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Autor: Katharina Sielemann

is a Senior Advisor for Synthesis and Communication at the Helmholtz Forum Earth and Environment

Vier Minuten, die zählen: Der Policy Pitch als Trainingsformat

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Im Rahmen dieser Übung bereiten die Workshop-Teilnehmenden einen vierminütigen „Policy Pitch“ zu ihren eigenen Forschungsthemen vor und erhalten strukturiertes Feedback durch die übrigen Teilnehmenden (Peer-to-Peer-Feeback).
  • Die Übung basiert auf einer zentralen Erkenntnis: Im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung ist nicht entscheidend, wie viel Forschende wissen, sondern wie viel Akteure in Politik/Verwaltung verstehen und im Gedächtnis behalten. Methoden und Forschungsdesign einzelner Forschungsprojekte sind zweitrangig; die Policy-Relevanz der Forschungsergebnisse ist entscheidend.
  • Die Teilnehmenden beenden die Übung mit einem konkreten, erprobten Kommunikationsprodukt, das sie bei zukünftigen Aktivitäten im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung nutzen können.

 

Wie funktioniert das Format?

Forschende sind meist gut darauf vorbereitet, ihre Arbeit vor einem akademischen Publikum zu präsentieren. Die Präsentation vor Akteuren in Politik und Verwaltung erfordert jedoch einen grundlegend anderen Ansatz. Präsentationskompetenzen, die im akademischen Alltag selten explizit vermittelt werden. Diese Übung bietet einen geschützten Raum, um genau diesen Transfer am eigenen Thema zu trainieren.

 

Die Aufgabenestellung

Bereiten Sie eine prägnante, vierminütige Präsentation zu Ihrem Forschungsthema vor. Ziel ist es, Relevanz und Kernaspekte des Themas klar, überzeugend und verständlich zu vermitteln – gegebenenfalls einschließlich konkreter politischer Handlungsoptionen. Stellen Sie komplexe Inhalte anschaulich und praxisnah dar, damit auch Laien die Bedeutung Ihres Themas erfassen können. Die Verwendung von Folien ist erlaubt. Zielgruppe sind Akteure in Politik/Verwaltung.

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Forschende

Schritt 1: Kennen Sie Ihr Publikum
Was weiß Ihr Zielpublikum bereits? Warum ist Ihr Thema für diese Personen relevant? Und welcher konkrete Aspekt wird bei ihnen am ehesten Anklang finden? Ein Thema wie „Fischbestände in der Nordsee“ könnte für ein Umweltministerium aus umweltpolitischen Gründen von Interesse sein, für ein Wirtschaftsministerium aufgrund der ökonomischen Auswirkungen auf Küstengemeinden oder für einen parlamentarischen Ausschuss hinsichtlich der Umsetzung von EU-Vorschriften. Passen Sie Ihre Präsentation entsprechend an und fragen Sie sich: Warum sind die Inhalte der Präsentation für Akteure aus Politik/Verwaltung von Bedeutung?

Schritt 2: Kontext und Relevanz herstellen

Formulieren Sie zwei oder drei Kernbotschaften und betten Sie Ihr Thema in einen breiteren Kontext ein, indem Sie es mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen oder praktischen Anwendungsmöglichkeiten verknüpfen.

Berücksichtigen Sie folgende Leitfragen:

  • Warum ist dieses Thema wichtig?
  • Was sollten Akteure in Politik und Verwaltung in sechs Monaten oder einem Jahr noch im Gedächtnis behalten?
  • Gibt es aktuelle Ereignisse, die mit Ihrem Thema in Verbindung stehen (z. B. Vulkanausbrüche, Havarien)?

Es lohnt sich, sich im Vorfeld über aktuelle Entwicklungen in der Politik zu informieren oder mit Akteuren aus Politik und Verwaltung zu sprechen, um deren Prioritäten und Wissensbedarfe zu verstehen.

