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Der direkte Draht

Persönliche Begegnungsformate als Instrument des bidirektionalen Wissenstransfers zwischen Forschung, Politik und Verwaltung

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Dieses Format ermöglicht es Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, an einem Tag oder über mehrere Tage hinweg, persönliche Gespräche und Treffen mit Akteuren aus Politik und Verwaltung durchzuführen.
  • Durch den Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung lernen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Praxisperspektiven auf ihre Forschung kennen, während Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung einen Überblick über den Stand der Forschung zu Fragen erhalten, mit denen sie sich gerade beschäftigen.
  • Persönlicher Austausch ist ein sehr effektives Mittel zum Wissensaustausch und kann den Aufbau langfristiger Netzwerke zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen und Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung ermöglichen.

Wie funktioniert dieses Format?

Der Ablauf ist einfach: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung führen informelle Gespräche über Themen mit Policy-Relevanz. Die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung können konkrete Fragen stellen (z. B.: „Wie wirken sich Smartphones auf die Lesefähigkeiten von Grundschulkindern aus?“) oder allgemeine Fragen (z. B.: „Wie verändert die Digitalisierung die Finanzbranche? Wie funktionieren Algorithmen?“). Die Treffen dauern in der Regel eine Stunde und können als Einzelgespräche oder als Kleingruppengespräche stattfinden.

 

Was zeichnet solche Formate aus?

 

Bidirektionaler Wissenstransfer. Während Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung Zugang zu wissenschaftlicher Fachexpertise erhalten, lernen die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Policy-Perspektiven auf ihre Forschung kennen.

Großer Wissenszuwachs: Persönliche Treffen sind ein sehr effektives Kommunikationsmittel, da beide Seiten Fragen stellen können. Beide können selbst entscheiden, welche Themen sie behandeln möchten und so ihr Erkenntnisinteresse steuern.

Freiwilligkeit: Das Format basiert auf Freiwilligkeit. Nur intrinsisch motivierte Personen nehmen an den Treffen teil.

Zeiteffizienz: Die Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung können aus umfassenden Listen die Forschenden auswählen, die sie treffen möchten, ohne selbst zeitaufwendig recherchieren zu müssen. Ebenso erhalten die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom von der Geschäftsstelle des Programms Einladungen zu den Gesprächen, einschließlich möglicher Terminfenster sowie der Themeninteressen der Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung.

Offener Dialog im informellen Rahmen: Das Format bietet den idealen Rahmen für offene Gespräche. Im Gegensatz zu Anhörungen im Parlament oder zu formellen Sitzungen in Ministerien finden sie in einem informellen Rahmen statt. Es werden keine Protokolle der Treffen angefertigt.

Vielfalt in Bezug auf wissenschaftliche Disziplinen: Wenn beispielsweise ein Mitarbeitender aus Politik und Verwaltung fragt, wie der Energieverbrauch gesenkt werden kann, können Gespräche mit Forschenden aus der Architektur zum Thema energiesparendes Bauen, mit Ingenieuren zu energiesparenden technischen Lösungen und mit Ökonomen zu Fragen der Energiesteuern stattfinden. Ebenso können Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung treffen, die aus verschiedenen Abteilungen derselben Institution oder aus mehreren unterschiedlichen Institutionen kommen.

Zusammenbringen von Menschen, die sich sonst nie begegnet wären. Viele Akteure in Politik und Verwaltung haben noch keinen Kontakt zu Forschenden. Dabei sind persönliche Gespräche eine einfache Möglichkeit, die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammenzubringen.

Reichweite. Das Format ermöglicht es, viele Forschende mit vielen Akteuren aus Politik und Verwaltung zusammenzubringen. So organisierten beispielsweise die Rhein-Main-Universitäten 3.500 Treffen zwischen 350 Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung und 850 Wissenschaftlern in einem Zeitraum von 10 Jahren.

 

Wie stellen Universitäten den Kontakt zu Akteuren in Politik und Verwaltung her?

