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Wissenschaft wirkt nur, wenn sie ankommt: Warum die Kommunikation und der Inhalt von Policy-Formaten Hand in Hand gehen müssen

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Frühzeitige Planung sichert Ressourcen: Um weder Zeit noch finanzielle Mittel für ungelesene Publikationen oder schlecht besuchte Veranstaltungen zu verschwenden, müssen Forschende und Mitarbeitende im Wissenstransfer die Bewerbung von Policy-Formaten von Anfang an mitdenken.
  • Der Mix macht’s: Eine effektive Vermittlung kombiniert mehrere sich gegenseitig verstärkende Strategien – von der gezielten Stakeholder-Analyse und personalisierten Ansprache über klassische und soziale Medien bis hin zu persönlichen Netzwerken und den Kanälen von Partnerorganisationen.

Worum geht es?

Forschende, die direkt von Akteuren aus Politik und Verwaltung eingeladen werden – sei es für Auftragsforschung, die Mitarbeit in Expertengremien, parlamentarische Anhörungen oder als Speaker auf Fachveranstaltungen –, genießen einen erheblichen Vorteil: direkten Zugang. Für Forschende ohne Vorerfahrung in der wissenschaftlichen Politikberatung stellt sich jedoch eine ganz andere Herausforderung: Sie müssen sich in Politik und Verwaltung überhaupt erst einmal einen Namen machen.

Das Risiko ist real: Eine sorgfältig recherchierte Policy-Veröffentlichung zu einem wichtigen Thema, die niemand in Parlamenten oder Ministerien liest, oder eine aufwendig geplante Policy-Veranstaltung, die jedoch nicht von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung besucht wird, sind eine Verschwendung von Zeit und Geld. Die Lösung besteht darin, den Fokus nicht ausschließlich auf den Inhalt von Policy-Formaten zu legen. Die Kommunikation (Dissemination) über die Policy-Formate muss von Beginn des Projekts an mit derselben Sorgfalt geplant werden wie die Forschungsinhalte selbst.

Vier Kernstrategien für eine erfolgreiche Verbreitung

 

Strategie 1: Stakeholder-Mapping und personalisierte Ansprache

Identifizieren Sie Ihre Zielgruppe systematisch, indem Sie Organigramme und Websites relevanter Policy-Einrichtungen analysieren: kommunale Einrichtungen, Ministerien und nachgeordnete Behörden auf Bundes- und Landesebene, Parlamente, politische Parteien, EU-Institutionen und internationale Organisationen. Erstellen Sie eine Mailingliste, mit den Akteuren in Politik und Verwaltung, für die Ihre Expertise relevant ist.

Der dafür erforderliche Aufwand variiert je nach Reichweite des Themas enorm:

  • Lokaler Fokus: Eine Publikation zum Thema Fahrradfahren in einem einzelnen Stadtviertel ist auf lokaler Ebene vielleicht nur für eine Handvoll Personen relevant. Die Identifikation dieser Personen dauert nur wenige Stunden.
  • Internationaler Fokus: Eine Studie zum Thema Fahrradfahren in 214 Städten in 25 europäischen Ländern kann für Zielgruppen auf kommunaler, nationaler und EU-Ebene interessant sein. Das Mapping und die Formulierung personalisierter Anschreiben können hier Wochen oder Monate in Anspruch nehmen.

Praxistipp: Vermeiden Sie standardisierte Massenmails. Eine personalisierte Ansprache ist um ein Vielfaches effektiver. Nutzen Sie Textvorlagen, die Sie je nach Zielgruppe variieren können.

Dieselbe Studie zum Thema Fahrradfahren in 25 Ländern in Europa kann für unterschiedliche Akteure aus völlig verschiedenen Gründen relevant sein:

  • Verkehrsministerien: Interesse an den Themen Verkehrsregelung, Infrastrukturplanung und Beschilderung.
  • Bildungsministerien: Integration des Themas Mobilität in Lehrplänen.
  • Bürgermeisteramt: Möchte, dass seine Städte sich als fahrradfreundliche Touristenziele positionieren oder die angespannte Parkplatzsituation entlasten.
  • Parlamentsabgeordnete: Setzen sich für aktive Mobilität und die langfristige öffentliche Gesundheit ein.

Jeder dieser Kontakte verdient eine personalisierte Nachricht. Erklären Sie, warum genau diese Publikation oder Veranstaltung für diese Person jetzt relevant ist. Bieten Sie am Ende der Nachricht zudem immer konkret für Rückfragen ein Telefonat oder ein virtuelles Treffen an.

