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Dürre: Ein ganzheitlicher Ansatz von der Halbinsel.

Ein praktisches Beispiel für den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik im Hinblick auf die territoriale Dürrebewältigung.

Beschreibung

Dieser Beitrag stellt ein strukturiertes Beispiel für ein Webinar-Format im Bereich Wissenschaft und Politik vor, das auf eine hochsensible gesellschaftliche Herausforderung angewendet wurde: Dürre und Wasserknappheit in Spanien.

Das Webinar „Dürre: Ein ganzheitlicher Ansatz von der Iberischen Halbinsel aus (Sequía: un abordaje integral desde la Península Ibérica)“ wurde in einer Phase relativer Entspanntheit organisiert, als die Verringerung der Wasserreserven den Anschein erweckte, der Notstand habe nachgelassen.

Die strukturellen und ökologischen Bedingungen, die der Dürre zugrunde liegen, sind jedoch unverändert geblieben, was die Notwendigkeit unterstreicht, gerade in diesen kurzen Phasen scheinbarer Normalität gründlich nachzudenken.

Die Veranstaltung schlug eine ganzheitliche Perspektive vor, die naturwissenschaftliches und soziales Wissen zusammenführt, regionale Realitäten vergleicht und vor allem den direkten Dialog zwischen Wissenschaftlern und Vertretern aus Politik und Verwaltung fördert.

Anhand von Leitfragen untersuchte das Webinar, ob wissenschaftliche Erkenntnisse den politischen Raum erreichen, mit welchen Hindernissen öffentliche Verwaltungen konfrontiert sind und wie langfristiges Denken in Entscheidungsprozesse integriert werden kann, die typischerweise von kurzfristiger Dringlichkeit dominiert werden.

Die wichtigsten Kernaussagen

  • Struktureller Diskussionsansatz: Findet während einer vorübergehenden Entspannung der Dürrebedingungen statt und ermöglicht mittel- und langfristige Überlegungen
  • Integraler Ansatz: Verbindet die ökologischen, sozialen und regionalen Dimensionen der Dürre
  • Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik: Zielt darauf ab, Forschende und öffentliche Verwaltungen durch gemeinsame Leitfragen miteinander zu vernetzen
  • Regionaler Vergleich: Bezieht Erkenntnisse aus verschiedenen Regionen ein, um vielfältige Herausforderungen und Governance-Kontexte zu veranschaulichen
  • Fokus auf Entscheidungsbarrieren: Untersucht Hindernisse, denen Vertreter aus Politik und Verwaltung bei der Umsetzung forschungsbasierter Empfehlungen begegnen
  • Langfristige Perspektive: Betont die Notwendigkeit, über notfallorientierte Reaktionen hinauszugehen und strukturelle, zukunftsorientierte Strategien zu entwickeln

 

Wie ist das Format aufgebaut?

Die Veranstaltung war in drei aufeinanderfolgende Blöcke gegliedert, die darauf abzielten, das gemeinsame Verständnis der Dürre-Governance schrittweise zu vertiefen:

  1. Gemeinsame Rahmenbedingungen und regionale Analysen
  2. Von den Herausforderungen zu möglichen Lösungen
  3. Offener Dialog mit den Teilnehmenden

Der Moderator spielte eine zentrale Rolle und hatte ausdrücklich die Aufgabe, einen ausgewogenen Austausch zwischen wissenschaftlichen Perspektiven und politischen Standpunkten zu gewährleisten, um fachliche Insellösungen zu vermeiden und einen fließenden, dynamischen Austausch zu sichern.

Es wurde ein global-zu-lokal-Ansatz verfolgt: Ausgehend von den strukturellen Dimensionen der Dürre im Kontext des globalen Wandels wurden anschließend drei regionale Kontexte (Katalonien, Granada und Madrid) vorgestellt, um schließlich die Diskussion für thematische Experten aus den Bereichen Governance, Ökologie und Umweltgeschichte zu öffnen.

Zur Steuerung der Debatte stützte sich das Webinar auf eine Reihe von Kernfragen, die die Interaktion zwischen den Referenten strukturierten.

Diese Fragen waren auf die jeweilige Teilnehmenden-Gruppe zugeschnitten:

  • Für Forschende: Erreichen Ihre wissenschaftlichen Vorschläge die politische Ebene? Welche Instrumente oder Formen der Unterstützung würden Sie von den öffentlichen Verwaltungen benötigen, um Ihre Innovationen in die Praxis umzusetzen?
  • Für Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Verwaltung: Auf welche Hindernisse stoßen Sie, wenn Sie versuchen, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Politik zu integrieren? Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung während der letzten Dürre?
  • Für alle Teilnehmenden: Wie lassen sich langfristige, strukturelle Perspektiven in politische Umfelder integrieren, die oft unter Zeitdruck oder mit knappen Zeitrahmen arbeiten? Wäre es machbar oder wünschenswert, Innovationen aus anderen Regionen auf Ihren eigenen Kontext anzuwenden?

