausrüstung festlegen.

Während des Praktikums werden die Studierenden in die täglichen Aktivitäten der Gastinstitution eingebunden und wirken an Aufgaben mit, die sowohl die im Studium erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten als auch die aktuellen Bedürfnisse der Gastorganisation widerspiegeln. Zu Beginn des Praktikums ist es daher wichtig, die Erwartungen abzustimmen, indem geklärt wird, was die Studierenden bereits wissen, was sie während des Praktikums lernen sollen und was die Gastinstitution von ihnen erwartet.

Die Studierenden beginnen in der Regel mit grundlegenden Aufgaben, die dazu dienen, ihre Fähigkeiten einzuschätzen, und gleichzeitig eine Lernmöglichkeit bieten. Mit zunehmender Erfahrung können sie nach und nach komplexere Aufgaben übernehmen und einen wesentlicheren Beitrag zur Arbeit der Gastinstitution leisten. Das Praktikum kann auch die Erbringung eines bestimmten Ergebnisses oder die Durchführung eines Projekts umfassen.

Nach Abschluss des Praktikums sollte eine Bewertung erfolgen. Die Bewertung kann verschiedene Formen annehmen (z. B. eine Beurteilung, ein Feedback-Formular oder einen Bericht), sollte sich jedoch stets darauf konzentrieren, was die Studierenden gelernt haben und welchen Beitrag sie zur Gastinstitution geleistet haben. Die schriftliche Bewertung wird anschließend an den Fachbereich der Studierenden übermittelt, um den Abschluss des Praktikums zu bestätigen und gegebenenfalls die Anrechnung von ECTS-Punkten zu ermöglichen.

 

Herausforderungen (und mögliche Lösungsansätze)

  • Format, Inhalt und erwartete Ergebnisse eines Praktikums müssen an dessen Dauer angepasst werden; ein einwöchiges Praktikum, das in erster Linie der Einarbeitung in die Abläufe der Einrichtung dient, ist anders strukturiert als ein mehrmonatiges Praktikum, bei dem die Studierenden schrittweise in berufliche Tätigkeiten eingebunden werden und zunehmend Verantwortung übernehmen
  • Studierende verfügen möglicherweise über umfangreiches theoretisches Wissen, aber keine Erfahrung in der praktischen Anwendung; klare Aufgabenstellungen, regelmäßiges Feedback und genau definierte Lernergebnisse tragen dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden
  • Bei Studierenden ohne vorherige Berufserfahrung muss ihrer Eingewöhnung in das Arbeitsumfeld ausreichend Aufmerksamkeit gewidmet werden, einschließlich der klaren Definition von Regeln, Erwartungen sowie formellen und informellen Praktiken am Arbeitsplatz
  • Die Durchführung eines Praktikums stellt erhöhte zeitliche Anforderungen an den Betreuenden und andere Mitarbeitende, die an der Begleitung der Studierenden beteiligt sind; daher ist es angebracht, diesen Zeitaufwand bereits bei der Planung des Praktikums zu berücksichtigen und den Aufgabenumfang sowie die Kapazitäten der aufnehmenden Einrichtung entsprechend anzupassen
  • An einigen Universitäten und Einrichtungen werden Praktika eher operativ organisiert, je nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten einzelner Fachbereiche/Einheiten der Gastinstitution oder über die Personalabteilung, die gelegentlich Praktikumsplätze vermittelt. Dies kann zu einem begrenzten Praktikumsangebot und organisatorischen Mängeln bei der Koordination führen. Eine geeignete Lösung ist die Einrichtung eines einheitlichen Praktikumsystems auf Ebene der gesamten Einrichtung, das eine klare Anlaufstelle für die Praktikumskoordination, Verfahren zur Vergabe von Praktika und die Kommunikation mit Hochschulen/Gastinstitutionen festlegt und gleichzeitig den einzelnen Einheiten die Möglichkeit gibt, ihre Bedürfnisse und Kapazitäten selbst zu definieren. Dies ermöglicht eine bessere Vermittlung der Studierenden an relevante Gastabteilungen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Die Studierenden

Die Studierenden sind verpflichtet, sich mit den Bedingungen und Inhalten der Praktika vertraut zu machen und sich mit der Gastinstitution und der Universität über die formalen Anforderungen des Praktikums (z. B. administrative Anforderungen, Anrechnung von ECTS-Punkten, Zeitplan und Umfang des Praktikums) zu einigen.

Während des Praktikums nehmen die Studierenden aktiv an den Tätigkeiten der Gastabteilung teil und erledigen die ihnen übertragenen Aufgaben im vereinbarten Umfang und innerhalb der vereinbarten Fristen. Die Studierenden wenden bei der Bearbeitung der Aufgaben die im Studium erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten an und lernen gleichzeitig neue Abläufe und Arbeitsmethoden in der Praxis kennen. Sie kommunizieren mit ihren Betreuenden, klären regelmäßig das Verständnis der zugewiesenen Aufgaben ab und nutzen das erhaltene Feedback.

Die Studierenden beachten die Regeln und Abläufe der Gastinstitution, einschließlich der Arbeitsabläufe, internen Vorschriften und etwaiger Anforderungen hinsichtlich der Vertraulichkeit von Informationen. Nach Abschluss des Praktikums erfüllen die Studierenden die von der Universität und der Gastinstitution festgelegten Anforderungen für die Anerkennung und den erfolgreichen Abschluss des Praktikums.

Die Betreuenden

Die Betreuenden bieten den Studierenden während des gesamten Praktikums fachliche Anleitung und Unterstützung. Sie weisen den Studierenden Aufgaben zu, die deren Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechen und berücksichtigen dabei den aktuellen Stand des Praktikums, mit dem Ziel, die Selbstständigkeit der Studierenden schrittweise zu fördern. Die Betreuenden überwachen regelmäßig die Erledigung der zugewiesenen Aufgaben, geben den Studierenden Feedback, helfen ihnen, den größeren Zusammenhang ihrer Arbeit zu verstehen und unterstützen die Einbindung in die Abläufe am Arbeitsplatz.

Das Koordinationspersonal

Der zuständige Mitarbeitende auf Seiten der Universität (Personalreferenten, Fachbereichssekretäre/ Assistenten oder anderes Hilfspersonal) ist für die Veröffentlichung des Praktikumsangebots, die Auswahl geeigneter Kandidaten und deren Vermittlung an den entsprechenden Fachbereich oder die entsprechende Abteilung der Gastinstitution verantwortlich und versorgt die Studierenden mit allen notwendigen Informationen bezüglich der Organisation und der Bedingungen des Praktikums und erleichtert gegebenenfalls die Kommunikation mit der Fachbereichsleitung, dem Studierendensekretariat usw.

Der zuständige Mitarbeitende auf Seiten der Gastinstitution fungiert sowohl vor Beginn des Praktikums als auch während dessen Durchführung als Ansprechpartner für die Studierenden und sorgt für die Kommunikation mit der Leitung des jeweiligen Arbeitsplatzes und den ausgewählten Betreuenden, überwacht die Festlegung der Praktikumsbedingungen und kümmert sich um die erforderlichen Unterlagen (Vereinbarung, Bewertungsbogen usw.).

Ein Beispiel

Praktikum einer Bachelor-Studentin des Studiengangs „Sozialwissenschaftliche Analytik“ in der Kontrollabteilung – Referat für Unterstützung und Datenverarbeitung der Regionalverwaltung der Region Olomouc.

Umfang und Organisation des Praktikums

Das Praktikum erstreckte sich über insgesamt 350 Stunden, verteilt auf zwei Semester. Die Studentin war an drei Tagen pro Woche am Arbeitsplatz anwesend. Sie verfügte über einen eigenen Arbeitsplatz im Büro und hatte Zugang zu der erforderlichen technischen Ausstattung, einschließlich eines Computers. Zwei Betreuende waren an der Begleitung des Praktikums beteiligt; die Studentin teilte sich einen Arbeitsplatz mit ihnen, und sie standen ihr mit kontinuierlicher Unterstützung und Anleitung zur Seite. Mit der Studentin wurde eine Praktikumsvereinbarung geschlossen, und nach Abschluss des Praktikums erhielt sie eine Bescheinigung über den erfolgreichen Abschluss des Praktikums sowie eine schriftliche Bewertung des Praktikums.

Fachlicher Schwerpunkt des Praktikums

Der Schwerpunkt der Studentin lag auf der qualitativen Datenanalyse, der Interpretation menschlichen Verhaltens und sozialwissenschaftlichen Perspektiven. Dies unterschied sich von den üblichen Arbeitsschwerpunkten des Unternehmens, das in erster Linie mit strukturierten Daten und deren quantitativer Verarbeitung arbeitet. Während das Unternehmen in der Regel numerische Daten analysiert, brachte die Studentin eine Perspektive ein, die darauf ausgerichtet war, die weiterreichenden Zusammenhänge und Faktoren zu verstehen, die diesen Daten zugrunde liegen. Ihr fachlicher Schwerpunkt ergänzte somit den technisch orientierten Ansatz des Unternehmens um Erkenntnisse aus den Sozialwissenschaften.

Inhalte und Aufgaben des Praktikums

In der ersten Hälfte des Praktikums konzentrierte sich die Praktikantin auf die grundlegende Datenaufbereitung und -bereinigung.

Konkret umfassten ihre Aufgaben:

  • Aufbereitung und Kategorisierung eines Datensatzes zu den Kultur- und Kreativwirtschaftszweigen in der Region
  • Aufbereitung der Liste regionaler Investitionen unter Berücksichtigung des geografischen Standorts der Investitionen für eine spätere Visualisierung auf Karten
  • Grafische Darstellung von Daten: Bearbeitung interaktiver Diagramme und Tabellen, Vereinheitlichung der Terminologie und Sicherstellung der Konsistenz der exportierten Daten
  • Arbeit mit Metadaten für Datensätze auf dem Datenportal; Nutzung von KI zur Erstellung von Datensatzbeschreibungen und Tabellen für offene Datensätze, die auf dem Datenportal veröffentlicht werden

In der zweiten Hälfte des Praktikums arbeitete die Praktikantin an anspruchsvolleren Aufgaben, darunter:

  • Statistische Auswertung von Daten zur Kultur- und Kreativwirtschaft in der Region (z. B. im Zusammenhang mit der Demografie der Gemeinden, Bildung, Beschäftigung usw.)
  • Einarbeitung in räumliche Analysen und Datenvisualisierung mithilfe von Karten in der ArcGIS-Software
  • Identifizierung potenzieller neuer Datensätze, die für die Veröffentlichung als offene Daten geeignet sind, sowie Aufbereitung der Ergebnisse in Form einer Präsentation für das öffentliche Open-Data-Portal

Vorteile der Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit war für beide Seiten von Vorteil. Dank ihres akademischen Schwerpunkts und ihres fachspezifischen Wissens brachte die Studentin einen neuen Ansatz in die Datenarbeit ein, insbesondere im Bereich der qualitativen Analyse mit Berührungspunkten zur Psychometrie und entlastete gleichzeitig die Abteilung erheblich, indem sie bei Routineaufgaben half.

Während des Praktikums erweiterte die Studentin ihre Kenntnisse in der quantitativen Datenverarbeitung, die einen eher technischen Aspekt der Arbeit mit Daten darstellt. Sie lernte, mit verschiedenen Datenformaten umzugehen, diese in eine standardisierte Form zu bringen, um Konsistenz bei der Datenverarbeitung zu gewährleisten, und frei verfügbare Softwaretools zur Datenvisualisierung zu nutzen.

Gleichzeitig stellte das Praktikum für die Studentin ihre erste Berufserfahrung und ihren ersten Einblick in die Arbeitsweise einer öffentlichen Verwaltungseinrichtung dar.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns das gerne mit! Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

 

Vom Workshop zum Policy Pitch: Wie Meeres- und Umweltforschende lernen, ihre Ergebnisse zu präsentieren

Erfahrungen der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) und des Helmholtz-Forums Erde und Umwelt

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Integrierter Kompetenzaufbau: Im ersten Halbjahr 2025 organisierten die Deutsche Allianz Meeresforschung (DAM) und das Helmholtz-Forum Erde und Umwelt zwei Workshops zum Kompetenzaufbau im Bereich des Wissenschaft-Politik-Dialogs. Etwa 40 der rund 50 Teilnehmenden erarbeiteten und präsentierten jeweils vier bis sechs Wochen nach den ersten Workshops einen vierminütigen Policy-Pitch.
  • Strukturiertes Peer-Feedback: Nach jedem Pitch erhielten die Vortragenden Feedback von den übrigen Teilnehmenden sowie vom Moderationsteam. Die meisten hielten sich präzise an die Zeitvorgabe und überzeugten mit gut strukturierten Präsentationen. Die größten Herausforderungen lagen darin, die konkrete Relevanz der eigenen Forschung für Akteure in Politik und Verwaltung aufzuzeigen, Fachbegriffe zu vermeiden und konkrete Handlungsoptionen zu formulieren.
  • Praxistransfer gelungen: Die Übung erwies sich als äußerst wirksames Instrument, um die Workshop-Inhalte direkt in praktische Fähigkeiten zu übersetzen und die Teilnehmenden zielgerichtet auf die künftige Zusammenarbeit mit Akteuren aus Politik und Verwaltung vorzubereiten.

