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Format: Gemeinsame Gestaltung visueller Kommunikation als strategisches Instrument der Politikgestaltung

Beschreibung

Visuelle Kommunikation spielt in der heutigen politischen Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle, da sie eine klare, effiziente und inklusive Interpretation komplexer Daten und Analyseergebnisse ermöglicht. In der öffentlichen Verwaltung stützen sich Entscheidungsprozesse zunehmend auf große Mengen heterogener Daten, die von nationalen Ministerien, regionalen Behörden, Kommunen, Forschungseinrichtungen und privaten Einrichtungen erzeugt werden. Diese Daten werden jedoch oft in hochtechnischen, textbasierten oder tabellarischen Formaten präsentiert, was ihre Zugänglichkeit und praktische Verwendbarkeit für Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung, Interessengruppen und die breite Öffentlichkeit einschränkt.

Visuelle Kommunikation schließt diese Lücke, indem sie komplexe Datensätze und Analyseergebnisse in intuitive, verständliche und umsetzbare visuelle Formen wie Dashboards, Karten, Infografiken und interaktive Berichte umwandelt. Im Kontext der Politikgestaltung unterstützt die Visualisierung sowohl die Kommunikation an (Bereitstellung von Belegen, Szenario-Vergleiche, Folgenabschätzungen) als auch die Kommunikation von Akteurinnen und Akteuren in Politik und Verwaltung (Erläuterung politischer Maßnahmen, Transparenz, Rechenschaftspflicht und Bürgerbeteiligung).

Universitäten spielen in diesem Prozess eine Schlüsselrolle, indem sie methodisches Fachwissen in den Bereichen Datenanalyse, Kartografie, Datenvisualisierung, User Experience und User Design sowie kognitive Aspekte der Informationswahrnehmung einbringen. Durch eine strukturierte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Verwaltung und akademischen Experten wird visuelle Kommunikation nicht nur zu einem Design-Zusatz, sondern zu einem strategischen Instrument, das eine fundierte, transparente und partizipative Regierungsführung unterstützt.

Ziele

Die Hauptziele dieses Formats sind:

  • Komplexe politikrelevante Daten in klare und verständliche visuelle Darstellungen zu übersetzen, die auf verschiedene Zielgruppen (Entscheidungsträger, Experten, Bürger) zugeschnitten sind.
  • Das Verständnis, die Interpretation und die verantwortungsvolle Nutzung von Daten zu verbessern, die von der öffentlichen Verwaltung, der Wissenschaft und dem privaten Sektor produziert werden.
  • Evidenzbasierte Entscheidungsfindung zu unterstützen, indem ein schneller Vergleich von Szenarien, Trends und politischen Auswirkungen ermöglicht wird.
  • Transparenz und Vertrauen in öffentliche Institutionen durch offene, gut erklärte visuelle Ergebnisse zu erhöhen.
  • Die Wiederverwendung und Öffnung öffentlicher Daten zu fördern, indem Visualisierung in Open-Data-Strategien eingebettet wird.
  • Stärkung der langfristigen Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Behörden im Bereich der angewandten Datenkommunikation.

 

Wie funktioniert das Format?

Dieses Format basiert auf einer systematischen Zusammenarbeit zwischen Daten-Produzenten, politischen Entscheidungsträgern und akademischen Experten, die auf visuelle Kommunikation spezialisiert sind. Die Zusammenarbeit beginnt in der Regel mit der Identifizierung politikrelevanter Fragen oder Entscheidungsbedürfnisse und erstreckt sich über den gesamten Datenlebenszyklus – von der Datenaufbereitung bis hin zu den endgültigen visuellen Ergebnissen.

Ein üblicher Umsetzungsweg umfasst:

  1. Problemdefinition

Politische Entscheidungsträger definieren gemeinsam mit Fachexperten zentrale politische Fragen, Zielgruppen und Entscheidungskontexte. Die Definition des Prozesses könnte mit einem persönlichen oder Online-Treffen zwischen Mitarbeitenden in Politik/Verwaltung und Forschern beginnen, bei dem alle Aufgaben festgelegt werden. Die folgenden Prozesse könnten durch regelmäßige hybride Treffen, E-Mail-Berichte oder über gemeinsam genutzte Dokumente abgewickelt werden.

  1. Datenaufbereitung und -bewertung

Die öffentliche Verwaltung stellt relevante Datensätze zur Verfügung, während Experten der Universität die Datenqualität, Vollständigkeit und das analytische Potenzial bewerten.

  1. Gestaltung der Visualisierung

Wissenschaftliche Teams schlagen geeignete Visualisierungsmethoden vor (z. B. Karten, Zeitachsen, Dashboards, Vergleichsdiagramme), die auf kognitiven Prinzipien und den Bedürfnissen der Nutzer basieren.

  1. Iterative Entwicklung

Die visuellen Ergebnisse werden durch Feedbackschleifen unter Einbeziehung von politischen Entscheidungsträgern und Kommunikationsspezialisten verfeinert.

  1. Veröffentlichung und Verbreitung

Die Ergebnisse werden über offizielle Websites, Open-Data-Portale, Politikberichte, soziale Medien oder öffentliche Präsentationen veröffentlicht.