Stellen Sie einen Bezug zwischen Ihren Erkenntnissen und konkreten politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen her. Beispiel: „Eine zunehmende Versauerung der Ozeane könnte 100.000 Arbeitsplätze in der Fischerei gefährden.“ Konkrete Zahlen und Beispiele aus der Praxis schaffen eine emotionale Verbindung zum Thema und machen die praktische Relevanz wissenschaftlicher Erkenntnisse greifbar.

Schritt 3: Formulieren Sie Handlungsempfehlungen oder erörtern Sie Handlungsoptionen

Stellen Sie mögliche Vorgehensweisen vor. Zeigen Sie konkrete, umsetzbare Schritte auf und betten Sie diese, soweit möglich, in den aktuellen politischen Kontext ein. Erläutern Sie, warum bestimmte Maßnahmen politisch machbar oder ratsam sein könnten. Führen Sie die Vor- und Nachteile verschiedener Policy-Maßnahmen auf.

Schritt 4: Überprüfen Sie Ihre Präsentation auf klare Struktur, wissenschaftliche Fachsprache, den effektiven Einsatz von Visualisierungen und Dynamik

  • Struktur: Wählen Sie einen aussagekräftigen Titel, der die Relevanz des Themas signalisiert (z. B. „Die Auswirkungen des Klimawandels auf Infrastruktur in Küstengebieten: Warum Handlungsbedarf besteht“); ein starker Einstieg wie eine eindrucksvolle Statistik, die Richtigstellung eines weit verbreiteten Irrtums oder das Potenzial einer neuen Technologie weckt sofort Interesse. Leitfragen strukturieren den Vortrag wirkungsvoll (z. B. „Was passiert, wenn Küstengebiete schrumpfen?“ → „Wie können wir das verhindern?“)
  • Sprache: Vermeiden Sie Fachbegriffe (z. B. „hydronumerische Methoden“) oder erklären Sie diese in einer leicht verständlichen Sprache; achten Sie auf Begriffe, deren Bedeutung im akademischen und im Policy-Kontext unterschiedlich ist (z. B. Signifikanz, Risiko, langfristig/kurzfristig); dies gilt auch für Begriffe, die im Forschungssystem geläufig, Außenstehenden jedoch unbekannt sind (z. B. „Horizon“-Förderung, Sonderforschungsbereiche, PI, Peer-Review); testen Sie Ihre Präsentation vor dem Workshop vor einem Laienpublikum: Sind alle Begriffe wirklich verständlich?
  • Visuelle Elemente: Vermeiden Sie überladene Folien; versehen Sie Abbildungen direkt mit Kernaussagen, anstatt vom Publikum zu erwarten, dass es diese selbst interpretiert; verwenden Sie einheitliche Gestaltungselemente; veranschaulichen Sie Veränderungen im Zeitverlauf oder nutzen Sie Vergleiche, um das Ausmaß greifbar zu machen (z. B. Seegraswiesen im Vergleich zu den CO₂-Emissionen eines Steaks)
  • Vortrag: Vermeiden Sie vage oder ausweichende Formulierungen; sprechen Sie das Publikum gegebenenfalls direkt an (z. B. „Ich möchte Sie daher bitten, Folgendes zu berücksichtigen…“); sprechen Sie mit Energie und Engagement; variieren Sie Ihre Betonung, um Kernpunkte hervorzuheben, halten Sie Augenkontakt, auch wenn Sie von Notizen ablesen, und halten Sie sich strikt an die (vierminütige) Zeitvorgabe
  • Abgrenzung von Fundraising: Das Ziel eines Policy-Pitchs ist es, eine evidenzinformierte Entscheidungsfindung durch wissenschaftliche Expertise zu unterstützen, nicht um Forschungsmittel zu bitten. Wenn Sie Mittel einwerben wollen, machen Sie das von Anfang an transparent. Die Vermischung von Politikberatung und Fundraising schadet der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshopleitungen

Leiten Sie die Übung ein, indem Sie kurz den Unterschied zwischen der Kommunikation mit einem akademischen Publikum und einem Policy-Publikum erläutern. Kommunizieren Sie die Aufgabenstellung, sodass die Teilnehmenden ihre Pitches vor dem Workshop vorbereiten können. Moderieren Sie nach jeder Präsentation ein strukturiertes Peer-Feedback, wobei Sie die oben genannten Leitlinien als Rahmen nutzen. Die Übung eignet sich gut für Gruppen mit sechs bis zwölf Teilnehmenden, mit Feedbackrunden von fünf bis zehn Minuten pro Präsentation. Bei größeren Gruppen ist es sinnvoll, kleinere Untergruppen zu bilden, um Zeit zu sparen und ein persönlicheres Feedback zu ermöglichen, sofern genügend Moderatorinnen oder Moderatoren zur Verfügung stehen.

Forschende

Bereiten Sie auf Grundlage Ihrer eigenen Forschung einen vierminütigen Policy-Pitch vor und wenden Sie dabei die oben genannten Richtlinien an. Geben und erhalten Sie während der Feedbackrunde konstruktives Feedback: Ist die Zielgruppe klar definiert? Sind die Kernbotschaften klar? Gibt es konkrete politische Handlungsoptionen? Ist die Sprache für Laien verständlich?

Akteure in Politik und Verwaltung

Sollten Akteure aus Politik/Verwaltung am Workshop teilnehmen, können diese nach den Präsentationen Feedback aus ihren jeweiligen Praxisperspektiven geben. Ihre Einschätzung dazu, was sie tatsächlich nützlich finden und was sie verwirrend oder nicht überzeugend empfinden, ist in der Regel das einprägsamste und lehrreichste Feedback, das die Teilnehmer erhalten.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Conrad, Paulina; Sielemann, Katharina; Sandevski, Tome (2025), Tipps zur Vorbereitung von Vorträgen und Policy Briefs für den Wissenschafts-Politik-Dialog, https://www.allianz-meeresforschung.de/app/uploads/2025/07/science-policy-dialog-tipps.pdf

Cairney, Paul; Kwiatkowski, Richard (2017), How To Communicate Effectively with Policymakers: Combine Insights from Psychology and Policy Studies, Palgrave Communications 3, 1–8.

 

Das Policy Engagement Toolkit befindet sich noch in der Entwicklung                                                                            

Bitte senden Sie Kommentare zu unseren Kapiteln oder Vorschläge für Format- oder Praxisbeispiele an science-policy@uni-frankfurt.de

 

 

Vom Workshop zum Policy Pitch: Wie Meeres- und Umweltforschende lernen, ihre Ergebnisse zu präsentieren

Erfahrungen der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) und des Helmholtz-Forums Erde und Umwelt

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Integrierter Kompetenzaufbau: Im ersten Halbjahr 2025 organisierten die Deutsche Allianz Meeresforschung (DAM) und das Helmholtz-Forum Erde und Umwelt zwei Workshops zum Kompetenzaufbau im Bereich des Wissenschaft-Politik-Dialogs. Etwa 40 der rund 50 Teilnehmenden erarbeiteten und präsentierten jeweils vier bis sechs Wochen nach den ersten Workshops einen vierminütigen Policy-Pitch.
  • Strukturiertes Peer-Feedback: Nach jedem Pitch erhielten die Vortragenden Feedback von den übrigen Teilnehmenden sowie vom Moderationsteam. Die meisten hielten sich präzise an die Zeitvorgabe und überzeugten mit gut strukturierten Präsentationen. Die größten Herausforderungen lagen darin, die konkrete Relevanz der eigenen Forschung für Akteure in Politik und Verwaltung aufzuzeigen, Fachbegriffe zu vermeiden und konkrete Handlungsoptionen zu formulieren.
  • Praxistransfer gelungen: Die Übung erwies sich als äußerst wirksames Instrument, um die Workshop-Inhalte direkt in praktische Fähigkeiten zu übersetzen und die Teilnehmenden zielgerichtet auf die künftige Zusammenarbeit mit Akteuren aus Politik und Verwaltung vorzubereiten.

 

Wie funktioniert das Format?

