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Autor: Tome Sandevski

Tome Sandevski  is Programme Manager for Science-Policy Dialogue at Goethe University Frankfurt and coordinates joint policy engagement activities of the Rhine-Main Universities (Frankfurt, TU Darmstadt and Johannes Gutenberg-University Mainz). He designs and delivers training on policy engagement for researchers and research managers.

Nicht nur Wissen präsentieren – vernetzen!

Ein Leitfaden für Forschende zu  erfolgreichen Mitwirkung an Policy Veranstaltungen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

Policy Veranstaltungen bieten drei unterschiedliche Dimensionen für wissenschaftliche Wirkung, die von formellen Vorträgen bis hin zum Aufbau persönlicher Beziehungen reichen:

  1. Formale Dimension: Vermittlung von Fachwissen in Podiumsdiskussionen, Vorträgen, Präsentationen oder Workshops.
  2. Informelle Vernetzung: Aufbau direkter Kontakte während Kaffeepausen, Mittagessen und Empfängen.
  3. Strategisches Follow-up: Umwandlung kurzer Begegnungen in nachhaltigen Austauschnach der Veranstaltung.
  • Forschenden sollten nicht nur an Policy Veranstaltungen teilnehmen, um eine Rede zu halten oder an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen; sie sollten daran teilnehmen, um informelle Gespräche zu führen und zwei bis drei Folgetreffen zu vereinbaren.
  • Pausen, Mittagessen und Empfänge sind ebenso wichtig wie inhaltliche Sessions wie Podiumsdiskussionen oder Vorträge selbst: Organisatoren von Policy-Veranstaltungen sollten während der Pausen Gelegenheiten zum Networking und zu informellen Gesprächen einplanen.

Wie funktioniert das Format?

Um Zeit und Wirkung zu maximieren, müssen Forschende jede politische Veranstaltung unter drei strukturellen Dimensionen betrachten.

 

  1. Die formale Dimension (die Plattform)

Dazu gehören Podiumsdiskussionen, Keynote-Vorträge und interaktive Workshops. Die Übernahme einer aktiven Rolle als Redner/Rednerin oder Podiumsteilnehmende stärkt die institutionelle Glaubwürdigkeit und rückt relevante Forschungsergebnisse in den Vordergrund. Doch dies ist lediglich der Aufhänger – nicht das angestrebte Ergebnis.

 

  1. Die informelle Dimension (die Verbindung)

In Kaffeepausen, während des Mittagessens und bei Abendempfängen findet der informelle Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung statt. Informelle Rahmenbedingungen ermutigen die Teilnehmenden dazu, offener über ihre Herausforderungen und Wissensbedarfe zu sprechen, als es eine öffentliche Podiumsdiskussion zulässt. Forschende sollten die Zeit auf Veranstaltungen für den informellen Austausch nutzen anstatt , E-Mails zu checken, nur mit Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaft auszutuaschen oder frühzeitig die Veranstaltung zu verlassen.

 

  1. Die Nachverfolgungsdimension (die Wirkung)

Wertvolle Gespräche sollten damit enden, dass Forschende sich mit den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern aus der Praxis darauf verständigen, in Kontakt zu bleiben und den Dialog Wochen oder Monate nach der Veranstaltung weiterführen.

 

Warum Mikro-Networking Makro-Präsentationen übertreffen kann

Forschende unterschätzen oft den mündlichen Austausch im Vergleich zu Veröffentlichungen. In einem natürlichen Sprechtempo sprechen Rednerinnen und Redner etwa 130–160 Wörter pro Minute (ca. eine halbe Textseite). Betrachten Sie den Vergleich zweier verschiedener Strategien:

Forscher A (der Vortragende): Hält einen 15-minütigen Vortrag plus 5 Minuten für Fragen und Antworten (insgesamt 20 Minuten Redezeit = ~10 Seiten übermittelter Text). In den Pausen checkt dieser Forschende seine E-Mails, unterhält sich nur mit Kollegen und Kolleginnen aus der Wissenschaft und geht frühzeitig.

Forscher B (der Netzwerker): Hat keine formelle Rednerrolle, tauscht sich jedoch in den Pausen und bei Empfängen insgesamt 50 Minuten lang aktiv mit Akteuren aus Politik und Verwaltung aus (ca. 25 Seiten übermittelter zielgerichteter Text). Dieser Forschende vereinbart drei konkrete Termine für zukünftige Treffen. Ergebnis: Drei geplante Folgetreffen, um die eigene Expertise direkt zu präsentieren.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Wie können sich Forschende auf die Netzwerkbildung vorbereiten?

Schritt 1: Den Raum analysieren und sich einen Überblick verschaffen (vor der Veranstaltung)

  • Forschende sollten das Programm und die Teilnehmendenliste im Voraus durchsehen. Sie sollten die konkreten Akteure aus Politik und Verwaltung oder anderen Gäste aus der Praxis identifizieren, mit denen sie in Kontakt treten möchten
  • Falls die Liste nicht öffentlich ist, sollten Forschende die Organisatoren nach dem erwarteten Profil des Publikums fragen

Schritt 2: Inhaltliche Vorbereitung

  • Forschende sollten einen 60-Sekunden-Elevator-Pitch vorbereiten, der sich auf die politische Relevanz ihres Fachwissens konzentriert und rein akademische Debatten oder Methodik vermeidet
  • Forschende sollten gedruckte Exemplare von Kurzpublikationen wie Policy Briefs, Factsheets oder Infografiken mitbringen. Diese Kurzpublikationen sollten immer die Kontaktmöglichkeiten enthalten.

 

Schritt 3: Strategische Ansprache und Eisbrecher

  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten ihre Zielpersonen in den Pausen ansprechen; sie sollten Grenzen respektieren (Personen, die gerade telefonieren oder E-Mails auf ihrem Laptop schreiben, sollten sie meiden), sich aber selbstbewusst mit einem höflichen „Darf ich mich zu Ihnen setzen/stellen?“ zu den Gruppen an den Tischen gesellen.
  • Offene Eisbrecher können sein:

o Auf welchen Teil der Veranstaltung freuen Sie sich am meisten?

o Welche Sessions fanden Sie bisher am interessantesten?

o Was halten Sie von Argument zu X?

  • Folgefragen können sein:

o Welche Themenaspekte sind für Sie besonders relevant?

o Was ist die größte Herausforderung, vor der Sie bei diesem Thema stehen?

 

Schritt 4: Den Anschluss für die Nachbereitung sichern

  • Wenn der Kontakt positiv verläuft, sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch vor Ende des Gesprächs den Anschluss sichern: „Ich würde Ihnen gerne ein kurzes Update schicken, sobald unsere nächsten Forschungsergebnisse vorliegen. Darf ich Ihre Visitenkarte haben oder Ihren LinkedIn-QR-Code scannen?“
  • Das Überreichen eines gedruckten Policy Briefs mit den eigenen Kontaktdaten ist eine effektive Methode, um einen unmittelbaren, professionellen Übergang zu schaffen

 

Schritt 5: Termin vereinbaren (nach der Veranstaltung)

  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten innerhalb von 48–72 Stunden eine maßgeschneiderte Folge-E-Mail senden
  • Sie sollten Links zu den besprochenen Daten oder Publikationen bereitstellen und ein Folgetreffen in den nächsten Wochen oder Monaten vorschlagen

 

Mitarbeitende in den Bereichen Management und Transfer (Unterstützungsstrukturen)

Policy-Veranstaltungen müssen den informellen Dialog in Pausen ermöglichen.

Teams, die Veranstaltungen organisieren, sollten die folgenden Vorschläge berücksichtigen:

  • Netzwerkpausen einplanen: Bei jeder Veranstaltung, die länger als zwei Stunden dauert, sollten die Organisatoren Kaffeepausen von mindestens 20 bis 30 Minuten einplanen; die Organisatoren sollten die Pausen nicht verkürzen, auch nicht, wenn Vorträge überzogen werden. Sieie sollten die Referentinnen und Referenten im Voraus darüber informieren, dass Zeitlimits strikt eingehalten werden.
  • Vorbereiten sichtbarer Materialien: Organisatoren sollten große, gut lesbare Namensschilder bereitstellen; wenn möglich, können sie QR-Codes auf den Namensschildern integrieren, die weitere Informationen wie Links zu Webseiten oder LinkedIn-Profilen bereitstellen.
  • Moderieren flexibler Frage-und-Antwort-Runden: Moderatorinnen und Moderatoren sollten die „Frage-und-Antwort-Runden“ so strukturieren, dass das Fachwissen der Teilnehmenden im Raum zum Tragen kommt. Sie sollten zu Beginn klar ankündigen: „Fragen müssen auf 1–2 Minuten begrenzt sein, damit alle zu Wort kommen können.“ Dies verhindert lange Ausführungen aus dem Publikum und hilft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, interessante Gesprächspartner für die nächste Pause zu identifizieren
  • Mitarbeitende im Bereich Wissensaustausch können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darin unterstützen, klare Elevator Pitches zu entwickeln und leicht verständliche Informationsblätter zu erstellen
  • Mitarbeitende im Bereich Wissensaustausch können Forschende während Empfängen aktiv den anwesenden Akteuren aus Politik und Verwaltung vorstellen

 

Quellen

Willis, Christina C. (2020), Sustainable Networking for Researchers and Engineers, https://doi.org/10.1117/3.2535500.

Zack, Devora (2019), Networking for People Who Hate Networking: A Field Guide for Introverts, the Overwhelmes, and the Underconnected, Berrett-Koehler Publishers.

 

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Event-Check: So erreichen Sie Akteure aus Politik und Verwaltung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Diese Übung soll Wissenschaftlern und Wissensaustauschbeauftragten dabei helfen, den Unterschied zwischen akademischen und praxisorientierten Veranstaltungen zu verstehen.
  • Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung benötigen Veranstaltungsbeschreibungen, aus denen der Nutzen einer Teilnahme klar hervorgeht. Neben dem Austausch mit Forschenden ist auch der Nutzen mit Stakeholdern aus weiteren Sektoren wichtig.

Wie funktioniert das Format?

Schritt 1: Legen Sie den Workshop-Teilnehmenden zwei verschiedene Einladungsschreiben für eine fiktive Konferenz in Brüssel vor. Die Einladungen finden Sie am Ende dieses Artikels im Abschnitt Quellen und weiterführende Literatur.

Geben Sie folgende Anweisung: „Sie arbeiten für eine Abgeordnete des Europäischen Parlaments, und Ihre Chefin hat zwei Einladungen zur Teilnahme an Podiumsdiskussionen in Brüssel erhalten. Leider finden beide am selben Tag statt. Ihre Chefin bittet Sie, die Einladungen zu prüfen und ihr diejenige zu empfehlen, von der sie am ehesten hinsichtlich Policy-relevanter Expertise, den Dialog mit Stakeholdern und die Erhöhung der eigenen Sichtbarkeit profitieren kann. Bitte lesen Sie beide Einladungen durch. Welche empfehlen Sie? Welche Aspekte der Einladungen finden Sie überzeugend? Welche Aspekte könnten verbessert werden?“

Schritt 2: Bitten Sie die Teilnehmenden, die beiden Einladungen zu lesen. Dafür haben sie drei Minuten Zeit.

Schritt 3: Bitten Sie die Teilnehmenden, die Unterschiede zwischen den beiden Einladungen herauszufinden. Was schätzen diese an der Struktur der jeweiligen Veranstaltung? Welche Veranstaltung dürfte für die Europaabgeordnete vorteilhafter sein?

Einladung 1: Diese Einladung weist mehrere Schwächen auf.

Erstens ist sie zu lang, was es erschwert, wichtige Informationen wie Datum und Veranstaltungsort zu finden.

