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Die „Übrigens, wir brauchen mehr Geld“-Falle: Warum der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung kein Pitch um Fördermittel ist

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Expertise statt Akquise: Bei Science-Policy-Aktivitäten geht es darum, Politik/Verwaltung unabhängige wissenschaftliche Expertise bereitzustellen und nicht darum, Forschungsgelder zu akquirieren. Lobbyarbeit für die Forschungsförderung ist zwar legitim, muss jedoch klar und transparent von der inhaltlichen Beratung getrennt werden.
  • Möglicher Glaubwürdigkeitsverlust: Die Vermischung von Wissenstransfer und Mittelbeschaffung riskiert, die Glaubwürdigkeit von Forschenden gegenüber Akteuren in Politik/Verwaltung zu untergraben – eines der wertvollsten und am schwersten wiederherzustellenden Güter, über die Forschende verfügen.
  • Proaktive Transparenz: Wer Akteure in Politik/Verwaltung konkret zur Ausgestaltung von Förderprogrammen berät, muss bestehende Interessenkonflikte von Anfang an offenlegen.

 

Worum geht es?

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten einen Anruf von Ihrer Versicherun. Die Person am Telefon teilt Ihnen mit, dass neue Studien zu den Themen Feuer-, Hausrat-, Zahnzusatz- und Reiserücktrittsversicherungen gibt, die sie gerne mit Ihnen besprechen möchte. Was ist Ihre erste Reaktion: „Wie aufmerksam, die wissen ja, dass ich mich für Forschung interessiere!“ oder „Die wollen mir etwas verkaufen!“?

Die meisten Menschen würden Letzteres vermuten und meistens hätten sie recht. Forschende, die das Thema Finanzierung bei Treffen oder Veranstaltungen ansprechen, die nicht dafür vorgesehen sind, riskieren genau dieselbe Reaktion bei Akteuren in Politik/Verwaltung. Um das zu vermeiden, müssen Forschende den Austausch mit Politik/Verwaltung klar von der Lobbyarbeit für Fördermittel trennen. Gelingt das nicht, entstehen Probleme:

Verlust der Glaubwürdigkeit. Forschende genießen in der Politik hohes Ansehen. Entsteht der Eindruck, dass das finanzielle Eigeninteresse größer ist als der Wunsch nach inhaltlichem Austausch, kann Vertrauen und damit in der Konsequenz aus der Zugang zu Politik/Verwaltung verloren gehen.

Falsche Erfolgsmaßstäbe: Im Science-Policy-Dialog zählen Fragen wie: Welche Evidenz wurde aufgegriffen? Wie haben Akteure in Politik/Verwaltung den Austausch wahrgenommen? Welche neuen Impulse gab es für die Forschung? Wird die Beratung mit Fundraising verknüpft, verschiebt sich der Fokus auf monetäre Kennzahlen: Wie viele Fördermittel wurde eingeworben? Welchen finanziellen Nutzen hatte die Institution? Dadurch wird der eigentliche Zweck von Policy Engagement entwertet.

Das Werben um Forschungsmittel ist vollkommen legitim und notwendig. Politikgestaltende Institutionen konsultieren bei der Entwicklung neuer Förderprogramme routinemäßig einzelne Forschende, wissenschaftliche Einrichtungen und akademische Verbände – solche Beiträge sind wirklich wertvoll. Forschende und Institutionen können und sollten das Thema Finanzierung gegenüber Akteuren in Politik und Verwaltung ansprechen. Dabei gelten folgende Grundsätze:

  • Seien Sie von Anfang an transparent über Ihre Ziele: Wenn Sie ein Treffen oder eine Veranstaltung organisieren, bei der über Fördermittel gesprochen werden soll, müssen die Akteure in Politik und Verwaltung das vorab wissen. Das unerwartete Ansprechen von Fördermitteln – insbesondere bei einer Veranstaltung mit anderem Zweck – wird wahrscheinlich als unhöflich empfunden und kann den gegenteiligen Effekt haben.
  • Fördermittel nicht als Universallösung verkaufen: Forschende wünschen sich verständlicherweise mehr Ressourcen, aber Akteure in Politik /Verwaltung sind dafür da, politische Probleme zu lösen. Wird eine Veranstaltung organisiert, um zu diskutieren, wie sich der Energieverbrauch in Deutschland senken lässt, sollte die Antwort nicht lauten: „Indem meine Forschungsgruppe mehr Fördermittel erhält.“ Reagieren Forschende auf Wissensbedarfe in Politik/Verwaltung durchweg mit Forderungen nach mehr Mitteln, werden Akteure in Politik/Verwaltung sie eher als Mittelbeschaffer:innen denn als Expert:innen wahrnehmen.
  • Zeigen Sie Fachkompetenz, bevor Sie Anerkennung erwarten: Der Austausch mit Politik/Verwaltung kann dazu führen, dass Forschende als glaubwürdige, gefragte Expert:innen anerkannt werden. Diese Anerkennung muss sich aber erst verdient werden, indem Forschende ihre Expertise kommunizieren. Bekanntheit in der Wissenschaftswelt bedeutet nicht automatisch Bekanntheit in Politik/Verwaltung.

 

Was es zu vermeiden gilt:

  • sich bei Veranstaltungen, bei denen es nicht um Förderpolitik geht, über fehlende Forschungsmittel zu beschweren;
  • sich abfällig über andere Forschungseinrichtungen oder Forschende zu äußern;
  • den Fokus auf Forschungslücken, Ausstattungsbedarf, unbesetzte Stellen und Fachpublikationen zu legen, statt auf den konkreten Beitrag, den die eigene Expertise zu einem Policy-Problem sowie dessen gesellschaftlichem oder wirtschaftlichem Nutzen leisten kann.

 

Beratung zur Förderpolitik: So gehen Sie mit Interessenskonflikten um

Werden Forschende explizit gebeten, an der Ausgestaltung von Förderprogrammen oder Forschungsstrategien mitzuwirken, sollten drei Prinzipien beachtet werden:

Interessenkonflikte proaktiv offenlegen: Forschende sollten klar kommunizieren, inwiefern sie selbst oder ihre Einrichtung von der zur Diskussion stehenden Förderung profitieren würden. Diese Transparenz ist unerlässlich, um die eigene Glaubwürdigkeit zu wahren und sicherzustellen, dass Akteure in Politik und Verwaltung den erhaltenen Rat angemessen einordnen können. Forschende können gleichzeitig die qualifiziertesten Expert:innen zu einem Thema und potenzielle Nutznießer:innen der von ihnen empfohlenen Förderung sein. Diese Doppelrolle ist an sich nicht problematisch – sie muss aber ausdrücklich benannt werden.

Den Fokus auf die Evidenz legen, nicht auf die eigene Förderung: Bei der Beratung zu Förderprioritäten sollten Forschende ihre Empfehlungen an Wissensbedarfen und Forschungslücken orientieren. Akteure in Politik/Verwaltung folgen eher Ratschlägen, die erkennbar am Gemeinwohl statt an (institutionellen) Eigeninteressen ausgerichtet sind.

Eine Vermittlungsinstanz in Betracht ziehen: Sind Interessenkonflikte besonders ausgeprägt, können Forschende erwägen, ihre Empfehlungen über eine dritte Instanz einzubringen – etwa eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, einen akademischen Verband oder einen wissenschaftlichen Beirat –, statt direkt mit Akteuren in Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten.

 

Aufgaben

Forschende

Forschende sollten sich selbst darüber im Klaren sein – und dies gegenüber Akteuren in Politik und Verwaltung transparent machen –, ob es bei einer bestimmten Interaktion um den Austausch mit Politik/Verwaltung oder um Mittelbeschaffung geht. Eine gewisse Überschneidung beider Bereiche ist unvermeidbar, insbesondere bei der Beratung zu Förderprogrammen. In solchen Fällen sollten Forschende Interessenkonflikte proaktiv offenlegen und sicherstellen, dass Akteure in Politik und Verwaltung nicht unerwartet mit einem Gespräch über Fördermittel konfrontiert werden. Eine nützliche Selbstprüfung: Versetzen Sie sich in die Lage einer Person, die ohne Vorwarnung um Geld gebeten wird: Würden Sie es schätzen, so in eine solche Situation gebracht zu werden?

Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

Sie können Forschende unterstützen, indem sie klare institutionelle Richtlinien zur Unterscheidung zwischen Austausch mit Politik/Verwaltung und Mittelbeschaffung formulieren und transparente Verfahren zum Umgang mit Interessenkonflikten festlegen. Bei der Organisation von Policy-Veranstaltungen oder Dialogformaten sollten sie Forschende im Voraus über den Zweck der Veranstaltung informieren – und deutlich machen, dass Mittelbeschaffung bei Veranstaltungen mit anderem Zweck kontraproduktiv ist.

Akteure in Politik und Verwaltung

Wer bemerkt, dass Forschende den Austausch mit Mittelbeschaffung vermischen, sollte sich befugt fühlen, dies direkt anzusprechen. Der Zweck eines Treffens lässt sich von Beginn an klarstellen, und Gespräche, die in Richtung Finanzierung abdriften, können auf ein geeigneteres Forum verwiesen werden.

 

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Was haben wir erreicht? Ein pragmatischer Leitfaden zur Bewertung von Science-Policy-Aktivitäten

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Keine Einheitslösung: Bewertungskriterien müssen auf den Umfang, die Dauer und die Ziele Ihrer konkreten Maßnahmen passen; ein einzelner Vortrag im Rahmen eines Frühstücks erfordert eine andere Bewertung als die Arbeit einer mehrjährigen Expert:innenkommission
  • Planung ist entscheidend: Die Auswirkungen eines Formats lassen sich viel besser erfassen, wenn zuvor strategisch vereinbart wurde, welche Effekte mit dem Format erzielt werden sollen.
  • Wirkungen über Policy-Veränderungen hinaus verstehen: Direkte Gesetzesänderungen sind selten und hängen von vielen Faktoren ab; Prozessindikatoren – wie der Aufbau von Beziehungen, Folgeaktivitäten und gegenseitiges Lernen – sind oft realistischere Maßstäbe.
  • Die richtige Balance aus Ressourcen und Fokus: Bei der Bewertung eines Projekts gibt es nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, doch die Ressourcen sind in der Regel begrenzt; um die Bewertung sinnvoll zu gestalten, ist es am besten, sich auf bestimmte Aspekte oder Fragen zu konzentrieren, die zur Verbesserung der Maßnahmen beitragen und mit Ihren Ressourcen vereinbar sind (z. B. zur Erhebung und Auswertung von Daten)

 

Worum geht es?

Wie können Forschende und Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement oder Wissenstransfer die Wirkungen ihrer Science-Policy-Aktivitäten besser verstehen und einschätzen? Dies ist aus mehreren Gründen entscheidend: um den investierten Zeit- und Finanzaufwand zu rechtfertigen, Rechenschaft gegenüber Mittelgebern abzulegen und – was am wichtigsten ist – zukünftige Maßnahmen gezielt zu verbessern. Zudem hilft eine gründliche Auswertung, die Transferangebote noch besser auf den tatsächlichen Bedarf von Politik und Verwaltung abzustimmen.

