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„Loslegen und weiterlernen!“ Ein Trainingsansatz für die Vermittlung politikberatender Kompetenzen


Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Praxisorientierte Übungen schlagen Präsentationen: Die Teilnehmer erlangen ein weitaus besseres Verständnis für Politikgestaltung und Transferformate, indem sie aktiv Schlüsseldokumente, Organigramme und Transferkonzepte analysieren, anstatt Vorträge passiv zu verfolgen
  • Kompetenzen vermitteln und dabei Kapazitäten berücksichtigen: Schulungen vermitteln zwar die für einen effektiven Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung erforderlichen Kompetenzen, doch die Kapazitäten – Zeit, Finanzierung, institutioneller Zugang zu Akteuren in Politik/Verwaltung, Unterstützungsstrukturen – bestimmen, ob diese Kompetenzen tatsächlich angewendet werden können. Es existiert keine Einheitslösung: Effektiver Austausch zwischen Wissenschaft/Politik und Verwaltung bedeutet, Transferformate und Kommunikationskanäle auf die Ressourcen und die Motivation der Teilnehmenden abzustimmen.
  • „Loslegen und weiterlernen!“ lautet die Kernbotschaft der Schulungen: Die Teilnehmenden sollten nicht damit warten, mit Akteuren in Politik/Verwaltung in Kontakt zu treten, bis sie selbst zu Policy-Expert:innen geworden sind oder jedes mögliche Transferformat beherrschen; am Ende von Schulungen müssen sie das Selbstvertrauen und die Fähigkeiten haben, um loszulegen, in dem Wissen, dass sie dabei weiterlernen werden.
  • Praxiseinblicke aus Politik/Verwaltung sind unverzichtbar: Es ist von unschätzbarem Wert, wenn Abgeordnete oder deren Mitarbeitende, Vertreter:innen aus Ministerien, nachgeordneten Behörden, EU-Institutionen oder internationalen Organisationen über ihre Aufgaben, Arbeitsabläufe und Wissensbedarfe berichten. Laden Sie daher Akteure aus Politik/Verwaltung nach Möglichkeit zu Schulungen als Gäste aus der Praxis ein.

 

Wie funktioniert das Format?

In den letzten Jahren habe ich 33 Workshops zum Thema wissenschaftliche Politikberatung/Policy Engagement durchgeführt. Die Workshops reichten von 60-minüten Impulsworkshops bis hin zu zweitägigen Intensiv-Retreats. Dank des Feedbacks der Teilnehmenden konnte ich meine Trainingsformate kontinuierlich weiterentwickeln. Vier Erkenntnisse sind mir besonders wichtig:

1.Von folienlastig zu praxisorientiert (das praktizieren, was wir predigen)

In den ersten Workshops war eine immer wiederkehrende Rückmeldung, dass ich zu viele Folien zu schnell durchging. Das war ein Aha-Erlebnis: Während ich Forschenden riet, prägnante Kernbotschaften zu vermitteln, statt Akteure in Politik und Verwaltung mit Wissen zu überhäufen, taten meine eigenen Präsentationen genau das Gegenteil.

Drastische Reduktion der Präsentationsfolien zugunsten aktiver Lehrmethoden. Heute bearbeiten die Teilnehmenden konkrete Übungen (z. B. Lesbarkeitsprüfungen von Policy Briefs, Zielgruppenanalysen, Erstellung von Elevator Pitches oder die Analyse von Organigrammen).

Vorbereitung vor dem Workshop: Optionale Aufgaben vor dem Workshop (Bearbeitungszeit: 15–45 Minuten) helfen den Teilnehmenden, den maximalen Nutzen aus den Workshops zu ziehen.

Ergebnis: Die praktischen Übungen werden durchweg positiv bewertet, da sie den Teilnehmenden helfen, die Bedeutung gezielter Kommunikation und die Rahmenbedingungen, unter denen Akteure in Politik und Verwaltung agieren, zu verstehen. Der Lerneffekt durch praktische Übungen bleibt in der Regel besser im Gedächtnis haften als das Lernen durch Zuhören.

2.Berücksichtigung realer Kapazitäten:

Theoretisch stehen Forschenden viele Möglichkeiten offen, mit Akteuren aus Politik/Verwaltung in Kontakt zu treten. In der Praxis bestimmen jedoch die Kapazitäten – Zeit, Finanzierung, institutioneller Zugang, Unterstützungsstrukturen –, welche davon realistisch sind. Eine Professorin, die sich in einem Sachverständigengremium engagiert, das über Mitarbeitende und ein Budget für Reise- und Veranstaltungsausgaben verfügt und direkten Zugang zu Akteuren in Politik/Verwaltung hat, hat weitaus mehr Optionen als ein Doktorand, der noch keine persönlichen Kontakte zu Akteuren in Politik/Verwaltung hat und Schwierigkeiten hat, die Reisekosten für Veranstaltungen in Berlin oder Brüssel zu decken.

Anstatt nur ein „Einheitsmenü“ für die Formate der Politikberatung vorzustellen, diskutieren wir in meinen Schulungen die strukturellen Hindernisse. Dabei helfe ich den Teilnehmenden, effiziente Formate zu identifizieren, die mit ihren persönlichen Interessen und Ressourcen vereinbar sind.

3.Frühzeitiges Handeln fördern

Ich stelle klar, dass meine Workshops keine wissenschaftlichen Einführungen in die Themen politische Systeme oder Politikberatung sind. Die Teilnehmenden müssen weder zu Expert:innen für Policy-Analysen werden noch jedes Detail der Konzeption von Transferformaten beherrschen.

Die Forschenden benötigen ein ausreichendes Verständnis, um lieber früher als später loszulegen. Sie verlassen meine Workshops mit Checklisten, die aufzeigen, welche Schritte sie als Nächstes angehen können, um bald in einen Austausch mit Akteuren aus Politik/Verwaltung zu treten – im Wissen, dass weiteres Lernen mit der Praxis einhergeht.

4.Einbeziehung von Akteuren aus Politik/Verwaltung

Die Teilnahme von Gästen aus Ministerien, der Europäischen Kommission, internationalen Organisationen oder Parlamenten (in der Regel Mitarbeitende von Abgeordneten) an Abschlusssessions, in denen die Gäste aus der Praxis über ihre Aufgaben, Tagesabläufe und Wissensbedarfe berichten, hat sich als außerordentlich gewinnbringend erwiesen.

Die Teilnehmenden empfinden es durchweg als wertvoll, direkt mit Gästen aus der Praxis die Chancen und Herausforderungen der Politikberatung zu diskutieren. Die beteiligten Akteure in Politik/Verwaltung sind in der Regel sehr nahbar und ermutigen die Teilnehmenden zur proaktiven Kontaktaufnahme. Bei Präsenzveranstaltungen bietet ein gemeinsames Mittagessen zudem Raum für informellen Austausch und Netzwerken.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshopleitung

Während einzelne Workshops zwischen 60 Minuten und zwei Tagen dauern, hat die Entwicklung ihrer Struktur und Inhalte im Laufe der Jahre insgesamt mehrere Monate in Anspruch genommen. Nach jeder Sitzung wertet das Feedback der Teilnehmenden aus und aktualisiert das entsprechende Lehrmaterial, einschließlich Überarbeitungen der Präsentationsfolien. Die Kürzung der Anzahl der Folien fiel mir anfangs schwer, erwies sich jedoch als unerlässlich. Dafür setze ich jetzt vermehrt praktische Übungen ein.

Forscher und Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer als Teilnehmende des Workshops

Die Teilnehmenden werden im Voraus darüber informiert, dass die Workshops praktische Übungen umfassen, darunter auch optionale Vorbereitungsaufgaben. Die meisten schätzen die Übungen und Gruppendiskussionen, die für eine lebhafte Atmosphäre sorgen. Der Zeitaufwand im Workshop liegt je nach Format zwischen zwei Stunden und zwei Tagen.

Akteure in Politik und Verwaltung

Eingeladene Gäste nehmen an einer 1- bis 2-stündigen Fragerunde teil. Bei Präsenz-Workshops schließt sich optional ein gemeinsames Mittagessen oder gemeinsames Abendessen an, um den Austausch mit den Teilnehmenden zu vertiefen.

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum Policy Engagement Toolkit leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

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