Fortgeschrittenere Umsetzungen können zu umfassenden Online-Datenportalen führen, die interaktive Visualisierungen, erläuternde Texte, herunterladbare Datensätze und methodische Dokumentation kombinieren. Diese Plattformen ermöglichen es den Nutzern, Informationen auf verschiedenen Detailebenen zu erkunden – von allgemeinen Zusammenfassungen bis hin zu Rohdaten – wobei die europäischen Open-Data-Grundsätze und Interoperabilitätsstandards eingehalten werden.

 

Herausforderungen (und Lösungsansätze)

  • Begrenzte Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften

Lösung: Aufbau langfristiger Partnerschaften mit Hochschulen und Einbindung von Studierenden und Forschenden durch praxisorientierte Lehrveranstaltungen, Praktika oder projektbezogene Zusammenarbeit.

  • Unzureichende Datenqualität oder -abdeckung

Lösung: Einführung von Datenqualitätsstandards und iterativen Validierungsprozessen unter Einbeziehung sowohl von Daten-Produzenten als auch von Analysten.

  • Unangemessene oder irreführende Visualisierungsentscheidungen

Lösung: Anwendung etablierter Visualisierungsrichtlinien und Sicherstellung einer fachlichen Überprüfung durch Spezialisten für Datenerfassung und Kartografie.

  • Finanzielle Einschränkungen

Lösung: Visuelle Kommunikationsmaßnahmen in bestehende Projekte, Fördermittel oder strategische Entwicklungsprogramme integrieren, anstatt sie als eigenständige Kosten zu behandeln.

  • Kapazitätsengpässe in der öffentlichen Verwaltung

Lösung: Internes Fachwissen mit externer akademischer Unterstützung kombinieren und gezielte Schulungen für Mitarbeitende des öffentlichen Dienstes anbieten.

 

Aufgaben und Ressourcen

Öffentliche Verwaltung

  • Politische Fragestellungen und Kommunikationsziele definieren.
  • Zugang zu relevanten Datensätzen und Kontextwissen bereitstellen.
  • Sicherstellen der Übereinstimmung mit rechtlichen, strategischen und institutionellen Rahmenbedingungen.

 

Forschende

  • Analyse von Daten und Vorschlag geeigneter visueller Kommunikationsmethoden.
  • Entwurf und Entwicklung visueller Ergebnisse und erläuternder Materialien.
  • Bereitstellung von Beratung, Schulungen und methodischer Anleitung.

 

Beauftragte für Wissenstransfer und Kommunikation

  • Förderung der Zusammenarbeit zwischen Institutionen – formelle/informelle Gespräche zwischen Forschenden und ausgewählten, in dem jeweiligen Fachgebiet kompetenten Beauftragten – persönliche/virtuelle Treffen, Rundtischgespräche.
  • Unterstützung bei der Verbreitung, Öffentlichkeitsarbeit und Einbindung von Interessengruppen.

 

Erforderliche Finanzierung für Aktivitäten

  • Für die routinemäßige Datenaufbereitung, die im Rahmen der Standardagenda der öffentlichen Verwaltung durchgeführt wird, sind keine zusätzlichen Mittel erforderlich.
  • Finanzielle Ressourcen können erforderlich sein für:
    • Arbeitszeit von Universitätsmitarbeitenden für fortgeschrittene Analysen und visuelles Design.
    • Entwicklung interaktiver Tools oder digitaler Plattformen.
  • Die rein beratende Mitwirkung von akademischen Experten fällt in der Regel unter deren übliche berufliche Aufgaben und erfordert möglicherweise keine zusätzlichen Mittel.

 

Beispiel: Regionales Open-Data- und Visualisierungsportal

Ein regionales Open-Data- und Visualisierungsportal wurde auf Initiative einer auf Geoinformatik und Datenvisualisierung spezialisierten Universitätsabteilung – dem Institut für Geoinformatik der Palacký-Universität Olomouc – und der Region Olomouc entwickelt. Das Projekt begann mit einer analytischen Studie zur Bewertung des aktuellen Stands der Datenverfügbarkeit und der Praktiken der visuellen Kommunikation in der Region.

Experten der Universität erarbeiteten eine Reihe strategischer Empfehlungen und schlugen einen visuellen Rahmen vor, der sich an internationalen Best Practices orientierte. Nach finanzieller Unterstützung durch die Regionalbehörde wurde das Portal als interaktive Online-Plattform umgesetzt, die thematische Dashboards, Karten, Erläuterungstexte und den Zugriff auf Rohdatensätze kombiniert.

Während des gesamten Entwicklungsprozesses wurden den regionalen Mitarbeitern kontinuierliche Beratung, Schulungen und fachliche Unterstützung angeboten. Das daraus resultierende Portal wurde zu einer der ersten umfassenden Open-Data-Visualisierungsplattformen des Landes und dient nun als Referenzbeispiel für andere Regionen.

Das Portal ist unter https://www.datao

 

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Kontaktieren Sie gerne Tome Sandevski über science-policy@uni-frankfurt.de


Jakub Koníček

Jakub Koníček is an Assistant Professor in the Department of Geoinformatics at the Faculty of Science, Palacký University Olomouc. His expertise includes Geographic Information Systems (GIS), digital cartography, and visual communication. He specializes in geovisualization, data visualization, infographics, and visual storytelling across various interdisciplinary fields. He can be contacted at jakub.konicek@upol.cz.

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