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Policy Engagement von Anfang an: Wie sich der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung gezielt in Förderanträge integrieren lässt


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Prüfung der Passung zwischen Forschungsthema, intrinsischer Motivation und Transferkomponenten vor Antragstellung: Abgleich der Forschungs- und Transferziele sowie der eigenen Motivation; halbherzige Transferkonzepte schaffen keinen Mehrwert.
  • Terminologie und Erwartungsmanagement: Genaue Abstimmung auf die Begrifflichkeiten und Vorgaben der Fördereinrichtung (z.B. Transfer, Wirkung, Stakeholder-Einbindung); Abgleich zwischen Förderanforderungen und realistischen Projektkapazitäten.
  • Mehrwert für die Forschung nutzen: Verankerung von Schnittstellenaktivitäten ab Projektbeginn, um Impulse aus Politik und Verwaltung direkt in die Forschungsaktivitäten einzuspeisen.
  • Ressourcen und Evaluation: Realistische Budgetierung von Transfermaßnahmen sowie die Definition aussagekräftiger Indikatoren zur Messung und Steuerung des Engagements.

 

Wo liegt das Problem?

Der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung scheitert meist nicht am fehlenden Interesse der Forschenden, sondern an mangelnden zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Diese Herausforderung kann angegangen werden, indem der Austausch mit Politik/Verwaltung von Beginn an fest in Forschungsprojekten eingeplant wird, anstatt ihn erst gegen Projektende zu berücksichtigen.

Zudem fordern immer mehr Förderorganisationen den Nachweis, dass Forschungsprojekte relevante Stakeholder außerhalb der Wissenschaft einbinden und konkrete gesellschaftliche Wirkung erzielen. Die folgenden Empfehlungen helfen Forschenden dabei, Policy Engagement in Förderanträge zu integrieren.

  • Prüfung der persönlichen Motivation und Ziele: Falls Förderalternativen ohne Transferauflagen zur Verfügung stehen und keine intrinsische Motivation für den Austausch mit Politik und Verwaltung vorhanden ist, ist eine anderweitige Bewerbung meist sinnvoller. Ist der Austausch mit Politik/Verwaltung jedoch eine verpflichtende Anforderung, sollte dieser ebenso ernst genommen wie andere verpflichtende Teil wie etwa der Finanzplan.

Für Unentschlossene hilft ein kurzer Selbsttest. Bewerten Sie die folgenden Szenarien auf einer Skala von 1 („nicht ideal, aber verkraftbar“) bis 10 („absoluter Katastrophenfall“):

Szenario 1: Aus Ihrem Forschungsprojekt geht keine einzige wissenschaftliche Publikation hervor.

Szenario 2: Alle angesprochenen Akteure aus Politik und Verwaltung bewerten Ihre Transferpublikationen oder -veranstaltungen als Zeitverschwendung.

Gewichten Sie Szenario 1 nahe bei 10 und Szenario 2 nahe bei 1, ist ein aktives Policy-Engagement derzeit vermutlich nicht die richtige Wahl. Halbherziges Engagement führt meist zu Alibi-Aktivitäten wie der obligatorische Transferworkshop am Ende des Workshops, die weder dem Projektteam noch den Zielgruppen viel Freude bereiten.

  • Sorgfältige Lektüre der Förderrichtlinien: Förderorganisationen verwenden unterschiedliche Begriffe wie (Wissens-)Transfer, Wissenschaftskommunikation, Stakeholder-Einbindung, Impact, Valorisierung etc. Prüfen Sie in den Ausschreibungsunterlagen genau, welche Begrifflichkeiten verwendet werden, und verwenden Sie diese in Ihrem Antrag. Gutachtende orientieren sich oft streng an den Vorgaben der Ausschreibung. Wenn etwa in den Antragsunterlagen der Begriff Stakeholder-Engagement verwendet wird, nutzen Sie diesen ebenfalls.