Wie bereits im Artikel zu den Zielen von Science-Policy-Aktivitäten beschrieben, müssen mögliche Erfolgsindikatoren den Zielen der jeweiligen Maßnahmen entsprechen. Zudem beeinflussen externe Faktoren wie Regierungswechsel, Ressourcenengpässe oder schlichtes Glück das Ergebnis maßgeblich.

Ein wissenschaftliches Gremium, das über mehrere Jahre hinweg eine vielbeachtete Studie erarbeitet, bewegt sich in einer völlig anderen Realität als ein Forschungsteam, das ein einführendes Lunch-Briefing zu einem Spezialthema veranstaltet. Wirkungsanalyse ist daher keine sture Checkliste, sondern ein flexibles Instrument, das mit der Klärung der eigenen Ziele beginnt.

Mögliche Ziele des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung sind zum Beispiel:

  1. Politischer Wandel: Gestaltung der Art und Weise, wie Herausforderungen definiert, angegangen und bewältigt werden (z. B. Gesetze, Richtlinien),
  2. Sichtbarkeit erhöhen, Vertrauen aufbauen und Netzwerke erweitern
  3. Gegenseitiges Lernen: Einblicke in die Politikgestaltung gewinnen und Anregungen für die eigene Forschung erhalten
  4. Offene Information von Akteuren in Politik und Verwaltung

Vier Ebenen von Wirkungskriterien

Je nach den Zielen und Zielsetzungen des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung sowie den zur Untersuchung verfügbaren Ressourcen lassen sich grob verschiedene Wirkungsebenen identifizieren. Es ist zu beachten, dass die Untersuchung dieser Wirkungen an sich bereits zeitaufwändig sein kann und gegebenenfalls Fachwissen erfordert. Für Forschende und Mitarbeitende im Wissenstransfer kann es daher hilfreich sein, sich nach Möglichkeit mit bereits erfahrenen Forschenden oder Evaluationsexpert:innen zusammenzuschließen.

Stufe 1: Reichweite und Zusammensetzung der Teilnehmenden (Input & Output)

  • Was gemessen wird: Wer hat an Ihrer Aktivität teilgenommen und in welcher Funktion?
  • Schlüsselindikatoren: Anzahl der Teilnehmenden, institutionelle Vielfalt (z. B. Teilnahme von Vertreter:innen aus Ministerien, Parlamenten, NGOs oder Thinktanks) sowie die inhaltliche Passung der Akteure aus Politik und Verwaltung.
  • Wann sollte diese Ebene herangezogen werden: Ideal für erste, kostengünstige Formate (z. B. öffentliche Podiumsdiskussionen, Einführungs-Webinare oder Policy-Frühstücke)

Stufe 2: Interaktionsqualität und Beziehungsaufbau (Prozess)

  • Was gemessen wird: Wurde die Interaktion als wertvoll empfunden und führte sie zu Folgeaktivitäten?
  • Schlüsselindikatoren:
    • Qualitatives/quantitatives Feedback: Umfragen (z. B. über die „Impact Unit Evaluation Platform“ von Wissenschaft im Dialog) oder kurze Nachbesprechungsgespräche, in denen sowohl Forscher als auch Akteure in Politik und Verwaltung gefragt werden, ob die Veranstaltung lohnend und informativ war.
    • Folgeaktivitäten: Anfragen von Akteuren in Politik und Verwaltung nach der Veranstaltung, Organisation gemeinsamer Veranstaltungen, informelle Folgegespräche.
  • Wann sollte es angewendet werden: Unverzichtbar für Workshops, Round Tables und Dialogreihen, die auf den langfristigen Aufbau von Netzwerken abzielen.

Stufe 3: Verweise und Zitierungen in Dokumenten (Aufgreifen der Ergebnisse)

  • Was damit gemessen wird: Haben Ihre Forschungsergebnisse in Policy-Diskussionen oder offiziellen Veröffentlichungen eingeflossen?
  • Schlüsselindikatoren: Akteure in Politik und Verwaltung beziehen sich in Medienerklärungen, Pressemitteilungen oder Reden auf die Ergebnisse oder Empfehlungen einzelner Forschender oder Forschungsgruppen; Zitierungen wissenschaftlicher Publikationen in Policy-Dokumenten wie Strategiepapieren, parlamentarischen Anfragen oder Parteiprogrammen.
  • Tools: Politikzitationsdatenbanken wie Overton, Dimensions oder PlumX erleichtern die Nachverfolgung, wo wissenschaftliche Publikationen zitiert werden.
  • Einschränkung: Die Zitierung in offiziellen Dokumenten deutet auf Sichtbarkeit hin, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Akteure in Politik und Verwaltung ihre Politik ändern. Zu beachten ist zudem, dass die Zitierraten in je nach Fachgebiet stark variieren (z. B. weisen die Bereiche öffentliche Gesundheit und Wirtschaftswissenschaften weitaus höhere Zitierzahlen auf als die Kulturwissenschaften).

Stufe 4: Zurechenbare Policy-Veränderung (direkte Wirkung)

  • Was gemessen wird: Haben wissenschaftliche Erkenntnisse regulatorische Maßnahmen wie Gesetze oder ein Regierungsprogramm direkt beeinflusst?
  • Schlüsselindikatoren: Explizite Aussagen in Gesetzestexten, Parlamentsreden, Pressemitteilungen oder offiziellen Memoiren, die bestätigen, dass wissenschaftliche Beratung eine bestimmte Entscheidung beeinflusst hat.
  • Vorbehalt: Der direkte Nachweis der Kausalität ist selten. Wissenschaftliche Evidenz ist fast immer nur ein Baustein unter vielen politischen Erwägungen. Wer von jeder Maßnahme eine direkte Gesetzesänderung erwartet, setzt unrealistische Erwartungen und Frustration an.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

Forschende können gut aus eigener Perspektive einschätzen, wie sich eine Interaktion angefühlt hat, ob daraus tragfähige Verbindungen entstanden sind und ob sie ihre Forschung vorangebracht hat. Sie sind zudem eine wertvolle Quelle, um die Bedürfnisse oder Herausforderungen von Akteuren in Politik und Verwaltung zu verstehen – etwa anhand gestellter Fragen, geäußerter Bedenken oder kontrovers diskutierter Themen.

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

Sie entwerfen und verteilen in der Regel Feedback-Fragebögen und erfassen über die Zeit Schlüsseldaten wie Teilnehmendenzahl, Downloads oder Folgekontakte zwischen Forschenden und Akteuren in Politik und Verwaltung. Sie können Forschende auch dabei unterstützen, Fälle zu dokumentieren, in denen sich eine politische Veränderung auf ihre Arbeit zurückführen lässt – etwa durch die Beobachtung von Regierungsveröffentlichungen, Abstimmung mit Kommunikationsteams oder Interviews mit Akteuren in Politik und Verwaltung. Auch (Teilnehmenden-)Beobachtungen oder fragebasierte Protokolle helfen dabei, einzelne Interaktionen oder Formate zu dokumentieren und zu bewerten.

Akteure in Politik und Verwaltung

Sie tragen vor allem durch Feedback sowie eigene öffentliche oder schriftliche Stellungnahmen bei. Ihr Input ist am wertvollsten, wenn er direkt und gezielt eingeholt wird – etwa über kurze, strukturierte Fragebögen nach einer Veranstaltung oder kurze Folgegespräche –, statt ihn aus Schweigen oder allgemeinem Wohlwollen abzuleiten.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Impact Unit (2026), Evaluationsplattform, https://evaluationsplattform.impactunit.de/. Zugriff am 20. August 2026.

Neicu, D., Cauchi, J., Otto, J., Lehto, S., & Dantas Faria, J. C. (2020), Monitoring the Impact of Science and Evidence on Policy, in Šucha, V. & Sienkiewicz, M. (eds.), Science for Policy Handbook, Elsevier, S. 152–164. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-822596-7.00014-0

Newson, R., King, L., Rychetnik, L., Milat, A., & Bauman, A. (2018), Looking Both Ways: A Review of Methods for Assessing Research Impacts on Policy and the Policy Utilisation of Research. Health Research Policy and Systems, 16, Article 54. https://doi.org/10.1186/s12961-018-0310-4

Overton (2026), Tracking Research Impact in Policy Documents. [Online Resource]. Zugriff am 14. August 2026..

Reed, M. S. (2022), The Research Impact Handbook: Generating and Assessing Impact from Research. Fast Track Impact.

 

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Erwartung vs. Realität: Ein Leitfaden für Forschende zum Umgang mit Frustrationen an der Schnittstelle zur Politik und Verwaltung

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Erwartungsmanagement: Etablierung realistischer Erwartungen hinsichtlich des tatsächlichen Wirkungspotenzials der eigenen Expertise und der Transferformate.
  • Prozessverständnis: Verständnis der Funktionsweisen von Gestaltungsprozessen in Politik und Verwaltung als wesentliche Voraussetzung für die Vermeidung von Frustration.
  • Beziehungsaufbau und Kommunikation: Proaktive Interaktion und systematische Kontaktpflege zur Vermeidung von Missverständnissen und zur Schaffung langfristigen Austauschs.
  • Reflexion und Feedback: Regelmäßige Evaluation des eigenen Engagements sowie kontinuierliche Rückkopplung mit Akteuren aus Politik und Verwaltung.

 

Worum geht es?

In Gesprächen mit Forschenden über ihre Erfahrungen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung taucht ein Thema immer wieder auf: Frustration. Im Folgenden habe ich die häufigsten Rückmeldungen zu Frustrationen zusammengefasst und um konkrete Empfehlungen ergänzt, wie Sie diesen begegnen können.

Hinweis: Bei den nachfolgenden Zitaten handelt es sich nicht um Wortprotokolle, sondern um verdichtete Kernaussagen aus Gesprächen und Workshops mit zahlreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

 

  • „Ich sehe keine Wirkung”

Sie haben es schon gehört – vielleicht haben Sie es sogar selbst gesagt: „Ich habe einen 100-seitigen Auftragsbericht für das Ministerium verfasst und deutlich aufgezeigt, dass X ein Problem ist. Und dann ist nichts passiert.“ Oder: „Ich habe über ein Jahr in einem Expertengremium verbracht. Wir haben ein Dutzend fundierter Empfehlungen ausgearbeitet, aber keine davon wurde umgesetzt.“ Oder die mildere, eher resignierte Variante: „Die Akteure in Politik und Verwaltung schienen nicht besonders an meinen Ergebnissen interessiert zu sein. Ich glaube, sie hatten sich bereits eine Meinung gebildet. Daher bin ich mir nicht sicher, warum sie überhaupt gefragt haben.“

 

Was Sie tun können

Realistische Maßstäbe anlegen: Politik und Verwaltung sind in der Regel nicht verpflichtet, wissenschaftlichen Ratschlägen zu folgen. Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen evidenzbasierter und evidenzgestützter Politikgestaltung. Entscheidungsträger unterliegen politischen, finanziellen und rechtlichen Zwängen. Eine wissenschaftliche Empfehlung kann schlüssig sein, politisch jedoch derzeit nicht umsetzbar.