Zweitens liest sie sich wie eine Zusammenfassung eines akademischen Konferenzprogramms, das sich eindeutig an ein wissenschaftliches Publikum richtet und zahlreiche Abkürzungen sowie Verweise auf Forschende enthält, die in ihren Fachgebieten aufgrund ihrer Tätigkeiten und Funktionen bekannt sein mögen. Außerhalb der wissenschaftlichen Community dürfte die Bekanntheit der Forschenden deutlich geringer sein.

Drittens mögen die Teilnahme großer wissenschaftlicher Verlagshäuser und die Vorstellung eines neuen Datensatzes für Forschende überzeugende Gründe für eine Teilnahme sein, werden aber Akteure aus Politik und Verwaltung wahrscheinlich nicht ansprechen.

Viertens ist eine Podiumsdiskussion mit drei Forschenden und einer Vertreterin aus der Politik für ein Publikum aus Politik und Verwaltung nicht besonders attraktiv.

Schließlich findet die Veranstaltung in Vilvoorde statt, das zwar nur etwa 11 km vom Europäischen Parlament entfernt ist, aber mit dem Zug oder Auto dennoch etwa 30 Minuten Fahrtzeit in Anspruch nimmt, was bedeutet, dass die Europaabgeordnete allein für die An- und Abreise mindestens eine Stunde einplanen müsste.

Einladung 2: Die zweite Einladung ist aus mehreren Gründen wirkungsvoller.

Erstens ist sie prägnant und präsentiert die wichtigsten Informationen auf einen Blick: Datum, Veranstaltungsort und Veranstaltungszweck.

Zweitens wird von Anfang an deutlich, warum die Europaabgeordnete persönlich angesprochen wurde.

Drittens besteht das Podium aus einer Wissenschaftlerin mit Policy-Bezug als Mitglied einer OECD-Expertengruppe sowie drei Vertretenden wichtiger Verbände.

Viertens wird in der Einladung darauf hingewiesen, dass mit einer hohen Teilnehmendenzahl und einer Medienberichterstattung zu rechnen ist. Beides Aspekte, die für Vertretende aus Politik und Verwaltung von Bedeutung sind.

Schließlich liegt der Veranstaltungsort in Laufnähe zum Europäischen Parlament.

Schritt 4: Bitten Sie die Teilnehmenden, die Merkmale zu identifizieren und aufzuschreiben, die Veranstaltungen für Akteure aus Politik und Verwaltung attraktiv machen.

Bei Gruppen mit bis zu zehn Teilnehmenden empfiehlt es sich, die Ergebnisse im Plenum mithilfe von Flipcharts oder interaktiven Tools wie Mentimeter zu diskutieren. Bei größeren Gruppen sollten die Teilnehmenden in Arbeitsgruppen aufgeteilt und mit Karten und Stiften ausgestattet werden, um ihre Antworten festzuhalten, die anschließend im Plenum vorgestellt und diskutiert werden können.

 

Mögliche Herausforderungen und deren Bewältigung

Beide Einladungsformen stellen idealisierte Typen dar. Veranstaltungsorte in der Nähe des Europäischen Parlaments sind zwar vorteilhaft, aber möglicherweise nicht immer finanzierbar. Ebenso können die Veranstalter eine hohe Anwesenheit namhafter Teilnehmender nicht garantieren.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Moderatorinnen und Moderatoren

Die Moderatoren sind dafür verantwortlich, gedruckte oder elektronische Einladungen an die Teilnehmenden zu verteilen. Sie sollten sich mit beiden Einladungen vertraut machen und sich im Vorfeld Gedanken über die Unterschiede zwischen den beiden Veranstaltungen machen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere Teilnehmende

Die Teilnehmenden lesen beide Einladungsschreiben und nehmen anschließend an der Diskussion teil. Die Übung und die Diskussion dauern zusammen zwischen 10 und 20 Minuten.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung

Sind Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung anwesend, sollte der Moderator oder die Moderatorin sie in die Diskussion einbeziehen und sie bitten, darzulegen, welche Kriterien eine Veranstaltung erfüllen muss, damit sie daran teilnehmen.

 

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Der Publikations-Stresstest: Wie Zielgruppen in der Politik Publikationen scannen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Diese Übung simuliert die Arbeit von Mitarbeitenden von Abgeordneten, um bei Forschenden ein Verständnis dafür zu erreichen, was vielbeschäftigte Abgeordnete (Policy-)Publikationen lesen.
  • Die Übung kann in Workshops oder im Selbststudium eingesetzt werden: Die Teilnehmenden müssen sich innerhalb von zehn Minuten einen Überblick zu den Kernaussagen von fünf (Policy-)Publikationen verschaffen.
  • Die Übung verdeutlicht die Bedeutung einer übersichtlichen Struktur, leicht auffindbaren Kernaussagen, verständlicher Sprache sowie visuellen Elementen wie Aufzählungspunkten, hervorgehobenen Überschriften, Tabellen und Grafiken.

Wie funktioniert das Format?

Schritt 1: Wählen Sie fünf Publikationen von jeweils zwei bis zwanzig Seiten aus. Vielen Forschenden fällt es schwer, sich in die Lage eines Lesers oder einer Lesering zu versetzen, die sich mit unbekannten Themen befassen muss. Daher ist es wichtig, dass die Publikationen ein breites Spektrum an Themenbereichen abdecken (z. B. Umwelt, Klimawandel, Gesundheit, internationale Sicherheit, Bildung, KI). Wählen Sie zwei gut strukturierte, leicht zugängliche Policy Briefs aus, die ihre Kernaussagen gleich zu Beginn präsentieren. Ich empfehle die Policy Briefs der OECD, von E3G oder der International Crisis Group.

Wählen Sie drei weitere Publikationen aus, beispielsweise wissenschaftliche Veröffentlichungen, die schwieriger zu überblicken sind, da ihnen Elemente wie Zusammenfassungen, Aufzählungspunkte oder Visualisierungen fehlen. Publikationen mit viel Fließtext, Methodenteilen und wissenschaftlichem Fachjargon eignen sich ideal für diese Übung.

 

Schritt 2: Verteilen Sie entweder gedruckte oder elektronische Versionen der Publikationen an die Teilnehmenden zusammen mit den folgenden Anweisungen:

„Sie arbeiten als Mitarbeiter*in eines Mitglied des Parlaments, das heute und morgen einen vollen Terminkalender mit Ausschusssitzungen, Interviews und Podiumsdiskussionen hat. Ihre Chefin oder ihr Chef hat fünf Publikationen per Post erhalten und benötigt Fachwissen zu den darin behandelten Themen. Ihr Chef oder Ihre Chefin muss ein etwa zehnminütiges Telefonat führen und legt die Publikationen auf Ihren Schreibtisch, mit der Bitte, sie nach dem Gespräch über die Kernaussagen zu informieren. Sie haben zehn Minuten Zeit, die Publikationen zu überfliegen. Es ist Ihnen NICHT gestattet, KI zur Zusammenfassung zu nutzen. Können Sie die Kernaussagen innerhalb von zehn Minuten herausarbeiten? Bei welchen Publikationen war dies einfach – und bei welchen ist Ihnen die Identifikation der Kernaussagen schwergefallen?“

 

Schritt 3: Um einen gewissen Zeitdruck zu erzeugen, geben Sie alle zwei Minuten die verbleibende Zeit bekannt. Die Teilnehmenden müssen nach zehn Minuten aufhören. Fragen Sie sie anschließend, ob sie die Kernaussagen in jeder Publikation identifizieren konnten und welche Merkmale ihnen dabei geholfen oder behindert haben.

 

Zu den Merkmalen, die in der Regel hilfreich sind, gehören Zusammenfassungen am Anfang, Aufzählungspunkte, aussagekräftige Überschriften und Unterüberschriften, Tabellen sowie klare, verständliche Diagramme.

Zu den eher hinderlichen Merkmalen gehören dichter Fließtext, allgemeine oder vage Überschriften, Fachjargon sowie langatmige Abschnitte zur Theorie oder zur Methodik.

Bei Gruppen mit bis zu zehn Teilnehmenden empfiehlt es sich, die Ergebnisse im Plenum zu diskutieren, wobei Flipcharts oder interaktive Tools wie Mentimeter zum Einsatz kommen können. Bei größeren Gruppen sollten die Teilnehmenden in Kleingruppen aufgeteilt werden und Karten sowie Stifte erhalten, um ihre Antworten festzuhalten, die anschließend im Plenum vorgestellt und diskutiert werden können.

 

Mögliche Herausforderungen und wie man ihnen begegnet

Die Teilnehmenden könnten die Übung als belastend empfinden oder frustriert reagieren, wenn sie versuchen, Kernaussagen in Veröffentlichungen zu Themen zu identifizieren, die ihnen unbekannt sind. Dies ist beabsichtigt: Akteure in Politik und Verwaltung haben selten viel Zeit und müssen sich regelmäßig mit Publikationen zu verschiedenen Themen auseinandersetzen.

Einige Teilnehmende könnten darauf hinweisen, dass Mitarbeitende in Politik und Verwaltung zunehmend KI-Tools zur Zusammenfassung von Publikationen nutzen. Dies ist eine berechtigte Beobachtung. Doch selbst KI-generierte Zusammenfassungen können mehrere Seiten umfassen. Zudem sind gedruckte Publikationen in vielen Ländern und Institutionen nach wie vor im Einsatz.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Moderatoren

Die Moderatoren sind dafür verantwortlich, die fünf Publikationen auszuwählen und bereitzustellen, entweder in gedruckter oder elektronischer Form. Sie sollten alle fünf Publikationen vor dem Workshop selbst lesen. Die Vorbereitung dauert etwa 60 bis 120 Minuten; die Durchführung der Übung nimmt zwischen 20 und 40 Minuten in Anspruch.

Forschende

Die Teilnehmenden versuchen, die Kernaussagen der Publikationen zu identifizieren und nehmen anschließend an der Diskussion teil. Die Übung und die Diskussion dauern zusammen 20 bis 40 Minuten.

Vertreter und Vertreterinnen in Politik und Verwaltung

Sind Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung anwesend, sollte der Moderator oder die Moderatorin sie in die Diskussion einbeziehen und sie bitten, darzulegen, welche Kriterien eine Publikation erfüllen muss, damit sie diese oder Teile davon lesen.

 

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Ressourcen bündeln, Policy-Einfluss maximieren: Wie Universitäten mit Thinktanks, NGOs und Stiftungen kooperieren können

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Forschende an Universitäten können von der Zusammenarbeit mit Thinktanks, NGOs oder Stiftungen profitieren, indem sie gemeinsam Policy-Veranstaltungen organisieren, policyrelevante Transferpublikationen veröffentlichen oder Expertise, Finanzmitteln und Unterstützungsstrukturen teilen.
  • Synergien durch Rollenteilung: Während Forschende an Universitäten methodisch fundierte Primärforschung und Wissenssynthesen beisteuern können, übersetzen Partner aus Thinktanks, NGOs und Stiftungen diese Expertise in policyrelevante Formate und platzieren sie zum passenden Zeitpunkt bei den richtigen Zielgruppen.
  • Vielfältige Akteurslandschaft: Das Spektrum reicht von wissenschaftsnahen Thinktanks über zivilgesellschaftliche Interessengruppen und Wirtschaftsverbänden bis hin zu fördernden und operativen Stiftungen.
  • Erfolgsfaktoren für Kooperationen: Grundvoraussetzung für das Gelingen sind klar definierte Ziele, eine frühzeitige Bewertung von Reputationsrisiken sowie transparente Absprachen zu Veröffentlichungsrechten, Kosten und Aufgaben.
  • Mehrwert für Förderanträge: Die strategische Partnerschaft mit Schnittstellenorganisationen ist ein wirksamer Hebel, um die von Fördereinrichtungen zunehmend geforderten Impact-Kriterien nachweisbar zu erfüllen.