 

Orientieren Sie sich an den folgende Fragen:

  • Ist der Austausch mit Politik/Verwaltung verpflichtend oder uptional? (In sehr kompetitiven Ausschreibungen werden „optionale“ Kriterien de facto oft zu Pflichtkriterien.)
  • Sind Politik und Verwaltung die richtige Zielgruppe für Ihr Projekt? Oder wären Zielgruppen wie Unternehmen, Schulen oder Verbände passender?
  • Welche Wirkung hinsichtlich der Transferaktivitäten wird erwartet? Genügt die Publikation von Policy-Briefs, oder werden nachweisbare Veränderungen erwartet?
  • Welche Transferkosten (z. B. externe Moderation, Graphikdesign, Druckkosten, Catering) sind förderfähig?
  • Zögern Sie nicht, bei Fragen die Fördereinrichtungen zu kontaktieren oder Kolleginnen und Kollegen, die bei der jeweiligen Förderorganisation bereits erfolgreich Anträge eingereicht haben.
  • Zeigen Sie den Mehrwert für die eigene Forschung: Wissenstransfer ist keine Einbahnstraße. Der Austausch mit der Praxis eröffnet neue Perspektiven, schärft Hypothesen, erleichtert den Zugang zu Daten und Interviewpartnern und liefert frühzeitiges Feedback.Deshalb ist es unzureichend, Transferpublikationen oder -Veranstaltungen erst in der Schlussphase des Projekts einzuplanen. Zu diesem Zeitpunkt können Rückmeldungen nicht mehr in die Forschung einfließen. Planen Sie bereits für die erste Projekthälfte erste Dialogformate oder die Einbindung von Akteuren aus Politik/Verwaltung in Projektbeiräten ein.
  • Entwicklung spezifischer, kreativer und tragfähiger Formate: Vermeiden Sie es, wissenschaftliche Standard-Outputs als Policy Engagement zu deklarieren.

„Wir werden Akteure in Politik und Verwaltung zu unseren wissenschaftlichen Konferenzen einladen“, „Akteure in Politik und Verwaltung werden unsere wissenschaftlichen Publikationen lesen“ oder „Einige unserer Early Career Researchers werden später Karrieren in Ministerien einschlagen“ sind keine überzeugenden Transferstrategien.

Ihre Transferformate müssen den Bedürfnissen der Akteure in Politik und Verwaltung entsprechen. Seien Sie kreativ: Es gibt weit mehr Möglichkeiten als nur Policy Briefs und Podiumsdiskussionen. Doch wann immer Sie etwas Aufwändigeres planen – eine interaktive Website, ein Dashboard, eine App, eine Simulationsübung, ein Serious Game, einen Podcast, ein Arbeitsheft, eine Experten-Hotline oder ein Hospitationsprogramm –, stellen Sie die Idee den Akteuren in Politik und Verwaltung vor, bevor Sie Fördermittel beantragen. Manche Ideen klingen auf dem Papier großartig, sind für Akteure in Politik und Verwaltung jedoch schlichtweg nicht praktikabel.

Erkundigen Sie sich nach deren Bedürfnissen und gleichen Sie diese mit Ihren Ressourcen und Interessen ab; andernfalls riskieren Sie, Monate in die Entwicklung einer App oder einer Simulationsübung zu investieren, die letztlich von keinem Akteur in Politik und Verwaltung genutzt wird. Wenn Akteure in Politik und Verwaltung von Ihren Transferideen überzeugt sind, bitten Sie diese um ein kurzes Unterstützungsschreiben.

Sprechen Sie über die Akteure in Politik und Verwaltung hinaus auch mit Kolleginnen und Kollegen aus Forschung und Wissenstransfer/-kommunikation, die bereits über Erfahrung im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung verfügen. Legen Sie fest, welche Outputs, Outcomes und Wirkungen Sie anstreben. Prüfen Sie die Erreichbarkeit dieser Ziele. Behauptungen wie „Wir werden an unserer Universität einen zweitägigen Workshop veranstalten, an dem 40 Mitglieder des Bundestags aus ganz Deutschland teilnehmen werden, die daraufhin mehrere Gesetze ändern werden“, sind sehr unwahrscheinlich. Vermeiden Sie daher solche Aussagen. Die Website Policy Engagement Toolkit.eu oder die REF Impact Case Study Database sind gute Anlaufstellen, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Ziele mit verschiedenen Formaten erreicht werden können.

