Skip to main content

Umsetzung partizipativer Ansätze

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Ziel: Umsetzung partizipativer Methoden, die eine breite Beteiligung der Bevölkerung in den Entscheidungsprozess zur lokalen Entwicklung gewährleisten
  • Ansatz: Kombination aus Online-Konsultationen, interaktiven Workshops und Kooperationsprojekten, in denen verschiedene Interessengruppen zusammenkommen, um Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten
  • Ergebnis: Ein demokratischer Prozess, bei dem die Lösungen die Bedürfnisse und Beiträge aller Interessengruppen widerspiegeln, wodurch Eigenverantwortung entsteht und die Nachhaltigkeit in der Umsetzungsphase gewährleistet wird

Beschreibung

Die Umsetzung partizipativer Ansätze erfordert die Einbindung verschiedener Interessengruppen – lokaler Gemeinschaften, Forschender, Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen –, um gemeinsam Lösungen für regionale Herausforderungen zu entwickeln.

Wirksame partizipative Methoden befähigen Gemeinschaften, eine aktive Rolle bei der Gestaltung lokaler Entwicklungsstrategien zu übernehmen, und stellen sicher, dass Lösungen nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch lokal relevant und nachhaltig sind.

„UGR County Councils“ bezeichnet die von der Universität Granada (UGR) im Rahmen des Erasmus+-Projekts ENGAGEgreen geleitete Initiative, deren Ziel es ist, die Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlich Forschenden, lokalen Behörden und Vertreterinnen und Vertreter aus den Gemeinden zu fördern.

 

Diese Initiative konzentriert sich auf die Bewältigung regionaler Herausforderungen durch gemeinsam erarbeitete, forschungsbasierte Lösungen und ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Modell partizipativer Governance im Kontext der territorialen Entwicklung.

 

Wie funktioniert das Format?

  • Identifizierung der Interessengruppen. Der partizipative Ansatz beginnt mit der Identifizierung und Erfassung relevanter Interessengruppen – ein Prozess, der von Medialab UGR im Rahmen der Initiative „Impronta“ koordiniert wird. Diese Erfassung umfasst nicht nur Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Verwaltung und Forschende, sondern auch zivilgesellschaftliche Organisationen, lokale Unternehmen und Mitglieder der Gemeinschaft, die über wertvolles Wissen zu lokalen Herausforderungen verfügen.

 

  • Datenerhebung und Konsultation. Mithilfe von Online-Umfragen, Fokusgruppen und interaktiven Workshops werden Beiträge dieser Interessengruppen gesammelt. Die Bezirksräte der UGR nutzten beispielsweise Online-Vorbereitungssitzungen, um vor dem Präsenztreffen „Second Impronta Granada“ und den dazugehörigen interaktiven Workshops Erkenntnisse von den Interessengruppen zu gewinnen. Diese Methode stellt sicher, dass von Beginn an vielfältige Stimmen Gehör finden.

 

  • Gemeinsame Gestaltung und kooperative Planung. Sobald die Bedarfslage ermittelt ist, organisiert das Medialab UGR im Rahmen der Impronta-Initiative Workshops zur gemeinsamen Gestaltung, in denen Forschende, Mitarbeitende in Politik und Verwaltung, Vertreter der Zivilgesellschaft und lokale Unternehmen zusammenkommen, um gemeinsam Aktionspläne zu entwickeln. Diese Workshops finden in Echtzeit statt, was sofortiges Feedback und Anpassungen ermöglicht.

 

Dieser Ansatz wurde beim zweiten „Impronta Granada“-Treffen durch die Organisation von Mikropräsentationen umgesetzt, die vom Medialab UGR koordiniert wurden und bei denen Forschende ihre Projekte vorstellten und direktes Feedback von lokalen Akteuren erhielten.

 

  • Öffentliche Sichtbarkeit und kontinuierliches Engagement. Digitale Plattformen wie die Website Impronta Granada tragen dazu bei, Sichtbarkeit und Engagement aufrechtzuerhalten. Forschungsprojekte, Gemeinschaftsinitiativen und Profile der Beteiligten werden öffentlich zugänglich gemacht, sodass alle Teilnehmende den Fortschritt verfolgen und zur Diskussion beitragen können. Profile der Beteiligten und UGR-Projekteinträge sind wichtige Instrumente, um eine kontinuierliche Mitwirkung sicherzustellen und das Engagement der Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.

 

Herausforderungen (und mögliche Lösungsansätze)

  • Koordination und Kommunikation. In komplexen Projekten mit vielen Akteuren kann es eine Herausforderung sein, eine klare Kommunikation zwischen den Beteiligten sicherzustellen. Die Initiative der UGR-Kreisräte unterstreicht die Notwendigkeit einer gezielten Moderation, um die Koordination zwischen verschiedenen Sektoren zu gewährleisten und sicherzustellen, dass alle Stimmen Gehör finden.
  • Nachhaltigkeit. Zwar kann die anfängliche Beteiligung stark sein, doch die Aufrechterhaltung des Engagements über einen längeren Zeitraum hinweg stellt eine häufige Herausforderung dar. Forschende, Verantwortliche in Politik und Verwaltung und Führungskräfte der Gemeinschaft müssen sich zu einer kontinuierlichen Zusammenarbeit über die anfänglichen Workshops oder Treffen hinaus verpflichten.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

  • Aufgaben

○ Bereitstellung von Forschungsergebnissen, die in den partizipativen Prozess einfließen

○ Moderation von Workshops und Aktivitäten zur gemeinsamen Gestaltung

 

  • Erforderliche Ressourcen

○ Instrumente zur Verbreitung von Forschungsergebnissen, wie Datenbanken, interaktive Websites und Instrumente zur gemeinschaftsbasierten Datenerhebung.

