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Einfluss, Vertrauen, Vernetzung, Lernen: Die verschiedenen Ziele des Policy Engagements


Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Vermeiden Sie die „Impact-Falle“: Direkte Policy-Veränderungen sind selten, haben vielfältige Ursachen und vollziehen sich langsam. Betrachten Sie sie als potenzielles langfristiges Ergebnis und nicht als einzigen Maßstab für Erfolg.
  • Schätzen Sie die Zwischenschritte: Der Aufbau von Sichtbarkeit, Vertrauen und persönlichen Netzwerken sind wichtige Ziele an sich, die die Grundlage für zukünftige Policy-Interaktionen bilden.
  • Policy Engagement ist keine Einbahnstraße: Ein (besseres) Verständnis für Politikgestaltung in Parlamenten und der Exekutive ist ein wichtiges, aber oft übersehenes Ziel des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/ Verwaltung. Policy Engagement kann die akademische Forschung bereichern, indem es Zugang zu Daten oder Interviewpartnern verschafft oder Impulse für mögliche Forschungsfragen oder Hypothesen liefert.
  • Ergebnisoffene Dialoge begrüßen: Die frühzeitige Information von Akteuren in Politik und Verwaltung – selbst mit vorläufigen oder noch nicht endgültigen Ergebnissen – hilft dabei, aufkommende Themen lange vor dem Eintreten von Krisen oder der Verabschiedung von Gesetzen zu thematisieren

 

Warum sind diese Ziele wichtig?

Bevor man sich mit Formaten, Akteuren, Institutionen, bereichsübergreifenden Einrichtungen sowie Lehr- und Lernmethoden befasst, muss jeder Weg des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung mit einer grundlegenden Frage beginnen:

 

Was wollen wir eigentlich erreichen?

In Anlehnung an die weit verbreitete Definition der Universität Oxford verstehen wir Policy Engagement als einen Oberbegriff, der „die vielfältigen Wege beschreibt, auf denen Forschende und Akteure in Politik und Verwaltung in verschiedenen Phasen ihrer jeweiligen Forschungs- und Politikgestaltungsprozesse miteinander in Verbindung treten und gemeinsame Interessen ausloten“.

Um diesen Austausch angemessen zu planen, mit Ressourcen auszustatten und zu bewerten, müssen sowohl Forschende als auch Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, Transfer oder Kommunikation ihre spezifischen Ziele im Vorfeld klar definieren. In der Praxis führen nicht aufeinander abgestimmte oder unrealistische Erwartungen zu Frustration.

 

Das Spektrum der Ziele des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung

Anstatt das Engagement durch eine „Alles-oder-nichts“-Brille zu betrachten, ist es hilfreich, die Ziele als ein Spektrum zu verstehen, das vom grundlegenden Aufbau von Netzwerken bis hin zur direkten Beeinflussung der Policy reicht:

 

Direkte Policy-Veränderungen: Sehr ehrgeizig und selten sofort erreichbar

Zu sehen, wie Akteure in Politik und Verwaltung die eigenen Empfehlungen aufgreifen, ist das Ziel, an das die meisten Forscher als Erstes denken – und das aus zwei Gründen auch am schwersten zu erreichen ist. Erstens ist politischer Wandel selten auf einen einzelnen wissenschaftlichen Input zurückzuführen: Forschende und wissenschaftliche Einrichtungen, Interessensvertretungen oder Medien beeinflussen politische Entscheidungen. Meist lassen sich politische Entscheidungen nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Zweitens finden politische Veränderungen nicht im luftleeren Raum statt, sondern hängen von mehreren Voraussetzungen ab, die es wert sind, als eigenständige Ziele betrachtet zu werden (siehe unten). Forschende und Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement, im Transfer oder in der Kommunikation sollten es vermeiden, politische Veränderungen als einzig legitimes Ziel ihres Engagements zu betrachten; dies führt unweigerlich zu Frustration.

