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Autor: Tome Sandevski

Tome Sandevski  is Programme Manager for Science-Policy Dialogue at Goethe University Frankfurt and coordinates joint policy engagement activities of the Rhine-Main Universities (Frankfurt, TU Darmstadt and Johannes Gutenberg-University Mainz). He designs and delivers training on policy engagement for researchers and research managers.

Dialog-orientiertes Format: Besichtigungen von Forschungsstätten

Wichtige Merkmale auf einen Blick

  • Im Rahmen von Besichtigungen können Forschende ihre Expertise präsentieren und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung in einen Dialog treten.
  • Besichtigungen sind ein einfach zu organisierendes Format. Es ermöglicht die Einbindung von Forschenden, die keinen Kontakt zu Vertreterinnen und Vertretern in Politik und Verwaltung haben – und umgekehrt.
  • Die Forschungsstätten/Labore müssen eine Veranschaulichung der Themen ermöglichen.
  • Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen klar und präzise kommunizieren und darüber hinaus Zeit für Fragen der Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung einplanen.

Wie funktioniert das Format?

Besichtigungen von Forschungsstätten bieten hervorragende Möglichkeiten für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, ein besseres Verständnis für Forschungsaktivitäten und deren mögliche Anwendungen zu gewinnen.

Forschende können Maschinen oder Anwendungen vorführen. Dabei erklären sie nicht nur die zugrunde liegenden Mechanismen, sondern gehen auch auf mögliche Anwendungen ein, die für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung relevant sind. Eine einzelne Forscherin oder ein Forscher kann Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung durch ein Labor oder eine andere Forschungsstätte führen. Alternativ können Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung von Station zu Station wechseln, wobei verschiedene Forschende jeweils an der entsprechenden Station erklären.

Besichtigungen können einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, da sie verschiedene Sinne ansprechen: Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung hören den Informationen der Forschenden zu, während sie gleichzeitig Objekte oder Anwendungen sehen, berühren oder sogar riechen. Die Besuche ermöglichen es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, ihre aktuelle Forschung zu präsentieren. Da die Gäste aus der Praxis Fragen an die Forschenden stellen können – und umgekehrt –, sind Besichtigungen ein großartiges dialogorientiertes Erlebnis für beide Seiten.

Gäste aus Politik und Verwaltung können Forschungsstätten einzeln, in kleinen oder größeren Gruppen besuchen. Gruppen können Teilnehmende aus einer oder mehreren Praxiseinrichtungen umfassen. Die Dauer von Besichtigungen variiert von einer bis mehreren Stunden, abhängig von der Größe der Forschungsstätte, der Anzahl der Stationen und der Zeit, die die Forschenden in Vorbereitung und Durchführung investieren möchten. Besichtigungen können als eigenständige Veranstaltungen organisiert werden oder als Teil von Konferenzen, Workshops oder anderen Events, bei denen sich die Teilnehmenden bewegen und interagieren können.

Die Forschenden müssen klar und präzise kommunizieren und ausreichend Zeit für Fragen der Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung einplanen. Sowohl Nachwuchsforschende als auch erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können Besichtigungen durchführen.

Die zu besichtigenden Forschungsstätten sollten ein hohes Maß an Anschaulichkeit bieten. Während Wissenschaftler beispielsweise in einem Labor bahnbrechende Forschungen zu Gesundheitsfragen betreiben, bietet die Betrachtung von Reagenzgläsern und Petrischalen keinen Mehrwert zur Präsentationen oder Vorträgen. Führungen durch Labore, bei denen Gäste aus der Praxis sehen können, wie sich Roboter bewegen, oder bei denen sie Virtual-Reality-Brillen nutzen können, können ihnen jedoch helfen, die Potenziale und Herausforderungen technologischer Innovationen besser zu verstehen.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Zum Inhalt: Forschende müssen kurze Präsentationen zu den Objekten und Anwendungen vorbereiten. Sind mehrere Forschende an der Besichtigung beteiligt, ist eine Koordination untereinander erforderlich. Je nach Struktur der Besichtigung, Anzahl und Hintergrund der Teilnehmenden können die Guides vorab die Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung zu ihren wichtigsten Interessen befragen und die Besichtigung entsprechend gestalten.