Manager und Managerinnen für Wissensaustausch und Forschung

  • Aufgaben

○ Koordination der Einbindung von Interessengruppen

○ Organisation von Online- und Präsenzkonsultationen

○ Sicherstellung, dass Rückmeldungen effektiv in den Entwicklungsprozess einfließen

  • Erforderliche Ressourcen

○ Kommunikationsinstrumente (z. B. Websites, Social-Media-Plattformen); Workshop-Materialien (z. B. visuelle Hilfsmittel, Instrumente zur Datenerhebung).

 

Verantwortliche in Politik und Verwaltung

  • Aufgaben

○ Schaffung politischer Rahmenbedingungen, die die Beiträge aus dem partizipativen Prozess widerspiegeln

○ Bereitstellung von Ressourcen für die Umsetzung

○ Sicherstellung einer kontinuierlichen Zusammenarbeit mit den Führungskräften der Gemeinschaft

  • Erforderliche Ressourcen

○ Politische Fachkompetenz und finanzielle Mittel zur Unterstützung der Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Lösungen.

 

Beispiele

Das ENGAGEgreen-Projekt und die UGR-Kreisräte

Das Erasmus+-Projekt „ENGAGEgreen“ und die Initiative der UGR-Kreisräte verdeutlichen, wie partizipative Ansätze die akademische Forschung effektiv mit der lokalen Verwaltung verbinden können.

Im Rahmen dieses Ansatzes wurden mehrere vorbereitende Aktivitäten durchgeführt, darunter das erste Impronta-Granada-Treffen im Januar 2025, gefolgt vom Treffen der UGR-Kreisräte im Juli 2025 und dem zweiten Impronta-Granada-Treffen im Dezember 2025, bei denen Forscher, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, Unternehmen und Akteure der Zivilgesellschaft zusammenkamen, um regionale Herausforderungen wie nachhaltigen Tourismus, Denkmalschutz und wirtschaftliche Entwicklung zu identifizieren und anzugehen.

Diese Treffen trugen dazu bei, die Forschung der UGR auf die Bedürfnisse von Poniente Granadino und anderer Regionen abzustimmen, indem Forschende aktiv in Diskussionen über lokale Prioritäten einbezogen wurden. Im Rahmen dieser Veranstaltungen stellten Forscher der UGR ihre laufenden Projekte vor; einige Projekte wurden dabei mithilfe einer Excel-Datenbank erfasst, in der Forschungsthemen, die Zugehörigkeit der Forschenden sowie die jeweils zuständigen Kreisräte katalogisiert wurden.

Dieser Prozess trug zudem dazu bei, Forschungsergebnisse in die lokalen politischen Diskussionen zu integrieren und förderte so die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und lokalen Akteuren. Darüber hinaus war die Website „Impronta Granada“ entscheidend für die Sichtbarkeit dieser UGR-Forschenden, da sie Profile der Beteiligten und Projektlisten enthielt, die nach den Bezirksräten der UGR kategorisiert waren. Dies ermöglichte es den Interessengruppen, relevante Forschungsarbeiten in ihren Regionen zu filtern und sich mit ihnen zu vernetzen. Der Einsatz von Online-Workshops und Kurzpräsentationen ermöglichte eine kontinuierliche Einbindung und die gemeinsame Erarbeitung von Lösungen, wodurch sichergestellt wurde, dass akademisches Wissen auf lokale Entwicklungsziele abgestimmt und in langfristige Strategien integriert wurde.

 

Quellen und weiterführende Literatur

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns das gerne mit!

Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

Wissenschaft wirkt nur, wenn sie ankommt: Warum die Kommunikation und der Inhalt von Policy-Formaten Hand in Hand gehen müssen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Frühzeitige Planung sichert Ressourcen: Um weder Zeit noch finanzielle Mittel für ungelesene Publikationen oder schlecht besuchte Veranstaltungen zu verschwenden, müssen Forschende und Mitarbeitende im Wissenstransfer die Bewerbung von Policy-Formaten von Anfang an mitdenken.
  • Der Mix macht’s: Eine effektive Vermittlung kombiniert mehrere sich gegenseitig verstärkende Strategien – von der gezielten Stakeholder-Analyse und personalisierten Ansprache über klassische und soziale Medien bis hin zu persönlichen Netzwerken und den Kanälen von Partnerorganisationen.

Worum geht es?