Universitäten können Mitarbeitende in Politik und Verwaltung bitten, für sie interessante Themen (z. B. Biodiversität, Klimawandel) einzureichen. Die Universitäten prüfen anschließend, ob sie persönliche Treffen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern organisieren können. Fällt die Prüfung positiv aus, können die Universitäten mögliche Termine für Treffen mit Wissenschaftlern vorschlagen oder die Vertretenden in Politik und Verwaltung bitten, mögliche Termine einzureichen.

Alternativ können Universitäten Vertretende aus Politik und Verwaltung fragen, ob sie daran interessiert sind, von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ihren Einrichtungen besucht zu werden. Die Universitäten können dann die Listen mit Forschenden an die Praxiseinrichtungen leiten, die mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung Gespräche führen möchten.

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten die Websites der Beteiligten aus Politik und Verwaltung prüfen, um sich einen Überblick über deren Arbeitsgebiete und mögliche Wissensbedarfe zu verschaffen. Falls die Beteiligten aus Politik und Verwaltung Listen mit Fragen eingereicht haben, sollten sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen anhand dieser Fragen auf die Treffen vorbereiten. Zudem müssen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Gesprächsführung bei den Treffen übernehmen.

 

Mitarbeitende im Transfer oder Wissenschaftsmanagement

Während die Treffen zwischen den Beteiligten aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung in der Regel etwa eine Stunde dauern, ist die Organisation dieser Treffen sehr zeitaufwendig.

Wenn solche Formate zum ersten Mal durchgeführt werden, müssen Mitarbeitende im Transfer oder Management alle Beteiligten über das Format informieren. Sie müssen die Fachkenntnisse der Wissenschaftler mit den Interessengebieten der Vertretenden in Politik und Verwaltung abgleichen, was je nach Format und Teilnehmerzahl mehrere Wochen dauern kann.

Die Mitarbeitenden im Transfer oder Management müssen die Termine koordinieren, Informationsmaterialien wie Handreichungen und Webseiten erstellen und kurze Auswertungen durchführen.

 

Beteiligt aus Politik und Verwaltung

Um einen großen Nutzen aus den Treffen zu ziehen, sollten sich die Mitarbeitenden aus Politik und Verwaltung darauf vorbereiten, indem sie die Websites der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besuchen, um mehr über deren Fachgebiete zu erfahren.

Wenn Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus akademischen Disziplinen treffen, mit denen sie sich erst noch vertraut machen müssen, sollten sie vorab einen kurzen Artikel über die jeweilige Disziplin lesen. Ein Wikipedia-Artikel reicht in den meisten Fällen aus.

Es ist völlig in Ordnung, wenn Gäste aus Politik und Verwaltung mit dem Fachgebiet der Wissenschaftler, die sie treffen, nicht vertraut sind. Allerdings sollten die Gäste aus Politik und Verwaltung nachvollziehen können, warum diese Treffen stattfinden. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung sollten Fragen oder Themen vorbereiten, auf die sie sich konzentrieren möchten, um die Gespräche möglichst effektiv zu nutzen.

 

Literatur und Ressourcen

Mercator Science-Policy Fellowship-Programm der Rhein-Main-Universitäten

ETH Policy Fellowship

The CsaP Policy Fellowship der University of Cambridge

Policy Fellowship der University of Copenhagen

Policy Fellowship an der University of Guelph

 

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Anhörungen und Expertengespräche in Parlamenten

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Über Anhörungen erhalten Abgeordnete in Parlamenten Einschätzungen von Forschenden und weiteren Sachverständigen.
  • Die eingeladenen Expertinnen und Experten haben meist nur wenige Minuten Zeit, um ihre Stellungnahmen vorzutragen und die Fragen der Abgeordneten zu beantworten.
  • Die Abgeordneten bitten in der Regel um Bewertungen vergangener, gegenwärtiger oder geplanter Maßnahmen (z. B. Gesetzesentwürfe).
  • Parlamente veröffentlichen oft Aufzeichnungen oder Protokolle der Anhörungen auf ihren Webseiten, die Forschende nutzen können, um sich vorzubereiten.

Wie funktioniert das Format?

Parlamentarische Ausschüsse organisieren Anhörungen, wenn sie bestehende Maßnahmen bewerten oder neue Entscheidungen (z.B. im Zusammenhang mit Gesetzgebungsverfahren) vorbereiten und dafür Expertise von Forschenden und weiteren Sachverständigen einholen möchten. Die Forschenden können meist vor der Anhörung eine kurze schriftliche Stellungnahme einreichen.