Zur Organisation: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen gegebenenfalls die Objekte, die sie zeigen möchten, umräumen oder säubern. Außerdem müssen sie prüfen, ob die Forschenden in den Forschungsstätten ihre Arbeit wie gewohnt fortführen können oder ob sie während der Besichtigung pausieren müssen.

Zeitliche Ressourcen: Die Durchführung von Besichtigungen sollte nicht länger als zwei bis drei Stunden dauern, da sonst die Aufnahmefähigkeit der Gäste aus der Praxis überstrapaziert werden kann. Wenn Forschende zuvor keine Präsentationen für Außenstehende vorbereitet haben, kann die Vorbereitung von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen dauern. Sobald die Präsentationen und der Ablauf stehen, nimmt die Wiederholung der Besichtigung in der Zukunft weniger Zeit in Anspruch. Falls eine Evaluation des Formats erfolgt, muss ein Evaluationsbogen vorbereitet und den Gästen aus Politik und Verwaltung nach der Besichtigung zugesandt werden.

Finanzielle Ressourcen: Mögliche Kostenpunkte sind Catering, Reisekostenerstattungen für die Gäste aus Politik und Verwaltung, Werbung für die Veranstaltung oder Vergütungen für die teilnehmenden Forschenden.

 

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder im Wissenschaftsmanagement können Forschende entscheidend unterstützen, indem sie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung identifizieren und einladen. Sie verfolgen aktuelle Entwicklungen in der Politikgestaltung, um die Forschenden über Themen zu informieren, die für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung von großem Interesse sind.

Zudem können sie durch die Gestaltung von Flyern und Sharepics, die Vorbereitung von Beiträgen in sozialen Medien und Pressemitteilungen unterstützen, außerdem die Organisation von Catering (falls nötig), die Begleitung der Gäste aus Politik und Verwaltung vor Ort sowie die Verwaltung von Zugangsrechten zu den Forschungsstätten und die Einhaltung von Sicherheitsvorgaben.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement sollten den Forschenden eine Liste der anwesenden Gäste aus in Politik und Verwaltung bereitstellen. Außerdem können sie Follow-up-Mails an beide Seiten verfassen, um nach der Teilnahme an den Besichtigungen den Kontakt zu halten. Sie können auch Evaluationsbögen an die Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung und Forschenden versenden oder Feedbackgespräche mit ihnen führen.

 

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Der direkte Draht

Persönliche Begegnungsformate als Instrument des bidirektionalen Wissenstransfers zwischen Forschung, Politik und Verwaltung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Dieses Format ermöglicht es Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, an einem Tag oder über mehrere Tage hinweg, persönliche Gespräche und Treffen mit Akteuren aus Politik und Verwaltung durchzuführen.
  • Durch den Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung lernen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Praxisperspektiven auf ihre Forschung kennen, während Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung einen Überblick über den Stand der Forschung zu Fragen erhalten, mit denen sie sich gerade beschäftigen.
  • Persönlicher Austausch ist ein sehr effektives Mittel zum Wissensaustausch und kann den Aufbau langfristiger Netzwerke zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen und Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung ermöglichen.

Wie funktioniert dieses Format?

Der Ablauf ist einfach: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung führen informelle Gespräche über Themen mit Policy-Relevanz. Die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung können konkrete Fragen stellen (z. B.: „Wie wirken sich Smartphones auf die Lesefähigkeiten von Grundschulkindern aus?“) oder allgemeine Fragen (z. B.: „Wie verändert die Digitalisierung die Finanzbranche? Wie funktionieren Algorithmen?“). Die Treffen dauern in der Regel eine Stunde und können als Einzelgespräche oder als Kleingruppengespräche stattfinden.

 

Was zeichnet solche Formate aus?

 

Bidirektionaler Wissenstransfer. Während Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung Zugang zu wissenschaftlicher Fachexpertise erhalten, lernen die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Policy-Perspektiven auf ihre Forschung kennen.

Großer Wissenszuwachs: Persönliche Treffen sind ein sehr effektives Kommunikationsmittel, da beide Seiten Fragen stellen können. Beide können selbst entscheiden, welche Themen sie behandeln möchten und so ihr Erkenntnisinteresse steuern.