 

Wie funktioniert das Format?

Im Januar und Juni 2025 organisierten die Deutsche Allianz Meeresforschung (DAM) und das Helmholtz-Forum Erde und Umwelt zwei Workshops zum Kompetenzaufbau im Science-Policy-Dialog in Berlin. An beiden Workshops nahmen insgesamt rund 60 Forschende und Mitarbeitende aus dem Wissenstransfer verschiedener Forschungseinrichtungen teil. Jeder Workshop dauerte zwei Tage von Mittag bis Mittag und behandelte Themen wie die Rollen von Akteuren in Politik und Verwaltung, das Verständnis politischer Gestaltungskontexte sowie einen Überblick zu Transferformaten.

Um die Workshop-Inhalte praxisnah anzuwenden, lud das Moderationsteam die Teilnehmenden ein, als Folgeaufgabe einen „Policy Pitch“ vorzubereiten. Der Prozess gliederte sich in vier Schritte.

 

Schritt 1: Vorstellung der Übung
In den letzten 30 Minuten jedes Workshops erläuterte das Moderationsteam die Ziele und den Aufbau der Folgeübung. Die Teilnahme war freiwillig. Die Teilnehmenden wurden gebeten, vier bis sechs Wochen nach dem ersten Workshop einen vierminütigen „Policy Pitch“ zu präsentieren. Es wurden mehrere virtuelle Termine angeboten, und die Teilnehmenden konnten den für sie am besten geeigneten auswählen. Das Moderationsteam verschickte zudem die Anweisungen nach den Workshops an alle Teilnehmenden.

Schritt 2: Die Teilnehmenden bereiten ihre Pitches vor
Zwischen dem Workshop und der Folgeveranstaltung bereiteten die Teilnehmenden ihre Policy-Pitches eigenständig vor. Die Moderatorinnen und Moderatoren standen per E-Mail für Fragen zur Verfügung, allerdings nahm keiner der Teilnehmenden dieses Angebot in Anspruch.

Schritt 3: Durchführung der virtuellen Pitch-Sessions
Die virtuellen Folgesitzungen dauerten zwischen 90 und 120 Minuten. Die Teilnehmenden hielten je einen Policy-Pitch von maximal vier Minuten, gefolgt von Feedback der anderen Teilnehmenden und Rückmeldungen der Moderatorinnen und Moderatoren. Das Peer-to-Peer-Feedback erwies sich als besonders nützlich; die Anmerkungen der Teilnehmenden waren durchdacht und konstruktiv.

Schritt 4: Zusammenfassung und Weitergabe des Feedbacks
Nach den Sitzungen fassten die Moderatorinnen und Moderatoren die wichtigsten Rückmeldungen zusammen und teilten sie allen Teilnehmenden mit. Diese Zusammenfassung bildete die Grundlage für die schriftlichen Leitlinien zur Erstellung von Policy-Pitches und Policy-Briefs, die anschließend auf der DAM-Website veröffentlicht wurden.

 

Was die Übung gezeigt hat: Ergebnisse und häufige Herausforderungen

Von den ursprünglich 50 Workshop-Teilnehmenden präsentierten 42 in den Folgesitzungen einen Policy Pitch: eine hervorragende Beteiligungsquote von 84 Prozent für eine freiwillige Übung!

Was gut funktioniert hat:

  • Die meisten Präsentationen waren gut strukturiert und hielten sich an das Zeitlimit von vier Minuten.
  • Das Peer-to-Peer-Feedback war durchweg konstruktiv und führte zu einer substanziellen Diskussion.
  • Die Teilnehmenden meldeten zurück, dass die Übung ihnen half, das im Workshop Gelernte auf ihre eigene Forschung anzuwenden.

Häufige Herausforderungen:

  • Fachjargon: Mehrere Teilnehmende verwendeten Begriffe, die in ihrem Fachgebiet geläufig sind, ohne zu bedenken, dass diese einem Policy-Publikum unbekannt sein könnten.
  • Policy-Relevanz: Einige Teilnehmende hatten Schwierigkeiten zu erklären, warum ihre Forschung für Akteure in Politik und Verwaltung von Bedeutung war. Hier zeigt sich, dass sich viele Teilnehmende noch an Präsentationen für ein wissenschaftliches Fachpublikum orientierten.
  • Handlungsoptionen: Die Formulierung konkreter Handlungsoptionen auf Grundlage der Forschungsergebnisse war der Aspekt der Übung, der durchweg die größte Herausforderung darstellte.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Moderation

Das Moderationsteam stellte die Übung in der letzten Sitzung des Workshops vor. Das Team legte die Termine für die virtuellen Folgetreffen fest, schickte den Teilnehmern schriftliche Anweisungen zu, moderierte die Präsentations- und Feedbackrunden und erstellte anschließend eine Zusammenfassung der wichtigsten Rückmeldungen, die es den Teilnehmenden zur Verfügung stellte.

Forschende mit Mitarbeitende aus Wissenschaftsmanagement, Wissenstransfer oder Wissenschaftskommunikation (Workshop-Teilnehmer)

Die Teilnehmenden bereiteten zwischen dem ersten Workshop und der Folgesitzung einen vierminütigen Policy-Pitch zu ihrem eigenen Forschungsthema vor, präsentierten diesen in der virtuellen Sitzung und gaben den anderen Teilnehmern Feedback zu deren Pitches.

Akteure in Politik und Verwaltung

Akteure aus Politik und Verwaltung nahmen an den Pitch-Sitzungen in den Ausgaben dieser Übung aus dem Jahr 2025 nicht teil. Sie nahmen jedoch an den einleitenden Workshops teil, in denen sie die Bedeutung prägnanter, verständlicher und politikrelevanter Präsentationen hervorhoben. Zukünftige Ausgaben der Übung könnten davon profitieren, wenn mindestens ein Akteur aus Politik und Verwaltung in die Feedback-Sitzungen einbezogen würde.

Interview: Von den Daten zum Handeln – Ein Einblick in die Bemühungen, „One Health“ in der Politik zu verwirklichen

Interview-Partnerin

Gaia Bertarelli ist außerordentliche Professorin für Sozialstatistik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Ca’ Foscari in Venedig. Ihre Forschung konzentriert sich auf statistische Methoden zur Integration komplexer Daten, darunter Schätzungen für kleine Gebiete, robuste Statistik, Modelle mit latenten Variablen, mehrdimensionale Indikatoren sowie Methoden zur Kombination verschiedener Datenquellen.

Ihre angewandte Forschung befasst sich mit Gesundheitssystemen, sozialen Ungleichheiten, Armut, geschlechtsspezifischen Unterschieden und nachhaltigem Wohlbefinden.

Im Rahmen von PLANET4HEALTH steht ihr Beitrag in engem Zusammenhang mit dem Ziel des Projekts, fragmentierte Umwelt-, Gesundheits- und sozioökonomische Daten in Erkenntnisse umzuwandeln, die gerechtere, zeitnahe und umsetzbare politische Entscheidungen unterstützen können.

 

Fragen

Das Projekt PLANET4HEALTH verfolgt eine wichtige und dringende Mission: Wissenschaft in Politik umzusetzen.

Wie trägt aus Ihrer Sicht an der Universität Ca’ Foscari der Schwerpunkt Ihres Teams auf Datenanalyse, gesundheitliche Ungleichheiten und Klimavulnerabilitäten dazu bei, diese Lücke zu schließen und was ist die größte Herausforderung bei der Umsetzung solch komplexer Umweltrisikodaten in wirksame politische Maßnahmen?

An der Ca’ Foscari besteht unsere Aufgabe darin, komplexe Umwelt- und Gesundheitsdaten in Informationen umzuwandeln, die auf der Ebene, auf der Entscheidungen tatsächlich getroffen werden, aussagekräftig sind. Es reicht nicht aus, festzustellen, dass der Klimawandel oder Umweltverschmutzung die Gesundheit beeinträchtigen. Akteure in Politik und Verwaltung müssen wissen, welche Bevölkerungsgruppen und Gebiete am anfälligsten sind, wie sich die Risiken verteilen und wo eine Maßnahme die größte Wirkung erzielen könnte.

Deshalb kombinieren wir Umwelt-, Klima-, Gesundheits- und sozioökonomische Informationen und nutzen statistische Methoden, mit denen sich Ungleichheiten aufdecken lassen, die in nationalen oder regionalen Durchschnittswerten verborgen sein können. Dies ist besonders wichtig für gefährdete Gruppen und kleinere geografische Gebiete, in denen herkömmliche Indikatoren möglicherweise kein ausreichend detailliertes oder zuverlässiges Bild liefern.

Die größte Herausforderung ist nicht einfach die Datenmenge. Es ist die Heterogenität der Daten: Sie stammen von verschiedenen Institutionen, decken unterschiedliche Zeiträume ab, verwenden unterschiedliche geografische Maßstäbe und weisen unterschiedliche Qualitäts- und Zugänglichkeitsniveaus auf. Wir müssen diese Einschränkungen und Unsicherheiten kommunizieren, ohne die Ergebnisse unbrauchbar zu machen. Gute politische Erkenntnisse müssen wissenschaftlich fundiert sein, aber sie müssen auch interpretierbar, zeitnah und mit realistischen Handlungsoptionen verknüpft sein.

PLANET4HEALTH wurde genau zu diesem Zweck konzipiert, um dieser Fragmentierung entgegenzuwirken und untereinander kompatible Instrumente zu entwickeln, die die Vorsorge und politische Entscheidungen unterstützen können.

 

Ein zentrales Element der „Horizon Europe“-Projekte ist die Steuerung und PLANET4HEALTH legt großen Wert auf einen kontinuierlichen Dialog mit seinem externen Beirat (EAB).

Können Sie ein Beispiel nennen, wie das Feedback des EAB die Entwicklung Ihrer technischen Instrumente und Frühwarnsysteme direkt beeinflusst hat?

Ein wichtiger Beitrag des Externen Beirats bestand darin, uns daran zu erinnern, dass technische Instrumente von Anfang an mit Blick auf ihre Endnutzer konzipiert werden müssen. Ein Frühwarnsystem ist nicht allein deshalb nützlich, weil es eine Vorhersage liefert; es wird dann nützlich, wenn Behörden das Signal verstehen, ihm vertrauen und wissen, welche Maßnahmen es auslösen sollte.

So hat uns das Feedback des EAB beispielsweise bei der Entwicklung unserer digitalen Instrumente und Frühwarnansätze dabei geholfen, den Fokus nicht nur auf die Modellleistung zu legen, sondern auch auf die Interpretierbarkeit, die Vergleichbarkeit zwischen Fallstudien und die Benutzerfreundlichkeit für Entscheidungsträger.

Das bedeutet, Fragen zu berücksichtigen wie: Welche Indikatoren sind für lokale Behörden am relevantesten? Wie sollte Unsicherheit visualisiert werden? Welcher Grad an räumlicher Detailgenauigkeit ist sinnvoll, ohne eine irreführende Präzision zu erzeugen? Und wie können Warnmeldungen mit realisierbaren Vorsorge- oder Präventionsmaßnahmen verknüpft werden?

Dieses Feedback hat uns dazu angeregt, die Plattform nicht als rein wissenschaftliches Ergebnis, sondern als Umfeld zur Entscheidungsunterstützung zu betrachten. Die Tools müssen es den Nutzenden ermöglichen, Daten zu erkunden, Risikofaktoren zu verstehen und mögliche Szenarien zu vergleichen. In diesem Sinne hilft uns der EAB dabei, die Arbeit an den praktischen Anforderungen der Politik auszurichten, anstatt Modelle zu entwickeln, die nur in der Forschungsgemeinschaft verbleiben.

 

Die Auseinandersetzung mit vielfältigen Fallstudien, von der Luftverschmutzung in Südafrika bis hin zur Lebensmittelsicherheit in Mitteleuropa, erfordert einen umfassenden Überblick.

Wie hilft Ihnen das EAB dabei, eine ganzheitliche globale Perspektive zu bewahren und gleichzeitig stark lokal begrenzte Umweltprobleme anzugehen?