 

Warum Zusammenarbeit? Herausforderungen für Forschende hinsichtlich des Austauschs mit Politik/Verwaltung

Die Forschung an Universitäten ist auf Projekte ausgerichtet, die originäre Forschungsergebnisse und gründliche Synthesen der wissenschaftlichen Literatur hervorbringen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse in Fachzeitschriften, stehen jedoch bei der Zusammenarbeit mit Akteuren in Politik und Verwaltung häufig vor drei wiederkehrenden Herausforderungen:

Effektive Kommunikation von Forschungsergebnissen: Forschende neigen dazu, wissenschaftliche Fachsprache zu verwenden, und sind oft nicht mit der Sprache und den Konventionen in Politik/Verwaltung vertraut. Formate wie Policy Briefs oder Policy-Veranstaltungen unterscheiden sich erheblich von wissenschaftlichen Publikationen oder akademischen Konferenzen.

Identifikation von Anknüpfungspunkten für die eigene Expertise: Um zu wissen, wann Forschungsergebnisse kommuniziert werden sollten, ist es erforderlich, politische Entwicklungen regelmäßig zu verfolgen. Dies ist eine zeitaufwändige Aufgabe. Forschenden fehlt in der Regel der Zugang zum impliziten Wissen in Politik/Verwaltung.

Zielgruppenidentifikation in Politik und Verwaltung: Die Ermittlung relevanter Zielgruppen durch die Recherche von Parlamentsausschüssen und Organigrammen von Ministerien, Generaldirektionen der Europäischen Kommission oder politischen Parteien ist eine anspruchsvolle und zeitaufwändige Aufgabe.

Ressourcenknappheit: Aktivitäten wie die Organisation von Policy-Veranstaltungen (insbesondere in Berlin oder Brüssel), Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerkarbeit oder Mittelbeschaffung können sehr kostspielig und zeitaufwendig sein. Der gemeinsame Einsatz von finanziellen Mitteln, Personaleinsatz oder Infrastruktur für bestimmte Aktivitäten, wie Veranstaltungen oder Publikationen, kann die Gesamtkosten je Partner drastisch senken.

Durch die Zusammenarbeit mit Thinktanks, NGOs und Stiftungen können Forschende Zeit und Ressourcen sparen und zugleich die Wirkung ihrer Aktivitäten maximieren. Diese Organisationen stehen in regelmäßigem Austausch mit Akteuren in Politik und Verwaltung und verfügen über eine Sichtbarkeit, die die meisten Forschenden oder akademischen Einrichtungen allein nur schwer erreichen können. Expertinnen und Experten in Thinktanks, NGOs und Stiftungen verfolgen politische Debatten aufmerksam, wissen, an wen sie sich wenden müssen, und sind mit der Sprache und den Begrifflichkeiten vertraut, die im politischen Kontext Anklang finden. Anstatt Zeit und Ressourcen in Publikationen oder Veranstaltungen zu investieren, die von Akteuren in Politik und Verwaltung unbeachtet bleiben, können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit diesen Organisationen Analysen erstellen, Ergebnisse veröffentlichen oder Policy-Veranstaltungen organisieren.

 

Welche Formen kann die Zusammenarbeit annehmen?

Die Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Thinktanks, NGOs und Stiftungen kann flexibel gestaltet werden und reicht von punktuellen Einzelmaßnahmen bis hin zu langfristigen institutionellen Allianzen.

  • Gemeinsame Publikationen: Gemeinsames Verfassen von Policy Briefs, umfangreichen Studien, Blogbeiträgen oder Factsheets; die Forschenden der Universität steuern wissenschaftliche Erkenntnisse bei, die Partnerorganisation die Anknüpfungspunkte zu Policy-Herausforderungen sowie die Verbreitung der Inhalte.
  • Gemeinsame Veranstaltungen: Gemeinsame Organisation von Podiumsdiskussionen, Hintergrundgesprächen, parlamentarischen Veranstaltungen und Workshops; die Universität steuert wissenschaftliche Expertise bei; die Partnerorganisation greift auf ihr Netzwerk und den Zugang zu Akteuren in Politik und Verwaltung zu.
  • Personalaustausch und Hospitationen: Forschende hospitieren in Praxiseinrichtungen. Diese Option kann insbesondere für Early Career Researchers interessant sein. Mitarbeitende aus Praxiseinrichtungen können wiederum in Universitäten hospitieren.
  • Forschungskooperation: Gemeinsame Konzeption und Durchführung von Forschungsprojekten, wobei die Partnerorganisation Praxisperspektiven einbringt.
  • Gemeinsame Wissens- und Datenplattformen: Gemeinsam gepflegte Datenbanken, Evidenz-Repositorien und Instrumente zur Beobachtung von Policy-Entwicklungen, die doppelte Datenerhebungen reduzieren und es allen Partnern ermöglichen, auf eine gemeinsame Evidenzbasis zurückzugreifen
  • Langfristige strategische Allianzen oder Rahmenvereinbarungen: Anstelle einer projektbezogenen Zusammenarbeit schließen die Partner Rahmenvereinbarungen ab, die eine wiederholte Zusammenarbeit (Veranstaltungen, Ergebnisse, Förderanträge) ermöglichen, ohne dass jedes Mal administrative Details neu ausgehandelt werden müssen. Diese Vereinbarungen könnten beispielsweise Folgendes vorsehen:
  • Gemeinsame Projektmanagementbüros (PMOs): Die Partner richten eine gemeinsame Koordinationsstelle ein, die für die Einhaltung von Zeitplänen, die Nachverfolgung von Leistungen, die Berichterstattung und die Risikoüberwachung über mehrere gemeinsame Aktivitäten hinweg zuständig ist. Dies reduziert Doppelungen bei den Projektkoordinationsaufgaben in den einzelnen Organisationen
  • Gemeinsame Verwaltungsdienste („Back-Office-Pooling“): Organisationen bündeln Funktionen wie Finanzen, Beschaffung, Vertragswesen, Personalverwaltung oder Compliance-Management für gemeinsame Projekte; dies senkt die Gemeinkosten und vermeidet parallele Verwaltungsabläufe.
  • Gemeinsame Kommunikations- und Verbreitungsstellen: Eine gemeinsame Kommunikationsstelle kümmert sich um Policy-Informationen, Pressearbeit, Newsletter und Social Media für die gemeinsame Arbeit und sorgt so für eine einheitliche Botschaft, während Doppelarbeit des Kommunikationspersonals reduziert wird
  • Koordinierte Veranstaltungslogistik-Teams: Anstatt dass jede Organisation Veranstaltungsorte, Verpflegung, Einladungen und Anmeldungen separat verwaltet, kümmert sich ein gemeinsames operatives Team (oder ein wechselnder Leiter) um die gesamte Veranstaltungslogistik aller Partner.

 

So finden Sie geeignete Partner: Ein Ausgangspunkt

Forscher und Forschungsmanager können potenzielle Partner über folgende Wege identifizieren:

  • Websites wie „EU Agenda“, „Euractiv“ und „International Geneva“ listen Policy-Veranstaltungen und Veröffentlichungen verschiedener Akteure auf; ähnliche Websites gibt es auf nationaler Ebene, allerdings nur in einigen europäischen Ländern (z. B. „Smart Thinking“ im Vereinigten Königreich oder „Political“ in Deutschland); die Teilnahme an Policy-Veranstaltungen in Ihrem Fachgebiet ist eine der effektivsten Möglichkeiten, potenzielle Partner zu identifizieren und informell einzuschätzen
  • Verzeichnisse wie das „Open Think Tank Directory“, „NGO base“, die „Philanthropy Europe Association“ oder das EU-Transparenzregister listen zahlreiche Organisationen auf, die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bieten könnten; ähnliche Websites gibt es möglicherweise auch auf nationaler Ebene

Bewertung eines potenziellen Partners: Wichtige Fragen

Bevor sie sich an einen potenziellen Partner wenden, sollten Forschende und Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement/Wissenstransfer die folgenden Punkte berücksichtigen:

Zu Qualität und Reputation

  • Teilnehmer und Partner: Welche Arten von Veranstaltungen organisiert die Organisation? Haben Akteure in Politik und Verwaltung an ihren Veranstaltungen teilgenommen? Verfügt sie über ein wertvolles Netzwerk von Partnern?
  • Unabhängigkeit und Governance: Hat die Organisation eine klare politische Ausrichtung oder Zugehörigkeit? Wird sie von der Industrie, parteinahen Einrichtungen oder Einzelpersonen oder von Stiftungen finanziert?
  • Qualität: Verfügt die Organisation über erprobte Instrumente und Verfahren zur Qualitätsbewertung? Welche Arten von Publikationen erstellt die Organisation (Policy Briefs, Berichte, Blogbeiträge, Factsheets)? Sind Inhalt und Qualität überzeugend?

Zur Eignung und Durchführbarkeit

  • Beschäftigt sich die Organisation mit Policy-Themen in Ihrem Fachgebiet?
  • Veröffentlicht die Organisation gemeinsam mit anderen Organisationen Publikationen oder nimmt sie Gastbeiträge an? Organisiert sie gemeinsam mit externen Partnern Veranstaltungen?
  • Ist die Organisation aktiv und präsent? Veröffentlicht sie regelmäßig Beiträge in sozialen Medien, die geteilt und kommentiert werden?
  • Definieren Forschende und Mitarbeitende in der Praxiseinrichtungen den Begriff „Policy-Wirkung“ auf dieselbe Weise (z. B. Gesetzesänderungen, öffentliche Debatte, Umsetzung)?
  • Besteht Übereinstimmung hinsichtlich der politischen Positionierung oder zumindest hinsichtlich des erwarteten Grades an Interessenvertretung im Vergleich zur Neutralität?
  • Arbeitet die Organisation in der Regel auf derselben Verwaltungsebene (EU, national, lokal), oder wäre die Koordination bereichsübergreifend und komplex?
  • Sind die Zeitpläne miteinander vereinbar (akademische Forschungszyklen vs. Policy-Zyklen vs. Förderzyklen)?
  • Gibt es Flexibilität, um die Ergebnisse während des Projekts anzupassen, falls sich die Policy-Entwicklungen ändern?
  • Verfügt die Organisation über Erfahrung in der Zusammenarbeit mit akademischen Partnern, oder wird es eine steile Lernkurve geben?

Zu den praktischen Modalitäten:

  • Beinhaltet die Zusammenarbeit eine Kostenteilung? Welche Kosten müssen gedeckt werden, und wie hoch ist Ihr Budget?
  • Wer entscheidet über Struktur, Gestaltung und Veröffentlichungstermine gemeinsamer Ergebnisse? Wer legt die Gästeliste für Veranstaltungen fest?
  • Muss eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet werden? Gibt es offizielle Policies zur Logonutzung und zur Nennung der Institutionen?
  • Was geschieht im Falle von Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Ausgestaltung, der Schlussfolgerungen oder der Empfehlungen?
  • Wem gehören gemeinsam erstellte Ergebnisse, und unter welcher Lizenz dürfen sie wiederverwendet werden?
  • Wie werden indirekte Kosten (Gemeinkosten, Verwaltungsaufwand, institutionelle Kosten) gedeckt?
  • Sind Umschichtungen im Budget möglich, wenn sich die Projektanforderungen ändern?
  • Gibt es von einem Partner oder Geldgeber geforderte Offenlegungen von Interessenkonflikten?
  • Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es, um die Unabhängigkeit der Analyse und der Ergebnisse zu gewährleisten?
  • Wer hat das letzte Wort bei der Öffentlichkeitsarbeit und der Kommunikation mit den Medien?
  • Unter welchen Bedingungen kann sich ein Partner aus der Zusammenarbeit zurückziehen?