Freiwilligkeit: Das Format basiert auf Freiwilligkeit. Nur intrinsisch motivierte Personen nehmen an den Treffen teil.

Zeiteffizienz: Die Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung können aus umfassenden Listen die Forschenden auswählen, die sie treffen möchten, ohne selbst zeitaufwendig recherchieren zu müssen. Ebenso erhalten die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom von der Geschäftsstelle des Programms Einladungen zu den Gesprächen, einschließlich möglicher Terminfenster sowie der Themeninteressen der Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung.

Offener Dialog im informellen Rahmen: Das Format bietet den idealen Rahmen für offene Gespräche. Im Gegensatz zu Anhörungen im Parlament oder zu formellen Sitzungen in Ministerien finden sie in einem informellen Rahmen statt. Es werden keine Protokolle der Treffen angefertigt.

Vielfalt in Bezug auf wissenschaftliche Disziplinen: Wenn beispielsweise ein Mitarbeitender aus Politik und Verwaltung fragt, wie der Energieverbrauch gesenkt werden kann, können Gespräche mit Forschenden aus der Architektur zum Thema energiesparendes Bauen, mit Ingenieuren zu energiesparenden technischen Lösungen und mit Ökonomen zu Fragen der Energiesteuern stattfinden. Ebenso können Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung treffen, die aus verschiedenen Abteilungen derselben Institution oder aus mehreren unterschiedlichen Institutionen kommen.

Zusammenbringen von Menschen, die sich sonst nie begegnet wären. Viele Akteure in Politik und Verwaltung haben noch keinen Kontakt zu Forschenden. Dabei sind persönliche Gespräche eine einfache Möglichkeit, die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammenzubringen.

Reichweite. Das Format ermöglicht es, viele Forschende mit vielen Akteuren aus Politik und Verwaltung zusammenzubringen. So organisierten beispielsweise die Rhein-Main-Universitäten 3.500 Treffen zwischen 350 Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung und 850 Wissenschaftlern in einem Zeitraum von 10 Jahren.

 

Wie stellen Universitäten den Kontakt zu Akteuren in Politik und Verwaltung her?

Universitäten können Mitarbeitende in Politik und Verwaltung bitten, für sie interessante Themen (z. B. Biodiversität, Klimawandel) einzureichen. Die Universitäten prüfen anschließend, ob sie persönliche Treffen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern organisieren können. Fällt die Prüfung positiv aus, können die Universitäten mögliche Termine für Treffen mit Wissenschaftlern vorschlagen oder die Vertretenden in Politik und Verwaltung bitten, mögliche Termine einzureichen.

Alternativ können Universitäten Vertretende aus Politik und Verwaltung fragen, ob sie daran interessiert sind, von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ihren Einrichtungen besucht zu werden. Die Universitäten können dann die Listen mit Forschenden an die Praxiseinrichtungen leiten, die mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung Gespräche führen möchten.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten die Websites der Beteiligten aus Politik und Verwaltung prüfen, um sich einen Überblick über deren Arbeitsgebiete und mögliche Wissensbedarfe zu verschaffen. Falls die Beteiligten aus Politik und Verwaltung Listen mit Fragen eingereicht haben, sollten sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen anhand dieser Fragen auf die Treffen vorbereiten. Zudem müssen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Gesprächsführung bei den Treffen übernehmen.

 

Mitarbeitende im Transfer oder Wissenschaftsmanagement

Während die Treffen zwischen den Beteiligten aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung in der Regel etwa eine Stunde dauern, ist die Organisation dieser Treffen sehr zeitaufwendig.

Wenn solche Formate zum ersten Mal durchgeführt werden, müssen Mitarbeitende im Transfer oder Management alle Beteiligten über das Format informieren. Sie müssen die Fachkenntnisse der Wissenschaftler mit den Interessengebieten der Vertretenden in Politik und Verwaltung abgleichen, was je nach Format und Teilnehmerzahl mehrere Wochen dauern kann.