Die Vielfalt der Fallstudien ist eine der Stärken von PLANET4HEALTH, stellt aber auch eine methodische und organisatorische Herausforderung dar. Luftverschmutzung in Südafrika, Lebensmittelkontamination in Mitteleuropa, durch Vektoren übertragene Krankheiten und klimabedingtes psychisches Wohlbefinden sind sehr unterschiedliche Themen. Sie betreffen unterschiedliche Datenquellen, Institutionen, Expositionswege und politische Kontexte. Gleichzeitig werfen sie alle eine gemeinsame Frage auf: Wie wirkt sich Umweltzerstörung auf die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen aus und wie können Gesellschaften früher und wirksamer darauf reagieren?

Der EAB hilft uns dabei, diesen gemeinsamen Rahmen aufrechtzuerhalten. Er bringt eine externe Perspektive ein, die nicht auf eine Fallstudie oder eine Disziplin beschränkt ist. Dies ist sehr wertvoll, da es uns dazu anregt, herauszufinden, was kontextübergreifend übertragbar ist: gemeinsame Indikatoren, gemeinsame Grundsätze für die Datenintegration, vergleichbare Ansätze zur Vulnerabilität und gemeinsame Standards für die Kommunikation von Unsicherheiten.

Gleichzeitig trägt das EAB dazu bei, sicherzustellen, dass wir keinen einheitlichen Ansatz für alle Fälle vorschreiben. Der lokale Kontext spielt eine enorme Rolle. Datenverfügbarkeit, institutionelle Kapazitäten, kulturelle Praktiken und politische Prioritäten unterscheiden sich von Ort zu Ort. Die Herausforderung besteht darin, Instrumente und Erkenntnisse zu entwickeln, die allgemein genug sind, um repliziert zu werden, aber flexibel genug, um vor Ort von Bedeutung zu sein. Das EAB unterstützt genau dieses Gleichgewicht zwischen globaler Kohärenz und lokaler Relevanz.

 

Die Politikgestaltung folgt oft anderen Zeitplänen als die wissenschaftliche Forschung.

Welche konkreten Strategien setzt PLANET4HEALTH um, um sicherzustellen, dass lokale und europäische Entscheidungsträger nicht erst am Ende des vierjährigen Zyklus Daten erhalten, sondern während des gesamten Prozesses einbezogen werden?

Wir betrachten die Einbindung als Teil des Forschungsprozesses und nicht als Kommunikationsmaßnahme, die erst nach Abschluss der Forschung beginnt. Die Interessengruppen werden in die Identifizierung von Problemen, die Auswertung verfügbarer Daten, die Definition nützlicher Ergebnisse und die Diskussion darüber einbezogen, wie sich die Instrumente in bestehende Entscheidungsprozesse einbinden lassen.

Bereits im ersten Projektjahr wurden Workshops mit Interessengruppen zum Frühwarnsystem für vektorübertragene Krankheiten, zur Einführung von Instrumenten zur Luftverschmutzungsüberwachung in Südafrika und zu einem Frühwarnsystem für PFAS und andere Schadstoffe in Mitteleuropa organisiert.

Die südafrikanische Fallstudie veranschaulicht den Wert dieses kontinuierlichen Dialogs. Die Forschenden arbeiteten direkt mit Regierungsbehörden zusammen, um deren unmittelbare Anliegen zu verstehen. Eine Diskussion über die Müllabfuhr und eine Rattenplage deckte einen Zusammenhang mit informeller Müllverbrennung und Luftverschmutzung auf. Indem sie sich anhörten, womit die Behörden in der Praxis zu kämpfen hatten, konnten die Forschenden einen konkreten Bereich identifizieren, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse Maßnahmen untermauern konnten und trugen dazu bei, Vertrauen zwischen den Parteien aufzubauen.

Neben lokalen Workshops nutzt das Projekt seinen externen Beirat, Konsortiums Besprechungen, Policy Briefs, Schulungsmaßnahmen und die Zusammenarbeit mit dem übergeordneten „Planetary Health Cluster“, um wiederkehrende Berührungspunkte mit Akteuren aus Politik und Verwaltung zu schaffen. So kann Feedback die Forschung beeinflussen, solange noch Zeit für Anpassungen bleibt.

 

Die Fragmentierung von Daten über verschiedene Institutionen hinweg ist ein bekannter Engpass.

Inwiefern werden die von der Ca’ Foscari und ihren Partnern entwickelten frei zugänglichen digitalen Plattformen und Tools die Behörden in die Lage versetzen, wirklich „proaktive“, statt „reaktive“ Entscheidungen zu treffen?

Ein proaktives System führt Informationen zusammen, die normalerweise getrennt betrachtet werden. Anstatt darauf zu warten, dass Daten zu Sterblichkeit, Erkrankungen oder Kontaminationen offenbaren, dass eine Krise bereits eingetreten ist, können Behörden Umweltbedingungen, Expositionsmuster, gefährdete Bevölkerungsgruppen und sich abzeichnende Trends innerhalb eines integrierten Systems untersuchen.

PLANET4HEALTH zielt darauf ab, bestehende und neue Daten zu sammeln und zu organisieren, miteinander kompatible digitale Prototypen zu entwickeln und Behörden sowie Forschenden frei zugängliche Tools und Forschungsmaterialien zur Verfügung zu stellen. Diese Werkzeuge sollen den Nutzenden helfen, von der Frage „Was ist passiert?“ zu den Fragen „Wo steigt das Risiko, wer ist wahrscheinlich betroffen und welche Maßnahmen können jetzt ergriffen werden?“ überzugehen.

Offener Zugang allein reicht jedoch nicht aus. Daten müssen dokumentiert, verglichen, ethisch verantwortungsvoll verwaltet und in verständlicher Form dargestellt werden. Die Steuerung im Bereich der planetarischen Gesundheit muss zudem Daten zu Tieren, Umwelt und Ernährungssystemen einbeziehen, anstatt sich ausschließlich auf Datensätze zur menschlichen Gesundheit zu stützen.

 

Wenn Sie schließlich auf den Abschluss des Projekts blicken: Wie würde für Sie eine „erfolgreiche politische Wirkung“ aussehen? Was ist das wichtigste Vermächtnis, das PLANET4HEALTH Ihrer Hoffnung nach, im Bereich der weltweiten Gesundheitspolitik hinterlassen wird?

Für mich würde eine erfolgreiche politische Wirkung bedeuten, dass PLANET4HEALTH nicht nur ein Forschungsprojekt bleibt, sondern Teil der Denk- und Handlungsweise von Institutionen im Umgang mit Umwelt- und Gesundheitsrisiken wird. Ein starkes Ergebnis wäre es, wenn unsere Instrumente, Indikatoren und methodischen Ansätze von Behörden genutzt würden, um Prävention, Anpassung und eine stärker integrierte Planung zu unterstützen.

Erfolg würde auch bedeuten, dass das Projekt Akteuren in Politik und Verwaltung hilft, gesundheitliche Ungleichheiten als wesentlichen Bestandteil der Umweltpolitik anzuerkennen. Klima- und Umweltrisiken sind nicht gleichmäßig verteilt und die Politik sollte dies widerspiegeln. Wenn unsere Arbeit Institutionen dabei hilft, gefährdete Gebiete und Bevölkerungsgruppen früher zu identifizieren und gezieltere Maßnahmen zu entwickeln, dann hat das Projekt einen bedeutenden Beitrag geleistet.

Das Vermächtnis, das PLANET4HEALTH hoffentlich hinterlässt, ist ein praktisches Modell für die Steuerung der globalen Gesundheit: interdisziplinär, datengestützt, transparent und handlungsorientiert. Das bedeutet engere Verbindungen zwischen Forschenden, Behörden, Bürgerinnen und Bürgern und anderen Interessengruppen; eine bessere Integration fragmentierter Daten; sowie Instrumente, die dabei helfen, frühe Signale in frühzeitiges Handeln umzusetzen.

Letztendlich geht es nicht nur darum, Wissen zu generieren, sondern dieses Wissen nutzbar zu machen. Wenn PLANET4HEALTH dazu beiträgt, eine „One Health“- und eine planetarische Gesundheitsperspektive in alltäglichen politischen Entscheidungen zu verankern, dann wird seine Wirkung über das formelle Ende des Projekts hinaus anhalten.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Projektübergreifende Zusammenarbeit

Über das Projekt:

PLANET4HEALTH – TRANSLATING SCIENCE INTO POLICY: Ein sektorübergreifender Ansatz zur Anpassung an und Eindämmung der negativen Auswirkungen von durch Vektoren übertragenen Krankheiten, Umweltverschmutzung und Klimawandel auf die planetare Gesundheit; finanziert von der Europäischen Union. Fördervereinbarung Nr. 101136652. (2024–2028)

Das Projekt auf LinkedIn

Stöbern Sie in den Ergebnissen und Veröffentlichungen des Projekts auf der Zenodo-Webseite

Lernen Sie die Partner auf dem YouTube-Kanal kennen

Die „Übrigens, wir brauchen mehr Geld“-Falle: Warum der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung kein Pitch um Fördermittel ist

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Expertise statt Akquise: Bei Science-Policy-Aktivitäten geht es darum, Politik/Verwaltung unabhängige wissenschaftliche Expertise bereitzustellen und nicht darum, Forschungsgelder zu akquirieren. Lobbyarbeit für die Forschungsförderung ist zwar legitim, muss jedoch klar und transparent von der inhaltlichen Beratung getrennt werden.
  • Möglicher Glaubwürdigkeitsverlust: Die Vermischung von Wissenstransfer und Mittelbeschaffung riskiert, die Glaubwürdigkeit von Forschenden gegenüber Akteuren in Politik/Verwaltung zu untergraben – eines der wertvollsten und am schwersten wiederherzustellenden Güter, über die Forschende verfügen.
  • Proaktive Transparenz: Wer Akteure in Politik/Verwaltung konkret zur Ausgestaltung von Förderprogrammen berät, muss bestehende Interessenkonflikte von Anfang an offenlegen.

 

Worum geht es?

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten einen Anruf von Ihrer Versicherun. Die Person am Telefon teilt Ihnen mit, dass neue Studien zu den Themen Feuer-, Hausrat-, Zahnzusatz- und Reiserücktrittsversicherungen gibt, die sie gerne mit Ihnen besprechen möchte. Was ist Ihre erste Reaktion: „Wie aufmerksam, die wissen ja, dass ich mich für Forschung interessiere!“ oder „Die wollen mir etwas verkaufen!“?

Die meisten Menschen würden Letzteres vermuten und meistens hätten sie recht. Forschende, die das Thema Finanzierung bei Treffen oder Veranstaltungen ansprechen, die nicht dafür vorgesehen sind, riskieren genau dieselbe Reaktion bei Akteuren in Politik/Verwaltung. Um das zu vermeiden, müssen Forschende den Austausch mit Politik/Verwaltung klar von der Lobbyarbeit für Fördermittel trennen. Gelingt das nicht, entstehen Probleme:

Verlust der Glaubwürdigkeit. Forschende genießen in der Politik hohes Ansehen. Entsteht der Eindruck, dass das finanzielle Eigeninteresse größer ist als der Wunsch nach inhaltlichem Austausch, kann Vertrauen und damit in der Konsequenz aus der Zugang zu Politik/Verwaltung verloren gehen.

Falsche Erfolgsmaßstäbe: Im Science-Policy-Dialog zählen Fragen wie: Welche Evidenz wurde aufgegriffen? Wie haben Akteure in Politik/Verwaltung den Austausch wahrgenommen? Welche neuen Impulse gab es für die Forschung? Wird die Beratung mit Fundraising verknüpft, verschiebt sich der Fokus auf monetäre Kennzahlen: Wie viele Fördermittel wurde eingeworben? Welchen finanziellen Nutzen hatte die Institution? Dadurch wird der eigentliche Zweck von Policy Engagement entwertet.

Das Werben um Forschungsmittel ist vollkommen legitim und notwendig. Politikgestaltende Institutionen konsultieren bei der Entwicklung neuer Förderprogramme routinemäßig einzelne Forschende, wissenschaftliche Einrichtungen und akademische Verbände – solche Beiträge sind wirklich wertvoll. Forschende und Institutionen können und sollten das Thema Finanzierung gegenüber Akteuren in Politik und Verwaltung ansprechen. Dabei gelten folgende Grundsätze:

  • Seien Sie von Anfang an transparent über Ihre Ziele: Wenn Sie ein Treffen oder eine Veranstaltung organisieren, bei der über Fördermittel gesprochen werden soll, müssen die Akteure in Politik und Verwaltung das vorab wissen. Das unerwartete Ansprechen von Fördermitteln – insbesondere bei einer Veranstaltung mit anderem Zweck – wird wahrscheinlich als unhöflich empfunden und kann den gegenteiligen Effekt haben.
  • Fördermittel nicht als Universallösung verkaufen: Forschende wünschen sich verständlicherweise mehr Ressourcen, aber Akteure in Politik /Verwaltung sind dafür da, politische Probleme zu lösen. Wird eine Veranstaltung organisiert, um zu diskutieren, wie sich der Energieverbrauch in Deutschland senken lässt, sollte die Antwort nicht lauten: „Indem meine Forschungsgruppe mehr Fördermittel erhält.“ Reagieren Forschende auf Wissensbedarfe in Politik/Verwaltung durchweg mit Forderungen nach mehr Mitteln, werden Akteure in Politik/Verwaltung sie eher als Mittelbeschaffer:innen denn als Expert:innen wahrnehmen.
  • Zeigen Sie Fachkompetenz, bevor Sie Anerkennung erwarten: Der Austausch mit Politik/Verwaltung kann dazu führen, dass Forschende als glaubwürdige, gefragte Expert:innen anerkannt werden. Diese Anerkennung muss sich aber erst verdient werden, indem Forschende ihre Expertise kommunizieren. Bekanntheit in der Wissenschaftswelt bedeutet nicht automatisch Bekanntheit in Politik/Verwaltung.

