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Universitäre Living Labs als Beitrag zur „Fünffach-Helix“

Medialab UGR, Impronta Granada und ihr regionaler Ansatz

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Universitäre Living Labs als Räume für offene und experimentelle Innovation, die Wissenschaft, Politik und Gesellschaft miteinander verbinden
  • Territorialer Fokus durch partizipative Strukturen auf Kreisebene in der gesamten Provinz Granada
  • Einbindung des „Quintuple-Helix“-Modells (Wissenschaft, Regierung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Umwelt)
  • Praxisorientierte Beteiligungsformate wie Co-Creation-Workshops, Policy Labs und Veranstaltungen zum Thema Wissenschaft und Politik
  • Koordiniert vom Medialab UGR im Rahmen der Initiative „Impronta Granada“ und des ENGAGEgreen-Projekts

Beschreibung

Dieser Beitrag untersucht die Rolle universitärer „Bürgerlabore“ als Räume für soziale Innovation, kollaborative Governance und inklusives Engagement. Ausgehend vom Fallbeispiel des Medialab UGR und dessen Dachinitiative „Impronta Granada“ analysiert die Studie, wie öffentliche Universitäten als Vermittler regionaler Innovationsökosysteme fungieren können. Im Mittelpunkt steht der Einsatz von zehn sogenannten „Living Labs“, den „UGR County Councils“, die auf den Modellen der „Quadruple Helix“ und der sich weiterentwickelnden „Quintuple Helix“ basieren.

Diese Labore haben es über 230 Teilnehmende aus Wissenschaft, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft ermöglicht, gemeinsam nachhaltige, ortsbezogene Lösungen für regionale Herausforderungen zu entwickeln. Die Methodik umfasste einen vierphasigen Prozess, der Schulungen, gemeinsame Gestaltung und kontinuierliche Evaluation beinhaltete.

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen die Entwicklung gezielter Aktionspläne und die Anbahnung von Dialogen zwischen Wissenschaft und Politik, die auf lokalem Wissen basieren. Die Studie hebt den strategischen Wert von Universitäten als politische und wissenschaftsbasierte Akteure hervor, die in der Lage sind, zwischen Wissen und demokratischer regionaler Governance zu vermitteln. Sie schließt mit Erkenntnissen und Empfehlungen für die europaweite Ausweitung dieses Modells und schlägt einen kontextbezogenen, effektiven und inklusiven Innovationsansatz vor, der die Umwelt und die Region als aktive Akteure anerkennt.

 

Wie funktioniert das Format?

Hauptziel und Relevanz. Dieser Beitrag zielt darauf ab, eine methodische Fallstudie zu dokumentieren, die die Umsetzung eines von einer Universität geleiteten Living-Lab-Ökosystems auf der Grundlage des Quintuple-Helix-Modells veranschaulicht.

Er liefert einen detaillierten Überblick darüber, wie Universitäten als vermittelnde Infrastrukturen zwischen Wissenschaft und öffentlicher Verwaltung fungieren und Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Politik fördern können, die auf regionale und ökologische Herausforderungen reagieren.

Der Fall ist für Akteure relevant, die sich für partizipative Governance, ortsbezogene Innovation und regionale Entwicklung interessieren.

Hintergrundinformationen. Das Medialab UGR, das dem Vizerektorat für soziale Innovation, Beschäftigung und Unternehmertum angegliedert ist, fungiert als Labor für soziale Innovation der Universität Granada.

Im Rahmen seines strategischen Programms „Impronta Granada“ hat es zehn UGR-Bezirksräte als thematische Living Labs in der gesamten Provinz eingerichtet. Diese Räte setzen eine „Quintuple-Helix“-Struktur um und beziehen verschiedene regionale Akteure in die Identifizierung, Analyse und Bewältigung regionsspezifischer Herausforderungen ein.

Dieses Modell stellt einen Wandel vom traditionellen linearen Wissenstransfer hin zu einem dezentralen und systemischen Innovationsansatz dar.

 

Methodischer Ansatz

Die Umsetzung erfolgte nach einer vierphasigen Methodik:

  1. interne Rekrutierung und Einbindung akademischer Teilnehmender mit regionalem Bezug;
  2. Ausweitung auf Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung, zivilgesellschaftliche Organisationen und Akteure aus der Wirtschaft;
  3. Workshops zum Kapazitätsaufbau und zur gemeinsamen Gestaltung;
  4. Überwachung und Bewertung. Ein partizipatives Registrierungssystem erfasste über 230 Teilnehmende, segmentiert nach Helix-Zugehörigkeit, thematischem Interesse und geografischer Verbindung.