Warnsignale: Wann ist Vorsicht geboten?

Nicht alle potenziellen Partner sind gleichermaßen geeignet. Forschende sollten Vorsicht walten lassen, wenn

  • die Finanzierungsquellen einer Organisation undurchsichtig sind oder von Interessen der Industrie dominiert werden, deren Standpunkte im Widerspruch zu unabhängigen wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen;
  • eine Organisation eng mit einer politischen Partei oder einer ideologischen Bewegung verbunden ist, und zwar in einer Weise, die die wahrgenommene Neutralität der Forschung beeinträchtigen könnte;
  • eine Organisation von Forschern erwartet, dass sie vorgegebene Policy-Positionen unterstützen, anstatt unabhängige Erkenntnisse beizusteuern;
  • eine Organisation eine schwache oder inkonsistente Bilanz in Bezug auf Veröffentlichungen oder Sichtbarkeit aufweist, was auf eine begrenzte Reichweite oder Wirkung hindeutet;
  • die Kooperationsvereinbarung der Partnerorganisation die alleinige Kontrolle über die Gestaltung, Bearbeitung oder Veröffentlichung gemeinsamer Ergebnisse einräumt.

Prozessübersicht: Von der ersten Idee bis zur aktiven Zusammenarbeit

Die folgende Abfolge beschreibt einen typischen Weg vom ersten Interesse bis zur aktiven Zusammenarbeit. Sie ist als flexibler Leitfaden gedacht, nicht als starres Protokoll.

  1. Schritt 1: Definieren Sie Ihr Ziel. Klären Sie, was Sie erreichen möchten: Wirkung in Form von politischen Veränderungen, erhöhte Sichtbarkeit bei Akteuren in Politik und Verwaltung, gemeinsame Forschung oder Zugang zum Netzwerk und zu Veranstaltungen eines Partners.
  2. Schritt 2: Verschaffen Sie sich einen Überblick. Identifizieren Sie Think Tanks, NGOs oder Stiftungen, die in Ihrem Policy-Bereich tätig sind, indem Sie die oben beschriebenen Wege nutzen.
  3. Schritt 3: Bewerten Sie potenzielle Partner. Gehen Sie die oben genannten Leitfragen durch. Geben Sie Organisationen den Vorzug, deren Publikationsqualität, politische Unabhängigkeit und Arbeitsweise mit Ihren eigenen übereinstimmen.
  4. Schritt 4: Nehmen Sie ersten Kontakt auf. Knüpfen Sie informell Kontakt, indem Sie an einer Veranstaltung teilnehmen, auf eine Veröffentlichung reagieren oder um ein kurzes Kennenlerngespräch bitten. Eine Zusammenarbeit ist eher erfolgreich, wenn sie aus einem genuinen gemeinsamen Interesse entsteht.
  5. Schritt 5: Einigen Sie sich auf die Form der Zusammenarbeit. Legen Sie gemeinsam die Art der Zusammenarbeit (gemeinsame Veröffentlichung, Veranstaltung, Forschungsprojekt), die Aufgabenteilung, die Regelungen zur Kostenteilung sowie gegebenenfalls erforderliche formelle Vereinbarungen fest.
  6. Schritt 6: Umsetzung und Auswertung. Führen Sie die Zusammenarbeit durch, dokumentieren Sie die gewonnenen Erkenntnisse und bewerten Sie, ob die Zusammenarbeit die angestrebten Ziele erreicht hat. Erfolgreiche Kooperationen bilden oft die Grundlage für langfristige Partnerschaften.

 

Rollen und Verantwortlichkeiten in der Zusammenarbeit

Die folgende Übersicht beschreibt die typischen Aufgaben und Beiträge der einzelnen Interessengruppen bei einer Zusammenarbeit zwischen Universität und Thinktank, Universität und Nichtregierungsorganisation oder Universität und Stiftung.

  • Wissenschaftliche Leitung (Universitäten)
  • Rolle der Policy-Umsetzung (Thinktanks / NGOs / Stiftungen)
  • Koordinations- und Betriebsmanagementrolle (Forschungsmanager, Projektmanagement, Sekretariate)
  • Schnittstellenfunktion zu den Akteuren (gemeinsame Verantwortung, wird jedoch häufig von externen Partnern koordiniert)
  • Rolle in der Leitung und Entscheidungsfindung (gemeinsame oder zugewiesene Strukturen)
  • Verantwortung für Finanzierung und Compliance (oft hybrid, erfordert jedoch Klarheit)

Universitäten / Forschungszentren / Akademien

Universitäten übernehmen in erster Linie die Verantwortung für die wissenschaftliche Leitung und die Integrität und Qualität der Evidenz. Forschende liefern die zentrale Evidenzbasis, eigene Forschungsergebnisse oder Synthesen der wissenschaftlichen Literatur. Eine wesentliche Anpassung, die von Forschenden verlangt wird, ist der Wechsel von einer akademischen zu einer policy-orientierten Kommunikation: Während akademische Publikationen Methodik und theoretische Debatten in den Vordergrund stellen, betonen policy-orientierte Ergebnisse die praktische Anwendbarkeit und konkrete Empfehlungen.

Forschende müssen ggf. ihr Zeitmanagement anpassen: Während sich wissenschaftlche Forschungsprojekte über Monate oder Jahre erstrecken, stimmen Thinktanks, NGOs und Stiftungen den Zeitpunkt ihrer Veröffentlichungen in der Regel auf aktuelle politische Debatten und Gesetzgebungskalender ab. Forschende profitieren am meisten von der Zusammenarbeit, wenn sie bereit sind, Zeit in das Verständnis der Arbeitskultur und der Kommunikationsgepflogenheiten ihrer Partnerorganisation zu investieren.

Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer

Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement oder im Wissenstransfer spielen eine zentrale koordinierende Rolle. Sie können potenzielle Partner identifizieren, indem sie die Qualität, Reichweite und den Policy-Einfluss ihrer Publikationen und Veranstaltungen bewerten. Sie tragen die Verantwortung für die operative Umsetzung. Sie stellen sicher, dass Zeitpläne, Berichtspflichten und Verwaltungsprozesse eingehalten werden, und koordinieren die Kommunikation zwischen den Institutionen.

Zudem verwalten sie Budgets, vertragliche Vereinbarungen und Compliance-Verpflichtungen, sorgen so für Kontinuität zwischen den Partnern und reduzieren administrative Doppelarbeit. Sie kümmern sich um rechtliche und organisatorische Angelegenheiten wie Kooperationsvereinbarungen, die Platzierung von Logos, Kostenteilungsvereinbarungen und institutionelle Genehmigungsverfahren. Außerdem fungieren sie als Brücke zwischen dem wissenschaftlichen Team und der Partnerorganisation, helfen dabei, Erwartungen zu steuern und sicherzustellen, dass Zeitpläne und Leistungsziele für beide Seiten realistisch sind.

Thinktanks/NGOs/Stiftungen

Think Tanks, NGOs und Stiftungen übernehmen in der Regel die Verantwortung für die Umsetzung von Policy-Aktivitäten. Sie übersetzen wissenschaftliche Erkenntnisse, so dass sie in politischen Gestaltungsprozessen genutzt werden können, stellen sicher, dass die Ergebnisse auf politische Debatten und den Zeitplan abgestimmt sind, und leiten oder begleiten die Einbindung von Interessengruppen sowie die Verbreitung der Ergebnisse. Sie identifizieren relevante Zielgruppen.

Akteure in Politik und Verwaltung und andere externe Interessengruppen

Akteure in Politik und Verwaltung profitieren von Kooperationen, die zeitnahe, zugängliche und umsetzbare Erkenntnisse liefern. Sie sind keine operativen Partner in der Zusammenarbeit, sondern fungieren als primäre Endnutzer der Ergebnisse. Ihre Rolle besteht darin, Wissensbedarfe zu definieren, Feedback zur Relevanz der Transferergebnisse zu geben und sich im Rahmen von Konsultationen sowie weiteren Gestaltungsprozessen mit den Erkenntnissen auseinanderzusetzen. Sie bringen sich am ehesten ein, wenn die Ergebnisse auf ihre spezifischen Entscheidungsbedürfnisse zugeschnitten sind und zeitlich so abgestimmt werden, dass sie mit relevanten Gesetzgebungs- oder Haushaltsprozessen zusammenfallen.

Face-to-Face: Policy Fellowship Programme der Rhein-Main-Universitäten

Zentrale Merkmale auf einen Blick

  • Die Policy Fellowship Programme der Rhein-Main-Universitäten Darmstadt, Frankfurt und Mainz ermöglichen es Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung – etwa aus Landesministerien und Bundesministerien, der Europäischen Kommission und internationalen Organisationen, aus Nichtregierungsorganisationen sowie Journalistinnen und Journalisten – die Rhein-Main-Universitäten zu besuchen und persönliche Gespräche mit Forschenden zu führen.
  • Die Initiativen zielen darauf ab, Praktikerinnen und Praktikern wissenschaftliche Expertise zu den Themen bereitzustellen, mit denen sie sich beschäftigen, während Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Policy-Perspektiven auf ihre Forschung kennenlernen.
  • Bilanz: Seit 2016 haben 250 Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis 3.340 Gespräche mit Forschenden geführt.

Wie funktioniert das Format?

Die Rhein-Main-Universitäten – ein Zusammenschluss der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz – fördern den Dialog zwischen Forschenden unterschiedlicher Disziplinen und Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung durch persönliche Gespräche. Dafür wurden drei Policy Fellowship Programme etabliert: das Mercator Science-Policy Fellowship Programme, das Science Meets Regions Fellowship sowie das ENGAGE Policy Fellowship.

Diese Programme folgen einer sehr ähnlichen Struktur: Die Rhein-Main-Universitäten veröffentlichen Ausschreibungen (Calls for Application) an Landes- und Bundeseinrichtungen, EU-Institutionen, internationale Organisationen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Medien.

Bei der Bewerbung müssen die interessierten Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis in Motivationsschreiben darlegen, wie ihre Arbeit mit dem Austausch mit Forschenden profitieren kann. Zudem müssen sie eine Liste von Fragen einreichen, die sie mit unseren Forschenden diskutieren möchten. Nach Aufnahme in das Programm erhalten die Teilnehmenden eine umfassende Liste mit Forschenden, mit denen sie sich treffen können. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung geben Feedback zur Liste. Das Team Transfer in Politik und Gesellschaft an der Universität Frankfurt koordiniert die Treffen zwischen Forschenden und Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung.

Jede Fellowship-Kohorte besucht gemeinsam zweimal die Region Frankfurt/Rhein-Main. Akteure in Politik und Verwaltung haben rund acht Gespräche mit Forschenden pro Besuch. Hat ein Policy Fellow künftig Bedarf an Expertise, steht bereits ein Netzwerk von 16 Forschenden zur Verfügung, die sie getroffen haben und fragen können. Umgekehrt können auch die Forschenden Kontakt zu Ihren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern aus der Praxis aufnehmen, um sie über aktuelle Forschungsergebnisse zu informieren. Unsere Auswertungen zeigen: Die teilnehmenden Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung sowie die Forschenden sind mit den Programmen sehr zufrieden. Beide Seiten schätzen insbesondere die Zeiteffizienz und organisatorische Unterstützung durch das Team für den Austausch mit Politik und Verwaltung.

Diese persönlichen Gespräche führten zu zahlreichen Folgeaktivitäten wie gemeinsamen Veranstaltungen, Vorträgen von Forschenden bei Institutionen aus Politik und Verwaltung sowie zu Verbundforschungsprojekten in der Forschung.

