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Politische Prioritäten verstehen: Eine Übung zu Schlüsseldokumenten

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Durch die Analyse von Schlüsseldokumenten wie Koalitionsverträgen oder Strategiedokumenten lernen Forschende, Anschlussmöglichkeiten für ihre eigene Forschung zu identifizieren.
  • Die Lektüre von Schlüsseldokumenten ermöglicht Forschenden einen schnellen Überblick zu Prioritäten in Politik und Verwaltung.
  • Die Übung ermöglicht es Forschenden, Praxissprech aus Politik und Verwaltung kennenzulernen und mit der Verwendung von wissenschaftlichen Fachbegriffen abzugleichen.

Wie funktioniert das Format?

Die meisten lokalen, regionalen oder nationalen Regierungen in OECD-Ländern sowie die Europäische Kommission, internationale Organisationen und politische Parteien veröffentlichen Dokumente, in denen sie ihre Prioritäten darlegen: Koalitionsverträge, Regierungsprogramme, Strategiepläne, Arbeitsprogramme oder Parteiprogramme.

Diese Dokumente sind unverzichtbare Lektüre für Forschende, die effektiv mit Akteuren in Politik und Verwaltung zusammenarbeiten möchten. Sie zeigen, welche Themen auf der politischen Agenda stehen, welche Sprache in Politik und Verwaltung zur Beschreibung dieser Themen verwendet wird und wo potenzielle Ansatzpunkte für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung bestehen. Diese Übung führt die Teilnehmenden in diese Art von Dokumenten ein und fordert sie auf, ihre eigene Forschungskompetenz mit den aktuellen politischen Prioritäten abzugleichen.

 

Schritt 1: Wählen Sie Ihr Dokument aus

Bitten Sie die Teilnehmenden, ein Dokument zu politischen Prioritäten auszuwählen, das für ihren institutionellen oder nationalen Kontext relevant ist. Je nach Zielgruppe des Workshops können die Workshopleitungen zwei bis vier Dokumente vorab auswählen oder die Teilnehmenden auffordern, selbst eine Auswahl zu treffen. Mögliche Dokumente umfassen Koalitionsverträge auf Bundes- und Landesebene, Strategiepapiere auf Landes-, Bundes-, EU- oder internationaler Ebene (z.B. Nationale Wirtschaftsschutzstrategie; Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und Pflege; Zukunftsagenda Rechenzentren Hessen; EU-Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2026-2030) sowie Wahlprogramme.

 

Schritt 2: Effizientes Navigieren

Die Teilnehmenden können die Dokumente vollständig lesen, wenn sie möchten. Alternativ können Sie sie bitten, sich anhand der Inhaltsverzeichnisse und der Suchfunktion einen Überblick über die Dokumente zu verschaffen.

Bitten Sie die Teilnehmenden, einen Blick in die Dokumente zu werfen und über folgende Fragen nachzudenken:

  • Finden Sie in diesem Dokument Themen, zu denen Sie über Forschungserfahrung verfügen?
  • Welche Themen sind für Sie von besonderem Interesse?
  • Welche Begrifflichkeiten verwenden die Dokumente für die Themen, mit denen Sie sich beschäftigen? Stimmen sie mit der Terminologie überein, die Sie in Ihrer Forschung verwenden? Verstehen Sie die Begrifflichkeiten? Wie unterscheiden die sich von wissenschaftlicher Terminologie?
  • Gibt es Themenaspekte, die Sie erwartet hätten, die aber in den Dokumenten fehlen, oder Themenaspekte, mit denen Sie nicht gerechnet haben?

 

Schritt 3: Anschließende Diskussion

Moderieren Sie eine kurze Plenardiskussion. Sie können sich an den folgenden Fragen orientieren:

  • Wo haben Sie die stärksten Verbindungen zu Ihrer eigenen Forschung gefunden?
  • Gab es Überraschungen, Themen, die stärker oder schwächer vertreten waren, als Sie erwartet hatten?
  • Unterschied sich die im Dokument verwendete Sprache davon, wie Sie dieselben Themen in einem akademischen Kontext beschreiben würden? Was sagt Ihnen das darüber, wie Sie Ihre Expertise gegenüber Akteuren in Politik und Verwaltung kommunizieren können?

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Leitungen

Wählen Sie im Vorfeld zwei bis vier Dokumente aus, die für die Workshop-Teilnehmenden am relevantesten sind, und stellen Sie sie ihnen nach Möglichkeit vor der Sitzung zur Verfügung.

Moderieren Sie die anschließende Diskussion und achten Sie dabei besonders auf sprachliche Unterschiede zwischen wissenschaftlichen und Policy-Dokumenten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere Teilnehmende

Sehen Sie sich die ausgewählten Dokument mithilfe des Inhaltsverzeichnisses und der Suchfunktion an, reflektieren Sie die Fragen aus Schritt 2 und bringen Sie sich in die anschließende Diskussion ein. Teilnehmende, die bereits mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung zusammenarbeiten, werden dazu ermutigt, darüber nachzudenken, ob sie solche Dokumente bereits zuvor zur Vorbereitung von Treffen oder zur Identifizierung relevanter Kontakte genutzt haben.

Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung

Falls Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung anwesend sind, laden Sie sie ein, darüber zu berichten, wie sie selbst Dokumente wie Koalitionsvereinbarungen oder Arbeitsprogramme in ihrer täglichen Arbeit nutzen und wie sie sich die Zusammenarbeit mit Forschenden vorstellen. Ihre Sichtweise auf den Unterschied zwischen Praxissprech und akademischer Fachsprache ist oft aufschlussreich.

 

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Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de


Tome Sandevski

Tome Sandevski ist Programmmanager Science-Policy Dialog an der Goethe-Universität Frankfurt und koordiniert die gemeinsamen Policy-Dialogformate der Rhein-Main-Universitäten (Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Er konzipiert und leitet regelmäßig Fortbildungen zur wissenschaftlichen Politikberatung für Forschende und WissenschaftsmanagerInnen.

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