Im Januar und Juni 2025 organisierten die Deutsche Allianz Meeresforschung (DAM) und das Helmholtz-Forum Erde und Umwelt zwei Workshops zum Kompetenzaufbau im Science-Policy-Dialog in Berlin. An beiden Workshops nahmen insgesamt rund 60 Forschende und Mitarbeitende aus dem Wissenstransfer verschiedener Forschungseinrichtungen teil. Jeder Workshop dauerte zwei Tage von Mittag bis Mittag und behandelte Themen wie die Rollen von Akteuren in Politik und Verwaltung, das Verständnis politischer Gestaltungskontexte sowie einen Überblick zu Transferformaten.

Um die Workshop-Inhalte praxisnah anzuwenden, lud das Moderationsteam die Teilnehmenden ein, als Folgeaufgabe einen „Policy Pitch“ vorzubereiten. Der Prozess gliederte sich in vier Schritte.

 

Schritt 1: Vorstellung der Übung
In den letzten 30 Minuten jedes Workshops erläuterte das Moderationsteam die Ziele und den Aufbau der Folgeübung. Die Teilnahme war freiwillig. Die Teilnehmenden wurden gebeten, vier bis sechs Wochen nach dem ersten Workshop einen vierminütigen „Policy Pitch“ zu präsentieren. Es wurden mehrere virtuelle Termine angeboten, und die Teilnehmenden konnten den für sie am besten geeigneten auswählen. Das Moderationsteam verschickte zudem die Anweisungen nach den Workshops an alle Teilnehmenden.

Schritt 2: Die Teilnehmenden bereiten ihre Pitches vor
Zwischen dem Workshop und der Folgeveranstaltung bereiteten die Teilnehmenden ihre Policy-Pitches eigenständig vor. Die Moderatorinnen und Moderatoren standen per E-Mail für Fragen zur Verfügung, allerdings nahm keiner der Teilnehmenden dieses Angebot in Anspruch.

Schritt 3: Durchführung der virtuellen Pitch-Sessions
Die virtuellen Folgesitzungen dauerten zwischen 90 und 120 Minuten. Die Teilnehmenden hielten je einen Policy-Pitch von maximal vier Minuten, gefolgt von Feedback der anderen Teilnehmenden und Rückmeldungen der Moderatorinnen und Moderatoren. Das Peer-to-Peer-Feedback erwies sich als besonders nützlich; die Anmerkungen der Teilnehmenden waren durchdacht und konstruktiv.

Schritt 4: Zusammenfassung und Weitergabe des Feedbacks
Nach den Sitzungen fassten die Moderatorinnen und Moderatoren die wichtigsten Rückmeldungen zusammen und teilten sie allen Teilnehmenden mit. Diese Zusammenfassung bildete die Grundlage für die schriftlichen Leitlinien zur Erstellung von Policy-Pitches und Policy-Briefs, die anschließend auf der DAM-Website veröffentlicht wurden.

 

Was die Übung gezeigt hat: Ergebnisse und häufige Herausforderungen

Von den ursprünglich 50 Workshop-Teilnehmenden präsentierten 42 in den Folgesitzungen einen Policy Pitch: eine hervorragende Beteiligungsquote von 84 Prozent für eine freiwillige Übung!

Was gut funktioniert hat:

  • Die meisten Präsentationen waren gut strukturiert und hielten sich an das Zeitlimit von vier Minuten.
  • Das Peer-to-Peer-Feedback war durchweg konstruktiv und führte zu einer substanziellen Diskussion.
  • Die Teilnehmenden meldeten zurück, dass die Übung ihnen half, das im Workshop Gelernte auf ihre eigene Forschung anzuwenden.