Unser Fellowship Programm bringt Fachleute in hunderten Gesprächen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die sie sonst nie kennengelernt hätten. Unsere Evaluationen zeigen, dass etwa die Hälfte der Forschenden vor ihrer Teilnahme an unserem Programm keinen oder nur gelegentlichen Kontakt mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung hatte. Die gleiche Beobachtung trifft auf die teilnehmenden Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung zu.

Die Dialoginitiative zeigt somit das große Potenzial von Programmen, die Forschende sowie Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung zusammenbringen.

 

Herausforderungen (und wie man ihnen begegnet)

Eine sehr praktische Herausforderung ist die Terminierung der Gespräche mit unseren Forschenden, die häufig nicht täglich an den Universitäten präsent sind. Daher beginnen wir mit der Planung bereits drei Monate im Voraus.

Eine weitere Herausforderung besteht in dem Verständnis der Forschenden darüber, wie divers die Policy Fellows sind: Manche verfügen über tiefgehendes Fachwissen über die Themen, die sie diskutieren möchten; sie stellen gezielte Fragen wie „Wie beeinflusst die Nutzung von Smartphones die Lesekompetenz von Kindern in der Grundschule?“. Andere wiederum interessieren sich für eher „große Fragen“ in ihrem Politikfeld (z.B. „Wie stabil sind Finanzmärkte?“) – während einige Policy Fellows die Zeit nutzen, um sich einen Überblick über unvertraute Themen zu schaffen (z.B. „Was sind Algorithmen?“).

Umgekehrt sprechen manche Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung mit Forschenden, die bereits viel Erfahrung im Bereich Politikgestaltung haben, während andere zum ersten Mal mit Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung sprechen.

Wir haben FAQ-Listen für Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung sowie Forschende vorbereitet und sie über das Programm mittels bilateraler Telefonate, Zoom-Gespräche und Einführungstreffen (Induction Event) informiert.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

Für Forschende sind die Programme sehr effizient: Da die Gespräche informell sind, müssen sie nicht viel Zeit in die Vorbereitung investieren – lediglich die Themen der Policy Fellows sollten im Vorfeld gelesen werden.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Die Rhein-Main-Universitäten haben zwei neue Stellen geschaffen, um ihre Policy-Dialogformate zu koordinieren. Die Aufgaben umfassen das Bewerbungsmanagement, die Auswahl geeigneter Expertinnen und Experten für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, die Unterstützung bei organisatorischen Fragen, die Terminierung von rund 350 Gesprächen pro Jahr und anderes. Die Programme sind in Bezug auf die Unterstützungsstrukturen ressourcenintensiv, da rund 16 Gespräche individuell auf die Bedürfnisse eines Policy Fellow abgestimmt werden.

Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung

Die Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung müssen eine Bewerbung einreichen, was einige Stunden Vorbereitungszeit erfordert. Zudem wird empfohlen, für jedes der 16 Gespräche mit den Forschenden etwa 30 Minuten Vorbereitung einzuplanen. Die Gespräche mit den Forschenden werden dann durchführt. Die Policy Fellows werden um Teilnahme an Vorbereitungsveranstaltungen, einem Feedback-Gespräch sowie zwei Evaluationsrunden gebeten.

Erforderliche Finanzierung

Rund 80 % unseres Budgets werden für die Finanzierung von zwei Vollzeitstellen ausgegeben.          Ein kleineres Budget für gemeinsame Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und Reisen steht zur Verfügung.

Die Stiftung Mercator finanziert etwa 60 % unserer Mittel. Die EU und die drei Rhein-Main-Universitäten steuern jeweils rund 20 % bei. Die Policy Fellows übernehmen die Kosten für die Reise in die Region Frankfurt/Rhein-Main, Unterkunft und Abendessen.

Wir fordern keine Teilnahmegebühren von den Policy Fellows; andere Institutionen, wie zum Beispiel das Centre for Science and Policy der Universität Cambridge oder die ETH Zürich, tun dies für ihre Policy Dialog Projekte.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Tome Sandevski. Wie die Rhein-Main-Universitäten den Wissensaustausch zwischen Forschern und politischen Entscheidungsträgern durch persönliche Treffen fördern. Blog „Knowledge of Policy“. 15. August 2023. https://knowledge4policy.ec.europa.eu/blog/how-rhine-main-universities-promote-knowledge-exchange-between-researchers-policymakers-face-0_en

 

Kontakt

Tome Sandevski

Head of Policy Engagement Unit

Goethe-University Frankfurt

Science-policy@uni-frankfurt.de

 

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Auftragsforschung und das Erstellen von Gutachten

Worum geht es bei diesem Format?

  • Auftragsforschung ermöglicht es Vertreterinnen und Vertretern in Politik und Verwaltung, wissenschaftliches Fachwissen zur Beurteilung politischer Gestaltungsprozesse zu erhalten
  • Wissenschaftliche Auftragsarbeiten können Evaluierungen, Factfinding, Umfragen, Machbarkeitsstudien oder Prognosen umfassen; sie variieren in Umfang und Länge

Wie funktioniert dieses Format?

Auftragsforschung ist ein etabliertes Format, über das Akteure und Akteurinnen in Politik und Verwaltung wissenschaftliches Fachwissen erwerben. So können sie beispielsweise Gutachten in Auftrag geben, um

  • ein Gesetz, ein Förderprogramm oder andere politische Initiativen zu bewerten (z. B. Fragen wie „Haben die gesetzlichen Vorschriften die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor gesenkt?“ „Warum haben nur wenige Unternehmen staatliche Fördermittel für die Einführung energieeffizienter Technologien in ihren Produktionsanlagen beantragt?“)
  • Fakten zu ermitteln und Umfragen durchzuführen (z. B. „Welche Auswirkungen haben Mikroplastikpartikel auf die Fischpopulationen in Flüssen?“ „Wie zufrieden sind die Bürger mit dem öffentlichen Nahverkehr?“)
  • Machbarkeitsstudien durchzuführen (z. B. „Ist es technisch möglich und wirtschaftlich machbar, die Buchhaltungssoftware in Behörden zu ändern?“ „In welchen Bergwerken kann Atommüll gelagert werden?“)
  • Prognosen erstellen zu lassen („Wie viele ältere Menschen werden in 20 Jahren in Pflegeheimen leben?“ „Wie wird sich der Klimawandel auf die Ernährungssicherheit auswirken?“)

Auftragsforschung unterscheidet sich hinsichtlich des Umfangs, der Dauer und des Budgets. Sie reicht von kleineren Projekten, die ein einzelner Wissenschaftler oder eine einzelne Wissenschaftlerin innerhalb einer Woche abschließen kann, bis hin zu Großprojekten, an denen Dutzende von Wissenschaftlern über mehrere Jahre hinweg mitwirken.

Sie kann sich auch hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen „Veröffentlichungsfähigkeit“ unterscheiden: Je nach Fachgebiet und Art der Forschung können Gutachten im Rahmen der Auftragsforschung als reguläre wissenschaftliche Publikationen verfasst werden. Oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen sich an ungewohnte Forschungsformen hinsichtlich der Forschungsfragen, der Struktur und des Formats anpassen.

Alle staatlichen Stellen und politischen Parteien können Forschungsberichte in Auftrag geben. Eine gängige Vorgehensweise hierfür ist die Veröffentlichung einer Ausschreibung, in der das Ziel und das Budget der beauftragten Forschungsarbeit dargelegt werden. Je nach Art der Forschungsarbeit stehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Einreichung eines Angebots möglicherweise im Wettbewerb mit Think Tanks, Beratungsunternehmen, NGOs, Anwaltskanzleien und anderen Unternehmen.

Es gibt zahlreiche Modelle für Verträge oder Vereinbarungen zwischen Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern. Sollten die folgenden Punkte in den Ausschreibungen nicht berücksichtigt worden sein, sollten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen diese vor der Bewerbung oder der Vertragsunterzeichnung ansprechen:

  • Wird der in Auftrag gegebene Forschungsbericht veröffentlicht? Wenn ja, erfolgt die Veröffentlichung sofort oder erst nach einer Sperrfrist? Dürfen die Studien auf den Webseiten der Forschenden veröffentlicht werden?
  • Wem gehören die Forschungsergebnisse und Daten? Dürfen sie für andere Forschungsprojekte verwendet werden?
  • Wem gehört das Urheberrecht? Dürfen die Forschenden die Studien als eigenständige wissenschaftliche Publikationen oder Teile davon in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlichen?
  • Wie detailliert und streng sind die Vertragsbedingungen? Können diese während des Projekts angepasst werden? Dürfen im Rahmen der Untersuchung etwa die Forschungsfrage oder die Methodik angepasst werden? Können im Rahmen des Auftrags auch weitere Aspekte untersucht werden? Können etwa im Rahmen einer Umfrage weitere Fragen hinzugefügt werden, die aus wissenschaftlichen Gründen für die Forschenden sehr spannend sind?
  • Erwarten die Auftraggeber Zwischenberichte oder Zwischenergebnisse?
  • Wer wird die in Auftrag gegebene Studie lesen? Mitarbeitende in einem oder mehreren Referaten? Generalisten oder Spezialisten?
  • Müssen die Forschenden Handlungsempfehlungen formulieren oder Handlungsoptionen bewerten?
  • Welche Posten deckt das Budget ab? Gibt es auch ein Budget für Reisen, Workshops und Transferaktivitäten?

Diese Fragen müssen vor Beginn von Forschungsprojekten geklärt werden. Auftragsforschung ist für viele wissenschaftliche Einrichtungen eine wichtige Einnahmequelle. Viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sehen jedoch von der Durchführung von Auftragsforschung ab, wenn sie wissen, dass der Forschungsbericht nicht als wissenschaftliche Veröffentlichung gilt.

Dieses Problem ließe sich möglicherweise lösen, wenn zwei Ergebnisse im Blick behalten werden: die in Auftrag gegebene Studie und eine Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift (z. B. ein begutachteter Artikel). Diese Aspekte müssen vorab mit dem Auftraggeber besprochen werden.

Forschende, die erstmalig Auftragsstudien durchführen und sich hinsichtlich Struktur, Schreibstil, Layout und Visualisierungen unsicher sind, können sich an bereits veröffentlichte Auftragsstudien an, sofern diese öffentlich zugänglich sind. Sie können die Auftraggeber fragen, ob sie Ihnen Berichte empfehlen können, die Ihnen hinsichtlich Struktur, Schreibstil und Layout als Orientierung dienen können.

Die Interessen und Vorkenntnisse der potenziellen Leserinnen und Leser müssen berücksichtigt werden: Hat ein Referat einer Behörde ein Gutachten zu einem technischen Thema in Auftrag gegeben, das höchstwahrscheinlich nur von wenigen Expertinnen und Experten im jeweiligen Referat gelesen wird? Oder hat ein Ausschuss im Parlament eine umfassende Studie zu einem umstrittenen politischen Thema in Auftrag gegeben, die im Plenum debattiert wird und zu Medienberichterstattung führt?

Auftragsforschung bietet die Möglichkeit, in einen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung zu treten, der sich nicht auf die Abgabe der Studie beschränken sollte. Daher sollten Forschende persönliche oder virtuelle Treffen anbieten, um über Zwischenergebnisse zu informieren.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Neben der Erstellung eines Angebots müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Analyse durchführen und die Studie verfassen. Je nach Vertrag müssen unter Umständen auch Zwischenberichte erstellt oder Forschungsergebnisse im Rahmen von Fachveranstaltungen oder Fachgesprächen präsentiert werden. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen müssen Wochen oder Monate in das beauftragte Forschungsprojekt investieren, was sie von ihrer regulären Arbeit abhalten könnte.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Mitarbeitende im Transfer oder Wissenschaftsmanagement können regelmäßig Newsletter, Ausschreibungsportale und ähnliche Websites überprüfen und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an ihren Einrichtungen über relevante Ausschreibungen informieren.