 

Was es zu vermeiden gilt:

  • sich bei Veranstaltungen, bei denen es nicht um Förderpolitik geht, über fehlende Forschungsmittel zu beschweren;
  • sich abfällig über andere Forschungseinrichtungen oder Forschende zu äußern;
  • den Fokus auf Forschungslücken, Ausstattungsbedarf, unbesetzte Stellen und Fachpublikationen zu legen, statt auf den konkreten Beitrag, den die eigene Expertise zu einem Policy-Problem sowie dessen gesellschaftlichem oder wirtschaftlichem Nutzen leisten kann.

 

Beratung zur Förderpolitik: So gehen Sie mit Interessenskonflikten um

Werden Forschende explizit gebeten, an der Ausgestaltung von Förderprogrammen oder Forschungsstrategien mitzuwirken, sollten drei Prinzipien beachtet werden:

Interessenkonflikte proaktiv offenlegen: Forschende sollten klar kommunizieren, inwiefern sie selbst oder ihre Einrichtung von der zur Diskussion stehenden Förderung profitieren würden. Diese Transparenz ist unerlässlich, um die eigene Glaubwürdigkeit zu wahren und sicherzustellen, dass Akteure in Politik und Verwaltung den erhaltenen Rat angemessen einordnen können. Forschende können gleichzeitig die qualifiziertesten Expert:innen zu einem Thema und potenzielle Nutznießer:innen der von ihnen empfohlenen Förderung sein. Diese Doppelrolle ist an sich nicht problematisch – sie muss aber ausdrücklich benannt werden.

Den Fokus auf die Evidenz legen, nicht auf die eigene Förderung: Bei der Beratung zu Förderprioritäten sollten Forschende ihre Empfehlungen an Wissensbedarfen und Forschungslücken orientieren. Akteure in Politik/Verwaltung folgen eher Ratschlägen, die erkennbar am Gemeinwohl statt an (institutionellen) Eigeninteressen ausgerichtet sind.

Eine Vermittlungsinstanz in Betracht ziehen: Sind Interessenkonflikte besonders ausgeprägt, können Forschende erwägen, ihre Empfehlungen über eine dritte Instanz einzubringen – etwa eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, einen akademischen Verband oder einen wissenschaftlichen Beirat –, statt direkt mit Akteuren in Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten.

 

Aufgaben

Forschende

Forschende sollten sich selbst darüber im Klaren sein – und dies gegenüber Akteuren in Politik und Verwaltung transparent machen –, ob es bei einer bestimmten Interaktion um den Austausch mit Politik/Verwaltung oder um Mittelbeschaffung geht. Eine gewisse Überschneidung beider Bereiche ist unvermeidbar, insbesondere bei der Beratung zu Förderprogrammen. In solchen Fällen sollten Forschende Interessenkonflikte proaktiv offenlegen und sicherstellen, dass Akteure in Politik und Verwaltung nicht unerwartet mit einem Gespräch über Fördermittel konfrontiert werden. Eine nützliche Selbstprüfung: Versetzen Sie sich in die Lage einer Person, die ohne Vorwarnung um Geld gebeten wird: Würden Sie es schätzen, so in eine solche Situation gebracht zu werden?

Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

Sie können Forschende unterstützen, indem sie klare institutionelle Richtlinien zur Unterscheidung zwischen Austausch mit Politik/Verwaltung und Mittelbeschaffung formulieren und transparente Verfahren zum Umgang mit Interessenkonflikten festlegen. Bei der Organisation von Policy-Veranstaltungen oder Dialogformaten sollten sie Forschende im Voraus über den Zweck der Veranstaltung informieren – und deutlich machen, dass Mittelbeschaffung bei Veranstaltungen mit anderem Zweck kontraproduktiv ist.

Akteure in Politik und Verwaltung

Wer bemerkt, dass Forschende den Austausch mit Mittelbeschaffung vermischen, sollte sich befugt fühlen, dies direkt anzusprechen. Der Zweck eines Treffens lässt sich von Beginn an klarstellen, und Gespräche, die in Richtung Finanzierung abdriften, können auf ein geeigneteres Forum verwiesen werden.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit wissen oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns dies gerne mit! Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

Was haben wir erreicht? Ein pragmatischer Leitfaden zur Bewertung von Science-Policy-Aktivitäten

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Keine Einheitslösung: Bewertungskriterien müssen auf den Umfang, die Dauer und die Ziele Ihrer konkreten Maßnahmen passen; ein einzelner Vortrag im Rahmen eines Frühstücks erfordert eine andere Bewertung als die Arbeit einer mehrjährigen Expert:innenkommission
  • Planung ist entscheidend: Die Auswirkungen eines Formats lassen sich viel besser erfassen, wenn zuvor strategisch vereinbart wurde, welche Effekte mit dem Format erzielt werden sollen.
  • Wirkungen über Policy-Veränderungen hinaus verstehen: Direkte Gesetzesänderungen sind selten und hängen von vielen Faktoren ab; Prozessindikatoren – wie der Aufbau von Beziehungen, Folgeaktivitäten und gegenseitiges Lernen – sind oft realistischere Maßstäbe.
  • Die richtige Balance aus Ressourcen und Fokus: Bei der Bewertung eines Projekts gibt es nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, doch die Ressourcen sind in der Regel begrenzt; um die Bewertung sinnvoll zu gestalten, ist es am besten, sich auf bestimmte Aspekte oder Fragen zu konzentrieren, die zur Verbesserung der Maßnahmen beitragen und mit Ihren Ressourcen vereinbar sind (z. B. zur Erhebung und Auswertung von Daten)

 

Worum geht es?

Wie können Forschende und Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement oder Wissenstransfer die Wirkungen ihrer Science-Policy-Aktivitäten besser verstehen und einschätzen? Dies ist aus mehreren Gründen entscheidend: um den investierten Zeit- und Finanzaufwand zu rechtfertigen, Rechenschaft gegenüber Mittelgebern abzulegen und – was am wichtigsten ist – zukünftige Maßnahmen gezielt zu verbessern. Zudem hilft eine gründliche Auswertung, die Transferangebote noch besser auf den tatsächlichen Bedarf von Politik und Verwaltung abzustimmen.

Wie bereits im Artikel zu den Zielen von Science-Policy-Aktivitäten beschrieben, müssen mögliche Erfolgsindikatoren den Zielen der jeweiligen Maßnahmen entsprechen. Zudem beeinflussen externe Faktoren wie Regierungswechsel, Ressourcenengpässe oder schlichtes Glück das Ergebnis maßgeblich.

Ein wissenschaftliches Gremium, das über mehrere Jahre hinweg eine vielbeachtete Studie erarbeitet, bewegt sich in einer völlig anderen Realität als ein Forschungsteam, das ein einführendes Lunch-Briefing zu einem Spezialthema veranstaltet. Wirkungsanalyse ist daher keine sture Checkliste, sondern ein flexibles Instrument, das mit der Klärung der eigenen Ziele beginnt.

Mögliche Ziele des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung sind zum Beispiel:

  1. Politischer Wandel: Gestaltung der Art und Weise, wie Herausforderungen definiert, angegangen und bewältigt werden (z. B. Gesetze, Richtlinien),
  2. Sichtbarkeit erhöhen, Vertrauen aufbauen und Netzwerke erweitern
  3. Gegenseitiges Lernen: Einblicke in die Politikgestaltung gewinnen und Anregungen für die eigene Forschung erhalten
  4. Offene Information von Akteuren in Politik und Verwaltung

Vier Ebenen von Wirkungskriterien

Je nach den Zielen und Zielsetzungen des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung sowie den zur Untersuchung verfügbaren Ressourcen lassen sich grob verschiedene Wirkungsebenen identifizieren. Es ist zu beachten, dass die Untersuchung dieser Wirkungen an sich bereits zeitaufwändig sein kann und gegebenenfalls Fachwissen erfordert. Für Forschende und Mitarbeitende im Wissenstransfer kann es daher hilfreich sein, sich nach Möglichkeit mit bereits erfahrenen Forschenden oder Evaluationsexpert:innen zusammenzuschließen.

Stufe 1: Reichweite und Zusammensetzung der Teilnehmenden (Input & Output)

  • Was gemessen wird: Wer hat an Ihrer Aktivität teilgenommen und in welcher Funktion?
  • Schlüsselindikatoren: Anzahl der Teilnehmenden, institutionelle Vielfalt (z. B. Teilnahme von Vertreter:innen aus Ministerien, Parlamenten, NGOs oder Thinktanks) sowie die inhaltliche Passung der Akteure aus Politik und Verwaltung.
  • Wann sollte diese Ebene herangezogen werden: Ideal für erste, kostengünstige Formate (z. B. öffentliche Podiumsdiskussionen, Einführungs-Webinare oder Policy-Frühstücke)

Stufe 2: Interaktionsqualität und Beziehungsaufbau (Prozess)

  • Was gemessen wird: Wurde die Interaktion als wertvoll empfunden und führte sie zu Folgeaktivitäten?
  • Schlüsselindikatoren:
    • Qualitatives/quantitatives Feedback: Umfragen (z. B. über die „Impact Unit Evaluation Platform“ von Wissenschaft im Dialog) oder kurze Nachbesprechungsgespräche, in denen sowohl Forscher als auch Akteure in Politik und Verwaltung gefragt werden, ob die Veranstaltung lohnend und informativ war.
    • Folgeaktivitäten: Anfragen von Akteuren in Politik und Verwaltung nach der Veranstaltung, Organisation gemeinsamer Veranstaltungen, informelle Folgegespräche.
  • Wann sollte es angewendet werden: Unverzichtbar für Workshops, Round Tables und Dialogreihen, die auf den langfristigen Aufbau von Netzwerken abzielen.

Stufe 3: Verweise und Zitierungen in Dokumenten (Aufgreifen der Ergebnisse)

  • Was damit gemessen wird: Haben Ihre Forschungsergebnisse in Policy-Diskussionen oder offiziellen Veröffentlichungen eingeflossen?
  • Schlüsselindikatoren: Akteure in Politik und Verwaltung beziehen sich in Medienerklärungen, Pressemitteilungen oder Reden auf die Ergebnisse oder Empfehlungen einzelner Forschender oder Forschungsgruppen; Zitierungen wissenschaftlicher Publikationen in Policy-Dokumenten wie Strategiepapieren, parlamentarischen Anfragen oder Parteiprogrammen.
  • Tools: Politikzitationsdatenbanken wie Overton, Dimensions oder PlumX erleichtern die Nachverfolgung, wo wissenschaftliche Publikationen zitiert werden.
  • Einschränkung: Die Zitierung in offiziellen Dokumenten deutet auf Sichtbarkeit hin, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Akteure in Politik und Verwaltung ihre Politik ändern. Zu beachten ist zudem, dass die Zitierraten in je nach Fachgebiet stark variieren (z. B. weisen die Bereiche öffentliche Gesundheit und Wirtschaftswissenschaften weitaus höhere Zitierzahlen auf als die Kulturwissenschaften).

Stufe 4: Zurechenbare Policy-Veränderung (direkte Wirkung)

  • Was gemessen wird: Haben wissenschaftliche Erkenntnisse regulatorische Maßnahmen wie Gesetze oder ein Regierungsprogramm direkt beeinflusst?
  • Schlüsselindikatoren: Explizite Aussagen in Gesetzestexten, Parlamentsreden, Pressemitteilungen oder offiziellen Memoiren, die bestätigen, dass wissenschaftliche Beratung eine bestimmte Entscheidung beeinflusst hat.
  • Vorbehalt: Der direkte Nachweis der Kausalität ist selten. Wissenschaftliche Evidenz ist fast immer nur ein Baustein unter vielen politischen Erwägungen. Wer von jeder Maßnahme eine direkte Gesetzesänderung erwartet, setzt unrealistische Erwartungen und Frustration an.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

Forschende können gut aus eigener Perspektive einschätzen, wie sich eine Interaktion angefühlt hat, ob daraus tragfähige Verbindungen entstanden sind und ob sie ihre Forschung vorangebracht hat. Sie sind zudem eine wertvolle Quelle, um die Bedürfnisse oder Herausforderungen von Akteuren in Politik und Verwaltung zu verstehen – etwa anhand gestellter Fragen, geäußerter Bedenken oder kontrovers diskutierter Themen.