Forschende, die direkt von Akteuren aus Politik und Verwaltung eingeladen werden – sei es für Auftragsforschung, die Mitarbeit in Expertengremien, parlamentarische Anhörungen oder als Speaker auf Fachveranstaltungen –, genießen einen erheblichen Vorteil: direkten Zugang. Für Forschende ohne Vorerfahrung in der wissenschaftlichen Politikberatung stellt sich jedoch eine ganz andere Herausforderung: Sie müssen sich in Politik und Verwaltung überhaupt erst einmal einen Namen machen.

Das Risiko ist real: Eine sorgfältig recherchierte Policy-Veröffentlichung zu einem wichtigen Thema, die niemand in Parlamenten oder Ministerien liest, oder eine aufwendig geplante Policy-Veranstaltung, die jedoch nicht von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung besucht wird, sind eine Verschwendung von Zeit und Geld. Die Lösung besteht darin, den Fokus nicht ausschließlich auf den Inhalt von Policy-Formaten zu legen. Die Kommunikation (Dissemination) über die Policy-Formate muss von Beginn des Projekts an mit derselben Sorgfalt geplant werden wie die Forschungsinhalte selbst.

Vier Kernstrategien für eine erfolgreiche Verbreitung

 

Strategie 1: Stakeholder-Mapping und personalisierte Ansprache

Identifizieren Sie Ihre Zielgruppe systematisch, indem Sie Organigramme und Websites relevanter Policy-Einrichtungen analysieren: kommunale Einrichtungen, Ministerien und nachgeordnete Behörden auf Bundes- und Landesebene, Parlamente, politische Parteien, EU-Institutionen und internationale Organisationen. Erstellen Sie eine Mailingliste, mit den Akteuren in Politik und Verwaltung, für die Ihre Expertise relevant ist.

Der dafür erforderliche Aufwand variiert je nach Reichweite des Themas enorm:

  • Lokaler Fokus: Eine Publikation zum Thema Fahrradfahren in einem einzelnen Stadtviertel ist auf lokaler Ebene vielleicht nur für eine Handvoll Personen relevant. Die Identifikation dieser Personen dauert nur wenige Stunden.
  • Internationaler Fokus: Eine Studie zum Thema Fahrradfahren in 214 Städten in 25 europäischen Ländern kann für Zielgruppen auf kommunaler, nationaler und EU-Ebene interessant sein. Das Mapping und die Formulierung personalisierter Anschreiben können hier Wochen oder Monate in Anspruch nehmen.

Praxistipp: Vermeiden Sie standardisierte Massenmails. Eine personalisierte Ansprache ist um ein Vielfaches effektiver. Nutzen Sie Textvorlagen, die Sie je nach Zielgruppe variieren können.

Dieselbe Studie zum Thema Fahrradfahren in 25 Ländern in Europa kann für unterschiedliche Akteure aus völlig verschiedenen Gründen relevant sein:

  • Verkehrsministerien: Interesse an den Themen Verkehrsregelung, Infrastrukturplanung und Beschilderung.
  • Bildungsministerien: Integration des Themas Mobilität in Lehrplänen.
  • Bürgermeisteramt: Möchte, dass seine Städte sich als fahrradfreundliche Touristenziele positionieren oder die angespannte Parkplatzsituation entlasten.
  • Parlamentsabgeordnete: Setzen sich für aktive Mobilität und die langfristige öffentliche Gesundheit ein.

Jeder dieser Kontakte verdient eine personalisierte Nachricht. Erklären Sie, warum genau diese Publikation oder Veranstaltung für diese Person jetzt relevant ist. Bieten Sie am Ende der Nachricht zudem immer konkret für Rückfragen ein Telefonat oder ein virtuelles Treffen an.

 

Strategie 2: Medien, Social Media und Fachplattformen

Pressemitteilungen sind nach wie vor ein starkes Instrument, um Sichtbarkeit zu generieren – insbesondere, wenn sie professionell über die Kommunikationsabteilung Ihrer Institution ausgespielt werden. Nutzen Sie zudem soziale Medien, um direkt mit Akteuren aus Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten, und laden Sie diese ein, Ihren Kanälen zu folgen. Spezialisierte Policy-Plattformen (wie Political, EU-Agenda oder Euractiv) erreichen ein großes Fachpublikum und eignen sich hervorragend für die Ankündigung von Events oder Neuerscheinungen.

 

Strategie 3: Persönliche Netzwerke nutzen

Kolleginnen, Kooperationspartner und Alumni-Kontakte, die bereits gut in die Politik vernetzt sind, sind Gold wert. Bitten Sie vertrauenswürdige Kontakte um ein „Warm Introduction“ (eine persönliche Vorstellung), um Einladungen weiterzuleiten oder Ihre Inhalte auf Social Media zu teilen. Eine persönliche Empfehlung durch Dritte öffnet Türen deutlich leichter als eine kalte Kontaktaufnahme.

 

Strategie 4: Multiplikatoren und Partnerorganisationen einbinden

Forschungseinrichtungen, Think Tanks, NGOs, Stiftungen und Verbände, die eine große Sichtbarkeit in Politik und Verwaltung genießen, sind ideale strategische Partner.