Sie können den Wissenschaftlern gute Beispiele zeigen und ihnen bei der Struktur oder dem Schreibstil helfen, wenn diese mit Auftragsforschung noch nicht vertraut sind.

Mitarbeitende in Politik und Verwaltung

Die politischen Auftraggeber müssen Informationen zu Zielen, Umfang und Budget bereitstellen. Eine Liste mit häufig gestellten Fragen und Leitlinien ist für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehr hilfreich.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Europäische Union. 2026. Öffentliches Beschaffungswesen, Ausschreibungen und Aufträge innerhalb der Europäischen Union, Zugriff am 05. Juni 2026.

Bund.de, Service Online.2026. Ausschreibungen der öffentlichen Hand, Zugriff am 05. Juni 2026. https://www.service.bund.de/Content/DE/Ausschreibungen/Suche/Formular.html

 

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Policy Blog

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Policy-Blogpost ist eine schriftliche Analyse eines Policy relevanten Themas, die etwa 6.000 bis 10.000 Zeichen umfasst. Die Kürze der Texte macht Blogbeiträge für Leserinnen und Leser besonders attraktiv. Daher sind ein eingängiger Titel, der Aufmerksamkeit in den sozialen Medien erzeugt, sowie ein leicht verständlicher Schreibstil essenziell.
  • Blogbeiträge eignen sich hervorragend, um zeitnahe Analysen aktueller politischer Entwicklungen zu teilen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können sie auch nutzen, um Forschungsergebnisse aus wissenschaftlichen Publikationen vorzustellen, die für aktuelle Policydebatten relevant sind. Ein vielgelesener und häufig verlinkter Blogbeitrag kann zudem die Zitierhäufigkeit der jeweiligen wissenschaftlichen Publikation erhöhen.
  • Damit Leserinnen und Leser aus Politik und Verwaltung die Blogbeiträge lesen, können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese entweder regelmäßig auf ihrer eigenen Webseite oder über Plattformen wie Medium oder WordPress veröffentlichen – was jedoch sehr zeitaufwendig sein kann. Alternativ können Sie Ihre Beiträge auch in bestehenden Blogreihen von Forschungsinstituten, Think Tanks, NGOs oder anderen Forschenden publizieren.
  • Wenn Forschende Blogbeiträge auf ihren eigenen Webseiten veröffentlichen, sollten sie das Teilen via soziale Medien oder das Weiterleiten per E-Mail ermöglichen.
  • Blogbeiträge sollten immer über soziale Medien oder Newsletter angekündigt werden.

Wie funktioniert das Format?

Blogbeiträge sind gut strukturierte und leicht lesbare Publikationen. Policy Blogs eignen sich besonders, um zeitnahe Analysen aktueller Themen zu teilen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können sie anfertigen, um Forschungsergebnisse aus akademischen Publikationen vorzustellen, die für aktuelle politische Debatten relevant sind. Ein vielgelesener und verlinkter Blogbeitrag kann die Zitierhäufigkeit der entsprechenden wissenschaftlichen Veröffentlichung erhöhen. Blogbeiträge sind jedoch keine bloßen Zusammenfassungen bestehender Forschungsergebnisse.

Ein typischer Aufbau sieht folgendermaßen aus:

  • Ein eingängiger Titel
  • Ein einleitender Absatz mit den Kernbotschaften, der die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser auf sich ziehen soll
  • Eine kurze Analyse des Themas und der Forschungsergebnisse
  • Ein abschließendes Fazit.

Das ist ausreichend für einen Policy Blog. Visuelle Elemente wie Grafiken oder Tabellen sind sehr hilfreich, um komplexe Sachverhalte zu erklären und das Interesse der Leserinnen und Leser zu wecken.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten kurze Sätze verwenden und einen Schreibstil wählen, der informeller ist als in akademischen Publikationen. Sie sollten ihre Zielgruppe im Blick haben: Möchten Forschende Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung in Ministerien, Behörden oder Parlamentsforschungsdiensten ansprechen, die fachliche Expertise zu den behandelten Themen besitzen, können sie einen technischen Schreibstil verwenden. Für Mitglieder des Parlaments oder deren Mitarbeitende sollte Fachsprache vermieden werden. Abkürzungen sollten nur dann verwendet werden, wenn sie allgemein bekannt sind (z. B. EU).

Blogbeiträge bieten eine gute Möglichkeit, Hyperlinks statt Fuß- oder Endnoten zu verwenden, was die Länge der Texte verkürzt und den Lesefluss verbessert.

Forschende sollten kurze biographische Informationen von drei bis vier Sätzen am Anfang oder Ende des Textes einfügen. Die Bio sollte Informationen zu Expertise, wichtigen Publikationen und Praxiserfahrung enthalten. Zudem sollten Links zur eigenen Webseite und zu Social-Media-Kanälen ergänzt werden. Eine Kommentarfunktion auf der Blogseite ist eine hervorragende Möglichkeit, mit den Leserinnen und Lesern in Interaktion zu treten, sofern das gewünscht ist.

 

Herausforderungen (und wie man ihnen begegnet)

Ein Blogbeitrag ist ein prägnanter Text. Daher müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Kernbotschaften, die sie vermitteln wollen, sorgfältig überlegen. Ein Blogbeitrag kann auf einer bestehenden akademischen Publikation basieren, sollte sich jedoch auf die praxisrelevanten Erkenntnisse dieser Publikation fokussieren, statt sie lediglich zusammenzufassen. Deshalb sind Methodenabschnitte und Literaturübersichten in Blogbeiträgen nicht nötig.

Eine weitere Frage ist, wie Blogbeiträge eine politische Zielgruppe erreichen können. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben zwei Möglichkeiten: Sie können ihre Blogbeiträge auf ihrer eigenen Webseite oder Plattformen wie Medium oder WordPress veröffentlichen. Dies funktioniert, wenn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Politik bekannt sind oder, wenn Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung ihre Social-Media-Kanäle verfolgen. Zudem sollten sie regelmäßig bloggen, wenn sie ihre Beiträge auf der eigenen Webseite oder auf Plattformen veröffentlichen möchten.

Alternativ können sie bekannte Blogreihen identifizieren, die von anderen Forschungsinstituten, Think Tanks oder NGOs veröffentlicht werden. Viele dieser Reihen begrüßen Beiträge von externen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Es ist auch möglich, Kolleginnen und Kollegen, die als Bloggerinnen und Blogger bekannt sind, für gemeinsame Beiträge anzusprechen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Zum Inhalt: Sie können mögliche Themen für Blogbeiträge identifizieren, indem sie aktuelle politische Entwicklungen verfolgen. Außerdem müssen sie sich gegebenenfalls über ein aktuelles Thema informieren und die Kernbotschaften für den Blogbeitrag reflektieren.

Zur Organisation: Forschende sollten wissen, ob der Policy Blog Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung erreicht. Benötigen sie Mailinglisten, Webseiten oder Kanäle bei Sozialen Medien zur Verbreitung der Blogposts, sollten sie Forschungszentren, Think Tanks oder NGOs mit großer Reich-weite ansprechen, die Beiträge von externen Autorinnen und Autoren akzeptieren.

Zeitressourcen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten in der Lage sein, einen Blogbeitrag in wenigen Stunden zu schreiben. Für die Analyse eines aktuellen Themas kann jedoch auch originäre Analyse nötig sein. Aus einem Blogbeitrag zu einem aktuellen Thema kann sich daher ggf. eine wissenschaftliche Publikation entwickeln.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Mitarbeitende im Wissenstransfer können Forschende beim Schreiben von Blogbeiträgen unterstützen, indem sie sie über aktuelle politische Themen informieren. Dafür können sie Medienberichte verfolgen, Newsletter von Institutionen der Politik und Verwaltung abonnieren und offizielle Dokumente wie Strategiepapiere oder Gesetzestexte lesen. Mitarbeitende im Wissenstransfer können wissenschaftliche Literatur lesen und mit Tools wie Google oder generativer KI die Verbindung zu aktuellen politischen Entwicklungen herstellen.

Sie können mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über aktuelle politische Themen sprechen und Vorschläge für Struktur und Inhalt von Blogbeiträgen machen. Nach dem Lesen von Journalartikeln senden Pressestellen oft Entwürfe für Pressemitteilungen zu aktuellen Forschungsergebnissen an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die diese kommentieren können. Mitarbeitende im Wissenstransfer können ähnlich vorgehen und Entwürfe von Blogbeiträgen erstellen, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler korrigieren können. Dies spart den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Zeit.

Mitarbeitende im Wissenstransfer spielen auch eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Policy Blogs. Sie können Leserinnen und Leser identifizieren, indem sie Organisationspläne oder Ausschussmitglieder in Parlamenten durchsuchen. Sie können Blogeiträge über Mailinglisten, Webseiten und soziale Medien verbreiten. Wenn sie mehr Reichweite in sozialen Medien, bei Mailinglisten oder Webseitenbesuchern benötigen, können sie weitere Forschungsinstitute, Think Tanks oder NGOs mit großer Reichweite identifizieren, und Beiträge von externen Autorinnen und Autoren akzeptieren.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Cairney, Paul. 2016. Ein Strategiepapier und einen Blogbeitrag verfassen, abgerufen am 21.08.2024.

Dunleavy, Patrick. 2026. Wie man in elf einfachen Schritten einen Blogbeitrag aus einem Zeitschriftenartikel verfasst, abgerufen am 21.08.2024.

Evidence and Policy Blog. (ohne Datum).

Bibby, Bick. 2019. Bloggen für ein politisches Publikum, abgerufen am 21.08.2024.

 

Siehe auch Beiträge zu folgenden Themen:

Politische Relevanz, Policy Briefs und Timing.

 

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Policy Brief

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Policy Brief ist eine Kurzanalyse eines Sachverhalts, welcher für Zielgruppen in Politik und Verwaltung geschrieben ist.
  • Policy Briefs präsentieren in der Regel sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch Empfehlungen für die Politik
  • Policy Briefs können aktuelle Ereignisse analysieren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können sie aber auch schreiben, um politisch relevantes Wissen aus Fachartikeln oder anderen umfangreichen wissenschaftlichen Arbeiten für Leserinnen und Leser in Politik und Verwaltung aufzubereiten.

Wie funktioniert das Format?

Policy Briefs sind kurze, gut strukturierte und leicht verständliche Publikationen. Sie sind meist folgendermaßen strukturiert:

Titel

  • Zusammenfassung
  • Einführung in das Thema
  • Darstellung der Forschungsergebnisse
  • Handlungsempfehlungen oder Diskussion von Handlungsoptionen
  • Optional: Quellen und Anhang.

Forschende konkurrieren mit Unternehmen, Lobbyorganisationen, NGOs und Think Tanks um die Aufmerksamkeit von Zielgruppen in Politik und Verwaltung. Gerade Think Tanks und Lobbyeinrichtungen gehen sehr professionell bei der Erstellung von Poliy Briefs vor.

Die erste Seite des Policy Briefs ist die wichtigste. Forschende müssen verstehen, dass viele Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung oft nur die erste Seite oder den ersten Absatz lesen. Daher müssen sie einen einprägsamen Titel wählen, der die Relevanz des Themas oder die wichtigsten Erkenntnisse widerspiegelt.

Die Zusammenfassung enthält die Kernaussagen und sollte zwei Absätze nicht überschreiten. Forschende sollten daher Ihre wichtigsten Botschaften in der Zusammenfassung mithilfe von Visualisierungselementen wie Text-Boxen, Fettdruck, Aufzählungen oder einer Kombination dieser Elemente präsentieren. Forschende sollten sich auf die Vermittlung von 2–4 Kernbotschaften konzentrieren. Wenn das Thema zu breit ist und dies nicht erlaubt, sollte die Erstellung von zwei oder mehreren Policy Briefs erwogen werden.