Zu den Instrumenten gehörten Online-Seminare, thematische Gesprächsrunden, SWOT-Analysen und Umfragen. Die Methodik legte den Schwerpunkt auf Relationalität, Territorialität und die gemeinsame Gestaltung durch verschiedene Akteure.

 

Figure 1. Overview of the Impronta Granada project; Source: authors’ own schematic.

 

Kernaktivitäten

  • Interne Ausschreibung und Einbindung von wissenschaftlichem und Verwaltungspersonal der UGR, koordiniert vom Medialab UGR im Rahmen der Initiative „Impronta Granada“
  • Ermittlung regionaler Bezüge durch die Teilnehmenden (Gemeinde, Landkreis, thematische Schwerpunkte)
  • Aufbau von zehn geografisch verteilten UGR-Bezirksräten
  • Seminare zum Kapazitätsaufbau zur Einführung in die Methoden von Living Lab und Quintuple Helix
  • Co-Creation-Sitzungen beim I. Impronta Granada-Treffen (Januar 2025)
  • Gemeinsame Gesprächsrunden und thematische Seminare
  • Evaluierungsumfragen und Wirkungsanalysen

 

Ergebnisse

  • Über 230 Teilnehmende schlossen sich den Räten an und repräsentierten dabei alle Bereiche
  • Acht gemeinsam erarbeitete Aktionspläne, die auf konkrete Prioritäten der Landkreise abgestimmt sind
  • Mehr als fünfzehn öffentliche und interne Veranstaltungen wurden durchgeführt
  • Großes Interesse auf europäischen und internationalen Foren geweckt
  • Nachweis der Fähigkeit, wissenschaftspolitische Dialoge zu lokalen Themen anzustoßen
  • Stärkung der erkenntnistheoretischen Legitimität nicht-akademischen Wissens
  • Etablierung eines hybriden Governance-Modells mit dezentraler Koordination

 

Gewonnene Erkenntnisse

  • Die regionale Verankerung von Innovationsprozessen stärkt das Engagement und die Legitimität
  • Flexible Steuerungsstrukturen tragen den vielfältigen regionalen Dynamiken Rechnung
  • Politische und institutionelle Unterstützung ist für die Nachhaltigkeit unerlässlich
  • Hybride (Online-Offline-)Formate demokratisieren die Teilhabe
  • Gemeinsames Gestalten funktioniert am besten, wenn es mit symbolischer Anerkennung (Zertifikate, Auszeichnungen) einhergeht

 

Übertragbarkeit

Das „Impronta Granada“-Modell ist skalierbar und lässt sich auch auf andere Regionen übertragen, die universitätsgeführte regionale Living Labs etablieren möchten. Es erfordert nur minimale Infrastruktur, stützt sich auf Open-Source-Methoden und profitiert von der Ausrichtung an EU-Rahmenwerken wie der „Urban Agenda“, „Horizon Europe“ und „Erasmus+“. Der Ansatz ist besonders relevant für ländliche oder dezentrale Gebiete, die partizipative Ökosysteme der öffentlichen Politik aktivieren möchten.

 

Verbindung zur Vierfach-/Fünffach-Helix

Ursprünglich im Rahmen der Vierfach-Helix konzipiert, übernehmen die Bezirksräte der UGR ausdrücklich das Fünffach-Helix-Modell, indem sie ökologische und regionale Dimensionen als Mitgestalter von Innovation einbeziehen. Diese Erweiterung definiert die Rolle des Ortes neu und erkennt ihn sowohl als erkenntnistheoretischen als auch als politischen Akteur an. Ökologische Nachhaltigkeit, Landschaftsgedächtnis und regionales Wissen prägen die Phasen der Agenda Bestimmung und der Lösungsfindung in den Labs.

