Gespräche, die Türen öffnen
Ein „World Café“ über Karrieren in der Politik und die Funktionsweise von Politik und Verwaltung. Eine Fallstudie der Goethe-Universität Frankfurt
Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick
- Dieses Veranstaltungsformat bringt Early Career Researchers in einem informellen Rahmen in kleinen Gruppen in den direkten Austausch mit Fachleuten aus Landes- und Bundeseinrichtungen, der Europäischen Kommission, Nichtregierungsorganisationen und Medien.
- Im Rahmen des „World Café“-Formats wechseln die Teilnehmenden in drei Diskussionsrunden die jeweiligen Tische, sodass sie verschiedene Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis und unterschiedliche Perspektiven kennenlernen können.
- Early Career Researchers erhalten Einblicke aus erster Hand in die Arbeitsweise von Ministerien, nachgeordneten Behörden und der Europäischen Kommission: Wissen, das sich nicht allein durch das Lesen offizieller Dokumente erwerben lässt.
- Das Format schließt eine strukturelle Lücke in vielen akademischen Laufbahnen: Forschende haben selten die Gelegenheit, Personen aus der Praxis direkt zu Karrierewegen, Zugangsvoraussetzungen und den Realitäten des Arbeitsalltags an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik zu befragen
Wie funktioniert das Format?
Dieses Veranstaltungsformat wurde vom Policy Engagement Team der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen des Mercator Science-Policy Fellowship-Programms und des Erasmus+-Projekts ENGAGEgreen gemeinsam mit der Goethe Research Academy for Early Career Researchers (GRADE) entwickelt und wird von beiden Einrichtungen gemeinsam organisiert.
Das Format adressiert zwei Wissensbedarfe: Erstens wissen Nachwuchswissenschaftler*innen oft nicht, wie sie ihre wissenschaftliche Expertise Zielgruppen in Ministerien, der Europäischen Kommission, Nichtregierungsorganisationen oder den Medien zur Verfügung stellen können, und sie kennen häufig nicht die Wissensbedarfe in Praxiseinrichtungen.
Zweitens stehen Nachwuchswissenschaftler*innen vor einer grundlegenden Karriereentscheidung: ob sie einen Weg in der Wissenschaft oder außerhalb davon einschlagen sollen. Direkte Gespräche mit Personen aus der Praxis vermitteln ihnen ein realistisches Bild davon, wie nicht-akademische Karrieren an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung aussehen.
Seit seiner Einführung im Jahr 2019 wurde das Format kontinuierlich weiterentwickelt. Bis heute haben mehr als 60 Gäste aus der Praxis sowie 250 Nachwuchswissenschaftler*innen der Goethe-Universität Frankfurt, der TU Darmstadt und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz daran teilgenommen.
Die Veranstaltung lässt sich in fünf Schritten organisieren.
Schritt 1: Verfassen Sie die Veranstaltungsbeschreibung
Eine klare Veranstaltungsbeschreibung hilft dabei, die richtigen Teilnehmenden anzusprechen, sowohl Nachwuchswissenschaftler*innen als auch Gäste aus der Praxis. Die Beschreibung sollte den Zweck der Veranstaltung, die zentralen Diskussionsfragen sowie die verwendeten Methoden erläutern. Sie dient als Grundlage für Ankündigungen in Kurskatalogen, Newslettern und auf Websites.
Beispiel für eine Veranstaltungsbeschreibung:
Ein konstruktiver Dialog zwischen Wissenschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft erfordert mehr als nur gute Kommunikation seitens der Forschenden. Auch politische Institutionen, NGOs und die Medien benötigen Mitarbeitende, die wissenschaftliche Erkenntnisse verstehen und in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einbringen können. Diese Veranstaltung untersucht, wie Forschende den Übergang von der Wissenschaft zu Ministerien und anderen politischen Organisationen, zur Europäischen Kommission, zu internationalen Organisationen, NGOs und Medien erfolgreich gestalten können und welche Herausforderungen sie dabei erwarten.
Wir diskutieren die folgenden Fragen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bundes- und Landeseinrichtungen, der Europäischen Kommission, Medien und NGOs:
- In welchen Kontexten greifen Sie auf wissenschaftliche Expertise zurück, und wie erschließen und nutzen Sie Forschungsergebnisse?