Einführung: Erklärung, warum das Thema für die Akteure in Politik und Verwaltung relevant ist.

Präsentation der Forschungsergebnisse: Was werden die Leserinnen und Leser in Politik und Verwaltung nach der Lektüre wissen, was vorher nicht bekannt war? Warum sind diese Erkenntnisse wichtig?

Handlungsempfehlungen oder Handlungsoptionen: In diesem Abschnitt finden sich konkrete Empfehlungen oder die Diskussion konkreter Handlungsoptionen. Verallgemeinerungen („Die Regierung muss ihre Anstrengungen zum Umweltschutz verstärken“) müssen vermieden werden, da sie nicht hilfreich sind. Forschende müssen verstehen, dass Handlungsempfehlungen oder die Diskussion von Handlungsoptionen meist nicht sofort in Politik und Verwaltung umgesetzt werden können. Es kann Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis politische Empfehlungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in konkrete Maßnahmen münden, wenn sie dies überhaupt tun. Sie bieten Akteuren in Politik und Verwaltung jedoch eine Orientierung für mögliche Maßnahmen. Forschende sollten die politischen, rechtlichen und finanziellen Auswirkungen ihrer Empfehlungen oder diskutierten Handlungsempfehlungen kennen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung können diskutieren, welche Empfehlungen politisch, finanziell und rechtlich machbar sind. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten Empfehlungen vermeiden, die niemals umgesetzt werden, wie z. B. „Um Strom zu sparen, sollte das Parlament die Produktion und den Verbrauch von Strom verbieten“. Während in englischsprachigen Ländern Handlungsempfehlungen fester Bestandteil von Policy Briefs sind, fehlen in Deutschland Handlungsempfehlungen oder die Diskussion von Handlungsoptionen.

Anhang oder Quellen: Datenmaterial, Informationen zu den verwendeten Methodenabschnitte und Literatur sollten Forschende nicht im Policy Brief publizieren, sondern auf ihren Webseiten oder in separaten längeren Analysen, auf die am Ende des Policy Briefs verwiesen werden kann.

Schreibstil: Halten Sie die Sätze kurz und verständlich. Forschende sollten an die Ihre Zielgruppe denken: Wenn sich die Policy Briefs an Expertinnen und Experten in Ministerien oder nachgeordneten Behörden richten, die über fachspezifisches Wissen verfügen, können Fachformulierungen verwendet werden. Fachsprache und Abkürzungen sollten vermieden werden, wenn Generalistinnen und Generalisten (z.B. Abgeordnete in Parlamenten) die Policy Briefs lesen sollen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Zum Inhalt: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können Policy Briefs eigenständig schreiben. Wenn sie dazu keine Zeit haben, können sie die Struktur und Hauptargumente skizzieren und Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement damit beauftragen, die Policy Briefs vorzubereiten.

Zur Organisation: Forschende müssen wissen, ob die Policy Briefs die Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung erreichen. Falls sie keine Mailinglisten, Webseiten oder Kanäle auf Sozialen Medien zur Verbreitung haben, sollten sie Forschungszentren, Think Tanks oder NGOs mit großer Reichweite ansprechen, die Beiträge von externen Autorinnen und Autoren akzeptieren.

Zeitressourcen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten einen Policy Brief in wenigen Stunden schreiben können. Für die Analyse eines aktuellen Themas kann jedoch auch originäre Analyse nötig sein. Aus einem Policy Brief zu einem aktuellen Thema kann sich daher ggf. eine wissenschaftliche Publikation entwickeln.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Mitarbeitende im Wissenstransfer können Forschende beim Schreiben von Policy Briefs unterstützen, indem sie sie über aktuelle politische Themen informieren. Dafür können sie Medienberichte verfolgen, Newsletter von Institutionen der Politik und Verwaltung abonnieren und offizielle Dokumente wie Strategiepapiere oder Gesetzestexte lesen. Mitarbeitende im Wissenstransfer können wissenschaftliche Literatur lesen und mit Tools wie Google oder generativer KI die Verbindung zu aktuellen politischen Entwicklungen herstellen.

Sie können mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über aktuelle politische Themen sprechen und Vorschläge für Struktur und Inhalt von Policy Briefs machen. Nach dem Lesen von Journalartikeln senden Pressestellen oft Entwürfe für Pressemitteilungen zu aktuellen Forschungsergebnissen an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die diese kommentieren können. Mitarbeitende im Wissenstransfer können ähnlich vorgehen und Entwürfe für Policy Briefs erstellen, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler korrigieren können. Dies spart den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Zeit.

Mitarbeitende im Wissenstransfer spielen auch eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Policy Briefs. Sie können Leserinnen und Leser identifizieren, indem sie Organisationspläne oder Ausschussmitglieder in Parlamenten durchsuchen. Sie können Blogeiträge über Mailinglisten, Webseiten und soziale Medien verbreiten. Wenn sie mehr Reichweite in sozialen Medien, bei Mailinglisten oder Webseitenbesuchern benötigen, können sie weitere Forschungsinstitute, Think Tanks oder NGOs mit großer Reichweite identifizieren, und Beiträge von externen Autorinnen und Autoren akzeptieren.

 

Beispiele für Policy Briefs

Hat COVID-19 den ökologischen Wandel beschleunigt? Eine internationale Bewertung staatlicher Fördermaßnahmen zur Unterstützung kohlenstoffarmer Technologien, OECD Policy Brief, 19. Oktober 2023.

Egorov, Konstantin, Warum ist die russische Wirtschaft trotz Sanktionen nicht zusammengebrochen: Erkenntnisse aus der Zeit vor dem Krieg, SAFE Policy Letter Nr. 102. September 2023.

 

Siehe auch Beiträge zu folgenden Themen:

Politische Relevanz, Policy Blog und Timing.

 

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UGR County Councils: Ein regionales Dialogformat für nachhaltige Entwicklung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Zehn regionale UGR-Kreisräte, jeweils einer pro Kreis der Provinz Granada
  • „Living Lab“- und „Quadruple-Helix“-Ansatz zur Vernetzung von Hochschulen, Behörden, Unternehmen und Bürgern
  • Partizipative Ermittlung lokaler Herausforderungen in den Bereichen Wasserwirtschaft, Bodensanierung, nachhaltige Mobilität und Kulturerbe
  • Wissenschafts-Politik-Partnerschaften zwischen Forschenden und Beamten zur Erarbeitung lokal relevanter Lösungen
  • Institutioneller Rahmen zur Gewährleistung einer langfristigen Koordination und eines Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und Gebietskörperschaften

Beschreibung

Die UGR-Bezirksräte sind ein regionales Modell für den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung, das von der Universität Granada (Spanien) im Rahmen des Erasmus+-Projekts „ENGAGEgreen“ entwickelt wurde.

Die Initiative ist eine Reaktion auf die dringenden ökologischen und sozialen Herausforderungen der Provinz, wie Dürre, Bodendegradation und Landflucht, und sieht die Einrichtung von zehn Bezirksräten vor. Einen Bezirksrat pro Bezirk, der Wissenschaft, politisch Verantwortliche, den privaten Sektor und die Zivilgesellschaft miteinander verbindet.

Unter Anwendung der Living-Lab-Methodik und des Quadruple-Helix-Modells fördern die Räte gemeinsames Experimentieren und eine evidenzinformierte Politikgestaltung. Sie dienen als lokal-verankerte Plattformen für gemeinsame Gestaltung, Kapazitätsaufbau und partizipative Regierungsführung und treiben so die nachhaltige Entwicklung auf regionaler Ebene voran.

 

Wie funktioniert das Format?

  1. Einleitung

Die aktuellen Umweltprobleme in Granada machten deutlich, dass es an strukturierten Mechanismen mangelt, um wissenschaftliche Erkenntnisse in die Politikgestaltung einzubeziehen. Um dem entgegenzuwirken, richtete die UGR zehn Bezirksräte ein, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik auf regionaler Ebene zu institutionalisieren.

  1. Ziele

  • Förderung eines inklusiven und strukturierten Dialogs zwischen Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft.
  • Identifizierung und Priorisierung lokaler Herausforderungen durch partizipative Plattformen.
  • Erprobung eines skalierbaren Modells der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik, das sich auf andere europäische Regionen übertragen lässt.
  • Stärkung der institutionellen Kapazitäten für den Wissenstransfer und Festigung des gesellschaftlichen Engagements der Universität.
  1. Methodik

Die Räte verfolgen einen „Living Lab“-Ansatz, der Experimente unter realen Bedingungen und die gemeinsame Entwicklung lokal relevanter Lösungen durch die Beteiligten fördert.

Sie integrieren die Logik der „Quadruple Helix“ und der „Quintuple Helix“ und gewährleisten dabei die Beteiligung von:

  • akademischen Einrichtungen
  • öffentlichen Verwaltungen
  • Akteuren des privaten Sektors
  • zivilgesellschaftlichen Organisationen

 

Bei der Rekrutierung und Einbindung wurden institutionelle Kommunikationskanäle (E-Mails, Websites) mit informellen Kanälen kombiniert, um lokale Akteure und Bürger und Bürgerinnen zu erreichen.

Die Aktivitäten fanden in hybriden Formaten (online und vor Ort) statt, darunter Webinare, gemeinschaftliche Workshops und Fortbildungen, die darauf abzielten, den Dialog, das gegenseitige Lernen und die gemeinsame Entscheidungsfindung zu fördern.

 

 

  1. Höhepunkte der Pilotphase

Die UGR-Kreisräte wurden im Januar 2025 im Rahmen des ersten „Impronta Granada“-Treffens offiziell ins Leben gerufen, an dem 143 Personen an diesem ersten landesweiten Treffen teilnahmen. Seitdem hat sich die Initiative zu einem strukturierten Netzwerk mit rund 230 aktiven Teilnehmenden in zehn Landkreisen Granadas entwickelt.

Die Räte haben den wissenschaftspolitischen Dialog zu zentralen Umweltthemen gefördert, unter anderem durch Webinare und Seminare zu Bodensanierung, Dürremanagement und biotechnologischen Alternativen zur Schädlingsbekämpfung, die gemeinsam mit lokalen Behörden und wissenschaftlichen Experten organisiert wurden.

Die Einbindung der Interessengruppen spiegelt das „Quadruple-Helix“-Konzept des Projekts wider, das Akteure aus öffentlicher Verwaltung, akademischen Einrichtungen, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft zusammenbringt.

Insgesamt wurden über 15 Aktivitäten in verschiedenen Formaten organisiert, darunter:

  • Webinare zu Bodensanierung und Dürre in Zusammenarbeit mit regionalen Behörden
  • Ein Seminar zur nachhaltigen Schädlingsbekämpfung, das gemeinsam von Biotechnologie-Experten der UGR und lokalen Bürgermeistern geleitet wurde
  • Workshops zum Kapazitätsaufbau und gemeinsame Tagungen, aus denen mehr als acht lokalisierte Handlungsvorschläge hervorgingen, von denen mehrere derzeit in kommunale und regionale politische Agenden integriert werden
  • Gemeinsam entwickelte, ortsspezifische Lösungen zu den Themen Wasserbewirtschaftung, ökologischer Wandel und ländliche Innovation, die in den lokalen Gegebenheiten verwurzelt sind
  • Mechanismen zur Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik, die es Forschenden ermöglichen, als regionale Vermittelnde zu fungieren und eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung auf kommunaler Ebene voranzutreiben.