Verzögerte Wirkungen berücksichtigen: „Keine sichtbare Wirkung“ bedeutet nicht „keine Wirkung“. Wissenschaftliche Evidenz zum Rauchen lag bereits in den 1950er Jahren vor. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis politische Maßnahmen folgten. Impact entsteht oft langsam und indirekt und lässt sich selten auf eine einzelne Studie oder einen einzelnen Termin zurückführen.

Politische Zyklen verstehen: Die Wirkung kann oft am Timing scheitern. Eine Regierung beauftragt ein Expertengremium, das Gremium legt zwei Jahre später seinen Bericht vor – nur dass es bis dahin eine neue Regierung gibt, die kein besonderes Interesse an den Ergebnissen hat. Oder es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass vor der Verabschiedung eines Gesetzentwurfs eine Anhörung stattfindet, aber wenn Sie im Saal sitzen, sind die Entscheidungen bereits gefallen. Nichts davon ist persönlich gemeint. Je besser Sie die politischen Gestaltungsprozesse verstehen, desto weniger werden Sie diese Momente als Rückschlag empfinden.

 

(2) „Es wurde genau der eine Satz herausgepickt, der zur eigenen Agenda passte“

Die Frustration entsteht hier nicht durch Ignoranz, sondern durch wahrgenommenes Rosinenpicken (Cherry-Picking): Eine einzelne Zahl oder eine aus dem Kontext gerissene Aussage landet in einer Pressemitteilung, einem Post in sozialen Medien oder einem Strategiepapier. Es entsteht der Eindruck, die eigene Arbeit werde zweckentfremdet.

Was Sie tun können:

  • Botschaften präzise verpacken: Akteure in Politik und Verwaltung lesen Studien nicht wie Forschende; sie suchen nach klaren, verwertbaren Aussagen. Nuancen gehen dabei leicht verloren. Steuern Sie proaktiv entgegen: Verfassen Sie prägnante Zusammenfassungen, benennen Sie unverzichtbare Rahmenbedingungen explizit und bieten Sie eine Kernbotschaft an („Wenn Sie nur ein Fazit zitieren, dann dieses“).
  • Richtigstellungen sachlich einfordern: Wird Ihre Forschung maßgeblich verzerrt dargestellt, suchen Sie das Gespräch oder veröffentlichen Sie eine sachliche Klarstellung, ohne böse Absicht anzunehmen. Oft steckt dahinter kein Kalkül, sondern der Zwang zur extremen Verdichtung.

 

  • „Die Akteure in Politik und Verwaltung verstehen es einfach nicht. Ihnen fehlen sogar die Basiswissen“

Forschende sind oft überrascht, wenn Akteure in Politik und Verwaltung Begriffe oder Konzepte nicht kennen, die aus Sicht der Forschenden zum Grundvokabular gehören: exponentielles Wachstum, die Gesetze der Thermodynamik oder dass „signifikant“ nicht dasselbe ist wie „wichtig“. Der Begriff „kurzfristig“ kann für einen Klimawissenschaftler oder eine Historikerin Jahrzehnte bedeuten, für einen Akteur in Politik und Verwaltung jedoch Tage oder Wochen.

 

Was Sie tun können
Denken Sie daran, dass Akteure in Politik und Verwaltung aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen; manche mögen aus Ihrem Fachgebiet stammen, die meisten jedoch nicht. Interdisziplinäre Forschungsteams brauchen oft Monate, um ein gemeinsames Vokabular unter Forschenden zu entwickeln. Warum sollte das bei Akteuren in Politik und Verwaltung anders sein?

Investieren Sie daher in eine Vereinfachung Ihrer Sprache. Belegen Sie einen Kurs in Wissenschaftskommunikation, bitten Sie Ihre Pressestelle um Rückmeldung oder lassen Sie Ihren Text durch Tools wie den „De-Jargonizer“ oder „Readable.com“ laufen. Sprechen Sie regelmäßig mit Menschen außerhalb Ihres Fachgebiets über Ihre Forschung. Und bitten Sie Akteure in Politik und Verwaltung direkt um ehrliches Feedback dazu, ob die kommunizierten Inhalte verstanden werden.

Noch etwas: Gehen Sie nicht davon aus, dass Akteure in Politik und Verwaltung die Meilensteine Ihres Fachgebiets kennen. Sie haben wahrscheinlich schon von „Nature“ und „Science“, einer Handvoll bekannter Universitäten und Forschenden gehört, die in Medien präsent sind. Das „Journal of xyz Quarterly“ – egal wie renommiert es in Ihrer Welt auch sein mag – sagt den Akteuren in der Praxis wahrscheinlich nichts. Sie kennen wahrscheinlich nicht die großen Namen in Ihrem Fachgebiet, außer diese sind regelmäßig in Medien vertreten. Das Gleiche gilt für das Thema Zeitdruck in Forschungseinrichtungen, die Durchführung von Forschungsprojekten oder die Bedeutung von Begriffen wie „PI“ oder SFB.

 

  • „Sie erwarten das Unmögliche von mir“

Oft besteht eine echte Kluft zwischen den Anforderungen der Akteure in Politik und Verwaltung und dem, was die Forschung tatsächlich liefern kann. Dies zeigt sich auf verschiedene Weise. Erstens klingen manche Fragen für Akteure in Politik und Verwaltung einfach, sind für Forscher jedoch fast unmöglich mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten: „Verursacht ungesunde Ernährung Krebs?“ oder „Senken Steuersenkungen die Arbeitslosigkeit?“ Reale Ergebnisse haben selten nur eine einzige Ursache, und viele Forschungsergebnisse sind mit Unsicherheit behaftet.

Zweitens sind Fragen zu zukünftigen Entwicklungen schwierig zu beantworten: „Wann wird das nächste Extremwetterereignis in Deutschland auftreten?“ oder „Wird China in den nächsten Jahren Taiwan angreifen?“ Die Forschung kann Risiken, Trends und Wahrscheinlichkeiten aufzeigen, aber keine Gewissheit über Ereignisse bieten, die noch nicht eingetreten sind.

Drittens gibt es den Sprung von den Ergebnissen zu den Empfehlungen: „Sie haben festgestellt, dass Menschen, die mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln, gesünder sind als diejenigen, die mit dem Auto fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Welche Handlungsempfehlungen leiten Sie aus diesen Erkenntnissen ab?“ Fundierte Forschung lässt sich nicht immer nahtlos in konkrete Handlungsempfehlungen umsetzen; dieser Schritt erfordert in der Regel Kenntnisse über politische Prioritäten und Abwägungen, die über das hinausgehen, was die Forschungsergebnisse alleine aussagen können.

Viertens verlangen Akteure in Politik und Verwaltung manchmal schnelle Ergebnisse, ohne zu wissen, wie viel Zeit Forschung benötigt: „Können Sie innerhalb der nächsten zwei Wochen die Auswirkungen der Hitzewelle vom letzten Monat auf den öffentlichen Nahverkehr analysieren?“ Eine gründliche Analyse braucht Zeit, und diese Diskrepanz bei den Erwartungen kann zu einer echten Quelle von Frustration auf beiden Seiten werden.

 

Was zu tun ist:
Wenn Ihnen eine solche Frage gestellt wird, erklären Sie klar und deutlich, was Ihre Forschung aussagen kann und was nicht. Sprechen Sie Unsicherheiten ehrlich an und bleiben Sie vor allem geduldig. Akteure in Politik und Verwaltung wollen Sie in der Regel nicht auf die Probe stellen; meistens wissen sie einfach nicht, wie Forschung funktioniert, und eine ruhige, klare Erklärung kann viel bewirken.

 

(5) „Ich verstehe die politischen Fachbegriffe und Abläufe in Praxiseinrichtungen nicht“

Akteure in Politik und Verwaltung beziehen sich auf Gesetze, Gerichtsurteile, wichtige Dokumente oder Ereignisse, von denen Forschende ggf. noch nie gehört haben. Möglicherweise sind Sie mit Akteuren oder Abläufen nicht vertraut, und Akteure in Politik und Verwaltung denken in rechtlichen und wirtschaftlichen Kategorien, die Ihnen als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin vielleicht gar nicht in den Sinn kommen. Selbst gut vorbereitete Forschende können den Faden verlieren, denn vieles, was Akteure wissen, ist implizites Wissen, das man nur in persönlichen Gesprächen erfährt.

Und ja, auch Akteure in Politik und Verwaltung haben ihre eigene Fachsprache. Verbringt man Zeit in Brüssel, versinkt man in Abkürzungen: DG, MFF, GAP, Acquis. Ich saß einmal in einer Sitzung in einem Bundesministerium in Berlin, als jemand sagte: „Während der letzten LP wollte Schmidt, dass sich die Direktion 4 auf … konzentriert.“ Ich brauchte eine Weile, um herauszufinden, dass LP für Legislaturperiode stand, wer Schmidt war und wofür die Direktion 4 eigentlich zuständig war.

 

Was Sie tun können
Sofern die Politikanalyse nicht Ihre Hauptaufgabe ist, ist es völlig normal, sich dabei bisweilen verloren zu fühlen. Sie müssen sich keine Organigramme einprägen, um ein gutes Gespräch mit einem Akteur aus Politik und Verwaltung zu führen. Wenn Sie neu auf diesem Gebiet sind, verschaffen Sie sich vorab einen Überblick, indem Sie wichtige politische Dokumente oder Organigramme überfliegen. Und es ist absolut in Ordnung, zuzugeben, dass Sie neu sind. Stellen Sie immer Fragen. Wenn Sie zu einer Policy-Veranstaltung eingeladen sind, bitten Sie Ihre Gastgeber im Vorfeld um ein Briefing. Der Zugang zu implizitem Wissen erfolgt nur durch persönliche Gespräche. Nutzen Sie daher informelle Einzelgespräche mit Akteuren in Politik und Verwaltung, wann immer sich die Gelegenheit bietet.

 

  • „Termine werden ständig abgesagt – als ob meine Zeit keine Rolle spielen würde“

Kollegen in Brüssel erzählten mir, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Europaabgeordneter seinen Auftritt in einer Podiumsdiskussion zwei Stunden vor Beginn absagt, bei 50:50 liegt. Ein Wissenschaftler erzählte mir, wie er erfuhr, dass ein Minister ein Treffen abgesagt hatte, während er bereits im Zug in Richtung Hauptstadt saß. Das passierte zweimal innerhalb von zwei Monaten. Gleichzeitig werden dieselben Forschenden manchmal gebeten, innerhalb weniger Tage eine gründliche Analyse einer aktuellen Entwicklung zu erstellen.

Akteure in Politik und Verwaltung – insbesondere Abgeordnete und die Leitungsebene in Ministerien – haben es mit Terminplänen zu tun, die durch Ereignisse, die völlig außerhalb ihrer Kontrolle liegen, ständig durcheinandergewirbelt werden können. Und um fair zu sein: Die meisten von ihnen wissen nicht, dass die Terminkalender von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch Verpflichtungen in Forschung, Lehre und Verwaltung eng getaktet sind.