Prüfen Sie, ob Sie Gastbeiträge in Newslettern, Blogs oder anderen Publikationsreihen platzieren können. Ein gut platzierter Text erreicht oft ein weitaus größeres und passgenaueres Publikum als ein Policy Brief, der lediglich auf der eigenen Institutswebsite hochgeladen aber nicht gelesen wird.

Zudem schlagen Sie mit der Einbindung externer Expertinnen und Experten in Ihre eigenen Veranstaltungen zwei Fliegen mit einer Klappe: Es erhöht die inhaltliche Diversität und steigert automatisch die Reichweite, da die Gäste die Veranstaltung in der Regel über ihre eigenen Netzwerke teilen.

 

Strategien kombinieren

Die oben genannten Strategien schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern verstärken sich gegenseitig. Forschende und Wissensvermittelnde sollten die Ressourcen bewerten, die sie realistisch in die Verbreitung investieren können, und die Kombination von Strategien auswählen, die am besten zu ihrem Thema, ihrer Zielgruppe und ihrem institutionellen Kontext passt.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Forschende unterschätzen die Bedeutung der Wissensverbreitung. Neue Forschungsergebnisse alleine reichen in Policy-Kontexten nicht aus. Sie müssen auch von Akteuren in Politik und Verwaltung wahrgenommen werden. Forschende sollten zumindest einige Maßnahmen zur Wissensverbreitung selbst planen, insbesondere die gezielte Ansprache von Akteuren aus Politik und Verwaltung, die sie bereits persönlich kennen oder die sie im Rahmen eines Stakeholder Mappings identifiziert haben.

Mitarbeitende im Transfer und Wissenschaftsmanagement

Mitarbeitende im Transfer- und Wissenschaftsmanagement spielen eine wichtige Rolle dabei, die Kommunikation neuer Erkenntnisse in Policy-Kontexten effizient und nachhaltig zu gestalten. Sobald mögliche Zielgruppen identifiziert und eine Mailingliste angelegt wurde, kann diese gepflegt und für zukünftige Aktivitäten wiederverwendet werden.

Mitarbeitende im Transfer- und Wissenschaftsmanagement sollten Vorlagen für E-Mail-Nachrichten, Social-Media-Beiträge und Pressemitteilungen erstellen, die bei Bedarf angepasst werden können. Sie sollten Forschenden außerdem dabei helfen, Partnerorganisationen wie Thinktanks, NGOs, Stiftungen und Verbände zu identifizieren, die die Sichtbarkeit Ihrer Expertise erhöhen können.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Baron, Nancy (2010), Escape from the Ivory Tower: A Guide to Making Your Science Matter. Island Press.

Swann, Michelle (2012), Writing Professional Emails: The Step-by-Step Guide.

Willis, Christina C. (2020), Sustainable Networking for Researchers and Engineers, https://doi.org/10.1117/3.2535500.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns das gerne mit!

Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

Wie man Öffentliche Beteiligung (Geopartizipation) durch moderne digitale Methoden und Rahmenbedingungen fördern kann

Beschreibung

Geopartizipation im Kontext der Bürgerwissenschaft bezeichnet eine spezifische Gruppe partizipativer Methoden, die es der Öffentlichkeit ermöglichen, über digitale, kartenbasierte Schnittstellen aktiv zur Erhebung räumlich expliziter Daten beizutragen. Sowohl in der tschechischen als auch in der internationalen Praxis wird dieser Ansatz am häufigsten durch sogenanntes emotionales (partizipatives) Mapping umgesetzt, bei dem die Befragten ihre Erfahrungen, Meinungen oder subjektiven Wahrnehmungen bestimmter Orte mithilfe von Punkten, Linien oder Polygonen direkt auf einer Karte festhalten. Diese räumlichen Eingaben werden in der Regel durch Textbeschreibungen, Fotos, Kommentare oder vordefinierte thematische Kategorien ergänzt.

Die gesammelten Daten werden anschließend mithilfe von Standard-Workflows geografischer Informationssysteme (GIS) verarbeitet, darunter Datenbereinigung, Aggregation, räumliche Analyse und Visualisierung. Für Daten aus dem emotionalen Mapping kann eine breite Palette an Visualisierungstechniken angewendet werden; am häufigsten werden jedoch digitale kartografische Methoden wie Heat Maps, aggregierte Visualisierungen unter Verwendung von Hexagon-Rastern unterschiedlicher Auflösung, Kartogramme, Kartodiagramme oder Clustering-Techniken eingesetzt, um Endnutzern die Interpretation der Ergebnisse zu erleichtern.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Fragebogenumfragen erfasst Geopartizipation nicht nur die Meinungen der Befragten, sondern auch deren genauen räumlichen Standort, der mit jeder Antwort verbunden ist. Dies macht die Methode besonders geeignet für Themen, bei denen der räumliche Kontext von wesentlicher Bedeutung ist, wie Verkehr, Sicherheit, Qualität öffentlicher Räume, Umweltfragen oder Raum- und Stadtentwicklung. In der Praxis wird Geopartizipation oft als Erweiterung eines traditionellen Fragebogens umgesetzt, der um räumliche Fragen ergänzt wird.