Die Mitarbeitenden im Transfer oder Management müssen die Termine koordinieren, Informationsmaterialien wie Handreichungen und Webseiten erstellen und kurze Auswertungen durchführen.

 

Beteiligt aus Politik und Verwaltung

Um einen großen Nutzen aus den Treffen zu ziehen, sollten sich die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung darauf vorbereiten, indem sie die Websites der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besuchen, um mehr über deren Fachgebiete zu erfahren.

Wenn Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus akademischen Disziplinen treffen, mit denen sie sich erst noch vertraut machen müssen, sollten sie vorab einen kurzen Artikel über die jeweilige Disziplin lesen. Ein Wikipedia-Artikel reicht in den meisten Fällen aus.

Es ist völlig in Ordnung, wenn Gäste aus Politik und Verwaltung mit dem Fachgebiet der Wissenschaftler, die sie treffen, nicht vertraut sind. Allerdings sollten die Gäste aus Politik und Verwaltung nachvollziehen können, warum diese Treffen stattfinden. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung sollten Fragen oder Themen vorbereiten, auf die sie sich konzentrieren möchten, um die Gespräche möglichst effektiv zu nutzen.

 

Literatur und Ressourcen

Mercator Science-Policy Fellowship-Programm der Rhein-Main-Universitäten

ETH Policy Fellowship

The CsaP Policy Fellowship der University of Cambridge

Policy Fellowship der University of Copenhagen

Policy Fellowship an der University of Guelph

 

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Anhörungen und Expertengespräche in Parlamenten

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Über Anhörungen erhalten Abgeordnete in Parlamenten Einschätzungen von Forschenden und weiteren Sachverständigen.
  • Die eingeladenen Expertinnen und Experten haben meist nur wenige Minuten Zeit, um ihre Stellungnahmen vorzutragen und die Fragen der Abgeordneten zu beantworten.
  • Die Abgeordneten bitten in der Regel um Bewertungen vergangener, gegenwärtiger oder geplanter Maßnahmen (z. B. Gesetzesentwürfe).
  • Parlamente veröffentlichen oft Aufzeichnungen oder Protokolle der Anhörungen auf ihren Webseiten, die Forschende nutzen können, um sich vorzubereiten.

Wie funktioniert das Format?

Parlamentarische Ausschüsse organisieren Anhörungen, wenn sie bestehende Maßnahmen bewerten oder neue Entscheidungen (z.B. im Zusammenhang mit Gesetzgebungsverfahren) vorbereiten und dafür Expertise von Forschenden und weiteren Sachverständigen einholen möchten. Die Forschenden können meist vor der Anhörung eine kurze schriftliche Stellungnahme einreichen.

Abgeordnete bzw. ihre persönlichen Mitarbeitenden oder die Mitarbeitenden der Fraktionen recherchieren mögliche Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft oder Zivilgesellschaft, die über die jeweiligen Themen Expertise besitzen. Dabei können Sie auch Mitarbeitende in Ministerien um Empfehlungen bitten. Die Anzahl der Sachverständigen, die Fraktionen vorschlagen können, hängt von der Anzahl der Fraktionsmitglieder zusammen, die im jeweiligen Ausschuss vertreten sind. Die Einladung der Sachverständigen erfolgt formal über die Ausschüsse.

Wenn Forschende identifiziert wurden, werden sie von Mitarbeitenden des Ausschusses informiert und erhalten Informationen zum genauen Inhalt, zum Zeitpunkt, zum Modus (Präsenz oder virtuell) und zum Ablauf der jeweiligen Anhörung. Meistens reichen die Forschenden und weiteren Sachverständigen kurze Stellungnahmen von wenigen Seiten ein, die von den jeweiligen Abgeordneten und deren Mitarbeitenden gelesen werden.

Nach den Berichten der eingeladenen Expertinnen und Experten stellen die Ausschussmitglieder Fragen. Die Ausschüsse gewähren den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nur wenig Zeit, um ihre Stellungnahmen zu einem Thema darzulegen und Fragen der Abgeordneten zu beantworten.