 

Was Sie tun können
Bitten Sie bei der Organisation einer Veranstaltung die Akteure in Politik und Verwaltung stets, einen Ersatz zu benennen, falls sie nicht teilnehmen können. Verfahren Sie bei Einzelgesprächen ebenso. Anstatt vier Stunden in die Vorbereitung eines Treffens mit einem Minister zu investieren, das dann in letzter Minute abgesagt wird. Fragen Sie im Voraus, ob Mitarbeitende im Fall von Absagen einspringen können. Kommunizieren Sie Ihre eigenen Terminbeschränkungen. Bieten Sie virtuelle Treffen als Ausweichmöglichkeit an. Kommunizieren Sie offen, wenn Sie Anfragen zu kurzfristig erreichen.

 

  • „Meine Ansprechpartner wechseln ständig; ich habe das Gefühl, jedes Mal wieder bei Null anfangen zu müssen“

Abgeordnete verlieren ihre Mandate, beenden ihre politischen Karrieren oder wechseln in neue parlamentarische Ausschüsse. Neue Regierungen bringen neue Führungskräfte in die Ministerien. Berufsbeamte wechseln alle paar Jahre ihre Abteilungen. Für Forschende kann es anstrengend sein, Beziehungen immer wieder neu aufbauen zu müssen.

 

Was Sie tun können
Akzeptieren Sie die Fluktuation als strukturelles Merkmal demokratischer Institutionen und nicht als persönlichen Rückschlag. Bauen Sie Beziehungen über das gesamte demokratische, politische Spektrum hinweg auf, auch zu Oppositionsparteien. Pflegen Sie gute Arbeitsbeziehungen zu Mitarbeitenden von Abgeordneten oder Fraktionsreferentinnen und-referenten sowie Mitarbeitenden in Ministerien. Halten Sie Factsheets oder Policy Briefs bereit, die Sie bei Bedarf schnell aktualisieren können.

 

  • „Ich wollte den Entscheidungsträger sprechen; man hat mich mit niederrangigem Personal abgespeist“

Erstens offenbart diese Aussage meist ein weit verbreitetes Missverständnis. Mitarbeitende in Ministerien und Mitarbeitende von Abgeordneten oder in Fraktionen sind kein ‚niederrangiges‘ Personal, sondern meistens diejenigen mit der größten Fachkompetenz zu einem bestimmten Thema – mehr noch als ihre Vorgesetzten – und sie sind es, die wissenschaftliche Erkenntnisse für ihre Vorgesetzten aufbereiten. Zweitens: Wenn ein Entscheidungsträger oder eine Entscheidungsträgerin ein Treffen ablehnt und jemanden anderen schickt, bedeutet das nicht, dass er oder sie kein Interesse hat. Wäre dies der Fall, würde gar keine Vertretung vorgeschlagen werden.

 

Was Sie tun können

Schätzen Sie es, dass Vertretungen vorgeschlagen wurden. Tauschen Sie sich mit den Mitarbeitenden aus, die ihre Vorgesetzten vertreten, und halten Sie den Kontakt zu ihnen aufrecht. Wenn Sie einen Entscheidungsträger zu einer Veranstaltung einladen, seien Sie realistisch, was die Eignung angeht: Passt die Rolle, die Sie anbieten (Redner, Podiumsteilnehmer, stiller Teilnehmer), zu seinen Prioritäten? Handelt es sich um einen 20-minütigen Auftritt oder um ein zweitägiges Engagement? Wo findet die Veranstaltung statt? In Berlin oder einer Landeshauptstadt, im Wahlkreis der angefragten Politikerin oder ganz woanders? Und findet sie während einer Sitzungswoche oder in der Parlamentspause statt? Wenn Sie diese Details richtig einschätzen, erhöhen Sie Ihre Chancen erheblich.

 

  • „Nach dem Austausch herrscht absolute Funkstille“

Noch einmal: Akteure in Politik und Verwaltung sind beschäftigt. Schweigen nach einem Treffen bedeutet nicht Desinteresse.

 

Was Sie tun können
Nehmen Sie selbst Kontakt auf! Melden Sie sich ein paar Wochen oder Monate später und kommunizieren Sie, dass Sie das Gespräch gerne fortsetzen würden, vielleicht haben Sie neue Erkenntnisse oder es gibt eine aktuelle Entwicklung, die Sie diskutieren möchten. Gewöhnen Sie sich an, den Akteuren in Politik und Verwaltung schon beim ersten Treffen mitzuteilen, dass Sie gerne in Kontakt bleiben möchten. Und nehmen Sie es nicht persönlich, wenn es kein Folgegespräch gibt. Die Prioritäten von Akteuren in Politik und Verwaltung können sich ändern, und Terminkalender ermöglichen keine Folgekontakte.

 

  • „Verbände, NGOs Thinktanks oder Medien erhalten mehr Gehör als die Wissenschaft“

Forschende können es bisweilen irritierend oder sogar als beleidigend empfinden, wenn Akteure in Politik und Verwaltung eher das Positionspapier eines Wirtschaftsverbands, eine NGO-Kampagne, die Analyse einer Beratungsfirma oder eine Schlagzeile aus der Boulevardpresse zur Kenntnis nehmen als „ordentliche“ wissenschaftliche Erkenntnisse.

 

Was Sie tun können
Wissenschaftliche Expertise ist eine von mehreren Wissensquellen für Akteure in Politik und Verwaltung, aber nicht unbedingt die wichtigste. Verschiedene Akteure spielen unterschiedliche Rollen im Ökosystem: Thinktanks und Beratungsunternehmen können Policy-Analysen deutlich schneller durchführen, als es akademische Einrichtungen jemals können. Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände haben ein hohes Mobilisierungspotenzial für Kampagnen. Medien haben wiederum eine deutlich höhere Reichweite als wissenschaftliche Publikationen. Verfolgen Sie daher die Stellungnahmen oder Analysen der wichtigsten NGOs, Verbände, Thinktanks oder Medien zu Ihren Themengebieten. Sie können deren Kanäle – etwa Publikationen (Stichwort Gastbeiträge) oder Veranstaltungen – nutzen, um mit Ihrer Expertise Politik und Verwaltung zu erreichen.

 

  • „„Niemand nutzt unsere Transferangebote oder kommt zu unseren Veranstaltungen

Forschende investieren Wochen oder Monate in die Organisation einer Veranstaltung oder in die Entwicklung eines Transferformats, wie beispielsweise Policy-Publikationen, einer interaktiven Website, einer App, einer Simulationsübung, eines Hospitationsprogramms oder einer Experten-Hotline – und die Akteure in Politik und Verwaltung tauchen einfach nicht auf oder nutzen das Angebot letztlich nie.

 

Was Sie tun können

Erstens: Prüfen Sie den Bedarf, bevor Sie etwas entwickeln. Akteure in Politik und Verwaltung werden täglich mit Positionspapieren, Einladungen zu Veranstaltungen und weiteren Informationen überschüttet. Bevor Sie viel Zeit und Geld in die Entwicklung von Apps, Simulationen, Hospitanz Programmen oder interaktiven Portalen investieren, fragen Sie Ihre Zielgruppe, was sie tatsächlich braucht und wie viel Zeit sie zur Verfügung hat. Die frühzeitige Einbindung von Akteuren aus Politik und Verwaltung in den Planungsprozess liefert entscheidendes Feedback zu Inhalt, Umfang und Format.

Zweitens: Geben Sie gezielter Kommunikation den Vorrang vor der Massenkommunikation. Vermeiden Sie allgemeine Massen-E-Mails oder Mailings: Diese werden in der Regel sofort herausgefiltert. Ermitteln Sie relevante Parlamentsausschüsse oder Ministerialabteilungen und passen Sie Ihre Einladung oder Ihr Transferformat direkt an deren aktuelle Agenda an. Erläutern Sie klar und prägnant, welche konkreten Erkenntnisse sie durch die Teilnahme an der Veranstaltung oder die Nutzung des Formats gewinnen. Ein kurzes Folgegespräch per Telefon oder eine persönliche Nachricht kostet zwar Zeit, ist aber weitaus effektiver als Monate damit zu verbringen, eine App zu nutzen, die kein Akteur in Politik und Verwaltung nutzt.

Drittens: Schließen Sie sich mit etablierten Akteuren zusammen. Wenn Ihre Institution noch keine Erfahrung im Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung hat oder keine direkten Kanäle zu Entscheidungsträgern besitzt, arbeiten Sie mit Organisationen zusammen, die bereits eine nachgewiesene Erfolgsbilanz vorweisen (z. B. Forschungsnetzwerke, Thinktanks, NGOs, Stiftungen). Gemeinsame Veranstaltungen oder Formate wie gemeinsam verfasste Policy-Publikationen oder Dialogformate ziehen Akteure aus Politik und Verwaltung in der Regel deutlich effektiver an als eigenständige Initiativen.

 

  • „Ich habe erwähnt, dass ich Fördermittel brauche, und es ist nichts dabei herausgekommen“

Manchmal treten Forscher mit Akteuren in Politik und Verwaltung in Kontakt, teilweise in der Hoffnung, dass sich dadurch Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen, und sind am Ende enttäuscht, wenn diese Finanzierung nicht zustande kommt.

 

Was Sie tun können

Unterscheiden Sie zwischen Policy Engagement bzw. wissenschaftlicher Politikberatung auf der einen und der Akquise von Fördermitteln auf der anderen Seite. Beim Policy Engagement steht der Austausch von Erkenntnissen im Mittelpunkt, nicht die Einwerbung von Fördermitteln.

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Quellen und weiterführende Literatur:

De-Jargonizer, scienceandpublic.com

Readable, readable.com

Hemingway Editor, hemingwayapp.com

Lloyed, James (2016), „So you want to change Policy? Six steps for academics looking to achieve Policy change“, LSE Blogs, abgerufen am 5. August 2026.

 

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Policy Engagement von Anfang an: Wie sich der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung gezielt in Förderanträge integrieren lässt

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Prüfung der Passung zwischen Forschungsthema, intrinsischer Motivation und Transferkomponenten vor Antragstellung: Abgleich der Forschungs- und Transferziele sowie der eigenen Motivation; halbherzige Transferkonzepte schaffen keinen Mehrwert.
  • Terminologie und Erwartungsmanagement: Genaue Abstimmung auf die Begrifflichkeiten und Vorgaben der Fördereinrichtung (z.B. Transfer, Wirkung, Stakeholder-Einbindung); Abgleich zwischen Förderanforderungen und realistischen Projektkapazitäten.
  • Mehrwert für die Forschung nutzen: Verankerung von Schnittstellenaktivitäten ab Projektbeginn, um Impulse aus Politik und Verwaltung direkt in die Forschungsaktivitäten einzuspeisen.
  • Ressourcen und Evaluation: Realistische Budgetierung von Transfermaßnahmen sowie die Definition aussagekräftiger Indikatoren zur Messung und Steuerung des Engagements.

 

Wo liegt das Problem?

