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Vier Rollen, fünf Positionen: Wie Forschende auf Anfragen aus der Politik reagieren. Eine Übung für Fortbildungen


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Reflexion der eigenen Rolle: Ob und wie Forschende Handlungsempfehlungen formulieren sollten, ist umstritten. Diese Übung versetzt die Teilnehmenden in die Lage von Forschenden, die über eine konkrete Anfrage entscheiden müssen. Sie basiert auf den vier idealtypischen Rollen von Roger Pielke aus seinem Buch „The Honest Broker“.
  • Trügerische Einfachheit: Das Szenario wirkt auf den ersten Blick simpel, entwickelt in den Kleingruppen jedoch eine hohe Dynamik. Positionen, die zunächst eindeutig erscheinen, erweisen sich in der Diskussion oft als überraschend schwer zu verteidigen.
  • Flexibel einsetzbar: Die Übung dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Sie lässt sich ideal in Schulungen zum Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung integrieren und eignet sich besonders für interdisziplinäre Gruppen.

Wie funktioniert das Format?

Schritt 1 (5–10 Minuten): Einführung

Die Workshop-Leitung stellt das folgende Szenario vor: Die Teilnehmenden des Workshops sind Forschende und Mitglieder einer interdisziplinären Forschungsgruppe zum Thema gesunde Ernährung. Die Forschungsgruppe erhält eine Anfrage vom Büro des Bürgermeisters und muss entscheiden, ob sie diese annehmen soll. Die Workshopleitung stellt die Szenariobeschreibung in gedruckter oder elektronischer Form bereit, und teilt die Teilnehmenden in Gruppen von 3–5 Personen ein.

Schritt 2 (10–25 Minuten): Gruppendiskussion und Rollenzuordnung

Jede Gruppe diskutiert die folgenden Fragen:

  • Welche Position der Forschenden finden Sie am überzeugendsten und warum?
  • Würdet Sie die Anfrage des Büros des Bürgermeisters annehmen? Welche Bedingungen würden Sie gegebenenfalls stellen?

Das Szenario scheint zwar recht einfach zu sein, erweist sich jedoch als komplex, sobald die Teilnehmenden in kleinen Gruppen die verschiedenen Optionen diskutieren. Bitten Sie mindestens eine Person pro Gruppe, Notizen zur Diskussion zu machen und die Antworten der Gruppen in der anschließenden Runde im Plenum vorzustellen.

Schritt 3 (10-20 Minuten): Welche Positionen entsprechen Roger Pielkes Typologie?

Mithilfe eines zweiten Arbeitsblatts ordnen die Gruppen anschließend Pielkes vier Rollen den fünf Forschenden im Szenario zu, indem sie Verbindungslinien ziehen. Die Definitionen aller vier Rollen sind direkt auf dem begleitenden Arbeitsblatt angegeben, sodass keine Vorkenntnisse über Pielkes Buch erforderlich sind. Wichtig ist, dass die Zuordnung nicht eins zu eins erfolgt: Eine einzelne Rolle kann auf mehr als eine Person aus der Forschung zutreffen, und die Position eines Wissenschaftlers oder einer Wissenschaftlerin kann mehr als eine Rolle widerspiegeln. Die Gruppen notieren für jede Zuordnung eine kurze Begründung. Diese Aufgabe führt in der Regel zu den lebhaftesten Diskussionen, da sich einige Forscherpositionen nur schwer eindeutig zuordnen lassen.

Bitten Sie mindestens eine Person pro Gruppe, Notizen zu machen, damit die Diskussion der Gruppe in der anschließenden Plenarsitzung vorgestellt werden kann.

Schritt 4 (10–25 Minuten):

  • Holen Sie alle Teilnehmenden zurück ins Plenum und fragen Sie, ob sie die Anfrage des Büro des Bürgermeisters annehmen würden, per Handzeichen oder mithilfe eines anonymen digitalen Feedbacktools, das bei einer umstrittenen Frage wie dieser in der Regel offenere Antworten ermöglicht.
  • Bitten Sie eine Gruppe zu beginnen und ihre Antworten den anderen mitzuteilen; bitten Sie die übrigen Gruppen, noch nicht angesprochene Aspekte hinzuzufügen.
  • Fragen Sie die Gruppen, bei welcher Zuordnung im Zuordnungsspiel es am schwierigsten war, sich zu einigen, und warum; diese Frage verrät oft mehr über die vier Rollen als das Zuordnungsspiel selbst, da sie die Teilnehmenden dazu zwingt, genau zu formulieren, wo die Position eines Forschers mehrdeutig wird.

Aufgaben und Ressourcen

Workshopleitung

Die Leitung bereitet eine Folie vor, auf der die Übung erläutert wird. Die Leitung stellt gedruckte oder elektronische Kopien beider Arbeitsblätter – des Szenarios und der Zuordnungsübung – zur Verfügung, teilt die Teilnehmenden in Gruppen ein, hat die Zeit während der Gruppendiskussion im Blick und moderiert die abschließende Plenarsitzung.

Forschende und Mitarbeitende aus Wissenschaftsmanagement oder Wissenstransfer

Die Workshop-Teilnehmenden diskutieren in Kleingruppen und ordnen die Positionen der Forschenden im Szenario den vier Rollen nach Pielke zu und begründen jede Zuordnung. Ein Mitglied pro Gruppe präsentiert die Ergebnisse der Gruppe; andere Mitglieder können während der Plenardiskussion gerne ihre eigenen Perspektiven einbringen.

Akteure aus Politik/Verwaltung

Nehmen Akteure in Politik/Verwaltung am Workshop teil, sind sie eingeladen, ihre Sichtweise auf die Anfrage und auf die von den Gruppen vorgeschlagenen Bedingungen darzulegen, einschließlich der Frage, ob solche Bedingungen aus ihrer Sicht realistisch oder akzeptabel wären. Sie können auch allgemein auf ihre Erwartungen hinsichtlich wissenschaftlicher Expertise eingehen.

 

Die Arbeitsblätter sind hier verfügbar  →  V_ov_fourrolefiveresearchers_worksheet_rmu_de

 

Quellen und weiterführende Literatur

Pielke, Roger (2007), The Honest Broker. Making Sense of Science and Politics. Cambridge: Cambridge University Press.

 

Das Policy Engagement Toolkit befindet sich noch in der Entwicklung                                                                            

Bitte senden Sie Kommentare zu unseren Kapiteln oder Vorschläge für Format- oder Praxisbeispiele an science-policy@uni-frankfurt.de

 

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