Vorstellung des ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkits
Das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit bietet einen Überblick über die vielfältigen Formate, die Forschende, Forschungsmanagerinnen und -manager sowie Mitarbeitende im Wissenstransfer nutzen können, um Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung akademische Expertise zur Verfügung zu stellen.
Man könnte sich fragen, ob ein Policy Engagement Toolkit überhaupt notwendig ist, da bereits zahlreiche Handreichungen existieren, wie man Policy Briefs verfasst oder wie man Parlamente mit Informationen versorgt. Wir haben das Policy Engagement Toolkit aus den folgenden Gründen geschrieben:
Erstens verstehen wir unter Policy Engagement einen Oberbegriff, der die vielen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung sich auf verschiedenen Etappen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse austauschen und gemeinsame Interessen identifizieren können. Policy Engagement bedeutet nicht nur, Policy Briefs zu schreiben. Es gibt viele Formate wie Pairing Schemes (Dialogformate), Policy Fellowships, Hackathons oder Besichtigungen von Forschungsstandorten. Dennoch ist es für Forschende sowie weitere universitäre Mitarbeitende und Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung sehr herausfordernd, strukturierte Übersichten zu möglichen Austauschformaten zu finden. In verschiedenen Ländern gibt es auf regionaler oder nationaler Ebene zahlreiche Austauschformate, die außerhalb der eigenen Landesgrenzen nicht bekannt sind. Mit dem Policy Engagement Toolkit möchten wir Praxisbeispiele grenzüberschreitend zu teilen.
Zweitens adressiert das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit die Herausforderungen von Zeitmangel, begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten und die Würdigung von Praxisengagement im wissenschaftlichen Kontext, die oft den Austausch mit Politik und Verwaltung erschweren. Zwar löst es diese Probleme nicht, bietet aber praktische Lösungen und Orientierungshilfen, die es unseren Leserinnen und Lesern ermöglichen, die Eignung verschiedener Austauschformate für ihre spezifischen Bedürfnisse und zeitlichen und finanziellen Ressourcen einzuschätzen.
Drittens ist das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit inklusiv gestaltet und richtet sich nicht nur an Forschende sowie Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, sondern auch an Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement an Universitäten. Indem es die Bedürfnisse und Rollen aller Beteiligter berücksichtigt, zielt das Toolkit darauf ab, die institutionelle Unterstützung für den Austausch mit Politik und Verwaltung zu verbessern und die Entwicklung institutioneller Kapazitäten zu fördern.
Viertens kann die Einbindung akademischer Forschung in die Politikgestaltung deren Qualität verbessern. Ebenso kann der Austausch mit Politik und Verwaltung neue Impulse für die akademische Forschung erzeugen. Da diese Perspektive oft in vielen Handreichungen zum Austausch mit Politik und Verwaltung fehlt, wollen wir diesen Austausch als bidirektionalen Wissensaustausch verstehen.
Wie ist das Policy Engagement Toolkit aufgebaut?
Das Toolkit bietet Anleitungen zu verschiedenen Austauschmöglichkeiten zwischen Politik und Verwaltung. Es ist jedoch keine wissenschaftliche Studie zum Thema Politikberatung. Um eine Analogie zu verwenden: Das Toolkit soll eher als Kochbuch verstanden werden und nicht als eine wissenschaftliche Studie zum Thema Ernährungswissenschaft.
Das Toolkit umfasst thematische Kapitel. Jedes Kapitel enthält eine einführende Beschreibung einer Institution, eines Querschnittsthemas oder eines Austauschformats zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Hinzu kommen konkrete Beispiele von Forschenden, Wissenschaftsmanagerinnen und Wissenschaftsmanagern, Mitarbeitenden im Wissenstransfer oder Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung. Damit wollen wir zeigen, dass es keine Universallösungen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung gibt.
Ist der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu zeitaufwendig?
Das muss nicht zwangsläufig so sein. Natürlich sind die Erstellung einer 500-seitigen Studie oder die mehrjährige Mitarbeit in einem Expertengremium sehr zeitintensiv. Glücklicherweise sind dies nur einige der Formate oder Strukturen des Austauschs mit Politik und Verwaltung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über den Zeitaufwand der verschiedenen Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung:
Die Tabelle zeigt, dass unterschiedliche Formate unterschiedliche Zeitaufwände erfordern. Die Unterstützungsstrukturen sind oft essenziell: Schreiben Forschende einen 100-seitigen Evaluationsbericht allein oder im Team? Organisieren Forschende einen Policy-Workshop allein, oder können sie sich auf die Inhalte konzentrieren, während Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement die Organisation der Veranstaltung übernehmen?
Das ENGAGEgreen Policy Engagement Toolkit bietet einen Überblick über mögliche Formate des Wissensaustauschs für verschiedene Zielgruppen:
Ob Forschende, Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, im Wissenstransfer oder in der Wissenschaftskommunikation oder Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung. Nicht alle müssen jeden Tag alles machen! Außerdem gibt es keine Zauberformel für einen erfolgreichen Austausch mit Politik und Verwaltung. Einige Formate zielen eher darauf ab, Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung zu informieren, als auf eine politische Wirkung. Jedes Format hat seine Chancen und Grenzen, die wir erläutern werden.
Unser Toolkit beschreibt Wissensaustauschformate und enthält einen Abschnitt zu Querschnitts-themen. Zu wissen, wie man einen Policy Brief schreibt, ist sehr wichtig. Ebenso wichtig ist das Wissen darüber, wie man Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung mit einem Policy Brief erreicht, den politischen Kontext besser versteht, den richtigen Zeitpunkt für den Austausch mit Politik und Verwaltung wählt und diesen Austausch bewertet.
