Skip to main content

Face-to-Face: Policy Fellowship Programme der Rhein-Main-Universitäten

Zentrale Merkmale auf einen Blick

  • Die Policy Fellowship Programme der Rhein-Main-Universitäten Darmstadt, Frankfurt und Mainz ermöglichen es Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung – etwa aus Landesministerien und Bundesministerien, der Europäischen Kommission und internationalen Organisationen, aus Nichtregierungsorganisationen sowie Journalistinnen und Journalisten – die Rhein-Main-Universitäten zu besuchen und persönliche Gespräche mit Forschenden zu führen.
  • Die Initiativen zielen darauf ab, Praktikerinnen und Praktikern wissenschaftliche Expertise zu den Themen bereitzustellen, mit denen sie sich beschäftigen, während Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Policy-Perspektiven auf ihre Forschung kennenlernen.
  • Bilanz: Seit 2016 haben 250 Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis 3.340 Gespräche mit Forschenden geführt.

Wie funktioniert das Format?

Die Rhein-Main-Universitäten – ein Zusammenschluss der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz – fördern den Dialog zwischen Forschenden unterschiedlicher Disziplinen und Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung durch persönliche Gespräche. Dafür wurden drei Policy Fellowship Programme etabliert: das Mercator Science-Policy Fellowship Programme, das Science Meets Regions Fellowship sowie das ENGAGE Policy Fellowship.

Diese Programme folgen einer sehr ähnlichen Struktur: Die Rhein-Main-Universitäten veröffentlichen Ausschreibungen (Calls for Application) an Landes- und Bundeseinrichtungen, EU-Institutionen, internationale Organisationen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Medien.

Bei der Bewerbung müssen die interessierten Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis in Motivationsschreiben darlegen, wie ihre Arbeit mit dem Austausch mit Forschenden profitieren kann. Zudem müssen sie eine Liste von Fragen einreichen, die sie mit unseren Forschenden diskutieren möchten. Nach Aufnahme in das Programm erhalten die Teilnehmenden eine umfassende Liste mit Forschenden, mit denen sie sich treffen können. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung geben Feedback zur Liste. Das Team Transfer in Politik und Gesellschaft an der Universität Frankfurt koordiniert die Treffen zwischen Forschenden und Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung.

Jede Fellowship-Kohorte besucht gemeinsam zweimal die Region Frankfurt/Rhein-Main. Akteure in Politik und Verwaltung haben rund acht Gespräche mit Forschenden pro Besuch. Hat ein Policy Fellow künftig Bedarf an Expertise, steht bereits ein Netzwerk von 16 Forschenden zur Verfügung, die sie getroffen haben und fragen können. Umgekehrt können auch die Forschenden Kontakt zu Ihren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern aus der Praxis aufnehmen, um sie über aktuelle Forschungsergebnisse zu informieren. Unsere Auswertungen zeigen: Die teilnehmenden Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung sowie die Forschenden sind mit den Programmen sehr zufrieden. Beide Seiten schätzen insbesondere die Zeiteffizienz und organisatorische Unterstützung durch das Team für den Austausch mit Politik und Verwaltung.

Diese persönlichen Gespräche führten zu zahlreichen Folgeaktivitäten wie gemeinsamen Veranstaltungen, Vorträgen von Forschenden bei Institutionen aus Politik und Verwaltung sowie zu Verbundforschungsprojekten in der Forschung.

Unser Fellowship Programm bringt Fachleute in hunderten Gesprächen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die sie sonst nie kennengelernt hätten. Unsere Evaluationen zeigen, dass etwa die Hälfte der Forschenden vor ihrer Teilnahme an unserem Programm keinen oder nur gelegentlichen Kontakt mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Verwaltung hatte. Die gleiche Beobachtung trifft auf die teilnehmenden Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung zu.

Die Dialoginitiative zeigt somit das große Potenzial von Programmen, die Forschende sowie Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung zusammenbringen.

 

Herausforderungen (und wie man ihnen begegnet)

Eine sehr praktische Herausforderung ist die Terminierung der Gespräche mit unseren Forschenden, die häufig nicht täglich an den Universitäten präsent sind. Daher beginnen wir mit der Planung bereits drei Monate im Voraus.