Dieses Format ermöglichte einen klaren, fokussierten Dialog, der strukturelle Herausforderungen mit praktischen Einschränkungen verband und dabei half, gemeinsame Probleme und potenzielle Wege für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik zu identifizieren.

 

Herausforderungen

  • Zeitliche Einschränkungen: Die begrenzte Zeit schränkt die Tiefe des fachlichen Austauschs ein, und erschwert dadurch, komplexe wissenschaftliche oder administrative Themen ausführlich zu erörtern
  • Institutionelle Hindernisse: Akteure aus der Politik und Verwaltung sehen sich mit strukturellen oder administrativen Einschränkungen konfrontiert, die die Umsetzung wissenschaftlicher Vorschläge behindern, selbst wenn Interesse oder politischer Wille vorhanden sind
  • Kommunikationslücken: Unterschiede in Sprache, Prioritäten und Zeitrahmen zwischen Wissenschaft und öffentlicher Verwaltung können das gegenseitige Verständnis beeinträchtigen
  • Bedarf an fokussierten Botschaften: Klare Leitlinien sind erforderlich, um Beiträge prägnant zu halten und eine Zersplitterung des Dialogs zu vermeiden
  • Ungleiche regionale Kapazitäten: Regionen unterscheiden sich in technischer, administrativer und ökologischer Hinsicht, was die Übertragbarkeit von Lösungen erschwert
  • Schwierigkeiten bei der Einbeziehung langfristiger Perspektiven: Strukturelle Ansätze stehen oft im Widerspruch zu kurzfristigen politischen Zyklen und notfallgetriebenen Entscheidungsprozessen

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

  • Erstellung prägnanter, politikrelevanter Zusammenfassungen von Forschungsergebnissen zu Dürre, Wasserwirtschaft und systemischen Auswirkungen
  • Erstellung regionaler Analysen und evidenzbasierter Erklärungen zu strukturellen Einflussfaktoren
  • Beantwortung gezielter Fragen von Akteuren aus Politik und Verwaltung und Durchführung Regionen-übergreifender Vergleiche
  • Identifizierung von Innovationen oder erfolgreichen Praktiken, die auf andere Regionen übertragbar sein könnten

 

Managerinnen und Manager für Wissensaustausch und Forschung

  • Gestaltung der Veranstaltungs-Struktur unter Gewährleistung eines ausgewogenen Austauschs zwischen wissenschaftlichen und politischen Stimmen
  • Förderung der Kommunikation vor, während und nach der Veranstaltung, einschließlich Folge-E-Mails und möglicher Kooperationskontakte
  • Vorbereitung von Leitfragen, kontextueller Einordnung und Ablauf (global → regional → lokal)
  • Unterstützung bei der Erstellung von barrierefreien Materialien, Zusammenfassungen und visuellen Ressourcen für das Publikum

 

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung

  • Darstellung des institutionellen und regionalen Kontexts des Dürremanagements
  • Identifizierung operativer Einschränkungen, administrativer Hindernisse und Lehren aus vergangenen Entscheidungszyklen
  • Zusammenarbeit mit Forschenden zur Bewertung der Umsetzbarkeit wissenschaftlicher Vorschläge
  • Einbringen lokaler Erfahrungen, die wissenschaftliche Erkenntnisse ergänzen

 

Fallbeispiele

Webinar “Drought: A Comprehensive Approach from the Peninsula” (Sequía: un abordaje integral desde la Península Ibérica)

  • Date and time: September 24, 2024, 6:00 PM
  • Organized by: Erasmus+ ENGAGEgreen, a joint collaboration between the University of Granada and BETA, from the University of Vic

 

Teilnehmende

  • Nuria Hernández-Mora: PhD in geography, researcher and consultant specializing in water governance, and a member of the Fundación Nueva Cultura del Agua
  • Javier García Martínez: Head of the Urban Water Cycle Service (Servicio del Ciclo Urbano del Agua) at the Provincial Council of Granada
  • José Luis Nieto Bueno: Councilor for Más Madrid in the Madrid City Council and Spokesperson for the Urban Planning, Environment, and Mobility Committee; he holds a PhD in biology.
  • Lorenzo Proia: Coordinator of the Applied Ecology and Global Change Unit at the BETA Technological Center, University of Vic.
  • Fernando Delgado Ramos: Director of Cátedra del Agua at the University of Granada.
  • Antonio Ortega Santos: Full Professor of Contemporary History at the University of Granada.

 

Verfügbare Ressourcen (Was sind die wichtigsten Aufgaben?)