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

Sie entwerfen und verteilen in der Regel Feedback-Fragebögen und erfassen über die Zeit Schlüsseldaten wie Teilnehmendenzahl, Downloads oder Folgekontakte zwischen Forschenden und Akteuren in Politik und Verwaltung. Sie können Forschende auch dabei unterstützen, Fälle zu dokumentieren, in denen sich eine politische Veränderung auf ihre Arbeit zurückführen lässt – etwa durch die Beobachtung von Regierungsveröffentlichungen, Abstimmung mit Kommunikationsteams oder Interviews mit Akteuren in Politik und Verwaltung. Auch (Teilnehmenden-)Beobachtungen oder fragebasierte Protokolle helfen dabei, einzelne Interaktionen oder Formate zu dokumentieren und zu bewerten.

Akteure in Politik und Verwaltung

Sie tragen vor allem durch Feedback sowie eigene öffentliche oder schriftliche Stellungnahmen bei. Ihr Input ist am wertvollsten, wenn er direkt und gezielt eingeholt wird – etwa über kurze, strukturierte Fragebögen nach einer Veranstaltung oder kurze Folgegespräche –, statt ihn aus Schweigen oder allgemeinem Wohlwollen abzuleiten.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Impact Unit (2026), Evaluationsplattform, https://evaluationsplattform.impactunit.de/. Zugriff am 20. August 2026.

Neicu, D., Cauchi, J., Otto, J., Lehto, S., & Dantas Faria, J. C. (2020), Monitoring the Impact of Science and Evidence on Policy, in Šucha, V. & Sienkiewicz, M. (eds.), Science for Policy Handbook, Elsevier, S. 152–164. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-822596-7.00014-0

Newson, R., King, L., Rychetnik, L., Milat, A., & Bauman, A. (2018), Looking Both Ways: A Review of Methods for Assessing Research Impacts on Policy and the Policy Utilisation of Research. Health Research Policy and Systems, 16, Article 54. https://doi.org/10.1186/s12961-018-0310-4

Overton (2026), Tracking Research Impact in Policy Documents. [Online Resource]. Zugriff am 14. August 2026..

Reed, M. S. (2022), The Research Impact Handbook: Generating and Assessing Impact from Research. Fast Track Impact.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum Policy Engagement Toolkit leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

Erwartung vs. Realität: Ein Leitfaden für Forschende zum Umgang mit Frustrationen an der Schnittstelle zur Politik und Verwaltung

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Erwartungsmanagement: Etablierung realistischer Erwartungen hinsichtlich des tatsächlichen Wirkungspotenzials der eigenen Expertise und der Transferformate.
  • Prozessverständnis: Verständnis der Funktionsweisen von Gestaltungsprozessen in Politik und Verwaltung als wesentliche Voraussetzung für die Vermeidung von Frustration.
  • Beziehungsaufbau und Kommunikation: Proaktive Interaktion und systematische Kontaktpflege zur Vermeidung von Missverständnissen und zur Schaffung langfristigen Austauschs.
  • Reflexion und Feedback: Regelmäßige Evaluation des eigenen Engagements sowie kontinuierliche Rückkopplung mit Akteuren aus Politik und Verwaltung.

 

Worum geht es?

In Gesprächen mit Forschenden über ihre Erfahrungen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung taucht ein Thema immer wieder auf: Frustration. Im Folgenden habe ich die häufigsten Rückmeldungen zu Frustrationen zusammengefasst und um konkrete Empfehlungen ergänzt, wie Sie diesen begegnen können.

Hinweis: Bei den nachfolgenden Zitaten handelt es sich nicht um Wortprotokolle, sondern um verdichtete Kernaussagen aus Gesprächen und Workshops mit zahlreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

 

  • „Ich sehe keine Wirkung”

Sie haben es schon gehört – vielleicht haben Sie es sogar selbst gesagt: „Ich habe einen 100-seitigen Auftragsbericht für das Ministerium verfasst und deutlich aufgezeigt, dass X ein Problem ist. Und dann ist nichts passiert.“ Oder: „Ich habe über ein Jahr in einem Expertengremium verbracht. Wir haben ein Dutzend fundierter Empfehlungen ausgearbeitet, aber keine davon wurde umgesetzt.“ Oder die mildere, eher resignierte Variante: „Die Akteure in Politik und Verwaltung schienen nicht besonders an meinen Ergebnissen interessiert zu sein. Ich glaube, sie hatten sich bereits eine Meinung gebildet. Daher bin ich mir nicht sicher, warum sie überhaupt gefragt haben.“

 

Was Sie tun können

Realistische Maßstäbe anlegen: Politik und Verwaltung sind in der Regel nicht verpflichtet, wissenschaftlichen Ratschlägen zu folgen. Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen evidenzbasierter und evidenzgestützter Politikgestaltung. Entscheidungsträger unterliegen politischen, finanziellen und rechtlichen Zwängen. Eine wissenschaftliche Empfehlung kann schlüssig sein, politisch jedoch derzeit nicht umsetzbar.

Verzögerte Wirkungen berücksichtigen: „Keine sichtbare Wirkung“ bedeutet nicht „keine Wirkung“. Wissenschaftliche Evidenz zum Rauchen lag bereits in den 1950er Jahren vor. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis politische Maßnahmen folgten. Impact entsteht oft langsam und indirekt und lässt sich selten auf eine einzelne Studie oder einen einzelnen Termin zurückführen.

Politische Zyklen verstehen: Die Wirkung kann oft am Timing scheitern. Eine Regierung beauftragt ein Expertengremium, das Gremium legt zwei Jahre später seinen Bericht vor – nur dass es bis dahin eine neue Regierung gibt, die kein besonderes Interesse an den Ergebnissen hat. Oder es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass vor der Verabschiedung eines Gesetzentwurfs eine Anhörung stattfindet, aber wenn Sie im Saal sitzen, sind die Entscheidungen bereits gefallen. Nichts davon ist persönlich gemeint. Je besser Sie die politischen Gestaltungsprozesse verstehen, desto weniger werden Sie diese Momente als Rückschlag empfinden.

 

(2) „Es wurde genau der eine Satz herausgepickt, der zur eigenen Agenda passte“

Die Frustration entsteht hier nicht durch Ignoranz, sondern durch wahrgenommenes Rosinenpicken (Cherry-Picking): Eine einzelne Zahl oder eine aus dem Kontext gerissene Aussage landet in einer Pressemitteilung, einem Post in sozialen Medien oder einem Strategiepapier. Es entsteht der Eindruck, die eigene Arbeit werde zweckentfremdet.

Was Sie tun können:

  • Botschaften präzise verpacken: Akteure in Politik und Verwaltung lesen Studien nicht wie Forschende; sie suchen nach klaren, verwertbaren Aussagen. Nuancen gehen dabei leicht verloren. Steuern Sie proaktiv entgegen: Verfassen Sie prägnante Zusammenfassungen, benennen Sie unverzichtbare Rahmenbedingungen explizit und bieten Sie eine Kernbotschaft an („Wenn Sie nur ein Fazit zitieren, dann dieses“).
  • Richtigstellungen sachlich einfordern: Wird Ihre Forschung maßgeblich verzerrt dargestellt, suchen Sie das Gespräch oder veröffentlichen Sie eine sachliche Klarstellung, ohne böse Absicht anzunehmen. Oft steckt dahinter kein Kalkül, sondern der Zwang zur extremen Verdichtung.

 

  • „Die Akteure in Politik und Verwaltung verstehen es einfach nicht. Ihnen fehlen sogar die Basiswissen“

Forschende sind oft überrascht, wenn Akteure in Politik und Verwaltung Begriffe oder Konzepte nicht kennen, die aus Sicht der Forschenden zum Grundvokabular gehören: exponentielles Wachstum, die Gesetze der Thermodynamik oder dass „signifikant“ nicht dasselbe ist wie „wichtig“. Der Begriff „kurzfristig“ kann für einen Klimawissenschaftler oder eine Historikerin Jahrzehnte bedeuten, für einen Akteur in Politik und Verwaltung jedoch Tage oder Wochen.

 

Was Sie tun können
Denken Sie daran, dass Akteure in Politik und Verwaltung aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen; manche mögen aus Ihrem Fachgebiet stammen, die meisten jedoch nicht. Interdisziplinäre Forschungsteams brauchen oft Monate, um ein gemeinsames Vokabular unter Forschenden zu entwickeln. Warum sollte das bei Akteuren in Politik und Verwaltung anders sein?

Investieren Sie daher in eine Vereinfachung Ihrer Sprache. Belegen Sie einen Kurs in Wissenschaftskommunikation, bitten Sie Ihre Pressestelle um Rückmeldung oder lassen Sie Ihren Text durch Tools wie den „De-Jargonizer“ oder „Readable.com“ laufen. Sprechen Sie regelmäßig mit Menschen außerhalb Ihres Fachgebiets über Ihre Forschung. Und bitten Sie Akteure in Politik und Verwaltung direkt um ehrliches Feedback dazu, ob die kommunizierten Inhalte verstanden werden.

Noch etwas: Gehen Sie nicht davon aus, dass Akteure in Politik und Verwaltung die Meilensteine Ihres Fachgebiets kennen. Sie haben wahrscheinlich schon von „Nature“ und „Science“, einer Handvoll bekannter Universitäten und Forschenden gehört, die in Medien präsent sind. Das „Journal of xyz Quarterly“ – egal wie renommiert es in Ihrer Welt auch sein mag – sagt den Akteuren in der Praxis wahrscheinlich nichts. Sie kennen wahrscheinlich nicht die großen Namen in Ihrem Fachgebiet, außer diese sind regelmäßig in Medien vertreten. Das Gleiche gilt für das Thema Zeitdruck in Forschungseinrichtungen, die Durchführung von Forschungsprojekten oder die Bedeutung von Begriffen wie „PI“ oder SFB.

 

  • „Sie erwarten das Unmögliche von mir“

Oft besteht eine echte Kluft zwischen den Anforderungen der Akteure in Politik und Verwaltung und dem, was die Forschung tatsächlich liefern kann. Dies zeigt sich auf verschiedene Weise. Erstens klingen manche Fragen für Akteure in Politik und Verwaltung einfach, sind für Forscher jedoch fast unmöglich mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten: „Verursacht ungesunde Ernährung Krebs?“ oder „Senken Steuersenkungen die Arbeitslosigkeit?“ Reale Ergebnisse haben selten nur eine einzige Ursache, und viele Forschungsergebnisse sind mit Unsicherheit behaftet.

Zweitens sind Fragen zu zukünftigen Entwicklungen schwierig zu beantworten: „Wann wird das nächste Extremwetterereignis in Deutschland auftreten?“ oder „Wird China in den nächsten Jahren Taiwan angreifen?“ Die Forschung kann Risiken, Trends und Wahrscheinlichkeiten aufzeigen, aber keine Gewissheit über Ereignisse bieten, die noch nicht eingetreten sind.

Drittens gibt es den Sprung von den Ergebnissen zu den Empfehlungen: „Sie haben festgestellt, dass Menschen, die mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln, gesünder sind als diejenigen, die mit dem Auto fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Welche Handlungsempfehlungen leiten Sie aus diesen Erkenntnissen ab?“ Fundierte Forschung lässt sich nicht immer nahtlos in konkrete Handlungsempfehlungen umsetzen; dieser Schritt erfordert in der Regel Kenntnisse über politische Prioritäten und Abwägungen, die über das hinausgehen, was die Forschungsergebnisse alleine aussagen können.

Viertens verlangen Akteure in Politik und Verwaltung manchmal schnelle Ergebnisse, ohne zu wissen, wie viel Zeit Forschung benötigt: „Können Sie innerhalb der nächsten zwei Wochen die Auswirkungen der Hitzewelle vom letzten Monat auf den öffentlichen Nahverkehr analysieren?“ Eine gründliche Analyse braucht Zeit, und diese Diskrepanz bei den Erwartungen kann zu einer echten Quelle von Frustration auf beiden Seiten werden.

 

Was zu tun ist:
Wenn Ihnen eine solche Frage gestellt wird, erklären Sie klar und deutlich, was Ihre Forschung aussagen kann und was nicht. Sprechen Sie Unsicherheiten ehrlich an und bleiben Sie vor allem geduldig. Akteure in Politik und Verwaltung wollen Sie in der Regel nicht auf die Probe stellen; meistens wissen sie einfach nicht, wie Forschung funktioniert, und eine ruhige, klare Erklärung kann viel bewirken.