Wir haben verschiedene Formate des Wissensaustauschs recherchiert. Bitte beachten Sie: Das Toolkit ist kein Ergebnis eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts. Wir erklären die wichtigsten Merkmale verschiedener Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Es standen uns keine Ressourcen zur Verfügung, um eine fundierte wissenschaftliche Analyse der dargestellten Formate durchzuführen. Daher sollten die Beschreibungen der Formate des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung nicht als in Stein gemeißelt betrachtet werden. Weitere Forschende, Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung könnten die Formate anders beschrieben haben.
Wir sind uns außerdem bewusst, dass es aufgrund geografischer und sprachlicher Aspekte zu einer Verzerrung kommen kann. Wir haben zahlreiche Webseiten in Englisch, Tschechisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch recherchiert. Wir möchten Beispiele aus mehreren Ländern, nicht nur aus den englischsprachigen oder den Ländern der Projektpartner, einbeziehen. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung!
Lassen Sie uns wissen, ob die von uns beschriebenen Formate des Wissensaustauschs in Ihrem Land anders funktionieren! Oder noch besser: Reichen Sie ein Beispiel ein!
Wir werden unsere Beschreibungen möglicherweise auch in Zukunft anpassen, da viele der beschriebenen Formate selten sind. Wir haben kein dogmatisches Verständnis der verschiedenen Austauschformate zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Beispielsweise schreiben wir, dass Policy Briefs maximal einige Seiten lang sind. Dennoch findet man Policy Briefs mit 15 Seiten oder mehr. Wir haben keine Erhebung durchgeführt, um festzustellen, ob die durchschnittliche Länge eines Policy Briefs 4 oder 6,5 Seiten beträgt.
Das Toolkit besteht aus einer Einleitung, gefolgt von verschiedenen Beispielen. Die Beispiele zeigen, wie die jeweiligen Formate des Wissensaustauschs umgesetzt werden können. Sie ermöglichen Forschenden, Mitarbeitenden im Wissenstransfer sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung, ihre Erfahrungen zu reflektieren: Wie haben sie die jeweiligen Formate geplant und umgesetzt? Was hat sehr gut funktioniert? Was würden sie im Nachhinein anders machen? Wenn Sie mit dem Format vertraut sind, können Sie direkt zu den Beispielen springen.
Das Policy Engagement Toolkit liegt auf Englisch, Tschechisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch vor. Bitte beachten Sie: Die Inhalte der verschiedenen Versionen können variieren, da wir bei der Erstellung der Kapitel lokale oder nationale Kontexte berücksichtigen. Beispielsweise sind Policy Empfehlungen ein wesentliches Merkmal von Policy-Briefs in angelsächsischen Ländern, sie finden sich allerdings nur gelegentlich im deutschsprachigen Raum. Wenn Sie in einem der genannten EU-Länder leben, empfehlen wir Ihnen daher, die Kapitel in der jeweiligen Sprache zu lesen. Andernfalls empfehlen wir die englische Version. Bitte beachten Sie, dass wir die englische Version zuerst veröffentlichen; die Versionen in den anderen Sprachen folgen einige Wochen später.
Unterstützungsstrukturen definieren wir als Mitarbeitende an Universitäten, die Forschende bei der Planung, Durchführung oder Bewertung von Aktivitäten rund um den Austausch mit Politik und Verwaltung finanziell, durch Schulungen, Beratung oder organisatorische Unterstützung begleiten können. Zu den Unterstützungsstrukturen zählen Mitarbeitende von Policy-Einheiten. Während hauptamtliche Mitarbeitende in diesem Bereich an vielen Universitäten schwer zu finden sind, können auch Mitarbeitende im Wissenstransfer, in der Wissenschaftskommunikation, im Wissenschaftsmanagement oder Veranstaltungsmanagement Forschende unterstützen. Auch Führungspersonen von Universitäten, Fachbereichen, Instituten und Forschungsgruppen können wichtige Unterstützung bieten.
Unsere Einschätzung zu den benötigten Ressourcen in Bezug auf Zeit und Finanzierung basiert auf unseren Erfahrungen mit den Formaten, Rückmeldungen von Forschenden, Mitarbeitenden in Unterstützungsstrukturen sowie Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung.
Beim Einschätzen der Zeitressourcen beziehen wir uns auf den Nettobetrag der Zeit, die benötigt wird, um das jeweilige Format einmal durchzuführen. Beispielsweise geben wir an, dass das Schreiben eines Policy Blog Beitrags einige Stunden dauert. Zudem sprechen wir von der Nettozeit. Angenommen, Wissenschaftlerin A schreibt in zwei Stunden einen Policy Brief und sendet ihn an ihren Co-Autor (Wissenschaftler B). Wissenschaftler B benötigt ebenfalls zwei Stunden für einige Änderungen, arbeitet jedoch erst nach drei Wochen und zahlreichen Erinnerungen daran. In einem solchen Fall betrug die benötigte Zeit zum Verfassen des Policy Briefs vier Stunden und nicht drei Wochen.
Bezüglich der finanziellen Ressourcen verzichten wir bewusst darauf, konkrete Beträge anzugeben, da sich unser Toolkit an eine transnationale Leserschaft in vielen Ländern richtet. Gehalts- und Kostenstrukturen variieren stark. 5.000 Euro Kosten für die Organisation einer Policy Veranstaltung können in Land A als extrem hohe Kosten gelten, in Land B dagegen nicht. Daher enthalten die Beispiele im Toolkit Informationen über Ressourcen in Bezug auf Zeitaufwand oder Teilnehmerzahl.
Das Policy Engagement Toolkit befindet sich noch in der Entwicklung
Bitte senden Sie Kommentare zu unseren Kapiteln oder Vorschläge für Format- oder Praxisbeispiele an science-policy@uni-frankfurt.de
Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!