Parlamente auf regionaler und nationaler Ebene sowie das Europäische Parlament fordern in der Regel externe Expertinnen und Experten zur Bewertung von Politik auf. Die Bereitstellung wissenschaftlicher Expertise durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Verbesserung der Politik ist eine wichtige Aufgabe. Anhörungen bieten einen offiziellen Kanal, um evidenzbasierte Informationen an Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung zu übermitteln und in den Dialog mit Gesetzgebenden zu treten. Dabei sollten Forschende verstehen, dass die Bereitstellung von Informationen und Empfehlungen nicht automatisch zur Übernahme der Bewertung oder Vorschläge bei der Gesetzgebung führt.

Oft können Bürgerinnen und Bürger Anhörungen beiwohnen. Anhörungen erregen auch mediale Aufmerksamkeit, wenn kontroverse Themen behandelt werden, die zuvor öffentlich diskutiert wurden. Viele Parlamente veröffentlichen Protokolle und Aufzeichnungen auf ihren Webseiten und bieten Live-Streams an. Auf Plattformen wie YouTube finden sich zahlreiche Aufzeichnungen parlamentarischer Anhörungen verschiedener Länder.

 

Herausforderungen

Die Ausschüsse gewähren den Expertinnen und Experten meist nur wenige Minuten für ihre Stellungnahmen und die Beantwortung der Fragen der Abgeordneten. Im Unterschied zu den Zeitlimits wissenschaftlicher Konferenzen dürfen die Redezeiten bei Anhörungen nicht überschritten werden. Die Ausschussvorsitzenden achten streng auf die Einhaltung der Redezeiten, was für Forschende, die im Rahmen von wissenschaftlichen Konferenzen sozialisiert wurden, ein Kulturschock bedeuten kann.

Da Fraktionen Vorschläge für die einzuladenden Sachverständigen machen, kann dies dazu führen, dass Forschende mit politischen Parteien assoziiert werden und nicht als unabhängige Sachverständige, sondern als Vertreterinnen oder Vertreter der jeweiligen Parteiposition wahrgenommen werden.

Je nach politischer Kultur eines Landes können kontroverse Diskussionen zwischen Forschenden und Abgeordneten entstehen. Das Gegenteil ist ebenfalls möglich: Abgeordnete können sich bereits festgelegt haben und betrachten die Anhörung als gesetzlich vorgeschriebene Pflichtveranstaltung, von der sie sich keine neuen Erkenntnisse erhoffen. Es kann daher für Forschende frustrierend sein, wenn sie davon ausgegangen sind, dass ihre Stellungnahmen für die Abgeordneten von großer Bedeutung sind. Die Mitwirkung an Anhörungen erhöht die Sichtbarkeit von Forschenden in Parlamenten und Ministerien. Forschende, die zeigten, dass sie komplexe Sachverhalte verständlich erläutern und dabei die zeitlichen Vorgaben einhalten konnten, werden häufig zu Fach- oder Hintergrundgesprächen in Fraktionen oder Ministerien eingeladen.

Anhörungen bieten beteiligten Forschenden die ideale Möglichkeit, im Nachgang den Kontakt zu den Abgeordneten aufzunehmen, diese für Einzelgespräche anzufragen oder zu Veranstaltungen einzuladen. Anhörungen stellen daher gute Vernetzungsmöglichkeiten dar. Ein Professor für Politikwissenschaften sagte einmal: „Ich nehme nicht an Anhörungen teil, um eine Stellungnahme im Ausschuss abzugeben, sondern für informelle Gespräche auf den Fluren.“

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Falls erforderlich, müssen Forschende vor der Anhörung eine schriftliche Stellungnahme einreichen. Sie sollten kurze und prägnante Aussagen vorbereiten und das Beantworten kurzer Fragen üben. Forschende sollten verstehen, dass Abgeordnete oft nur wenig Zeit haben, vorab umfangreiche schriftliche Stellungnahmen zu lesen. Deshalb sind neben dem Inhalt auch Länge, Struktur, Visualisierungen und Sprache der Stellungnahme entscheidend: Je leichter verständlich, desto wahrscheinlicher ist, dass die wichtigsten Botschaften im Gedächtnis bleiben.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten auch ihre Rolle reflektieren: Möchten sie nur Expertise zu einem Thema liefern oder für ein bestimmtes politisches Ergebnis werben? Im letzteren Fall sollten sie sich auf die Anhörung vorbereiten, indem sie Gesetzesentwürfe, Positionen der Abgeordneten sowie Stellungnahmen anderer eingeladener Expertinnen und Experten studieren.

