Was haben wir erreicht? Ein pragmatischer Leitfaden zur Bewertung von Science-Policy-Aktivitäten
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Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Keine Einheitslösung: Bewertungskriterien müssen auf den Umfang, die Dauer und die Ziele Ihrer konkreten Maßnahmen passen; ein einzelner Vortrag im Rahmen eines Frühstücks erfordert eine andere Bewertung als die Arbeit einer mehrjährigen Expert:innenkommission
- Planung ist entscheidend: Die Auswirkungen eines Formats lassen sich viel besser erfassen, wenn zuvor strategisch vereinbart wurde, welche Effekte mit dem Format erzielt werden sollen.
- Wirkungen über Policy-Veränderungen hinaus verstehen: Direkte Gesetzesänderungen sind selten und hängen von vielen Faktoren ab; Prozessindikatoren – wie der Aufbau von Beziehungen, Folgeaktivitäten und gegenseitiges Lernen – sind oft realistischere Maßstäbe.
- Die richtige Balance aus Ressourcen und Fokus: Bei der Bewertung eines Projekts gibt es nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, doch die Ressourcen sind in der Regel begrenzt; um die Bewertung sinnvoll zu gestalten, ist es am besten, sich auf bestimmte Aspekte oder Fragen zu konzentrieren, die zur Verbesserung der Maßnahmen beitragen und mit Ihren Ressourcen vereinbar sind (z. B. zur Erhebung und Auswertung von Daten)
Worum geht es?
Wie können Forschende und Mitarbeitende im Wissenschaftsmanagement oder Wissenstransfer die Wirkungen ihrer Science-Policy-Aktivitäten besser verstehen und einschätzen? Dies ist aus mehreren Gründen entscheidend: um den investierten Zeit- und Finanzaufwand zu rechtfertigen, Rechenschaft gegenüber Mittelgebern abzulegen und – was am wichtigsten ist – zukünftige Maßnahmen gezielt zu verbessern. Zudem hilft eine gründliche Auswertung, die Transferangebote noch besser auf den tatsächlichen Bedarf von Politik und Verwaltung abzustimmen.
Wie bereits im Artikel zu den Zielen von Science-Policy-Aktivitäten beschrieben, müssen mögliche Erfolgsindikatoren den Zielen der jeweiligen Maßnahmen entsprechen. Zudem beeinflussen externe Faktoren wie Regierungswechsel, Ressourcenengpässe oder schlichtes Glück das Ergebnis maßgeblich.
Ein wissenschaftliches Gremium, das über mehrere Jahre hinweg eine vielbeachtete Studie erarbeitet, bewegt sich in einer völlig anderen Realität als ein Forschungsteam, das ein einführendes Lunch-Briefing zu einem Spezialthema veranstaltet. Wirkungsanalyse ist daher keine sture Checkliste, sondern ein flexibles Instrument, das mit der Klärung der eigenen Ziele beginnt.
Mögliche Ziele des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung sind zum Beispiel:
- Politischer Wandel: Gestaltung der Art und Weise, wie Herausforderungen definiert, angegangen und bewältigt werden (z. B. Gesetze, Richtlinien),
- Sichtbarkeit erhöhen, Vertrauen aufbauen und Netzwerke erweitern
- Gegenseitiges Lernen: Einblicke in die Politikgestaltung gewinnen und Anregungen für die eigene Forschung erhalten
- Offene Information von Akteuren in Politik und Verwaltung
Vier Ebenen von Wirkungskriterien
Je nach den Zielen und Zielsetzungen des Austauschs zwischen Wissenschaft und Politik und Verwaltung sowie den zur Untersuchung verfügbaren Ressourcen lassen sich grob verschiedene Wirkungsebenen identifizieren. Es ist zu beachten, dass die Untersuchung dieser Wirkungen an sich bereits zeitaufwändig sein kann und gegebenenfalls Fachwissen erfordert. Für Forschende und Mitarbeitende im Wissenstransfer kann es daher hilfreich sein, sich nach Möglichkeit mit bereits erfahrenen Forschenden oder Evaluationsexpert:innen zusammenzuschließen.
Stufe 1: Reichweite und Zusammensetzung der Teilnehmenden (Input & Output)
- Was gemessen wird: Wer hat an Ihrer Aktivität teilgenommen und in welcher Funktion?
- Schlüsselindikatoren: Anzahl der Teilnehmenden, institutionelle Vielfalt (z. B. Teilnahme von Vertreter:innen aus Ministerien, Parlamenten, NGOs oder Thinktanks) sowie die inhaltliche Passung der Akteure aus Politik und Verwaltung.
- Wann sollte diese Ebene herangezogen werden: Ideal für erste, kostengünstige Formate (z. B. öffentliche Podiumsdiskussionen, Einführungs-Webinare oder Policy-Frühstücke)
Stufe 2: Interaktionsqualität und Beziehungsaufbau (Prozess)
- Was gemessen wird: Wurde die Interaktion als wertvoll empfunden und führte sie zu Folgeaktivitäten?
- Schlüsselindikatoren:
- Qualitatives/quantitatives Feedback: Umfragen (z. B. über die „Impact Unit Evaluation Platform“ von Wissenschaft im Dialog) oder kurze Nachbesprechungsgespräche, in denen sowohl Forscher als auch Akteure in Politik und Verwaltung gefragt werden, ob die Veranstaltung lohnend und informativ war.