Die Methode zielt nicht darauf ab, statistisch repräsentative Stichproben zu erstellen, sondern dient vielmehr als gezielte partizipative Umfrage, deren Hauptwert darin liegt, bestimmte Orte und Probleme zu identifizieren, die in Verwaltungsdatensätzen in der Regel fehlen oder mit herkömmlichen Mitteln nur schwer zu erkennen sind. Die gesammelten Antworten liefern kommunalen und regionalen Behörden wertvolle Belege für strategische Entscheidungen, die auf der Grundlage der öffentlichen Meinung getroffen werden.

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

Das grundlegende Merkmal von Geopartizipation ist die aktive Einbindung der Bürger in die Erfassung räumlicher Daten über eine einfache, kartenbasierte Anwendung. Die Methode unterstützt die Kartierung von Punkten, Linien und Polygonen, wobei jeder räumliche Eintrag mit einem textuellen Kommentar und gegebenenfalls einer vom Forschungsdesigner festgelegten thematischen Kategorie versehen wird.

Geoparticipation kann als eigenständiges Forschungsinstrument oder als Erweiterung eines traditionellen Fragebogens genutzt werden, indem eine räumliche Dimension hinzugefügt wird. Sie ist auf verschiedene Befragtengruppen anwendbar und eignet sich aufgrund ihres intuitiven Designs sowohl für technisch versierte Nutzer als auch für Laien ohne fortgeschrittene IT-Kenntnisse. Die Datenerhebung kann vollständig online über eine öffentlich zugängliche Kartenanwendung oder direkt vor Ort unter Anleitung geschulter Moderatoren mithilfe von Tablets oder Mobiltelefonen erfolgen.

Typische Themen sind wahrgenommene Sicherheit und Angst, positiv und negativ wahrgenommene Orte, Vorschläge zur Stadtentwicklung (Parks, Spielplätze, Grünflächen, Bänke), problematische Verkehrssituationen, Lärm, Umweltverschmutzung oder Parkplatzprobleme. Die Methode ermöglicht die Erhebung von Daten, die sonst weitgehend nicht verfügbar sind, und schlägt eine wichtige Brücke zwischen fachlicher Planungspraxis und den Alltagserfahrungen der Bewohnerinnen und Bewohner.

 

Wie funktioniert das Format?

Die Umsetzung eines geopartizipativen Kartierungsprojekts erfordert eine sorgfältige Vorbereitung der Methodik, der technischen Lösung und der Erhebungsfragen. Ebenso wichtig ist die Auswahl des Kartierungsortes und der Zielgruppe der Befragten. Eine zentrale methodische Entscheidung betrifft die Wahl des Geometrietyps – ob die Befragten nur Punkte oder auch Linien und Polygone kartieren sollen. Während die Punktkartierung benutzerfreundlich und effizient ist, ermöglichen Linien und Polygone eine präzisere Darstellung von Phänomenen, stellen jedoch höhere Anforderungen an die Orientierung der Nutzenden und die anschließende Datenverarbeitung.

Ebenso entscheidend ist die Auswahl einer geeigneten Basiskarte. In manchen Fällen sind Orthofotos vorzuziehen, während in anderen Fällen topografische Karten oder detaillierte Stadtpläne besser geeignet sind. Eine ungeeignete Basiskarte kann die Qualität der kartierten Daten erheblich beeinträchtigen. Jedes kartierte Objekt sollte eine obligatorische Beschreibung und idealerweise eine thematische Kategorie enthalten, um die spätere Analyse zu erleichtern, da räumliche Klicks ohne Kontextinformationen nur einen begrenzten Interpretationswert haben.

Es wird empfohlen, allgemein bekannte Kartenhintergründe zu verwenden, damit die Befragten mit einer Oberfläche konfrontiert werden, die alltäglichen Kartenanwendungen ähnelt.

Geopartizipation lässt sich am besten mit einem kurzen, nicht-räumlichen Fragebogen kombinieren, der in dasselbe Tool integriert ist. Dieser umfasst in der Regel Fragen zur allgemeinen Zufriedenheit mit dem Thema sowie grundlegende soziodemografische Informationen (z. B. Alter, Geschlecht). In einigen Fällen werden auch Informationen zum Wohnort der Befragten erhoben, typischerweise in teilweise anonymisierter Form (z. B. Stadtbezirk oder Straße), um zwischen Anwohnern und Besuchern des Gebiets zu unterscheiden.

Aus technischer Sicht unterstützen derzeit nur wenige Tools Geopartizipation. Einfache Szenarien lassen sich mit Tools wie Survey123 umsetzen; komplexere Logik erfordert jedoch meist die Entwicklung einer maßgeschneiderten Lösung. Zwar werden international spezialisierte PPGIS-Plattformen genutzt, doch bietet keine davon eine universell anwendbare Lösung. In Ausnahmefällen kann die digitale Datenerhebung durch papierbasierte Methoden ergänzt werden (z. B. für Senioren oder Kleinkinder), wobei die anschließende Datenintegration sowohl methodisch als auch technisch anspruchsvoll ist.