Häufige Herausforderungen:

  • Fachjargon: Mehrere Teilnehmende verwendeten Begriffe, die in ihrem Fachgebiet geläufig sind, ohne zu bedenken, dass diese einem Policy-Publikum unbekannt sein könnten.
  • Policy-Relevanz: Einige Teilnehmende hatten Schwierigkeiten zu erklären, warum ihre Forschung für Akteure in Politik und Verwaltung von Bedeutung war. Hier zeigt sich, dass sich viele Teilnehmende noch an Präsentationen für ein wissenschaftliches Fachpublikum orientierten.
  • Handlungsoptionen: Die Formulierung konkreter Handlungsoptionen auf Grundlage der Forschungsergebnisse war der Aspekt der Übung, der durchweg die größte Herausforderung darstellte.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Moderation

Das Moderationsteam stellte die Übung in der letzten Sitzung des Workshops vor. Das Team legte die Termine für die virtuellen Folgetreffen fest, schickte den Teilnehmern schriftliche Anweisungen zu, moderierte die Präsentations- und Feedbackrunden und erstellte anschließend eine Zusammenfassung der wichtigsten Rückmeldungen, die es den Teilnehmenden zur Verfügung stellte.

Forschende mit Mitarbeitende aus Wissenschaftsmanagement, Wissenstransfer oder Wissenschaftskommunikation (Workshop-Teilnehmer)

Die Teilnehmenden bereiteten zwischen dem ersten Workshop und der Folgesitzung einen vierminütigen Policy-Pitch zu ihrem eigenen Forschungsthema vor, präsentierten diesen in der virtuellen Sitzung und gaben den anderen Teilnehmern Feedback zu deren Pitches.

Akteure in Politik und Verwaltung

Akteure aus Politik und Verwaltung nahmen an den Pitch-Sitzungen in den Ausgaben dieser Übung aus dem Jahr 2025 nicht teil. Sie nahmen jedoch an den einleitenden Workshops teil, in denen sie die Bedeutung prägnanter, verständlicher und politikrelevanter Präsentationen hervorhoben. Zukünftige Ausgaben der Übung könnten davon profitieren, wenn mindestens ein Akteur aus Politik und Verwaltung in die Feedback-Sitzungen einbezogen würde.

Einbindung der Bundestagsabgeordneten: Die parlamentarische Veranstaltung

Die Auswirkungen von Methan auf das Klima – eine unterschätzte Bedrohung

Zentrale Punkte auf einen Blick

  • Parlamentarische Veranstaltungen wie Frühstückstreffen oder Abendveranstaltungen ermöglichen es Wissenschaftlern, während der Sitzungswochen direkt mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages in Kontakt zu treten, politische Optionen vorzustellen und zu einer evidenzbasierten Politikgestaltung beizutragen
  • Für Veranstaltungen auf dem Gelände des Bundestages ist ein Abgeordneter als Gastgeber erforderlich, idealerweise der Fraktionssprecher für das jeweilige Thema; entscheidend ist weniger die Anzahl der teilnehmenden Abgeordneten als vielmehr deren Fachkompetenz und politischer Einfluss (z. B. Berichterstatter und Vorsitzende der zuständigen Ausschüsse)
  • Kurze, leicht verständliche Präsentationen mit konkreten Handlungsempfehlungen, ergänzt durch ein Informationsblatt zum Mitnehmen, kommen bei den Bundestagsabgeordneten besonders gut an
  • Ein Zusammenschluss mehrerer wissenschaftlicher Organisationen (z. B. Helmholtz SynCom und Leopoldina) erhöht die Sichtbarkeit und Wirkung; der Dialog kann nach der Veranstaltung in bilateralen Folgetreffen fortgesetzt werden
  • Damit parlamentarische Veranstaltungen wirksam sind, müssen sie Teil eines umfassenderen Dialogprozesses sein

Wie funktioniert das Format?

Während der Sitzungswochen des Deutschen Bundestages finden zahlreiche parlamentarische Veranstaltungen statt: zum Beispiel bei der Deutschen Parlamentsgesellschaft, in der Cafeteria des Jakob-Kaiser-Hauses oder in den Restaurants im und um das Reichstagsgebäude.

Da viele Interessengruppen gleichzeitig Veranstaltungen organisieren, konkurrieren wissenschaftliche Organisationen und Interessengruppen um die Aufmerksamkeit der Abgeordneten.

Ein Abgeordneter oder eine Abgeordnete mit thematischer Expertise als Schirmherr sichert den Zugang und die Relevanz. Damit parlamentarische Veranstaltungen Wirkung zeigen, müssen sie Teil eines umfassenderen Dialogprozesses sein.

