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Auftragsforschung und das Erstellen von Gutachten

Worum geht es bei diesem Format?

  • Auftragsforschung ermöglicht es Vertreterinnen und Vertretern in Politik und Verwaltung, wissenschaftliches Fachwissen zur Beurteilung politischer Gestaltungsprozesse zu erhalten
  • Wissenschaftliche Auftragsarbeiten können Evaluierungen, Factfinding, Umfragen, Machbarkeitsstudien oder Prognosen umfassen; sie variieren in Umfang und Länge

Wie funktioniert dieses Format?

Auftragsforschung ist ein etabliertes Format, über das Akteure und Akteurinnen in Politik und Verwaltung wissenschaftliches Fachwissen erwerben. So können sie beispielsweise Gutachten in Auftrag geben, um

  • ein Gesetz, ein Förderprogramm oder andere politische Initiativen zu bewerten (z. B. Fragen wie „Haben die gesetzlichen Vorschriften die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor gesenkt?“ „Warum haben nur wenige Unternehmen staatliche Fördermittel für die Einführung energieeffizienter Technologien in ihren Produktionsanlagen beantragt?“)
  • Fakten zu ermitteln und Umfragen durchzuführen (z. B. „Welche Auswirkungen haben Mikroplastikpartikel auf die Fischpopulationen in Flüssen?“ „Wie zufrieden sind die Bürger mit dem öffentlichen Nahverkehr?“)
  • Machbarkeitsstudien durchzuführen (z. B. „Ist es technisch möglich und wirtschaftlich machbar, die Buchhaltungssoftware in Behörden zu ändern?“ „In welchen Bergwerken kann Atommüll gelagert werden?“)
  • Prognosen erstellen zu lassen („Wie viele ältere Menschen werden in 20 Jahren in Pflegeheimen leben?“ „Wie wird sich der Klimawandel auf die Ernährungssicherheit auswirken?“)

Auftragsforschung unterscheidet sich hinsichtlich des Umfangs, der Dauer und des Budgets. Sie reicht von kleineren Projekten, die ein einzelner Wissenschaftler oder eine einzelne Wissenschaftlerin innerhalb einer Woche abschließen kann, bis hin zu Großprojekten, an denen Dutzende von Wissenschaftlern über mehrere Jahre hinweg mitwirken.

Sie kann sich auch hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen „Veröffentlichungsfähigkeit“ unterscheiden: Je nach Fachgebiet und Art der Forschung können Gutachten im Rahmen der Auftragsforschung als reguläre wissenschaftliche Publikationen verfasst werden. Oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen sich an ungewohnte Forschungsformen hinsichtlich der Forschungsfragen, der Struktur und des Formats anpassen.

Alle staatlichen Stellen und politischen Parteien können Forschungsberichte in Auftrag geben. Eine gängige Vorgehensweise hierfür ist die Veröffentlichung einer Ausschreibung, in der das Ziel und das Budget der beauftragten Forschungsarbeit dargelegt werden. Je nach Art der Forschungsarbeit stehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Einreichung eines Angebots möglicherweise im Wettbewerb mit Think Tanks, Beratungsunternehmen, NGOs, Anwaltskanzleien und anderen Unternehmen.

Es gibt zahlreiche Modelle für Verträge oder Vereinbarungen zwischen Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern. Sollten die folgenden Punkte in den Ausschreibungen nicht berücksichtigt worden sein, sollten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen diese vor der Bewerbung oder der Vertragsunterzeichnung ansprechen:

  • Wird der in Auftrag gegebene Forschungsbericht veröffentlicht? Wenn ja, erfolgt die Veröffentlichung sofort oder erst nach einer Sperrfrist? Dürfen die Studien auf den Webseiten der Forschenden veröffentlicht werden?
  • Wem gehören die Forschungsergebnisse und Daten? Dürfen sie für andere Forschungsprojekte verwendet werden?
  • Wem gehört das Urheberrecht? Dürfen die Forschenden die Studien als eigenständige wissenschaftliche Publikationen oder Teile davon in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlichen?
  • Wie detailliert und streng sind die Vertragsbedingungen? Können diese während des Projekts angepasst werden? Dürfen im Rahmen der Untersuchung etwa die Forschungsfrage oder die Methodik angepasst werden? Können im Rahmen des Auftrags auch weitere Aspekte untersucht werden? Können etwa im Rahmen einer Umfrage weitere Fragen hinzugefügt werden, die aus wissenschaftlichen Gründen für die Forschenden sehr spannend sind?
  • Erwarten die Auftraggeber Zwischenberichte oder Zwischenergebnisse?
  • Wer wird die in Auftrag gegebene Studie lesen? Mitarbeitende in einem oder mehreren Referaten? Generalisten oder Spezialisten?
  • Müssen die Forschenden Handlungsempfehlungen formulieren oder Handlungsoptionen bewerten?
  • Welche Posten deckt das Budget ab? Gibt es auch ein Budget für Reisen, Workshops und Transferaktivitäten?

