Wie lässt sich wissenschaftliche Expertise mit der politischen Entscheidungsfindung verbinden?
Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick
- Ziel: Schaffung eines klaren Rahmens für die effektive Verbindung von akademischer Forschung und Politikgestaltung, um sicherzustellen, dass Forschungsdaten als Grundlage für lokale Entscheidungen dienen
- Ansatz: Zu den Strategien gehören der regelmäßige Austausch zwischen Forschenden und politischen Entscheidungsträgern, die Verbreitung von Daten durch interaktive Workshops und Konsultationen sowie die Nutzung digitaler Plattformen, um ein kontinuierliches Feedback zu gewährleisten
- Ergebnis: Die Entwicklung datengestützter politischer Maßnahmen, die mit den lokalen Entwicklungszielen im Einklang stehen und die öffentlichen Dienstleistungen, das Wirtschaftswachstum und die Nachhaltigkeit auf regionaler Ebene verbessern
Beschreibung
Die Verknüpfung von Forschungskompetenz mit der Politikgestaltung auf lokaler Ebene ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in politische Entscheidungen einfließen, die die regionale Entwicklung beeinflussen.
Dieser Prozess beinhaltet die Überbrückung der Kluft zwischen wissenschaftlicher Forschung und praktischen, realisierbaren Lösungen, die politische Entscheidungsträger umsetzen können. Durch die Einbindung der Forschung in Entscheidungsprozesse wird es möglich, evidenzbasierte politische Maßnahmen zu entwickeln, die nicht nur auf Daten basieren, sondern auch auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Dieser Beitrag untersucht Strategien, um Forschende mit lokalen politischen Entscheidungsträgern zu vernetzen, eine effektive Kommunikation zu fördern und Forschungsdaten zur Gestaltung politischer Entscheidungen zu nutzen.
Wie funktioniert dieses Format?
- Interaktion zwischen Forschenden und politischen Entscheidungsträgern.
Der Prozess wird in der Regel von Wissensvermittlern oder Forschungsmanagern innerhalb der Universität initiiert und koordiniert, die als Vermittler zwischen Forschenden und politischen Entscheidungsträgern fungieren. Sie richten regelmäßige Kommunikationskanäle ein – wie interaktive Workshops, Beratungsrunden oder gemeinsame Planungssitzungen – in denen Forschende eingeladen werden, Erkenntnisse und Daten zu präsentieren, die direkt in lokale politische Entscheidungen einfließen können.
- Nutzung von Forschungsdaten zur Beeinflussung der Politikgestaltung auf lokaler Ebene. Ein entscheidender Bestandteil dieses Prozesses ist die Sicherstellung, dass Forschungsdaten für politische Entscheidungsträger relevant und zugänglich sind. Dies kann durch die Erstellung von Policy Briefs, Tools zur Datenvisualisierung und interaktiven Berichten erreicht werden, die komplexe Forschungsergebnisse in umsetzbare Erkenntnisse umwandeln. Forschende können mit Kommunalverwaltungen zusammenarbeiten, um wichtige Erkenntnisse hervorzuheben, die sich mit spezifischen regionalen Themen wie Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und öffentliche Gesundheit befassen.
So könnten beispielsweise Forscher der Universität Granada sozioökonomische Forschungsergebnisse zu lokalen Entwicklungstrends im Zusammenhang mit der ökologischen und digitalen Wende präsentieren – wie nachhaltige Landnutzung, Klimaanpassung, die Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen oder die digitale Kluft – sowie Forschungsergebnisse zur Erhaltung des archäologischen Erbes und datengestützte Empfehlungen unterbreiten, die mit den politischen Zielen der Stadterneuerung oder des Kulturerhalts im Einklang stehen.
- Feedback und kontinuierliches Engagement. Eine erfolgreiche Verbindung zwischen Forschung und Politik erfordert kontinuierliches Engagement. Forschende sollten nicht nur ihre Ergebnisse teilen, sondern sich auch aktiv am Prozess der politischen Umsetzung beteiligen. Dies kann durch dialogorientierte Folgekonsultationen geschehen, wie beispielsweise Treffen oder Workshops mit politischen Entscheidungsträgern, die durch schriftliches Feedback oder kurze analytische Notizen ergänzt werden können. Diese Interaktionen ermöglichen es den Forschenden, zu beurteilen, wie ihre Erkenntnisse angewendet wurden, und ihre Strategien entsprechend anzupassen. Die kontinuierliche Interaktion zwischen Forschenden und politischen Entscheidungsträgern ermöglicht es, politische Maßnahmen zu verfeinern, sobald neue Daten vorliegen, und stellt sicher, dass Entscheidungen flexibel bleiben und auf sich wandelnde lokale Bedürfnisse reagieren können.
- Nutzung digitaler Plattformen für den kontinuierlichen Austausch. Digitale Plattformen wie die Website von Impronta Granada spielen eine entscheidende Rolle dabei, die Sichtbarkeit von Forschungsprojekten zu gewährleisten und sicherzustellen, dass Forschungsergebnisse für lokale Akteure kontinuierlich zugänglich sind. So ermöglichen es solche Plattformen den Forschern beispielsweise, Projektaktualisierungen, Ergebnisse und Empfehlungen zu teilen, wodurch es für lokale politische Entscheidungsträger einfacher wird, den Forschungsfortschritt zu verfolgen und ihre politischen Entscheidungen an die aktuellen Daten anzupassen.