- Welche Karrierewege gibt es in Ihrer Organisation, und wie sehen die Einstiegsmöglichkeiten für promovierte Personen aus?
- Welche Kompetenzen und Erfahrungen sind für den Übergang aus der Wissenschaft am wichtigsten?
- Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit in einem Ministerium, der Europäischen Kommission, einer NGO oder einer Medienorganisation von der in der Wissenschaft – hinsichtlich Arbeitsgeschwindigkeit, Entscheidungsfindung und Arbeitsweisen – und warum?
Methoden: kurze Beiträge von Personen aus der Praxis verschiedener Organisationen; Frage-und-Antwort-Runde mit dem Publikum; Diskussionen in Kleingruppen; informelles Mittagessen mit den Gästen aus der Praxis.
Schritt 2: Planung und Organisation der Veranstaltung
Legen Sie den Termin fest und reservieren Sie den Raum fünf bis sieben Monate im Voraus. Der Raum sollte bequem Platz für 30 bis 60 Personen bieten. Verwenden Sie eine Bankettbestuhlung: runde oder rechteckige Tische mit jeweils fünf bis acht Stühlen. Je nach Anzahl der eingeladenen Gäste aus der Praxis benötigen Sie zwischen fünf und zwölf Tische.
Sobald die Veranstaltungsbeschreibung fertiggestellt ist, nehmen Sie sie in den Kurskatalog Ihrer Graduiertenschule oder Ihrer Förderinstitution für Nachwuchswissenschaftler*innen auf, damit sich die Teilnehmenden im Voraus anmelden können. Bei besonders nachgefragten Veranstaltungen ist eine Warteliste sinnvoll.
Schritt 3: Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis und Tischmoderatorinnen und -moderatoren gewinnen
Nehmen Sie Kontakt zu Praxiseinrichtungen auf. Diese kann über persönliche Netzwerke oder über die Personalabteilungen in Praxiseinrichtungen erfolgen. Stellen Sie Ihre Veranstaltungsbeschreibung zur Verfügung und fragen Sie Vertreterinnen und Vertreter aus Praxiseinrichtungen als Gäste an. Pro Veranstaltung sollten sechs bis zehn Gäste aus der Praxis teilnehmen, damit die Teilnehmenden zwischen verschiedenen Gästen aus unterschiedlichen Bereichen wählen können.
Rekrutieren Sie gleichzeitig Kolleginnen und Kollegen aus Ihren Einrichtungen, die die Tischmoderationen übernehmen können. Die Moderatorinnen und Moderatoren an den Tischen stellen sicher, dass alle Teilnehmenden zu Wort kommen, sich kurz fassen und die gestellten Fragen notieren, damit diese nach der Veranstaltung systematisch ausgewertet werden können.
Schritt 4: Durchführung der Veranstaltung
Die Teilnehmenden aus der Praxis treffen in der Regel 15 bis 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn ein. Jedem Gast aus der Praxis wird für die Dauer der Veranstaltung ein Tisch zugewiesen. Ein typischer Veranstaltungsablauf sieht wie folgt aus:
09:30–10:00 Uhr: Ankunft, Anmeldung und informelles Kennenlernen
10:00–10:10 Uhr: Einführung: Vorstellung der gastgebenden Organisationen und des Veranstaltungsformats. In unserem Fall: Vorstellung des ENGAGEgreen-Projekts, des Mercator Science-Policy Fellowship-Programms und der Goethe-Forschungsakademie für Nachwuchswissenschaftler*innen.
10:10–10:40 Uhr: Jeder Teilnehmende aus der Praxis stellt sich vor. Leitfragen für die Vorstellung: Was sind die Aufgaben Ihrer Organisation? Was sind Ihre individuellen Aufgaben? Wann benötigen Sie wissenschaftliche Erkenntnisse? Über welche Kanäle erhalten Sie Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen (z. B. Policy Briefs, in Auftrag gegebene Forschungsberichte, Expertengespräche, politische Veranstaltungen)? Wie sehen typische Karrierewege in Ihrer Organisation aus?
