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Vorstellung des ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkits

Das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit bietet einen Überblick über die vielfältigen Formate, die Forschende, Forschungsmanagerinnen und -manager sowie Mitarbeitende im Wissenstransfer nutzen können, um Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung akademische Expertise zur Verfügung zu stellen.

Man könnte sich fragen, ob ein Policy Engagement Toolkit überhaupt notwendig ist, da bereits zahlreiche Handreichungen existieren, wie man Policy Briefs verfasst oder wie man Parlamente mit Informationen versorgt. Wir haben das Policy Engagement Toolkit aus den folgenden Gründen geschrieben:

Erstens verstehen wir unter Policy Engagement einen Oberbegriff, der die vielen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung sich auf verschiedenen Etappen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse austauschen und gemeinsame Interessen identifizieren können. Policy Engagement bedeutet nicht nur, Policy Briefs zu schreiben. Es gibt viele Formate wie Pairing Schemes (Dialogformate), Policy Fellowships, Hackathons oder Besichtigungen von Forschungsstandorten. Dennoch ist es für Forschende sowie weitere universitäre Mitarbeitende und Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung sehr herausfordernd, strukturierte Übersichten zu möglichen Austauschformaten zu finden. In verschiedenen Ländern gibt es auf regionaler oder nationaler Ebene zahlreiche Austauschformate, die außerhalb der eigenen Landesgrenzen nicht bekannt sind. Mit dem Policy Engagement Toolkit möchten wir Praxisbeispiele grenzüberschreitend zu teilen.

Zweitens adressiert das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit die Herausforderungen von Zeitmangel, begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten und die Würdigung von Praxisengagement im wissenschaftlichen Kontext, die oft den Austausch mit Politik und Verwaltung erschweren. Zwar löst es diese Probleme nicht, bietet aber praktische Lösungen und Orientierungshilfen, die es unseren Leserinnen und Lesern ermöglichen, die Eignung verschiedener Austauschformate für ihre spezifischen Bedürfnisse und zeitlichen und finanziellen Ressourcen einzuschätzen.

Drittens ist das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit inklusiv gestaltet und richtet sich nicht nur an Forschende sowie Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, sondern auch an Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement an Universitäten. Indem es die Bedürfnisse und Rollen aller Beteiligter berücksichtigt, zielt das Toolkit darauf ab, die institutionelle Unterstützung für den Austausch mit Politik und Verwaltung zu verbessern und die Entwicklung institutioneller Kapazitäten zu fördern.

Viertens kann die Einbindung akademischer Forschung in die Politikgestaltung deren Qualität verbessern. Ebenso kann der Austausch mit Politik und Verwaltung neue Impulse für die akademische Forschung erzeugen. Da diese Perspektive oft in vielen Handreichungen zum Austausch mit Politik und Verwaltung fehlt, wollen wir diesen Austausch als bidirektionalen Wissensaustausch verstehen.

 

Wie ist das Policy Engagement Toolkit aufgebaut?

Das Toolkit bietet Anleitungen zu verschiedenen Austauschmöglichkeiten zwischen Politik und Verwaltung. Es ist jedoch keine wissenschaftliche Studie zum Thema Politikberatung. Um eine Analogie zu verwenden: Das Toolkit soll eher als Kochbuch verstanden werden und nicht als eine wissenschaftliche Studie zum Thema Ernährungswissenschaft.

Das Toolkit umfasst thematische Kapitel. Jedes Kapitel enthält eine einführende Beschreibung einer Institution, eines Querschnittsthemas oder eines Austauschformats zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Hinzu kommen konkrete Beispiele von Forschenden, Wissenschaftsmanagerinnen und Wissenschaftsmanagern, Mitarbeitenden im Wissenstransfer oder Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung. Damit wollen wir zeigen, dass es keine Universallösungen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung gibt.

 

Ist der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu zeitaufwendig?

Das muss nicht zwangsläufig so sein. Natürlich sind die Erstellung einer 500-seitigen Studie oder die mehrjährige Mitarbeit in einem Expertengremium sehr zeitintensiv. Glücklicherweise sind dies nur einige der Formate oder Strukturen des Austauschs mit Politik und Verwaltung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über den Zeitaufwand der verschiedenen Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung:

 

Die Tabelle zeigt, dass unterschiedliche Formate unterschiedliche Zeitaufwände erfordern. Die Unterstützungsstrukturen sind oft essenziell: Schreiben Forschende einen 100-seitigen Evaluationsbericht allein oder im Team? Organisieren Forschende einen Policy-Workshop allein, oder können sie sich auf die Inhalte konzentrieren, während Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement die Organisation der Veranstaltung übernehmen?

 

Das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit bietet einen Überblick über mögliche Formate des Wissensaustauschs für verschiedene Zielgruppen:

Ob Forschende, Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, im Wissenstransfer oder in der Wissenschaftskommunikation oder Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung. Nicht alle müssen jeden Tag alles machen! Außerdem gibt es keine Zauberformel für einen erfolgreichen Austausch mit Politik und Verwaltung. Einige Formate zielen eher darauf ab, Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung zu informieren, als auf eine politische Wirkung. Jedes Format hat seine Chancen und Grenzen, die wir erläutern werden.

Unser Toolkit beschreibt Wissensaustauschformate und enthält einen Abschnitt zu Querschnitts-themen. Zu wissen, wie man einen Policy Brief schreibt, ist sehr wichtig. Ebenso wichtig ist das Wissen darüber, wie man Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung mit einem Policy Brief erreicht, den politischen Kontext besser versteht, den richtigen Zeitpunkt für den Austausch mit Politik und Verwaltung wählt und diesen Austausch bewertet.

Wir haben verschiedene Formate des Wissensaustauschs recherchiert. Bitte beachten Sie: Das Toolkit ist kein Ergebnis eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts. Wir erklären die wichtigsten Merkmale verschiedener Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Es standen uns keine Ressourcen zur Verfügung, um eine fundierte wissenschaftliche Analyse der dargestellten Formate durchzuführen. Daher sollten die Beschreibungen der Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung nicht als in Stein gemeißelt betrachtet werden. Weitere Forschende, Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung könnten die Formate anders beschrieben haben.

Wir sind uns außerdem bewusst, dass es aufgrund geografischer und sprachlicher Aspekte zu einer Verzerrung kommen kann. Wir haben zahlreiche Webseiten in Englisch, Tschechisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch recherchiert. Wir möchten Beispiele aus mehreren Ländern, nicht nur aus den englischsprachigen oder den Ländern der Projektpartner, einbeziehen. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung!

Lassen Sie uns wissen, ob die von uns beschriebenen Formate des Wissensaustauschs in Ihrem Land anders funktionieren! Oder noch besser: Reichen Sie ein Beispiel ein!

Wir werden unsere Beschreibungen möglicherweise auch in Zukunft anpassen, da viele der beschriebenen Formate selten sind. Wir haben kein dogmatisches Verständnis der verschiedenen Austauschformate zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Beispielsweise schreiben wir, dass Policy Briefs maximal einige Seiten lang sind. Dennoch findet man Policy Briefs mit 15 Seiten oder mehr. Wir haben keine Erhebung durchgeführt, um festzustellen, ob die durchschnittliche Länge eines Policy Briefs 4 oder 6,5 Seiten beträgt.

Das Toolkit besteht aus einer Einleitung, gefolgt von verschiedenen Beispielen. Die Beispiele zeigen, wie die jeweiligen Formate des Wissensaustauschs umgesetzt werden können. Sie ermöglichen Forschenden, Mitarbeitenden im Wissenstransfer sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung, ihre Erfahrungen zu reflektieren: Wie haben sie die jeweiligen Formate geplant und umgesetzt? Was hat sehr gut funktioniert? Was würden sie im Nachhinein anders machen? Wenn Sie mit dem Format vertraut sind, können Sie direkt zu den Beispielen springen.