Abgeordnete bzw. ihre persönlichen Mitarbeitenden oder die Mitarbeitenden der Fraktionen recherchieren mögliche Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft oder Zivilgesellschaft, die über die jeweiligen Themen Expertise besitzen. Dabei können Sie auch Mitarbeitende in Ministerien um Empfehlungen bitten. Die Anzahl der Sachverständigen, die Fraktionen vorschlagen können, hängt von der Anzahl der Fraktionsmitglieder zusammen, die im jeweiligen Ausschuss vertreten sind. Die Einladung der Sachverständigen erfolgt formal über die Ausschüsse.

Wenn Forschende identifiziert wurden, werden sie von Mitarbeitenden des Ausschusses informiert und erhalten Informationen zum genauen Inhalt, zum Zeitpunkt, zum Modus (Präsenz oder virtuell) und zum Ablauf der jeweiligen Anhörung. Meistens reichen die Forschenden und weiteren Sachverständigen kurze Stellungnahmen von wenigen Seiten ein, die von den jeweiligen Abgeordneten und deren Mitarbeitenden gelesen werden.

Nach den Berichten der eingeladenen Expertinnen und Experten stellen die Ausschussmitglieder Fragen. Die Ausschüsse gewähren den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nur wenig Zeit, um ihre Stellungnahmen zu einem Thema darzulegen und Fragen der Abgeordneten zu beantworten.

Parlamente auf regionaler und nationaler Ebene sowie das Europäische Parlament fordern in der Regel externe Expertinnen und Experten zur Bewertung von Politik auf. Die Bereitstellung wissenschaftlicher Expertise durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Verbesserung der Politik ist eine wichtige Aufgabe. Anhörungen bieten einen offiziellen Kanal, um evidenzbasierte Informationen an Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung zu übermitteln und in den Dialog mit Gesetzgebenden zu treten. Dabei sollten Forschende verstehen, dass die Bereitstellung von Informationen und Empfehlungen nicht automatisch zur Übernahme der Bewertung oder Vorschläge bei der Gesetzgebung führt.

Oft können Bürgerinnen und Bürger Anhörungen beiwohnen. Anhörungen erregen auch mediale Aufmerksamkeit, wenn kontroverse Themen behandelt werden, die zuvor öffentlich diskutiert wurden. Viele Parlamente veröffentlichen Protokolle und Aufzeichnungen auf ihren Webseiten und bieten Live-Streams an. Auf Plattformen wie YouTube finden sich zahlreiche Aufzeichnungen parlamentarischer Anhörungen verschiedener Länder.

 

Herausforderungen

Die Ausschüsse gewähren den Expertinnen und Experten meist nur wenige Minuten für ihre Stellungnahmen und die Beantwortung der Fragen der Abgeordneten. Im Unterschied zu den Zeitlimits wissenschaftlicher Konferenzen dürfen die Redezeiten bei Anhörungen nicht überschritten werden. Die Ausschussvorsitzenden achten streng auf die Einhaltung der Redezeiten, was für Forschende, die im Rahmen von wissenschaftlichen Konferenzen sozialisiert wurden, ein Kulturschock bedeuten kann.

Da Fraktionen Vorschläge für die einzuladenden Sachverständigen machen, kann dies dazu führen, dass Forschende mit politischen Parteien assoziiert werden und nicht als unabhängige Sachverständige, sondern als Vertreterinnen oder Vertreter der jeweiligen Parteiposition wahrgenommen werden.

Je nach politischer Kultur eines Landes können kontroverse Diskussionen zwischen Forschenden und Abgeordneten entstehen. Das Gegenteil ist ebenfalls möglich: Abgeordnete können sich bereits festgelegt haben und betrachten die Anhörung als gesetzlich vorgeschriebene Pflichtveranstaltung, von der sie sich keine neuen Erkenntnisse erhoffen. Es kann daher für Forschende frustrierend sein, wenn sie davon ausgegangen sind, dass ihre Stellungnahmen für die Abgeordneten von großer Bedeutung sind. Die Mitwirkung an Anhörungen erhöht die Sichtbarkeit von Forschenden in Parlamenten und Ministerien. Forschende, die zeigten, dass sie komplexe Sachverhalte verständlich erläutern und dabei die zeitlichen Vorgaben einhalten konnten, werden häufig zu Fach- oder Hintergrundgesprächen in Fraktionen oder Ministerien eingeladen.