Falls die Vertreterinnen und Vertreter des einladenden Ausschusses Leitfäden oder FAQ-Listen bereit stellen, sollten diese unbedingt gelesen werden. Sie enthalten hilfreiche Informationen zum Zugang zum Gebäude, zu Zeitlimits oder zur Erstattung der Reisekosten. Weitere Fragen, etwa zum Dresscode oder Anrede, können bei den Organisatorinnen und Organisatoren der Anhörung geklärt werden. Virtuelle Teilnahme wird zunehmend ermöglicht. Falls sich Gelegenheiten während Kaffeepausen oder Gesprächen auf dem Flur ergeben, können Forschende mit Vertreterinnen und Vertretern des Parlaments in einen informellen Austausch treten.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Damit Forschende von den Fraktionen als Sachverständige vorgeschlagen werden, müssen diese bei den Fraktionen bekannt sein. Häufig besteht schon persönlicher Kontakt. Aussagekräftige Webseiten, die die aktuelle Policy-Expertise aufzeigen, erleichtern die Recherche nach Expertinnen und Experten.

Mitarbeitende im Wissenstransfer können die Sichtbarkeit der Expertise ihrer Forschenden erhöhen, indem sie Veranstaltungen mit Teilnehmenden aus Parlamenten und Ministerien organisieren oder Newsletter oder soziale Medien nutzen. Sie können auch Forschende, die bereits an Anhörungen teilgenommen haben, zu ihren Erfahrungen befragen und auf dieser Basis kurze Leitfäden oder FAQ für ihre Forschenden erstellen. Sie können Forschende dabei unterstützen, ihre Expertise auf ihren eigenen Webseiten verständlich darzustellen.

Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung

Abgeordnete und deren Mitarbeitende müssen die Stellungnahmen vorab lesen und Fragen vorbereiten, die sie den Forschenden bei der Anhörung stellen wollen.

Benötigte finanzielle Mittel

Parlamente übernehmen in der Regel Reisekosten und zahlen eine Tagespauschale.

 

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Einführung in Science Shops

Was ist ein Science Shop?

„Science Shops sind Einrichtungen, die zivilgesellschaftlichen Institutionen, die nicht über die Mittel verfügen, um Forschung selbst zu finanzieren oder durchzuführen, Wissen zur Verfügung stellen. Science Shops können in andere Institutionen (Universitäten, Forschungseinrichtungen, Unternehmen) eingebettet sein oder als eigenständige Organisationen in Form von NGOs oder anderen gemeinnützigen Organisationen gegründet werden.“ (Leitfaden zur Gründung eines Science Shops)

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Ein Science Shop schafft einen Dialog zwischen zivilgesellschaftlichen Institutionen und der Forschungsgemeinschaft, um deren Initiativen zu unterstützen
  • Ein Science Shop befasst sich mit dem Austausch von Ideen und der Entwicklung geeigneter Lösungen
  • Für jedes Projekt werden öffentliches Feedback und/oder ein zugängliches Ergebnispapier genutzt, um alle daraus resultierenden Wissensempfehlungen verfügbar zu machen

 

Worum geht es bei diesem Format?

Vereine, Kommunalverwaltungen und Bürgerinitiativen benötigen manchmal spezifische Einblicke und Kenntnisse, um ihre Maßnahmen zu festigen, deren Wirkung zu bewerten oder neue Ansätze zu entdecken.

Die Science Shops bilden eine Brücke zwischen der Forschungsgemeinschaft und der Zivilgesellschaft und fördern den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen beiden. Dank des Raums für Austausch und Beobachtung bieten sie Möglichkeiten zum Experimentieren, insbesondere durch Seminare und Workshops.

Vereine, Bürgerinitiativen und Kommunalverwaltungen werden bei ihren Fragestellungen von Forschenden unterstützt, die Studierende in Form von Praktika, Challenges oder Gruppenarbeiten einbinden.

 

Wie funktioniert das Format?