Beispiel: Parlamentarisches Frühstück „Die Auswirkungen von Methan auf das Klima – Eine unterschätzte Bedrohung“

Am 17. Oktober 2024 veranstalteten Helmholtz SynCom und die Leopoldina ein parlamentarisches Frühstück in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft. Das Thema wurde aufgrund seiner politischen Relevanz und auf Anregung von Politikern ausgewählt. Unter der Schirmherrschaft von Dr. Konstantin von Notz und Lisa Badum, beide Mitglieder des Bundestages, versammelten sich 34 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und politisch Verantwortliche (die maximale Kapazität des Veranstaltungsortes). Politiker aus den zuständigen Ausschüssen waren eingeladen.

Die Tagesordnung für die 1,5-stündige Veranstaltung: Nach den Eröffnungsworten des Schirmherrn und den Begrüßungsreden der Vizepräsidenten beider wissenschaftlicher Organisationen (10 Minuten) folgten drei wissenschaftliche Keynote-Vorträge à 8 Minuten:

zu den Methankonzentrationen in der Atmosphäre, zum Energiesektor und zur Landwirtschaft als größter Quelle von Methanemissionen in Deutschland. In der anschließenden 40-minütigen Diskussion mit den Abgeordneten des Bundestages wurden Themen wie die Transformation der Landwirtschaft, vorgelagerte Emissionen durch importiertes LNG, regulatorische Optionen und zukünftige Herausforderungen wie Leckagen aus Wasserstoffnetzen eingehend erörtert. Ein Informationsblatt mit den Handlungsempfehlungen der Wissenschaft wurde an die anwesenden Abgeordneten verteilt.

In der Auswertung lobten die Teilnehmenden insbesondere die „übersichtlich dargestellten Fakten“ sowie die „kurzen, klaren und verständlichen“ Vorträge mit „konkreten Lösungsansätzen“. Im Anschluss an die Veranstaltung wurde der Dialog in weiteren Austauschtreffen zwischen Forschenden und Vertretenden aus Politik und den Ministerien fortgesetzt.

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstellen kurze, leicht verständliche Keynote-Präsentationen mit konkreten Handlungsempfehlungen und wirken an der Erstellung eines Factsheets mit. Der Zeitaufwand für die inhaltliche Vorbereitung und die Präsentation beträgt etwa drei Tage; organisatorische Aufgaben nehmen etwa eine Stunde in Anspruch. Im Anschluss können bilaterale Folgegespräche mit Abgeordneten oder Ministerien stattfinden.

Mitarbeitende im Bereich Wissenstransfer und Kommunikation (Unterstützungspersonal)

Mitarbeitende aus den Bereichen Wissenstransfer und Kommunikation sind für den Großteil der organisatorischen Arbeit zuständig (etwa 1,5 Wochen): Sie sichern Förderer, buchen den Veranstaltungsort, identifizieren und laden relevante Mitglieder des Bundestages ein, koordinieren das Programm, wirken an der Erstellung des Informationsblatts mit und führen die Auswertung durch.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung

Im Idealfall fungieren Mitglieder des Bundestages als Schirmherren, unter anderem durch das Halten der Eröffnungsrede oder einer Begrüßungsansprache. Der Zeitaufwand liegt zwischen zwei und acht Stunden, je nachdem, ob sie als Gastgeber mit einer Begrüßungsrede auftreten und ob Folgegespräche stattfinden.

Quellenangaben

Leopoldina and SynCom, Helmholtz Earth & Environment (2024), The Climate Impact of Methane – An Underestimated Threat. Fact Sheet. pp. 1–4, https://doi.org/10.48440/leopoldina_syncom.2024.001.

Heidenreich, Marie; Brunner, Almut; Meyn, Andrea; Sielemann, Katharina (2024), Navigating uncertainties: collaborative approaches to science-policy dialogues, Frontiers in Earth Science, https://doi.org/10.3389/feart.2025.1602005.

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