In der Tschechischen Republik entwickelt und implementiert ein spezialisiertes Unternehmen (https://www.pocitovemapy.cz/) maßgeschneiderte Webumgebungen, die auf spezifische Formate, Standorte und thematische Anforderungen zugeschnitten sind.

 

Rolle der Beteiligten

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sind in der Regel für die methodische Konzeption, die Auswahl technischer Lösungen, die Konfiguration der Kartierungsanwendung sowie die anschließende Datenverarbeitung und -auswertung mithilfe von GIS zuständig. Zu deren Aufgaben gehören zudem die Interpretation der Ergebnisse und die Aufbereitung von Ergebnissen, die sowohl für Behörden als auch für die breite Öffentlichkeit verständlich sind.

Kommunen oder Regionen legen den thematischen Schwerpunkt fest, formulieren konkrete Entscheidungsfragen und sorgen für die Kommunikation mit den Bürgern, insbesondere durch die Förderung der Datenerhebung über Websites und soziale Medien.

Die Bürger bringen lokales Wissen und Erfahrungen ein, die in offiziellen Datensätzen nicht verfügbar sind. In einigen Fällen kann es besonders vorteilhaft sein, bestimmte Bevölkerungsgruppen anzusprechen – beispielsweise Grundschulkinder bei der Kartierung sicherer Schulwege.

Generell gilt: Je größer die Anzahl und Vielfalt, der in einem bestimmten Gebiet gesammelten Antworten ist, desto robuster und valider können die Ergebnisse angesehen werden.

 

Vorteile für die Beteiligten

Der Hauptvorteil der Geopartizipation liegt in ihrer Fähigkeit, einzigartige räumliche Daten zu generieren, die sonst weitgehend nicht verfügbar sind. Die gesammelten Daten stellen die Meinungen der Befragten dar, die mit genauen räumlichen Standorten verknüpft sind. Eine höhere Konzentration von Antworten an einem bestimmten Ort erhöht die Zuverlässigkeit der Ergebnisse.

Die Methode ermöglicht eine präzise Lokalisierung von Problemen und deren qualitative Beschreibung direkt aus der Perspektive der Anwohner. Für Behörden stellt Geopartizipation ein schnelles und flexibles Instrument zur Ermittlung von Prioritäten und lokalen Themen dar. Für die Wissenschaft bietet sie bedeutende Möglichkeiten der angewandten Forschung und die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Verwaltung. Studierende profitieren von der Arbeit mit realen Daten und der Teilnahme an Projekten mit direktem praktischem Nutzen.

 

Herausforderungen (und Lösungsansätze)

Eine grundlegende Einschränkung der Geopartizipation ist die nicht repräsentative Zusammensetzung der Befragten-Stichprobe und das Risiko, nur eine geringe Anzahl von Antworten zu erhalten. Die Ergebnisse müssen daher eher als explorativ denn als statistisch repräsentativ gewertet werden. Diese Einschränkung lässt sich durch gezielte Werbung und die Einbindung lokaler Institutionen teilweise abmildern.

Weitere Herausforderungen sind die technische und methodische Komplexität der Projektvorbereitung, insbesondere bei der Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen, sowie Fragen des Datenschutzes und der Anonymisierung bei der Verknüpfung von räumlichen und personenbezogenen Daten.

 

Aufgaben und Ressourcen

Geopartizipative Projekte sind sowohl zeit- als auch fachlich aufwendig. Die Vorbereitung dauert in der Regel etwa einen Monat, die Datenerhebung einen weiteren Monat und die Auswertung mindestens einen Monat. Die Gesamtdauer des Projekts beläuft sich daher meist auf etwa drei Monate.

Was die Finanzierung betrifft, so wird Geopartizipation meist im Rahmen von Auftragsforschungsprojekten oder in enger Zusammenarbeit mit Kommunen umgesetzt. Universitäten sind in der Regel nicht in der Lage, solche Dienstleistungen kostenlos anzubieten, da sie erfahrene Teams und eine angemessene technische Infrastruktur benötigen.

 

Beispiel

In den letzten Jahren hat die Palacký-Universität Olomouc eine Reihe von geopartizipativen Projekten durchgeführt, darunter die Kartierung städtischer Temperaturphänomene in der Stadt Olomouc, die Überwachung des Mückenvorkommens im Landschaftsschutzgebiet Litovelské Pomoraví, emotionale Karten zur wahrgenommenen Gefahr sowie das Projekt „Sicherer Schulweg“, das sich mit problematischen Verkehrssituationen aus der Perspektive von Grundschulkindern befasst.

Weitere öffentliche Ergebnisse sind über spezialisierte Webportale verfügbar, die sich dem emotionalen Mapping in der Stadt Olomouc widmen.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns das gerne mit!

Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

Wie lässt sich wissenschaftliche Expertise mit der politischen Entscheidungsfindung verbinden?