- Folgeaktivitäten: Anfragen von Akteuren in Politik und Verwaltung nach der Veranstaltung, Organisation gemeinsamer Veranstaltungen, informelle Folgegespräche.
- Wann sollte es angewendet werden: Unverzichtbar für Workshops, Round Tables und Dialogreihen, die auf den langfristigen Aufbau von Netzwerken abzielen.
Stufe 3: Verweise und Zitierungen in Dokumenten (Aufgreifen der Ergebnisse)
- Was damit gemessen wird: Haben Ihre Forschungsergebnisse in Policy-Diskussionen oder offiziellen Veröffentlichungen eingeflossen?
- Schlüsselindikatoren: Akteure in Politik und Verwaltung beziehen sich in Medienerklärungen, Pressemitteilungen oder Reden auf die Ergebnisse oder Empfehlungen einzelner Forschender oder Forschungsgruppen; Zitierungen wissenschaftlicher Publikationen in Policy-Dokumenten wie Strategiepapieren, parlamentarischen Anfragen oder Parteiprogrammen.
- Tools: Politikzitationsdatenbanken wie Overton, Dimensions oder PlumX erleichtern die Nachverfolgung, wo wissenschaftliche Publikationen zitiert werden.
- Einschränkung: Die Zitierung in offiziellen Dokumenten deutet auf Sichtbarkeit hin, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Akteure in Politik und Verwaltung ihre Politik ändern. Zu beachten ist zudem, dass die Zitierraten in je nach Fachgebiet stark variieren (z. B. weisen die Bereiche öffentliche Gesundheit und Wirtschaftswissenschaften weitaus höhere Zitierzahlen auf als die Kulturwissenschaften).
Stufe 4: Zurechenbare Policy-Veränderung (direkte Wirkung)
- Was gemessen wird: Haben wissenschaftliche Erkenntnisse regulatorische Maßnahmen wie Gesetze oder ein Regierungsprogramm direkt beeinflusst?
- Schlüsselindikatoren: Explizite Aussagen in Gesetzestexten, Parlamentsreden, Pressemitteilungen oder offiziellen Memoiren, die bestätigen, dass wissenschaftliche Beratung eine bestimmte Entscheidung beeinflusst hat.
- Vorbehalt: Der direkte Nachweis der Kausalität ist selten. Wissenschaftliche Evidenz ist fast immer nur ein Baustein unter vielen politischen Erwägungen. Wer von jeder Maßnahme eine direkte Gesetzesänderung erwartet, setzt unrealistische Erwartungen und Frustration an.
Aufgaben und Ressourcen
Forschende
Forschende können gut aus eigener Perspektive einschätzen, wie sich eine Interaktion angefühlt hat, ob daraus tragfähige Verbindungen entstanden sind und ob sie ihre Forschung vorangebracht hat. Sie sind zudem eine wertvolle Quelle, um die Bedürfnisse oder Herausforderungen von Akteuren in Politik und Verwaltung zu verstehen – etwa anhand gestellter Fragen, geäußerter Bedenken oder kontrovers diskutierter Themen.
Mitarbeitende in Wissenschaftsmanagement und Wissenstransfer
Sie entwerfen und verteilen in der Regel Feedback-Fragebögen und erfassen über die Zeit Schlüsseldaten wie Teilnehmendenzahl, Downloads oder Folgekontakte zwischen Forschenden und Akteuren in Politik und Verwaltung. Sie können Forschende auch dabei unterstützen, Fälle zu dokumentieren, in denen sich eine politische Veränderung auf ihre Arbeit zurückführen lässt – etwa durch die Beobachtung von Regierungsveröffentlichungen, Abstimmung mit Kommunikationsteams oder Interviews mit Akteuren in Politik und Verwaltung. Auch (Teilnehmenden-)Beobachtungen oder fragebasierte Protokolle helfen dabei, einzelne Interaktionen oder Formate zu dokumentieren und zu bewerten.
Akteure in Politik und Verwaltung
Sie tragen vor allem durch Feedback sowie eigene öffentliche oder schriftliche Stellungnahmen bei. Ihr Input ist am wertvollsten, wenn er direkt und gezielt eingeholt wird – etwa über kurze, strukturierte Fragebögen nach einer Veranstaltung oder kurze Folgegespräche –, statt ihn aus Schweigen oder allgemeinem Wohlwollen abzuleiten.
Quellen und weiterführende Literatur
Impact Unit (2026), Evaluationsplattform, https://evaluationsplattform.impactunit.de/. Zugriff am 20. August 2026.
Neicu, D., Cauchi, J., Otto, J., Lehto, S., & Dantas Faria, J. C. (2020), Monitoring the Impact of Science and Evidence on Policy, in Šucha, V. & Sienkiewicz, M. (eds.), Science for Policy Handbook, Elsevier, S. 152–164. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-822596-7.00014-0
Newson, R., King, L., Rychetnik, L., Milat, A., & Bauman, A. (2018), Looking Both Ways: A Review of Methods for Assessing Research Impacts on Policy and the Policy Utilisation of Research. Health Research Policy and Systems, 16, Article 54. https://doi.org/10.1186/s12961-018-0310-4
Overton (2026), Tracking Research Impact in Policy Documents. [Online Resource]. Zugriff am 14. August 2026..
Reed, M. S. (2022), The Research Impact Handbook: Generating and Assessing Impact from Research. Fast Track Impact.
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