 

Was gut funktioniert hat

  • Der Wechsel zwischen wissenschaftlichen und politischen Beiträgen sorgte für einen flüssigen, dynamischen Ablauf
  • Der Vergleich verschiedener Regionen verdeutlichte gemeinsame Herausforderungen und kontextuelle Unterschiede
  • Der Moderator spielte eine Schlüsselrolle dabei, die Beiträge prägnant und miteinander verbunden zu halten
  • Gemeinsame Schlussfolgerungen betonten

○ die Dringlichkeit systemischer, struktureller Ansätze

○ partizipative Governance

○ Grenzen des Nachfragewachstums

○ Wasser als Gemeingut

○ Notwendigkeit einer Koordinierung auf mehreren Ebenen

 

Gewonnene Erkenntnisse

  • Wert der territorialen Vielfalt: Der Vergleich verschiedener Regionen bot einen klaren Mehrwert und deckte sowohl gemeinsame strukturelle Herausforderungen als auch regionsspezifische Dynamiken auf
  • Global-zu-lokal-Ansatz: Der Übergang von übergreifenden strukturellen Fragen zu konkreten lokalen Fällen trug dazu bei, die Perspektiven aller Akteure zu erweitern und wissenschaftliche Erkenntnisse mit regionalen Realitäten zu verknüpfen
  • Rolle der Moderatoren: Eine effektive Moderation erfordert ein tiefes Verständnis des globalen Kontexts und der normativen Rahmenbedingungen sowie die Fähigkeit, Beiträge aus verschiedenen Disziplinen und Regionen miteinander zu verbinden; die Moderatoren oder Wissensvermittler sollten über einen breiten Überblick über die Themen und die wichtigsten Debatten verfügen
  • Grundlagen für zukünftige Kooperationen: Diese Begegnungen können neue Verbindungen zwischen Forschenden und Vertretenden aus Politik und Verwaltung anstoßen, sofern die Nachbereitung unterstützt wird (z. B. Austausch von Kontaktdaten, Identifizierung thematischer Überschneidungen und Förderung der weiteren Kommunikation)
  • Übertragbare Innovationen: Der Austausch erfolgreicher Praktiken und Innovationen aus verschiedenen Regionen hilft den Teilnehmenden, realisierbare Wege zur Verbesserung der Dürre-Governance in ihrem eigenen Kontext zu identifizieren
  • Zeitliche Beschränkungen: Begrenzte Zeit schränkt die Tiefe des fachlichen Austauschs ein und kann komplexe Diskussionen behindern
  • Institutionelle Einschränkungen: Politische Entscheidungsträger sehen sich oft mit strukturellen oder administrativen Hindernissen konfrontiert, die die Umsetzung wissenschaftlicher Vorschläge einschränken
  • Bedarf an klaren Leitlinien: Die Bereitstellung prägnanter Anweisungen und Zeitvorgaben hilft den Rednern, ihre Botschaften fokussiert zu halten, und gewährleistet einen ausgewogenen, kohärenten Dialog

 

Wie wurden die Maßnahmen bewertet?

Das Webinar verdeutlichte den kritischen und unaufschiebbaren Charakter der aktuellen Dürre-Situation und unterstrich die Notwendigkeit struktureller statt reaktiver Maßnahmen. Der Dialog zwischen Politik und Wissenschaft erwies sich als zunehmend offen, was zeigt, dass kooperative Ansätze sowohl möglich als auch notwendig sind.

Die Teilnehmenden betonten zudem, dass der Wasserbedarf nicht weiter steigen darf, und wiesen damit auf die Notwendigkeit eines tiefgreifenden strukturellen Umdenkens hinsichtlich der aktuellen Modelle hin.

Eine wichtige Erkenntnis war die Bedeutung regionaler Besonderheiten: Die Herausforderungen in Madrid unterscheiden sich erheblich von denen in kleineren Gemeinden, weshalb lokale Perspektiven für die Gestaltung wirksamer politischer Maßnahmen unerlässlich sind.

Schließlich unterstrich die Diskussion die Relevanz der Einbindung sozialer Akteure, da die Bewältigung der Dürre die Einbeziehung von Gemeinden und lokalen Interessengruppen in Entscheidungsprozesse erfordert.

 

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Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de


Virginia Martínez Tudela

ist Projektmanagerin im digitalen Bereich und hat sich auf strategische Partnerschaften, interkulturelle Kommunikation sowie die Koordination multidisziplinärer Initiativen und internationaler Teams spezialisiert. Sie verfügt über einen Bachelor-Abschluss als Übersetzerin und Dolmetscherin der Universität Granada und einen Master-Abschluss in Internationalen Beziehungen der Universität Nebrija, ergänzt durch Fachausbildungen in Digitalem Marketing und Community Management. Ihr großes Interesse an internationaler Zusammenarbeit und multilateralen Institutionen hat sie dazu veranlasst, sich bei den Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeitsorganisation zu engagieren. An der Universität Granada arbeitet sie mit dem Medialab UGR bei europäischen Initiativen wie ENGAGEgreen zusammen.

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