Denken Sie schließlich über Partnerschaften nach – nicht nur mit Akteuren in Politik und Verwaltung, sondern auch mit anderen Forschungseinrichtungen, Thinktanks, NGOs oder Stiftungen –, um eine größere Wirkung zu erzielen und Ressourcen zu bündeln. Anstatt eine eigene Veranstaltung in Berlin oder einer Landeshauptstadt zu organisieren oder eine eigene Policy-Brief-Reihe zu konzipieren, sollten Sie in Erwägung ziehen, bereits bestehende Formate zu nutzen und mit anderen Organisationen zu kooperieren.

 

  • Beantragen Sie ein realistisches Transferbudget: Ein qualitativ hochwertiger Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung erfordert angemessene finanzielle Mittel. Wenden Sie sich bei der Erstellung Ihres Budgets frühzeitig an die Mitarbeitenden Ihrer Kommunikations-, Wissenstransfer- oder Forschungsförderungsabteilung. Planen Sie nach Möglichkeit professionelle Dienstleistungen ein: Moderation, Workshop-Leitung, Grafikdesign, Website- oder App-Entwicklung, Veranstaltungsmanagement oder Fortbildungen bezüglich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Diese Dienstleistungen können kostspielig sein, doch die Erwartung, dass Early Career Researchers spezialisierte Aufgaben ohne vorherige Schulung übernehmen, führt oft zu Verzögerungen und suboptimalen Ergebnissen. Begründen Sie die Kosten: Die Anmietung einer Event Location in Berlin, Brüssel oder einer Landeshauptstadt ist teurer als die Ausrichtung einer Policy-Konferenz an einer 200 Kilometer entfernten Universität, aber möglicherweise ist dies der einzige Weg, vielbeschäftigte Akteure in Politik und Verwaltung zuverlässig zu erreichen.

 

  • Definition aussagekräftiger Indikatoren für Monitoring und Evaluation: Gutachtende erwarten konkrete Konzepte zur Erfolgsmessung. Setzen Sie auf eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Indikatoren (z. B. Feedback-Bögen der Teilnehmenden, Anfragen für Folgeaktivitäten). Zeigen Sie auf, wie Rückmeldungen aus der Praxis fortlaufend ausgewertet werden und in die Projektaktivitäten einfließen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

Bewerten Sie bereits in der frühen Phase der Antragstellung die Kapazitäten des Teams, die Motivation für den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung sowie das Wissen über politische Gestaltungsprozesse. Binden Sie Akteure aus Politik/Verwaltung in Beiräte ein. Wenn möglich, entwerfen und gestalten Sie gemeinsam maßgeschneiderte Formate für die Zusammenarbeit.

 

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

Informieren Sie die Antragstellenden über die Anforderungen verschiedener Förderorganisationen. Stellen Sie den Antragstellenden Leitfäden (wie diesen hier) zur Verfügung. Informieren Sie sie über Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Bieten Sie nach Möglichkeit Unterstützung bei der Vernetzung von Antragstellern mit Akteuren aus Politik/Verwaltung an.

 

Akteure in Politik und Verwaltung

Geben Sie frühzeitig Feedback zu Wissensbedarfen. Schreiben Sie nach Möglichkeit Unterstützungsschreiben; nehmen Sie an Projektbeiräten oder Dialogrunden teil; geben Sie Einblicke in aktuelle politische Arbeitsabläufe und Informationsbedürfnisse; testen und nutzen Sie maßgeschneiderte Policy-Ergebnisse.

 

Quellen und weiterführende Literatur

ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit (2026), abgerufen am 10. August 2026.

REF 2021. Research Excellence Framework (2022), Impact Case Study Database, abgerufen am 10. August 2026.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum „Policy Engagement Toolkit“ leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

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