 

(5) „Ich verstehe die politischen Fachbegriffe und Abläufe in Praxiseinrichtungen nicht“

Akteure in Politik und Verwaltung beziehen sich auf Gesetze, Gerichtsurteile, wichtige Dokumente oder Ereignisse, von denen Forschende ggf. noch nie gehört haben. Möglicherweise sind Sie mit Akteuren oder Abläufen nicht vertraut, und Akteure in Politik und Verwaltung denken in rechtlichen und wirtschaftlichen Kategorien, die Ihnen als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin vielleicht gar nicht in den Sinn kommen. Selbst gut vorbereitete Forschende können den Faden verlieren, denn vieles, was Akteure wissen, ist implizites Wissen, das man nur in persönlichen Gesprächen erfährt.

Und ja, auch Akteure in Politik und Verwaltung haben ihre eigene Fachsprache. Verbringt man Zeit in Brüssel, versinkt man in Abkürzungen: DG, MFF, GAP, Acquis. Ich saß einmal in einer Sitzung in einem Bundesministerium in Berlin, als jemand sagte: „Während der letzten LP wollte Schmidt, dass sich die Direktion 4 auf … konzentriert.“ Ich brauchte eine Weile, um herauszufinden, dass LP für Legislaturperiode stand, wer Schmidt war und wofür die Direktion 4 eigentlich zuständig war.

 

Was Sie tun können
Sofern die Politikanalyse nicht Ihre Hauptaufgabe ist, ist es völlig normal, sich dabei bisweilen verloren zu fühlen. Sie müssen sich keine Organigramme einprägen, um ein gutes Gespräch mit einem Akteur aus Politik und Verwaltung zu führen. Wenn Sie neu auf diesem Gebiet sind, verschaffen Sie sich vorab einen Überblick, indem Sie wichtige politische Dokumente oder Organigramme überfliegen. Und es ist absolut in Ordnung, zuzugeben, dass Sie neu sind. Stellen Sie immer Fragen. Wenn Sie zu einer Policy-Veranstaltung eingeladen sind, bitten Sie Ihre Gastgeber im Vorfeld um ein Briefing. Der Zugang zu implizitem Wissen erfolgt nur durch persönliche Gespräche. Nutzen Sie daher informelle Einzelgespräche mit Akteuren in Politik und Verwaltung, wann immer sich die Gelegenheit bietet.

 

  • „Termine werden ständig abgesagt – als ob meine Zeit keine Rolle spielen würde“

Kollegen in Brüssel erzählten mir, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Europaabgeordneter seinen Auftritt in einer Podiumsdiskussion zwei Stunden vor Beginn absagt, bei 50:50 liegt. Ein Wissenschaftler erzählte mir, wie er erfuhr, dass ein Minister ein Treffen abgesagt hatte, während er bereits im Zug in Richtung Hauptstadt saß. Das passierte zweimal innerhalb von zwei Monaten. Gleichzeitig werden dieselben Forschenden manchmal gebeten, innerhalb weniger Tage eine gründliche Analyse einer aktuellen Entwicklung zu erstellen.

Akteure in Politik und Verwaltung – insbesondere Abgeordnete und die Leitungsebene in Ministerien – haben es mit Terminplänen zu tun, die durch Ereignisse, die völlig außerhalb ihrer Kontrolle liegen, ständig durcheinandergewirbelt werden können. Und um fair zu sein: Die meisten von ihnen wissen nicht, dass die Terminkalender von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch Verpflichtungen in Forschung, Lehre und Verwaltung eng getaktet sind.

 

Was Sie tun können
Bitten Sie bei der Organisation einer Veranstaltung die Akteure in Politik und Verwaltung stets, einen Ersatz zu benennen, falls sie nicht teilnehmen können. Verfahren Sie bei Einzelgesprächen ebenso. Anstatt vier Stunden in die Vorbereitung eines Treffens mit einem Minister zu investieren, das dann in letzter Minute abgesagt wird. Fragen Sie im Voraus, ob Mitarbeitende im Fall von Absagen einspringen können. Kommunizieren Sie Ihre eigenen Terminbeschränkungen. Bieten Sie virtuelle Treffen als Ausweichmöglichkeit an. Kommunizieren Sie offen, wenn Sie Anfragen zu kurzfristig erreichen.

 

  • „Meine Ansprechpartner wechseln ständig; ich habe das Gefühl, jedes Mal wieder bei Null anfangen zu müssen“

Abgeordnete verlieren ihre Mandate, beenden ihre politischen Karrieren oder wechseln in neue parlamentarische Ausschüsse. Neue Regierungen bringen neue Führungskräfte in die Ministerien. Berufsbeamte wechseln alle paar Jahre ihre Abteilungen. Für Forschende kann es anstrengend sein, Beziehungen immer wieder neu aufbauen zu müssen.

 

Was Sie tun können
Akzeptieren Sie die Fluktuation als strukturelles Merkmal demokratischer Institutionen und nicht als persönlichen Rückschlag. Bauen Sie Beziehungen über das gesamte demokratische, politische Spektrum hinweg auf, auch zu Oppositionsparteien. Pflegen Sie gute Arbeitsbeziehungen zu Mitarbeitenden von Abgeordneten oder Fraktionsreferentinnen und-referenten sowie Mitarbeitenden in Ministerien. Halten Sie Factsheets oder Policy Briefs bereit, die Sie bei Bedarf schnell aktualisieren können.

 

  • „Ich wollte den Entscheidungsträger sprechen; man hat mich mit niederrangigem Personal abgespeist“

Erstens offenbart diese Aussage meist ein weit verbreitetes Missverständnis. Mitarbeitende in Ministerien und Mitarbeitende von Abgeordneten oder in Fraktionen sind kein ‚niederrangiges‘ Personal, sondern meistens diejenigen mit der größten Fachkompetenz zu einem bestimmten Thema – mehr noch als ihre Vorgesetzten – und sie sind es, die wissenschaftliche Erkenntnisse für ihre Vorgesetzten aufbereiten. Zweitens: Wenn ein Entscheidungsträger oder eine Entscheidungsträgerin ein Treffen ablehnt und jemanden anderen schickt, bedeutet das nicht, dass er oder sie kein Interesse hat. Wäre dies der Fall, würde gar keine Vertretung vorgeschlagen werden.

 

Was Sie tun können

Schätzen Sie es, dass Vertretungen vorgeschlagen wurden. Tauschen Sie sich mit den Mitarbeitenden aus, die ihre Vorgesetzten vertreten, und halten Sie den Kontakt zu ihnen aufrecht. Wenn Sie einen Entscheidungsträger zu einer Veranstaltung einladen, seien Sie realistisch, was die Eignung angeht: Passt die Rolle, die Sie anbieten (Redner, Podiumsteilnehmer, stiller Teilnehmer), zu seinen Prioritäten? Handelt es sich um einen 20-minütigen Auftritt oder um ein zweitägiges Engagement? Wo findet die Veranstaltung statt? In Berlin oder einer Landeshauptstadt, im Wahlkreis der angefragten Politikerin oder ganz woanders? Und findet sie während einer Sitzungswoche oder in der Parlamentspause statt? Wenn Sie diese Details richtig einschätzen, erhöhen Sie Ihre Chancen erheblich.

 

  • „Nach dem Austausch herrscht absolute Funkstille“

Noch einmal: Akteure in Politik und Verwaltung sind beschäftigt. Schweigen nach einem Treffen bedeutet nicht Desinteresse.

 

Was Sie tun können
Nehmen Sie selbst Kontakt auf! Melden Sie sich ein paar Wochen oder Monate später und kommunizieren Sie, dass Sie das Gespräch gerne fortsetzen würden, vielleicht haben Sie neue Erkenntnisse oder es gibt eine aktuelle Entwicklung, die Sie diskutieren möchten. Gewöhnen Sie sich an, den Akteuren in Politik und Verwaltung schon beim ersten Treffen mitzuteilen, dass Sie gerne in Kontakt bleiben möchten. Und nehmen Sie es nicht persönlich, wenn es kein Folgegespräch gibt. Die Prioritäten von Akteuren in Politik und Verwaltung können sich ändern, und Terminkalender ermöglichen keine Folgekontakte.

 

  • „Verbände, NGOs Thinktanks oder Medien erhalten mehr Gehör als die Wissenschaft“

Forschende können es bisweilen irritierend oder sogar als beleidigend empfinden, wenn Akteure in Politik und Verwaltung eher das Positionspapier eines Wirtschaftsverbands, eine NGO-Kampagne, die Analyse einer Beratungsfirma oder eine Schlagzeile aus der Boulevardpresse zur Kenntnis nehmen als „ordentliche“ wissenschaftliche Erkenntnisse.

 

Was Sie tun können
Wissenschaftliche Expertise ist eine von mehreren Wissensquellen für Akteure in Politik und Verwaltung, aber nicht unbedingt die wichtigste. Verschiedene Akteure spielen unterschiedliche Rollen im Ökosystem: Thinktanks und Beratungsunternehmen können Policy-Analysen deutlich schneller durchführen, als es akademische Einrichtungen jemals können. Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände haben ein hohes Mobilisierungspotenzial für Kampagnen. Medien haben wiederum eine deutlich höhere Reichweite als wissenschaftliche Publikationen. Verfolgen Sie daher die Stellungnahmen oder Analysen der wichtigsten NGOs, Verbände, Thinktanks oder Medien zu Ihren Themengebieten. Sie können deren Kanäle – etwa Publikationen (Stichwort Gastbeiträge) oder Veranstaltungen – nutzen, um mit Ihrer Expertise Politik und Verwaltung zu erreichen.

 

  • „„Niemand nutzt unsere Transferangebote oder kommt zu unseren Veranstaltungen

Forschende investieren Wochen oder Monate in die Organisation einer Veranstaltung oder in die Entwicklung eines Transferformats, wie beispielsweise Policy-Publikationen, einer interaktiven Website, einer App, einer Simulationsübung, eines Hospitationsprogramms oder einer Experten-Hotline – und die Akteure in Politik und Verwaltung tauchen einfach nicht auf oder nutzen das Angebot letztlich nie.

 

Was Sie tun können

Erstens: Prüfen Sie den Bedarf, bevor Sie etwas entwickeln. Akteure in Politik und Verwaltung werden täglich mit Positionspapieren, Einladungen zu Veranstaltungen und weiteren Informationen überschüttet. Bevor Sie viel Zeit und Geld in die Entwicklung von Apps, Simulationen, Hospitanz Programmen oder interaktiven Portalen investieren, fragen Sie Ihre Zielgruppe, was sie tatsächlich braucht und wie viel Zeit sie zur Verfügung hat. Die frühzeitige Einbindung von Akteuren aus Politik und Verwaltung in den Planungsprozess liefert entscheidendes Feedback zu Inhalt, Umfang und Format.

Zweitens: Geben Sie gezielter Kommunikation den Vorrang vor der Massenkommunikation. Vermeiden Sie allgemeine Massen-E-Mails oder Mailings: Diese werden in der Regel sofort herausgefiltert. Ermitteln Sie relevante Parlamentsausschüsse oder Ministerialabteilungen und passen Sie Ihre Einladung oder Ihr Transferformat direkt an deren aktuelle Agenda an. Erläutern Sie klar und prägnant, welche konkreten Erkenntnisse sie durch die Teilnahme an der Veranstaltung oder die Nutzung des Formats gewinnen. Ein kurzes Folgegespräch per Telefon oder eine persönliche Nachricht kostet zwar Zeit, ist aber weitaus effektiver als Monate damit zu verbringen, eine App zu nutzen, die kein Akteur in Politik und Verwaltung nutzt.

Drittens: Schließen Sie sich mit etablierten Akteuren zusammen. Wenn Ihre Institution noch keine Erfahrung im Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung hat oder keine direkten Kanäle zu Entscheidungsträgern besitzt, arbeiten Sie mit Organisationen zusammen, die bereits eine nachgewiesene Erfolgsbilanz vorweisen (z. B. Forschungsnetzwerke, Thinktanks, NGOs, Stiftungen). Gemeinsame Veranstaltungen oder Formate wie gemeinsam verfasste Policy-Publikationen oder Dialogformate ziehen Akteure aus Politik und Verwaltung in der Regel deutlich effektiver an als eigenständige Initiativen.

 

  • „Ich habe erwähnt, dass ich Fördermittel brauche, und es ist nichts dabei herausgekommen“

Manchmal treten Forscher mit Akteuren in Politik und Verwaltung in Kontakt, teilweise in der Hoffnung, dass sich dadurch Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen, und sind am Ende enttäuscht, wenn diese Finanzierung nicht zustande kommt.