Eine weitere Herausforderung besteht in dem Verständnis der Forschenden darüber, wie divers die Policy Fellows sind: Manche verfügen über tiefgehendes Fachwissen über die Themen, die sie diskutieren möchten; sie stellen gezielte Fragen wie „Wie beeinflusst die Nutzung von Smartphones die Lesekompetenz von Kindern in der Grundschule?“. Andere wiederum interessieren sich für eher „große Fragen“ in ihrem Politikfeld (z.B. „Wie stabil sind Finanzmärkte?“) – während einige Policy Fellows die Zeit nutzen, um sich einen Überblick über unvertraute Themen zu schaffen (z.B. „Was sind Algorithmen?“).

Umgekehrt sprechen manche Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung mit Forschenden, die bereits viel Erfahrung im Bereich Politikgestaltung haben, während andere zum ersten Mal mit Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung sprechen.

Wir haben FAQ-Listen für Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung sowie Forschende vorbereitet und sie über das Programm mittels bilateraler Telefonate, Zoom-Gespräche und Einführungstreffen (Induction Event) informiert.

 

Aufgaben und Ressourcen

Forschende

Für Forschende sind die Programme sehr effizient: Da die Gespräche informell sind, müssen sie nicht viel Zeit in die Vorbereitung investieren – lediglich die Themen der Policy Fellows sollten im Vorfeld gelesen werden.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Die Rhein-Main-Universitäten haben zwei neue Stellen geschaffen, um ihre Policy-Dialogformate zu koordinieren. Die Aufgaben umfassen das Bewerbungsmanagement, die Auswahl geeigneter Expertinnen und Experten für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, die Unterstützung bei organisatorischen Fragen, die Terminierung von rund 350 Gesprächen pro Jahr und anderes. Die Programme sind in Bezug auf die Unterstützungsstrukturen ressourcenintensiv, da rund 16 Gespräche individuell auf die Bedürfnisse eines Policy Fellow abgestimmt werden.

Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung

Die Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung müssen eine Bewerbung einreichen, was einige Stunden Vorbereitungszeit erfordert. Zudem wird empfohlen, für jedes der 16 Gespräche mit den Forschenden etwa 30 Minuten Vorbereitung einzuplanen. Die Gespräche mit den Forschenden werden dann durchführt. Die Policy Fellows werden um Teilnahme an Vorbereitungsveranstaltungen, einem Feedback-Gespräch sowie zwei Evaluationsrunden gebeten.

Erforderliche Finanzierung

Rund 80 % unseres Budgets werden für die Finanzierung von zwei Vollzeitstellen ausgegeben.          Ein kleineres Budget für gemeinsame Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und Reisen steht zur Verfügung.

Die Stiftung Mercator finanziert etwa 60 % unserer Mittel. Die EU und die drei Rhein-Main-Universitäten steuern jeweils rund 20 % bei. Die Policy Fellows übernehmen die Kosten für die Reise in die Region Frankfurt/Rhein-Main, Unterkunft und Abendessen.

Wir fordern keine Teilnahmegebühren von den Policy Fellows; andere Institutionen, wie zum Beispiel das Centre for Science and Policy der Universität Cambridge oder die ETH Zürich, tun dies für ihre Policy Dialog Projekte.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Tome Sandevski. Wie die Rhein-Main-Universitäten den Wissensaustausch zwischen Forschern und politischen Entscheidungsträgern durch persönliche Treffen fördern. Blog „Knowledge of Policy“. 15. August 2023. https://knowledge4policy.ec.europa.eu/blog/how-rhine-main-universities-promote-knowledge-exchange-between-researchers-policymakers-face-0_en

 

Kontakt

Tome Sandevski

Head of Policy Engagement Unit

Goethe-University Frankfurt

Science-policy@uni-frankfurt.de

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren oder Ihre Erfahrung teilen?

Überlegen Sie, einen Beitrag für das Policy Engagement Toolkit zu verfassen? Konnten Sie die in diesem Beitrag vorgestellten Inhalte nutzen? Wenn ja, teilen Sie uns das gerne mit!

Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de


Tome Sandevski

Tome Sandevski ist Programmmanager Science-Policy Dialog an der Goethe-Universität Frankfurt und koordiniert die gemeinsamen Policy-Dialogformate der Rhein-Main-Universitäten (Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Er konzipiert und leitet regelmäßig Fortbildungen zur wissenschaftlichen Politikberatung für Forschende und WissenschaftsmanagerInnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere