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Vier Minuten, die zählen: Der Policy Pitch als Trainingsformat

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Im Rahmen dieser Übung bereiten die Workshop-Teilnehmenden einen vierminütigen „Policy Pitch“ zu ihren eigenen Forschungsthemen vor und erhalten strukturiertes Feedback durch die übrigen Teilnehmenden (Peer-to-Peer-Feeback).
  • Die Übung basiert auf einer zentralen Erkenntnis: Im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung ist nicht entscheidend, wie viel Forschende wissen, sondern wie viel Akteure in Politik/Verwaltung verstehen und im Gedächtnis behalten. Methoden und Forschungsdesign einzelner Forschungsprojekte sind zweitrangig; die Policy-Relevanz der Forschungsergebnisse ist entscheidend.
  • Die Teilnehmenden beenden die Übung mit einem konkreten, erprobten Kommunikationsprodukt, das sie bei zukünftigen Aktivitäten im Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung nutzen können.

 

Wie funktioniert das Format?

Forschende sind meist gut darauf vorbereitet, ihre Arbeit vor einem akademischen Publikum zu präsentieren. Die Präsentation vor Akteuren in Politik und Verwaltung erfordert jedoch einen grundlegend anderen Ansatz. Präsentationskompetenzen, die im akademischen Alltag selten explizit vermittelt werden. Diese Übung bietet einen geschützten Raum, um genau diesen Transfer am eigenen Thema zu trainieren.

 

Die Aufgabenestellung

Bereiten Sie eine prägnante, vierminütige Präsentation zu Ihrem Forschungsthema vor. Ziel ist es, Relevanz und Kernaspekte des Themas klar, überzeugend und verständlich zu vermitteln – gegebenenfalls einschließlich konkreter politischer Handlungsoptionen. Stellen Sie komplexe Inhalte anschaulich und praxisnah dar, damit auch Laien die Bedeutung Ihres Themas erfassen können. Die Verwendung von Folien ist erlaubt. Zielgruppe sind Akteure in Politik/Verwaltung.

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Forschende

Schritt 1: Kennen Sie Ihr Publikum
Was weiß Ihr Zielpublikum bereits? Warum ist Ihr Thema für diese Personen relevant? Und welcher konkrete Aspekt wird bei ihnen am ehesten Anklang finden? Ein Thema wie „Fischbestände in der Nordsee“ könnte für ein Umweltministerium aus umweltpolitischen Gründen von Interesse sein, für ein Wirtschaftsministerium aufgrund der ökonomischen Auswirkungen auf Küstengemeinden oder für einen parlamentarischen Ausschuss hinsichtlich der Umsetzung von EU-Vorschriften. Passen Sie Ihre Präsentation entsprechend an und fragen Sie sich: Warum sind die Inhalte der Präsentation für Akteure aus Politik/Verwaltung von Bedeutung?

Schritt 2: Kontext und Relevanz herstellen

Formulieren Sie zwei oder drei Kernbotschaften und betten Sie Ihr Thema in einen breiteren Kontext ein, indem Sie es mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen oder praktischen Anwendungsmöglichkeiten verknüpfen.

Berücksichtigen Sie folgende Leitfragen:

  • Warum ist dieses Thema wichtig?
  • Was sollten Akteure in Politik und Verwaltung in sechs Monaten oder einem Jahr noch im Gedächtnis behalten?
  • Gibt es aktuelle Ereignisse, die mit Ihrem Thema in Verbindung stehen (z. B. Vulkanausbrüche, Havarien)?

Es lohnt sich, sich im Vorfeld über aktuelle Entwicklungen in der Politik zu informieren oder mit Akteuren aus Politik und Verwaltung zu sprechen, um deren Prioritäten und Wissensbedarfe zu verstehen.

Stellen Sie einen Bezug zwischen Ihren Erkenntnissen und konkreten politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen her. Beispiel: „Eine zunehmende Versauerung der Ozeane könnte 100.000 Arbeitsplätze in der Fischerei gefährden.“ Konkrete Zahlen und Beispiele aus der Praxis schaffen eine emotionale Verbindung zum Thema und machen die praktische Relevanz wissenschaftlicher Erkenntnisse greifbar.

Schritt 3: Formulieren Sie Handlungsempfehlungen oder erörtern Sie Handlungsoptionen

Stellen Sie mögliche Vorgehensweisen vor. Zeigen Sie konkrete, umsetzbare Schritte auf und betten Sie diese, soweit möglich, in den aktuellen politischen Kontext ein. Erläutern Sie, warum bestimmte Maßnahmen politisch machbar oder ratsam sein könnten. Führen Sie die Vor- und Nachteile verschiedener Policy-Maßnahmen auf.