 

Was Sie tun können

Unterscheiden Sie zwischen Policy Engagement bzw. wissenschaftlicher Politikberatung auf der einen und der Akquise von Fördermitteln auf der anderen Seite. Beim Policy Engagement steht der Austausch von Erkenntnissen im Mittelpunkt, nicht die Einwerbung von Fördermitteln.

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren? Möchten Sie Ihre Erfahrungen mit dem Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum Policy Engagement Toolkit leisten? Wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

 

Quellen und weiterführende Literatur:

De-Jargonizer, scienceandpublic.com

Readable, readable.com

Hemingway Editor, hemingwayapp.com

Lloyed, James (2016), „So you want to change Policy? Six steps for academics looking to achieve Policy change“, LSE Blogs, abgerufen am 5. August 2026.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit wissen oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns dies gerne mit! Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

Policy Engagement von Anfang an: Wie sich der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung gezielt in Förderanträge integrieren lässt

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Prüfung der Passung zwischen Forschungsthema, intrinsischer Motivation und Transferkomponenten vor Antragstellung: Abgleich der Forschungs- und Transferziele sowie der eigenen Motivation; halbherzige Transferkonzepte schaffen keinen Mehrwert.
  • Terminologie und Erwartungsmanagement: Genaue Abstimmung auf die Begrifflichkeiten und Vorgaben der Fördereinrichtung (z.B. Transfer, Wirkung, Stakeholder-Einbindung); Abgleich zwischen Förderanforderungen und realistischen Projektkapazitäten.
  • Mehrwert für die Forschung nutzen: Verankerung von Schnittstellenaktivitäten ab Projektbeginn, um Impulse aus Politik und Verwaltung direkt in die Forschungsaktivitäten einzuspeisen.
  • Ressourcen und Evaluation: Realistische Budgetierung von Transfermaßnahmen sowie die Definition aussagekräftiger Indikatoren zur Messung und Steuerung des Engagements.

 

Wo liegt das Problem?

Der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung scheitert meist nicht am fehlenden Interesse der Forschenden, sondern an mangelnden zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Diese Herausforderung kann angegangen werden, indem der Austausch mit Politik/Verwaltung von Beginn an fest in Forschungsprojekten eingeplant wird, anstatt ihn erst gegen Projektende zu berücksichtigen.

Zudem fordern immer mehr Förderorganisationen den Nachweis, dass Forschungsprojekte relevante Stakeholder außerhalb der Wissenschaft einbinden und konkrete gesellschaftliche Wirkung erzielen. Die folgenden Empfehlungen helfen Forschenden dabei, Policy Engagement in Förderanträge zu integrieren.

  • Prüfung der persönlichen Motivation und Ziele: Falls Förderalternativen ohne Transferauflagen zur Verfügung stehen und keine intrinsische Motivation für den Austausch mit Politik und Verwaltung vorhanden ist, ist eine anderweitige Bewerbung meist sinnvoller. Ist der Austausch mit Politik/Verwaltung jedoch eine verpflichtende Anforderung, sollte dieser ebenso ernst genommen wie andere verpflichtende Teil wie etwa der Finanzplan.

Für Unentschlossene hilft ein kurzer Selbsttest. Bewerten Sie die folgenden Szenarien auf einer Skala von 1 („nicht ideal, aber verkraftbar“) bis 10 („absoluter Katastrophenfall“):

Szenario 1: Aus Ihrem Forschungsprojekt geht keine einzige wissenschaftliche Publikation hervor.

Szenario 2: Alle angesprochenen Akteure aus Politik und Verwaltung bewerten Ihre Transferpublikationen oder -veranstaltungen als Zeitverschwendung.

Gewichten Sie Szenario 1 nahe bei 10 und Szenario 2 nahe bei 1, ist ein aktives Policy-Engagement derzeit vermutlich nicht die richtige Wahl. Halbherziges Engagement führt meist zu Alibi-Aktivitäten wie der obligatorische Transferworkshop am Ende des Workshops, die weder dem Projektteam noch den Zielgruppen viel Freude bereiten.

  • Sorgfältige Lektüre der Förderrichtlinien: Förderorganisationen verwenden unterschiedliche Begriffe wie (Wissens-)Transfer, Wissenschaftskommunikation, Stakeholder-Einbindung, Impact, Valorisierung etc. Prüfen Sie in den Ausschreibungsunterlagen genau, welche Begrifflichkeiten verwendet werden, und verwenden Sie diese in Ihrem Antrag. Gutachtende orientieren sich oft streng an den Vorgaben der Ausschreibung. Wenn etwa in den Antragsunterlagen der Begriff Stakeholder-Engagement verwendet wird, nutzen Sie diesen ebenfalls.

 

Orientieren Sie sich an den folgende Fragen:

  • Ist der Austausch mit Politik/Verwaltung verpflichtend oder uptional? (In sehr kompetitiven Ausschreibungen werden „optionale“ Kriterien de facto oft zu Pflichtkriterien.)
  • Sind Politik und Verwaltung die richtige Zielgruppe für Ihr Projekt? Oder wären Zielgruppen wie Unternehmen, Schulen oder Verbände passender?
  • Welche Wirkung hinsichtlich der Transferaktivitäten wird erwartet? Genügt die Publikation von Policy-Briefs, oder werden nachweisbare Veränderungen erwartet?
  • Welche Transferkosten (z. B. externe Moderation, Graphikdesign, Druckkosten, Catering) sind förderfähig?
  • Zögern Sie nicht, bei Fragen die Fördereinrichtungen zu kontaktieren oder Kolleginnen und Kollegen, die bei der jeweiligen Förderorganisation bereits erfolgreich Anträge eingereicht haben.
  • Zeigen Sie den Mehrwert für die eigene Forschung: Wissenstransfer ist keine Einbahnstraße. Der Austausch mit der Praxis eröffnet neue Perspektiven, schärft Hypothesen, erleichtert den Zugang zu Daten und Interviewpartnern und liefert frühzeitiges Feedback.Deshalb ist es unzureichend, Transferpublikationen oder -Veranstaltungen erst in der Schlussphase des Projekts einzuplanen. Zu diesem Zeitpunkt können Rückmeldungen nicht mehr in die Forschung einfließen. Planen Sie bereits für die erste Projekthälfte erste Dialogformate oder die Einbindung von Akteuren aus Politik/Verwaltung in Projektbeiräten ein.
  • Entwicklung spezifischer, kreativer und tragfähiger Formate: Vermeiden Sie es, wissenschaftliche Standard-Outputs als Policy Engagement zu deklarieren.

„Wir werden Akteure in Politik und Verwaltung zu unseren wissenschaftlichen Konferenzen einladen“, „Akteure in Politik und Verwaltung werden unsere wissenschaftlichen Publikationen lesen“ oder „Einige unserer Early Career Researchers werden später Karrieren in Ministerien einschlagen“ sind keine überzeugenden Transferstrategien.

Ihre Transferformate müssen den Bedürfnissen der Akteure in Politik und Verwaltung entsprechen. Seien Sie kreativ: Es gibt weit mehr Möglichkeiten als nur Policy Briefs und Podiumsdiskussionen. Doch wann immer Sie etwas Aufwändigeres planen – eine interaktive Website, ein Dashboard, eine App, eine Simulationsübung, ein Serious Game, einen Podcast, ein Arbeitsheft, eine Experten-Hotline oder ein Hospitationsprogramm –, stellen Sie die Idee den Akteuren in Politik und Verwaltung vor, bevor Sie Fördermittel beantragen. Manche Ideen klingen auf dem Papier großartig, sind für Akteure in Politik und Verwaltung jedoch schlichtweg nicht praktikabel.

Erkundigen Sie sich nach deren Bedürfnissen und gleichen Sie diese mit Ihren Ressourcen und Interessen ab; andernfalls riskieren Sie, Monate in die Entwicklung einer App oder einer Simulationsübung zu investieren, die letztlich von keinem Akteur in Politik und Verwaltung genutzt wird. Wenn Akteure in Politik und Verwaltung von Ihren Transferideen überzeugt sind, bitten Sie diese um ein kurzes Unterstützungsschreiben.

Sprechen Sie über die Akteure in Politik und Verwaltung hinaus auch mit Kolleginnen und Kollegen aus Forschung und Wissenstransfer/-kommunikation, die bereits über Erfahrung im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung verfügen. Legen Sie fest, welche Outputs, Outcomes und Wirkungen Sie anstreben. Prüfen Sie die Erreichbarkeit dieser Ziele. Behauptungen wie „Wir werden an unserer Universität einen zweitägigen Workshop veranstalten, an dem 40 Mitglieder des Bundestags aus ganz Deutschland teilnehmen werden, die daraufhin mehrere Gesetze ändern werden“, sind sehr unwahrscheinlich. Vermeiden Sie daher solche Aussagen. Die Website Policy Engagement Toolkit.eu oder die REF Impact Case Study Database sind gute Anlaufstellen, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Ziele mit verschiedenen Formaten erreicht werden können.

Denken Sie schließlich über Partnerschaften nach – nicht nur mit Akteuren in Politik und Verwaltung, sondern auch mit anderen Forschungseinrichtungen, Thinktanks, NGOs oder Stiftungen –, um eine größere Wirkung zu erzielen und Ressourcen zu bündeln. Anstatt eine eigene Veranstaltung in Berlin oder einer Landeshauptstadt zu organisieren oder eine eigene Policy-Brief-Reihe zu konzipieren, sollten Sie in Erwägung ziehen, bereits bestehende Formate zu nutzen und mit anderen Organisationen zu kooperieren.

 

  • Beantragen Sie ein realistisches Transferbudget: Ein qualitativ hochwertiger Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung erfordert angemessene finanzielle Mittel. Wenden Sie sich bei der Erstellung Ihres Budgets frühzeitig an die Mitarbeitenden Ihrer Kommunikations-, Wissenstransfer- oder Forschungsförderungsabteilung. Planen Sie nach Möglichkeit professionelle Dienstleistungen ein: Moderation, Workshop-Leitung, Grafikdesign, Website- oder App-Entwicklung, Veranstaltungsmanagement oder Fortbildungen bezüglich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Diese Dienstleistungen können kostspielig sein, doch die Erwartung, dass Early Career Researchers spezialisierte Aufgaben ohne vorherige Schulung übernehmen, führt oft zu Verzögerungen und suboptimalen Ergebnissen. Begründen Sie die Kosten: Die Anmietung einer Event Location in Berlin, Brüssel oder einer Landeshauptstadt ist teurer als die Ausrichtung einer Policy-Konferenz an einer 200 Kilometer entfernten Universität, aber möglicherweise ist dies der einzige Weg, vielbeschäftigte Akteure in Politik und Verwaltung zuverlässig zu erreichen.

 

  • Definition aussagekräftiger Indikatoren für Monitoring und Evaluation: Gutachtende erwarten konkrete Konzepte zur Erfolgsmessung. Setzen Sie auf eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Indikatoren (z. B. Feedback-Bögen der Teilnehmenden, Anfragen für Folgeaktivitäten). Zeigen Sie auf, wie Rückmeldungen aus der Praxis fortlaufend ausgewertet werden und in die Projektaktivitäten einfließen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

Bewerten Sie bereits in der frühen Phase der Antragstellung die Kapazitäten des Teams, die Motivation für den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung sowie das Wissen über politische Gestaltungsprozesse. Binden Sie Akteure aus Politik/Verwaltung in Beiräte ein. Wenn möglich, entwerfen und gestalten Sie gemeinsam maßgeschneiderte Formate für die Zusammenarbeit.

 

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

Informieren Sie die Antragstellenden über die Anforderungen verschiedener Förderorganisationen. Stellen Sie den Antragstellenden Leitfäden (wie diesen hier) zur Verfügung. Informieren Sie sie über Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Bieten Sie nach Möglichkeit Unterstützung bei der Vernetzung von Antragstellern mit Akteuren aus Politik/Verwaltung an.

 

Akteure in Politik und Verwaltung

Geben Sie frühzeitig Feedback zu Wissensbedarfen. Schreiben Sie nach Möglichkeit Unterstützungsschreiben; nehmen Sie an Projektbeiräten oder Dialogrunden teil; geben Sie Einblicke in aktuelle politische Arbeitsabläufe und Informationsbedürfnisse; testen und nutzen Sie maßgeschneiderte Policy-Ergebnisse.

 

Quellen und weiterführende Literatur

ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit (2026), abgerufen am 10. August 2026.