Das Policy Engagement Toolkit liegt auf Englisch, Tschechisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch vor. Bitte beachten Sie: Die Inhalte der verschiedenen Versionen können variieren, da wir bei der Erstellung der Kapitel lokale oder nationale Kontexte berücksichtigen. Beispielsweise sind Policy Empfehlungen ein wesentliches Merkmal von Policy-Briefs in angelsächsischen Ländern, sie finden sich allerdings nur gelegentlich im deutschsprachigen Raum. Wenn Sie in einem der genannten EU-Länder leben, empfehlen wir Ihnen daher, die Kapitel in der jeweiligen Sprache zu lesen. Andernfalls empfehlen wir die englische Version. Bitte beachten Sie, dass wir die englische Version zuerst veröffentlichen; die Versionen in den anderen Sprachen folgen einige Wochen später.

Unterstützungsstrukturen definieren wir als Mitarbeitende an Universitäten, die Forschende bei der Planung, Durchführung oder Bewertung von Aktivitäten rund um den Austausch mit Politik und Verwaltung finanziell, durch Schulungen, Beratung oder organisatorische Unterstützung begleiten können. Zu den Unterstützungsstrukturen zählen Mitarbeitende von Policy-Einheiten. Während hauptamtliche Mitarbeitende in diesem Bereich an vielen Universitäten schwer zu finden sind, können auch Mitarbeitende im Wissenstransfer, in der Wissenschaftskommunikation, im Wissenschaftsmanagement oder Veranstaltungsmanagement Forschende unterstützen. Auch Führungspersonen von Universitäten, Fachbereichen, Instituten und Forschungsgruppen können wichtige Unterstützung bieten.

Unsere Einschätzung zu den benötigten Ressourcen in Bezug auf Zeit und Finanzierung basiert auf unseren Erfahrungen mit den Formaten, Rückmeldungen von Forschenden, Mitarbeitenden in Unterstützungsstrukturen sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung.

Beim Einschätzen der Zeitressourcen beziehen wir uns auf den Nettobetrag der Zeit, die benötigt wird, um das jeweilige Format einmal durchzuführen. Beispielsweise geben wir an, dass das Schreiben eines Policy Blog Beitrags einige Stunden dauert. Zudem sprechen wir von der Nettozeit. Angenommen, Wissenschaftlerin A schreibt in zwei Stunden einen Policy Brief und sendet ihn an ihren Co-Autor (Wissenschaftler B). Wissenschaftler B benötigt ebenfalls zwei Stunden für einige Änderungen, arbeitet jedoch erst nach drei Wochen und zahlreichen Erinnerungen daran. In einem solchen Fall betrug die benötigte Zeit zum Verfassen des Policy Briefs vier Stunden und nicht drei Wochen.

Bezüglich der finanziellen Ressourcen verzichten wir bewusst darauf, konkrete Beträge anzugeben, da sich unser Toolkit an eine transnationale Leserschaft in vielen Ländern richtet. Gehalts- und Kostenstrukturen variieren stark. 5.000 Euro Kosten für die Organisation einer Policy Veranstaltung können in Land A als extrem hohe Kosten gelten, in Land B dagegen nicht. Daher enthalten die Beispiele im Toolkit Informationen über Ressourcen in Bezug auf Zeitaufwand oder Teilnehmerzahl.

 

Das Policy Engagement Toolkit befindet sich noch in der Entwicklung                                                                            

Bitte senden Sie Kommentare zu unseren Kapiteln oder Vorschläge für Format- oder Praxisbeispiele an science-policy@uni-frankfurt.de

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!

Vorbereitung: Schlüsselkonzepte und Akteure im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung

Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung

In Anlehnung an die weit verbreitete Definition der Universität Oxford verstehen wir unter dem Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung einen Oberbegriff, der „die vielfältigen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteure in Politik und Verwaltung in verschiedenen Phasen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse miteinander in Kontakt treten und gemeinsame Interessen erkunden“.