Der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung scheitert meist nicht am fehlenden Interesse der Forschenden, sondern an mangelnden zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Diese Herausforderung kann angegangen werden, indem der Austausch mit Politik/Verwaltung von Beginn an fest in Forschungsprojekten eingeplant wird, anstatt ihn erst gegen Projektende zu berücksichtigen.

Zudem fordern immer mehr Förderorganisationen den Nachweis, dass Forschungsprojekte relevante Stakeholder außerhalb der Wissenschaft einbinden und konkrete gesellschaftliche Wirkung erzielen. Die folgenden Empfehlungen helfen Forschenden dabei, Policy Engagement in Förderanträge zu integrieren.

  • Prüfung der persönlichen Motivation und Ziele: Falls Förderalternativen ohne Transferauflagen zur Verfügung stehen und keine intrinsische Motivation für den Austausch mit Politik und Verwaltung vorhanden ist, ist eine anderweitige Bewerbung meist sinnvoller. Ist der Austausch mit Politik/Verwaltung jedoch eine verpflichtende Anforderung, sollte dieser ebenso ernst genommen wie andere verpflichtende Teil wie etwa der Finanzplan.

Für Unentschlossene hilft ein kurzer Selbsttest. Bewerten Sie die folgenden Szenarien auf einer Skala von 1 („nicht ideal, aber verkraftbar“) bis 10 („absoluter Katastrophenfall“):

Szenario 1: Aus Ihrem Forschungsprojekt geht keine einzige wissenschaftliche Publikation hervor.

Szenario 2: Alle angesprochenen Akteure aus Politik und Verwaltung bewerten Ihre Transferpublikationen oder -veranstaltungen als Zeitverschwendung.

Gewichten Sie Szenario 1 nahe bei 10 und Szenario 2 nahe bei 1, ist ein aktives Policy-Engagement derzeit vermutlich nicht die richtige Wahl. Halbherziges Engagement führt meist zu Alibi-Aktivitäten wie der obligatorische Transferworkshop am Ende des Workshops, die weder dem Projektteam noch den Zielgruppen viel Freude bereiten.

  • Sorgfältige Lektüre der Förderrichtlinien: Förderorganisationen verwenden unterschiedliche Begriffe wie (Wissens-)Transfer, Wissenschaftskommunikation, Stakeholder-Einbindung, Impact, Valorisierung etc. Prüfen Sie in den Ausschreibungsunterlagen genau, welche Begrifflichkeiten verwendet werden, und verwenden Sie diese in Ihrem Antrag. Gutachtende orientieren sich oft streng an den Vorgaben der Ausschreibung. Wenn etwa in den Antragsunterlagen der Begriff Stakeholder-Engagement verwendet wird, nutzen Sie diesen ebenfalls.

 

Orientieren Sie sich an den folgende Fragen:

  • Ist der Austausch mit Politik/Verwaltung verpflichtend oder uptional? (In sehr kompetitiven Ausschreibungen werden „optionale“ Kriterien de facto oft zu Pflichtkriterien.)
  • Sind Politik und Verwaltung die richtige Zielgruppe für Ihr Projekt? Oder wären Zielgruppen wie Unternehmen, Schulen oder Verbände passender?
  • Welche Wirkung hinsichtlich der Transferaktivitäten wird erwartet? Genügt die Publikation von Policy-Briefs, oder werden nachweisbare Veränderungen erwartet?
  • Welche Transferkosten (z. B. externe Moderation, Graphikdesign, Druckkosten, Catering) sind förderfähig?
  • Zögern Sie nicht, bei Fragen die Fördereinrichtungen zu kontaktieren oder Kolleginnen und Kollegen, die bei der jeweiligen Förderorganisation bereits erfolgreich Anträge eingereicht haben.
  • Zeigen Sie den Mehrwert für die eigene Forschung: Wissenstransfer ist keine Einbahnstraße. Der Austausch mit der Praxis eröffnet neue Perspektiven, schärft Hypothesen, erleichtert den Zugang zu Daten und Interviewpartnern und liefert frühzeitiges Feedback.Deshalb ist es unzureichend, Transferpublikationen oder -Veranstaltungen erst in der Schlussphase des Projekts einzuplanen. Zu diesem Zeitpunkt können Rückmeldungen nicht mehr in die Forschung einfließen. Planen Sie bereits für die erste Projekthälfte erste Dialogformate oder die Einbindung von Akteuren aus Politik/Verwaltung in Projektbeiräten ein.
  • Entwicklung spezifischer, kreativer und tragfähiger Formate: Vermeiden Sie es, wissenschaftliche Standard-Outputs als Policy Engagement zu deklarieren.

„Wir werden Akteure in Politik und Verwaltung zu unseren wissenschaftlichen Konferenzen einladen“, „Akteure in Politik und Verwaltung werden unsere wissenschaftlichen Publikationen lesen“ oder „Einige unserer Early Career Researchers werden später Karrieren in Ministerien einschlagen“ sind keine überzeugenden Transferstrategien.

Ihre Transferformate müssen den Bedürfnissen der Akteure in Politik und Verwaltung entsprechen. Seien Sie kreativ: Es gibt weit mehr Möglichkeiten als nur Policy Briefs und Podiumsdiskussionen. Doch wann immer Sie etwas Aufwändigeres planen – eine interaktive Website, ein Dashboard, eine App, eine Simulationsübung, ein Serious Game, einen Podcast, ein Arbeitsheft, eine Experten-Hotline oder ein Hospitationsprogramm –, stellen Sie die Idee den Akteuren in Politik und Verwaltung vor, bevor Sie Fördermittel beantragen. Manche Ideen klingen auf dem Papier großartig, sind für Akteure in Politik und Verwaltung jedoch schlichtweg nicht praktikabel.

Erkundigen Sie sich nach deren Bedürfnissen und gleichen Sie diese mit Ihren Ressourcen und Interessen ab; andernfalls riskieren Sie, Monate in die Entwicklung einer App oder einer Simulationsübung zu investieren, die letztlich von keinem Akteur in Politik und Verwaltung genutzt wird. Wenn Akteure in Politik und Verwaltung von Ihren Transferideen überzeugt sind, bitten Sie diese um ein kurzes Unterstützungsschreiben.

Sprechen Sie über die Akteure in Politik und Verwaltung hinaus auch mit Kolleginnen und Kollegen aus Forschung und Wissenstransfer/-kommunikation, die bereits über Erfahrung im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung verfügen. Legen Sie fest, welche Outputs, Outcomes und Wirkungen Sie anstreben. Prüfen Sie die Erreichbarkeit dieser Ziele. Behauptungen wie „Wir werden an unserer Universität einen zweitägigen Workshop veranstalten, an dem 40 Mitglieder des Bundestags aus ganz Deutschland teilnehmen werden, die daraufhin mehrere Gesetze ändern werden“, sind sehr unwahrscheinlich. Vermeiden Sie daher solche Aussagen. Die Website Policy Engagement Toolkit.eu oder die REF Impact Case Study Database sind gute Anlaufstellen, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Ziele mit verschiedenen Formaten erreicht werden können.

Denken Sie schließlich über Partnerschaften nach – nicht nur mit Akteuren in Politik und Verwaltung, sondern auch mit anderen Forschungseinrichtungen, Thinktanks, NGOs oder Stiftungen –, um eine größere Wirkung zu erzielen und Ressourcen zu bündeln. Anstatt eine eigene Veranstaltung in Berlin oder einer Landeshauptstadt zu organisieren oder eine eigene Policy-Brief-Reihe zu konzipieren, sollten Sie in Erwägung ziehen, bereits bestehende Formate zu nutzen und mit anderen Organisationen zu kooperieren.

 

  • Beantragen Sie ein realistisches Transferbudget: Ein qualitativ hochwertiger Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung erfordert angemessene finanzielle Mittel. Wenden Sie sich bei der Erstellung Ihres Budgets frühzeitig an die Mitarbeitenden Ihrer Kommunikations-, Wissenstransfer- oder Forschungsförderungsabteilung. Planen Sie nach Möglichkeit professionelle Dienstleistungen ein: Moderation, Workshop-Leitung, Grafikdesign, Website- oder App-Entwicklung, Veranstaltungsmanagement oder Fortbildungen bezüglich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Diese Dienstleistungen können kostspielig sein, doch die Erwartung, dass Early Career Researchers spezialisierte Aufgaben ohne vorherige Schulung übernehmen, führt oft zu Verzögerungen und suboptimalen Ergebnissen. Begründen Sie die Kosten: Die Anmietung einer Event Location in Berlin, Brüssel oder einer Landeshauptstadt ist teurer als die Ausrichtung einer Policy-Konferenz an einer 200 Kilometer entfernten Universität, aber möglicherweise ist dies der einzige Weg, vielbeschäftigte Akteure in Politik und Verwaltung zuverlässig zu erreichen.

 

  • Definition aussagekräftiger Indikatoren für Monitoring und Evaluation: Gutachtende erwarten konkrete Konzepte zur Erfolgsmessung. Setzen Sie auf eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Indikatoren (z. B. Feedback-Bögen der Teilnehmenden, Anfragen für Folgeaktivitäten). Zeigen Sie auf, wie Rückmeldungen aus der Praxis fortlaufend ausgewertet werden und in die Projektaktivitäten einfließen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

Bewerten Sie bereits in der frühen Phase der Antragstellung die Kapazitäten des Teams, die Motivation für den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung sowie das Wissen über politische Gestaltungsprozesse. Binden Sie Akteure aus Politik/Verwaltung in Beiräte ein. Wenn möglich, entwerfen und gestalten Sie gemeinsam maßgeschneiderte Formate für die Zusammenarbeit.

 

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

Informieren Sie die Antragstellenden über die Anforderungen verschiedener Förderorganisationen. Stellen Sie den Antragstellenden Leitfäden (wie diesen hier) zur Verfügung. Informieren Sie sie über Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Bieten Sie nach Möglichkeit Unterstützung bei der Vernetzung von Antragstellern mit Akteuren aus Politik/Verwaltung an.

 

Akteure in Politik und Verwaltung

Geben Sie frühzeitig Feedback zu Wissensbedarfen. Schreiben Sie nach Möglichkeit Unterstützungsschreiben; nehmen Sie an Projektbeiräten oder Dialogrunden teil; geben Sie Einblicke in aktuelle politische Arbeitsabläufe und Informationsbedürfnisse; testen und nutzen Sie maßgeschneiderte Policy-Ergebnisse.

 

Quellen und weiterführende Literatur

ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit (2026), abgerufen am 10. August 2026.

REF 2021. Research Excellence Framework (2022), Impact Case Study Database, abgerufen am 10. August 2026.

 

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Politikgestaltung verstehen: Ein Leitfaden zu wichtigen Informationsquellen – von Newslettern bis hin zum persönlichen Gespräch

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schneller Überblick: Organigramme, Schlüsseldokumente wie Koalitionsverträge oder Strategiepapiere und Policy Publikationen wie Positionspapiere verschaffen Ihnen einen raschen und kostengünstigen Überblick über jedes Politikfeld und möglichen Wissensbedarfen.
  • Sprachgefühl entwickeln: Das regelmäßige Lesen von Schlüsseldokumenten und Policy Publikationen einen nützlichen Nebeneffekt: Sie gewöhnen sich im Laufe der Zeit an die Fachsprache der Politikgestaltung.
  • Zugang zu implizitem Wissen: Persönliche Gespräche und Policy-Events bieten Zugang zu Kontextwissen, das in keinem veröffentlichten Dokument steht. Forschenden sollten sich daher regelmäßig mit Akteuren in Politik/Verwaltung austauschen. Interessenvertretungen tun dies täglich.
  • Geringer Zeitaufwand: Der Aufwand ist überschaubar und lässt sich in Stunden oder wenigen Tagen bewältigen, nicht in Wochen.

 

Was ist das Problem?

Forschende, die noch keine Erfahrung mit dem Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung haben, stellen oft eine grundlegende Frage: Wo fange ich an? Diese Frage ist alles andere als trivial. In der Praxis lässt sich diese Frage in konkrete Teilfragen zerlegen:

  • Wie funktioniert Politikgestaltung? Wie werden Entscheidungen getroffen und umgesetzt?
  • Welche Wissensbedarfe haben Politik/Verwaltung? Wie finde ich heraus, ob mein Fachwissen für Akteure in Politik/Verwaltung relevant ist?
  • Wer sind die richtigen Zielgruppen für meine Expertise?
  • Wie kann ich mit Akteuren aus Politik/Verwaltung in Kontakt treten?
  • Wie kann ich Fachjargon verstehen?
  • Wie kann ich all das zeitsparend erledigen?

Dieser Leitfaden bietet einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Informationsquellen, die bei der Beantwortung dieser Fragen helfen.

 

I. Organigramme

Denken Sie über die Kernthemen Ihrer Forschung nach (z. B. Cybersicherheit, Umwelt, Mobilität oder Gesundheit). Suchen Sie online nach Landes- oder Bundesministerien, Generaldirektionen (DGs) der Europäischen Kommission und internationalen Organisationen, die sich mit diesen Themen befassen. Öffnen Sie die Organigramme auf deren Websites.

Organigramme sind vor allem aus zwei Gründen von unschätzbarem Wert:

Schnelle Orientierung: Sie erhalten einen schnellen Überblick über die Zuständigkeiten der Gremien der Akteure in Politik/Verwaltung. Außerdem helfen sie Ihnen dabei, einzuschätzen, welche Priorität ein Thema hat: Sind beispielsweise mehrere Fachabteilungen mit verschiedenen Aspekten des Themas befasst, oder wird es von einer einzigen Referat neben vielen anderen Themen behandelt?

Identifikation möglicher Ansprechpartner:innen: Sie können genau die Einheiten bzw. Mitarbeitenden identifizieren, die Sie zu Veranstaltungen einladen, um bilaterale Treffen bitten und über Ihre Forschungsergebnisse informieren können.

Tipp: Vergleichen Sie Organigramme verschiedener Landes- und Bundesministerien, Generaldirektionen der Europäischen Kommission und internationaler Organisationen wie der WHO oder der OECD. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Abteilung für ein bereichsübergreifendes Thema (z. B. Umweltbesteuerung oder Cybersicherheit) zuständig ist, prüfen Sie auch Ministerien in verwandten Bereichen.

Lassen Sie sich nicht einschüchtern! Das erste Durchsehen von Organigrammen kann überwältigend wirken, insbesondere bei großen PDF-Dateien. Es ist völlig normal, sich dabei etwas verwirrt zu fühlen.

Parlamente: Werfen Sie einen Blick auf die Übersichten der parlamentarischen Ausschüsse. Diese spiegeln bei den Landesparlamenten und dem Bundestag meist die Zuschnitte der jeweiligen Ministerien wider.

 

II. Schlüsseldokumente

Schlüsseldokumente bieten Überblicke zu den Zielen, Prioritäten und geplanten Maßnahmen von Regierungen, politischen Parteien, EU-Einrichtungen und internationalen Organisationen. Dazu gehören:

  • Parteiprogramme / Wahlprogramme
  • Koalitionsverträge auf Landes- und Bundesebene
  • Strategien, Aktionspläne und Fahrpläne (z. B. High Tech Agenda Deutschland; Nationale Demenzstrategie; Hessische Klimaanpassungsstrategie; EU-Biodiversitätsstrategie für 2030; Globale Strategie der WHO für digitale Gesundheit 2020–2027)
  • Gesetze und Gesetzesentwürfe
  • Weitere offizielle Publikationen wie Analysen/Evaluationen, die auf den Websites der Institutionen veröffentlicht werden
  • Ausschreibungen für Studien oder Konsultationsverfahren (z. B. EU-Portal „Have Your Say“)

Bitte berücksichtigen: Nicht jede in einem Koalitionsvertrag, einem Strategiepapier oder einem Gesetzestext dargelegte Maßnahme wird 1:1 umgesetzt. Politische Prioritäten können sich schnell verschieben, insbesondere in Krisenzeiten (z. B. während der COVID-19-Pandemie oder des russischen Angriffs auf die Ukraine). Schlüsseldokumente bieten eine schnelle Orientierung.

 

III. Policy-Analysen und Positionspapiere von Thinktanks, NGOs und Verbänden

Wissenschaftliche Forschung ist nicht die einzige Quelle externer Informationen für Akteure in Politik/Verwaltung. Thinktanks, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Branchenverbände und Stiftungen veröffentlichen regelmäßig Policy-Analysen und Positionspapiere.

Das Lesen dieser Publikationen hilft Ihnen, politische Entwicklungen zu analysieren und die Forderungen verschiedener Interessensgruppen zu verstehen. Es lohnt sich auf jeden Fall, die wichtigsten Interessensgruppen in Ihrem Fachgebiet zu kennen. Wenn sich Ihre Forschung mit Umweltfragen befasst, sollten Sie regelmäßig Veröffentlichungen von Wirtschaftsverbänden, Umwelt-NGOs und spezialisierten Thinktanks durchsehen. Sie können diese Organisationen ganz einfach mithilfe von Suchmaschinen oder KI-Tools erfassen.

 

IV. Newsletter, Pressemitteilungen und soziale Medien

Abonnieren Sie offizielle Newsletter und Pressemitteilungen und folgen Sie relevanten Akteuren in Politik/Verwaltung sowie wichtigen Interessengruppen in den sozialen Medien. Diese Kanäle liefern zeitnahe Informationen zu aktuellen Entwicklungen und bevorstehenden Policy-Ereignissen.

Empfehlungen für Accounts?

  • Politische Parteien
  • Abgeordnete: Konzentrieren Sie sich auf themenpolitische Sprecher:innen oder Ausschussvorsitzende. Folgen Sie darüber hinaus stets den Abgeordneten, die den Wahlkreis vertreten, in dem sich Ihre Forschungseinrichtung befindet.
  • Öffentliche Einrichtungen: Stadtverwaltungen, Landes- und Bundeseinrichtungen; je nach Forschungsinteressen abonnieren Sie auch Newsletter der Generaldirektionen der Europäischen Kommission und internationaler Organisationen.
  • Wichtige Interessengruppen: Renommierte Thinktanks, Branchenverbände, Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen, die in Ihrem Fachgebiet tätig sind (z. B. Biodiversität, Cybersicherheit, Gesundheit).

 

V. Medien und spezialisierte Nachrichtendienste

Am Thema Politikberatung interessierte Forschende sollten die Medienberichterstattung zu ihren Themengebieten verfolgen. Universitätsbibliotheken verfügen über institutionelle Abonnements großer Printmedien und bieten meist Datenbanken wie Nexis an, die die Recherche in unzähligen Printmedien ermöglichen. Spezialisierte Anbieter wie Table Media, Tagesspiegel Background, Politico Pro oder Euractiv bieten Hintergrundberichte zu verschiedenen Themen, die auch in Ministerien, Parlamenten und Verbänden rege genutzt werden. Die Angebote sind teilweise sehr kostspielig und auch umfangreich. Ich empfehle daher Forschenden, verschiedene Anbieter über Probeabonnements zu testen und dann zu entscheiden, ob sich Abonnements lohnen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Universitätsbibliothek, auf welche Abonnements, Nachrichtendienste oder Mediendatenbanken (z. B. Nexis Uni) Sie im Rahmen von institutionellen Lizenzen kostenlos zugreifen können.

 

VI. Policy-Veranstaltungen und persönliche Gespräche

Insbesondere in Berlin, Brüssel und auch in Landeshauptstädten finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die Akteure aus Politik/Verwaltung, Forschende sowie Expert:innen aus Thinktanks und der Zivilgesellschaft zusammenkommen.

Die Teilnahme an Policy-Veranstaltungen ist aus zwei Gründen entscheidend:

  • Direkte Vernetzung: Sie können sich im informellen Rahmen direkt mit Akteuren aus Politik/Verwaltung austauschen. Bereiten Sie im Voraus einen prägnanten „Elevator Pitch“ vor. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, nach einem gehaltvollen Gespräch Kontaktdaten auszutauschen und bleiben Sie nach dem Gespräch im Kontakt! Das Knüpfen von Kontakten bei Veranstaltungen und das Nachfassen einige Wochen später ist oft weitaus zeit- und kosteneffizienter als die Organisation eigener Einzelveranstaltungen ohne bestehende politische Netzwerke.
  • Zugang zu implizitem Wissen: Öffentliche Dokumente, Newsletter und Pressemitteilungen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Akteure in Politik und Verwaltung verfügen über umfangreiches implizites und kontextbezogenes Wissen, das nur über informelle Gespräche zugänglich ist.

Seien Sie nicht schüchtern: Es ist völlig in Ordnung, Akteure in Politik/Verwaltung anhand von Organigrammen zu identifizieren, sie direkt zu kontaktieren und um ein kurzes persönliches oder virtuelles Kennenlerngespräch zu bitten. Lobbyisten und Interessenverbände tun dies ständig. Forschende sind in dieser Hinsicht häufig zu schüchtern.

 

VII. Kanäle der Erwachsenenbildung und wissenschaftliche Publikationen

Die verschiedenen Formate der Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung bieten ein umfangreiches Angebot an Handbüchern, Dossiers, Factsheets, Infographiken, Podcasts und Erklärvideos zur Funktionsweise von kommunalen Einrichtungen, Parlamenten, Ministerien, EU-Institutionen und internationalen Organisationen. Diese sind didaktisch sehr gut aufbereitet und frei über die Webseiten verfügbar.

Zahlreiche wissenschaftliche Handbücher und Lehrbücher, die meist über Universitätsbibliotheken zugänglich sind, erläutern die Funktionsweise politischer Institutionen auf kommunaler, Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Einen guten Einstieg bieten auch sektorspezifische Darstellungen zu Themen wie Energie-, Gesundheits- oder Bildungspolitik.