REF 2021. Research Excellence Framework (2022), Impact Case Study Database, abgerufen am 10. August 2026.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum „Policy Engagement Toolkit“ leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

Politikgestaltung verstehen: Ein Leitfaden zu wichtigen Informationsquellen – von Newslettern bis hin zum persönlichen Gespräch

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schneller Überblick: Organigramme, Schlüsseldokumente wie Koalitionsverträge oder Strategiepapiere und Policy Publikationen wie Positionspapiere verschaffen Ihnen einen raschen und kostengünstigen Überblick über jedes Politikfeld und möglichen Wissensbedarfen.
  • Sprachgefühl entwickeln: Das regelmäßige Lesen von Schlüsseldokumenten und Policy Publikationen einen nützlichen Nebeneffekt: Sie gewöhnen sich im Laufe der Zeit an die Fachsprache der Politikgestaltung.
  • Zugang zu implizitem Wissen: Persönliche Gespräche und Policy-Events bieten Zugang zu Kontextwissen, das in keinem veröffentlichten Dokument steht. Forschenden sollten sich daher regelmäßig mit Akteuren in Politik/Verwaltung austauschen. Interessenvertretungen tun dies täglich.
  • Geringer Zeitaufwand: Der Aufwand ist überschaubar und lässt sich in Stunden oder wenigen Tagen bewältigen, nicht in Wochen.

 

Was ist das Problem?

Forschende, die noch keine Erfahrung mit dem Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung haben, stellen oft eine grundlegende Frage: Wo fange ich an? Diese Frage ist alles andere als trivial. In der Praxis lässt sich diese Frage in konkrete Teilfragen zerlegen:

  • Wie funktioniert Politikgestaltung? Wie werden Entscheidungen getroffen und umgesetzt?
  • Welche Wissensbedarfe haben Politik/Verwaltung? Wie finde ich heraus, ob mein Fachwissen für Akteure in Politik/Verwaltung relevant ist?
  • Wer sind die richtigen Zielgruppen für meine Expertise?
  • Wie kann ich mit Akteuren aus Politik/Verwaltung in Kontakt treten?
  • Wie kann ich Fachjargon verstehen?
  • Wie kann ich all das zeitsparend erledigen?

Dieser Leitfaden bietet einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Informationsquellen, die bei der Beantwortung dieser Fragen helfen.

 

I. Organigramme

Denken Sie über die Kernthemen Ihrer Forschung nach (z. B. Cybersicherheit, Umwelt, Mobilität oder Gesundheit). Suchen Sie online nach Landes- oder Bundesministerien, Generaldirektionen (DGs) der Europäischen Kommission und internationalen Organisationen, die sich mit diesen Themen befassen. Öffnen Sie die Organigramme auf deren Websites.

Organigramme sind vor allem aus zwei Gründen von unschätzbarem Wert:

Schnelle Orientierung: Sie erhalten einen schnellen Überblick über die Zuständigkeiten der Gremien der Akteure in Politik/Verwaltung. Außerdem helfen sie Ihnen dabei, einzuschätzen, welche Priorität ein Thema hat: Sind beispielsweise mehrere Fachabteilungen mit verschiedenen Aspekten des Themas befasst, oder wird es von einer einzigen Referat neben vielen anderen Themen behandelt?

Identifikation möglicher Ansprechpartner:innen: Sie können genau die Einheiten bzw. Mitarbeitenden identifizieren, die Sie zu Veranstaltungen einladen, um bilaterale Treffen bitten und über Ihre Forschungsergebnisse informieren können.

Tipp: Vergleichen Sie Organigramme verschiedener Landes- und Bundesministerien, Generaldirektionen der Europäischen Kommission und internationaler Organisationen wie der WHO oder der OECD. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Abteilung für ein bereichsübergreifendes Thema (z. B. Umweltbesteuerung oder Cybersicherheit) zuständig ist, prüfen Sie auch Ministerien in verwandten Bereichen.

Lassen Sie sich nicht einschüchtern! Das erste Durchsehen von Organigrammen kann überwältigend wirken, insbesondere bei großen PDF-Dateien. Es ist völlig normal, sich dabei etwas verwirrt zu fühlen.

Parlamente: Werfen Sie einen Blick auf die Übersichten der parlamentarischen Ausschüsse. Diese spiegeln bei den Landesparlamenten und dem Bundestag meist die Zuschnitte der jeweiligen Ministerien wider.

 

II. Schlüsseldokumente

Schlüsseldokumente bieten Überblicke zu den Zielen, Prioritäten und geplanten Maßnahmen von Regierungen, politischen Parteien, EU-Einrichtungen und internationalen Organisationen. Dazu gehören:

  • Parteiprogramme / Wahlprogramme
  • Koalitionsverträge auf Landes- und Bundesebene
  • Strategien, Aktionspläne und Fahrpläne (z. B. High Tech Agenda Deutschland; Nationale Demenzstrategie; Hessische Klimaanpassungsstrategie; EU-Biodiversitätsstrategie für 2030; Globale Strategie der WHO für digitale Gesundheit 2020–2027)
  • Gesetze und Gesetzesentwürfe
  • Weitere offizielle Publikationen wie Analysen/Evaluationen, die auf den Websites der Institutionen veröffentlicht werden
  • Ausschreibungen für Studien oder Konsultationsverfahren (z. B. EU-Portal „Have Your Say“)

Bitte berücksichtigen: Nicht jede in einem Koalitionsvertrag, einem Strategiepapier oder einem Gesetzestext dargelegte Maßnahme wird 1:1 umgesetzt. Politische Prioritäten können sich schnell verschieben, insbesondere in Krisenzeiten (z. B. während der COVID-19-Pandemie oder des russischen Angriffs auf die Ukraine). Schlüsseldokumente bieten eine schnelle Orientierung.

 

III. Policy-Analysen und Positionspapiere von Thinktanks, NGOs und Verbänden

Wissenschaftliche Forschung ist nicht die einzige Quelle externer Informationen für Akteure in Politik/Verwaltung. Thinktanks, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Branchenverbände und Stiftungen veröffentlichen regelmäßig Policy-Analysen und Positionspapiere.

Das Lesen dieser Publikationen hilft Ihnen, politische Entwicklungen zu analysieren und die Forderungen verschiedener Interessensgruppen zu verstehen. Es lohnt sich auf jeden Fall, die wichtigsten Interessensgruppen in Ihrem Fachgebiet zu kennen. Wenn sich Ihre Forschung mit Umweltfragen befasst, sollten Sie regelmäßig Veröffentlichungen von Wirtschaftsverbänden, Umwelt-NGOs und spezialisierten Thinktanks durchsehen. Sie können diese Organisationen ganz einfach mithilfe von Suchmaschinen oder KI-Tools erfassen.

 

IV. Newsletter, Pressemitteilungen und soziale Medien

Abonnieren Sie offizielle Newsletter und Pressemitteilungen und folgen Sie relevanten Akteuren in Politik/Verwaltung sowie wichtigen Interessengruppen in den sozialen Medien. Diese Kanäle liefern zeitnahe Informationen zu aktuellen Entwicklungen und bevorstehenden Policy-Ereignissen.

Empfehlungen für Accounts?

  • Politische Parteien
  • Abgeordnete: Konzentrieren Sie sich auf themenpolitische Sprecher:innen oder Ausschussvorsitzende. Folgen Sie darüber hinaus stets den Abgeordneten, die den Wahlkreis vertreten, in dem sich Ihre Forschungseinrichtung befindet.
  • Öffentliche Einrichtungen: Stadtverwaltungen, Landes- und Bundeseinrichtungen; je nach Forschungsinteressen abonnieren Sie auch Newsletter der Generaldirektionen der Europäischen Kommission und internationaler Organisationen.
  • Wichtige Interessengruppen: Renommierte Thinktanks, Branchenverbände, Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen, die in Ihrem Fachgebiet tätig sind (z. B. Biodiversität, Cybersicherheit, Gesundheit).

 

V. Medien und spezialisierte Nachrichtendienste

Am Thema Politikberatung interessierte Forschende sollten die Medienberichterstattung zu ihren Themengebieten verfolgen. Universitätsbibliotheken verfügen über institutionelle Abonnements großer Printmedien und bieten meist Datenbanken wie Nexis an, die die Recherche in unzähligen Printmedien ermöglichen. Spezialisierte Anbieter wie Table Media, Tagesspiegel Background, Politico Pro oder Euractiv bieten Hintergrundberichte zu verschiedenen Themen, die auch in Ministerien, Parlamenten und Verbänden rege genutzt werden. Die Angebote sind teilweise sehr kostspielig und auch umfangreich. Ich empfehle daher Forschenden, verschiedene Anbieter über Probeabonnements zu testen und dann zu entscheiden, ob sich Abonnements lohnen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Universitätsbibliothek, auf welche Abonnements, Nachrichtendienste oder Mediendatenbanken (z. B. Nexis Uni) Sie im Rahmen von institutionellen Lizenzen kostenlos zugreifen können.

 

VI. Policy-Veranstaltungen und persönliche Gespräche

Insbesondere in Berlin, Brüssel und auch in Landeshauptstädten finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die Akteure aus Politik/Verwaltung, Forschende sowie Expert:innen aus Thinktanks und der Zivilgesellschaft zusammenkommen.

Die Teilnahme an Policy-Veranstaltungen ist aus zwei Gründen entscheidend:

  • Direkte Vernetzung: Sie können sich im informellen Rahmen direkt mit Akteuren aus Politik/Verwaltung austauschen. Bereiten Sie im Voraus einen prägnanten „Elevator Pitch“ vor. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, nach einem gehaltvollen Gespräch Kontaktdaten auszutauschen und bleiben Sie nach dem Gespräch im Kontakt! Das Knüpfen von Kontakten bei Veranstaltungen und das Nachfassen einige Wochen später ist oft weitaus zeit- und kosteneffizienter als die Organisation eigener Einzelveranstaltungen ohne bestehende politische Netzwerke.
  • Zugang zu implizitem Wissen: Öffentliche Dokumente, Newsletter und Pressemitteilungen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Akteure in Politik und Verwaltung verfügen über umfangreiches implizites und kontextbezogenes Wissen, das nur über informelle Gespräche zugänglich ist.

Seien Sie nicht schüchtern: Es ist völlig in Ordnung, Akteure in Politik/Verwaltung anhand von Organigrammen zu identifizieren, sie direkt zu kontaktieren und um ein kurzes persönliches oder virtuelles Kennenlerngespräch zu bitten. Lobbyisten und Interessenverbände tun dies ständig. Forschende sind in dieser Hinsicht häufig zu schüchtern.

 

VII. Kanäle der Erwachsenenbildung und wissenschaftliche Publikationen

Die verschiedenen Formate der Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung bieten ein umfangreiches Angebot an Handbüchern, Dossiers, Factsheets, Infographiken, Podcasts und Erklärvideos zur Funktionsweise von kommunalen Einrichtungen, Parlamenten, Ministerien, EU-Institutionen und internationalen Organisationen. Diese sind didaktisch sehr gut aufbereitet und frei über die Webseiten verfügbar.

Zahlreiche wissenschaftliche Handbücher und Lehrbücher, die meist über Universitätsbibliotheken zugänglich sind, erläutern die Funktionsweise politischer Institutionen auf kommunaler, Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Einen guten Einstieg bieten auch sektorspezifische Darstellungen zu Themen wie Energie-, Gesundheits- oder Bildungspolitik.

 

Diese vorgestellten Informationsmöglichkeiten mögen zunächst zeitaufwendig erscheinen, ermöglichen Forschenden jedoch eine adressatengerechte Kommunikation ihrer Expertise. Die regelmäßige Lektüre von Schüsseldokumenten und Policy-Analysen hat einen weiteren großen Vorteil: Sie hilft Forschern, sich mit der Sprache in Politik/Verwaltung vertraut zu machen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

  • Nehmen Sie sich nach Möglichkeit regelmäßig Zeit, um relevante Newsletter zu lesen und wichtige Dokumente sowie Policy-Veröffentlichungen zu überfliegen.
  • Wählen Sie eine Handvoll Institutionen, Ausschüsse oder einzelne Akteure in Politik/Verwaltung aus, denen Sie regelmäßig verfolgen, anstatt zu versuchen, alles im Blick zu behalten.
  • Nehmen Sie an Policy-Veranstaltungen teil, bereiten Sie einen kurzen Elevator Pitch vor, knüpfen Sie Kontakte und halten Sie diese nach.

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

  • Stellen Sie relevante Newsletter, wichtige Dokumente und Veranstaltungsinformationen zusammen und teilen Sie diese mit den Forschenden an Ihren Einrichtungen.
  • Helfen Sie Forschenden, die richtigen Zielgruppen für ihre Expertise zu identifizieren.
  • Ermöglichen Sie den Zugang zu Fachmedien und Informationsdiensten, beispielsweise durch Abonnements auf Einrichtungsebene.

Akteure in Politik und Verwaltung

  • Organigramme, wichtige Dokumente und Kontaktinformationen öffentlich zugänglich und auf dem neuesten Stand halten.
  • Einen aktiven Newsletter oder eine aktive Präsenz in den sozialen Medien pflegen.
  • Seien Sie bei Anfragen von Forschenden zu persönlichen Treffen offen.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit wissen oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns dies gerne mit! Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

Weitere