Wir betrachten den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung als einen umfassenderen und wechselseitigen (bidirektionalen) Ansatz gegenüber der traditionellen wissenschaftlichen Beratung. Es umfasst vielfältige Ergebnisse – wie die Mitgestaltung politischer Prozesse, den Aufbau von Netzwerken, gegenseitiges Lernen sowie Praxisimpulse für die akademische Forschung. Der Austausch und kann sowohl über formelle als auch über informelle Kanäle erfolgen.

 

Akteure in Politik und Verwaltung (Policymakers)

Wir definieren Akteure in Politik und Verwaltung im weiteren Sinne als Personen, die an der Analyse, Bewertung, Planung, Ausarbeitung und Umsetzung von Politiken beteiligt sind. Nicht alle Akteure in Politik und Verwaltung sind direkte Entscheidungsträger:innen (wie Politiker oder Leiter von Institutionen).

Unsere weit gefasste Definition umfasst:

  • Gewählte Politiker:innen (z. B. Abgeordnete, Minister:innen, Bürgermeister:innen)
  • Mitarbeitende von Politiker:innen
  • Mitarbeitende in politischen Parteien
  • Beamte und Bedienstete in lokalen, regionalen, nationalen oder EU-Institutionen sowie in internationalen Organisationen

Forschende: Wir definieren Forschende als Personen, die an akademischen Einrichtungen wie Universitäten oder an außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen tätig sind und Grundlagen- oder angewandte Forschung betreiben.

Im Gegensatz zu Expert:innen in Thinktanks oder Beratungsunternehmen gehören die Durchführung praxisnaher Policy-Analysen und der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung in der Regel nicht zu den primären „Kernaufgaben“ Forschender an Universitäten. Ausnahmen können Policy-Analysen von Forschenden aus den Politik-, Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften bilden. Für die meisten Forschenden an akademischen Einrichtungen ist der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung eine zusätzliche Tätigkeit, die sie neben ihren Kernaufgaben wie Forschung, Lehre, akademischer Selbstverwaltung, Begutachtungen und Mitarbeit in wissenschaftlichen Gesellschaften ausüben.

Um den unterschiedlichen Karrierestufen und Kapazitäten Rechnung zu tragen, wenden wir den Europäischen Rahmen für Forschungskarrieren (R1–R4) an:

  • R1 – First-Stage-Researchers: Promovierende oder andere Forschende, die unter Betreuung forschen.
  • R2 – Anerkannte Forschende: Postdoktoranden (oder gleichwertiger Qualifikation), die
  • R3 – Etablierte Forschende: Unabhängige Forschende, die ihre eigenen Forschungsagenden formulieren, Drittmittel einwerben und Forschungsgruppen leiten.
  • R4 – Führende Forschende: Erfahrene Wissenschaftler:innen, die von ihren Peers als Pioniere und Vorreiter:innen in ihrem Forschungsgebiet anerkannt sind

 

Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement (inkl. Wissenstransfer)

Wissenschaftsmanager:innen unterstützen Forschende über den gesamten Forschungszyklus hinweg. Ihr Fachwissen umfasst die Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln, Projektkonzeption und -durchführung, Kommunikation,  Wirkungsanalyse oder der Entwicklung institutioneller Strategien.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Breckon, Jonathan, Sarah Chaytor, Stephen Clarke, Helen Durrant, and Olivia Stevenson (2025), Hidden Talents: Core Competencies of Knowledge Mobilisers Working in Public Policy. London: Capabilities in Academic Policy Engagement (CAPE).

Council of the European Union (2023), Council Recommendation on a European Framework to Attract and Retain Research, Innovation and Entrepreneurial Talents in Europe. Brüssel: Council of the European Union. Zugriff am 10. April 2025.

Hepworth, B. (2025), P is for Policymakers. Transforming Evidence Blog. Zugriff am 10. April 2025.

