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Weniger Folien, mehr Wirkung: Forschungsergebnisse zielgruppengerecht präsentieren

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Diese Übung hilft den Teilnehmenden dabei, die Schlüsselelemente einer effektiven Präsentation ihrer Forschungskompetenz gegenüber Akteuren in Politik und Verwaltung zu ermitteln, indem sie eine fiktive Präsentation aus der Perspektive eines Mitarbeitenden eines Abgeordneten analysieren.
  • Durch diesen bewussten Perspektivwechsel erleben die Teilnehmenden hautnah, warum die Anzahl der Folien, die Wahl der Sprache und die Selektion der Inhalte entscheidend sind – und welchen Unterschied die richtige Darstellung für den Erfolg ausmacht.
  • Am Ende der Übung verfügen die Teilnehmenden über eine Reihe praktischer Tipps und No-Gos für die Strukturierung, Gestaltung und Durchführung von Präsentationen vor Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung.

Wie funktioniert das Format?

Schritt 1: Durchsicht der Folien

Verteilen Sie eine elektronische oder gedruckte Version der fiktiven Präsentation (die Folie finden Sie am Ende dieses Artikels) und bitten Sie die Teilnehmenden, die Präsentation anhand des folgenden Szenarios durchzuarbeiten:

Sie arbeiten für einen Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Ein Freund von Ihnen ist Wissenschaftler und koordiniert ein EU-Projekt zum Thema „Nachhaltiger öffentlicher Nahverkehr in Europa“.

Der Europäische Verband für öffentlichen Verkehr hat Ihren Freund eingeladen, auf seiner Politikkonferenz in Brüssel die Forschungsergebnisse des EU-Projekts sowie politische Empfehlungen für die Zukunft des nachhaltigen öffentlichen Nahverkehrs in Europa vorzustellen. Das Organisationsteam hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Präsentation 10 Minuten nicht überschreiten darf.

An der Konferenz nehmen 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung aus den Bereichen Kommunal-, Regional- und Landespolitik sowie auf EU-Ebene teil, ebenso wie Vertretende von öffentlichen Verkehrsunternehmen, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft. Da Ihr Freund noch nie vor Praxispublikum einen Vortrag gehalten hat, bittet er Sie um Feedback zu seinem Präsentationsentwurf. Haben Sie Vorschläge, wie die Präsentation verbessert werden könnte?“

Die Teilnehmenden sollen sich jetzt die Präsentation anschauen.

Schritt 2: Testen Sie, was im Gedächtnis geblieben ist

Nachdem die Teilnehmenden die Folien durchgesehen haben, bitten Sie sie, die Präsentation zu schließen und die folgenden Fragen aus dem Gedächtnis zu beantworten:

  • In der Präsentation werden 17 Forschende erwähnt. An wie viele ihrer Namen können Sie sich erinnern?
  • Was wissen Sie noch über die vier beteiligten Universitäten?
  • Erinnern Sie sich an die genannten Zahlen zu Studierenden, Mitarbeitenden und Forschungsinstituten?
  • Erinnern Sie sich an die Namen der Vorgängerprojekte des SUSTRA(I)N-Projekts?

 

Die meisten Teilnehmenden werden hier ins Stocken geraten – und genau darum geht es. Nutzen Sie ihre Antworten, um eine Diskussion darüber anzustoßen, warum sich kaum jemand an diese Informationen erinnert und was das über den typischen Aufbau von Präsentationen verrät.

Die fiktive Präsentation umfasst 24 Folien. Die ersten 16 beschreiben das Projekt und das Konsortium, anstatt praxisrelevante Ergebnisse zu präsentieren. Das sind viel zu viele. Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung tauschen sich mit Forschenden aus, weil diese über Fachwissen verfügen – nicht, weil ihre Universität fünf Fachbereiche und 32 Forschungsinstitute hat.

Tipp: Beginnen Sie mit 3 Kernbotschaften, die sich die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung merken sollen. Bauen Sie Ihre Präsentation um diese Kernbotschaften herum auf

Tipp: Verwenden Sie nur 1 bis 2 Folien, um Ihr Konsortium, Ihre Einrichtung oder Ihr Projekt kurz vorzustellen. Überfrachten Sie dabei nicht die Folien!

Die Präsentation stützt sich zudem stark auf Abkürzungen, die für ein Publikum außerhalb der Forschungsgemeinschaft wahrscheinlich nicht verständlich sind. Bei der Analyse der einzelnen Folien treten in der Regel die folgenden Probleme zutage, die Moderatoren zur Strukturierung der anschließenden Diskussion nutzen können:

 

Folie 5: Die vier akademischen Partner werden ausführlich beschrieben, während die 14 Partner aus der Praxis nicht namentlich genannt werden; bei einer Präsentation auf einer Konferenz, die von Praktikern organisiert wird und an der diese teilnehmen, sollten auch die Partner aus der Praxis erwähnt werden

Folie 16: Die acht Arbeitspakete werden vorgestellt, darunter auch diejenigen zur Theorie- und Methodenentwicklung; interessanterweise werden die Arbeitspakete zur langfristigen Bewertung öffentlicher Infrastruktur (WP6), zur Wahrnehmung von Mobilität in ländlichen Gebieten (WP7) sowie zu politischen Empfehlungen und zur Schulung von Akteuren in der Praxis (WP8) im weiteren Verlauf der Präsentation nicht erwähnt