Herausforderungen (und mögliche Lösungsansätze)
- Komplexität der Forschungsdaten.
Wissenschaftliche Forschung ist oft komplex, und es kann eine Herausforderung sein, sie in klare, umsetzbare politische Empfehlungen für Kommunalverwaltungen zu übersetzen. Entscheidend für diesen Prozess ist es, sicherzustellen, dass Forschende in der Lage sind, ihre Ergebnisse zu vereinfachen und dabei ihre wissenschaftliche Integrität zu wahren. So müssen beispielsweise quantitative Forschungsergebnisse zu Bodengesundheit, Klimaanpassung oder digitaler Inklusion möglicherweise in klare Indikatoren, visuelle Zusammenfassungen oder Policy Briefs übersetzt werden, die die Auswirkungen auf die lokale Planung oder Bereitstellung von Dienstleistungen hervorheben, anstatt detaillierte methodische Erläuterungen zu liefern.
- Einbindung von Interessengruppen.
Die Einbindung von politischen Entscheidungsträgern in den Forschungsprozess ist nicht immer einfach. Kommunalbehörden haben möglicherweise konkurrierende Prioritäten, und die Integration von Forschungsexpertise in politische Rahmenbedingungen kann erhebliche Anstrengungen erfordern, um bürokratische Hürden zu überwinden.
Aufgaben und Ressourcen
Wissenschaftler
- Aufgaben
○ Präsentation von Forschungsergebnissen
○ Erstellung von Policy Briefs
○ Teilnahme an gemeinsamen Workshops mit politischen Entscheidungsträgern
- Erforderliche Ressourcen
○ Zeit für die Verbreitung von Forschungsergebnissen und die Teilnahme an Veranstaltungen
○ Kommunikationsmittel zur Präsentation von Forschungsdaten gegenüber politischen Entscheidungsträgern
Manager*innen für Wissensaustausch und Forschung
- Aufgaben
○ Koordination der Einbindung von Forschenden in die Zusammenarbeit mit lokalen politischen Entscheidungsträgern
○ Moderation von Workshops
○ Sicherstellung, dass Forschungsergebnisse zugänglich und für die Bedürfnisse der lokalen Verwaltung relevant sind
- Erforderliche Ressourcen
○ Digitale Plattformen zur Verbreitung von Forschungsergebnissen und für kontinuierliches Feedback
○ Unterstützung bei der Organisation gemeinsamer Workshops und Konsultationen
Politische Entscheidungsträger
- Aufgaben
o Einbeziehung von Forschungsdaten in die lokale Politik und Bereitstellung von Ressourcen für forschungsgestützte Initiativen.
- Erforderliche Ressourcen
○ Politische Fachkompetenz zur Interpretation von Forschungsdaten und deren Einbeziehung in die Entscheidungsfindung
○ Finanzielle und administrative Ressourcen zur Unterstützung von Forschungsanträgen in lokalen Entwicklungsprojekten
Beispiele
UGR County Councils bezeichnet die von der Universität Granada (UGR) im Rahmen des Erasmus+-Projekts ENGAGEgreen geleitete Initiative, deren Ziel es ist, die Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen Forschern, Kommunalverwaltungen und Akteuren aus den Gemeinden zu fördern. Im Mittelpunkt dieser Initiative steht die Auseinandersetzung regionaler Herausforderungen durch gemeinsam erarbeitete, forschungsbasierte Lösungen. Das zweite Impronta-Granada-Treffen ist die dritte Pilotveranstaltung, die von der UGR im Rahmen dieses Projekts organisiert wurde und bei der Forschende, politische Entscheidungsträger und lokale Gemeinschaften zusammenkamen, um Strategien für eine nachhaltige Entwicklung in ländlichen und städtischen Gebieten zu erörtern und zu entwickeln
Die Initiative „UGR County Councils“ spielte eine entscheidende Rolle bei der Vernetzung von Forschenden und politischen Entscheidungsträgern. Im Rahmen von Online-Vorbereitungssitzungen und interaktiven Workshops wurde die Initiative von der Universität Granada über ihre Strukturen zum Wissensaustausch koordiniert, die Forscher der UGR einluden, ihre Forschungsprojekte vorzustellen. Diese Projekte wurden in einer Excel-Datenbank erfasst und über die Impronta Granada-Website veröffentlicht. Die Website ermöglichte es politischen Entscheidungsträgern, die Profile der UGR-Forscher einzusehen, diese nach Kreisrat zu filtern und zu verstehen, inwiefern ihre Forschung mit den Bedürfnissen der regionalen Entwicklung übereinstimmte. Diese Bemühungen gipfelten im zweiten Impronta-Granada-Treffen, bei dem Forscher ihre Projekte in Kurzvorträgen präsentierten und direkt mit lokalen Behörden und Unternehmen in Kontakt traten, um die praktischen Anwendungsmöglichkeiten ihrer Forschungsergebnisse zu erörtern. Dieser Prozess stellte sicher, dass Forschungsdaten zugänglich und sichtbar waren und in den politischen Entscheidungsprozess auf lokaler Ebene integriert wurden.
Quellen und weiterführende Literatur
● Impronta-Granada-Website – Impronta-Granada-Akteurprofile und UGR-Projekte in den Bezirksräten.
● Offizielle Berichterstattung über das zweite Impronta Granada-Treffen – Veranstaltung „Universität und Territorium“: https://improntagranada.es/impronta/ii-impronta-granada-meeting-strengthens-the-university-territory-alliance-in-loja/
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