Reed, Mark S. (2024), The Researcher’s Guide to Influencing Policy. London and New York: Routledge.

Stevenson, Olivia (2019), Translating Research into Policy – Who Are ‚The Policymakers‘? UCL Policy Lab Blog. Zugriff am 05. Mai 2024.

University of Oxford (2024), Policy Engagement: What is Policy Engagement? University of Oxford Policy Engagement Network. Zugriff am 10 April 2024.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum Policy Engagement Toolkit leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

Einfluss, Vertrauen, Vernetzung, Lernen: Die verschiedenen Ziele des Policy Engagements

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Vermeiden Sie die „Impact-Falle“: Direkte Policy-Veränderungen sind selten, haben vielfältige Ursachen und vollziehen sich langsam. Betrachten Sie sie als potenzielles langfristiges Ergebnis und nicht als einzigen Maßstab für Erfolg.
  • Schätzen Sie die Zwischenschritte: Der Aufbau von Sichtbarkeit, Vertrauen und persönlichen Netzwerken sind wichtige Ziele an sich, die die Grundlage für zukünftige Policy-Interaktionen bilden.
  • Policy Engagement ist keine Einbahnstraße: Ein (besseres) Verständnis für Politikgestaltung in Parlamenten und der Exekutive ist ein wichtiges, aber oft übersehenes Ziel des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/ Verwaltung. Policy Engagement kann die akademische Forschung bereichern, indem es Zugang zu Daten oder Interviewpartnern verschafft oder Impulse für mögliche Forschungsfragen oder Hypothesen liefert.
  • Ergebnisoffene Dialoge begrüßen: Die frühzeitige Information von Akteuren in Politik und Verwaltung – selbst mit vorläufigen oder noch nicht endgültigen Ergebnissen – hilft dabei, aufkommende Themen lange vor dem Eintreten von Krisen oder der Verabschiedung von Gesetzen zu thematisieren

 

Warum sind diese Ziele wichtig?

Bevor man sich mit Formaten, Akteuren, Institutionen, bereichsübergreifenden Einrichtungen sowie Lehr- und Lernmethoden befasst, muss jeder Weg des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung mit einer grundlegenden Frage beginnen:

 

Was wollen wir eigentlich erreichen?

In Anlehnung an die weit verbreitete Definition der Universität Oxford verstehen wir Policy Engagement als einen Oberbegriff, der „die vielfältigen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteure in Politik und Verwaltung in verschiedenen Phasen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse miteinander in Verbindung treten und gemeinsame Interessen ausloten“.

Um diesen Austausch angemessen zu planen, mit Ressourcen auszustatten und zu bewerten, müssen sowohl Forschende als auch Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, Transfer oder Kommunikation ihre spezifischen Ziele im Vorfeld klar definieren. In der Praxis führen nicht aufeinander abgestimmte oder unrealistische Erwartungen zu Frustration.

 

Das Spektrum der Ziele des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung

Anstatt das Engagement durch eine „Alles-oder-nichts“-Brille zu betrachten, ist es hilfreich, die Ziele als ein Spektrum zu verstehen, das vom grundlegenden Aufbau von Netzwerken bis hin zur direkten Beeinflussung der Policy reicht:

 

Direkte Policy-Veränderungen: Sehr ehrgeizig und selten sofort erreichbar

Zu sehen, wie Akteure in Politik und Verwaltung die eigenen Empfehlungen aufgreifen, ist das Ziel, an das die meisten Forscher als Erstes denken – und das aus zwei Gründen auch am schwersten zu erreichen ist. Erstens ist politischer Wandel selten auf einen einzelnen wissenschaftlichen Input zurückzuführen: Forschende und wissenschaftliche Einrichtungen, Interessensvertretungen oder Medien beeinflussen politische Entscheidungen. Meist lassen sich politische Entscheidungen nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Zweitens finden politische Veränderungen nicht im luftleeren Raum statt, sondern hängen von mehreren Voraussetzungen ab, die es wert sind, als eigenständige Ziele betrachtet zu werden (siehe unten). Forschende und Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, im Transfer oder in der Kommunikation sollten es vermeiden, politische Veränderungen als einzig legitimes Ziel ihres Engagements zu betrachten; dies führt unweigerlich zu Frustration.