Diese Fragen müssen vor Beginn von Forschungsprojekten geklärt werden. Auftragsforschung ist für viele wissenschaftliche Einrichtungen eine wichtige Einnahmequelle. Viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sehen jedoch von der Durchführung von Auftragsforschung ab, wenn sie wissen, dass der Forschungsbericht nicht als wissenschaftliche Veröffentlichung gilt.

Dieses Problem ließe sich möglicherweise lösen, wenn zwei Ergebnisse im Blick behalten werden: die in Auftrag gegebene Studie und eine Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift (z. B. ein begutachteter Artikel). Diese Aspekte müssen vorab mit dem Auftraggeber besprochen werden.

Forschende, die erstmalig Auftragsstudien durchführen und sich hinsichtlich Struktur, Schreibstil, Layout und Visualisierungen unsicher sind, können sich an bereits veröffentlichte Auftragsstudien an, sofern diese öffentlich zugänglich sind. Sie können die Auftraggeber fragen, ob sie Ihnen Berichte empfehlen können, die Ihnen hinsichtlich Struktur, Schreibstil und Layout als Orientierung dienen können.

Die Interessen und Vorkenntnisse der potenziellen Leserinnen und Leser müssen berücksichtigt werden: Hat ein Referat einer Behörde ein Gutachten zu einem technischen Thema in Auftrag gegeben, das höchstwahrscheinlich nur von wenigen Expertinnen und Experten im jeweiligen Referat gelesen wird? Oder hat ein Ausschuss im Parlament eine umfassende Studie zu einem umstrittenen politischen Thema in Auftrag gegeben, die im Plenum debattiert wird und zu Medienberichterstattung führt?

Auftragsforschung bietet die Möglichkeit, in einen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung zu treten, der sich nicht auf die Abgabe der Studie beschränken sollte. Daher sollten Forschende persönliche oder virtuelle Treffen anbieten, um über Zwischenergebnisse zu informieren.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Neben der Erstellung eines Angebots müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Analyse durchführen und die Studie verfassen. Je nach Vertrag müssen unter Umständen auch Zwischenberichte erstellt oder Forschungsergebnisse im Rahmen von Fachveranstaltungen oder Fachgesprächen präsentiert werden. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen müssen Wochen oder Monate in das beauftragte Forschungsprojekt investieren, was sie von ihrer regulären Arbeit abhalten könnte.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Mitarbeitende im Transfer oder Wissenschaftsmanagement können regelmäßig Newsletter, Ausschreibungsportale und ähnliche Websites überprüfen und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an ihren Einrichtungen über relevante Ausschreibungen informieren.

Sie können den Wissenschaftlern gute Beispiele zeigen und ihnen bei der Struktur oder dem Schreibstil helfen, wenn diese mit Auftragsforschung noch nicht vertraut sind.

Mitarbeitende in Politik und Verwaltung

Die politischen Auftraggeber müssen Informationen zu Zielen, Umfang und Budget bereitstellen. Eine Liste mit häufig gestellten Fragen und Leitlinien ist für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehr hilfreich.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Europäische Union. 2026. Öffentliches Beschaffungswesen, Ausschreibungen und Aufträge innerhalb der Europäischen Union, Zugriff am 05. Juni 2026.

Bund.de, Service Online.2026. Ausschreibungen der öffentlichen Hand, Zugriff am 05. Juni 2026. https://www.service.bund.de/Content/DE/Ausschreibungen/Suche/Formular.html

 

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Tome Sandevski

Tome Sandevski ist Programmmanager Science-Policy Dialog an der Goethe-Universität Frankfurt und koordiniert die gemeinsamen Policy-Dialogformate der Rhein-Main-Universitäten (Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Er konzipiert und leitet regelmäßig Fortbildungen zur wissenschaftlichen Politikberatung für Forschende und WissenschaftsmanagerInnen.

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