 

Diese vorgestellten Informationsmöglichkeiten mögen zunächst zeitaufwendig erscheinen, ermöglichen Forschenden jedoch eine adressatengerechte Kommunikation ihrer Expertise. Die regelmäßige Lektüre von Schüsseldokumenten und Policy-Analysen hat einen weiteren großen Vorteil: Sie hilft Forschern, sich mit der Sprache in Politik/Verwaltung vertraut zu machen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

  • Nehmen Sie sich nach Möglichkeit regelmäßig Zeit, um relevante Newsletter zu lesen und wichtige Dokumente sowie Policy-Veröffentlichungen zu überfliegen.
  • Wählen Sie eine Handvoll Institutionen, Ausschüsse oder einzelne Akteure in Politik/Verwaltung aus, denen Sie regelmäßig verfolgen, anstatt zu versuchen, alles im Blick zu behalten.
  • Nehmen Sie an Policy-Veranstaltungen teil, bereiten Sie einen kurzen Elevator Pitch vor, knüpfen Sie Kontakte und halten Sie diese nach.

Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

  • Stellen Sie relevante Newsletter, wichtige Dokumente und Veranstaltungsinformationen zusammen und teilen Sie diese mit den Forschenden an Ihren Einrichtungen.
  • Helfen Sie Forschenden, die richtigen Zielgruppen für ihre Expertise zu identifizieren.
  • Ermöglichen Sie den Zugang zu Fachmedien und Informationsdiensten, beispielsweise durch Abonnements auf Einrichtungsebene.

Akteure in Politik und Verwaltung

  • Organigramme, wichtige Dokumente und Kontaktinformationen öffentlich zugänglich und auf dem neuesten Stand halten.
  • Einen aktiven Newsletter oder eine aktive Präsenz in den sozialen Medien pflegen.
  • Seien Sie bei Anfragen von Forschenden zu persönlichen Treffen offen.

 

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Wissenschaft wirkt nur, wenn sie ankommt: Warum die Kommunikation und der Inhalt von Policy-Formaten Hand in Hand gehen müssen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Frühzeitige Planung sichert Ressourcen: Um weder Zeit noch finanzielle Mittel für ungelesene Publikationen oder schlecht besuchte Veranstaltungen zu verschwenden, müssen Forschende und Mitarbeitende im Wissenstransfer die Bewerbung von Policy-Formaten von Anfang an mitdenken.
  • Der Mix macht’s: Eine effektive Vermittlung kombiniert mehrere sich gegenseitig verstärkende Strategien – von der gezielten Stakeholder-Analyse und personalisierten Ansprache über klassische und soziale Medien bis hin zu persönlichen Netzwerken und den Kanälen von Partnerorganisationen.

Worum geht es?

Forschende, die direkt von Akteuren aus Politik und Verwaltung eingeladen werden – sei es für Auftragsforschung, die Mitarbeit in Expertengremien, parlamentarische Anhörungen oder als Speaker auf Fachveranstaltungen –, genießen einen erheblichen Vorteil: direkten Zugang. Für Forschende ohne Vorerfahrung in der wissenschaftlichen Politikberatung stellt sich jedoch eine ganz andere Herausforderung: Sie müssen sich in Politik und Verwaltung überhaupt erst einmal einen Namen machen.

Das Risiko ist real: Eine sorgfältig recherchierte Policy-Veröffentlichung zu einem wichtigen Thema, die niemand in Parlamenten oder Ministerien liest, oder eine aufwendig geplante Policy-Veranstaltung, die jedoch nicht von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung besucht wird, sind eine Verschwendung von Zeit und Geld. Die Lösung besteht darin, den Fokus nicht ausschließlich auf den Inhalt von Policy-Formaten zu legen. Die Kommunikation (Dissemination) über die Policy-Formate muss von Beginn des Projekts an mit derselben Sorgfalt geplant werden wie die Forschungsinhalte selbst.

Vier Kernstrategien für eine erfolgreiche Verbreitung

 

Strategie 1: Stakeholder-Mapping und personalisierte Ansprache

Identifizieren Sie Ihre Zielgruppe systematisch, indem Sie Organigramme und Websites relevanter Policy-Einrichtungen analysieren: kommunale Einrichtungen, Ministerien und nachgeordnete Behörden auf Bundes- und Landesebene, Parlamente, politische Parteien, EU-Institutionen und internationale Organisationen. Erstellen Sie eine Mailingliste, mit den Akteuren in Politik und Verwaltung, für die Ihre Expertise relevant ist.

Der dafür erforderliche Aufwand variiert je nach Reichweite des Themas enorm:

  • Lokaler Fokus: Eine Publikation zum Thema Fahrradfahren in einem einzelnen Stadtviertel ist auf lokaler Ebene vielleicht nur für eine Handvoll Personen relevant. Die Identifikation dieser Personen dauert nur wenige Stunden.
  • Internationaler Fokus: Eine Studie zum Thema Fahrradfahren in 214 Städten in 25 europäischen Ländern kann für Zielgruppen auf kommunaler, nationaler und EU-Ebene interessant sein. Das Mapping und die Formulierung personalisierter Anschreiben können hier Wochen oder Monate in Anspruch nehmen.

Praxistipp: Vermeiden Sie standardisierte Massenmails. Eine personalisierte Ansprache ist um ein Vielfaches effektiver. Nutzen Sie Textvorlagen, die Sie je nach Zielgruppe variieren können.

Dieselbe Studie zum Thema Fahrradfahren in 25 Ländern in Europa kann für unterschiedliche Akteure aus völlig verschiedenen Gründen relevant sein:

  • Verkehrsministerien: Interesse an den Themen Verkehrsregelung, Infrastrukturplanung und Beschilderung.
  • Bildungsministerien: Integration des Themas Mobilität in Lehrplänen.
  • Bürgermeisteramt: Möchte, dass seine Städte sich als fahrradfreundliche Touristenziele positionieren oder die angespannte Parkplatzsituation entlasten.
  • Parlamentsabgeordnete: Setzen sich für aktive Mobilität und die langfristige öffentliche Gesundheit ein.

Jeder dieser Kontakte verdient eine personalisierte Nachricht. Erklären Sie, warum genau diese Publikation oder Veranstaltung für diese Person jetzt relevant ist. Bieten Sie am Ende der Nachricht zudem immer konkret für Rückfragen ein Telefonat oder ein virtuelles Treffen an.

 

Strategie 2: Medien, Social Media und Fachplattformen

Pressemitteilungen sind nach wie vor ein starkes Instrument, um Sichtbarkeit zu generieren – insbesondere, wenn sie professionell über die Kommunikationsabteilung Ihrer Institution ausgespielt werden. Nutzen Sie zudem soziale Medien, um direkt mit Akteuren aus Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten, und laden Sie diese ein, Ihren Kanälen zu folgen. Spezialisierte Policy-Plattformen (wie Political, EU-Agenda oder Euractiv) erreichen ein großes Fachpublikum und eignen sich hervorragend für die Ankündigung von Events oder Neuerscheinungen.

 

Strategie 3: Persönliche Netzwerke nutzen

Kolleginnen, Kooperationspartner und Alumni-Kontakte, die bereits gut in die Politik vernetzt sind, sind Gold wert. Bitten Sie vertrauenswürdige Kontakte um ein „Warm Introduction“ (eine persönliche Vorstellung), um Einladungen weiterzuleiten oder Ihre Inhalte auf Social Media zu teilen. Eine persönliche Empfehlung durch Dritte öffnet Türen deutlich leichter als eine kalte Kontaktaufnahme.

 

Strategie 4: Multiplikatoren und Partnerorganisationen einbinden

Forschungseinrichtungen, Think Tanks, NGOs, Stiftungen und Verbände, die eine große Sichtbarkeit in Politik und Verwaltung genießen, sind ideale strategische Partner.

Prüfen Sie, ob Sie Gastbeiträge in Newslettern, Blogs oder anderen Publikationsreihen platzieren können. Ein gut platzierter Text erreicht oft ein weitaus größeres und passgenaueres Publikum als ein Policy Brief, der lediglich auf der eigenen Institutswebsite hochgeladen aber nicht gelesen wird.

Zudem schlagen Sie mit der Einbindung externer Expertinnen und Experten in Ihre eigenen Veranstaltungen zwei Fliegen mit einer Klappe: Es erhöht die inhaltliche Diversität und steigert automatisch die Reichweite, da die Gäste die Veranstaltung in der Regel über ihre eigenen Netzwerke teilen.

 

Strategien kombinieren

Die oben genannten Strategien schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern verstärken sich gegenseitig. Forschende und Wissensvermittelnde sollten die Ressourcen bewerten, die sie realistisch in die Verbreitung investieren können, und die Kombination von Strategien auswählen, die am besten zu ihrem Thema, ihrer Zielgruppe und ihrem institutionellen Kontext passt.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Forschende unterschätzen die Bedeutung der Wissensverbreitung. Neue Forschungsergebnisse alleine reichen in Policy-Kontexten nicht aus. Sie müssen auch von Akteuren in Politik und Verwaltung wahrgenommen werden. Forschende sollten zumindest einige Maßnahmen zur Wissensverbreitung selbst planen, insbesondere die gezielte Ansprache von Akteuren aus Politik und Verwaltung, die sie bereits persönlich kennen oder die sie im Rahmen eines Stakeholder Mappings identifiziert haben.

Mitarbeitende im Transfer und Wissenschaftsmanagement

Mitarbeitende im Transfer- und Wissenschaftsmanagement spielen eine wichtige Rolle dabei, die Kommunikation neuer Erkenntnisse in Policy-Kontexten effizient und nachhaltig zu gestalten. Sobald mögliche Zielgruppen identifiziert und eine Mailingliste angelegt wurde, kann diese gepflegt und für zukünftige Aktivitäten wiederverwendet werden.

Mitarbeitende im Transfer- und Wissenschaftsmanagement sollten Vorlagen für E-Mail-Nachrichten, Social-Media-Beiträge und Pressemitteilungen erstellen, die bei Bedarf angepasst werden können. Sie sollten Forschenden außerdem dabei helfen, Partnerorganisationen wie Thinktanks, NGOs, Stiftungen und Verbände zu identifizieren, die die Sichtbarkeit Ihrer Expertise erhöhen können.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Baron, Nancy (2010), Escape from the Ivory Tower: A Guide to Making Your Science Matter. Island Press.

Swann, Michelle (2012), Writing Professional Emails: The Step-by-Step Guide.

Willis, Christina C. (2020), Sustainable Networking for Researchers and Engineers, https://doi.org/10.1117/3.2535500.

 

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Wie man Öffentliche Beteiligung (Geopartizipation) durch moderne digitale Methoden und Rahmenbedingungen fördern kann

Beschreibung

Geopartizipation im Kontext der Bürgerwissenschaft bezeichnet eine spezifische Gruppe partizipativer Methoden, die es der Öffentlichkeit ermöglichen, über digitale, kartenbasierte Schnittstellen aktiv zur Erhebung räumlich expliziter Daten beizutragen. Sowohl in der tschechischen als auch in der internationalen Praxis wird dieser Ansatz am häufigsten durch sogenanntes emotionales (partizipatives) Mapping umgesetzt, bei dem die Befragten ihre Erfahrungen, Meinungen oder subjektiven Wahrnehmungen bestimmter Orte mithilfe von Punkten, Linien oder Polygonen direkt auf einer Karte festhalten. Diese räumlichen Eingaben werden in der Regel durch Textbeschreibungen, Fotos, Kommentare oder vordefinierte thematische Kategorien ergänzt.