Zusammenfassung: Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

● Ziel: Schaffung eines klaren Rahmens für die effektive Verknüpfung von akademischer Forschung und Politikgestaltung, um sicherzustellen, dass Forschungsdaten als Grundlage für lokale Entscheidungen dienen

● Ansatz: Zu den Strategien gehören der regelmäßige Austausch zwischen Forschenden und Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung, die Verbreitung von Daten durch interaktive Workshops und Konsultationen sowie die Nutzung digitaler Plattformen, um kontinuierliches Feedback zu gewährleisten

● Ergebnis: Die Entwicklung datengestützter politischer Maßnahmen, die mit den lokalen Entwicklungszielen im Einklang stehen und die öffentlichen Dienstleistungen, das Wirtschaftswachstum und die Nachhaltigkeit auf regionaler Ebene verbessern

Beschreibung

Die Verknüpfung von Forschungskompetenz mit der Politikgestaltung auf lokaler Ebene ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass akademisches Wissen direkt in politische Entscheidungen einfließt, die die regionale Entwicklung beeinflussen. Der Prozess beinhaltet die Überbrückung der Kluft zwischen wissenschaftlicher Forschung und praktischen, umsetzbaren Lösungen, die von der Politik umgesetzt werden kann.

Durch die Einbindung der Forschung in Entscheidungsprozesse wird es möglich, evidenzinformierte politische Maßnahmen zu entwickeln, die nicht nur auf Daten basieren, sondern auch auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Dieser Beitrag untersucht Strategien zur Vernetzung von Forschenden mit lokalen Akteuren aus Politik und Verwaltung, zur Förderung einer effektiven Kommunikation und zur Nutzung von Forschungsdaten zur Gestaltung politischer Entscheidungen.

 

Wie funktioniert dieses Format?

1.       Interaktion zwischen Forschenden und politischen Verantwortlichen.

Der Prozess wird in der Regel von Wissensvermittelnden oder Forschungsmanagern und -managerinnen innerhalb der Universität initiiert und koordiniert, die als Vermittelnde zwischen Forschenden und politischen Verantwortlichen fungieren. Sie richten regelmäßige Kommunikationskanäle ein – wie interaktive Workshops, Beratungsrunden oder gemeinsame Planungssitzungen –, in denen Forschende eingeladen werden, Erkenntnisse und Daten zu präsentieren, die direkt in lokale politische Entscheidungen einfließen können.

2.       Nutzung von Forschungsdaten zur Beeinflussung der Politikgestaltung auf lokaler Ebene.

Ein entscheidender Bestandteil dieses Prozesses ist es, sicherzustellen, dass Forschungsdaten für die Verantwortlichen in der Politik relevant und zugänglich sind. Dies kann durch die Erstellung von Policy Briefs, Tools zur Datenvisualisierung und interaktiven Berichten erreicht werden, die komplexe Forschungsergebnisse in umsetzbare Erkenntnisse umwandeln. Forschende können mit Kommunalverwaltungen zusammenarbeiten, um wichtige Erkenntnisse hervorzuheben, die sich mit spezifischen regionalen Themen wie Nachhaltigkeit, wirtschaftlicher Entwicklung und öffentlicher Gesundheit befassen.

So könnten beispielsweise Forschende der Universität Granada sozioökonomische Forschungsergebnisse zu lokalen Entwicklungstrends im Zusammenhang mit der ökologischen und digitalen Wende präsentieren – wie nachhaltige Landnutzung, Klimaanpassung, die Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen oder die digitale Kluft – sowie Forschungsergebnisse zur Erhaltung des archäologischen Erbes und datengestützte Empfehlungen unterbreiten, die mit den politischen Zielen der Stadterneuerung oder des Kulturerhalts im Einklang stehen.

3.       Feedback und kontinuierliches Engagement.

Eine erfolgreiche Verbindung zwischen Forschung und Politik erfordert kontinuierliches Engagement. Forscher sollten nicht nur ihre Ergebnisse teilen, sondern sich auch aktiv am Prozess der politischen Umsetzung beteiligen. Dies kann durch dialogorientierte Folgekonsultationen geschehen, wie beispielsweise Treffen oder Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik, die durch schriftliches Feedback oder kurze analytische Notizen ergänzt werden können. Diese Interaktionen ermöglichen es den Forschenden, zu beurteilen, wie ihre Erkenntnisse angewendet wurden, und ihre Strategien entsprechend anzupassen. Die kontinuierliche Interaktion zwischen Forschenden und Verantwortlichen aus der Politik  ermöglicht es, politische Maßnahmen zu verfeinern, sobald neue Daten vorliegen, und stellt sicher, dass Entscheidungen flexibel bleiben und auf sich wandelnde lokale Bedürfnisse reagieren können.

4.       Nutzung digitaler Plattformen für den kontinuierlichen Austausch.

Digitale Plattformen wie die Website von Impronta Granada spielen eine entscheidende Rolle dabei, die Sichtbarkeit von Forschungsprojekten aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass Forschungsergebnisse für lokale Akteure kontinuierlich zugänglich sind. So ermöglichen es solche Plattformen mit den Forschenden beispielsweise, Projektaktualisierungen, Ergebnisse und Empfehlungen zu teilen, wodurch es für Verantwortliche in der Lokalpolitik einfacher wird, den Forschungsfortschritt zu verfolgen und ihre politischen Entscheidungen an die aktuellsten Daten anzupassen.