 

 

  1. Ergebnisse und Auswirkungen

  • Nationale und internationale Sichtbarkeit durch die Teilnahme an Konferenzen, die Verbreitung über institutionelle Netzwerke und kontinuierliche Medienarbeit
  • Entwicklung eines flexiblen Steuerungsmodells, das zentrale Koordination mit lokaler Autonomie und Selbstorganisation in Einklang bringt
  • Institutionelle Anerkennung und symbolische Anreize, wie Teilnahmebescheinigungen und der bevorstehende „Best UGR County Council Award“, stärken das langfristige Engagement der Interessengruppen
  • Hybride Beteiligungsformate (online und vor Ort) haben die Zugänglichkeit insbesondere in ländlichen Gebieten erweitert und damit die Inklusivität und pluralistische Vertretung gestärkt

Insgesamt haben die UGR-Kreisräte das Potenzial der Universitäten als regionale Vermittler unter Beweis gestellt und durch einen nachhaltigen Dialog zwischen Wissenschaft und Politik kooperative Lösungen zur Bewältigung ökologischer und sozialer Herausforderungen gefördert.

 

Herausforderungen

  • Die historisch schwachen Verbindungen zwischen Wissenschaft und Kommunalverwaltungen erforderten den Aufbau von Vertrauen
  • Abwägung zwischen akademischer Koordination und kommunaler Autonomie
  • Gewährleistung einer gerechten Vertretung aller Sektoren der Vierfach-Helix
  • Bewältigung logistischer Herausforderungen und Gewährleistung der Erreichbarkeit in ländlichen Gebieten
  • Umsetzung der Ergebnisse des Dialogs in konkrete, umsetzbare politische Maßnahmen
  • Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung einer konsistenten Beteiligung in allen Landkreisen

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

  • Beiträge in Form von Forschungserkenntnissen zu den Themen Nachhaltigkeit, Boden, Wasser und Kulturerbe
  • Funktion als regionale Vermittler zur Förderung evidenzbasierter Diskussionen
  • Unterstützung bei Überwachung und Bewertung durch Datenanalyse und Umsetzung in politische Maßnahmen

Manager und Managerinnen für Wissensaustausch und Forschung

  • Koordinieren die Einrichtung von zehn landkreisbasierten Räten und kümmern sich um die Logistik
  • Konzipieren und moderieren Workshops zur gemeinsamen Gestaltung sowie Schulungsveranstaltungen
  • Stellen die Abstimmung zwischen lokalen Prioritäten und den Zielen von ENGAGEgreen sicher
  • Erstellen Berichte und Kommunikationsmaterialien zur Verbreitung (Websites, Medien)

Akteure in Politik und Verwaltung

  • Teilnahme an Workshops und Webinaren, um Herausforderungen und Prioritäten auszutauschen
  • Bereitstellung lokaler Daten, des administrativen Kontexts und von Feedback zu Lösungsvorschlägen
  • Integration gemeinsam erarbeiteter Vorschläge in die politischen Agenden der Gemeinden oder Landkreise

 

Beispiele

  • Auftaktveranstaltung (Januar 2025): Am ersten „Impronta Granada“-Treffen nahmen 143 Teilnehmer teil; damit wurden alle zehn UGR-Kreisräte gegründet
  • Bestehendes Netzwerk:B Rund 230 aktive Teilnehmer in der gesamten Provinz
  • Thematische Webinare: Zu den Themen Bodensanierung, Dürremanagement und biotechnologische Schädlingsbekämpfung, gemeinsam organisiert mit lokalen Behörden und Forschern
  • Workshops: Es wurden über 10 lokalisierte Handlungsvorschläge erarbeitet, von denen mehrere derzeit in die kommunale Politik umgesetzt werden
  • Hybride Formate: Die Teilnahme sowohl online als auch vor Ort stärkte die Inklusivität und Zugänglichkeit für ländliche Gemeinden

 

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Policy Sessions auf wissenschaftlichen Konferenzen

Worum geht es bei diesem Format?

  • Policy Sessions auf wissenschaftlichen Konferenzen sind eine hervorragende Möglichkeit, Policy-Perspektiven zu aktuellen Forschungsthemen zu gewinnen.
  • Sie eignen sich gut, um Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung mit Forschenden aus verschiedenen Forschungsbereichen, Institutionen und Ländern zu vernetzen.
  • Die Organisatorinnen und Organisatoren können die Sessions als Roundtables, Präsentationen von Forschenden sowie Gästen aus Politik und Verwaltung mit anschließender Fragerunde, Podiumsdiskussionen, World Café, Fishbowls oder anderen Formaten gestalten, die einen Dialog zwischen Wissenschaft und Politik ermöglichen.
  • Die Organisatorinnen und Organisatoren müssen bei der Planung von Policy Sessions Ziele, Inhalte, Struktur und Zielgruppen festlegen.

Wie funktioniert das Format?

Wissenschaftliche Konferenzen sind essenziell, um die neuesten Forschungsergebnisse mit Fachkolleginnen und Fachkollegen zu teilen. Sie bieten zudem ausgezeichnete Gelegenheiten, einen Dialog zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung zu etablieren. Während der Inhalt rein akademischer Sessions für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung relevant sein kann, sind Diskussionen in wissenschaftlichen Formaten oft schwer verständlich für Personen, die mit wissenschaftlichen Debatten, Methoden, Fachbegriffen oder akademischer Sprache nicht vertraut sind.

Policy Sessions, die auch als Stakeholder Sessions bezeichnet werden, öffnen die Konferenz für nicht-akademische Zielgruppen. Policy Sessions können als Roundtables, Podiumsdiskussionen und Präsentationen von Forschenden sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung mit anschließender Fragerunde, World Cafés, Fishbowls oder anderen Formaten stattfinden und ermöglichen so einen Dialog zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung.

Die Organisatorinnen und Organisatoren kleinerer wissenschaftlicher Konferenzen können Policy Sessions in die Planung integrieren. Bei großen Konferenzen gibt es oft eine Ausschreibung zur Einreichung von Vorschlägen für Policy Sessions. Organisatorinnen und Organisatoren müssen den Inhalt, die Struktur und die Zielgruppen der Sessions berücksichtigen. Wollen sie spezifische Themen mit technischem Wissen behandeln oder „große Fragen“ diskutieren? Ersteres eignet sich besser für Gäste aus Ministerien oder nachgeordneten Behörden mit Spezialwissen, Letzteres eher für Mitglieder des Parlaments oder Ministerinnen und Minister. In jedem Fall sollten aktuelle Themen ausgewählt werden, die für Gäste aus Politik und Verwaltung relevant sind.

Wissenschaftliche Konferenzen sind wichtig, um sich über den neuesten Stand der Forschung durch Vorträge zu informieren. Doch stundenlanges Zuhören bei Vorträgen kann ermüdend sein. Daher können Policy Sessions am Nachmittag oder am Abend eine willkommene Abwechslung bieten.

Die fruchtbarsten Diskussionen mit Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung finden oft eher in den Kaffeepausen statt als auf der Bühne. Deshalb sollten die Organisatorinnen und Organisatoren eine Atmosphäre schaffen, die informelle Gespräche ermöglicht, zum Beispiel durch Buffets und Stehtische, an denen Teilnehmende die Tische wechseln und mit unterschiedlichen Forschenden ins Gespräch kommen können.

 

Herausforderungen (und wie man ihnen begegnet)

Mitglieder des Parlaments sowie Ministerinnen und Minister sind bekanntermaßen stark ausgelastet und erhalten wöchentlich zahlreiche Anfragen zu Veranstaltungen. Daher sollten Organisatorinnen und Organisatoren überlegen, welche Art von Gästen aus Politik und Verwaltung sie einladen möchten. Möchten sie Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis für Podiumsdiskussionen mit viel Publikum gewinnen, bieten sich Ministerinnen und Minister oder vergleichbare Positionen an. Für kleinere Roundtables eignen sich Gäste aus der Praxis auf der Ebene von Referaten. Die Sessions sollten für die Gäste aus Politik und Verwaltung attraktiv gestaltet werden. Beispielsweise sprechen Podiumsdiskussionen mit Forschenden sowie Stakeholdern aus dem dritten Sektor oder der Wirtschaft Politikerinnen und Politiker an, die an Stakeholder Dialogen interessiert sind.

Organisatorinnen und Organisatoren sollten es nicht persönlich nehmen, wenn die ursprünglich eingeladenen Gäste aus Politik und Verwaltung – einschließlich Ministerinnen und Minister oder Abgeordnete – auf ihre Mitarbeitenden verweisen, es sei denn, es sind besonders renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Nobelpreisträgerinnen und -träger als Gesprächspartner geplant.

Während die Schaffung neuen Wissens ein eigenständiges Ziel der Wissenschaft ist, suchen Gäste aus Politik und Verwaltung nach der politischen Relevanz von Forschungsergebnissen. Theoretische Debatten oder methodische Ansätze sind zwar wichtig, können jedoch für Gäste aus der Praxis schwer verständlich sein. Forschende sollten sich daher darauf konzentrieren, ihr politikrelevantes Wissen zu teilen. Außerdem sollten Forschende Gäste aus Politik und Verwaltung darüber informieren, dass viele Forschende nur begrenztes Wissen über die Herausforderungen der Politikgestaltung und die Funktionsweise von Politik und Verwaltung, etwa Parlamente oder Ministerien, besitzen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Session organisieren, müssen die Struktur planen, Leitfragen für Moderatorinnen und Moderatoren sowie Teilnehmende vorbereiten und eine Zusammenfassung der Session verfassen.
Sollten sie sich mit politischen Themen noch nicht gut auskennen, sollten sich Forschende anhand offizieller Publikationen wie Strategiepapieren, Gesetzen oder Gesetzesentwürfen informieren. Sie sollten zudem die Profile der teilnehmenden Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung (Politikerinnen und Politiker) oder deren Stellenbeschreibungen (Referentinnen und Referenten; Organigramme sind hilfreich) lesen. Forschende sollten sie die zentralen Botschaften, die sie vermitteln wollen, gut überlegen.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Unterstützungsstrukturen können bei der Themenfindung für die Policy Sessions helfen, deren Integration in die akademische Veranstaltung vorschlagen, die Forschenden über aktuelle politische Themen informieren und organisatorische Unterstützung leisten, etwa bei der Raumbuchung oder Hotelreservierung. Sie können zudem bei der Vorbereitung von Pressemitteilungen und Beiträgen in sozialen Medien vor und nach der Policy Session unterstützen.

Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung

Während Forschende ihr Wissen verständlich für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung aufbereiten müssen, sollten diese auch Herausforderungen der Politikgestaltung für ein fachfremdes Publikum erläutern können.

Gewählte Politikerinnen und Politiker sind es gewohnt, mit ihren Wählerinnen und Wählern zu sprechen und an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Das kann sich für Mitarbeitende in Ministerien oder Behörden unterscheiden. Sollten Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung bisher wenig Kontakt zu Forschenden gehabt haben, sollten sie leicht verständliche Kernbotschaften vorbereiten. Zudem sollten sie grundlegendes Wissen über die Arbeit ihrer Institutionen und Herausforderungen in der Politikgestaltung vermitteln.

Wissenschaftliche Konferenzen bieten eine gute Gelegenheit, mit verschiedenen Forschenden in Kontakt zu treten. Gäste aus Politik und Verwaltung sollten daher die Teilnehmendenlisten und Panels prüfen, um interessante Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Gespräche zu identifizieren.

Je nach Ort und Dauer der Konferenz können Ausgaben für Catering, Konferenztechnik, Raummiete, Reisen und Unterkunft anfallen. Reise- und weitere Kosten können in Förderanträgen für die Konferenz berücksichtigt werden. Falls Teilnehmende eine Gebühr entrichten müssen, sollten Organisatorinnen und Organisatoren sicherstellen, dass Gäste aus Politik und Verwaltung von der Gebühr befreit sind.

 

Beispiel

Dr. Fabienne Pradella zur Organisation von Policy Sessions zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen und gesunder Ernährung auf den Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi).

 

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