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Politische Wer macht was? Organigramme als Einstieg in die Politikberatung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Diese Übung zeigt Teilnehmenden anhand realer Organigramme von Ministerien, der Europäischen Kommission, internationalen Organisationen und anderen öffentlichen Einrichtungen den Aufbau und die Aufgabengebiete verschiedener Praxiseinrichtungen.
  • Statt theoretischer Vorträge zum Thema Governance setzt die Methode auf einen praxisnahen, entdeckungsorientierten Ansatz: Die Teilnehmenden analysieren selbst reale Organisationsstrukturen und identifizieren anhand der Organigramme mögliche Zielgruppen für ihre Expertise.

Wie funktioniert das Format?

Organigramme zeigen nicht nur, womit sich ein Ministerium oder eine Generaldirektion befasst, sondern auch, wie diese aufgebaut sind: welche Abteilungen es gibt, welche Zuständigkeiten sie haben und wo die Schnittstellen zwischen den Politikbereichen liegen. Für Forschende, die versuchen, den richtigen Ansprechpartner*in innerhalb einer großen Institution zu finden, ist ein Organigramm ein unverzichtbarer Ausgangspunkt. Bei dieser Übung analysieren die Teilnehmenden die Organigramme der für ihre eigene Forschung relevanten Einrichtungen und gleichen die Ergebnisse mit ihren Erwartungen ab.

 

Schritt 1: Die passende Institution wählen

Bitten Sie die Teilnehmenden, eine für ihr Forschungsgebiet relevante Einrichtung zu identifizieren und deren Website zu besuchen. Zur Auswahl stehen Bundes- und Landeseinrichtungen, Generaldirektionen der Europäischen Kommission sowie internationale Organisationen. Treffen Sie ggf. eine thematische Vorabwahl und stellen Sie Linklisten zusammen (z.B. Einrichtungen mit Bezug zu den Themen Umwelt, Energie oder Digitalisierung).

 

Schritt 2: Vor der Analyse Erwartungen festhalten

Bevor die Organigramme betrachtet werden, notieren die Teilnehmenden fünf politische Themen, mit denen sich die Institution ihrer Meinung nach befasst. Wer beispielsweise im Bereich Energie forscht, würde vermutlich Abteilungen für erneuerbare Energien, Kernenergie, Stromnetze oder Energiebesteuerung erwarten. Dieser Prognoseschritt ist entscheidend: Er macht implizite Annahmen sichtbar und schärft den Vergleich in Schritt 3.

 

Schritt 3: Das Organigramm untersuchen

Bitten Sie die Teilnehmenden, das Organigramm der von ihnen gewählten Institution zu öffnen und es mit ihren Erwartungen zu vergleichen:

  • Welche der erwarteten politischen Themen finden sich im Organigramm wieder?
  • Welche Themen kommen überraschend hinzu?
  • Gibt es Abteilungen, deren Zuständigkeit sich allein aus dem Namen nicht erschließt?
  • Vergleichen Sie die Struktur eines regionalen oder nationalen Ministeriums mit der einer Generaldirektion der Europäischen Kommission oder einer internationalen Organisation: Welche strukturellen Unterschiede fallen auf?

 

Schritt 4: Anschließende Diskussion

Moderieren Sie eine Diskussion im Plenum. Besprechen Sie die in Schritt 3 gestellten Fragen.

Weitere hilfreiche Fragen sind:

  • Was hat Sie am Organigramm am meisten überrascht?
  • An wen würden Sie auf der Grundlage Ihrer Erkenntnisse einen Policy-Brief oder eine Einladung zu einer Veranstaltung richten?
  • Hat Ihnen die Struktur dabei geholfen, eine bestimmte Abteilung oder Kontaktperson zu identifizieren, die Sie zuvor nicht in Betracht gezogen hatten?

Die Diskussion dauert in der Regel 15–30 Minuten und führt oft zu lebhaftem Austausch. Die gesamte Übung, einschließlich der Prognose und der Diskussion, dauert je nach Gruppengröße und Diskussionstiefe zwischen 30 und 60 Minuten.

Die Schritte 1–3 können den Teilnehmenden im Voraus zugesandt werden, Schritt 4 wird als gemeinsame Diskussion während des Workshops durchgeführt.

 

Aufgaben und Ressourcen

Workshop-Leitungen

Erstellen Sie einen kurzen Überblick über die Struktur der relevanten Institutionen (z. B. die Standardstruktur eines deutschen Bundesministeriums oder das System der Europäischen Kommission), um diesen den Teilnehmenden vor oder während Schritt 3 zur Verfügung zu stellen. Moderieren Sie die anschließende Diskussion. Es sind keine Fachkenntnisse über die Institutionen erforderlich; die Übung ist darauf ausgelegt, die eigenen Erkenntnisse der Teilnehmenden zutage zu fördern.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere Teilnehmende

Identifizieren Sie eine relevante Einrichtung. Geben Sie in Schritt 2 Ihre Prognosen ab, analysieren Sie in Schritt 3 das Organigramm und bringen Sie anschließend Ihre Beobachtungen in die Diskussion ein. Teilnehmende, die bereits über Kontakte innerhalb eines Ministeriums oder einer Generaldirektion der Europäischen Kommission verfügen, werden dazu angeregt, darüber nachzudenken, wo genau diese Kontakte innerhalb der institutionellen Struktur angesiedelt sind und was dies über den Umfang ihres bestehenden Netzwerks aussagt.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung

Sollten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung anwesend sein, laden Sie sie ein, zu kommentieren, inwiefern das Organigramm ihrer jeweiligen Institution die alltäglichen Realitäten widerspiegelt – oder nicht. In der Praxis weichen formale Strukturen oft von informellen Arbeitsbeziehungen ab, und Mitarbeitende in Politik und Verwaltung können wertvolle Einblicke geben, wie Entscheidungsprozesse innerhalb einer Institution tatsächlich ablaufen.

 

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Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de


Tome Sandevski

Tome Sandevski ist Programmmanager Science-Policy Dialog an der Goethe-Universität Frankfurt und koordiniert die gemeinsamen Policy-Dialogformate der Rhein-Main-Universitäten (Frankfurt, TU Darmstadt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Er konzipiert und leitet regelmäßig Fortbildungen zur wissenschaftlichen Politikberatung für Forschende und WissenschaftsmanagerInnen.

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