  1. Aufruf zur Interessenbekundung  => Formulierung der Anfragen.

Dieser Aufruf zur Interessenbekundung läuft über einen relativ langen Zeitraum von etwa vier Monaten (in der Regel von Februar bis Mai), damit alle Anträge eingehen und gemeinsam ordnungsgemäß bearbeitet werden können.

Eine Frage von allgemeinem Interesse wird dem Science Shop vorgelegt, geprüft und in Abstimmung mit einem wissenschaftlichen Ausschuss neu formuliert, um eine fachliche Begleitung zu entwickeln.

  1. Der wissenschaftliche Ausschuss => Auswahl der Projekte.

Jedes Jahr beruft der Science Shop einen wissenschaftlichen Ausschuss ein, der sich aus Expertinnen und Experten zusammensetzt, die die im Rahmen des Aufrufs zur Interessenbekundung eingereichten Anträge prüfen und etwa fünfzehn Projekte auswählen, die im jeweiligen Jahr durchgeführt werden sollen. In einigen Fällen leitet der wissenschaftliche Ausschuss Anträge an andere Formate weiter.

  1. Konzeption und Verbreitung der Angebote => Bewerbungen und Vorstellungsgespräche
  2. Durchführung von Gruppen-Tutorial-Projekten und individueller Praktika

Anschließend wird vom Science Shop ein Team aus Forschenden oder Studierenden kontaktiert und zusammengestellt, um eine Feldstudie durchzuführen und gemeinsam mit diesen Akteuren der Zivilgesellschaft eine praktische Lösung für ihr Problem zu entwickeln.

  1. Die Abschlussarbeiten / Präsentationen / Vorstellung der Ergebnisse => Anwesenheit potenzieller politischer Entscheidungsträger

Eine öffentliche Präsentation und/oder eine allgemein zugängliche Abschlusspublikation machen das gesamte gewonnene Wissen zugänglich.

 

Aufgaben und Ressourcen

Es handelt sich um ein Programm zur Unterstützung der Projektbeteiligten, das den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen und der wissenschaftlichen Forschung fördert.

Es unterstützt Forschende, die den Kontakt zu verschiedenen Akteuren vor Ort suchen und an partizipativen Forschungsprojekten interessiert sind. Sie werden durch die Teilnahme an Seminaren und Workshops eingebunden und profitieren von zentralisierten Ressourcen zum Thema partizipative Forschung.

Der Science Shop bietet Forschenden die Möglichkeit, ein studentisches Einzel- oder Gruppenprojekt zu betreuen und die Umsetzung der Forschung gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren zu unterstützen.

Außerdem ermöglicht er ihnen, sich an der Erforschung und Förderung gesellschaftlicher Bedürfnisse zu beteiligen, sodass sie Partnerstrukturen für gemeinsame studentische Projekte oder persönliche Projekte finden und beraten können.

Bei groß angelegten Forschungsprojekten können sie auf das Fachwissen der externen Betreuer des Science Shops (Betreuer für partizipative Forschung) zurückgreifen.

 

Beispiele

Boutique des sciences der Universität Lumière Lyon 2 https://www.univ-lyon2.fr/sciences-et-societe/boutique-des-sciences

 

Quellen und weiterführende Literatur

Broschüre Boutique des Sciences ULL2: https://www.calameo.com/read/0074134546a08abe69437

Guide pratique de la recherche participative (Praktischer Leitfaden zur partizipativen Forschung, französische Version): https://lemouvementassociatif-aura.org/wp-content/uploads/bsk-pdf-manager/2024/11/GUIDE-RECHERCHE-PARTICIPATIVE.pdf

Website: das Vereinswesen: https://lemouvementassociatif-aura.org/nos-4-champs-actions/actions-innovation-sociale-associations-mouvement-associatif-auvergne-rhone-alpes/

Living Knowledge Network – das offizielle internationale Netzwerk von Science Shops und Community Based Research: https://livingknowledge.org/

Und der Leitfaden zur Gründung eines Science Shops (PDF-Version): https://www.scishops.eu/wp-content/uploads/2019/07/SciShops_D4.4_Guide.pdf.pdf

 

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