 

Strategie 2: Medien, Social Media und Fachplattformen

Pressemitteilungen sind nach wie vor ein starkes Instrument, um Sichtbarkeit zu generieren – insbesondere, wenn sie professionell über die Kommunikationsabteilung Ihrer Institution ausgespielt werden. Nutzen Sie zudem soziale Medien, um direkt mit Akteuren aus Politik und Verwaltung in Kontakt zu treten, und laden Sie diese ein, Ihren Kanälen zu folgen. Spezialisierte Policy-Plattformen (wie Political, EU-Agenda oder Euractiv) erreichen ein großes Fachpublikum und eignen sich hervorragend für die Ankündigung von Events oder Neuerscheinungen.

 

Strategie 3: Persönliche Netzwerke nutzen

Kolleginnen, Kooperationspartner und Alumni-Kontakte, die bereits gut in die Politik vernetzt sind, sind Gold wert. Bitten Sie vertrauenswürdige Kontakte um ein „Warm Introduction“ (eine persönliche Vorstellung), um Einladungen weiterzuleiten oder Ihre Inhalte auf Social Media zu teilen. Eine persönliche Empfehlung durch Dritte öffnet Türen deutlich leichter als eine kalte Kontaktaufnahme.

 

Strategie 4: Multiplikatoren und Partnerorganisationen einbinden

Forschungseinrichtungen, Think Tanks, NGOs, Stiftungen und Verbände, die eine große Sichtbarkeit in Politik und Verwaltung genießen, sind ideale strategische Partner.

Prüfen Sie, ob Sie Gastbeiträge in Newslettern, Blogs oder anderen Publikationsreihen platzieren können. Ein gut platzierter Text erreicht oft ein weitaus größeres und passgenaueres Publikum als ein Policy Brief, der lediglich auf der eigenen Institutswebsite hochgeladen aber nicht gelesen wird.

Zudem schlagen Sie mit der Einbindung externer Expertinnen und Experten in Ihre eigenen Veranstaltungen zwei Fliegen mit einer Klappe: Es erhöht die inhaltliche Diversität und steigert automatisch die Reichweite, da die Gäste die Veranstaltung in der Regel über ihre eigenen Netzwerke teilen.

 

Strategien kombinieren

Die oben genannten Strategien schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern verstärken sich gegenseitig. Forschende und Wissensvermittelnde sollten die Ressourcen bewerten, die sie realistisch in die Verbreitung investieren können, und die Kombination von Strategien auswählen, die am besten zu ihrem Thema, ihrer Zielgruppe und ihrem institutionellen Kontext passt.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Forschende unterschätzen die Bedeutung der Wissensverbreitung. Neue Forschungsergebnisse alleine reichen in Policy-Kontexten nicht aus. Sie müssen auch von Akteuren in Politik und Verwaltung wahrgenommen werden. Forschende sollten zumindest einige Maßnahmen zur Wissensverbreitung selbst planen, insbesondere die gezielte Ansprache von Akteuren aus Politik und Verwaltung, die sie bereits persönlich kennen oder die sie im Rahmen eines Stakeholder Mappings identifiziert haben.

Mitarbeitende im Transfer und Wissenschaftsmanagement

Mitarbeitende im Transfer- und Wissenschaftsmanagement spielen eine wichtige Rolle dabei, die Kommunikation neuer Erkenntnisse in Policy-Kontexten effizient und nachhaltig zu gestalten. Sobald mögliche Zielgruppen identifiziert und eine Mailingliste angelegt wurde, kann diese gepflegt und für zukünftige Aktivitäten wiederverwendet werden.

Mitarbeitende im Transfer- und Wissenschaftsmanagement sollten Vorlagen für E-Mail-Nachrichten, Social-Media-Beiträge und Pressemitteilungen erstellen, die bei Bedarf angepasst werden können. Sie sollten Forschenden außerdem dabei helfen, Partnerorganisationen wie Thinktanks, NGOs, Stiftungen und Verbände zu identifizieren, die die Sichtbarkeit Ihrer Expertise erhöhen können.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Baron, Nancy (2010), Escape from the Ivory Tower: A Guide to Making Your Science Matter. Island Press.

Swann, Michelle (2012), Writing Professional Emails: The Step-by-Step Guide.

Willis, Christina C. (2020), Sustainable Networking for Researchers and Engineers, https://doi.org/10.1117/3.2535500.

 

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Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de


Tome Sandevski

Tome Sandevski ist Programmmanager Science-Policy Dialog an der Goethe-Universität Frankfurt und koordiniert die gemeinsamen Policy-Dialogformate der Rhein-Main-Universitäten (Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Er konzipiert und leitet regelmäßig Fortbildungen zur wissenschaftlichen Politikberatung für Forschende und WissenschaftsmanagerInnen.

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