Folie 19: Verzichten Sie auf Folien zu Theorie oder Methoden, die für Mitarbeitende aus Politik und Verwaltung höchstwahrscheinlich unverständlich sind

Folie 18: Im Austausch mit Akteuren aus Politik und Verwaltung beklagen sich Forschende oft über fehlende Forschungsmittel; manchmal tun sie dies, noch bevor sie ihre Forschungsergebnisse überhaupt erwähnen, wie in diesem Fall. Zwar ist die Forschungsfinanzierung sehr wichtig, doch das vorgestellte Forschungsprojekt befasste sich nicht mit der Forschungsfinanzierung an sich, und daher hinterlässt das Klagen über fehlende Forschungsmittel einen unhöflichen und unprofessionellen Eindruck:

Es ist völlig in Ordnung, wenn Forschende mit Akteuren in Politik und Verwaltung über Fragen der Forschungsfinanzierung diskutieren, aber sie sollten dafür nicht die Themen auf Fachveranstaltungen wechseln. Forschende sollten separate Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung vereinbaren, um die Forschungsfinanzierung zu erörtern. Sie sollten formelle Kanäle nutzen, wie beispielsweise Konsultationen oder Positionspapiere oder über wissenschaftliche Verbände. Außerdem sollten sie von Anfang an transparent bezüglich der Finanzierung sein, anstatt die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung zu überraschen, was den gegenteiligen Effekt haben könnte als beabsichtigt.

Folie 20: Forschende sollten zwar ihre Ergebnisse klar darlegen und politische Ergebnisse kritisieren, dabei jedoch keine Sprache verwenden, die von Akteuren aus Politik und Verwaltung als unangemessen oder respektlos empfunden werden könnte. Außerdem sind 32 Abkürzungen auf einer Folie zu viel, selbst wenn die meisten davon bekannt sind.

Tipp: Verwenden Sie eine respektvolle Sprache, wenn Sie Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung kritische Forschungsergebnisse präsentieren.

Folie 21: Das Forschungsprojekt ergab, dass die Regierung insbesondere in Krisenzeiten Schwierigkeiten mit der langfristigen Umsetzung von Strategien und Gesetzen im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs hat. Um eine langfristige Umsetzung zu gewährleisten, empfehlen die Forschenden eine enge Zusammenarbeit zwischen Regierungs- und Oppositionsparteien sowie die Bildung einer zweckgebundenen Rücklage für Krisenzeiten. Diese Empfehlungen sind nicht realistisch.

Schritt 3 (optional)

Bitten Sie die Teilnehmenden, die Präsentation praktisch zu überarbeiten: Reduzieren Sie die Anzahl der Folien drastisch und passen Sie die verbleibenden Inhalte so an, dass die Präsentation für ein Publikum aus Politik und Verwaltung maximale Aussagekraft entfaltet.

Schritt 4 (optional)

Bitten Sie die Teilnehmenden, eine griffige Liste mit zehn Verhaltensregeln (Dos und Don’ts) für die Präsentation von Forschungsergebnissen vor Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung zu erstellen. Die gesamte Übung dauert zwischen 20 und 40 Minuten, je nachdem, wie viel Gesprächsstoff und Dynamik sich aus der anschließenden Diskussion ergibt.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Leitungen

Sie stellen den Teilnehmenden die fiktive Präsentation vor oder direkt zu Beginn der Veranstaltung bereit. Sie führen die Gruppe durch das Szenario, moderieren den Gedächtnistest in Schritt 2 und leiten die anschließende Diskussion. Vorkenntnisse über häufige Fallstricke in der Wissenschafts- und Politikkommunikation sind zwar hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Die fiktive Präsentation ist so konzipiert, dass die Schwachstellen auch ohne Expertenwissen sofort ins Auge springen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere Teilnehmende

Sie analysieren die fiktive Präsentation einzeln oder in Tandems. Bringen Sie Ihre Beobachtungen aktiv in die anschließende Diskussion ein und nehmen Sie dabei bewusst die Perspektive der Akteure aus Politik und Verwaltung ein. In den optionalen Schritten 3 und 4 überarbeiten Sie die Präsentation praktisch und/oder erstellen Ihre eigene Liste mit wertvollen Richtlinien.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung

Falls Gäste aus Politik und Verwaltung anwesend sind, laden Sie diese ein, direkt aus der Praxis zu berichten: Worauf achten sie bei einer Forschungspräsentation besonders – und was schreckt sie eher ab? Diese authentische Perspektive ist oft der einprägsamste Teil der gesamten Übung und verleiht dem Workshop eine unschätzbare Praxisnähe.

 

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Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de


Tome Sandevski

Tome Sandevski ist Programmmanager Science-Policy Dialog an der Goethe-Universität Frankfurt und koordiniert die gemeinsamen Policy-Dialogformate der Rhein-Main-Universitäten (Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Er konzipiert und leitet regelmäßig Fortbildungen zur wissenschaftlichen Politikberatung für Forschende und WissenschaftsmanagerInnen.

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