Die gesammelten Daten werden anschließend mithilfe von Standard-Workflows geografischer Informationssysteme (GIS) verarbeitet, darunter Datenbereinigung, Aggregation, räumliche Analyse und Visualisierung. Für Daten aus dem emotionalen Mapping kann eine breite Palette an Visualisierungstechniken angewendet werden; am häufigsten werden jedoch digitale kartografische Methoden wie Heat Maps, aggregierte Visualisierungen unter Verwendung von Hexagon-Rastern unterschiedlicher Auflösung, Kartogramme, Kartodiagramme oder Clustering-Techniken eingesetzt, um Endnutzern die Interpretation der Ergebnisse zu erleichtern.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Fragebogenumfragen erfasst Geopartizipation nicht nur die Meinungen der Befragten, sondern auch deren genauen räumlichen Standort, der mit jeder Antwort verbunden ist. Dies macht die Methode besonders geeignet für Themen, bei denen der räumliche Kontext von wesentlicher Bedeutung ist, wie Verkehr, Sicherheit, Qualität öffentlicher Räume, Umweltfragen oder Raum- und Stadtentwicklung. In der Praxis wird Geopartizipation oft als Erweiterung eines traditionellen Fragebogens umgesetzt, der um räumliche Fragen ergänzt wird.

Die Methode zielt nicht darauf ab, statistisch repräsentative Stichproben zu erstellen, sondern dient vielmehr als gezielte partizipative Umfrage, deren Hauptwert darin liegt, bestimmte Orte und Probleme zu identifizieren, die in Verwaltungsdatensätzen in der Regel fehlen oder mit herkömmlichen Mitteln nur schwer zu erkennen sind. Die gesammelten Antworten liefern kommunalen und regionalen Behörden wertvolle Belege für strategische Entscheidungen, die auf der Grundlage der öffentlichen Meinung getroffen werden.

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

Das grundlegende Merkmal von Geopartizipation ist die aktive Einbindung der Bürger in die Erfassung räumlicher Daten über eine einfache, kartenbasierte Anwendung. Die Methode unterstützt die Kartierung von Punkten, Linien und Polygonen, wobei jeder räumliche Eintrag mit einem textuellen Kommentar und gegebenenfalls einer vom Forschungsdesigner festgelegten thematischen Kategorie versehen wird.

Geoparticipation kann als eigenständiges Forschungsinstrument oder als Erweiterung eines traditionellen Fragebogens genutzt werden, indem eine räumliche Dimension hinzugefügt wird. Sie ist auf verschiedene Befragtengruppen anwendbar und eignet sich aufgrund ihres intuitiven Designs sowohl für technisch versierte Nutzer als auch für Laien ohne fortgeschrittene IT-Kenntnisse. Die Datenerhebung kann vollständig online über eine öffentlich zugängliche Kartenanwendung oder direkt vor Ort unter Anleitung geschulter Moderatoren mithilfe von Tablets oder Mobiltelefonen erfolgen.

Typische Themen sind wahrgenommene Sicherheit und Angst, positiv und negativ wahrgenommene Orte, Vorschläge zur Stadtentwicklung (Parks, Spielplätze, Grünflächen, Bänke), problematische Verkehrssituationen, Lärm, Umweltverschmutzung oder Parkplatzprobleme. Die Methode ermöglicht die Erhebung von Daten, die sonst weitgehend nicht verfügbar sind, und schlägt eine wichtige Brücke zwischen fachlicher Planungspraxis und den Alltagserfahrungen der Bewohnerinnen und Bewohner.

 

Wie funktioniert das Format?

Die Umsetzung eines geopartizipativen Kartierungsprojekts erfordert eine sorgfältige Vorbereitung der Methodik, der technischen Lösung und der Erhebungsfragen. Ebenso wichtig ist die Auswahl des Kartierungsortes und der Zielgruppe der Befragten. Eine zentrale methodische Entscheidung betrifft die Wahl des Geometrietyps – ob die Befragten nur Punkte oder auch Linien und Polygone kartieren sollen. Während die Punktkartierung benutzerfreundlich und effizient ist, ermöglichen Linien und Polygone eine präzisere Darstellung von Phänomenen, stellen jedoch höhere Anforderungen an die Orientierung der Nutzenden und die anschließende Datenverarbeitung.

Ebenso entscheidend ist die Auswahl einer geeigneten Basiskarte. In manchen Fällen sind Orthofotos vorzuziehen, während in anderen Fällen topografische Karten oder detaillierte Stadtpläne besser geeignet sind. Eine ungeeignete Basiskarte kann die Qualität der kartierten Daten erheblich beeinträchtigen. Jedes kartierte Objekt sollte eine obligatorische Beschreibung und idealerweise eine thematische Kategorie enthalten, um die spätere Analyse zu erleichtern, da räumliche Klicks ohne Kontextinformationen nur einen begrenzten Interpretationswert haben.

Es wird empfohlen, allgemein bekannte Kartenhintergründe zu verwenden, damit die Befragten mit einer Oberfläche konfrontiert werden, die alltäglichen Kartenanwendungen ähnelt.

Geopartizipation lässt sich am besten mit einem kurzen, nicht-räumlichen Fragebogen kombinieren, der in dasselbe Tool integriert ist. Dieser umfasst in der Regel Fragen zur allgemeinen Zufriedenheit mit dem Thema sowie grundlegende soziodemografische Informationen (z. B. Alter, Geschlecht). In einigen Fällen werden auch Informationen zum Wohnort der Befragten erhoben, typischerweise in teilweise anonymisierter Form (z. B. Stadtbezirk oder Straße), um zwischen Anwohnern und Besuchern des Gebiets zu unterscheiden.

Aus technischer Sicht unterstützen derzeit nur wenige Tools Geopartizipation. Einfache Szenarien lassen sich mit Tools wie Survey123 umsetzen; komplexere Logik erfordert jedoch meist die Entwicklung einer maßgeschneiderten Lösung. Zwar werden international spezialisierte PPGIS-Plattformen genutzt, doch bietet keine davon eine universell anwendbare Lösung. In Ausnahmefällen kann die digitale Datenerhebung durch papierbasierte Methoden ergänzt werden (z. B. für Senioren oder Kleinkinder), wobei die anschließende Datenintegration sowohl methodisch als auch technisch anspruchsvoll ist.

In der Tschechischen Republik entwickelt und implementiert ein spezialisiertes Unternehmen (https://www.pocitovemapy.cz/) maßgeschneiderte Webumgebungen, die auf spezifische Formate, Standorte und thematische Anforderungen zugeschnitten sind.

 

Rolle der Beteiligten

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sind in der Regel für die methodische Konzeption, die Auswahl technischer Lösungen, die Konfiguration der Kartierungsanwendung sowie die anschließende Datenverarbeitung und -auswertung mithilfe von GIS zuständig. Zu deren Aufgaben gehören zudem die Interpretation der Ergebnisse und die Aufbereitung von Ergebnissen, die sowohl für Behörden als auch für die breite Öffentlichkeit verständlich sind.

Kommunen oder Regionen legen den thematischen Schwerpunkt fest, formulieren konkrete Entscheidungsfragen und sorgen für die Kommunikation mit den Bürgern, insbesondere durch die Förderung der Datenerhebung über Websites und soziale Medien.

Die Bürger bringen lokales Wissen und Erfahrungen ein, die in offiziellen Datensätzen nicht verfügbar sind. In einigen Fällen kann es besonders vorteilhaft sein, bestimmte Bevölkerungsgruppen anzusprechen – beispielsweise Grundschulkinder bei der Kartierung sicherer Schulwege.

Generell gilt: Je größer die Anzahl und Vielfalt, der in einem bestimmten Gebiet gesammelten Antworten ist, desto robuster und valider können die Ergebnisse angesehen werden.

 

Vorteile für die Beteiligten

Der Hauptvorteil der Geopartizipation liegt in ihrer Fähigkeit, einzigartige räumliche Daten zu generieren, die sonst weitgehend nicht verfügbar sind. Die gesammelten Daten stellen die Meinungen der Befragten dar, die mit genauen räumlichen Standorten verknüpft sind. Eine höhere Konzentration von Antworten an einem bestimmten Ort erhöht die Zuverlässigkeit der Ergebnisse.

Die Methode ermöglicht eine präzise Lokalisierung von Problemen und deren qualitative Beschreibung direkt aus der Perspektive der Anwohner. Für Behörden stellt Geopartizipation ein schnelles und flexibles Instrument zur Ermittlung von Prioritäten und lokalen Themen dar. Für die Wissenschaft bietet sie bedeutende Möglichkeiten der angewandten Forschung und die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Verwaltung. Studierende profitieren von der Arbeit mit realen Daten und der Teilnahme an Projekten mit direktem praktischem Nutzen.

 

Herausforderungen (und Lösungsansätze)

Eine grundlegende Einschränkung der Geopartizipation ist die nicht repräsentative Zusammensetzung der Befragten-Stichprobe und das Risiko, nur eine geringe Anzahl von Antworten zu erhalten. Die Ergebnisse müssen daher eher als explorativ denn als statistisch repräsentativ gewertet werden. Diese Einschränkung lässt sich durch gezielte Werbung und die Einbindung lokaler Institutionen teilweise abmildern.

Weitere Herausforderungen sind die technische und methodische Komplexität der Projektvorbereitung, insbesondere bei der Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen, sowie Fragen des Datenschutzes und der Anonymisierung bei der Verknüpfung von räumlichen und personenbezogenen Daten.

 

Aufgaben und Ressourcen

Geopartizipative Projekte sind sowohl zeit- als auch fachlich aufwendig. Die Vorbereitung dauert in der Regel etwa einen Monat, die Datenerhebung einen weiteren Monat und die Auswertung mindestens einen Monat. Die Gesamtdauer des Projekts beläuft sich daher meist auf etwa drei Monate.

Was die Finanzierung betrifft, so wird Geopartizipation meist im Rahmen von Auftragsforschungsprojekten oder in enger Zusammenarbeit mit Kommunen umgesetzt. Universitäten sind in der Regel nicht in der Lage, solche Dienstleistungen kostenlos anzubieten, da sie erfahrene Teams und eine angemessene technische Infrastruktur benötigen.

 

Beispiel

In den letzten Jahren hat die Palacký-Universität Olomouc eine Reihe von geopartizipativen Projekten durchgeführt, darunter die Kartierung städtischer Temperaturphänomene in der Stadt Olomouc, die Überwachung des Mückenvorkommens im Landschaftsschutzgebiet Litovelské Pomoraví, emotionale Karten zur wahrgenommenen Gefahr sowie das Projekt „Sicherer Schulweg“, das sich mit problematischen Verkehrssituationen aus der Perspektive von Grundschulkindern befasst.

Weitere öffentliche Ergebnisse sind über spezialisierte Webportale verfügbar, die sich dem emotionalen Mapping in der Stadt Olomouc widmen.

 

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