Sichtbarkeit erhöhen, Vertrauen aufbauen und Netzwerke erweitern

Wenn man die Forschenden betrachtet, die in Sachverständigengremien aktiv sind, Auftragsforschung betreiben, zu Fachveranstaltungen eingeladen werden oder an parlamentarischen Anhörungen teilnehmen, fallen immer wieder dieselben Namen auf. Warum? Über ihre akademischen Leistungen hinaus beruht ihr Engagement stark auf (institutioneller) Sichtbarkeit, langjährigem Vertrauen und etablierten persönlichen Netzwerken. Die Steigerung der eigenen Sichtbarkeit und der Aufbau gegenseitigen Vertrauens sind entscheidende Ziele an sich, die Zeit und Kontinuität erfordern. Dies zu erkennen, beugt Frustration vor, wenn man neue Reihen von Policy Briefs startet oder erste Veranstaltungen ausrichtet.

Gegenseitiges Lernen, Verbesserung des Verständnisses für Politikgestaltung und Zugang zu Ideen für die eigene Forschung

Das Verständnis für Politikgestaltung hilft Forschenden dabei, die Relevanz ihrer Ergebnisse zu erklären, Handlungsempfehlungen oder Handlungsoptionen zu formulieren und die richtige Zielgruppe (z.B. Abgeordnete und deren Mitarbeitende, Referentinnen und Referenten in Ministerien) sowie die richtigen Kommunikationskanäle zu identifizieren. Keine Wissenschaftlerin wird über Nacht zur Expertin für Politikgestaltung, und das ist völlig in Ordnung. Zwar sind formelle Dokumente wie Koalitionsverträge, Regierungsstrategien, Parteiprogramme und Policy-Analysen von Thinktanks, NGOs und Verbänden öffentlich zugänglich, doch das implizite, ungeschriebene Wissen darüber, wie Politikgestaltung in der Praxis funktioniert, lässt sich nur durch direkte Gespräche mit Akteuren in Politik und Verwaltung erwerben. Die Förderung eines offenen Dialogs mit Akteuren in Politik und Verwaltung – allein um zu erfahren, wie Politikgestaltung funktioniert – ist daher ein wichtiges Ziel an sich.

Der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung kann auch für die wissenschaftliche Forschung von Nutzen sein. Gespräche mit Akteuren in Politik /Verwaltung können neue Perspektiven aufzeigen, die zu neuen Forschungsfragen oder Hypothesen führen, und den Zugang zu Daten, Interviewpartnern oder Institutionen öffnen, die bereit sind, an Umfragen mitzuwirken.

Ergebnisoffener Austausch mit Politik und Verwaltung

Forschungsergebnisse führen nicht immer zu Policy-Veränderungen. Sie könnten den aktuellen Prioritäten der Regierung widersprechen, oder eine sich rasch verändernde politische Lage könnte Ergebnisse überholen, die noch nicht vollständig fundiert sind (z.B. COVID-19-Pandemie). Forschende können auch zu wichtigen Erkenntnissen gelangen, ohne wirklich sicher zu sein, welche Handlungsempfehlungen sich daraus ergeben. Sollten Forschende in solchen Fällen davon absehen, mit Akteuren in Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten? Ganz sicher nicht. Akteuren in Politik und Verwaltung benötigen Zeit, um ein Verständnis für wichtige Themen zu entwickeln. Je früher sie Zugang zu wissenschaftlicher Expertise haben, desto besser.

 

Quellen und weiterführende Literatur

  • Universität Oxford (2024), Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung. Abgerufen am 10. April 2024.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum Policy Engagement Toolkit leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

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