 

Herausforderungen (und Lösungsansätze)

● Komplexität der Forschungsdaten.

Wissenschaftliche Forschung ist oft komplex, und es kann eine Herausforderung sein, sie in klare, umsetzbare politische Empfehlungen für Kommunalverwaltungen zu übersetzen. Entscheidend für diesen Prozess ist es, sicherzustellen, dass Forschende ihre Ergebnisse vereinfachen können, ohne dabei ihre wissenschaftliche Integrität zu beeinträchtigen. So müssen beispielsweise quantitative Forschungsergebnisse zu Bodengesundheit, Klimaanpassung oder digitaler Inklusion möglicherweise in klare Indikatoren, visuelle Zusammenfassungen oder Policy Briefs übersetzt werden, die die Auswirkungen auf die lokale Planung oder Dienstleistungserbringung hervorheben, anstatt detaillierte methodische Erläuterungen zu liefern.

● Einbindung von Interessengruppen.

Die Einbindung von Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik in den Forschungsprozess ist nicht immer einfach. Kommunalbehörden haben möglicherweise konkurrierende Prioritäten, und die Integration von Forschungsexpertise in politische Rahmenbedingungen kann erhebliche Anstrengungen erfordern, insbesondere mit der Überwindung bürokratischer Hürden verbunden sein.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftler

● Aufgaben

  • Präsentation von Forschungsergebnissen
  • Erstellung von Policy Briefs
  • Teilnahme an gemeinsamen Workshops mit politischen Entscheidungsträgern

● Erforderliche Ressourcen

  • Zeit für die Verbreitung von Forschungsergebnissen und die Teilnahme an Veranstaltungen
  • Kommunikationsmittel zur Präsentation von Forschungsdaten gegenüber den Verantwortlichen in der Politik

Manager für Wissensaustausch und Forschungsmanager

● Aufgaben

  • Koordination der Einbindung von Forschenden in die Zusammenarbeit mit Verantwortlichen in der Lokalpolitik
  • Moderation von Workshops
  • Sicherstellen, dass die Forschungsergebnisse zugänglich und für die Bedürfnisse der lokalen Verwaltung relevant sind

● Erforderliche Ressourcen

  • Digitale Plattformen zur Verbreitung von Forschungsergebnissen und für kontinuierliches Feedback
  • Unterstützung bei der Organisation gemeinsamer Workshops und Konsultationen

Verantwortliche in Politik und Verwaltung

● Aufgaben

  • Einbeziehung von Forschungsdaten in die lokale Politik und Bereitstellung von Ressourcen für forschungsgestützte Initiativen.

● Erforderliche Ressourcen

  • Politische Fachkompetenz zur Interpretation von Forschungsdaten und deren Einbeziehung in die Entscheidungsfindung
  • Finanzielle und administrative Ressourcen zur Unterstützung von Forschungsanträgen in lokalen Entwicklungsprojekten

 

Beispiele

UGR County Councils bezeichnet die von der Universität Granada (UGR) im Rahmen des Erasmus+-Projekts ENGAGEgreen geleitete Initiative, deren Ziel es ist, die Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlich Forschenden, Kommunalverwaltungen und Akteuren aus den Gemeinden zu fördern.

Im Mittelpunkt dieser Initiative steht die Bewältigung regionaler Herausforderungen durch gemeinsam erarbeitete, forschungsbasierte Lösungen. Das zweite Impronta-Granada-Treffen ist die dritte Pilotveranstaltung, die von der UGR im Rahmen dieses Projekts organisiert wurde und bei der Forschende, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung und lokale Gemeinschaften zusammenkamen, um Strategien für eine nachhaltige Entwicklung in ländlichen und städtischen Gebieten zu erörtern und zu entwickeln.

Die Initiative UGR County Councils spielte eine entscheidende Rolle bei der Vernetzung von Forschenden und Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung. Im Rahmen von Online-Vorbereitungssitzungen und interaktiven Workshops wurde die Initiative von der Universität Granada über ihre Strukturen zum Wissensaustausch koordiniert, die Forschende der UGR einluden, ihre Forschungsprojekte vorzustellen. Diese Projekte wurden in einer Excel-Datenbank erfasst und über die Impronta Granada-Website veröffentlicht. Die Website ermöglichte es den Mitarbeitenden in der Politik die Profile der UGR-Forscher einzusehen, diese nach Provinzrat zu filtern und zu verstehen, inwiefern ihre Forschung mit den territorialen Entwicklungsbedürfnissen übereinstimmte.

Diese Bemühungen gipfelten im zweiten Impronta-Granada-Treffen, bei dem Forschende ihre Projekte in Kurzvorträgen präsentierten und direkt mit lokalen Behörden und Unternehmen in Kontakt traten, um die praktischen Anwendungsmöglichkeiten ihrer Ergebnisse zu erörtern. Dieser Prozess stellte sicher, dass Forschungsdaten zugänglich und sichtbar waren und in den politischen Entscheidungsprozess auf lokaler Ebene integriert wurden.

 

Quellen und weiterführende Literatur

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns das gerne mit!

Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

Weitere