10:40–11:20 Uhr: Die Nachwuchswissenschaftler*innen begeben sich zu den Tischen. Erste Diskussionsrunde (Frage-und-Antwort-Runde an den Tischen). Nachwuchswissenschaftler*innen und Tischmoderatoren wechseln nach jeder Runde an einen neuen Tisch. Die Gäste aus der Praxis bleiben während der gesamten Veranstaltung an ihren Tischen. So kann jede Person aus der Praxis im Laufe der Veranstaltung mit drei verschiedenen Gruppen sprechen, und jeder Teilnehmende kann mindestens drei verschiedene Gäste aus der Praxis kennenlernen.
11:20–11:30 Uhr: Kaffeepause
11:30–12:20 Uhr: Die Nachwuchswissenschaftler*innen wechseln an den nächsten Tisch ihrer Wahl. Die Personen aus der Praxis bleiben an ihren Tischen. Zweite Diskussionsrunde in kleinen Gruppen.
12:20–12:30 Uhr: Kaffeepause
12:30–13:10 Uhr: Die Nachwuchswissenschaftler*innen wechseln an den nächsten Tisch ihrer Wahl. Die Gäste aus der Praxis bleiben wieder an ihren Tischen. Dritte Diskussionsrunde in kleinen Gruppen.
13:10–13:20 Uhr: Laden Sie zwei oder drei Gäste aus der Praxis und zwei oder drei Nachwuchswissenschaftler*innen ein, ihre Eindrücke im Plenum zu teilen: Was war das Interessanteste, das Sie heute gelernt haben? Was hat Sie am meisten überrascht?
Schließen Sie die Veranstaltung ab, indem Sie einen QR-Code verteilen, der zum elektronischen Feedback-Formular führt. Die Verteilung des QR-Codes zu diesem Zeitpunkt, wenn die Teilnehmenden noch im Raum sind, führt durchweg zu Rücklaufquoten von 70 Prozent oder mehr.
13:20–14:20 Uhr: Mittagsimbiss und Networking
Schritt 5: Auswertung und Nachbereitung
Werten Sie das Feedback der Teilnehmenden umgehend aus und nutzen Sie es, um das Format für zukünftige Veranstaltungen anzupassen. Senden Sie allen Gästen aus der Praxis innerhalb weniger Tage nach der Veranstaltung Dankesnachrichten. Wenn Teilnehmende wiederholt auf bestimmte Fragen oder Wissenslücken hingewiesen haben, sollten Sie erwägen, diese in einem praktischen Q&A-Handout für zukünftige Teilnehmende zusammenzufassen.
Aufgaben und Ressourcen
Organisationsteam (Wissenschaftsmanager*innen )
Das Organisationsteam ist für den gesamten Veranstaltungszyklus verantwortlich: Verfassen der Veranstaltungsbeschreibung und der Ankündigung im entsprechenden Kurskatalog oder Newsletter; Buchung des Raums, Organisation der Bestuhlung, der Mikrofone und des Caterings; Einladen von Fachleuten und Tischmoderatoren; sowie Auswertung des Feedbacks nach der Veranstaltung. Die Vorbereitungsphase erstreckt sich in der Regel über mehrere Wochen.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Nachwuchswissenschaftler*innen sollten etwa 3,5 bis 4,5 Stunden für die Veranstaltung einplanen, einschließlich des informellen Mittagessens. Die Organisatoren können die wichtigsten Diskussionsfragen vorab bekannt geben, damit die Teilnehmenden ihre eigenen Fragen an die Gäste aus der Praxis vorbereiten können.
Gäste/Teilnehmende aus der Praxis
Gäste aus der Praxis sollten etwa 3,5 bis 4,5 Stunden einplanen, einschließlich des informellen Mittagessens. Manche Teilnehmenden aus der Praxis bringen Informationsmaterialien zur beruflichen Laufbahn mit, um sie mit den anderen Teilnehmenden zu teilen; dies wird empfohlen und verleiht den Gesprächen einen praktischen Mehrwert.
Quellen und weiterführende Literatur
- Brown, J. & Isaacs, D. (2005). The World Café: Shaping Our Futures through Conversations That Matter. Berrett-Koehler Publishers.
- World Café Method — theworldcafe.com
- Erasmus+ project ENGAGEgreen
- Mercator Science-Policy Fellowship Programme, Goethe University Frankfurt
- GRADE — Goethe Research Academy for Early Career Researchers
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Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de