Anhörungen bieten beteiligten Forschenden die ideale Möglichkeit, im Nachgang den Kontakt zu den Abgeordneten aufzunehmen, diese für Einzelgespräche anzufragen oder zu Veranstaltungen einzuladen. Anhörungen stellen daher gute Vernetzungsmöglichkeiten dar. Ein Professor für Politikwissenschaften sagte einmal: „Ich nehme nicht an Anhörungen teil, um eine Stellungnahme im Ausschuss abzugeben, sondern für informelle Gespräche auf den Fluren.“

 

Aufgaben und Ressourcen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Falls erforderlich, müssen Forschende vor der Anhörung eine schriftliche Stellungnahme einreichen. Sie sollten kurze und prägnante Aussagen vorbereiten und das Beantworten kurzer Fragen üben. Forschende sollten verstehen, dass Abgeordnete oft nur wenig Zeit haben, vorab umfangreiche schriftliche Stellungnahmen zu lesen. Deshalb sind neben dem Inhalt auch Länge, Struktur, Visualisierungen und Sprache der Stellungnahme entscheidend: Je leichter verständlich, desto wahrscheinlicher ist, dass die wichtigsten Botschaften im Gedächtnis bleiben.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten auch ihre Rolle reflektieren: Möchten sie nur Expertise zu einem Thema liefern oder für ein bestimmtes politisches Ergebnis werben? Im letzteren Fall sollten sie sich auf die Anhörung vorbereiten, indem sie Gesetzesentwürfe, Positionen der Abgeordneten sowie Stellungnahmen anderer eingeladener Expertinnen und Experten studieren.

Falls die Vertreterinnen und Vertreter des einladenden Ausschusses Leitfäden oder FAQ-Listen bereit stellen, sollten diese unbedingt gelesen werden. Sie enthalten hilfreiche Informationen zum Zugang zum Gebäude, zu Zeitlimits oder zur Erstattung der Reisekosten. Weitere Fragen, etwa zum Dresscode oder Anrede, können bei den Organisatorinnen und Organisatoren der Anhörung geklärt werden. Virtuelle Teilnahme wird zunehmend ermöglicht. Falls sich Gelegenheiten während Kaffeepausen oder Gesprächen auf dem Flur ergeben, können Forschende mit Vertreterinnen und Vertretern des Parlaments in einen informellen Austausch treten.

Mitarbeitende im Wissenstransfer oder Wissenschaftsmanagement (Unterstützungsstrukturen)

Damit Forschende von den Fraktionen als Sachverständige vorgeschlagen werden, müssen diese bei den Fraktionen bekannt sein. Häufig besteht schon persönlicher Kontakt. Aussagekräftige Webseiten, die die aktuelle Policy-Expertise aufzeigen, erleichtern die Recherche nach Expertinnen und Experten.

Mitarbeitende im Wissenstransfer können die Sichtbarkeit der Expertise ihrer Forschenden erhöhen, indem sie Veranstaltungen mit Teilnehmenden aus Parlamenten und Ministerien organisieren oder Newsletter oder soziale Medien nutzen. Sie können auch Forschende, die bereits an Anhörungen teilgenommen haben, zu ihren Erfahrungen befragen und auf dieser Basis kurze Leitfäden oder FAQ für ihre Forschenden erstellen. Sie können Forschende dabei unterstützen, ihre Expertise auf ihren eigenen Webseiten verständlich darzustellen.

Akteurinnen und Akteure in Politik und Verwaltung

Abgeordnete und deren Mitarbeitende müssen die Stellungnahmen vorab lesen und Fragen vorbereiten, die sie den Forschenden bei der Anhörung stellen wollen.

Benötigte finanzielle Mittel

Parlamente übernehmen in der Regel Reisekosten und zahlen eine Tagespauschale.

 

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