Schritt 4: Überprüfen Sie Ihre Präsentation auf klare Struktur, wissenschaftliche Fachsprache, den effektiven Einsatz von Visualisierungen und Dynamik

  • Struktur: Wählen Sie einen aussagekräftigen Titel, der die Relevanz des Themas signalisiert (z. B. „Die Auswirkungen des Klimawandels auf Infrastruktur in Küstengebieten: Warum Handlungsbedarf besteht“); ein starker Einstieg wie eine eindrucksvolle Statistik, die Richtigstellung eines weit verbreiteten Irrtums oder das Potenzial einer neuen Technologie weckt sofort Interesse. Leitfragen strukturieren den Vortrag wirkungsvoll (z. B. „Was passiert, wenn Küstengebiete schrumpfen?“ → „Wie können wir das verhindern?“)
  • Sprache: Vermeiden Sie Fachbegriffe (z. B. „hydronumerische Methoden“) oder erklären Sie diese in einer leicht verständlichen Sprache; achten Sie auf Begriffe, deren Bedeutung im akademischen und im Policy-Kontext unterschiedlich ist (z. B. Signifikanz, Risiko, langfristig/kurzfristig); dies gilt auch für Begriffe, die im Forschungssystem geläufig, Außenstehenden jedoch unbekannt sind (z. B. „Horizon“-Förderung, Sonderforschungsbereiche, PI, Peer-Review); testen Sie Ihre Präsentation vor dem Workshop vor einem Laienpublikum: Sind alle Begriffe wirklich verständlich?
  • Visuelle Elemente: Vermeiden Sie überladene Folien; versehen Sie Abbildungen direkt mit Kernaussagen, anstatt vom Publikum zu erwarten, dass es diese selbst interpretiert; verwenden Sie einheitliche Gestaltungselemente; veranschaulichen Sie Veränderungen im Zeitverlauf oder nutzen Sie Vergleiche, um das Ausmaß greifbar zu machen (z. B. Seegraswiesen im Vergleich zu den CO₂-Emissionen eines Steaks)
  • Vortrag: Vermeiden Sie vage oder ausweichende Formulierungen; sprechen Sie das Publikum gegebenenfalls direkt an (z. B. „Ich möchte Sie daher bitten, Folgendes zu berücksichtigen…“); sprechen Sie mit Energie und Engagement; variieren Sie Ihre Betonung, um Kernpunkte hervorzuheben, halten Sie Augenkontakt, auch wenn Sie von Notizen ablesen, und halten Sie sich strikt an die (vierminütige) Zeitvorgabe
  • Abgrenzung von Fundraising: Das Ziel eines Policy-Pitchs ist es, eine evidenzinformierte Entscheidungsfindung durch wissenschaftliche Expertise zu unterstützen, nicht um Forschungsmittel zu bitten. Wenn Sie Mittel einwerben wollen, machen Sie das von Anfang an transparent. Die Vermischung von Politikberatung und Fundraising schadet der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshopleitungen

Leiten Sie die Übung ein, indem Sie kurz den Unterschied zwischen der Kommunikation mit einem akademischen Publikum und einem Policy-Publikum erläutern. Kommunizieren Sie die Aufgabenstellung, sodass die Teilnehmenden ihre Pitches vor dem Workshop vorbereiten können. Moderieren Sie nach jeder Präsentation ein strukturiertes Peer-Feedback, wobei Sie die oben genannten Leitlinien als Rahmen nutzen. Die Übung eignet sich gut für Gruppen mit sechs bis zwölf Teilnehmenden, mit Feedbackrunden von fünf bis zehn Minuten pro Präsentation. Bei größeren Gruppen ist es sinnvoll, kleinere Untergruppen zu bilden, um Zeit zu sparen und ein persönlicheres Feedback zu ermöglichen, sofern genügend Moderatorinnen oder Moderatoren zur Verfügung stehen.

Forschende

Bereiten Sie auf Grundlage Ihrer eigenen Forschung einen vierminütigen Policy-Pitch vor und wenden Sie dabei die oben genannten Richtlinien an. Geben und erhalten Sie während der Feedbackrunde konstruktives Feedback: Ist die Zielgruppe klar definiert? Sind die Kernbotschaften klar? Gibt es konkrete politische Handlungsoptionen? Ist die Sprache für Laien verständlich?

Akteure in Politik und Verwaltung

Sollten Akteure aus Politik/Verwaltung am Workshop teilnehmen, können diese nach den Präsentationen Feedback aus ihren jeweiligen Praxisperspektiven geben. Ihre Einschätzung dazu, was sie tatsächlich nützlich finden und was sie verwirrend oder nicht überzeugend empfinden, ist in der Regel das einprägsamste und lehrreichste Feedback, das die Teilnehmer erhalten.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Conrad, Paulina; Sielemann, Katharina; Sandevski, Tome (2025), Tipps zur Vorbereitung von Vorträgen und Policy Briefs für den Wissenschafts-Politik-Dialog, https://www.allianz-meeresforschung.de/app/uploads/2025/07/science-policy-dialog-tipps.pdf

Cairney, Paul; Kwiatkowski, Richard (2017), How To Communicate Effectively with Policymakers: Combine Insights from Psychology and Policy Studies, Palgrave Communications 3, 1–8.

 

Das Policy Engagement Toolkit befindet sich noch in der Entwicklung                                                                            

Bitte senden Sie Kommentare zu unseren Kapiteln oder Vorschläge für Format- oder Praxisbeispiele an science-policy@uni-frankfurt.de

 

 

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