Figure 2. The Quintuple Helix Model; Source: authors’ own schematic

Figure 3. Distribution of Quadruple Helix Participants in the UGR County Councils; Source: authors’ own schematic

Herausforderungen

  • Asymmetrien hinsichtlich der Erwartungen, der Sprache und der Zeitrahmen zwischen Forschenden und der öffentlichen Verwaltung
  • Begrenzte institutionelle Anreize oder Anerkennung für wissenschaftlich Mitarbeitende, die sich an politikorientierten Initiativen beteiligen
  • Notwendigkeit ständiger Vermittlung und Moderation, um eine Fragmentierung zu vermeiden und einen produktiven Dialog zu gewährleisten
  • Ausweitung lokaler Maßnahmen unter Wahrung der territorialen Relevanz und des Vertrauens der Bevölkerung

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

  • Lokale und regionale Herausforderungen identifizieren und in forschungsgestützte Fragestellungen und Rahmenkonzepte umsetzen
  • An Co-Creation-Prozessen und Workshops gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung, der Zivilgesellschaft und anderen Interessengruppen teilnehmen
  • Fachliches Know-how in die interdisziplinären Problemlösungsbemühungen innerhalb des Living Labs einbringen
  • Als Vermittler für evidenzbasierte Entscheidungsfindung fungieren und wissenschaftliche Erkenntnisse in die öffentliche Debatte einbringen
  • An der Entwicklung und Bewertung partizipativer Methoden und Instrumente mitwirken, die im Living Lab zum Einsatz kommen
  • Ergebnisse in leicht verständlicher Form an ein nicht-akademisches Publikum, einschließlich lokaler Behörden, vermitteln

Managerinnen und Manager für Wissensaustausch und Forschung

  • Konzeption und Koordination der Gesamtstruktur des Living Labs unter Gewährleistung der Abstimmung mit institutionellen und territorialen Zielen
  • Förderung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Forschenden, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft
  • Vermitteln zwischen den Erwartungen und Zeitplänen von Wissenschaft und öffentlicher Verwaltung, um eine effektive gemeinsame Gestaltung zu ermöglichen
  • Verantworten die Logistik, Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation von Aktivitäten (z. B. Workshops, Policy Labs, Treffen)
  • Überwachen und Bewerten der Auswirkungen der Interaktionen zwischen Wissenschaft und Politik und so einen Beitrag zur kontinuierlichen Verbesserung leisten
  • Unterstützen der institutionellen Verankerung und langfristiger Nachhaltigkeit von Living-Lab-Initiativen

Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung

  • Lokale und regionale politische Herausforderungen aufgreifen, die im Rahmen des Living Labs gemeinsam angegangen werden sollen
  • Sich aktiv an Co-Design-Sitzungen und Workshops gemeinsam mit Wissenschaftlern und anderen Interessengruppen beteiligen
  • Praktische und regulatorische Erkenntnisse einbringen, die in die Entwicklung realistischer und umsetzbarer Vorschläge einfließen
  • Erleichtern des Zugangs zu lokalen Netzwerken, Daten und institutioneller Unterstützung für die Umsetzung von Pilotinitiativen
  • Auftreten als potenzielle Nutzer forschungsbasierter Ergebnisse und Hilfestellung leisten beim Umsetzen gemeinsam erarbeiteten Wissen in die öffentliche Politik
  • Fördern der politischen Akzeptanz und der institutionellen Abstimmung, um die Einführung innovativer Lösungen sicherzustellen

 

Quellen und weiterführende Literatur

Carayannis, E. G., & Campbell, D. F. J. (2010). Triple Helix, Quadruple Helix and Quintuple Helix. IJSESD, 1(1), 41–69.

Romero-Frías, E., & Robinson-García, N. (2017). Social Labs in Universities. Comunicar, 51(2), 29–38.

Bergvall-Kåreborn, B., Ståhlbröst, A., Holst, M., & Mirijamdotter, A. (2015). A Milieu for Innovation – Defining Living Labs. ENoLL Summer School.

 

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David Corado

è interprete di conferenza, traduttore e ricercatore pre-dottorato nell’ambito del programma “Languages, Texts and Contexts” presso l’Università di Granada. Ha ricevuto la sua formazione presso istituzioni quali l’Universitat Autònoma de Barcelona e l’Universitat Jaume I. Attualmente beneficia di un contratto di ricerca FPU UGR–Santander ed è membro di Medialab UGR, dove partecipa a progetti come ENGAGEgreen e #YoSigoUGR. Attualmente concilia l’attività didattica e di ricerca con la professione di interprete di conferenza, collaborando a titolo volontario con organizzazioni, associazioni ed enti senza scopo di lucro.

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