Sichtbarkeit erhöhen, Vertrauen aufbauen und Netzwerke erweitern

Wenn man die Forschenden betrachtet, die in Sachverständigengremien aktiv sind, Auftragsforschung betreiben, zu Fachveranstaltungen eingeladen werden oder an parlamentarischen Anhörungen teilnehmen, fallen immer wieder dieselben Namen auf. Warum? Über ihre akademischen Leistungen hinaus beruht ihr Engagement stark auf (institutioneller) Sichtbarkeit, langjährigem Vertrauen und etablierten persönlichen Netzwerken. Die Steigerung der eigenen Sichtbarkeit und der Aufbau gegenseitigen Vertrauens sind entscheidende Ziele an sich, die Zeit und Kontinuität erfordern. Dies zu erkennen, beugt Frustration vor, wenn man neue Reihen von Policy Briefs startet oder erste Veranstaltungen ausrichtet.

Gegenseitiges Lernen, Verbesserung des Verständnisses für Politikgestaltung und Zugang zu Ideen für die eigene Forschung

Das Verständnis für Politikgestaltung hilft Forschenden dabei, die Relevanz ihrer Ergebnisse zu erklären, Handlungsempfehlungen oder Handlungsoptionen zu formulieren und die richtige Zielgruppe (z.B. Abgeordnete und deren Mitarbeitende, Referentinnen und Referenten in Ministerien) sowie die richtigen Kommunikationskanäle zu identifizieren. Keine Wissenschaftlerin wird über Nacht zur Expertin für Politikgestaltung, und das ist völlig in Ordnung. Zwar sind formelle Dokumente wie Koalitionsverträge, Regierungsstrategien, Parteiprogramme und Policy-Analysen von Thinktanks, NGOs und Verbänden öffentlich zugänglich, doch das implizite, ungeschriebene Wissen darüber, wie Politikgestaltung in der Praxis funktioniert, lässt sich nur durch direkte Gespräche mit Akteuren in Politik und Verwaltung erwerben. Die Förderung eines offenen Dialogs mit Akteuren in Politik und Verwaltung – allein um zu erfahren, wie Politikgestaltung funktioniert – ist daher ein wichtiges Ziel an sich.

Der Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung kann auch für die wissenschaftliche Forschung von Nutzen sein. Gespräche mit Akteuren in Politik /Verwaltung können neue Perspektiven aufzeigen, die zu neuen Forschungsfragen oder Hypothesen führen, und den Zugang zu Daten, Interviewpartnern oder Institutionen öffnen, die bereit sind, an Umfragen mitzuwirken.

Ergebnisoffener Austausch mit Politik und Verwaltung

Forschungsergebnisse führen nicht immer zu Policy-Veränderungen. Sie könnten den aktuellen Prioritäten der Regierung widersprechen, oder eine sich rasch verändernde politische Lage könnte Ergebnisse überholen, die noch nicht vollständig fundiert sind (z.B. COVID-19-Pandemie). Forschende können auch zu wichtigen Erkenntnissen gelangen, ohne wirklich sicher zu sein, welche Handlungsempfehlungen sich daraus ergeben. Sollten Forschende in solchen Fällen davon absehen, mit Akteuren in Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten? Ganz sicher nicht. Akteuren in Politik und Verwaltung benötigen Zeit, um ein Verständnis für wichtige Themen zu entwickeln. Je früher sie Zugang zu wissenschaftlicher Expertise haben, desto besser.

 

Quellen und weiterführende Literatur

  • Universität Oxford (2024), Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung. Abgerufen am 10. April 2024.

 

Möchten Sie mehr über das Policy Engagement Toolkit erfahren?

Möchten Sie Ihre Erfahrungen im Bereich des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung teilen? Möchten Sie einen Beitrag zum Policy Engagement Toolkit leisten? Dann wenden Sie sich gerne an Tome Sandevski unter science-policy@pvw.uni-frankfurt.de

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